Bye bye iPhone: mein Leben mit Firefox OS

Ich habe mein iPhone 5, 32 GB verkauft und mir stattdessen ein Alcatel One Touch Fire mit Firefox OS und einen iPod touch 5 64 GB gekauft.

Ausgangslage: Warum ich mein iPhone verkaufte

Damit ihr ungefähr einordnen könnt, warum ich mein iPhone 5 verkauft habe, um es durch ein Alcatel One Touch Fire + iPod 5 zu ersetzen, hier die Ausgangslage:

Ich hatte das iPhone 5 nur ein paar Monate und von Anfang an hatte ich Sorge, dass es einen zu kleinen Speicher hat (32 GB), um meine Musik und meine Podcasts zu beherbergen. Doch finanziell waren 64 GB nicht drin und somit musste ich in den sauren Apfel beißen. Hoffend, dass es schon reichen würde. Aber es kam, wie ich gefürchtet hatte: Es genügte nicht. Als ich nur noch 1 GB freien Speicher hatte, war mir klar, ich muss was ändern. Zunächst hatte ich vor, mir ein gebrauchtes 64 GB auf ebay zu kaufen und meines dort zu verkaufen. Aber dann kam es anders.

Mein mobiles Verhalten analysiert

Ich hatte endlich einmal Zeit, mein mobiles Verhalten zu hinterfragen. Und ich merkte, wie ich Lust hatte, nach drei Jahren iPhone wieder runter zu fahren. Also vielleicht ein Dummphone zu kaufen, für unterwegs (denn ich muss unterwegs erreichbar sein, da führt absolut kein Weg dran vorbei). Bei mir zuhause liegt noch ein quasi neuwertiges Nokia herum und das bot sich ja an. Also überdachte ich meine tatsächliche Nutzung des iPhones und kam auf folgende mir wichtige Funktionalitäten:

  • der iPod, also das iPhone als Musik- und Podcast-Player
  • die Fotokamera, zusammen mit Oggl und Hipstamatic
  • der Kalender (synchronisiert einen Googlekalender, den ich mit anderen Menschen teile, enorm wichtig, auch für unterwegs)
  • Kartenmaterial für fremde Orte (bei Vorträgen muss ich manchmal Orte und Gebäude finden, die nicht so einfach ohne Karten zu finden sind, ich bin sehr dankbar, dass ich mich seit dem Smartphone kaum mehr wegen Verlaufen verspäte [ja, okay, ich schaffe es natürlich auch, mich mit MIT Smartphone zu verlaufen, aufgrund falscher Interpretation von Himmelsrichtungen… je nach Ausgeschlafenheitsgrad…!])
  • Messages und Chatten ohne SMS – in einer Fernbeziehung sehr wichtig
  • Kleinigkeiten, die nicht überlebenswichtig sind, aber doch praktisch: Shazam, QR-Code-Scanner, Wetter, WordPress, seit iOS7: E-Mails diktieren, Felix für App.net, Spiele und interaktive Bücher für die Kinder (für Bahnfarten manchmal Gold wert!), Spiele für mich…

Dann kam die Überlegung, was davon ich wirklich *immer* bei mir haben möchte, und was ich nicht immer bei mir haben möchte. Es lief dann darauf hinaus, dass ich ein Handy möchte, dass folgende Dinge kann: telefonieren und SMS, Kalender, Karten. Außerdem: Hin und wieder einen Browser zu haben kann neben Karten auch nicht schaden, wenn man die Adresse des Veranstaltungsortes nicht notiert hat.

Diese Funktionen genügen mir bei einem Handy, das ich immer bei mir habe. Und deswegen bin ich mit dem Firefox-Handy vollauf zufrieden, denn es erfüllt sie alle so, wie ich es brauche. Für alles andere habe ich den iPod touch 5, der im Grunde alles kann, was ein iPhone 5 auch kann, nur an der Kamera und am Prozessor wurde etwas gespart. Der iPod touch 5 kann per WLAN ins Netz gehen. Ich nutze ihn vor allem zuhause und auf Bahnfahrten. Nun aber endlich zum Review des Alcatel One Touch Fire:

Firefox OS

Die Begrüßung ist sehr aufmunternd, wenn man sein neues Firefox-Handy zum ersten Mal anschaltet.
Die Begrüßung ist sehr aufmunternd, wenn man sein neues Firefox-Handy zum ersten Mal anschaltet.

