Russlands Mauern

vergib uns, Ukraine

„Vergib uns, Ukraine“ von @PaulSonne via twitter

Als der Friedensmarsch durch Moskau zog, lief der Youtube-Livestream bei mir fast den ganzen Tag nebenher. Es lag so viel Hoffnung und so viel Mut darin. Aber schon am nächsten Tag zerschlugen sich die Erwartungen und es wurde deutlich: die russische Politik mauert. Im Netz, gegen „ausländische Agenten“, gegen kritische Medien. Ein Mauern, das mich 25 Jahre nach der bewegenden Rede Genschers in der deutschen Botschaft in Prag nachdenklich macht, denn sehr viel weiter sind wir in der Entwicklung der Ost-West-Beziehung offenbar nicht gekommen. Waren damals vielleicht sogar schon weiter, als wir es heute sind. Warum das so ist, darüber denke ich bei den FAZ-Wostkindern nach.

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Die Krimkrise setzt das Völkerrecht unter Druck

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Die westlichen Medien sprechen in Bezug auf die Krim unisono von einer „Annexion“. Bei anderen Fällen, die nicht unähnlich ablaufen, nimmt man lieber andere Begriffe – denn sie passen ins eigene Weltbild, in die eigenen politischen strategischen Pläne (oder in die eigene Geopolitik – whatever). Das nennt man einen medialen Bias und ich habe versucht, mich diesem Phänomen zu nähern, indem ich die Begriffe und Normen einmal unter die Lupe genommen habe. Das Feld ist kompliziert und ich habe gerade in der darauf folgenden Diskussion noch sehr vieles gelernt – deswegen lege ich euch nicht nur meinen aktuellen Beitrag bei den Wostkindern, sondern auch die Debatte darunter ans Herz (eigentlich gilt das immer – die Kommentare lohnen sich häufig wirklich, was mich sehr erfreut). Klar wird vor allem, wie diese Geschichte das Völkerrecht in Bedrängnis bringt – denn mal wird es ganz streng genommen und so ausgelegt, mal eher lax und anders ausgelegt. Das beschreibt auch sehr schön Jeffrey D. Sachs im Capital.

Das nächste Mal folgt Teil zwei, in dem ich den Fall der Treuhand genauer untersuchen will, den ich – mal offen gesprochen – für einen Fall von wirtschaftlicher Annexion halte. Auch das wird wieder kompliziert, aber was nützt es? Die Themen gehören einfach einmal auf den Tisch und ich vermute, dass unsere Generation – also jene, die zur Wende noch Kinder waren – wenig bis gar nichts über die Geschehnisse damals mitbekommen haben (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel). Aber das kommt dann in zwei Wochen. Bis dahin geht die Diskussion sicher noch fröhlich weiter…

Bild: Russische Flotte in Sewastopol. Iwan Aiwasowski, 1846. Public Domain

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Plädoyer für einen verrückten Blick

Russland startet wohl gerade ein Luftmanöver im Nordwesten – so die aktuellen Nachrichten. Was treiben die da eigentlich? Gestern meldete das Land Transnistrien an, es wolle der russischen Föderation beitreten, Putin hielt eine wilde Rede und Hunderttausende bejubeln ihn in seinem Reich Land. Was passiert da eigentlich? Wie ticken eigentlich diese Russen, diese Menschen, was für eine Seele hat dieses Land?

Russisches Grafiti angelehnt an den Pelewin-Roman “Buddhas Kleiner Finger”. V. Vizu, CC-BY-SA 3.0

Russisches Grafiti angelehnt an den Pelewin-Roman “Buddhas Kleiner Finger”. V. Vizu, CC-BY-SA 3.0

Für viele Menschen ist es weit weit weg, nach der Wende und dem Ende der Sowjet-Union, als man ja selbst nun endlich als Sieger aus dem Kalten Krieg hervorging, war es vor allem: egal. Es war ja „besiegt“ und was interessierte einen schon so ein Land, das offenbar von einem Wodkaschluckspecht namens Jelzin regiert wurde (nicht meine Worte – aber ein Bekannter äußerte sich in den Neunzigern einmal in dieser Art über den damaligen russischen Präsidenten)?

In Russland, teilweise Teil des europäischen Kontinents, und um Russland herum passierten Dinge, die wir höchstens einmal kurz in Zusammenhang mit dem Tschetschenien-Krieg wahrnahmen – dann aber ganz schnell wieder verdrängten. Russland erscheint bizarr, fremd, anders.

Schröder hatte als Kanzler immerhin eine enge Freundschaft zu den Russen – wenngleich ich dieses Buddy-System wirklich bis heute sehr sehr strange finde. Aber da konnte man reden, man hat einander respektiert und sich ein bisschen von der Korruption inspirieren lassen… Männerfreundschaft eben. Ich will nicht behaupten, dass ich dieser Buddy-Show hinterhertrauere – herrje, wahrlich nicht! – aber ich finde es mehr als ungenügend, was Merkel für die Integration von und die Kommunikation mit Russland getan hat. Putin triggert sie total – und selbst, wenn ich das rein vom Gefühl her verstehen kann, muss eine Kanzlerin in meinen Augen trotzdem professioneller agieren.

