Bildungsgutscheine und freie Schul-Wahl am Beispiel Chiles:

 

Oder: Wie wirkungsvoll ist das Instrument der ‚Vouchers’?

Hausarbeit vom 15.03.2011 zum Projektseminar: Theorien und Konzepte in der Vergleichenden Bildungsforschung (Wintersemester 2010/2011) bei Dr. Barbara Schulte

Einleitung

In der Vergleichenden Erziehungswissenschaft findet eine ausführliche kritische Betrachtung von Ideen und Instrumenten statt, die weltweit als Mittel gesehen werden, zum Ziel „Fortschritt“ und „Entwicklung“ zu kommen. Wobei allein schon über diese beiden Begriffe eine rege Debatte stattfindet. Da gibt es auf der einen Seite die VertreterInnen einer Idee von „Weltkultur“[1], für die Fortschritt und Gerechtigkeit klar definierte und universelle Werte auf der ganzen Welt sind. Andere theoretische Richtungen, etwa relativistische Theorien[2] oder Ansätze über multiple Modernisierung[3], gehen von kulturspezifischen Rezeptionen und Konzeptionen im Bildungsbereich aus.

In der wissenschaftlichen und politischen Diskussion um die Entwicklung von Bildungssystemen gelten die Instrumente und Ideen der Privatisierung, Dezentralisierung, Schulautonomie, Bildungsstandards und Bildungsgutscheine als beispielhaft für eine universalistische Herangehensweise. Auch ist es gerade in diesem Feld schwer, die politische Dimension von der wissenschaftlichen Arbeit sauber zu trennen: Internationale Organisationen wie OECD, Weltbank und McKinsey haben eigene wissenschaftliche Apparate und geben Studien und Einschätzungen heraus, die stets mit dem Anspruch der Verwirklichung einer bestimmten Politik Hand in Hand gehen. Auch die internationalen Vergleichsstudien wie PISA, IGLU und TIMSS haben die Idee, es gäbe eine universelle Lösung zur Verbesserung von Bildungsangeboten auf der ganzen Welt, weiter verbreitet.  Diese rein Output-orientierte Betrachtung der Bildungssysteme in anderen Ländern und Kulturen basiert gerade auf der Annahme von Standards, die für alle Gültigkeit haben müssten. Kulturelle Disparitäten kommen in dieser Betrachtungsweise nur am Rande vor.

In der vorliegenden Arbeit wird zunächst die Ideengeschichte des Instruments Bildungsgutschein (engl. Voucher) betrachtet, wie sie vom Ökonom Milton Friedman entworfen wurde, unterschiedliche Rezeptionen erfuhr und in der heutigen nationalen und internationalen Debatte stattfindet. Daraufhin wird am sogenannten Muster-Beispiel Chile untersucht, wie Bildungsgutscheine in ihrer konkreten Ausgestaltung konzipiert, umgesetzt und rezipiert werden können. In der abschließenden Diskussion dieser Ergebnisse soll ein möglicher Ausblick auf die weitere Entwicklung dieses bildungspolitischen Instruments gegeben werden. „Bildungsgutscheine und freie Schul-Wahl am Beispiel Chiles:“ weiterlesen

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