Hej Podcasters: I made some mistakes and learned from them!

Bei der Aufnahme der aktuellen Folge von Erscheinungsraum habe ich ziemlichen Fou gebaut, meine Aufnahme ist richtig Mist (gewesen; jetzt nur noch semi-Mist). Ich habe für die Sendung mit Che über Skype telefoniert und am Ende hatte die Aufnahme folgende Macken:

  • ich war total laut und dröhnte richtig
  • wohingegen Che total leise, manchmal fast unhörbar war
  • unter der gesamten Sendung lag ein furchtbares Grundrauschen
  • angereichert wurde das ganze durch Knack- und Knick-Laute in unregelmäßigen Abständen

kurz: Es war die absolute Katastrophe. Was ich falsch gemacht habe, das schildere ich zum Schluss. Aber ich glaube, dass für viele interessant sein dürfte, wie ich die Aufnahme bearbeitet habe. Insgesamt habe ich 2 Wochen lang immer wieder und etwa drei bis vier schlaflose Nächte an dem Kram gesessen. Nun denke ich, dass ich die Feuerprobe im Podcasting hinter mir habe – und möchte gerne weitergeben, was ich dabei gelernt habe.

Audacity

Ein erster Test mit kleinen Schnipseln der Audiofile, die ich zu Auphonic hochlud, zeigte: Auphonic konnte hier nicht wirklich helfen. Wer seine Podcasts mit Auphonic macht weiß: „It’s magic“ – aber hier war einfach zu viel schief gegangen. Also ging ich her und nahm Audacity zur Hilfe. Schon vor meinem ersten Podcast, also dem ersten selbst aufgenommenen, hatte ich mir Audacity angeschaut und einige Youtube-Tutorials dazu gesehen, so dass ich es mir am ehesten damit zutraute, den Mist zu bearbeiten. Audacity ist ein Open Source Projekt und kostenlos.

Mit Audacity nahm ich folgende Schritte vor:

  1. Das Rauschen entfernen
  2. Übersteuerungen finden und rausnehmen
  3. Che lauter und mich leiser machen
  4. Beats finden und rausnehmen

1. Das Rauschen entfernen
Um das Rauschen zu entfernen, muss man es zuerst finden. Man geht dafür stark in den Zoom, sucht eine Stelle, an der nicht gesprochen wird, in der aber das Rauschen da ist und markiert diese Stelle. Dann geht man im Menü auf „Effekt“ und wählt „Rauschentfernung“ – jetzt erst einmal das Rauschprofil ermitteln. Dafür hatte man die „stille“ Stelle aufgewählt. Audacity weiß nun, wie Rausch „aussieht“. Daraufhin wird der gesamte Track ausgewählt und im Menü „Effek“ –> „Rauschentfernung“ –> „ok“. Jetzt wird das Rauschen für den gesamten Track entfernt. Ein Video zeigt nochmal die Schritte:

2. Übersteuerungen finden und rausnehmen
In der Aufnahme waren einige krasse, dröhnende Übersteuerungen. Man wählt nun im Menü „Analyse“ und hier taucht schon „Übersteuerungen finden“ auf. Ich habe die vorgeschlagenen Werte einfach behalten. Audacity geht nun über den Track, die gefundenen Übersteuerungen werden Markiert. Ich habe sie rausgenommen, indem ich sehr stark reingezoomt bin und die markierte Stelle mit dem Auswahlwerkzeug ausgewählt und „normalisiert“ habe (siehe Bilder). Dazu habe ich einen Wert von -6.0 bis -8.0 dB gewählt. Das habe ich an allen übersteuerten Stellen getan.

Ashampoo_Snap_2013.05.26_12h07m35s_002_
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3. Che lauter machen und mich leiser
Dieses war der anstrengendste und langwierigste Teil. Ich weiß nicht, ob es hätte einfacher gehandhabt werden können – wenn eine_r von euch da Tipps hat, diesen Vorgang einfach zu gestalten, immer her damit!! Ich habe es so gemacht:

