Überwachung und Datenklau als Alltag

2013-05-02 18.06

H., hat jetzt ein Smartphone und irgendwie wurde mir in einem Gespräch mit ihr erst so richtig klar, dass und wie „Normalsterbliche“ mit diesen Geräten eigentlich übers Ohr gehauen werden. Wenn man nicht wie viele meiner netzaktiven Bekannten und Freunde ständig im Diskurs aktiv mitmischt, nicht die Feuilleton- und Netzdebatten rezipiert und nachvollzieht, nicht an der re:publica teilnimmt und auch nicht zwischen den Jahren in Hamburg beim CCC eine Paranoia-Auffrischung vornimmt, dann steht man ziemlich alleine da. Erst Recht, wenn man wie H. ein Leben hat, das mehr als ausfüllend ist: Zwischen Job, Kita, Schule und das kleine bisschen Freizeit nicht noch mehr pressen kann – und sei es ein Aufholen einer Debatte, die seit Jahren auf nicht gerade niedrigem Niveau geführt wird.

Wenn H. Geburtstag hat, schenke ich ihr vielleicht „Ego“, denn sie liest gern und es wäre ganz vielleicht ein kleiner Wachrüttler. Bis dahin helfe ich ihr, threema auf ihrem Smartphone zu installieren. Und hoffe, dass die Politik sich endlich ihrer verdammten Verantwortung bewusst wird – wie ich es auch bei den Wostkindern im FAZ-Blog fordere.

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„How to build a girl“


Niemand hat Johanna Morrigan je gesagt, wie man sich in besseren Kreisen benimmt. Sie ist wie Pippi Langstrumpf, die man zum Kaffeekränzchen von Annikas Mutter und Tante Prusselliese eingeladen hat.
Caitlin Moran hat ein Buch über die Jugend im Arbeitermilljöh der Neunziger geschrieben. „How to build a girl“ heißt es. Ein Herzensbrecher ist es. Einer, über den ich auf Faz.net bloggte.

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Britische Trockenheit und Ukulele

Manchmal braucht man nicht mehr, als eine Akkordfolge und es eröffnet sich eine ganze Welt des Pop…
Das zeigt (siehe Youtube-Video): Das wunderbare The United Kingdom Ukulele Orchestra!

und weil ich weiß, wie sehr ihr das alle mögt: Bohemian Rhapsody \o/

„Dieses kleine Instrument kann große Sachen bewirken“.
Vor allem macht es sehr gute Laune, es erdet.

Spielt Ukulele, ihr Hater!

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Solidarität und Entpolitisierung: Amina und die Empörten

Bei den Ausrufern schreibt der Ed2Murrow einen sehr lesenswerten Beitrag über die Debatte des Falls Amina Sboui, die im Netz Bilder ihres nackten Oberkörpers gepostet hatte und nun in Tunesien im Gefängnis sitzt. Ein Urteil von vier Monaten Haft für drei Femen-Frauen hängt derzeit wie ein schlechtes Omen über Aminas Schicksal.

Nacktheit ist interessanter Weise etwas, das derzeit die Gesellschaft spaltet – und zwar auch und gerade hier in Europa, wenn über die Ereignisse in Tunesien oder die Haltung von Femen debattiert wird. Der Umgang mit Femen ist erstaunlich. Das findet auch Ed2Murrow. In Deutschland sei eine Meinung zu all dem sehr häufig und in verschiedenen Zeitungen zu lesen gewesen: „Die radikalen und einseitigen Ansichten von Femen unterscheiden sich nicht besonders von der Einstellung jener, die Aminas Bestrafung forderten.“ Es ist so einfach, sich zu empören und Femen als rassistische Krawalltruppe darzustellen. Das ist eine Einstellung die auch und gerade in feministischen Kreisen sehr populär geworden ist. Hinterfragt man diese Einstellung gilt man schnell selbst als rassistisch oder sonstwie „istisch“

Ed2Murrow machte sich hingegen die Mühe, einen Aufsatz ins Deutsche zu übersetzen, der in der französischen Le Monde abgedruckt war, geschrieben von Hélé Béji. Als eine der wenigen schreibt sie mit großer Sorge über die Allianzen, die sich über die Lager hinweg durch „die stille Macht der Wohlanständigkeit“ bildeten.

Die Mehrheit verurteilt ihre Taten, um die eigene instinktive Grenze von Normalität zu schützen, die die alten Bräuche gezogen haben; andere erleben sie als Gewissenskonflikt einer Philosophie, die zwar die Pflicht zum Gehorsam eingerissen hat, nicht aber die traditionellen Tabus, die zu überschreiten nun eine unerschrockene junge Frau die Kühnheit besitzt, indem sie alleine den schrecklichen Weg geht, all die Folgen auf sich zu nehmen, die sich aus dem Verstoß gegen gute Sitten und moralische Ordnung ergeben.