Nun ist das Kind eben im Brunnen und ich will jetzt auch nicht alles besser gewusst haben oder besser wissen. Von der Sorte Schreiberlingen haben wir genügend. Darum bewerbe ich mich nicht. Aber ich möchte dafür werben, sich mit Russland zu befassen, es kennen zu lernen, sich ihm offen und unbefangen zu nähern. Das ist wichtig – verdammt wichtig. Im Juni werde ich erneut nach Breslau fahren und eine Konferenz von Wissenschaftler_innen aus ganz Osteuropa und Russland besuchen – ich bin sehr gespannt darauf und freue mich wirklich sehr. Bei meinem letzten Breslau-Besuch erfuhr ich, dass ein wissenschaftlicher Austausch mit Russland erst seit etwa fünf Jahren überhaupt möglich ist! Und das ist eine dieser mir Mut machenden Nachrichten. Es gibt Anknüpfungspunkte. Russland ist kein anderer Planet!

Aus all diesen Gründen verschlinge ich gerade die Bücher von Viktor Pelewin. Und darüber habe ich dann gestern auch bei der FAZ gebloggt. Pelewin schreibt Bücher, in denen er Tolstoi in einem Computerspiel Zombies jagen lässt, er hat mit „Generation P“ ein mittlerweile auch verfilmtes Buch über junge russische Menschen geschrieben, sozusagen die „Wostkinder“ Russlands oder deren „Dritte Generation Ost“. Man kann aber auch in seinem Fantasy-Roman „Das heilige Buch der Werwölfe“ sehr viel über die russischen Verhältnisse, die Logiken und Schranken der Gesellschaft erfahren. Alles stets in einem rotzigen Ton, die reudigen Facetten der Realität nie aussparend, sondern gebührend beschreibend. Das Werwölfe-Buch habe ich letzte Woche trotz Veranstaltungsmarathon in vier Tagen weggeschmökert – so ein Lesevergnügen!

und danke an Alex aus Moskau, der mich überhaupt erst auf den Pelewin-Trip brachte! Thanx Alex for recommending Victor Pelevin!

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Die Ukraine als Spielball im Machtkampf der Imperien

… oder auch Möchtegern-Imperien.

Die Geschichte um die Ukraine ist spannend wie auch verwirrend. Sie ist eine weitere Episode in der Geschichte der Revolutionen im ehemaligen Sovjetunions-Raum. Von den Demonstrationen in Kiew berichten derzeit alle deutschen Medien. Beinahe täglich gibt es neue Geschehnisse. Deswegen habe ich mich für meinen aktuellen Wostkinder-Beitrag auch damit auseinandergesetzt.

Im Netz würde man sagen, was die Ukraine anbelangt bin ich ein „N00b“ – eine nicht gerade belesene Unwissende, Anfängerin. Aber: Ich habe ein Gespür für die Schaffung von Narrativen. Für Inszenierungen und die Macht der Bilder. Für das Politische in der Information. Deswegen habe ich diesen Text so geschrieben, wie er nun nachzulesen ist: Auf der Basis einiger Lektüre verschiedener Stiftungen, Hintergründe über das umstrittene Assoziations-Abkommen und Medienberichte. All das ist im Text verlinkt.

Dabei tauchte immer eine Konstante auf: „Demokratiebringen“ soll für die Ukraine vor allem bedeuten, den westlichen Kapitalismus zu adaptieren. Es werden Gesetze und Regelungen übergestülpt, ganz nach dem klassischen Motto One Size fits all. Das soll vor allem Wachstum fördern. Aber bringt das wirklich Demokratie? Dazu kommt die ständige Übertreibung des Feindbildes Russland.

In der Debatte unter dem Text darf gerne mitgemischt werden.

Bildquelle: Roggenfeld. Von Ivan Shishkin. Via Wikipedia.org

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Russland schränkt Rechte indigener Völker ein

(Dies ist eine Pressemitteilung der Hannoveraner Organisation JANUN e.V., die seit vielen Jahren in ihrer Umweltschutzarbeit auch immer einen engen Austausch mit indigen Menschen aus der ganzen Welt pflegen. Während meines FÖJ in Verden lernte ich JANUN kennen und mögen.)

Die russische Regierung hat die Dachorganisation der indigenen Völker Nordrusslands Raipon verboten.

… mit der wir von JANUN e.V. selber im Rahmen unseres Sibirienprojektes in Kontakt stehen und die uns beim Aufbau unseres Projektes unterstützt hat.

Nun braucht Raipon unsere Solidarität. Greenpeace hat eine Protestaktion gestartet, an der sich jedeR schnell und einfach beteiligen kann.

Siehe der link unter dem Text.

Worum es geht:
Die russische Regierung begründet Ihre Entscheidung mit angeblichen Widersprüchen in der Satzung der Organisation – ungeachtet der Tatsache, dass RAIPON auf Basis dieser Satzung seit 22 Jahren ohne Beanstandungen arbeitet. Seit ihrer Gründung 1990 hat die Organisation die Rechte der 41 Gruppen indigener Völker des russischen Nordens vertreten. Sie vereinte rund 300.000 Menschen, die oft keine Stimme in der politischen Arena haben.

Im August dieses Jahres hat sich RAIPON, zusammen mit anderen Vertretern indigener Völker Russlands, auf einer von Greenpeace organisierten Konferenz klar gegen Ölbohrungen in der russischen Arktis ausgesprochen. Die jetzige Kaltstellung der Organisation scheint ein dürftig verschleierter Versuch der russischen Regierung zu sein, die kritischen Stimmen auszuschalten.

mehr Informationen bei Greenpeace.de

Mitmachen und weiter verbreiten!

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