Ich bin den gesamten Track durchgegangen, also hörend und habe beim Hören mit dem Auswahl-Werkzeug immer so weit markiert, bis der Sprecher wechselte. Klingt vielleicht kompliziert, also noch einmal in anderen Worten: Zuerst spreche ich, dann sagt Che etwas, dann wieder ich, dann Che… und so weiter. Ich habe also händisch erst den Teil markiert, in dem ich spreche, und gestoppt, wenn Che einsetzte. Meinen Sprechteil habe ich dann wieder über das Menü „Effekt“ –> „Normalisieren“ bearbeitet, indem ich in der Regel zwischen -6.0 und -8.0 dB eingegeben habe (je nach Stelle, das muss man variieren. -6.0 dB benutzte ich meistens; wenn ich besonders dröhnte und laut war, dann eben -8.0 dB). Ches Sprechanteile habe ich auf -3.0 dB normalisiert. Wenn er innerhalb seines Sprechteils stark variierte, zum Beispiel besonders leise wurde, dann musste ich den besonders leisen Teil noch einmal gesondert auf -3.0 dB normalisieren. Bei knapp zwei einhalb Stunden war das der Bären-Anteil der Arbeit mit dem verkorksten Werk – ein Arbeitsaufwand von über vier Stunden, ich glaube es waren beinahe fünf. Aber es hat sich sehr gelohnt!

4. Beats finden und rausnehmen
Das ist wieder einfacher, es funktioniert ähnlich, wie das Entfernen der Übersteuerungen. Man geht im Menü auf „Analyse“ und dann auf „Beat Finder“. Ich habe die voreingestellten Werte einfach gelassen. Das Programm analysiert nun wieder fleißig. Und findet die Stellen: Sie werden mit einem „B“ wie „Beat“ markiert.

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Wieder geht man an diese Stellen stark gezoomt rein. Man erkennt dann, dass sie inmitten von Wellen plötzlich als „eckige“ Stellen auftauchen. Die Wellen haben plötzlich so ein gerades „Plateau auf dem Kopf“ (ich habe das mal im Bild markiert) und an diesen Stellen habe ich eiskalt die ganz geraden Plateaus rausgelöscht. Vorher sah es so aus:

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und danach so:

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das war dann auch schon die meiste Arbeit mit Audacity (zumindest fast). Ich ließ mir das Ergebnis dieser intensiven Bearbeitung als WAV-Datei ausspucken (im Menü „Datei“ –> „Exportieren“ –> hier das Dateiformat WAV wählen), um es weiter bearbeiten zu können.

ClickRepair

Die Aufnahme war nun schon sehr viel besser, aber es waren noch einige Klicks und Knacks drin. Für 40$ kann man das kleine Programm ClickRepair erwerben, das ich an dieser Stelle wirklich empfehlen kann, wenn man mit klicken und knacken öfters mal zu tun hat (für eine einmalige Nutzung kann man auch eine Testzeit von ClickRepair nutzen – diese ist dann natürlich kostenlos).

Zu ClickRepair gibt es nicht viel zu screenshotten. Einfach das Programm starten, die Audio-Datei hineinziehen und „Start“ klicken und dann rattert es einfach durch. In meiner Aufnahme mit Che hat es einige Tausend (!) Klicks und Knacks entfernt und sie klang hinterher wirklich um Längen besser.

Zu ClickRepair gibt es noch DeNoise dazu – kostet zusammen 70$. Ich habe davon die Testversion benutzt. Allerdings war es nach der Rauschentfernung von Audacity gar nicht nötig. DeNoise hat keine weiteren Rauschstellen finden können. Ihr könnt euch diese 30$ also getrost sparen.

Reaper

Reaper und Auphonic – für eine normale Podcast-Produktion brauche ich gar nicht mehr. Hier benutzte ich Reaper (wie immer) für die Aufzeichnung. Und nach all dem Überarbeiten habe ich nun in Reaper einfach noch – wie auch sonst immer – mein Intro eingespielt.

Audacity statt Auphonic

Nun kommt der vielleicht traurigste Teil der Geschichte: ich hatte bei dieser Podcast-Produktion wirklich so viel Ärger, wie noch nie. So habe ich zum Beispiel zuerst vergessen, das Intro hinzuzufügen und habe die Datei ohne Intro bei Auphonic hochgeladen (ich packe das Intro immer lieber in Reaper dazu, weil ich da besser überschneiden und faden usw. kann – also ich kann es mir besser anpassen). Also nochmal mit Intro… Fou! und dann stellte ich am Ende, als ich das fertige Stück, von Auphonic bearbeitet, anhörte fest: Es hatte all meine Mühe mit Audacity zurnichte gemacht. Che war teilweise wieder komplett unverständlich und ich in meinen Ohren viel zu laut. Ich verglich die verschiedenen Dateien miteinander und es war tatsächlich so, dass nach all der Arbeit die Datei NACH Auphonic schlechter anzuhören war, als davor. Ich war leicht am Ende, als ich das heute vormittag merkte.