Béji ist in Frankreich schon durch eine sehr eigenwillige Einmischung in die Burka-Debatte aufgefallen. Sie vertrat hier eine Position, die ich nur unterstützen kann, die sich aber zwischen alle Stühle setzt:

„Gesetze gegen die Burka? Sie und sie alleine zu verbieten in einer umfänglich gewährenden Gesellschaft, die mit Blasiertheit jede Ausuferung beäugt? Mit welcher Berechtigung will man da die eine Übertretung ahnden und nicht auch die andere?“

Bitte lest selbst drüben bei den Ausrufern: Ed2Murrow sei überschwänglich gedankt, sich die Mühe gemacht zu haben, einen Text zu übersetzen, den man sonst so in der deutschen Debatte sicherlich nicht zu lesen bekommen würde. Denn „die auch in Deutschland um sich greifende Bigotterie“ (Ed2Murrow) in Zusammenhang mit dem Nacktprotest scheint eine Debatte derzeit erfolgreich zu blockieren, die über den Horizont einer knienden Ameise hinaus nach den Interessen und Konsequenzen fragt, die hinter all diesen Debatten stecken.

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Freiheit in 60 Minuten und ein Gespräch über #OccupyGezi

Der aktuelle Erscheinungsraum, mein kleiner emanzipatorischer Podcast, beschäftigt sich mit den Protesten in und um den Gezi-Park in Istanbul. Zu Gast hatte ich Neşe Altıparmak, die derzeit in Berlin Europäische Literatur an der Humboldt-Universität studiert, davor in Istanbul gelebt und studiert hat. Sie hat von Anfang an über twitter und Facebook mitbekommen, welche Gewalt die Istanbuler Polizei anwedet; wie die türkischen Medien versuchten, den Protest unter den Teppich zu kehren und sie reflektiert über daraus resultierende politische Forderungen und Visionen über die Zukunft.

Viel Spaß beim Hören: ER004 Gezi-Park und die Proteste in der Türkei

Ein weiterer Hinweis gilt dem morgigen Fernsehabend: „60 Minuten Freiheit“ ist der Titel eines Dokumentarfilms, der morgen Abend im Bayerischen Fernsehen laufen wird (22:00 Uhr bis 23:00 Uhr; Wiederholung ist 01:05 Uhr bis 02:05 Uhr in der Nacht zum Sonntag). Ich weiß noch nicht, ob und wie genau, aber das Fernsehteam traf sich letzten Sommer mit Julia Schramm und mir und hat ein paar Sachen mit uns aufgenommen – also vielleicht gibt es uns da zu sehen. Worum es geht:

„60 Minuten Freiheit“, von den Machern des preisgekrönten Films „Der Taktstock“, ist ein unvergleichlicher Film über ein eigentlich unverfilmbares Thema. Es geht darum, was Freiheit ist, und was sie für jeden von uns bedeutet. Mithilfe eines kleinen animierten Mannes, der von Herbert Feuerstein synchronisiert wurde, nähert sich der Film diesem schwierigem Thema auf anschauliche Weise. In rund einer Stunde sucht die Animationsfigur nach Antworten und findet sie draußen in der Welt und in uns selbst.

Ich bin jedenfalls überaus gespannt darauf.

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„Ich glaube nicht an Glück als Zustand“

Juli Zeh im Gespräch mit Daniel Cohn-Bendit
Sie sprechen über Bosnien, Verantwortung, Parteien und Politikverdrossenheit, können wir uns noch in Gruppen hineindenken? Was ist mit den Millenials? Ist Ich-Zentrierung ein Problem?

Juli Zeh hat ein Faible für die Freiheit. Das ist nicht neu. Aber wie kann man auf allen Ebenen die eigene Freiheit und gleichzeitig miteinander in Verantwortung leben? Interessanter Weise ein sehr konservatives Verständnis von Beziehung, das bei ihr herauskommt. Die eigene Individualität soll hinter der Sicherheit von Beziehungen zurücktreten?

„Fühl dich zuhause sicher, dann hast du draußen nicht so viel Angst!“

Wirklich sehr spannendes Gespräch. Empfehlenswert.

Ich halte es übrigens in Parteien auch nicht so ganz aus. Die Parteien haben einen Panzer – Daniel Cohn-Bendit bringt es auf den Punkt.

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#rp13: Gesehen und für gut befunden

Dieses Jahr hatte ich leider nicht die Möglichkeit, zur re:publica zu gehen. Dennoch habe ich mir einige Videos bereits angesehen und manche sogar für gut befunden – ein paar werde ich ebenfalls noch nachholen, da sie einfach sehr interessant klingen.

