Britische Trockenheit und Ukulele

Manchmal braucht man nicht mehr, als eine Akkordfolge und es eröffnet sich eine ganze Welt des Pop…
Das zeigt (siehe Youtube-Video): Das wunderbare The United Kingdom Ukulele Orchestra!

und weil ich weiß, wie sehr ihr das alle mögt: Bohemian Rhapsody \o/

„Dieses kleine Instrument kann große Sachen bewirken“.
Vor allem macht es sehr gute Laune, es erdet.

Spielt Ukulele, ihr Hater!

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Die Herrlichkeit des Lebens

Lange habe ich nicht mehr so geheult am Ende eines Buches, ich habe mich letzte Nacht in den Schlaf geweint. Es war schlimm.

Selten stelle ich hier Bücher vor, aber manche darf man nicht unerwähnt lassen und eines von diesen ist „die Herrlichkeit des Lebens“ von Michael Kumpfmüller. Darin geht es um das letzte Jahr in Kafkas Leben. Man schenkte mir das Buch voller Begeisterung, ich solle es unbedingt haben. Und wenn ich es nicht selbst läse, sei es doch mindestens ein sehr schönes Geschenk zum Weitergeben – also bitte, nehmen Sie es.

Kafka? Ich habe mich außer in der Schule bislang noch nicht sehr intensiv mit ihm befasst und auch das damals war nicht viel. „Ein Bericht für eine Akademie“ – mehr habe ich bislang nicht gelesen. Das mochte ich wirklich sehr, warum es dabei blieb, das weiß ich nicht. Aber woher soll auch die Zeit kommen, alles zu lesen. Es gibt zu viel Interessantes. Man kann nur hoffen, dass man mindestens 90 wird, sonst hat man keine Chance.

Das geschenkte Buch las ich sofort, alle anderen legte ich beiseite. Das Leben ist derzeit anstrengend und etwas Rührendes kann da vielleicht nicht schaden. Beinahe jeden Abend las ich mindestens ein Kapitel und gestern Abend drei oder vier. Denn gestern ist er gestorben – was von Anfang an klar war. Aber dass man sich so in ihn verlieben konnte, das war nicht von Anfang an klar. Doch so war es dann. Schlimm.

Was soll ich noch groß sagen, ich verarbeite ja immernoch. Aber man muss Michael Kumpfmüller danken, ihn mit Komplimenten überschütten (denn er schreibt so wunderbar) und es dann dem Schenker gleich tun: Holt euch dieses Buch und wenn ihr es nicht selbst lest, dann verschenkt es.

Etwas klarer im Kopf war ansonsten Oliver Jungen, der für die FAZ eine Renzension verfasst hat.

Michael Kumpfmüller: „Die Herrlichkeit des Lebens“. Roman.Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2011. 240 S., geb., 18,99 Euro.

 
Bild: „I’m alone | Explored“ CC BY 2.0 by Vinoth Chandar via Flickr

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Erscheinungsraum – mein eigener Podcast


Nachdem ich im letzten Sommer Blut geleckt hatte und in Sachen Podcasting ein paar Gast-Auftritte hinter mir, die allesamt toll waren, fand ich es an der Zeit, einen eigenen Podcast zu machen. Und so soll es auch sein.

Der Titel lautet Erscheinungsraum. Und wer ein bisschen mit Hannah Arendt vertraut ist, erkennt vielleicht: Der Begriff stammt von ihr.

Die Idee dahinter ist, Menschen und Geschichten, Perspektiven und Unsichtbares hörbar zu machen. Im Gespräch. Die ersten beiden Folgen sind aufgenommen und weitere werden folgen. In Folge eins sprach ich mit Marco Herack über die Wahrnehmung von Menschen im Netz und die Schwierigkeit von Freundschaften in diesem Raum. In Folge zwei lassen Maike Weißpflug und ich Hannah Arendt erscheinen – die auch nicht immer nur beliebt war, eigensinnig und nach Freunden verlangte, mit denen man streiten kann.

Die Seite zum Podcast ist hier: Erscheinungsraum.de.

Den Podcast kann man  als mp4 abbonnieren oder als mp3 abonnieren. (Oder als Ogg Vorbis). Den Podcast gibt es außerdem bei iTunes.

