Wenn für alles Geld da ist, nur bei den Kindern wird gekürzt…

… ja dann sind wir wieder in Berlin!

Das Thema Schule ist in Berlin eine sehr schwierige Kiste: Nicht nur, dass hier die PISA-Ergebnisse miserabel sind, die ehemaligen Schulgebäude erst verkauft wurden und jetzt dringend benötigt würden. Nein: Wir kommen auch nicht umhin, dass im Zuge von großen Ausgaben in anderen Haushaltstöpfen die Bildungssenatorin meint, wegen einer fehlenden Million an mehreren Schulen die Sozialarbeiter zu streichen. Was die Schulleitungen dann aus der Presse erfahren dürfen.

Mich selbst, die ich aus dem Süden komme, macht so etwas irgendwie fertig. So kenne ich das nicht. Schule – das ist wichtig, da investiert man in die Zukunft und da wird nicht gespart. Ob es anderen Süddeutschen in Berlin ähnlich geht, wenn sie ihre Kinder hier zur Schule schicken? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass meine heutige Gastschreiberei bei den Stützen der Gesellschaft auch für euch interessant sein dürfte, also lest doch einmal rein. Und diskutiert mit.

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Politisch oder ideologisch?

In letzter Zeit fiel mir häufiger auf, dass Menschen zwei Begriffe recht wahllos durcheinander würfeln und den einen wie den anderen zu benutzen scheinen. Diese beiden Begriffe sind „politisch“ und „ideologisch“. Das falsche Verwenden findet in zwei Richtungen statt: Während die einen ihr ideologisches Denken, Schreiben und Argumentieren als „politisch“ euphemisieren, nutzen andere den Begriff „ideologisch“ um damit gegensätzliche politische Meinungen zu diskreditieren.

Doch zuvor und einleitend möchte ich mit den Begriffen „totalitär“ und „extrem“ anfangen, die teilweise schon synonym verwendet werden, zumindest haben sie eines gemeinsam: Sie akzeptieren keine andere Meinung neben der eigenen. Wie Isaiah Berlin schreibt, ist für ihn „totalitär“ (er spricht allerdings von „despotisch“) das Gegenteil von „pluralistisch“ und in meinen Augen damit auch das Gegenteil von „politisch“ (da ich behaupten würde, dass Pluralismus eine Grundeigenschaft des Politischen ist). Den Ursprung von Extremismus und totalitärem Denken sieht er im Monismus, dem Gegenpart zum Pluralismus. Dies ist Denken in der Art „meine Clique ist besser als deine“ und „ich weiß, wie die Welt sein sollte und du hast dich dem zu beugen, weil du es nicht weißt“ (Berlin S. 39). „Allein mein Wissen vermag die bestmögliche Welt zu schaffen“ – deswegen muss sich alles dem widersprechende als falsch und schlechter unterwerfen lassen. Man hat’s halt noch nicht kapiert. Dieses „Es“ ist das, was eine Ideologie ausmacht. Aber schließen wir diesen ersten Teil mit einem zusammenfassenden Wort ab: Wer totalitär oder extrem denkt, akzeptiert neben seiner Weltanschauung keine andere und handelt monistisch, auf dieser Basis sich überlegen fühlend. Weiterlesen

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Pelzig: Lügen mit Zahlen

Zahlendrehen, wertlose Zahlen, Statistiken als Politikum – Gerd Bosbach stellt sein Buch „Lügen mit Zahlen“ bei Erwin Pelzig vor. „Statistik ist für Politiker wie der Laternenpfahl für Betrunkene“. Schärft mal euren Blick und lasst euch nicht verarschen. Rürup, Miegel und Konsorten kriegen ihr Fett weg. Ganz große Klasse. Wie sowieso die meisten Pelzig-Shows.
(Dieses Video kommt mit besonderem Schmankerl namens „Henkel im Publikum“ :D )

[youtube http://www.youtube.com/watch?NR=1&v=-P-3Ck2mjXY]

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Bist du ein Sklave des Systems?

