Nicht lesen!

Dieser Text erschien zuerst als Kolumne auf freitag.de

Eine kleine Geschichte der Triggerwarnung

Triggerwarnungen sind momentan recht häufig zu beobachten, vor allem in diesen sozialen digitalen Medien. Menschen äußern sie und immer häufiger fordern Menschen sie von anderen ein. Thematisch ist die Bandbreite groß. Ursprünglich stammen sie aber aus Selbsthilfeforen für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Menschen, die zum Beispiel eine traumatische Erfahrung in ihrem Leben gemacht haben sollen durch Triggerwarnungen davor geschützt werden, Dinge zu lesen, die in ihnen Gefühle auslösen die sie wieder diese Erfahrung durchleben lassen. Denn in Selbsthilfeforen ist es einerseits nötig, dass die dort miteinander kommunizierenden Menschen offen über zum Beispiel Traumata reden können, andererseits ist es wichtig, die Menschen dort davor zu schützen mit den Geschichten anderer derart konfrontiert zu werden, dass es eine neuerliche Krise auslöst.

Foto: CC BY-NC-SA 2.0, http://www.flickr.com/photos/mysteryship/2656817729/sizes/m/in/photostream/ von mysteriship

Von solchen Triggerwarnungen soll im Weiteren nicht die Rede sein. Sie sind so nachvollziehbar und sinnvoll, wie die „Triggerwarnungen neuer Art“ in anderen Kontexten in meinen Augen problematisch sind (diese Differenzierung führte schon zu der Triggerwarnung über eine Triggerwarnung über eine Triggerwarnung). Als ich im April 2008 anfing in der Mädchenmannschaft zu bloggen, war die Triggerwarnung ein auf Selbsthilfeforen beschränktes Phänomen. Seit März 2011 bin ich nicht mehr Autorin in der Mädchenmannschaft und zufällig tauchte um diese Zeit herum zum ersten Mal das Wort „Triggerwarnung“ dort auf. Das Phänomen ist also in den neuen Kontexten gerade einmal ein gutes Jahr alt (anderswo mag es früher los gegangen sein. Das ändert aber nichts daran, dass es einmal nicht so selbstverständlich war, wie heute getan wird. Und damit bleibt die Aufgabe, es kritisch zu reflektieren).

Das Ziel einer Triggerwarnung ist es, Schmerz bei den Betroffenen zu vermeiden und alte Wunden nicht aufreißen zu lassen. Es geht also um die Schaffung eines Safe Spaces. Es sollte eigentlich keine Frage sein, dass es solche Räume geben sollte. Aber es sollte einmal darüber gesprochen werden, wie weit dieser Schutz zu gehen hat, wie weit er in die Öffentlichkeit reichen sollte, oder umgekehrt, wie subjektiv oder privat er bleiben soll. Denn mit Hannah Arendt gedacht ist Öffentlichkeit immer auch ein Ort, der politische Diskurse in Freiheit ermöglicht. Bei ihr geht damit immer auch die Möglichkeit des Scheiterns einher. Es wäre anmaßend, die in Vita Activa dargestellte Vision einer politischen Öffentlichkeit, wie Hannah Arendt sie dachte, hier in wenigen Sätzen zu verkürzen, aber was Kurt Sontheimer über das Werk schreibt könnte genügen, um den Punkt zu verdeutlichen, um den es mir geht: „Dem Menschen den notwendigen Raum für die Politik, das heißt für das freie Handeln offenzuhalten, dies war das wesentliche Ziel von Hannah Arendts politischer Theorie.“ Triggerwarnungen sind damit im Kern unpolitisch. Denn sie sollen Risiken jeder Art abschaffen und schränken damit freies Handeln ein.

