„Erstmal das Einander-Respektieren und Zuhören“

Zu meiner vorletzten Kolumne mit dem Titel „Zusammenerziehend!“ gab es eine sehr schöne, lange und auch produktive Debatte – wie ich finde. Besonders engagiert diskutierte Ideefix, der sogar eine längere Antwort in Form eines Blogtextes formulierte (leider nicht mehr verfügbar). Ideefix hat entlang der geschlechterstereotypen Rollenaufteilung bei der Kinderziehung die Erfahrung gemacht, wie diese sich mindestens ebenso negativ auf seine Ausgestaltung einer aktiven Vater-Rolle auswirkte, wie ich sie allzu oft bei den Müttern erlebe. Er berichtet somit von der zweiten – nur seltener thematisierten – Seite der selben Medaille. Ich finde diese Sichtweise in der momentanen Debatte um Väterkultur – wie sie in einem klassischen Negativbeispiel derzeit bei der SZ nachzulesen ist – so wichtig, dass ich euch hier Auszüge aus seinen Kommentaren anbieten möchte. Mehr davon gibt es dann wie gesagt unterhalb meiner Kolumne. Und hoffentlich irgendwann auch andernorts wieder.

[…]

Meine Konsequenz daraus war übrigens, die Hauptverantwortung in der Erziehung zu übernehmen, aber nicht nur als häuslich präsenterer Elternteil, sondern als Realvater – auch für unseren Jüngsten (andere Mutter).
Glauben Sie meine Ex hat sich ab dem Moment auch nur eine Sekunde auf Zusammenerziehung eingelassen? Nene. Sie wollte weiter die Leitlinien machen, in Vorgaben gehen und die Ziele bestimmen – da sie als Frau meinte sie habe Anrecht auf die Anerkennung eines ihr durch die Mutterschaft zukommenden Definitions – und Deutungshoheitsanspruchs, der einem Führungsanspruch in Fragen der Erziehung gleichkommt.

Damit hängt zusammen, dass es auch eine nicht unbeträchtliche Beschämung darstellen kann, wenn eine Mutter in Fragen der Aufzucht und Erziehung nicht die gewohnte Hauptrolle spielt und sich die Aberkennung des o.g. mütterlichen Anspruchs dann z.B. in Denunziationen des Vaters auslebt.

Zusammenerziehung wäre eine schöne Vision, leider bricht sie sich zu oft an inkorporierten und internalisierten Übermütterlichkeiten, welche mir synonym zu weiblichen Hamsterrädern erscheinen.

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Piraten, Feminismus & Klischeedenken

„Feministinnen machen sich selbst zu Opfern“ – wenn es einen Satz gibt, von dem ich mir wünsche, dass er einfach mit knallpeng für immer explodiert und nie wieder kommt, dann dieser. Mit all seinen Nebenimplikationen. Aber so einfach geht das leider nicht. Es denken ja viel zu viele, noch dazu recht kluge Menschen, dass Feminismus eine Opferrollen-Erschaffung des gesamten weiblichen Geschlechts sei. Dass Freiheit und Selbstbestimmung die zentralen Grundziele der feministischen Haltung sind – interessiert nicht. Auch eine tiefergehende Betrachtung der Wirkung von Stereotypen in allen Bereichen – im Geschlechterverhältnis aber im Besonderen – findet nicht statt. Es ist aber eben auch komplex. Die Opferrolle ist übrigens auch nichts als ein Stereotyp – eines über FeministInnen. Schublade auf, FeministIn rein, Schublade zu. Wie hier (Piratenkeks: Die destruktive Wirkung des Opferfeminismus):

„Diese Viktimisierung der Frau im vorliegenden Beispiel ist kein Einzelfall. Schaut man sich die typischen, öffentlich wahrgenommenen Themen des Feminismus der letzten Zeit an, wird sie gar zum wiederkehrenden Motiv. Es gibt so wenige Frauen in Führungspositionen, weil sie Opfer des von Männern gebauten Systems sind. Der Staat soll wie ein übergeordneter Gottesersatz eingreifen. Natürlich existiert dieser Missstand, aber wieso wird in der öffentlichen Debatte nie die Frage nach der Rolle der Frauen beim Erhalt dieses System gestellt?

