Jugendarbeit und Jugendhilfe in privater Hand

Kicker

Der entscheidende Satz ist:

„Et jibt Bereiche, da sollte sich die öffentliche Hand nich rausziehen.“

Gesagt hat ihn die Leiterin des Edi, einem Jugendclub in Rehberge, den ich für BerlinABC besucht habe. Dieser Jugendclub soll im Frühsommer auch privatisiert werden, wie überall die Jugendarbeit privatisiert worden ist. Die Leute im Edi sind sich einig, dass diese Politik dazu führt, dass die Einrichtungen für Jugendliche unattraktiver werden. Dass sie im Endeffekt eingehen.

„Es gab früher mal viele Einrichtungen vom Bezirk, richtich coole Einrichtungen. Die wurden alle übertragen und die sind nun alle den Bach runter. Wahnsinn!“

sagt Stefan dazu, der auch im Edi arbeitet.

Noch gravierender sind die Privatisierungen im ganzen Bereich Jugendhilfe. Sehr bedrückend und wirklich nichts für zarte Gemüter ist dazu die ADR-Doku Die Story im Ersten: Mit Kindern Kasse machen, die ihr noch etwa ein Jahr in der Mediathek anschauen könnt. Sie zeigt, wie Kinder und Jugendliche von ihren Familien getrennt werden, aus Angst vor dem nächsten Todesfall. Aber die Jugendämter sind überfordert und haben das Krisenmanagement „outgesourced“. Die freien Träger, die nun einspringen, wollen schwarze Zahlen schreiben und brauchen deswegen Kinder und Jugendliche. Denen geht es oft richtig scheiße. Kontrollen gibt es keine. Ein paar Verfahren laufen.

Wie gesagt: Es gibt Bereiche, da sollte sich die öffentliche Hand nicht rausziehen.

Flattr this!

2 Gedanken zu „Jugendarbeit und Jugendhilfe in privater Hand“

  1. Ich arbeite neben dem Lehrerjob als ehrenamtlicher Mitarbeiter in einem kirchlichen Jugendtreff bei mir um die Ecke. Dort ist jedes Jahr die Finanzierung gefährdet und hängt tatsächlich daran, dass die Sozialarbeiterin gute Erfolge hat und die Geldgeber genau sie haben wollen. Hört die auf, dann ist da wahrscheinlich zu. Die offene Jugendarbeit wurde vor einiger Zeit privatisiert und deren Mittel gedeckelt. Nachdem es nicht mehr darum geht junge Menschen aufzufangen sondern möglichst viele Projekte finanziert zu kriegen, ist das relativ große Jugendzentrum fast wie ausgestorben. Die Projekte sind zu klein und haben kaum ein Echo… es ist dem Verein, der das macht, nicht einmal vorzuwerfen, so muss halt ein wirtschaftlich orientierter Anbieter arbeiten.

    Die Frage ist, ob wir uns die langfristigen sozialen Kosten leisten können, die das Sparen an Jugendhilfe bringt. Ich habe allein durch Nachhilfe und Schulberatung etliche Leute hier dazu gebracht ein Fachabi statt Ausbildung oder statt beruflicher Weiterbildung in Betracht zu ziehen und das nur in dem ich da rumsitze.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.