Das OS von Firefox steht noch ganz am Anfang. Es basiert auf html 5 und Leute aus aller Welt können daran mitentwickeln. Eine „App“ im Firefox OS ähnelt also mehr einem Add-On im bekannten Firefox-Browser, als einer App im Apple- oder Android-Universum. Die Entwicklung dieser Apps, die allesamt kostenlos im Marketplace erworben werden können, steht noch am Anfang. Es ist ein bisschen wie mit App.net vor einem Jahr: Wer als Early Adopter mitmacht, hofft und vertraut auf die Entwicklung – die sicher kommen wird, und nimmt auch in Kauf, Dinge nicht zu haben (es gab vor einem Jahr auf ADN keine Direct Messages, keine Fotos, keine Patter-Räume usw… die meisten Apps hatten am Anfang nichtmal Push-Notifivations!). Man Investiert in die grundsätzliche Idee und in die Zukunft.

Was es aber schon gibt, sind funktionierende und benutzbare Apps für alle üblichen sozialen Netzwerke (twitter, Facebook, Youtube, ADN and more to come), CutTheRope (:)), Wikipedia, Soundcloud, Wetter, Schach und Pacman, brauchbare Karten mit GPS, Instagram, Mails, Kalender… Also es ist erstmal recht solide und wenn die Erwartungen nicht zu hoch gesteckt sind, dann passt das schon. Aber: Es gibt noch keine Podcast-App! – auch das dürfte jedoch nur eine Frage der Zeit sein.

2013-11-04 12.13.53
Absolutes Plus an Firefox OS ist per One Click auswählen zu können, dass man von Webseiten und Anbietern nicht verfolgt werden möchte. Das ist natürlich in der aktuellen Debatte ein total geiles Feature und ich weiß von keinem Smartphone, das so etwas anbietet. Für mich auch der Hauptgrund, in Android keine Alternative zu sehen.

Das Alcatel One Touch Fire-Gefühl

Das Alcatel One Touch Fire ist von der Größe, dem Gewicht und dem Display her etwa mit dem Apple iPhone 3 GS zu vergleichen. Es liegt ähnlich in der Hand, ist ähnlich schwer und das Display hat mit 480×320 Pixeln die gleiche Auflösung. Da ich bis August noch ein 3GS hatte ist also der Umstieg nicht so schwer.

Links: Das Alcatel One Touch. Rechts: Mein kaputtes iPhone 3 GS
Links: Das Alcatel One Touch. Rechts: Mein kaputtes iPhone 3 GS

Aber!
Es hakelt und ruckelt ein bisschen rum. Wobei ich auch hier sagen muss: Das hat mein iPhone 3 GS zuletzt auch getan und mein Alcatel One Touch ist in Sachen Ruckeligkeit nichts im Vergleich zu meinem iPad 1, das so langsam einfach nicht mehr klarkommt (weswegen ich seit Wochen nicht mehr die Apps aktualisierte, aber vermutlich hätte ich damit noch viel früher aufhören müssen. Die sind halt auf neuere, schnellere, bessere Geräte optimiert). Beim Alcatel One Touch ist außerdem das Touch-Display nicht so reaktiv, wie man das von Apple-Geräten kennt. Manchmal tippt man drei, vier Mal auf einen Button, ehe sich wirklich etwas tut. Das ist natürlich nicht so klasse. Aber in dem Umfang, wie ich das Kleine nutze, ist es wirklich verkraftbar.