Was bedingt, was trägt und was macht man mit: Verschwörungstheorien?

US-amerikanische und deutsche Flugzeuge pusten mit den Abgasen Aluminiumoxid in die Atmosphäre, um die Folgen des Klimawandels zu mildern bzw. das Ozonloch zu „Stopfen“. Erst kürzlich hat man entdeckt, dass es in der Atmosphäre bislang unbekannte Bakterien gibt, die nun durch dieses Aluminiumoxid zerstört werden. In Wahrheit aber zerstören sie den Himmel.

Diese Theorie wird in einem ausführlichen Artikel der Zeitschrift Raum und Zeit weiter beleuchtet: Einige Hunderttausende Menschen hätten schon beobachten können, wie mehrere Flugzeuge in der Luft Kreuz und Quer geflogen seien und einen Teppich aus Gasen gebildet hätten. Das Sonnenlicht breche sich in diesen Teppichen anders, was auf das Aluminiomoxid im Abgas zurückgeführt wird. Nach wenigen Minuten bräche die Lufttemperatur um bis zu 7 Grad ein, die Luftfeuchtigkeit sinke um 30%, eine einsetzende Kälte und Feuchtigkeit würden noch Tage anhalten.

Diese Methode sei beim Us-amerikanischen Patentamt als “ Welsbach-Anreicherung ” bekannt. Ziel sei es, mit Hilfe der sogenannten „Welsbach-Partikel in der Stratosphäre“ den Klimawandel aufzuhalten. Die „Welsbach-Anreicherung“ sei billiger, als die Einhaltung des Kyoto-Protokolls. Die US-Air-Force versuche zudem, mit dieser und anderen Methoden das weltweite Wetter bis 2025 beliebig zu manipulieren und dies militärisch zu nutzen. Die Autorin spekuliert, ob die Methode schon im Kosovo-Krieg angewandt worden sei, denn „im Frühjahr 1999 herrschten über Serbien wochenlang außergewöhnliche Wetterbedingungen“.

CC-By 2.0 von art_es_anna via Flickr.com

Diese Theorie ist kompletter Blödsinn, doch viele Menschen sind weltweit davon überzeugt und basteln weiter und immer weiter daran, sie zu „sichern“, gegen mögliche Gegenargumente zu immunisieren und jegliche Kritik daran als neuerlichen Beweis für ihre Aufdeckung zu verdrehen. Chemtrails sind eine Verschwörungstheorie. Das sagt sogar Greenpeace.

Jeder Zweifel bestärkt die Gläubigen

Ein klassisches Muster bei Verschwörungstheorien ist die Feststellung, wer der Theorie nicht anhänge, sei vermutlich entweder a) schon zu sehr manipuliert oder b) selbst ein Teil der Verschwörung, Nutznießer_in – Profiteur_in.

Ein zweites, nahezu allen Verschwörungstheorien zugrundeliegendes Element ist die übergeordnete Annahme, meistens in Form der Konstruktion von „die Mächtigen“ und „die Regierung“, denen man nicht trauen könne, die korrupt seien. THEM. In aller Regel wollen „die da Oben“ eine „neue Weltordnung“ und haben sehr ausgefeilte Pläne, die nur darauf abzielten, die Mehrheit der Menschen zu unterdrücken. Armin Tsunami ist ein bekannter und verehrter Rapper. Er thematisiert sehr viele Widersprüche und spricht die Ängste vieler aus:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=MKWg4esLLeo]

Unter dem Video steht:

Wacht auf!
Unser Staat ist nicht souverän!
Die EU führt die Todesstrafe wieder ein!
Zensur ist Alltag!
Chemtrails verpesten unsere Luft!
Die BRD ist eine GmbH!

Bist du ein Sklave des Systems?

