So sieht es aus: Männer dürfen lesen!

und wo sind die Frauen?

Schlachtfeld Frau“ ist der Titel des Artikels, den ich gerade lese. (Lest ihn auch!) und was sieht mein Adlerinnen-Auge? In der Sidebar neben diesem Artikel auf Zeit.de werden Lesungen gefeaturet. Die erste Seite von dreien zeigt keine einzige Frau. Erst wenn mensch weiterblättert, tauchen insgesamt 3 Frauen auf (und zehn Männer).

Screenshot der angebotenen Lesungen auf zeit.de - Männer sind einfach die besseren Literaten. Oder?

Über das Sichtbarkeitsproblem der Frauen in der Literatur kann man hier weiter lesen:

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Frauen mit Bart – Selbstinszenierung und Ironisierung im Web 2.0

“Flickernde Jugend”: Was Jungen und Mädchen mit ihren durchschnittlich 13 Stunden pro Woche im Internet für eine Bilderwelt erzeugen, wurde nun erstmals wissenschaftlich untersucht. Heutige Jugendliche sind mit dem Internet aufgewachsen. Sie gehen anders damit um, als die heute 30-Jährigen oder ältere Generationen. Manchmal ist ihr Umgang damit für uns schwer verständlich, manchmal fast verstörend: […]

“Flickernde Jugend”: Was Jungen und Mädchen mit ihren durchschnittlich 13 Stunden pro Woche im Internet für eine Bilderwelt erzeugen, wurde nun erstmals wissenschaftlich untersucht.

Bild: Libri.deHeutige Jugendliche sind mit dem Internet aufgewachsen. Sie gehen anders damit um, als die heute 30-Jährigen oder ältere Generationen. Manchmal ist ihr Umgang damit für uns schwer verständlich, manchmal fast verstörend: Wenn Jugendliche in der U-Bahn auf einen Menschen einschlagen und davon triumphierend ein Handy-Video machen, das sie bei Youtube einstellen, erschüttert uns das. Vielleicht kommt es uns auch so vor, als würden die jungen Frauen heute nur noch sexuell aufgeladene Profilbilder von sich ins Internet stellen? Prügelnde Jungen, sexy Playboy-Häschen – Welche Rolle spielen Geschlechterrollen in den Bildern der Jugendlichen? Was machen die da eigentlich die ganze Zeit, wenn sie – wie Studien ergeben – im Durchschnitt 13 Stunden pro Woche im Internet sind? „Flickernde Jugend – rauschende Bilder. Netzkulturen im Web 2.0“ heißt eine frisch herausgegebene Untersuchung über das Verhalten von Jugendlichen in den typischen Online-Bild-Plattformen wie Flickr und Youtube. Birgit Richard, Professorin für Neue Medien am Institut für Kunstpädagogik der Universität Frankfurt, hat mit ihrem Team die Plattformen besucht und akribisch durchstöbert. Sie legen erstmals eine Studie vor, die nachzeichnet, was Jugendliche im Netz mit Selbst- und Fremdbildern inszenieren.

Das zentrale Ergebnis der Untersuchung ist, dass ein großer Teil der Jugendlichen, die sich über bewegte und unbewegte Bilder im Netz zeigen, sich an sogenannten Stars orientiert. Ihre Posen, ihre Mimik, ihre Maskerade – all das gilt als Schablone für Jugendliche, wenn sie zum Beispiel ein Profilbild von sich bei Facebook oder ein Selbstporträt bei Flickr einstellen. Anders gesagt: die Pose ist für heutige Jugendliche größtenteils so selbstverständlich, wie Händeschütteln. “Wesentlicher Bestandteil der digitalen Jugendkultur ist die körperbetonte sinnliche Selbstdarstellung” schreiben Richard und ihr Team. Die Visitenkarte des “Ich” im Netz wird in einem aktiven Prozess gestaltet. Noch Interessanter wird die Untersuchung an dieser Stelle, wenn sie auf die Unterschiede bei Jungen und Mädchen eingeht.

Men act – Women appear
“Men act – Women appear” heißt ein Leitsatz von John Berger, der die Repräsentation von Gender in Bildern oder im öffentlichen Leben auf einen Nenner zu bringen versucht. Die WissenschaftlerInnen scheinen diesen Leitsatz in der “flickernden. Jugend” wieder zu finden: Weibliche User ironisieren zum Beispiel mittels gespielter Weiblichkeit und Niedlichkeit, wie zum Beispiel ein unschuldig-schief gelegtes Köpfchen, die geltende Norm von Weiblichkeit. Damit seien Frauen, so die These, in der Lage, Stereotype gezielt zu unterwandern und zu brechen. Männern hingegen sei das verwehrt. Sie träten nicht um der bloßen Erscheinung wegen auf eine Bildfläche, sondern um einer Tätigkeit Willen. Wenn sich also eine sehr große Zahl von Frauen als “kleines Mädchen” inszeniert, so wird hier ein spielerischer, stereotypbrechender Umgang mit dem Selbstbild angenommen. Wenn Männer sich als “starke Männer” inszenieren, gibt es keine subversiven Momente in ihrer Darstellung. Vielleicht liegt es daran, dass junge Männer häufiger gesichtslos bleiben, als junge Frauen?

