So, you didn’t know that Wikipedia has a porn problem?

Ich crossposte hier einen Input in eine Debatte, in die ich mich einmal kurz selbst eingeschaltet hatte (und schnell wieder raus geschaltet) und die ich für hoffnungslos hielt. Aber vielleicht gibt es ja doch eine Möglichkeit, einzuwirken und an vermeintlich nichtdiskutierbaren Punkten zu diskutieren… From Larry Sanger’s blog:

—o0o—

I want to start a conversation.

I. Problem? What problem?

So, you didn’t know that Wikipedia has a porn problem?

Let me say what I do not mean by “Wikipedia’s porn problem.” I do not mean simply that Wikipedia has a lot of porn. That’s part of the problem, but it’s not even the main problem. I’m 100% OK with porn sites. I defend the right of people to host and view porn online. I don’t even especially mind that Wikipedia has porn. There could be legitimate reasons why an encyclopedia might want to have some “adult content.”

No, the real problem begins when Wikipedia features some of the most disgusting sorts of porn you can imagine, while being heavily used by children. But it’s even more complicated than that, as I’ll explain.

(Note, the following was co-written by me and several other people. I particularly needed their help finding the links.)

Here is the short version:

Wikipedia and other websites of the Wikimedia Foundation (WMF) host a great deal of pornographic content, as well as other content not appropriate for children. Yet, the Wikimedia Foundation encourages children to use these resources. Google, Facebook, YouTube, Flickr, and many other high-profile sites have installed optional filters to block adult content from view. I believe the WMF sites should at a minimum install an optional, opt-in filter, as the WMF Board agreed to do in 2011. I understand that the WMF has recently stopped work on the filter and, after a period of community reaction, some Board members have made it clear that they do not expect this filter to be finished and installed. Wikipedians, both managers and rank-and-file, apparently do not have enough internal motivation to do the responsible thing for their broad readership.

But even that is too brief. If you really want to appreciate Wikipedia’s porn problem, I’m afraid you’re going to have to read the following.

larrysanger.org/2012/05/what-should-we-do-about-wikipedias-porn-problem/

Feel free to repost!

—o0o—

Diesen Input bekam ich über die Gendergap-Mailingliste. Bitte lest den ganzen Text, er hat viele Beispiele aufgelistet, wo Probleme bestehen. Und es gibt viele viele Probleme. Zum Beispiel, wenn problematische Bilder in Artikeln auftauchen und nicht entfernt werden, obwohl es klar passieren müsste. Wie im „Upskirt“-Artikel der englischsprachigen Wikipedia (ich sprach es dort auch in der Diskussionsseite an).

Es muss irgendwo zwischen dem Zensur-Vorwurf und dem hysterischen Sperren-Rufen einen Weg geben, der mit Verantwortung zusammenhängt. Wie er genau geht weiß ich selbst auch überhaupt nicht. Nur wird man ihn nicht finden, indem man Verantwortung einfach mit dem Zensur-Argument von sich weist. Niemand will Zensur. Aber Porno-Seiten gibt es im Netz zuhauf. Muss eine Enzyklopädie Pornografische Bilder republizieren? Wäre es vielleicht eine erste gangbare Lösung, im gesamten Pornografie-Projekt auf Bilder zu Verzichten und es bei den Texten und Links zu belassen? Ist das nicht auch im Sinne der Wikipedia-Idee selbst, bei der es um freies Wissen geht – nicht um freies Pornobildchen-Sharing. Wo war noch einmal die Idee des Anspruchs auf Qualität? Warum gibt es keine Relevanz-Diskussionen darüber?

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12 commentaires sur “So, you didn’t know that Wikipedia has a porn problem?

  1. Mein Problem besteht darin, dass Menschen höchst unterschiedliche Definitionen von Pornographie besitzen, und auch höchst unterschiedliche Meinungen darüber, was Kindern und Jugendlichen schadet und inwiefern Pornographie ihnen schadet. (Das letzte, was ich gehört habe, war, dass Pornographie deswegen problematisch ist, weil Jugendliche einen falschen Eindruck davon bekommen, was Sex ist.)