Nichts hat Verschwörungstheorien so geholfen, wie das Internet. Dabei ist zu beobachten, dass an ihrer Entstehung und Vertiefung oft eine soziale Gruppe beteiligt ist, die sich genau dort finden konnte: Im Netz. Verschiedene Akteur_innen feilen hier immer weiter an einer Verfeinerung und es werden mehr und mehr Details ausgeschmückt. Irgendwann ist überall ein Muster.

Interessant ist die Frage: Warum wollen Menschen an Verschwörungstheorien glauben? Was ist die Motivation? Michael Wood hat in Beliefs in Contradictory Conspiracy Theories das Phänomen Verschwörungstheorie untersucht. Interessant war dabei, dass als Ergebnis klar gezeigt wurde, dass Menschen sogar an mehrere Verschwörungstheorien glauben konnten und wollten, selbst wenn diese einander widersprachen. Er erklärt:

This finding supports our contention that themonological nature of conspiracism (Goertzel, 1994; Swami et al., 2010; Swami et al., 2011) isdriven not by conspiracy theories directly supporting one another, but by the coherence of eachtheory with higher-order beliefs that support the idea of conspiracy in general.

Im Zentrum stehen also nicht die genauen Details der Verschwörungstheorie und auch nicht, ob sie in sich Widerspruchsfrei ist oder logisch – im Zentrum stehen THEM.

Im Interview mit der Standard führt Wood weiter aus, warum Menschen sich so scheinbar irrational verhalten:

Jemand ist eher versucht, an Verschwörungstheorien festzuhalten, wenn er das Gefühlt hat, keine Kontrolle mehr über sein Leben zu haben. Keine Kontrolle zu haben bedeutet in diesem Zusammenhang, dass jemand das Gefühl hat, Dinge würden willkürlich geschehen, und er sich als Opfer dieser Vorgänge fühlt. Als Ausweg macht man sich auf die Suche nach einer Struktur, einer Erklärung, warum Dinge passieren. Eine Verschwörungstheorie kann auf diesem Weg beruhigend wirken.

Ermächtigung und Triumph

Menschen, die sich häufig machtlos fühlen, glauben leichter an Verschwörungen und böse Absichten, als Menschen, die eine Wirkmächtigkeit spüren. Die Verschwörungstheorie kann eine Ermächtigung bedeuten, ja richtige Triumph-Gefühle auslösen: Schließlich sieht man die Dinge viel klarer, als die meisten anderen Menschen. Das Höhlengleichnis von Platon ist schnell bei der Hand – die Erkenner_innen sind erleuchtet und auf dem richtigeren Pfad.

Die Machtlosigkeit ist der Schlüssel zur Erklärung, denn psychologisch gesehen dürfte damit ein höheres Verlangen einhergehen, Sicherheit und Strukturen zu schaffen. Machtlose erkennen Muster, wo es keine gibt – auch das konnte in Studien gezeigt werden.

Ich vermute, dass die Art und Ausgefeiltheit der Verschwörungstheorie eng mit dem Bereich zusammenhängt, in dem ihr_e Urheber_in starke Machtlosigkeit zu spüren bekommen hat. Oft tauchen sie in genau den Bereichen besonders wirkmächtig auf, wo Machtlosigkeit von vielen Menschen geteilt wird. Ein Beispiel hierfür ist die Theorie, dass die Krankheit AIDS von THEM in die Welt gesetzt wurde, um Schwarze und Schwule auszurotten – denn diese seien stigmatisiert und sie waren als erste davon betroffen. Diese Theorie hat alles, was es braucht, um die Welt zu umrunden: Sex, Stigmatisierung, Zweifel und Ängste vor neuen Wissenschaften, THEM.