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Die innere Kritikerin zum Schweigen bringen

Vielleicht habt ihr schon mitbekommen, dass ich ein kleines Fangirl von Laura Lejeune bin. Laura hat einen Youtube-Kanal zum Thema Selbsthilfe bei Depressionen und Selbstverletzung.
Eines der ersten Videos, das ich von ihr fand, war „Silencing your inner critic“, das sie letzten Oktober aufgenommen hat. Ich war durch die Recherche zum Fall von Amanda Todd auf sie gestoßen.
Hier also das Video:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=HSI6YiJ0Rb0]

Sie sagt, sie wollte ein leichtes Video zur Verfügung stellen. Ich finde es nicht so wirklich leicht. Denn mir stellen sich bis heute einige Fragen – dennoch komme ich nicht umhin einzusehen, dass etwas anderes an vielen Stellen nicht hilft. Oder?

Wer ist die innere Kritikerin?

„Die innere Kritikerin ist die Stimme, die deine Zuversicht sabotiert. […] Es ist diese Stimme, die dir erzählt, was du falsch gemacht hast, was du hättest tun sollen, was du sein solltest. […] Schritt Nummer eins ist akzeptieren, dass die Stimme von dir kommt“

Es ist ein bisschen schwierig, diese Stimme so nach innen zu verlagern. Was mich zum Beispiel umtreibt, ist die Frage nach der Grenze. Wo beginnt dieses Innen und wo endet das Außen. In der Kürze des Videos wird diese Frage überhaupt nicht geklärt. Diese Stimme kommt schließlich oft genug von außen. Ziemlich viele, sehr konkrete äußere Stimmen wissen ziemlich oft, was man so alles falsch gemacht hat. Stimmen, die nach innen wandern können. Und bin ich dann wirklich selbst verantwortlich? Im Grunde ist das eine Sicht, die alle Verantwortung zu denjenigen schiebt, die leiden. „Nicht deine Eltern, nicht deine Bullies, nicht deine Freunde – du bist es!“ sagt Laura. Immer wieder blieb ich beim Betrachten des Videos daran hängen. Für mich eine der deprimierendsten Stellen. Denn wer die Stimmen nach innen wandern lässt, hätte ja gerne, dass sie von außen verstummen, etwas anderes sagen. Die Eltern, die Bullies, die Freunde.

In der Welt in der wir leben, die eine schlechte ist, führt leider kein Weg daran vorbei, diese Stimmen nicht mit nach innen zu nehmen. Das ist die bittere Erkenntnis. Welche Stimmen innen drin sind, das bestimmen wir selbst. Die da draußen, die liegen außerhalb unseres Einflussbereichs und die müssen wir im Zweifelsfall loslassen. Das schwierige daran ist der Balanceakt zwischen „ich lasse es los und höre nicht mehr hin“ und „ich nehme ernst, was andere sagen, denn das haben sie verdient“. Oder besser: Es ist wahnsinnig schwierig, zu entscheiden, wann man welche Reaktion wählen soll. Muss ich das ernstnehmen oder kann das weg? Über dieses Problem könnte ich mir ewig den Kopf zerbrechen (und werde ich vermutlich auch). Tendentiell jedoch, das weiß ich und deswegen finde ich dieses Video hilfreich, muss ich mit meiner konkreten Disposition, lernen, Dinge abzuschütteln und nicht so nah an mich ranzulassen. Abgrenzung.

Rituale des Verzeihens und des Loslassens

„Du kannst die Zeit nicht zurückdrehen. […]Du kannst nichts dagegen machen, du kannst es nicht mehr ändern.“