Kein rohes Apple-Ei

Was ich sehr an diesem Handy schätze ist, dass es sich nicht anfühlt wie ein rohes Ei. Ich kenne so unendlich viele iPhone-Besitzer, die Risse und Sprünge in Display oder in der Glasrückseite hatten… Da es sich beim iPhone meist um einen Wert  von mehreren Hundert Euro handelt (für mein iPhone 5 mit 32 GB bekam ich auf ebay immerhin gut 500 Euro!), wird das „Rohe-Ei-Gefühl“ nur verstärkt. Ein iPhone ohne gute Hülle ist Frevel und ich lernte auch bald, dass Hartschalen-Hüllen oder billige Silikon-Hüllen auch Frevel sind. Also muss schon ne teure Lederhülle her – oder, wie ich mich immer entschied (ich empfehle es wärmstens): eine Hülle aus Filz, etwa von „Freiwild“. Mein One Touch Fire hingegen ist robust, diese Robustheit erinnert stark an die früheren Nokias. Und es fiel mir gerade heute aus einer für iPhones schon sehr unangenehmen Höhe herunter: Kein Drama. Ich brauche keine Hülle dafür, ich schleppe es einfach so in der Jackentasche mit mir rum, kein rohes Ei mehr – und wenn doch mal was schief geht, dann sind die 90 Euro, die es neu gekostet hat, zwar nicht nichts, aber doch eine ganze Ecke verkraftbarer. Alles in allem finde ich das sehr erleichternd, zumal ich wirklich eine Trotteline sein kann, was den Umgang mit meiner Technik angeht (das iPhone 3 GS, das ihr auf dem Bild seht, musste nur deswegen durch das kürzlich verkaufte 5er Modell ersetzt werden, weil ich es draußen im Regen liegen ließ).

Unterwegs: Nicht mehr alles dabei

Auch entscheidend: Ich schleppe nun nicht immer alles mit. Im Alltag bleibt der iPod in der Regel zuhause, da ich meist mit dem Fahrrad fahre oder mit der Bahn, wo ich Bücher lese (und zu lesen habe ich sehr viel). Für Zugfahrten oder Flüge würde ich ihn  mit seinen etwa 30 GB Podcasts und Musiktiteln jedoch absolut nicht missen müssen! Und erst recht nicht zuhause, wo ich – durch das WLAN mit dem Netz verbunden – alle Vorzüge, alle Apps nutzen kann, die mir und anderen am iPhone so wichtig sind. Das ganze Projekt ist also auch eine Fortsetzung meiner digitalen Entschlackung.

Was an diesem kleinen iPod immer wieder alle überrascht, ist wie leicht und dünn er ist. Das ist wirklich der Knaller. Die Menschen, denen ich das Putzelchen in die Hand drücke, bekommen sehr staunende Gesichter – ein kleines, aber doch recht schönes Goodie. Da es mir nichts ausmachte, ihn in der Farbe PINK zu kaufen, hat er mit 64 GB, neu und mit 48 Monaten Garantie bei Conrad nur 300 € gekostet.

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10 Gedanken zu „Bye bye iPhone: mein Leben mit Firefox OS“

  1. Hi Kadda,
    schön zusammengefasst. Ich finde es aber für mich nach wie vor überragend wichtig, nur noch ein Gerät dabei haben zu müssen – auch wenn es „leider“ das iPhone ist :-) Aber Deine Überlegungen und die Konsequenzen daraus sind nachdenkenswert. Konkurrenz ist immer gut und wenn die App-Welt bei Firefox anspringt, können sich die Platzhirsche vielleicht auch mal wieder eine Scheibe Innovation abschneiden.
    Beste Grüße
    Martin

  2. Guter Artikel! Verfolge die Entwicklung von Firefox OS seit der ersten Akündigung gespannt und finde es einen sehr interessanten neuen Ansatz. Allerdings sind mir die Geräte noch ein wenig zu unausgereift im Moment.

