Externe Zuschreibung an Feminismen – ein Twitter-Beispiel

Auf der re:publica sprach ich im Rahmen des sehr spannenden Blogger_innen-Gesprächs mit Philipp Banse über die Wege zur Eroberung des Netzes durch Frauen. Den wenigsten Tweets, die dabei sonstwie unsachlich, undifferenziert und unterstellend kommentierten, habe ich Beachtung geschenkt. Feedback zum Thema „Auftreten“ allgemein – zum Beispiel von der Dolmetcherin von Julia Probst – habe ich dankend angenommen, denn ich bin kein Profi auf so einer großen Bühne.

Fragen zum konkreten Thema, die inhaltlich und sachlich sind – aber wo ich vielleicht eine andere Meinung habe – sind auch immer gerne gesehen. Alle anderen könnten mir am Arsch vorbei gehen, aber einer tut es doch nicht:

HappySchnitzel tweetete:

Solange Frauen sich in feministischen Diskussionen als Opfer definieren, wird sich an ihrer Rolle genau nichts ändern. #rp11

Dabei habe ich folgendes gesagt:

"gegen stereotype hilft nur eins: das gegenteil zu beweisen. ich sage das was ich sagen will genauso laut." - @dieKadda #women #<3 #rp11

Diese Opferzuschreibung empfinde ich als total destruktiv und ja – ziemlich falsch. In mehrer Hinsicht. Erstens ist es sachlich falsch, denn es ging ja gerade um Lösungen und Wege – nicht ums Jammern und Meckern. Zweitens kommt es von EXtern – nicht von mir selbst. Und das erinnert mich dann doch sehr an Schulhof-Vulgarismus. Denn jemandem zu unterstellen er sei ein „Opfer“ ist eine Bosheit an sich – jemandem zu unterstellen, er mache sich auch noch selbst zum Opfer setzt dem ganzen die Krone auf.

Einfach mal nachdenken. Hilft. Manchmal.

Update (19.04.2011):
Antje Schrupp bringt das Dilemma „Feminismus vs. Being Popular auf den Punkt.

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23 Gedanken zu „Externe Zuschreibung an Feminismen – ein Twitter-Beispiel“

  1. Bin etwas ratlos. Woher weißt du denn, dass @happyschnitzel deine von @eva_ricarda getwitterte Aussage meinte?

    Du wirst doch im Panel mehr als einen Satz gesagt haben?

  2. Hi, ich bin hier, weil Deinen leicht soziologendeutsch anmutenden Tweet gelesen habe :-)

    Ich war nicht auf der Republica und weiß auch nicht, wen oder was Happy Schnitzel meint. Und ich kann Deinen Kommentar ganz gut nachvollziehen. Aber ich wünsche mir auch manchmal mehr Gelassenheit beim Feststellen kleiner Ungerechtigkeiten. Zum Beispiel beim Frauenanteil: Wenn auf der Republica nur wenige Frauen auftreten (wie vor einigen Jahren), dann ist so eine Konferenz eben keine allgemein relevante, irre wichtige Internet- und Bloggerkonferenz, sondern eine Eierschaukel im Altherren-Stil, die sich irrtümlich für die Vorhut der Zukunft hält. Darüber kann man sich doch auch mal lustig machen oder die involvierten Männer verwundert fragen, ob ihnen das Ganze nicht ein bisschen peinlich ist, anstatt gleich auf Anklage und Empörung zu setzen.

    Empörung hebe ich mir lieber für existenziellere Themen auf, das spart auch Stresshormone.

    1. Lieber Jörg und liebe Irene,

      Ich weiß nicht, ob Sue (HappySchnitzel) damit einen bestimmten Teil oder den ganzen Vortrag meinte. Sie hat den Text hier gesehen und wenn ihr das wichtig ist, wird sie es selbst konkretisieren. Anyway – an meiner Aussage ändert es nichts. Mein Vortrag stand sowas von gar nicht für eine Opferrolle – das wollte ich nur mit Evas Tweet deutlich machen. Und es ärgert mich, dass ein reines Auflisten von Fakten sofort in diese Ecke geschoben wird. Wenn sich eine hinstellt und laut sagt: „So und so ist die Lage. finde ich nicht gut. Wir müssen was tun! Lasst uns dies und das tun!“ und ihr dann ne Opfermenthalität angedichtet wird, obwohl es ihr um das TUN geht – ist es frustrierend. Bitter.

      Und es ging z.B. ganz konkret um den Frauenanteil in der Wikipedia. Das ist nicht Larifari und: was kümmerts mich? Sondern hier geht es um Teilhabe an Wissen.