Hier denke ich: Nein. Zeit zurückdrehen natürlich nicht. Aber wenn ich an etwas zu knabbern habe, das in der Vergangenheit liegt – ist es dann wirklich sinnvoll, es einfach so ab zu tun?
Ich las vor einigen Wochen einen ähnlichen Tipp in meinem Entrümpelkalender. Der Kalender war nicht nur für meine Wohnung gedacht, sondern immer wieder gab er mir Tipps um Gedanken- und Gefühlsballast zu entrümpeln. Diese Idee scheint mir interessant. Zum Beispiel sollte ich, dem Kalender zufolge, Leuten verzeihen. Aufschreiben, wie sie mich verletzt oder wie sie mich wütend gemacht haben und in einem echten Ritual verzeihen. Mir kam das komisch vor. Aber ich habe es getan – ich habe aktiv verziehen. (Dummerweise hat das insofern nichts gebracht, als dass die Verletzung einfach wiederholt wurde… Aber warum nicht das Ritual zu gegebener Zeit auch wiederholen?). Aktives Verzeihen ist keine Hexenkunst, scheint es. Dennoch können die meisten Menschen das heute nicht mehr. Bringen wir es unseren Kindern eigentlich noch bei?
Der zweite Kalendertipp war, sich in einem ähnlichen Ritual seiner Stärken und seiner Schwächen bewusst zu werden und im Zusammenhang mit den Schwächen auszuloten, ob sie änderbar sind, ob man sie ändern will und wenn es nicht zu ändern ist: Sie loszulassen. Sich so sein lassen. Das eigene So-sein akzeptieren. Auch Laura empfiehlt, die negativen Gedanken über sich selbst aufzuschreiben und mit etwas Abstand, eine Woche oder mehr, darauf zurückzukommen, es zu lesen und zu schauen, ob es wirklich immer noch so dramatisch scheint. In der Hoffnung, dass es das dann nicht mehr tut.
Das heißt nicht, und kann nicht heißen, dass eine Geschichte aus der Vergangenheit einfach ausradiert wird. Gelöscht. Sie ist das. Sie ist ein Teil von uns. Vielleicht denken wir manchmal an sie und mit Sicherheit haben wir durch sie etwas gelernt.

Die innere Kritikerin – nicht nur die Böse

Im Großen und Ganzen hat Laura einen Punkt. Es liegt bei uns, wie wir mit unserer inneren Kritikerin umgehen. Aber sie zum schweigen bringen – in aller Radikalität – wird selten gelingen. Zudem scheint es mir nicht erstrebenswert. Ich mag meine innere Kritikerin auch ein bisschen. Sie erlaubt es mir, mich selbst in Frage zu stellen. Sie macht, dass meine Skepsis nicht vor mir selbst halt macht. Dass ich auch mich selbst skeptisch betrachten kann und mich frage, ob ich einen Fehler gemacht habe. Dass ich mich nicht nur an anderen abarbeite.
Sie hat für mich eine gute und eine schlechte Seite. Die schlechte Seite zeigt sich meistens abends, wenn sie wie in einer Willi Wiberg Geschichte als ein Ungeheuer abends unter meinem Bett liegt und zu Gedankenkreisen führt. Und verhindert, dass ich zu angemessener Zeit die Augen zumache. Sie zeigt sich aber auch von ihrer guten Seite, wenn ich durch das lange nächstliche Nachdenken am nächsten morgen vielleicht müde bin, aber dennoch ein bisschen mehr einschätzen kann und ein bisschen eine bessere Ahnung habe, wo meine Fehler wirklich liegen. Das Ungeheuer liegt ja nicht immer völlig grundlos unterm Bett. Manchmal bin ich ungezogen und manchmal bin ich nett. So wie alle Menschen.

Aber wenn die Stimmen von außen meinen Schlaf bestimmen, wenn sie so laut werden, dann führt genauso oft kein Weg daran vorbei, sie zum Schweigen zu bringen – zumindest was die eigene innere Resonanz darauf betrifft. I am the Master of my Mind.

„Du musst mit dem arbeiten, was du hast. […] Du musst diese Gedanken herausfordern. Sie sagen dir vielleicht, dass du hässlich bist, aber du bist niemals gut genug! Du bist never ever gut genug. Sie sagen dir, du seist minderwertig im Vergleich zu anderen Leuten. Dass du nicht gut genug bist. – DU BIST GUT GENUG!

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Kinder: Allmachtsphantasien und Flausen im Kopf

Beim Märchenstunde-Podcast, zu dem mich @343Max und @bjoerngrau eingeladen haben, plauderten wir immer mal wieder über Kinder und wenn man vielleicht vermuten mag, dass da in mir vor allem die Mutter hervorkam (was sie natürlich auch tat), so doch auch immer die Erziehungswissenschaftlerin.