Ein anderes Beispiel zeigt es noch deutlicher: Feministinnen beschweren sich seit Jahr und Tag über Machos. Gleichzeitig weiß wohl jeder: Der nette Junge kriegt das Mädchen nur im Film. In der Realität hingegen, sind es die Machos, die ein geregeltes Sexualleben haben, während die netten Kerle, die Frauen so zuvorkommend behandeln wie ihre Mütter und die Medien (auch die Bravo) es ihnen beigebracht haben, immer nur »Lass uns Freunde sein« zu hören kriegen. Geschlechterstereotypen würden einige sagen, Realität sagen wir.“

Das ist besonders witzig, wenn man sich den Abschluss dieses Feminismus-Bashings anschaut:

„Aber ein Feminismus, der seinen eigenen Zielen und Maßstäben gerecht werden will, muss hier in besonderem Maße differenziertes Denken an den Tag legen.“

Ja. Äh. Differenziertes Denken. Genau.
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Professoren-Problemchen, Traumlehrer, DSK

Siviu schreibt auf der Mädchenmannschaft über den Fall Dominique Strauss-Kahn. Inge sagt zum Thema Macht daraufhin etwas scheinbar Einfaches und IMHO sehr Wichtiges:

zum Thema “Macht”: das ist erst einmal ein neutraler Begriff – also Macht ist nichts schlechtes – hat mit Kompetenz und Verantwortung zu tun. Dass Macht korumpiert, ist an sich schon falsch herum gedacht. Es ist immer der Mensch, der mit Macht nicht verantwortlich umgeht.

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„lesbisches Kontinuum“ – Frauen vor, Männer zum Sex – oder so

Hab sehr viel um die Ohren grade. Aber dieser Kommentar ist toll! Er stammt von Antje Schrupp (mal wieder, aber so ist das eben – Gutes setzt sich durch!). Sie steuerte ihn dem heiß-kommentierten Text von Nadine in der Mädchenmannschaft mit dem Po-pieksendem Titel „Warum es manchmal okay ist, Heteros doof zu finden“ bei:

In der 70er Jahre Frauenbewegung gab es ja auch noch die so genannten “Bewegungslesben”, also Frauen, die sich bewusst bzw. aus politischen Gründen für lesbisches Leben entschieden haben. Ich fand das – als überwiegend Hetera – immer eine ganz befreiende Perspektive. Ich habe nämlich meine lesbischen Freundinnen immer etwas beneidet, weil sie, hm, die Verhältnisse immer schon durch ihr ganz normales Leben herausgefordert haben, während man mich wegen der Männerbeziehungen immer für “normal” hielt, was ich ja um Himmels Willen nicht sein wollte (was natürlich auch etwas albern war).
Und dann gibt es ja noch die Idee von einem “lesbischen Kontinuum”, ich glaube, von Adrienne Rich, und wir haben heftig darüber diskutiert, ob eine Frau, auch wenn sie mit Männern Sex hat oder sogar Liebesbeziehungen, trotzdem eine Lesbe sein kann, in dem Sinne, dass sie trotzdem den (politischen, freundschaftlichen) Beziehungen zu anderen Frauen Vorrang gibt.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die Frage nach dem Verhältnis von lesbisch/hetera ist vieldimensional, denn man hat ja nie nur Beziehungen zu einem Menschen und die Frage ist auch, welche Bedeutung “die eine” Beziehung im Verhältnis zu all den anderen Beziehungen hat.
Aber das führt jetzt vielleicht auch etwas ab vom Thema.

ich finde das so schön! Da gibt es mal wieder ein echtes Konzept für einen Traum, den ich in meiner Jugend meinte selbst erfunden zu haben. Als ich 18 war, wollte ich mit meiner damaligen besten Freundin ganz genau so leben: Wir sind uns bis an unser Lebensende treu und „halten“ uns nebenher Männer für den Sex. Bis heute träume ich manchmal davon. #hach – aber sagt das nicht meinem Mann!