Ein selbstversicherndes Ritual

Hinzu kommt, dass in Öffentlichen Räumen und in Diskussionen von moralischen und von politischen Anliegen unterschieden werden sollten. Triggerwarnungen wie sie jüngst in Erscheinung treten beinhalten eine stark moralische Komponente, in der Form, dass sie das, was als „triggernd“ bezeichnet wird, moralisch abwerten. Sie stellen eine vorweggenommene (heftige) Wertung dar, die hinter einer BeschützerInnen-Intention versteckt wird. Abgesehen davon, dass sie wohl kaum wirklich dazu dienen können, dass der Inhalt, über den die Warnung verhängt wird nicht gelesen wird (im Gegenteil: der Effekt ist wohl eher der gleiche wie bei der Aufforderung „denken Sie jetzt nicht an einen rosa Elefanten!“), kommen sie mit der Intention der Undiskutierbarkeit daher. Oder wie Tim Weber (@Scytale) auf twitter kommentierte:


Triggerwarnungen sind Glaubenssache.
@Scytale
Tim Weber

Ähnlich wie andere Glaubenssachen sind sie damit zu einem Ritual geworden. Rituale folgen immer nach bestimmten Regeln, sie sollen Struktur, Orientierung und auch Zusammenhalt einer Gruppe stiften. Es gibt die unterschiedlichsten Rituale. Angefangen beim hysterischen Kreischen von Teenagern in der Gegenwart von Stars, über die Taufe oder Hochzeit, bis hin zu solch profanen Alltagsriten wie einem gemeinsamen Frühstück in einer Familie. Rituale dienen immer auch der Selbstversicherung: Wir sind wir. Damit erzeugt ein Ritual auch immer Rahmen: Symbolisches Wissen, kulturelle Identifikation, räumliche Zugehörigkeit oder auch Normen und Werte werden definiert – es bilden sich Gruppen, die diese Teilen. Und damit entstehen auch Intergruppenbeziehungen (hinter diesem Link versteckt sich ein DOC). Denn mit Triggerwarnungen bildet sich ein WIR. Ein wir, das gekennzeichnet ist durch die Übereinkunft, jene, die sich nicht selbst schützen können, zu schützen; besonders aufmerksam zu sein und besonders befähigt, das potentielle Leid anderer zu partizipieren. Damit entsteht auch ein „die anderen“, alle jene, die keine Triggerwarnungen aussprechen. Warum die einen es tun, die anderen nicht wird dabei nicht thematisiert. Es nicht zu tun wird aber abgewertet. Eine weitere interessante Theorie gesellt sich zu den Erklärungsansätzen über dieses Phänomen: Die „Bedrohungtheorie“, wie sie in „The role of threat in intergroup relations“ beschrieben wird. Bedrohungen werden hiernach von Gruppen definiert und zwar entlang subjektiver Wahrnehmungslinien was diese Bedrohungen angeht. Daniel Geschke sagt dazu: „Weil es dem eigenen Selbstwert dienlich ist, wird versucht, positive Distinktheit der eigenen Gruppe herzustellen.“ (Daniel Geschke: Vorurteile, Differenzierung und Diskriminierung – sozialpsychologische Erklärungsansätze; In: APuZ. Aus Politik und Zeitgeschichte, 16. April 2012). Es ist der gleiche Mechanismus, der in unserer Gesellschaft zu Sexismus, Rassismus, Klassismus und vielen anderen Diskriminierungen und Vorurteilen führt.