Ein paar Gedanken möchte ich an dieser Stelle noch einmal vertiefen, weil sie mir seitdem noch im Kopf herumdrehten.

Allmachtsphantasien

Zum Thema Allmachtsphantasien habe ich ja viel gesagt. Das ist ja ein zentrales Motiv, das mit dem Märchen „Sechse kommen durch die ganze Welt“, das Björn im Podcast vorlas, stark bespielt wird. Wie ich bereits andeutete hatte ich das Märchen auch deswegen ausgesucht und gefiel es mir deswegen auch sehr gut.

Welche Bedeutung diese für Kinder haben, deutete ich ebenfalls an und zitierte Sibylle Berg mit „Kinder muss man sorgfältig behandeln, sie sind so grauenhaft ausgeliefert.“ Das sagte diese in einem Interview mit der FAZ (das auch ansonsten sehr großartig ist).
Wer Kinder hat kennt bestimmt die Phase, in der sie permanent Rollenspiele spielen. Gerne sind sie dabei Löwen und fürchterlich gefährlich. In einer Ausgabe des Berliner Elternbriefs des Arbeitskreises Neue Erziehung e.V. stand dazu, dass es sehr wichtig für Kinder sei, dass diese Phantasien von den Eltern nicht zerstört, sondern auch unterstützt würden. Denn Kinder seien in ihrem eigenen Erleben sehr oft hilflos, schwach und abhängig – und es sei deswegen für sie und ihre Psyche nicht unerheblich, wenigstens im Spiel eine andere Rolle annehmen zu können.

CC BY-ND 2.0 von gematrium via Flickr

 

Wer diese Allmachtsphantasien von Kindern sehr toll aufgegriffen und umgesetzt hat, ist bekannt: Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf ist pädagogisch gesehen gerade deswegen so wertvoll und gerade deswegen auch schwer wegzudenken. Doch diese Wünsche nach Macht und Stärke der Kinder zu tolerieren – zu fördern gar – finden nicht alle Menschen gut. Lindgrens Geschichten sprengten allzu oft das für viele Erwachsene Ertragbare. Während sie immer Partei für die Kinder ergriff, und die Welt stets mit Kinderaugen zu beschreiben suchte, widersprach sie einer Doktrin, dass man den Willen der Kinder brechen müsse. Eine Doktrin, die noch bis heute bei vielen Menschen tief verankert ist. Die sich in scheinbar gutmeinender Manier äußert, wenn Leute Bücher schreiben, die uns klarmachen sollen, warum aus unseren Kindern „Tyrannen“ werden.

Flausen im Kopf

„Nichts als Fissimatitten im Kopf, dieser Michel!“ – so lautet ein Spruch der Magd Lina, die in den Geschichten über „Michel aus Lönneberga“ die Rolle derjenigen einnimmt, die mit den Flausen und Streichen von Kindern nichts anfangen kann. Michel meint es aber nie böse, das weiß jedes Kind. Im Grunde ist er sehr hilfsbereit und hat ein gutes Herz – doch er treibt ein ganzes Dorf in den Wahnsinn.

Zwei weitere Figuren mit nicht gerade wenig Flausen im Kopf sind Lotta und Karlosson vom Dach. Mit ihrem Buch „Lotta zieht aus“ hat Astrid Lindgren auf eine sehr radikale und unglaublich einfühlsame Art und Weise die Sichtweise eines Kindes widergegeben. Lotta wacht morgens auf und meint, dass ihre Geschwister ihren Teddy gehauen hätten. Doch das hatte sie nur geträumt. Aber sie hat so schlechte Laune, dass sie ihre Mutter sehr ungerecht behandelt und einen selbstgestrickten Wollpullover zerschneidet. Alle anderen sind daran schuld – findet sie und sich selbst empfindet sie als Leidtragende. Weil sie so wütend ist, beschließt sie auszuziehen. Auch hier gab es, wie ich in der Lindgren-Biografie „Jenseit von Bullerbü“ nachlesen konnte, einen kleinen Aufschrei. Das Kind sei schließlich komplett ungezogen – wie könne es da sein, dass es nahezu ungestraft machen könne, was es wolle?

