Die Krimkrise setzt das Völkerrecht unter Druck

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Die westlichen Medien sprechen in Bezug auf die Krim unisono von einer „Annexion“. Bei anderen Fällen, die nicht unähnlich ablaufen, nimmt man lieber andere Begriffe – denn sie passen ins eigene Weltbild, in die eigenen politischen strategischen Pläne (oder in die eigene Geopolitik – whatever). Das nennt man einen medialen Bias und ich habe versucht, mich diesem Phänomen zu nähern, indem ich die Begriffe und Normen einmal unter die Lupe genommen habe. Das Feld ist kompliziert und ich habe gerade in der darauf folgenden Diskussion noch sehr vieles gelernt – deswegen lege ich euch nicht nur meinen aktuellen Beitrag bei den Wostkindern, sondern auch die Debatte darunter ans Herz (eigentlich gilt das immer – die Kommentare lohnen sich häufig wirklich, was mich sehr erfreut). Klar wird vor allem, wie diese Geschichte das Völkerrecht in Bedrängnis bringt – denn mal wird es ganz streng genommen und so ausgelegt, mal eher lax und anders ausgelegt. Das beschreibt auch sehr schön Jeffrey D. Sachs im Capital.

Das nächste Mal folgt Teil zwei, in dem ich den Fall der Treuhand genauer untersuchen will, den ich – mal offen gesprochen – für einen Fall von wirtschaftlicher Annexion halte. Auch das wird wieder kompliziert, aber was nützt es? Die Themen gehören einfach einmal auf den Tisch und ich vermute, dass unsere Generation – also jene, die zur Wende noch Kinder waren – wenig bis gar nichts über die Geschehnisse damals mitbekommen haben (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel). Aber das kommt dann in zwei Wochen. Bis dahin geht die Diskussion sicher noch fröhlich weiter…

Bild: Russische Flotte in Sewastopol. Iwan Aiwasowski, 1846. Public Domain

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Kinderpornografie auf twitter

Eigentlich bin ich gerade gar nicht auf twitter, @dieKadda macht eine Pause, weil ich für die Uni viel machen muss. Es ist mal wieder Hausarbeiten-Saison. Doch weil am Freitag ein netzfeminisisches Bier anstand, war ich am Donnerstag von der Uni aus mit dem Account @Netzfeminismus online. Leider.

In meiner Timeline tauchte der Tweet einer Frau auf, die dazu aufrief einen Twitter-User, den sie gementionet hat, bei twitter zu melden und ihn und seine Follower zu „zerlegen“, weil er auf twitter Kinderpornografie verbreite. Dieser tweet war mir von einer anderen Frau in die Timeline retweetet worden.

Natürlich klickte ich den Namen des Users an, landete auf seinem Profil. Da waren sofort die Bilder. Er hatte sie mit twitpic hochgeladen und mein Client zeigte sie alle sofort an. Ich hatte so etwas bis dahin noch nie gesehen. Ich erspare euch weitere Beschreibungen. Ab da war ich für mehrere Stunden mit der Sache befasst.

Zuerst kam es mir komisch vor, dass man dazu aufrief, twitter zu benachrichtigen. Richtig ist es, die internetbeschwerdestelle.de zu kontaktieren. (weitere Möglichkeiten, Kinderpornografie zu melden: jugendschutz.net und inhope.org (international, wenn bekannt ist, aus welchem Land) – danke an Lucie!) Umgehend und ohne zögern. Das habe ich getan. Ich wusste auch noch, dass der Download solcher Bilder illegal ist, auch ein Screenshot etc… ich kopierte aber die Follower desjenigen in ein Word-Dokument. Es enthielt keine Bilder. Ich speicherte es ab. Der internetbeschwerdestelle.de gegenüber erwähnte ich diese Liste.

Die internetbeschwerdestelle.de ist nach eigenen Angaben international vernetzt – falls ein Täter einmal nicht in Deutschland ist. Was hier eindeutig der Fall war. (Ergänzung: wenn das Land bekannt ist, dann auch inhope.org – dort kann man die zuständigen Behörden direkt informieren).