      Mehr zu dem gesamtem Themenkomplex: Frau Lilas Wochenthema im Freitag mit einem recht langem Artikel zum Thema allgemein und einem Interview mit Sue Gardner zum Thema Wikipedia – von mir, Susanne Klingner und Barbara Streidl.

      Viele Grüße
      Kadda

  3. Wenn, dann geht es um Teilhabe an Wissensproduktion.

    Was an der Idee, Frauen gerade zu Wikipedia (nervige Atmosphäre fur Frauen UND Männer) zu bringen, emanzipatorisch ist, und, wie es ja als Ziel formuliert wurde, wie man gerade da, wo es viele Urheber/innen gibt, die Sichtbarkeit von Frauen relevant erhöhen will, will mir leider immer noch nicht in den Kopf.

    Erklärt hat’s mir noch niemad.

  4. So. Nachdem ich heute den ganzen Tag in einem Zug fest steckte und mich nicht früher dazu äußern konnte, hier nochmal eine Erläuterung dazu, wie der Tweet gemeint war.
    Die Wikipedia-Thematik ist rein zahlenmäßig durchaus logisch als Ungleichgewicht zu verstehen, aber mir hat sich die folgende Argumentation nicht erschlossen: 1) Die Wikipedia ist so ein raues Pflaster, da wollen die Frauen nicht mitmachen, weil sie nicht so kompetitiv erzogen wurden. 2) Obwohl sie eigentlich nicht wollen, wäre es aber rein zahlenmäßig schön, wenn sie mehr mitmachen könnten. 3) Damit das erreicht wird, wollen wir sie mehr ermutigen (da gehe ich noch total mit), aber – als Lösungsansatz: Wir machen unseren eigenen Wikipedia-Stammtisch und eröffnen da eine separierte Frauengruppe.
    Das erschließt sich mir nicht, wie man durch eine Abgrenzung Integration schaffen will – eigentlich wäre es doch logisch, mit vielen Frauen auf einmal zum normalen Stammtisch zu gehen und so lange wiederzukommen, bis man dazugehört. Mit einem abgegrenzten Stammtisch schafft man doch eher nur wieder Distanz.

    Und ansonsten kann es wohl ein klassisches Sender-Empfänger-Missverständnis gewesen sein: Das, was du sagtest, ist rein zahlenmäßig alles korrekt, aber wie du es sagtest, klang es ein bißchen nach „Das Internet ist so ein rauer Männer-Pool, und die lassen die vielen Frauen nicht mitspielen.“ Das kam im Zuschauerraum bei mir an, vielleicht meintest du es anders, aber ringsum, wo ich saß, wurde das so aufgefasst.
    Gerade bei der re:publica empfinde ich das nicht so, ich kenne keine Frau, die ein Panel halten wollte und abgelehnt wurde – im Gegenteil, dieses Jahr wurden alle Einreichungen von Frauen akzeptiert, also eine Art positive Diskriminierung.

    Deswegen der Tweet, ich glaube, dass das, was du sagst, rein inhaltlich absolut korrekt ist, nur dass es bei einigen Menschen anders ankommt. Was schade ist, weil sich genau dann manche Leute nicht mit dem Thema längerfristig auseinandersetzen wollen.

  5. Die spinnen, die Wikipedianer:
    http://floriss.antville.org/stories/1452934/

    Vielleicht wäre ein Gemeinschaftsblog, in dem man sich über besonders verpeilte oder pr-verstrahlte Wikipedia-Einträge lustig macht oder sie analysiert (je nach Potenzial des Wikipedia-Eintrags und Engagement der Bloggenden), ein interessantes Projekt.

    Hm. Eigentlich reicht schon eine Stilblütensammlung.

    Die jährliche Revision bedeutet für den Raum Schweinfurt einen zusätzlichen Wirtschaftsfaktor. Für die Dauer der Revision müssen über 1000 Personen verpflegt werden. Sie übernachten teilweise in den umliegenden Ortschaften. Für das zusätzliche Personal werden Container auf dem Betriebsgelände aufgestellt, und die Werkskantine wird mit einem Zelt erweitert.

    Na, worum gehts hier?

  6. Ich find da (feministische Blogosphaere) viel zu selbstreferenziell. Mit mir wird zb nicht gesprochen, weil ich zu trollig bin. Und jetzt sind wohl wieder alle böse, weil ich davon sprach, dass auf der re:publica „gejammert“ wurde. Doch wie war denn der Beginn des Workshops „Hör mal wer da spricht“. Was ist das hier? Was ist die Behauptung, die gestern kursierte, „sobald die Frauen die großen Bühnen erobern, kommt der männliche Gegenwind“? Was ist das Getue um Zitate in meinem Artikel über die digitale Gesellschaft (und dabei hab ich extra Frauen gesucht, um sie zu zitieren. Machte keinen Spaß) .