Lottas Eltern sind (in den Augen Astrids Lindgrens – in meinen beinahe auch) ideale Eltern. Sie reagieren immer konstruktiv und liebvoll, haben die Geduld gepachtet und selbst wenn sie einmal streng werden, so lenken sie doch immer ein und nie wird Lotta erniedrigt, selten bestraft und meistens einfach nur mit Liebe überschüttet. Das entspricht zutiefst Astrid Lindgrens Grundsatz, den Kindern Liebe, mehr Liebe und noch mehr Liebe zu schenken – dann kämen die Manieren von ganz allein. Astrid bricht damit ein Tabu: Sie bricht mit der Überzeugung, dass Kinder immer und überall einen Machtkampf spielten.

Es gibt im realen Leben sicherlich keine Eltern, die so sind. Doch genau darum sind die Geschichten Astrid Lindgrens für viele Kinder so wichtig. Denn sie greift stets eine Sehnsucht auf – und damit zeigt sie den Kindern auf eine wunderbare Art, dass diese Sehnsüchte nicht „falsch“ oder „ungezogen“ sind, sondern ganz natürlich und legitim. Seien es die perfekten Eltern, seien es die Superkräfte einer Pippi Langstrumpf, die „Erlaubnis“ ständig ungezogen und völlig frech zu sein, wie Karlsson vom Dach oder eben die Erkenntnis, dass auch andere Kinder in ihren kleinen Herzen und Bäuchen manchmal eine Trauer und eine Wut haben, die für Erwachsene nicht nachvollziehbar ist – die aber ganz genau so in einer Geschichte auch zu finden ist.

Trotzige Eltern

Eine ganz ähnliche Haltung wie Lindgren nimmt der Familientherapeut Jesper Juul ein. Nach seiner Überzeugung sind im „Trotzalter“ weniger die Kinder trotzig, als vielmehr die Eltern. Das schreibt er in seinem Bestseller „Dein kompetentes Kind“. Und ich halte das nicht einmal für sonderlich falsch. Aber ich möchte nicht weiter darauf eingehen – sonst artet der Artikel aus. Wer das gerne nachlesen möchte – was ich empfehle – findet im „kompetenten Kind“ alles (eine kleine Kostprobe ist dieses Interview in der taz).

Was wichtig ist, gerade im „Trotzalter“ und im Vorschulalter, das erlebe ich an meinen eigenen Kindern: Wenn Grenzen setzen, dann immer nur die eigenen. „Man macht das nicht“ ist kein gutes Argument. Viel besser, so rät Jesper Juul, sei ein „ich will nicht“ oder „ich will“ (eine Art zu kommunizieren, die man uns als wir klein waren streng abgewöhnt hat – die aber direkt und persönlich ist). Wenn mein Sohn sehr laut ist und ich davon Kopfschmerzen bekomme, dann sage ich ihm genau das: Ich will nicht, dass du so laut bist. Davon tut mir mein Kopf weh. Das versteht er und er ist nicht so bloßgestellt wie ein Kind, das in der gleichen Situation von seinen Eltern zu hören bekommt: „Warum schreist du immer so rum? Habe ich dir nicht schon tausend Mal gesagt, dass ich davon Kopfschmerzen bekomme?!? Warum kannst du nie auf mich hören?!“ – am besten selbst schon schreiend.

Eltern sind dann trotzig, wenn sie auf ein Bedürfnis des Kindes – egal, ob es erfüllt werden kann, soll oder eben nicht – nicht mehr konstruktiv reagieren können, sondern destruktiv. Ein Klassiker ist das Anziehen einer Zweijährigen: Wenn Kinder nicht mitmachen, fangen viele Eltern das schimpfen an oder machen es mit Gewalt. Sie gehen nicht auf das Bedürfnis des Kindes ein (zum Beispiel selbst anziehen oder die Sachen selbst aussuchen (egal wie unpassend das dann wird)) und anstatt kurz die eigene Grenze zu setzen (ich habe keine Zeit, bitte mach mit!) fangen sie „warum… immer… nie..?!?“-Monologe an. Ich meine mich da durchaus mit. Denn klar: Das kann sehr nervenaufreibend sein und nicht immer ist Sommer, nicht immer besteht die Möglichkeit, ein Kind ohne seine Kleidung in die Kita zu bringen. (Ich habe das diesen Sommer einmal gemacht. Da wurde ihr ein bisschen kalt und die Sache war damit aus der Welt. Es hat mir nicht weh getan, ihr nicht und sie wurde davon nicht krank. Aber eine andere Mutter fragte besorgt, wie denn da „die Leute“ reagiert hätten…)