Verschwörungstheorien sind lustig

Sie nerven. Sie binden sehr viel Energie, spalten Menschen und drängen hart arbeitende Wissenschaftler_innen in eine Rechtfertigungsposition. Michael Wood glaubt nicht, dass man irgend etwas dagegen tun kann, dass sie entstehen. Und nicht jede Verschwörungstheorie ist falsch – manche, zum Beispiel die Watergate-Affäre – stellen sich als richtig heraus. Das ist aber selten. Manche Dinge werden hingegen wohl nie geklärt, wie etwa der mysteriöse Tod des Hackers Tron, dem ich selbst schon auf die Spur zu kommen versucht habe.

Im Großen und Ganzen ist vor allem ein humorvoller Umgang mit ihnen zu empfehlen. Verschwörungstheorien sind ein Teil der Alltagskultur. Sie sind unterhaltsam und ziemlich lustig.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=hG4O6Sh1vRg]

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Du darfst nichts sagen!

Gestern sah ich die Talkshow „Roche und Böhmermann“ vom 16.09.2012. Manchmal mag ich diese Sendung, manchmal finde ich sie eher seltsam und nicht so gut. Die vom 16.09. ist gaaaanz großes Kino und wenn ihr irgendwie noch dazu kommt sie zu schauen – macht es! (Ihr findet sie in iTunes – einfach nach „Roche und Böhmermann“ suchen, die Sendung kann als Podcast abonniert werden. [note für Tim: Wie viele Podcasts ich schon hörte und sah, seit ich mir dieses twitter spare! <3]) Ab Minute 48:00 ungefähr entspinnt sich eine interessante Unterhaltung über die Kritikfähigkeit von Musikern (und wie ihre Fans abgehen, wenn man ihre heilige Band kritisiert). Eine Diskussion, die mit dem Abgang von Max Herre in der vorherigen Sendung einsteigt und die dann in einem starken und emotionalen Plädoyer von Olli Schulz gipfelt, das ich hier unbedingt weitergeben muss:

Ich kritisier auch andere Musiker und die machen mich dann voll fertig.

Damit musst du halt einfach leben: Wenn du dich in die Öffentlichkeit stellst und was singst, dann wird das nicht jeder geil finden. Du musst lernen, damit zu leben. Aber trotzdem darfst du auch selber als Musiker sagen, was du gut und scheiße findest. Und das machen viele nicht.

Markus Kavka erzählt dann, wie er Bushido einmal kritisierte und dann bei der Echo-Verleihung von Wandschränken eingeschüchtert wurde. Darauf kommt Olli Schulz richtig in Fahrt:

Das ist so voll schlimm, dass so asoziale Typen sich sone Asi-Lobby gebaut haben und man traut sich nicht mehr, was zu sagen! – Das ist so! *lacht* – ja, das ist das Allerschlimmste!

Es folgt ein knackiger Rant auf die Böhsen Onkelz mit der Konklusio:

Sobald du was sagst, kommen da so 150.000 Asis, weil es gibt halt mehr Arschlöcher, als gute Menschen auf diesem Planeten – das ist Fakt! Und dann musst du gegen die Arschlöcher alle kämpfen. Deswegen muss man sich auch ab und zu zurückziehen.

Du darfst heute nichts mehr sagen! Weil wir leben in einer Zeit – jetzt kommen wir wieder zurück zur Religion! – ich muss mal kurz ein menschliches Plädoyer halten! – viele Menschen wissen nicht mehr, woran sie glauben sollen! Religionen verschwimmen immer mehr. Und dann glauben sie an irgend sone Kackband! Und glauben, dass die Band ihr Leben ist! Das ist noch viel schlimmer als Religion!

Das ist einfach so schlimm, dass Leute das dann so als ihren Lebensinhalt sehen. Ich finde halt: Musik ist so’n gutes Ding um dein Leben zu unterstützen und du solltest das nicht zu ernst nehmen!

Tschackaaa Olli!

Dazu Fiva:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=uedt8eUNqDI]

Warum fand ich das so geil? nun: Ich finde halt: Feminismus ist so’n gutes Ding um dein Leben zu unterstützen und du solltest das nicht zu ernst nehmen!