Das erste Video, das ich wirklich richtig gut fand, war der Vortrag von Gunter Dueck. Wer geglaubt hatte, dass er nur an seinen ersten Vortrag von 2011 anschließen würde (der damals schon sehr aufrüttelnd war), hatte sich getäuscht. In „Aufruf zum metakulturellen Diskurs“ wendet er sich gegen ethnozentrismus (Definition der Wikipedia) und plädiert für eine meta-Betrachtung der politischen Lager, die aus Traditionen gewachsen sind und schon in die Zukunft verweisen. Derweil ich mich selbst momentan viel mit der Möglichkeit von Pluralismus befasse, tut er es also auch – wenngleich er das nicht so nennt. Und auch viel Pragmatismus steckt in diesem Vortrag drin – ein Thema von mir seit dem letzten Jahr. Auch denke ich nach dem Hören, dass diese Einstellung sehr gut erklären kann, wie ich „feministisch ticke“ – falls ihr versteht, was ich meine. Ich empfehle also den Vortrag aus vollem Herzen – er ist engagiert und gewohnt visionär, aufrüttelnd und menschlich.

Der zweite Vortrag, den ich leider etwas zu schnell vorgetragen fand, aber inhaltlich sehr gewinnbringend, war der von @fraeulein_tessa – Teresa Bücker – die sich intensiv Gedanken machte, in was für einer Arbeitswelt wir leben, leben wollen und leben sollten. Ein sehr engagiertes Plädoyer, dem ich mich nahezu uneingeschränkt anschließen würde: „Der Montag liebt dich“ – zumindest sollte er das.

Einen ähnlichen Vortrag hielt Jutta Allmendinger. In „Zeit, Geld, Familie“ stellt sie aktuelle wissenschaftliche Studien vor, die zeigen, dass die Grenzen zwischen Arbeit, Freizeit, Familie und Erholung bei Frauen total verschwimmen. Sie zeigt auch deutlich, dass Männer dieses Phänomen noch nicht so sehr zu spüren bekommen, dass sie nach wie vor besser zwischen Arbeit und Familie stärker trennen können – und auch nicht derart in Konflikten zerrieben werden zwischen den beiden „Welten“. Ein Vortrag, der gerade aus feministischer Sicht absolut sehenswert ist – wer wissen will, wo die Gesellschaft steht und wo es vielleicht hingehen könnte und sollte, wird einige Einsichten bekommen.

Was haben die drei Vorträge gemeinsam? Nun, ich kann sie alle drei in meine Kategorie „Zukunftsfragen“ packen, denn genau darum geht es hier: Wo wollen wir hin, wie wollen wir miteinander arbeiten, leben, politisch agieren und eine Gesellschaft sein? Ich fand die drei Vorträge gleichermaßen bereichernd und danke den Vortragenden für ihre Mühe und Recherche.

Im Laufe der nächsten Wochen werde ich sicherlich noch weitere Vorträge ansehen und diejenigen, die ich wirklich gut finde gerne hier teilen.

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Erscheinungsraum – mein eigener Podcast


Nachdem ich im letzten Sommer Blut geleckt hatte und in Sachen Podcasting ein paar Gast-Auftritte hinter mir, die allesamt toll waren, fand ich es an der Zeit, einen eigenen Podcast zu machen. Und so soll es auch sein.

Der Titel lautet Erscheinungsraum. Und wer ein bisschen mit Hannah Arendt vertraut ist, erkennt vielleicht: Der Begriff stammt von ihr.

Die Idee dahinter ist, Menschen und Geschichten, Perspektiven und Unsichtbares hörbar zu machen. Im Gespräch. Die ersten beiden Folgen sind aufgenommen und weitere werden folgen. In Folge eins sprach ich mit Marco Herack über die Wahrnehmung von Menschen im Netz und die Schwierigkeit von Freundschaften in diesem Raum. In Folge zwei lassen Maike Weißpflug und ich Hannah Arendt erscheinen – die auch nicht immer nur beliebt war, eigensinnig und nach Freunden verlangte, mit denen man streiten kann.

Die Seite zum Podcast ist hier: Erscheinungsraum.de.

Den Podcast kann man  als mp4 abbonnieren oder als mp3 abonnieren. (Oder als Ogg Vorbis). Den Podcast gibt es außerdem bei iTunes.