Damit will ich es auch erst einmal bewenden lassen. Zum Schluss sei die provozierende These in den Raum gestellt, ob nicht vielmehr die Kinder die Allmachtsphantasien der Erwachsenen – die sich bei unglaublich vielen Menschen in einem nahezu immer unerkanntem Kontrollzwang äußern – komplett aus der Bahn bringen…? ;)

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Wunsch an die nachfolgende Generation

Wenn ich meinem Sohm etwas von mir mitgeben will – was wäre das?

Vieles.

Zum Beispiel:

„Hey
wenn du einmal das Gefühl hast, jemand möchte mit dir schmusen, jemand sucht deine Nähe

und sagen wir mal, du findest diesen Menschen nicht komplett abstoßend. Sagen wir mal, du magst ihn. Vielleicht nur heimlich. Aber du magst diesen Menschen.

Lieber Sohn. Wenn du irgendwie kannst. Tu mir den gefallen:

Lass die Nähe zu.

Nimm diesen Menschen in den Arm. Oder halte seine Hand.“

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„We’re gonna stand up and fight!“

Was zu tun bleibt – Kleine Nachlese zum Frauentag
>> Um den Frauentag herum sind vielleicht die Denkfrequenzen mancher Frauen gleich geschaltet oder so?? Denn Antje Schrupp schrieb auf, was ich selbst auch vor einigen Tagen zerdachte (ich habe Zeugen, denn ich sprach es auch aus): Warum ich es nicht mag, von „männlich sozialisierten“ und „weiblich sozialisierten Menschen“ zu sprechen, anstatt Männer und Frauen zu sagen. Thanx!

Nina Turner ist großartig. Warum? Seht selbst

Visit msnbc.com for breaking news, world news, and news about the economy

>> „We’re gonna stand up and fight!“
(via Jessica Valenti)

Maike von Wegen ist auch großartig
>> und war bei einem spannenden Feature des Deutschlandfunks zum Alleinerziehen mit dabei. Fast jede zweite Ehe scheitert. Immer mehr Frauen ziehen ihre Kinder allein groß. Wie Maike von Wegen. Und Marie von Kuck (Namensähnlichkeit vermutlich zufällig). Dass die Männer in diesem Feature keine aktive Elternrolle einnehmen, kann man kritisieren. Sollte man sicher auch. Man kann sich auch ein Feature über das männliche Zusammen-Erziehend-Role-Model wünschen. Das macht dieses Feature aber nicht schlechter. Kein bisschen.
(via @mh120480)

Linux als Schulfach?
>> Als studierte Pädagogin bin ich tendentiell dagegen, aus allem, aus jedem Fitzelchen, von dem jemand meint, „die Jugend von heute“ sei auf diesem speziellen Gebiet unterbelichtet, ein Schulfach zu machen. Wenn ich diesen Heise-Artikel aber etwas entschärft lese, dann bleibt: Hey – es gibt jetzt ein Lernprogramm für Linux, das ziemlich cool für Schulkinder und Jugendliche geeignet ist. Thumbs up! (Egal ob Schulfach oder nicht. Right?)