Schlussendlich habe ich dann mit Audacity die Formate mp3, mp4 und Ogg hergestellt (wieder mit der Exportieren-Funktion; für mp3 und mp4 muss man eine Extension dazu herunterladen, das geht aber sehr unkompliziert). Die Opus-Version dieser Erscheinungsraum-Folge ist mit Auphonic erstellt. Wer mag, kann ja mal vergleichen, ob er_sie den Unterschied merkt.

Nun zu dem Verkabelungs-Fou

Was war eigentlich schief gelaufen? Es ist mir ein bisschen peinlich, aber ich möchte den Fehler trotzdem einmal kurz schildern. Ich benutze für die Aufnahme mit Skype das ESI-Audiodevice. In der Aufnahme mit Maike Weißpflug war es schon schwierig, das Setup stabil hinzubekommen. Das Mischpult ging damals über den USB-Slot am PC rein. Die ESI musste ans Hub, denn ich habe nur zwei USB-Slots am PC und man braucht ja auch Maus und Tastatur. Irgendwie ging es aber alles irgendwann (keine Ahnung, wieso). Beim Gespräch mit Che ging es nun leider gar nicht. Die ESI wurde nicht erkannt, als sie am Hub dran war. Ich stöpselte und kabelte rum, konnte Che nicht hören (er mich schon) und in einem Akt der Verzweiflung steckte ich das Mischpult ins Hub und die ESI direkt in den Rechner, mit dem Ergebnis, dass ich Che hörte, Che auch mich und Reaper zeigte, dass wir beide nun eine Stimme hatten. Also nahm ich auf.

Großer Fehler! Die ESI sollte niemals nicht als das Gerät genutzt werden, von dem Aufgenommen wird. Zumal ich zusätzlich befürchte, dass ich nicht über mein teures Beyerdynamic Mikrofon aufgezeichnet wurde, sondern über das im PC integrierte (die Hintergrundgeräusche und die miese Mikro-Qualität sind ein sehr starkes Indiz dafür!!). – ihr dürft jetzt gerne lachen! Ich lache mittlerweile auch darüber.

Mittlerweile habe ich ein HUB mit Netzteil. Das war bitter nötig und jetzt läuft der Kram wieder. Zwar bin ich mit Skype-Aufnahmen immer noch ein bisschen… auf Kriegsfuß (ich skypte neulich mit Tim, im Rahmen des App.net-Artikels für die FAZ und zeichnete das Gespräch auf. Tim erklärte mir, ich sei irre übersteuert und solle mich mal am Mischpult leiser machen, mit dem Ergebnis, dass auf der Aufnahme ich selbst fast nicht mehr zu hören war – Tim aber wunderbar -.- und mit Dalton Caldwell war es genauso – ich glaube, hier brauche ich noch Hilfe. Das Gespräch mit Maike hingegen war eigentlich völlig super… keine Ahnung, wieso weshalb und warum das so unterschiedlich ist).

So. Ich hoffe, ich habe da jetzt ein bisschen dazu beitragen können, dass Leute nicht verzweifeln, wenn Dinge mal ordentlich in die Hose gehen. Und bitte meldet euch mal zu Wort, wenn ihr da andere Lösungen oder schnellere Wege – oder natürlich: noch Fragen habt!

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4 Gedanken zu „Hej Podcasters: I made some mistakes and learned from them!“

  1. ich kommentiere mal selbst: natürlich ist das Problem mit dem händischen normalisieren nicht ganz so groß, wenn man getrennte Audiospuren aufnehmen kann. Aber das kann leider mein Mischpult nicht liefern. Nur als Ergänzung…

  2. Hallo!

    Wenn es bei uns Probleme gibt bei der auphonic Production, schicke uns bitte den Link zu dieser production!
    Dann können wir uns anschaun was das Problem ist und das System dementsprechend verbessern … ansonsten kann man schwer was sagen.

    LG
    Georg

    1. Hej Georg,

      danke, aber die Probleme liegen wirklich nicht bei euch! es ist einfach ein totaler Technik-Fehler gewesen, menschliches Versagen meinerseits und da kann auphonic echt nichts dafür!
      ihr macht absolut super Arbeit! die Podcasts schmeiße ich sonst immer einfach bei euch rein und dann sind sie klasse!

      danke für eure Mühen und weiter so!

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