Edit: 17:55 Uhr: Zum letzten Satz. Der ist missverständlich – ich weiß. Ich gehe einfach mal davon aus, dass ihr alle wisst, wie ernst mir das mit dem Feminismus ist. Der Seitenhieb geht halt in Richtung Leuten, die es *zu ihrem Leben* machen und in die Luft gehen, wenn man ihre Art es zu machen, mal kritisiert.

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The Leftist Elite proudly presents: The very first Sozialismus-Bingo

natürlich unter CC-BY-SA

Quellen:

Stereotype, Hormone und die sogenannten „Beweise“ – alles Evolution?

Ganz schön geschickt, von diesem Christian. In seiner Anrufung an „die“ Piratenpartei, einem strangen Artikel, hat er so viele Ping-Back-Verlinkungen platziert, dass alle Verlinkten sich über seinen Artikel hermachen und auch noch kommentieren. Seine Botschaft hat er damit gekonnt unter die Leute gebracht: Hütet euch vor dem Feminismus – ihr Piraten!

Nein: Man muss sich diesen Artikel nicht wirklich durchlesen. Ich fasse einfach kurz zusammen:
Piraten sind eine junge Partei, die noch ihren Weg sucht – und einen Kegelclub hat. Also fühlt er sich genötigt, zu intervenieren und gebetsartig Sätze wie „Ihr seid sachlich denke (sic!) Personen“ oder “ Ihr denkt in Fakten, nicht in Beliebigkeiten“ – er appelliert an die Ratio der „Nerds“ um zu schließen mit: „Wer gegen die Auswirkungen verschiedener Spielarten des Feminismus ist, insbesondere den Genderfeminismus, der ist nicht frauenfeindlich.“

Nein nein! Nehmt euch jetzt nicht die Zeit, das zu lesen. Das ist es auch wiederum nicht wert (ich lese den Christian eigentlich recht oft, ich geb euch dann einfach Bescheid, wenn mal was Wichtiges, oder gar Gewinnbringendes drin steht). Lest doch lieber einmal diese Zusammenfassung einer sehr spannenden Studie, die so ein bisschen einmal alles auseinander nimmt und ad absurdum führt, was Leute wie Christian als einzig „wahre“ Erklärung für alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern akzeptieren. Oder sagen wir: Als zentrale Erklärung für alles Mögliche – was wiederum eine Erklärung dafür ist, dass Testosteron (ich liebe btw Testosteron! ich glaube, ich habe davon auch sehr viel – harr harr) und die Lust eine sehr große Rolle in den Artikeln in seinem Blog spielen.

Biological and social factors have been shown to affect cognitive sex differences. For example, several studies have found that sex hormones have activating effects on sex-sensitive tasks. On the other hand, it has been shown that gender stereotypes can influence the cognitive performance of (gender-) stereotyped individuals. However, few studies have investigated the combined effects of both factors. The present study investigated the interaction between sex hormones and gender stereotypes within a psychobiosocial approach. One hundred and fourteen participants (59 women) performed a battery of sex-sensitive cognitive tasks, including mental rotation, verbal fluency, and perceptual speed. Saliva samples were taken immediately after cognitive testing. Levels of testosterone (T) were analysed using chemiluminescence immunoassay (LIA). To activate gender stereotypes, a questionnaire was applied to the experimental group that referred to the cognitive tasks used. The control group received an identical questionnaire but with a gender-neutral content. As expected, significant sex differences favouring males and females appeared for mental rotation and verbal fluency tasks, respectively. The results revealed no sex difference in perceptual speed. The male superiority in the Revised Vandenberg and Kuse Mental Rotations Tests (MRT-3D) was mainly driven by the stereotype-active group. No significant sex difference in MRT-3D appeared in the control group. The MRT-3D was also the task in which a strong gender-stereotype favouring males was present for both males and females. Interestingly, T levels of the stereotype-activated group were 60% higher than that of male controls. The results suggest that sex hormones mediate the effects of gender stereotypes on specific cognitive abilities.