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Netz-Machos, Action-Heldin, Osama und Obama

Eine Kommentarsammlung der vergangenen Woche kann nicht ohne einen Kommentar zu Obama/Osama auskommen. Ich muss sagen: Dazu einen klugen zu finden, war unglaublich schwer! Die meisten verhedderten sich einfach unsäglich in hoch-emotionalisiertem Bashing und moralischer Entwertung. Ich aber suchte einen politischen und differenzierten – weil nicht so einfachen – Kommentar. Und fand ihn bei Ingo Neumayers klasse Vreitagsvers auf Spreeblick (lesen!) von Netzartiger:

Verschwörungstheorien hin und her. Der Mann war sicher gefährlich und das die Amis Blutrache nehmen ist nach amerikanischen Gesichtspunkten in Ordnung. Befragt die Amis sind mehr dafür als dagegen und so muss sich Obama auch in erster Linie verhalten – wie SEIN Volk das erwartet.

Dessen ungeachtet, wenn ich teil der Spezialeinheit gewesen wäre, und gewusst hätte, hinter der nächsten Tür ist Osama… hätte ich vielleicht auch einen unruhigen Zeigefinger gehabt.

Über Obama herzufallen ist genauso falsch wie ihm dafür einen Orden zu geben.

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Scham?, Liebe, Spackeria-Selbstkritik

Julia Schramm schreibt sich selbst eine Kritik – eine gute Kritik – denn sonst hat es ja keiner hinbekommen! Alles muss frau selbst machen. mspro nimmt ihre Gedanken auf und denkt sie weiter. Alles spannend, ein bisschen elfenbeinturmig – aber doch: #revolutionär!

mspro Says:
Hmm, hier gäbe es viel zu sagen. Ich beschränke mich nur auf einen Absatz:

“Privatsphäre bedeutet die ìnstitutionalisierte Sphäre des Ichs, meine Welt, die so unabhängig und unbeeinflusst sein sollen darf wie möglich.”

Im Grunde ist das, recht gut auf den Punkt gebracht, der eigentliche Kern der abendländischen Pivatsphärenerzählung. Ich nenne das eine Metaphysik der Innerlichkeit. Es wird angenommen, dass es einen, von aller Umwelt, sozialem und Technik unaffizierten Kern des Menschliches gibt, der sowas wie der Kern des Indiviuums und seiner Identität ausmacht. Um diesem Kern Raum zu geben, sich zu entfalten, braucht es den unbeobachteten Raum.

Ich halte das für sehr ideologisch aber in allen Köpfen tief eingebaut und für den Postprivacydiskurs ist es die schwierigste Nuß, die es zu knacken gilt. Da hängt ja noch ne ganze Menge dran: der ganze traditionelle Humanismus, könnte man sagen.

Soweit ich weiß versucht @Plom dem entgegenzutreten, indem er diese Vorstellung aus dem Christentum herleitet und so weltanschuerisch diskreditiert. Das mag stimmen, aber es wird nicht reichen. Hier muss richtige Dekonstruktion geleistet werden. Die Widersprüche müssen aufgezeigt und das Konzept gegen sich selbst gewendet werden. Ich bin mir sicher- glaube sogar, dass Derrida da bestimmt schon was geleistet hat – komm aber auch nicht drauf.

Dazu müsste man dann eine Erklärung finden, die ganz ohne diesen Kern auskommt, was aber nicht allzuschwierig sein muss, denn soweit ich das überblicke, ist er eigentlich für nichts eine besonders wichtiger Erklärungsansatz. Der Mensch bildet seinen Individualismus über seine soziale Umwelt aus. Das sehe ich gar keinen Widerspruch.

Ansonsten, schöner Text. Und Kopf hoch. Du machst das großartig!

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Burka, Feminismus-Sprech, Biologismus

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Wenn das hier thematisch langweilig und einseitig wird (Religion, Sex, Feminismus), tuts mir leid. Es ist wie gesagt eine sehr subjektive Sammlung und ihr könnt Einfluss nehmen, indem ihr eure oder andere kluge Kommentare in die Kommentare postet oder mir per Kontaktformular mailt (bitte mit Link).
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Eigenwerbung in Kommentaren ist erlaubt und gern gesehen – ich poste nur Michael Michaelis‘ Kommentar unter „Eine Replik auf ‚warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken'“ in der Mädchenmannschaft – folgt doch selbst seinem Link:

Ich würde das Thema gerne etwas radikalisieren: der Streit um die Frage, was angeboren, und was sozial vermittelt ist, geht am Kern der Sache letztlich vorbei.