Einen Schritt zurück

Wir sind alle Menschen und wir neigen alle dazu, uns in Gruppen zu begeben, die uns unser Selbst versichern und die uns gegen potentielle Bedrohungen absichern. Es ist, wie neue Forschungen zeigen, ein Mechanismus, der vermutlich sogar in unsere Gene eingeschrieben ist (nach innen „flauschen“, nach außen beißen – ForscherInnen aus Amsterdam weisen nach, dass Oxytocin dabei eine sehr ambivalente Rolle spielt). Umso wichtiger aber scheint es mir, dass gerade die, die sich gegen die genannten Diskriminierungsformen nach eigener Selbstbeschreibung einsetzen wollen, bewusst die Konstruktion neuer Sozialer Identitäten umgehen (einen kleinen Abriss über die Theorie der Sozialen Identität findet sich bei wiseGEEK und in der Wikipedia – entschuldigung, dass ich noch ein Fass aufmache, aber ich möchte das Thema gerne von verschiedenen Perspektiven ausleuchten. Die Links in diesem Text sind dazu ein Angebot des Weiterlesens – keinesfalls ein Muss). Denn ja: Es gibt viele Reale Probleme, die im öffentlichen Raum verhandelt werden sollten. Es gibt auch reale Traumata und psychische Erkrankungen. Menschen erleiden viel Schmerz. Menschen werden abgehängt und diskriminiert. Es muss möglich bleiben, diese Dinge zu differenzieren. In meinen Augen verwässert man die Ernsthaftigkeit hinter der Idee von Triggerwarnungen, indem man sie inflationär benutzt. Und gleichzeitig werden Ausgrenzungen erzeugt, die entlang moralischer statt politischer Kategorien geschehen. Beide Effekte können nach meinem Kenntnisstand nicht das Anliegen derjenigen sein, die heute zu diesem Mittel greifen. Es ist ja aber auch noch sehr jung. Denken wir darüber nach – und vielleicht finden wir andere Wege, Ärger und politische Meinungsverschiedenenheit auszudrücken.

9 Kommentare

  1. Chomsky sagt:

    Ich finde diese Triggerproblematik, die Du ansprichst, ad hoc, ohne nun gross darüber nachzudenken, zumindest aus folgenden Gründen sehr problematisch:

    Im politischen Kontext, den Du ja ansprichst: Hier ist mir spontan ein Text von Bernhard Haffke in den Sinn gekommen mit dem Titel:

    “Vom Rechtsstaat zum Sicherheitsstaat”: In dem heisst es:

    „Absolute Sicherheit lässt sich, wenn überhaupt, nur um den Preis des Verlustes an Freiheit garantieren. Es ist nämlich wie bei der Zwangsneurose: ‚Der Mensch, der bereit ist, seine Freiheit aufzugeben, um Sicherheit zu gewinnen, wird beides verlieren.’ Dieses Zitat wird übrigens Benjamin Franklin zugeschrieben, dem Mitautor der amerikanischen Verfassung von 1787, der als Gesandter in Frankreich die europäische Verfassungsentwicklung bekanntlich ganz massgeblich beeinflusst hat.“
    http://www.kj.nomos.de/fileadmin/kj/doc/2005/20051Haffke_S_17.pdf

    Eher aus einem psychologischen oder sozialpsychologischen Kontext würde ich z.B. den Rosenthal-Effekt oder die “Selbsterfüllende Prophezheigung anführen; aber auch sonst alle Erwartungseffekt, die in die gleiche Richtung gehen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Rosenthal-Effekt

    http://de.wikipedia.org/wiki/Selbsterfüllende_Prophezeiung

    Weil traumatische vergangene Erlebnisse lassen sich ja sicherlich nicht immer nur durch Vermeidungsverhalten “heilen”, sondern ich denke, wie bei Phobien, kann eben Vermeidungsverhalten auch problematisch sein und selbsterfüllende Prophezeiungen und Erwartungs- oder Präsuppositionseffekte können eben auch dazu führen, dass traumatische Erlebnisse eher verschlimmbessert werden. Ist meine Laienmeinung: ohne irgendwelche empirische Gewähr! :-)