Das ist die Zusammenfassung einer Studie mit dem Titel „Interactive effects of sex hormones and gender stereotypes on cognitive sex differences—A psychobiosocial approach“, die zu dem Ergebnis kommt, dass die tatsächliche Auswirkung sogenannter „Hormone“ auf unser Verhalten, die tatsächlich messbaren Unterschiede, davon abhängen, wie stark wir selbst Gender-Stereotype gefressen haben – oder eben nicht. Ich habe die Studie vor einem Jahr komplett gefressen, da sie ein Bestandteil meiner Vorbereitungen zum Vortrag „Stereotype, Sichtbarkeit und Wettkampf – Diversity in der Digitalen Gesellschaft“ war. Deswegen habe ich sie auch schon vor vielen Monaten auf Nachfrage an Christian getwittert – eine Antwort bekam ich allerdings nie. Naja – das Blöde ist wohl einfach auch, dass die Basis seines gesamten Blogs, das recht ausführlich und regelmäßig geschrieben wird, mit einem Ernstnehmen solcher Ergebnisse wegfallen würde. Kartenhaus und so. Aber vielleicht ist bei dieser jungen Partei, die doch so wissenschaftlich sein und denken soll, die sich kein X für ein U vormachen lässt, jemand ambitioniert, das Ding zu lesen. Ich lasse der-/demjenigen dann gerne eine Privatkopie davon zukommen.

Gute Nacht!

PS: Ja – es sieht anders aus hier. Ich brauchte einen Tapetenwechsel. Ich hoffe sehr, dass es gefällt.

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Grüne Männer in dieser feministischen EMMA(!): @schroeder_k bringt’s nicht

Der Kampf der Geschlechter ist nicht vorbei, er ist aber akzeptierter und moderner geworden. Jetzt kämpfen emanzipierte Frauen und Männer zunehmend gemeinsam gegen den Roll-Back in der Geschlechterpolitik. Um die Rollenkorsette zu überwinden, die auch zum Nachteil der Männer sind, brauchen wir eine Politik, die Frauen fördert. Die nutzt dann auch emanzipierten Männern.

Damit schließt der sehr gute Text von Sven Lehmann, Vorsitzender der Grünen Nordrhein-Westfalen und Sven-Christian Kindler, Bundestagsabgeordneter auf EMMA-Online. Die beiden sind schon bekannt für ihr Grünes Männermanifest.
Kristina Schröder ist keine Ministerin, die der Emanzipation irgend etwas bringt – oder bringen will. Sie kümmert sich nicht um ein Aufbrechen der strukturellen Anreizsysteme für die traditionellen Geschlechterrollen – sie führt sogar noch eine Herdprämie ein.

Die Svens hingegen legen klare Forderungen vor:

  • Elterngeld in voller Höhe nur bei einer Aufteilung der Elternzeit zu gleichen Teilen
  • Einführung einer verbindlichen Frauenquote für die Aufsichtsräte
  • Flächendeckender Mindestlohn – denn dies ist ein wirksames Instrument für mehr Lohngerechtigkeit
  • Abschaffung des Ehegattensplittings

 
Danke für nichts, liebe @schroeder_k

Die beiden hoffen allerdings in dieser Sache nicht auf einen Sinneswandel der Ministerin:

Diese Politik, das ist klar, wird nicht von Kristina Schröder ausgehen. Ganz im Gegenteil. Emanzipierte Frauen und Männer werden es selbst in die Hand nehmen müssen: in der Wirtschaft, im alltäglichen Leben und auch und besonders in der Politik.

So ist es leider: Angela Merkel hat eine Frau auf diesen Posten gesetzt, die im Privilgienparadies lebt und nicht glaubt, dass irgend eine Frau noch Feminismus braucht – sie braucht ihn doch auch nicht!