    Was vielleicht eine Lösung wäre: darauf zu achten, ob die abgebildete Person mit der Veröffentlichung ihres Bildes einverstanden ist. (Mit der Rokoko-Schaukel müssten wir dann halt leben.)

    • Bei Wikimedia-Uploads wird grundsätzlich weder das Einverständnis der abgebildeten Person noch deren Alter und Name festgehalten (wie es das amerikanische Gesetz gemäß 18 USC 2257 eigentlich vorsieht). Streng genommen macht sich jeder Wikimedianer, der irgendwo in Commons oder Wikipedia ein Bild einfügt, das „sexually explicit conduct“ zeigt, und der keine schriftlichen Belege für Alter, Namen und Einverständnis der abgebildeten Personen hat, nach amerikanischem Recht anscheinend strafbar:

      http://meta.wikimedia.org/wiki/User_talk:Philippe_(WMF)#Implications_of_2257_record_keeping_requirements_for_editors.3F

      Alle Edits sind bei Wikimedia auch noch Jahre später öffentlich einsehbar …

      Besonders gemein ist auch, wenn jemand anonym ein sexuell explizites Bild von einer Ex-Partnerin oder einem Ex-Partner hochlädt („Rache-Porn“ oder „Revenge Porn“) und das Bild dann in einem Wikipedia-Artikel oder einer Commons-Kategorie prangt.

      So mit sexuellem Bildmaterial umzugehen ist unprofessionell. Diese anonyme Wild-West-Methode erwartet man bei 4chan, aber nicht bei einem reputablen Bildungsprojekt wie Wikimedia.

  2. Pingback: The Leftist Elite » Noch mehr Wikipedia: re:publica-Debatte und WikiWomenCamp

  3. Ich habe nun sowohl den Artikel von Larry Sanger, als auch die Kommentare gelesen. Mir leuchtet allerdings das Problem bisher nicht wirklich ein.
    Wikipedia hostet u.a. auch pornographische Bilder und hält Artikel über Sexualpraktiken und Fetische vor. Soweit sind das Informationen. Beim überfliegen einiger Artikel, um zu sehen in welchem Kontext die Bilder verwendet werden, machten diese auf mich einen eher sachlichen Eindruck. Und die Bilder selbst an diesen Stellen machten auf mich nicht den Eindruck, dass sie sexueller Erregung dienen, sondern dass sie Beispiele liefern. Das ist zumindest der Eindruck der Artikel und der verwendeten Bilder. Somit würde ich das nicht als Pornographie werten

    Einiges anderes, was angesprochen und verlinkt wird, sind bestimmte Bilder in der Wikimedia, die in erster Linie pornographisch wirken. Aber auch diese Bilder empfinde ich in diesem Kontext maximal als fehl am Platz. Verstörend eher weniger.

    Warum diese Inhalte ein Problem darstellen, leuchtet mir noch nicht ein. Im „seriösen“ Web, bin ich seit Jahren keiner Pornographie mehr unabsichtlich begegnet. Wo man unbeabsichtigt diese findet, sind dann doch eher illegale Downloadseiten o.ä.

    Und mir ist unklar, wo die Befürchtungen liegen. Warum ist Pornographie so schädlich für Menschen?

    • Natürlich kannst du pornographischen Bildern in Wikipedia auch unbeabsichtigt begegnen. Mach in Wikipedia zum Beispiel mal eine Multimedia-Suche nach Zahnbürste (oder such in Wikimedia Commons nach Zahnbürste oder toothbrush). Eines der ersten Bilder ist eines, wo eine Frau mit einer elektrischen Zahnbürste masturbiert. Eine Suche nach Rückhand bringt in erster Linie verschiedene Masturbations-Videos und kein Tennis. Hier gibt es eine (nicht illustrierte) Liste schon lange bekannter Suchbegriffe, die unerwartet pornographische Suchergebnisse liefern, mit Links:

      http://meta.wikimedia.org/wiki/Controversial_content/Problems

      Larry hat eigentlich recht klar gemacht, dass er überhaupt nichts gegen Pornographie hat. Das sehe ich ganz genauso. Aber alle reputablen Webseiten wie Flickr oder Google, die Zugriff auf pornographische Materialien bieten, haben einen Filter dafür. In Deutschland ist ein solcher Erwachsenen-Filter auch gesetzlich vorgeschrieben. Das ist doch nicht irgendeine extreme Prüderie – es sind Mainstream-Standards, an die sich alle anderen ohne große Diskussion halten.