  2. Judith sagt:

    Psychischer Traumatisierung bedeutet subjektiven Kontrollverlust und sehr häufig maximalem Ausgeliefertsein gegenüber den Erinnerungen an traumatische Erlebnisse, man spricht ja auch von Intrusionen in diesem Zusammenhang. Auslöser können überall lauern. Hauptbestandteil einer Therapie ist oft Schritt für Schritt im selbstgewählten (!) Tempo diese Hilflosigkeit zu überwinden und sich selbstbestimmt auch mit Auslösern wieder auseinandersetzen zu können.
    Allein die Möglichkeit zu haben, in einer Situation entscheiden zu können, möchte ich das lesen, möchte ich das *jetzt* lesen, kann für Betroffene dazu beitragen ein Stück Selbstbestimmtheit zurückzuerobern und die daraus hervorgerufenen Erinnerungen als weniger intrusiv zu empfinden. Und dann probiert man es aus. Und es funktioniert nicht. Aber es wurde einem die Verantwortung anvertraut selber mitzubestimmen, ob, wann und wie man bereit ist “to face the demons”.
    Ich sehe nicht, dass Triggerwarungen Risiken jeder Art abschaffen wollen oder freies Handeln einschränken. Genau im Gegenteil, sie informieren lediglich über mögliche Risiken und ermöglichen so erst freies selbstbestimmtes Handeln.
    Gleichzeitig kann man über das wie und wo von Triggerwarnungen natürlich diskutieren.

    Ach, ja, manche Leute tun Gutes oder Gutgemeintes um sich von den “Doofen” abzugrenzen und um sich selbst auf die Schulter zu klopfen. Haste schon recht. Ja mei. Dass Leute blöd angemacht werden, weil sie keine Triggerwarnungen verwenden – auch keine schöne Sache.

    Ich arbeite beruflich mit PTSD-Betroffenen. Für Leute, die sich von Triggerwarnungen-BenutzerInnen ausgegrenzt fühlen, hält sich mein Mitgefühl dann allerdings vergleichsweise in Grenzen.

    Pick your battles.

    • Chomsky sagt:

      Übrigens: Meine Einschätzung von Erwartungseffekten bezieht sich vor allem auf Angststörungen wie Panikattacken, und da bin ich mir noch nicht so sicher, ob bei PTB nicht auch ähnliche Effekte ablaufen.

      Wenn es z.B. heisst:

      “Kennzeichnend für sehr viele Patienten mit Angststörungen ist eine “Angst vor der Angst” bzw. eine Erwartungsangst (antizipatorische Angst). Hat eine Patientin oder ein Patient einmal eine Panikattacke oder eine andere Form einer Angststörung erlebt, so ist häufig eine verstärkte Angst vor dem Auftreten weiterer Angstanfälle zu beachten.”

      http://web4health.info/de/answers/anx-anx-anx.htm

      Das Gleiche würde ja dann wohl auch für Intrusionen gelten: Jemand hat Angst, wieder Intrusionen zu erleben und meidet nun alles, was Intrusionen auslösen könnte.

      Und weiter heisst es dann:

      “So verständlich es auch zunächst erscheinen mag, so liegt doch die eigentliche Gefahr nicht in den Angstanfällen, sondern darin Handlungsfreiheiten im Leben dadurch einzubüssen und ständig in der Angst vor einem erneuten Angstanfall zu leben.”

      Das Problem bei Triggerwarnung sehe ich dann eben in diesem Zusammenhang wie folgt: Wer eine Triggerwarnung rausgibt, weiss ja überhaupt nicht, was genau bei einer individuellen Person eine Intrusion auslösen könnte, im Prinzip kann das ein Bild, ein Satz, ein Wort, ein Geruch, quasi alles sein (rein theoretisch). Wenn nun eben inflationär quasi flächedeckend Triggerwarnungen rausgegeben werden, dann könnte eben schon der Effekt entstehen, wie er bei einer Angst-Panikstörung eintritt: dass quasi alles als gefährlich eingestuft wird und Vermeidungsverhalten extrem gefördert wird aber auch eine “unrealistische” oder verzerrte Erwartungsangst, weil man immer Angst hat, dahinter könnte ja ein Stimulus sein, der die Intrusion auslöst.

      Wiederum meine bescheidene Laienmeinung – ohne Gewähr auf Richtigkeit.