Auch die Fuckermothers fordern ein radikales Umdenken in der Arbeitspolitik. Sie wenden den Blick bewusst weg von Kristina Schröder hin zu ihrer Vorgängerin: Ursula von der Leyen. Hin zum Arbeitsministerium. Zitat:

Der Arbeitsmarkt ist schließlich keine unveränderte Naturkonstante, Arbeitszeitmodelle können variiert werden. Unternehmen können dazu gebracht werden, mehr Teilzeitstellen einzurichten, Quoten zu etablieren, vielleicht sogar Modelle jenseits von Teilzeit und Vollzeit einzurichten – beispielsweise 70 oder 80 Prozent-Stellen. Und all das ist nicht unbedingt und nicht ausschließlich Sache der ‚Familienpolitik‘, wie so oft geäußert wird. Es ist vor allem Sache der Arbeitspolitik.

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Die Biedermeier-Aufklärung

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung geht mir auf den Geist: Moralisierend, pauschalisierend, fast hysterisch – muss das wirklich so sein?

Rausch und Kontrollverlust - nicht immer nur böse

Rausch und Kontrollverlust – nicht immer nur böse

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) geht mir auf den Geist. Sie erinnert mich an eine Folge der Serie Michel aus Lönneberga. Ja, genau, dieser Astrid-Lindgren-Lausejunge. Michel isst aus Versehen alkoholisierte Kirschen und wird betrunken. Was seine Großmutter Krösa-Maja sofort in Lönneberga herumtratscht – es ist ein Skandal! Einen Tag später stehen sogenannte „Guttempler“ vor der Tür, die Michel dazu bringen, in einer öffentlichen Messe dem Alkohol abzuschwören. Dabei ist Michel weit entfernt von Alkoholismus! Diese christlich-moralistische Einstellung der Guttempler erinnert mich sehr an die BZgA.

Alkohol macht Männer zu Tätern

Zum ersten Mal wurde ich auf diese Einrichtung aufmerksam, als mir am Berliner U-Bahnhof Samariterstraße ihr Plakat zur Anti-Alkohol-Kampagne, „Kenn dein Limit“, ins Auge fiel. Darauf zwei Frauen und zwei Männer. „Coole, gediegene Partystimmung im Club“ – wie es heißt. Einer der Frauen wird unterstellt, „Sie lässt heute noch alle Hemmungen fallen“, und einem der Männer: „er stellt sie später nackt ins Netz“. Die Kampagne vermittelt unterschwellig die Botschaft, dass Frauen, wenn sie die Kontrolle verlieren, als Opfer enden und Männer zu Tätern werden. Diese Botschaft enthält ein Tabu von weiblichem Kontrollverlust. Zudem wohnt ihr, wie ich schon einmal an anderer Stelle im Freitag geschrieben habe, eine Selbst-Schuld-Suggestion inne, die zutiefst anti-emanzipatorisch ist.

Ja, wer zu viel Alkohol konsumiert, der schadet später vielleicht sich oder anderen. Alkohol macht mehr kaputt, als die meisten denken. So weit, so richtig. Aber ist der leicht puritanisch anmutende Ansatz der BZgA wirklich etwas, das in Zeiten von Flatrate-Partys und „Post-Privacy“ noch greift? Holt so eine Zeigefinger-Kampagne die anvisierte Zielgruppe da ab, wo sie steht? Weiterlesen

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Macht doch einfach Koitus interruptus

Helge Timmerberg in der aktuellen Neon auf die Frage: „Darf ich das Verhütungsmittel bestimmen?“:

„[…]Man muss sich einigen. Ich zum Beispiel mag keine Kondome, aber habe mit dem Koitus interruptus eigentlich keine Probleme. Das „eigentlich“ bezieht sich auf die Anbetung eines Ideals. Denn natürlich ist das Schönste beim Sex der gemeinsame Orgasmus. Aber wer hat den schon?“

(Neon, Juni 2011, S. 58)

wtf?

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