      Wikimedia dagegen stellt ein Video mit Sex zwischen einer (als) Nonne (gekleideten Darstellerin) und einem Hund offen und ungefiltert ins Netz (in der Schule meines Sohns auf den Schulrechnern auch trotz Schulfilter zugänglich). Es kommt in Wikipedia als erstes Multimedia-Suchergebnis für devoirs (Hausaufgaben) und vacances (Ferien). Das ist einfach unprofessionell.

      • Vielen Dank für die Erklärung. Ich habe wie gesagt den Artikel und die Kommentare gelesen, sowie mir einige der Links angesehen. In der von dir beschriebenen Situation scheint es mir schon deutlich schlüssiger. Vor allem die Kombination von bestimmten Suchergebnissen und diesen Inhalten hätte ich so nicht erwartet.
        In diesem Sinne kann ich die Thematik nun deutlich besser nachvollziehen.

        • Das kommt aber dadurch zustande das die Suche einfach mal sehr schlecht ist. Es wurden ja schon Vorschläge gemacht um diese zu verbessern. Ein Beispiel wäre diese: A little bit of intelligence

          Jedoch scheint sich für solch einfache Lösungen – die ganz nebenbei die Suche auch noch insgesamt verbessern – niemand begeistern zu können. Stattdessen wird lieber kräftig gemeckert und an allen möglich Stellen die gleichen Kuriositäten angeprangert, wobei die Beispiele, welche die Regel und nicht die Ausnahme darstellen sollen, reichlich konstruiert erscheinen. Die Suchfunktion ist halt so dämlich, dass sich sich das wirklich so einfach provozieren lässt. Aber das ist ein rein technisches Problem, kein inhaltliches.

          • Wir begeistern uns alle für die Cluster-Suche. Wir würden weniger meckern, wenn es irgendwelche Anzeichen dafür gäbe, dass die Foundation einen Teil ihres 20-Millionen-Einkommens dazu nutzen würde, diese von nahezu allen Benutzern befürwortete Lösung umzusetzen. Aber leider … man ruft in den Wald, und es schallt nichts zurück.

            Und es muss auch gesagt werden, dass die Cluster-Suche nicht alle Probleme löst. Such zum Beispiel mal nach „human female“ oder „human male“ – welche Cluster-Kategorien würde das ergeben? Und wenn französische Schulkinder nach „Ferien“ oder „Hausaufgaben“ suchen, kommt als Cluster-Kategorie dann „Sex mit einem Hund“? Brrr.

          • @Andreas Diese beschriebenen Szenarien wären sehr unwahrscheinlich. Es würden sich sicherlich die Gruppen „Female in female genitalia“, „Female in Females in art“, „Human in anatomy“, etc. ergeben. Der Clue ist es hier doch, dass selbst wenn die Gruppen bei der ersten Suche nicht perfekt sind, sie sich dem gewünschten Annähern wenn man sie vertieft. Ebenso wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der ganze Themenbereich „Anatomie“ direkt zu einer Gruppe zusammengefasst, da die Kategorien eng mit einander verwandt sind. (Wie beschrieben bilden eng verwandte Themenkomplexe bevorzugter eine Obergruppe als die „versprengten“.)

            Deinen Worten muss ich jedoch wieder einmal entnehmen das dein wesentliches Interesse daran besteht bei Commons einen „Adult“ Bereich einzurichten in dem dann nach Gutdünken alles mögliche einfach mal so einsortiert wird oder jegliches von dir selbst als anstößig definiertes Material zu verbannen. Dafür hast du dich ja mit Beharrlichkeit regelmäßig stark gemacht.

            Also im wesentlichen der selbe Ansatz wie beim unbeliebt und zweifelhaft praktikablen Bildfilter. Ebenso führst du gleich wieder die „Schulkinder“ ins Feld, was bezüglich einer Suche keinen Sinn macht. Eine gute Suche liefert das wonach gesucht wird, egal wer sie bedient.

          • Findest du es denn gut und richtig, dass Kinder bei Wikimedia ein Video sehen dürfen, in dem Sexualverkehr mit einem Hund gezeigt wird?