Ich ermahnte darüber hinaus meine Follower auf twitter (besser gesagt, die Follower von Netzfeminismus), dass man die Behörden informieren müsse, nicht twitter. Das revidierte ich später, da auf den Seiten der internetbeschwerdestelle.de stand, man müsse auch die Anbieter (etwa Youtube, Facebook oder wo auch immer das kinderpornografische Material erschien) informieren. Dabei geht es vor allem darum, dass die Inhalte offline genommen werden. wie Tom in den Kommentaren ergänzte, gibt es dafür eigens eine Mailadresse bei twitter: cp@twitter.zendesk.com

Ich erhielt recht schnell eine Antwort von der internetbeschwerdestelle.de (IBS). Dankeschön, bla bla. und keinen Screenshot machen solle ich und außerdem aufpassen, dass ich nichts davon runterlade, wegen strafbar machen und so weiter. Vor allem aber: Das Userprofil sei entfernt worden, man könne da jetzt nichts weiter nachverfolgen. Das wars.

Bevor das Profil offline war, hatte ich ja die Follower in mein Dokument kopiert. Einen davon klickte ich stichprobenartig an. Ich schaute mir die Leute an, denen er folgte. Alle sehr eindeutig. Offenbar waren hier hunderte Menschen via twitter vernetzt, die Kinderpornografie konsumierten und austauschten. Ich schickte die URL zu der Liste derer, denen dieser Typ folgte, auch an die IBS. Ich bekam seither bis heute keine weitere Antwort. Was das heißt kann ich nicht sagen. Ich kann nur hoffen, dass die zuständigen Behörden leise und still an der Sache arbeiten und versuchen, wenigstens einen Teil dieser Leute international zu kriegen.

Mehr konnte und kann ich also nicht machen. Der Tag war aber gelaufen. Die Bilder bekam ich nicht mehr aus meinem Kopf. Mir ging es so schlecht, wie lange nicht, ich fühlte mich seelisch richtig kaputt und ich hasste die Menschheit und die Welt. Erst am nächsten morgen war es ein bisschen besser. Und auch wenn die Bilder sich in meinem Kopf festgebrannt haben und ich sie immer noch nicht los bin, geht es jetzt. Aber:

Wenn euch Kinderpornografie im Internet über den Weg läuft, dann bitte – bitte! – gebt keine Links oder Accounts an andere weiter! Diesen User zu twittern war äußerst unklug. Erstens wurde er gewarnt. Zweitens wurden potentiell viele Menschen echt seelisch angegriffen.

Wendet euch auch immer ZUERST an die Behörden! ich weiß es nicht mit Sicherheit, was twitter da macht, ob das weiter verfolgt wird. Ich kenne mich wirklich nicht damit aus. Aber die Antwort der IBS war, dass sie es nicht weiter verfolgen können, weil das Profil offline ist. Und auch das offline-Nehmen warnt allerspätestens die Täter.

Und wenn jemand euch Links etc… gibt, dann bitte -bitte! – retweetet es nicht. Es gibt dafür keine guten Gründe. Es besteht keine Notwendigkeit, dass so viele Menschen wie möglich Kinderpornografie sehen sollen. IM GEGENTEIL.

Ich vermute, das war alles gut gemeint. Aber es war alles nicht gut durchdacht. Deswegen schreibe ich das hier, damit in Zukunft anders reagiert wird. Ich schreibe das jetzt am Beispiel von twitter. Aber analog kann man das sicherlich auf andere Plattformen anwenden.

Zweierlei noch: Das Argument, auf Kinderpornografie im Internet stoße man nicht einfach so – das ist hiermit nun wohl endgültig widerlegt.

Zweitens: Eines der Argumente gegen Netzsperren war: wenn eine Seite mittels Stoppschild gesperrt würde, würden die Täter gewarnt und könnten schnell ausweichen etc.. deswegen frage ich mich: ist es nicht besser, mit dem melden an die Plattformbetreiber etc… zu warten? Eventuell, bis eine Antwort von den Behörden (also auch der ibs) da ist?

Abschließend: was ich hier schreibe ist wenig detailiert recherchiert. Wenn ihr zum Umgang mit solchen Situationen und Problemen weitere Empfehlungen und rechtliche Hinweise habt, immer her damit, ich möchte es gerne ergänzen. Ich glaube, dass es wichtig für alle ist, wenn wir uns untereinander darüber informieren und austauschen. Damit einerseits die Behörden die besten Chancen haben, die Täter zu erwischen. Und andererseits andere InternetnutzerInnen möglichst von verstörenden Inhalten verschont bleiben.

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