    Ich habe auch ein paar nette kennengelernt. Aber das Geblogge und Getwittere zum Thema ist größtenteils selbstreferenzielle

  7. Das ist hier nicht smartphonefreundlich. Kadda: ich finds richtig doof, dass du dich hier zur Jammerin machst. Bitte hor doch auf damit. Ignoranz gegen HappySchnitzel wäre angebracht gewesen, sonst nix, Sorry.

  8. Julia,

    ich würde es gut finden, du tätest den Leuten selbst überlassen mit wem und worüber sie reden und schreiben. Ich habe eine ganz andere Wahrnehmung der Veranstaltung, als du, Kadda offenbar auch und wenn wir hier ernsthaft diskutieren möchten, wäre es wohl von Vorteil diesen Fakt erst einmal zu akzeptieren.

    Wenn Menschen sich auf’s Podium stellen, Lösungsvorschläge zu real existierenden Problemen anbieten, um dann hinterher mehrfach die Opferkarte untergeschoben zu bekommen von Menschen, denen feministische Perspektiven am Allerwertesten vorbeigehen, die zum Teil nicht mal in den Panels saßen, die gesellschaftliche Machtverhältnisse leugnen, dann muss ich mich schon fragen, was diese „Kritik“ eigentlich soll. Konstruktiv sieht anders aus.

    Die Höhe finde ich allerdings, bei diesem unsachlichen Rumgekotze auch noch den Mund verboten zu bekommen, weil Leuten nicht in den Kram passt, was sie lesen und hören oder deren schunkelige Selbstbeweihräucherungsmesse von einigen Frauen und Feminist_innen offenbar empfindlich gestört wurde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass feministische Arbeit im Netz in den vergangenen Jahren an dir vorbeigegangen gegangen ist. Deswegen verwundert mich dein Einstimmen in diese antifeministische Rhetorik schon sehr.

    Den Vorwurf der Selbstreferenzialität, den finde ich hingegen sehr lustig.

    1. Ich habe gar nicht so eine schlechte Wahrnehmung dieser Veranstaltung. Ich fand die re:publica ziemlich super, habe viele tolle Leute reden gehört, mit vielen tollen Leuten genetzwerkt, und ich hatte auch vorher schon mit Freude gesehen, dass Johnny Häusler und Markus Beckedahl und Co. sich wirklich engagieren – habe ich auch mindestens zehn mal so gesagt. Sogar in Mikrofone!! ;)

      Für mich ist dieses Glas sowas von halb voll. Deswegen habe ich ja auch so stark die Stereotype betont, in allen meinen Beiträgen und in allen Gesprächen. Weil gerade im Umfeld von Spreeblick, Netzpolitik und digitale Gesellschaft die Türen offen stehen – die muss man nicht mehr einrennen. Das humanistische Weltbild all der Akteure ist gebaut auf einer Vorstellung von Teilhabe aller – unabhängig von jedweder Gruppenzugehörigkeit! Und da müssen wir doch ansetzen: denn dieses Weltbild allein reicht halt nicht. Es gibt eine Realität voller Stereotype – dessen muss man sich bewusst werden. Sonst negiert und ignoriert man die Tatsache, dass es noch viel zu TUN gibt.

      Wer das anders sieht, kann sich doch von mir aus gerne zurücklehnen und weitermachen, wie bisher. Julia – was fühlst du dich denn immer so angesprochen und angegriffen? Entweder, du hast Bock auf nen Dialog darüber und bist offen – oder nicht. Wie du willst. Die Entscheidung liegt bei dir. So wie du dich aber momentan immer zu Wort meldest, so habe ich – und viele andere halt keinen Bock.

      Zurück zum Thema: mich hat die re:publica eher euphorisiert und optimistisch gestimmt. Ach – aber das bin ich eh immer. :) deswegen war es mir wichtig, diese anscheinend recht prominente Fremdwahrnehmung („Opfer“) mit meiner Eigenwahrnehmung („Macherin“) zu konfrontieren und dieses externe Labelling infrage zu stellen.

      Wie gesagt, lest nochmal unser Wochenthema beim Freitag, ich finde da steht im Grunde alles drin.

      Und danke Sue für deinen Kommentar. Deine Wahrnehmung ist ja legitim – weil klassisch. Aber genau hier wäre es mal sehr interessant, unter der Betrachtung von Stereotypen die eigene Herangehensweise zu reflektieren.