    Freut mich dass du erwähnst, dass es bereits Pacman für das Phone gibt :) Hast du es mal gespielt? Ich sammle momentan Verbesserungsvorschläge um Anfang nächstes Jahr ein Update dafür zu bringen :)

    cheers

    1. Cut the Rope habe ich gestern mal probiert, das ging sehr gut. Es lief sehr smooth und ohne ruckeln, so wie man es gewohnt ist.
      Paceman habe ich noch nicht probiert, werd ich aber gerne für dich machen. Soll ich das Feedback hier posten, oder per Mail schicken (an die von dir angegebene Adresse?)
      Das Gerät ist wirklich gewöhnungsbedürftig – aber für meine Ansprüche absolut ausreichend. So schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe: mobil entschlacken und gleichzeitig etwas unterstützen, das ich von der Idee und der Mission her wichtig finde. :)
      Sonnige Grüße!

      1. Die HTML5 Umsetzung von Cut the Rope ist wirklich gut, da können sich einige eine Scheibe abschneiden. Du kannst natürlich gerne etwas hier auf dem Blog posten, muss auch keine Schönrederei sein ;) Per Mail geht aber auch.
        Vielleicht lohnt sich dann für dich auch ein Blick auf http://platzh1rsch.uservoice.com/forums/228154-general/filters/top für Verbesserungsvorschläge

        Vielen Dank für deine Antwort und ich bin gespannt auf dein Feedback!

        1. Also ich finde es so nicht so richtig gut zu spielen. Vielleicht liegt es am zu unempfindlichen Touch Screen, aber manchmal brauche ich zehn Anläufe um in eine Nische zu navigieren, weil das Spiel nicht auf meinen Richtungswechsel reagiert. Ich vermute, das liegt an der Hardware. Dadurch macht es nur wenig Spaß… Sorry :/

  3. Ja Kadda, ich traus mir kaum zu sagen: Interviews mache ich mit einem ITT-Kassetten-Reportgerät. Ich habe zwar ein Smartphone, kann aber keine SMS schreiben, bin ich feinmotorisch zu ungeschickt für. Das Ding benutze ich nur zum Telefonieren und als Kamera, wer mir SMS schickt bekommt keine Antwort oder wird angerufen. Die verschiedenen I-Pods, die ich hatte (Werbegeschenke, Abo-Prämien oder Incentives) habe ich alle zu Geld gemacht, da ich keine Verwendung für so etwas habe. Selbst der CD-Walkman ist etwas, das auf Reserve für etwaige Krankenhausaufenthalte daliegt. In meiner Jugend hieß ein Kassetten-Walkman in meiner Umgebung „Kommunikationstöter“. Ich habe ein Navy in den Bordcomputer meines Autos eingebaut und kann nicht damit umgehen, wenn ich den Weg suche drucken ich mir den von der Webseite von Michelin aus und klebe mir die Streckenbeschreibung aufs Lenkrad. Ich kann HTML coden und Google optimieren, käme aber nie auf die Idee, mir eine App oder einen Klingelton runterzuladen. Das, was an ungenutzter und aus meiner Sicht unnützer IT in meinem Smartphone steckt ist mehr als 1990 in einer Filmschnittworkstation. Die war so groß wie ein Kühlschrank, brauchte einen eigens klimatisierten Raum und kostete mehr als ein VW Golf.

  4. Hallo Katrin,

    eine wirklich schöne Schilderung deiner Erlebnisse mit Firefox OS. Als Early Adopter der Techy-Sparte hoffe ich allerdings, dass Firefox OS basierte Smartphones nicht nur Kaufobjekte für Puristen bleiben ;-) Dafür wäre der Gedanke des Open Webs doch zu schade :)
    Es gibt bereits eine auf deine Bedürfnisse passende Bestrebung für eine Podcast App. Leider ist sie noch nicht im Marketplace vorhanden, kann aber von der unten genannten Quelle geladen werden. Erfordert jedoch etwas Vorarbeit.
    https://marketplace.firefox.com/developers/docs/apps/podcasts
    Wenn du dazu oder zu anderen Belangen von Firefox OS fragen hast, würde ich mich freuen, dir im Forum auf foshub.net weiterhelfen zu können. Weiterhin viel Spaß auf der fuchsbraunen Seite der Macht ^^

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