          • Ein paar Vorbemerkungen:

            1. Es interessant anzusehen das du immer gleich das Extrem heraussuchst und bei jedem Anlass an das Banner nagelst.

            2. Führst du wieder einmal Kinder ins Feld die noch unter Aufsicht der Erziehungsberechtigten stehen. Wenn Kinder im Beisein der Eltern sich so ein Video auf Wikimedia ansehen, dann darf man gerne die Frage stellen wer hier nun Schuld hat.

            3. Du beschränkst Kinder + Internet allein auf Wikimedia und lässt damit die von dir angesprochnen Alternativen (jede x-beliebige Pornoseite) außer Betracht.

            4. Fragestellung …

            Daher antworte ich dir nicht auf diese Frage, sondern auf diese:

            Ist es vertretbar das Wikimedia ein historisches Video hostet in dem auch Sexualverkehr mit einem Hund gezeigt wird?

            Diese Frage beantworte ich gerne mit: Ja, da es einen kulturellen und gesellschaftswissenschaftlichen Wert hat.

  4. Ich sehe immer wieder das man aus Mücken Elefanten und Elefanten Mücken machen kann, je nachdem wie an ein Thema herangegangen wird und welche eigenen Erkenntnisse und Überzeugungen eine Person hat. Gerade bei Themen der Sexualität ist das Spektrum an Meinungen sehr breit gefächert. Einige finden schon ein zu eng geratene Jacke als abstoßend, andere würden Nackt durch die Stadt laufen und keine Scham dabei empfinden. Entsprechend schaukelt sich dies immer wieder auf und egal welchen Mittelweg man zu suchen scheint, es hat immer wer ein Problem mit dem aktuellen Stand. So weit meine Erkenntnis aus den bisherigen Debatten.

    Im Sinne einer Enzyklopädie setze ich jedoch andere Maßstäbe, bzw. habe eine recht konkrete Vorstellung was sie zu enthalten hat. Schließlich ist eine Enzyklopädie ein Mittel zur Wissensvermittlung. Aber sie keine Institution wie eine Schule die dem Lernenden das Wissen aufdrängt. Jeder Besuch erfolgt freiwillig, aus dem Interesse heraus, etwas über ein Thema zu erfahren. Dies sehe ich aber nicht als eine Rechtfertigung Wikipedia auf Kinderbuch-Niveau zu drücken um niemanden zu schockieren oder zu verletzen. In einer Enzyklopädie geht es darum Faktenwissen bereitzustellen und bezogen auf die Autoren dieses anschaulich zusammenzustellen.

    Ich würde es also für verkehrt halten sich dem Thema Sexualität nicht zu stellen und Gemüter damit damit zu beruhigen indem man keine Bilder zeigt. Die Bilder dienen der Illustration und vermitteln eben auch Wissen was eine reine Beschreibung nicht vermitteln kann. Wenn sich Leser für Sexualität interessieren, was durch den Aufruf der entsprechenden Seiten eigentlich erwiesen ist, dann sollte es im Interesse der Autoren sein alle Aspekte darzustellen, was insbesondere auch die nicht immer ganz angenehmen Dinge mit einschließt.

    Wird entsprechendes, anschauliches Material zurückgehalten, dann taucht immer schnell der Hinweis auf Zensur auf und es folgt der Hinweis das dies doch keine Zensur sei. Das hängt dann erneut vom Standpunkt ab. Für einige ist das Zurückhalten von zusätzlicher Information, die eigentlich verfügbar wäre, bereits eine Form der Zensur. Die Opposition nennt dies Verantwortung dem Leser gegenüber. Einig werden sie sich da sicherlich nicht.

    Was diese grundlegende Verschiedenheit jedoch mit einem „Porn Problem“ oder „Gender Gap“ zu tun haben soll, das offenbart sich mir nicht. Natürlich gibt es ein „Porn Problem“, das so genannte „zu viel“ und das „zu wenig“. Aber das wird man durch eine Änderung von Wikipedia allein nicht aus der Welt schaffen können. Hier müssten sich die involvierten Parteien einander nähern, nicht in freundschaftlicher Beziehung, sonder in der Auffassung und Toleranz.

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