Tag Archiv für Schematherapie

Überhöhte Standards – ich arbeite dran

Überhöhte Standards sind eine Lebensfalle. Der Begriff Lebensfalle stammt aus der Schematherapie, die von Jeffrey E. Young mitbegründet wurde und auf der Kognitiven Therapie basiert. Eine Freundin von mir macht seit Jahren diese Form der Psychotherapie und da wir uns recht selten sehen, konnte ich bei ihr wie bei kleinen Kindern beobachten, wie sie “wuchs”. Wie sie erstarkte. Wie sie ihr Leben neu definierte und wie sie glücklicher und zufriedener wurde. Das hat mich dermaßen fasziniert, dass ich mir wirklich das Buch “Sein Leben neu erfinden” von Jeffrey Young kaufte und seitdem habe ich viel darin gelesen und rumgekritzelt. (mehr zu den Lebensfallen oder auch Schemata gibt es drüben in der Wikipedia – dort ist es aber etwas anders aufgezogen, als in Youngs Buch)

Ich will euch gar nicht weiter mit meiner Psychokacke nerven…. der eigentliche Grund, warum ich das hier alles schreibe ist eine Studie von Rheingold, die unter dem reißerischen Titel “Defective Joy Gene: Study Finds Germans Incapable of Enjoying Life” bei SpOn rezipiert wird. So heißt es in dem Artikel:

The results conform to the image that many Europeans have of Germans in this era of economic crisis as self-denying overachievers who can’t even turn off the fun-brakes when vacationing at the beach.

Erst verrennen wir uns in einer Hatz um das Overachievement – dann reißen wir die Notleine und nennen es Burnout. Dass das eine und das andere direkt zusammenhängen merken viele nichtmal, wenn sie am Boden liegen, es geht einfach von vorne los. Und wir toppen uns immer wieder selbst, indem wir immer mehr Maßnahmen implementieren, LEISTUNG zu messen, LEISTUNG zu steigern und LEISTUNG zu heroisieren. So zum Beispiel Chefs, die erst ab einem gewissen Krankheitsgrad akzeptieren, dass ihre MitarbeiterInnen zu hause bleiben – das dürfen diese nicht selbst entscheiden. Das ist in der Schematherapie die Lebensfalle “Überhöhte Standards”.

Die Studie zeige deutlich, so der Artikel, dass wir Deutschen erst eine Sache richtig genießen könnten, wenn wir dafür etwas geschafft und erreicht hätten. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Gestern lag ich kurz auf einer Wiese. In der Sonne. Einfach so. Alleine und ohne Kinder. Das Traurige ist, dass ich das nicht freiwillig getan hatte. Ich habe gestern auf sehr unschöne Art meinen Job verloren, denn vor lauter Überforderung und Druck hatte ich nicht beachtet, dass ich meinen Vertrag zum 05.05. hätte verlängern müssen (und ein paar blöde Umstände kamen hinzu, die dazu führten, dass ich die Sache nicht bereits Mitte April klären konnte, wo sie mir zum ersten Mal gewahr wurde… Aber das ist jetzt insgesamt zu kompliziert… für hier reicht: Ich war von 100 auf Null einfach draußen). Wäre das gestern so nicht passiert, hätte ich von früh bis spät Abends gearbeitet. Wie immer halt. Nix mit Wiese. Darum arbeite ich jetzt an mehr Wiese, ganz von mir selbst aus. Und wenn mir jemand noch ne gute, aber bezahlbare Yoga-Schule empfehlen kann, bestenfalls mit Socializing-Effekt, weil er/sie selbst dort ist, dann ist auch mein Rücken sehr dankbar :)