Freundschaft und Internet

Heute morgen schrieb ich an dieser Stelle einen Text, der drei verschiedene Menschen, die mir in diesem Netz begegneten, kurz beschrieb. Dabei habe ich meine eigene Regel gebrochen: Ich habe vor der Veröffentlichung nicht noch einmal eine Nacht geschlafen. Eine Regel, die ich aus guten Gründen befolge. Mit dem Text habe ich einer der Personen vor den Kopf gestoßen. Deswegen habe ich den Text wieder offline genommen. Es war dumm von mir und falsch.

Worüber ich eigentlich schreiben wollte, als ich das „Phämomen Gertrud“ beschrieb, war die Schwierigkeit von Freundschaften in und neben dem Netz. Ich wollte einfach ein bisschen erzählen und nachgrübeln.

Von Freundschaften, die durch bestimmte Verhaltensweisen im Netz korrumpiert werden… Oder die deswegen enden. Weil mich das beschäftigt und mir auch ein bisschen Angst macht.

Aber im Moment bin ich vermutlich die Falsche, über dieses Thema zu schreiben. Ich hoffe einfach mal auf euch! und ich empfehle den Text von Kübra: EIN PLÄDOYER FÜR UNWISSENHEIT

 

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7 Gedanken zu „Freundschaft und Internet“

  1. Ich glaube nicht, dass es die eine echte Persönlichkeit gibt, und ich glaube nicht, dass Menschen „in Real Life“ echter sind als im Netz. Ich glaube, dass Menschen in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Seiten ihrer Persönlichkeit zeigen. In Real Life sind möglicherweise die Hemmungen größer.

  2. Und persönliche Treffen, wo man Wein trinken geht sind etwas anderes als politische Diskussionen. Ich glaube, es ist auch wichtig, dass man lernt, kontrovers zu diskutieren und einigemaßen höflich zu bleiben. Ich glaube, es ist auch wichtig, dass man aufhört in Kategorien von „meine Freunde – meine Feinde“ zu denken, und von seinen Freunden bedingungslose Loyalität einzufordern. Fairness kann man aber einfordern.

  3. Darüber habe ich mir schon vor Jahren meine Gedanken gemacht, dass eine in dieser Online-Welt durchaus auch ganz bewusst ein Bild von sich zeichnen kann, was wenig mit dem offline-Ich zu tun hat. Die Persönlichkeiten gehören zwar zusammen, es gibt da Schnittmengen, zumindestens bei denen, die da nicht ganz vorsätzlich das Gegenüber täuschen, aber das online-Ich scheint mir häufig mehr ein Abbild dessen zu sein, was eine gerne wäre.
    Ich kenne beides, sowohl, dass ich in der schriftlichen Kommunikation härter und klarer bin, als auch, dass ich rücksichtsvoll und emphatisch rüberkomme. Beides stimmt auch und begründet sich darin, dass ich beim Schreiben viel mehr abwäge und meine Worte sehr gründlich wähle. Deshalb kann ich bei Positionen, die mir wichtig sind, in der schriftlichen Kommunikation sehr eindeutig Stellung beziehen, weil ich mir meine Position sehr genau Überlegt habe und das dann auch mit klarer Linie durchziehe. In der mündlichen Kommunikation halte ich mich sehr viel mehr zurück, weil ich meine Aussagen eben nicht erst ins Unreine sprechen kann, bis sie so formuliert sind, dass sie mir wasserdicht erscheinen.
    Aber ich kann mir eben auch Zeit lassen, mich auf Menschen einzulassen, nicht sofort reagieren müssen, denn ich neige in der direkten persönlichen Interaktion leider schonmal zu unüberlegten Schnellschüssen und stoße Menschen damit vor den Kopf. Häufig merke ich es nicht oder erst, wenn ich es schon gesagt habe. Da hilft mir mein gründliches schriftliches Formulieren, dass ich da viel mehr abwägen kann, wie diese oder jene Formulierung verstanden werden könnte.

    Ich habe aber bei meinen Streifzügen durch dieses Internet häufig den Eindruck, dass viele Menschen nicht so gründlich sind beim Formulieren ihrer Texte. Das irritiert mich, denn die Sachen, die ich schreibe und veröffentliche, die stehen dann da, schwarz auf weiß und daran werde ich gemessen, danach beurteilt.

  4. Naja, es ist in der heutigen Zeit teilweise schwierig, die Grenze zwischen Internet und richtiger Welt zu sehen. Im Internet muss man aufpassen, was man von sich preisgibt, was alles, was jemals im Internet war immer auffindbar sein wird. Und dort wird man vermutlich schnell persönlicher und rücksichtsloser, denn es ist einfacher, über den Bildschrim schlecht zu reden als von Auge zu Auge.

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