Sei doch mal alleine – und cope with it!
>> Christiane Rösinger legt sich ja gerne an. Mit Verschiedenen. Meistens mit so Herzenskonventionen. Das ist oftmals völlig undifferenziert und gemein. Aber auch sehr wohltuend. Ich selbst war seit ich 15 bin ja nie wirklich solo. Das ist sicherlich eine Schwäche von mir :(
(via @ruhepuls)

Habt ihr gedacht, die Debatte um die Kinderlosenmaut sei vom Tisch?
>> Jens Spahn von der Dingens-Gruppe der Union (na ihr wisst schon: Diese gut situierten, vornehmlich Männer, die dank des Konservativseins noch ungestört mehr Kinder verlangen und haben können, die sie dann von einer Frau mit Herdprämie betreuen lassen) macht einen auf ‚tiefgründig‘, holt mächtig weit aus und behaupet stolz, dass er trotz allem kein Pessimist sei… – ich allerdings könnte glatt eine werden!
(via @zeitrafferin)

Feminism is still important in 2012!
>> Sagt die Federation of Young European Greens (FYEG) – und man kann da einfach nur zustimmend nicken. Ist es.

Is it finally time to leave Afghanistan?
>> Gute Frage. Zwischen einer riesigen Verantwortung und einer riesigen Machtlosigkeit in einem riesigen Trümmerhaufen stehend lässt sich diese Frage sicherlich nicht leicht beantworten. Aber es nützt auch niemandem, das alte Konzept nicht als komplett gescheitert anzusehen. Neue Überlegungen und vor allem politische Strategien sind notwendig.

Disclaimer: Die Hier verlinkten Texte und Videos spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung oder Denkrichtung der Autorin dieses Blogs wieder. Sie sind einfach nur „interessant“. Wenn sie explizit für „toll“, „großartig“ und „wow“ befunden werden, steht dies dabei. Auch laufen, wie erkenntlich sein dürfte, nicht alle Links unter der Gesamtüberschrift. Denkende Individuen fühlen sich durch diesen Disclaimer eventuell gestört. Dafür möchte sich die Autorin des hiesigen Blogs vorauseilend entschuldigen. Ja: Man kann sich das alles auch selber denken. Wenn man will.

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Das ganze Lieben ist ein Spiel

Mein Freund Paul hatte ein Erlebnis: Eine hübsche junge Frau kam mit zu ihm nach Hause; sie hatten Spaß zusammen und als der Sex zu Ende war, da sagte sie grinsend: „So, nun kann ich dich auch von meiner Liste streichen.“ Schnappte ihre Klamotten, zog sich an und verschwand. „Ich kam mir so benutzt vor“, erzählte mir Paul zerknirscht. Dann faselte er noch etwas von „eigentlich ist das ja umgekehrt“ – womit er meinte, dass dies eigentlich ein typisch männliches Verhalten sei. Um eventuellen Vorurteilen vorzubeugen: Nein – ich empfinde dieses Verhalten nicht als Fortschritt in der weiblichen Emanzipation. Es ist einfach respektlos. Egal ob von Männern oder Frauen ausgeübt.
 
Sexlisten sind auf den ersten Blick völlig daneben. Aber vielleicht sind sie nur die ungeschminkte Variante eines weit verbreiteten, im Normalfall aber besser kaschierten Verhaltens: Der Partner – ob fest oder nur fürs Bett – als persönliche Trophäe. Ein bisschen geht das ja immer so los – das ist wie bei den Makaken, die ihren Lieblingssaft entweder für Bilder von Makakendamenpopos hergeben oder: für Bilder von ranghöheren Männchen. Für Pornos zu zahlen – na gut, das kennen wir. Aber dass auch wir darauf stehen, uns an jenen zu ergötzen, die gefühlt „über“ uns stehen – naja. Das mögen wir nicht gerne einsehen. Aber gäbe es diesen Effekt nicht, gäbe es Super Illu, Gala und wie sie alle heißen auch nicht. Also Klappe zu. So ist das eben.
 
„Das ganze Lieben ist ein Spiel“ weiterlesen

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„Als der Mensch zur Frau wurde…“

15 Minuten sprunghaftes Philosophieren über

  • die subtraktive Liebe,
  • die Frage ob man Liebe kaufen kann,
  • Karl Marx
  • das Barbarische der Familien und
  • schlussendlich die untergeordnete Rolle der Frauen.

Also: einfach mal alles.

Sophie Rois, die mir schon im Film „drei“ wahnsinnig gut gefallen hat, ist einfach: wunderbar.

 

(Quelle: dctp.tv – via der freitag)

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