  9. Was mich vielleicht dran gestört hat: Dass es eher darum ging, was noch nicht alles geht, und zu wenig inhaltlich darum, wie das in Zukunft gehen könnte.
    Das, was man vor allem raushörte, war einfach nur „dass die Frauen nicht mitmachen dürfen“.
    Weil es dir zwar darum geht, was anders zu machen, aber eben genau das für mein Empfinden zu kurz kam.
    Wie man sich dem Thema z.B. auch hätte nähern können: Mit einem Workshop mit einem Titel wie „Wie man/frau in die Wikipedia schreibt, ohne ein besserwisserischer Vollidiot zu sein.“
    Das Panel wäre voll geworden, und es hätte auch genderübergreifend die Leute interessiert, die sich mit dem Hazzle nicht auseinandersetzen wollen.

    Die Problematik der Wikipedia hätte ich gerne an ein paar konkreten Beispielen illustriert gesehen: Wird man als Frau korrigiert, weil man eine Frau ist, oder wird man inhaltlich korrigiert, weil jemand anders sich mit dem Thema besser auskennt?
    Oder auch: Wie kann man sich mit anderen zusammen tun, um eine Relevanz-Debatte zu gewinnen? Mit welchen Argumenten gewinnt man dort fast immer?
    Denn die Frage, wie sich das in Zukunft verbessern soll, wurde außer dem gemeinsamen Stammtisch eigentlich gar nicht berührt.

    1. Liebe Sue,
      Solche Seminare sind ja exakt, was wir vorhaben! Nur erzähl ich so nem breiten Publikum nicht von Dingen, die wir gerade dabei sind auf die Beine zu stellen. Wo wir noch zu 100% am Anfang unserer Arbeit stehen. Frau Lila ist als Initiative gerade einen Monat alt – zu jung, um so weit schon zu sein. Nächstes Jahr sieht das sicher anders aus.

      Trotzdem den Diskurs schon anzureißen macht Sinn – das ist doch immer der erste Schritt. Es bereitet sozusagen den Weg vor. Ich glaube auch fest, dass die re:publica im Vergleich zu zwei Jahren zuvor so viel bunter ist, weil wir Feministinnen damals so „rumgemeckert“ und daraufhin vernetzt und mobilisiert haben.

      Dass mensch beim Meckern nicht stehenbleiben darf, da stimme ich dir zu. Das ist aber ganz genau auch mein Ansatz. Und mein Vorttrag hat trotz allem keinen Anhaltspunkt geliefert, dass man etwas anderes denken könnte – es sei denn, man erwartet das eh von Feministinnen – sprich: Stereotype.

      Viele Grüße und nochmal danke, dass du diese Debatte ernst nimmst.

  10. Julia – was fühlst du dich denn immer so angesprochen und angegriffen? Entweder, du hast Bock auf nen Dialog darüber und bist offen – oder nicht.

    Liebe Kadda, du drehst mir die Worte im Mund um. Scroll mal hoch, du ignoriertest mich doch da. Es ist dein Recht, mich zu ignorieren, aber du solltest wissen, dass dies eines der schärfsten Schwerter in der Web-Kommunikation ist.

    Ich bin der Meinung, dass ihr die falschen Schwerpunkte setzt. Und für einen Cyberfeminismus solltest du dich zumindest mal von Web-Sperren und undifferenziertem Porno-Begriff (Schwarzer-Interview) distanzieren.

    Sorry, Inhalte gehen vor.

    Aber das ist dir sicherlich zu K-Gruppen-mäßig, was? Selbstkritik, diskutieren, distanzieren … macht man das in den 1000 Platformen der feministischen Blogosphäre (ich weiß, harter Vorwurf)

    Und ich finde, in deinem Wochenthema steht nicht alles drin. Frag doch mal nach Sexismus am Arbeitsplatz, frag doch mal danach, wie ihr abweichende Meinungen behandelt, frag doch mal nach der Relevanz eurer Wikipedia-Aktion. Aber Kritik wird ja von dir als „Trollerei“ abgetan.

    Ich bin leider ratlos. Ich mache nen Fork.

  11. Ich glaube auch fest, dass die re:publica im Vergleich zu zwei Jahren zuvor so viel bunter ist, weil wir Feministinnen damals so “rumgemeckert” und daraufhin vernetzt und mobilisiert haben.

    Das mag ja zum Teil sein. Es wurden aber auch bessere Vorträge eingereicht.

    Und ich würde mich total über „eure“ Definition von Cyberfeminismus freuen.

    LG

  12. Wieviel % der Apache-http-Server-Codes stammt von Frauen?

    Und wieviele Frauen nutzen das Web?

    Und folgende Frage: Nutzen Frauen, welche das Web nuten aber keinen http-Server Code geschrieben haben nicht die unentgeltliche Arbeit von Männern unentgeltlich aus?

    Wer beutet denn dann hier eigentlich wen aus?

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