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Feminismus und der Abgrund der Freiheit

Hannah Arendt und das „wer“ in der Welt

Es ist die amerikanische Professorin für Gender Studies an der University of Chicago, Linda Zerilli, die als eine der ersten und eine der Wenigen die politische Theorie Hannah Arendts für den Feminismus nutzbar gemacht hat. Sie argumentiert ihr ihrem Werk „Feminismus und der Abgrund der Freiheit“, dass sich der Feminismus umorientieren müsse: Weg von einer Fokussierung auf die Subjektfrage, die unweigerlich mit einem Hyperfokus auf dem „Defizit“ der Kategorie „Frau“ im Raster der binären Geschlechterordnung einherginge. Hin zu einer Orientierung an der Welt, die bei Arendt immer ein politischer Ort ist – ein Ort der Freiheit, des Neuanfangens und des Urteilens.[1] „Feminismus und der Abgrund der Freiheit“ weiterlesen

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Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich!

Die Idee kommt in Gesprächen am Rande von verschiedenen Veranstaltungen rund um die übliche „Vereinbarkeitsfrage“ in letzter Zeit immer häufiger auf: Müsste nicht eigentlich die Arbeitszeit radikal verkürzt werden um wirklich zu erreichen, dass Männer und Frauen – und Kinder! – und überhaupt…?

Wir sprechen häufig über die 23 Prozent Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen – gerade auch an einem Tag wie dem 8. März. Wenn wir diese Lohnschere ansprechen, dann sind zwei Reaktionen mittlerweile absolut klassisch: 1. Ihr trefft halt die „falschen Entscheidungen“, ihr Frauen. Lernt die falschen Berufe, studiert die falschen Fächer. Selbst schuld!

und 2. ihr seid halt einfach zu faul, wer macht denn die ganzen Überstunden in diesem Land? Hmm? Wer reißt sich denn den Arsch auf? Genau – wir Männer!

Das sind Aussagen, die sich angeblich auf Fakten begründen. Und ja: Stimmt schon, dass klassische Frauenberufe schlechter bezahlt sind.

Aber warum eigentlich?

Und ja: Stimmt schon, dass man in Deutschland vor allem und manchmal nur dann Karriere machen kann, wenn man Überstunden macht und ständige Präsenz zeigt.

Aber warum eigentlich?

In einem offenen Brief fordern eine ganze Reihe von Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen nun erstmals laut, klar und deutlich eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden. Bei vollem Lohnausgleich. Und ihre Argumente lesen sich gar nicht schlecht:

Die Massenarbeitslosigkeit ist die Ursache des ruinösen Wettbewerbs unter den Beschäftigten und fördert die Entstehung des Niedriglohnsektors und solcher diskriminierenden Arbeitsformen wie Leiharbeit und Werkverträge ohne gewerkschaftliche Interessenvertretung. Daher ist dringend eine Verknappung von Arbeit auf die 30-Stunden-Woche notwendig. Die durchschnittliche Arbeitszeit in Deutschland beträgt gegenwärtig ohnehin schon ca. 30-Stunden je Woche, aber die Arbeit ist ungleich verteilt.

Ich finde dieses Anliegen unbedingt unterstützenswert. Allein schon rein egoistisch gedacht: Wie viele andere Menschen lebe ich allein und erziehe dabei Kinder. Im Gegensatz zu typischen Kleinfamilien werden meine Wohn- und Nebenkosten, Strom und Heizung, Internet und so weiter nicht durch zwei Menschen geteilt. Wir teilen uns zwar die Sorge um die Kinder – immerhin! – wir sind zusammenerziehend. Aber der Kostenfaktor ist enorm. Eine 40-Stunden-Woche ist in unserer Lage kaum denkbar. Und in dieser Konstellation ist es auch, dass ein größeres Armutsrisiko für all die Alleinerziehenden entsteht. Und wir werden ja nicht weniger, sondern mehr! Jede zweite deutsche Ehe wird heutzutage geschieden. Jedes vierte Kind wächst in einer Konstellation auf, die nicht der klassischen Kleinfamilie entspricht.

Es gibt also nicht nur gleichstellungspolitische Gründe, sich hinter eine solche Forderung zu stellen. Wie der Brief herausstreicht, sind es drängende soziale und ökonomische Probleme, die diese Forderung sinnvoll erscheinen lassen. Bislang sagen die meisten Menschen das noch leise, hinter vorgehaltener Hand mit diesem müsste eigentlich. Mit dieser klassischen Scheu vor revolutionären Forderungen. Denn genau das ist sie:

Eine revolutionäre Forderung.

Die Arbeitswelt trennt Menschen in Klassen und das entlang sozialer Herkunft, Geschlecht und Alter. Inklusion ist kaum möglich, denn die Anforderungen scheinen unaufhörlich zu steigen, Überarbeitung und Burnout werden „Normalität“ und die Konkurrenz schläft nicht! Ich hab darauf so keinen Bock mehr!

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