Wostkinder meets Eisenkinder

In der vergangenen Woche war es zwar hier still – dafür aber andernorts nicht.

Wostkinder-Podcast mit Sabine Rennefanz
Bei der FAZ haben wir, Marco und ich, den ersten richtigen, auch in iTunes und Podcatchern abonnierbaren (mp3 oder mp4), Podcast gestartet. Dieser läuft im Rahmen unseres Projektes „Wostkinder“ und wird etwa einmal im Monat erscheinen.

Unser erstes Gespräch ist am Mittwoch veröffentlicht worden. Wir sprachen mit Sabine Rennefanz, Autorin des Buches „Eisenkinder“ über ihre Kindheit und Jugend in der DDR, ihre Erfahrungen auf einer DDR-Elite-Schule in Eisenhüttenstadt, wie es dort war und sich anfühlte, als die Wende kam. Sabine Rennefanz hat ein sehr bewegtes Leben, hat viele verschiedene Stationen gemacht und beschäftigt sich in ihrem Buch – ähnlich wie wir in unserem Blog – mit der Frage: Was hat all das mit uns gemacht? Und was können wir daraus lernen?

Ihr Buch kann vielleicht als eine Vertiefung der Gedanken angesehen werden, die sie in ihrem Essay „Uwe Mundlos und ich“ (erschienen in der Berliner Zeitung) anriss: „wir hatten die Sehnsucht nach Radikalität gemeinsam, nach einem klaren Weltbild. Wer sich als Jugendlicher in der Nachwendezeit abgrenzen wollte, hatte es nicht so leicht, eine Protestkultur zu finden.“

Es war ein sehr intensives und – finde ich – gutes Gespräch!

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Erscheinungsraum – mein eigener Podcast


Nachdem ich im letzten Sommer Blut geleckt hatte und in Sachen Podcasting ein paar Gast-Auftritte hinter mir, die allesamt toll waren, fand ich es an der Zeit, einen eigenen Podcast zu machen. Und so soll es auch sein.

Der Titel lautet Erscheinungsraum. Und wer ein bisschen mit Hannah Arendt vertraut ist, erkennt vielleicht: Der Begriff stammt von ihr.

Die Idee dahinter ist, Menschen und Geschichten, Perspektiven und Unsichtbares hörbar zu machen. Im Gespräch. Die ersten beiden Folgen sind aufgenommen und weitere werden folgen. In Folge eins sprach ich mit Marco Herack über die Wahrnehmung von Menschen im Netz und die Schwierigkeit von Freundschaften in diesem Raum. In Folge zwei lassen Maike Weißpflug und ich Hannah Arendt erscheinen – die auch nicht immer nur beliebt war, eigensinnig und nach Freunden verlangte, mit denen man streiten kann.

Die Seite zum Podcast ist hier: Erscheinungsraum.de.

Den Podcast kann man  als mp4 abbonnieren oder als mp3 abonnieren. (Oder als Ogg Vorbis). Den Podcast gibt es außerdem bei iTunes.

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Habemus FAZ-Blog

Neues Jahr, neues Projekt. Dieses Projekt ist ein FAZ-Blog. Es heißt „Wir Wostkinder“ und ich schreibe es zusammen mit Marco Herack.

 


Grenzgänger zwischen Pittiplatsch und Klassenfeind. (Bild: FAZ)

 

In unserem Blog gehen wir von unserer eigenen Geschichte aus: Wir sind beide, ich noch vor, er nach der Wende, vom Osten in den Westen gegangen. Wir haben beide einen nicht unwichtigen Teil unserer Kindheit, der uns sehr geprägt hat, in der DDR verbracht, in einem System, das wir als Kinder nur schemenhaft und auf einer Gefühlsebene wahrgenommen haben. Es hat uns sehr unterschiedlich stark beeinflusst. Während in meinem Kindergarten kaum Indoktrination passierte, hat Marco die ganze Härte des DDR-Schulsystems zu spüren bekommen. Bei mir war es eher die Trennung von meinem Vater, der 1987 in den Westen gegangen war, die schmerzlich fühlen ließ, dass Freiheit fehlte.

Dann die Krise, in ein gänzlich anderes System, eine gänzlich andere Kultur geworfen zu sein: Baden-Württemberg. Neue Werte und Normen, völlig fremde Ideale und all das erfoderte eine hohe Anpassungsfähigkeit – die wir mal mehr, mal weniger gut bieten konnten. Und irgendwie, so stellten wir beide fest, standen wir bald zwischen den Stühlen. Wir begannen uns für den Osten und die Menschen dort – unsere Familien! – zu schämen und gleichzeitig wurden wir mit der neuen Umgebung nicht gerade leicht warm. Bei mir hat es sieben Jahre gedauert, bis ich mich selbst in all dem Chaos gefunden hatte. Dass in diesen sieben Jahren auch noch eine nicht gerade einfache Pubertät lag, das hat es nicht viel besser gemacht.

In unserem Blog wollen wir verschiedenen Fragen auf den Grund gehen, die uns in der Beschäftigung mit unserer eigenen Geschichte kommen. Wir holen nach, was wir als Kinder noch nicht verstehen konnten: Wie funktionierte das System DDR? Was hat diese Reise aus uns gemacht? Wie erlebten andere Menschen diese Welten? Dabei wollen wir verschiedene Menschen kennen lernen und mit ihnen zusammen ein Mosaik aus Geschichten und Gesprächen, Bildern und Literatur schaffen, bei dem wir an dem jetzigen Punkt selbst noch nicht wissen, was am Ende als Ganzes herauskommen wird.

Ich bin sehr aufgeregt und gespannt und freue mich auf die Arbeit an diesem Projekt. Bitte überfrachtet es nicht gleich mit Erwartungen. Für uns ist das auch irgendwie Neuland und wir werden uns aus unseren Fragen heraus entwickeln – wir sind keine Expert_innen. Wir sind nur wir. Wir haben eine Geschichte. Und mit dieser fangen wir an. Wir freuen uns, wenn ihr uns auf dieser Reise begleitet. Und wir haben einen twitter-Account, der euch über aktuelle Beiträge in unserem Blog auf dem Laufenden halten wird. Heute gibt es jedenfalls unseren ersten Beitrag mit dem Titel „Nicht Fisch und nicht Fleisch“.

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