Beide Geschlechter, so betonen die WissenschaftlerInnen, halten sich gleichermaßen weitestgehend an die Geschlechterordnung der westlichen Gesellschaft. Frauenkörper sind dabei in besonderem Maße dem Qualitätsurteil der Obenflächenmakellosigkeit unterzogen, was sich in Zeiten von Photoshop allerdings mit Links realisieren lässt. Wollen Männer die engen Vorgaben dieser Norm einhalten, so scheint es Common sense zu sein, dass dies vor allem durch muskulöse Oberkörper einzulösen sei. Frauen hingegen erreichen die Norm, wenn sie durch geschicktes Posen ihre Brüste und ihren Po gut zur Geltung bringen können. Sexyness, so die Quintessenz, ist inhärenter Bestandteil einer als erstrebenswert angesehenen Selbstdarstellung bei Flickr. Egoshots bei flickr geben ein buntes Bild jugendlicher Selbstdarstellung wieder: vom “Indie-Boy” bis zum “Macho” sind viele Facetten der Männlichkeit möglich. Beide aber, so resümieren die AutorInnen, sind ernst gemeint, kaum subversiv. Weiblichkeiten reichen von “niedliche Grazie in einer Heilen Welt” zur bewusst “hässlichen”, Grimassen schneidenden “Anti-Heldin”, die alles ändere als weiblich aussieht, wenn sie gerade eine Kotz-Pose einnimmt. Beide aber sind wenig ernst gemeint.

Frauen mit Bart
Eine besondere, und besonders häufig vertretene Form des Brechens mit stereotyper Weiblichkeit, ist die Frau mit Bart. Die Untersuchung dieses Phänomens nimmt immerhin ein ganzes Kapitel bei Richard und ihrem Team ein. Die Intentionen der Abweichung qua Bart sind vielfältig: bewusster Bruch mit Klischeeweiblichkeit, Parodie von Männlichkeit, echte Mannwerdungsabsichten oder einfach nur Nonsense in Ballermann-Manier – die Frau mit Bart kann viele Motive haben. Eine weitere Dimension der Abweichung ist die aggressive Frau: beispielsweise die sexuell aggressiv auftretende Lady Bitch Ray. Sie provoziert gezielt und erfolgreich eine Abwehrreaktion in den eingespielten Auseinandersetzungen zwischen Männlichkeit, Weiblichkeit und Herrschaftsverhältnissen zwischen beiden. Sowohl eingefleischte Feministinnen, wie auch konservative Männer reagieren alarmiert – was genau die Intention der Protagonistin sein dürfte. Abweichendes Verhalten und dann auch noch derart sexuell aufgeladen – nicht erst im Web 2.0 eine Form des Protests, bereits die Schwulenbewegung wusste, wie man damit einen Protest erfolgreich sichtbar machen und aufheizen kann.

Zusammenfassend kann also festgehalten werden: neben einer Mehrheit, die sich affirmativ an den Rollenbildern von Stars und Ikonen der Moderne orientiert und sie als Vorbilder für die eigene Selbstinszenierung heranzieht, formiert sich eine Bewegung der “Abweicher”, die mit Stereotypen bricht. Frauen inszenieren dieses Abweichen jedoch deutlich häufiger und radikaler, als es Männer bislang tun.

Ein ganzes Kapitel der Untersuchung ist der Betachtung der Phänomene Cyber-Mobbing, Happy Slapping und demütigenden Bildern. Die Ergebnisse sind recht unspektakulär: Während gerade die Medien sowie die Politik diese Phänomene gerne aufbauscht, um eine gewaltbereite, asoziale und unmoralische Jugend zu inszenieren, so kann davon ausgegangen werden, dass sie nichts anderes als eine Art “logische Fortsetzung” von sozialem Verhalten bei Konflikten und Wut, eine nun eben ver-Web-2.0te Form der Rache sind, wie es sie schon immer in und zwischen Peer Groups gab. Öffentliche Demütigung gehörte immer schon dazu – nur war sie nie so öffentlich möglich, wie jetzt. Das ist problematisch, denn sind Bilder einmal im Netz, ist ihre Halbwertszeit nicht zu unterschätzen. Doch eine gewalttätigere, unmoralischere Jugend als früher gibt es nicht. Sie hat jetzt nur andere Mittel, wenn sie Rache übt. Was die AutorInnen jedoch als sehr wohl problematisch empfinden, sind die unterschiedlichen Botschaften, die von Öffentlichkeit und Politik an Jungen und Mädchen gesendet werden.

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