Auch biologische Unterschiede sind keine Natur – das sind Differenzen, die nur auf sprachlicher Ebene funktionieren, und Natur beschreiben. Beschreibungen jedoch sind sprachliche Artefakte, Konstrukte. Die Unterscheidung in Frau und Mann ist keine Unterscheidung, die Natur selber hervorbringt, sondern ein Unterschied, den Menschen machen, wenn sie über Natur sprechen.

http://www.michael-michaelis.de/htdocs/konstruktion-von-identitaet


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Antje Schrupp, Fortschritt, Magda

Als Einstieg in die neue Serie, heute drei Kommentare, die sich alle im feministischen Umfeld tummeln.

Antje Schrupp schreibt bei Julia Seeliger unter „Alice und der Sex“:

Man muss allerdings mit berücksichtigen, dass es damals in den Achtzigern noch überhaupt keine Vorstellung davon gab, dass Sex auch ANDERS als durch Penetration möglich ist. Ich war damals um die zwanzig und kann mich noch genau erinnern, wie mir durch Schwarzers Formulierungen wirklich überhaupt erst einmal klar wurde, dass Sex mehr sein könnte als sich einen reinstecken lassen. Es war wie Tomaten von den Augen fallen, denn niemals hatte mir irgend jemand etwas dergleichen gesagt. Im Gegenteil, ich hatte mehrere Begegnungen mit Männern (netten Männern, Freunden von mir), die mir ein schlechtes Gewissen machten, wenn ich sie “erst anmachte und dann nicht reinstecken ließ”. Und es war sehr, sehr, sehr, sehr schwer bis unmöglich, es damals normalen durchschnittlichen Männern zu erklären, dass das Reinstecken eventuell nicht alles am Sex sein könnte. Mir wurde, wenn ich das verweigerte, mehrmals und von vielen Seiten vorgehalten, ich sei doch “frigide”. Also ich bin wahrlich kein Fan von Schwarzer, aber diese Relativierung der Gleichung Sex = Reinstecken war sehr wichtig, jedenfalls für mich persönlich auf jeden Fall.

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Neue Serie: Der kluge Kommentar

Das Web 2.0 und seine Publikationen haben einen entscheidenden Faktor in die Diskussionkultur eingebracht: Die Kommentarfunktion. Ich selbst habe im Jahr 2005 – also vor mehr als sechs Jahren – damit angefangen, meine Artikel in einer größeren Community zur Diskussion zu stellen und so manche Richtungsänderung hat das Denken in meinem runden Kopf dem Input von KommentatorInnen zu verdanken, die sich nicht nur die Mühe machten, meine Pamphlete zu lesen, sondern ihre eigenen mal mehr, mal weniger tiefgehenden Gedanken dazu zu äußern. Kurz: ich LIEBE Kommentare, Diskussionen und den Input. Auch wenn natürlich manches Mal eine schlaflose Nacht daraus resultierte, weil „someone wrong on the internet“ war – wie es in dem mittlerweile mit Kultstatus ausgestatteten Comic auch heißt:

Viel häufiger aber ist jemand wahnsinnig klug und kann einen Input liefern, den wir aufgrund unserer eigenen Scheuklappen vielleicht nicht gesehen haben.

Kommentare sind dennoch immer noch in einer recht unprivilegierten Position: Sie sind Sekundärcontent, dem Artikel untergeordnet und je mehr es unter einem Artikel werden, desto mehr sind sie dazu verdammt, unterzugehen und nicht beachtet zu werden.

Deswegen gibt es diese – natürlich unglaublich selektive – Serie ab jetzt wöchentlich montags hier im Blog. Ich sammle für euch die klugen Kommentare, die mir auf meinen Pfaden durch dieses Internet begegnet sind und hoffe, ihnen damit ein bisschen des Glamours geben zu können, den sie eigentlich verdient hätten.

Bitte denkt aber daran: nur weil ich die hier verlinkten Kommentare klug finde, spiegeln sie noch lange nicht meine Meinung wider. Ich denke aber, die Qualität dieser Serie hängt auch davon ab, nicht nur jene zu präsentieren, deren Meinung ich teile. Gott – das wäre grottenlangweilig.
Zum Zweiten möchte ich dazu aufrufen, mir eure Kommentare zu schicken, die ihr anderswo gepostet habt und die ihr gerne hier sehen würdet. Nutzt dafür einfach – na klar: die Kommentarfunktion.


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