  3. Judith sagt:

    Ah, danke, Chomsky, ich denke, jetzt verstehe ich auch besser auf was Du raus wolltest.
    Also einmal finde ich es tatsächlich hilfreich zwischen phobischer Angst und Angst im Zusammenhang mit traumatischen Erlebnissen zu unterscheiden, auch wenn es natürlich Gemeinsamkeiten, Übergänge, Komorbiditäten gibt.
    Es wird tatsächlich davon ausgegangen, dass Vermeidung in beiden Fällen häufig zur Aufrechterhaltung der Symptomatik beitragen kann. Die Gefahr, im Falle einer PTSD ist allerdings immer eine Retraumatisierung.
    (http://de.wikipedia.org/wiki/Retraumatisierung)
    Also sollte eine Exposition mit dem Trauma selbstbestimmt (wie ich in meinem vorherigen Kommentar versucht habe zu betonen) und am Besten in guter therapeutischer Begleitung stattfinden – falls überhaupt. Diese Konfrontation braucht eine ganze Menge Stabilität und Sicherheit um zu gelingen und einen (innerpsychischen) Raum um aufgefangen zu werden.

    Für “einfache” Phobien kann ich Deine Gedankengänge allerdings gut nachvollziehen. Würde Triggerwarnungen im Sinne von “Achtung Flugzeug!” auch nicht unbedingt für hilfreich halten.

  4. susanna sagt:

    Ich habe vor allem Probleme mit Triggerwarnungen, in denen in erster Linie vor Textpassagen gewarnt wird, in denen politische Positionen zitiert werden, die der Autor oder die Autorin absolut schrecklich und unzumutbar findet. Das hat mit echten Triggerwarnungen nichts mehr zu tun.

    Ich überlege, ob man als Nichtfachfrau sowieso nicht lieber konkreter warnen sollte, etwa “Vorsicht! der Text enthält explizite und detaillierte Schilderungen von Gewalt.”

  5. Chomsky sagt:

    @Katrin

    Allgemein denke ich, dass Du sogenannte Gruppenphänomene wie Rassismus, Sexismus, Klassismus etc. nicht allein mit einem sozialpsychologischen Ansatz erklären kannst, weil dies wäre nun m.E. wirlich viel zu unterkomplex. Nur schon, wenn wir die Ebenen anschauen: Der sozialpsychologische Ansatz ist ein Konzept, das vor allem die Mesoebene behandelt, eben Gruppen/Organisationen. Die Mikroebene (Interaktionen) wird dann schon eher weniger berücksichtigt und die intrapersonelle Ebene wird auch eher oberflächlich gestreift.
    Was aber ganz sicherlich fehlt, ist die Makroebene (Kapitalismus, Fordismus, Postfordismus: ganz allgemein übergreifende gesellschaftliche Strukturen, soziale Systeme) und auch die Repräsentationebene (Diskurse, diskursive Formationen, kulturelle Hegemonie, symbolische Ordnungen etc.) werden quasi nicht berücksichtigt.
    Aber es fehlt ja auch ein interdisziplinärer Ansatz (Politikwissenschaft, Psychologie, Sozialpsychologie, Soziologie, Geschichtswissenschaft, Ökonomie, Politische Ökonomie, Sprachwissenschaft, Ethnologie).
    Klar: Wenn man z.B. in einem Krankenhaus Intergruppenbeziehungen oder Intragruppenbeziehungen analysieren und verändern will, dann mag dieser Ansatz das erste Mittel der Wahl sein, aber einfach allgemein um Rassismus, Klassismus, Sexismus etc. zu erklären, wäre ein solcher Ansatz m.E. einfach wirklich viel zu unterkomplex.

    • Katrin sagt:

      Hallo Chomsky,

      da gebe ich dir vollumfänglich recht. Intergruppenphänomene sind mit Sicherheit nicht die einzige Erklärung für Diskriminierungen aller Art. Das wäre in der Tat zutiefst unterkomplex. ich behandle Themen ja auch sehr gerne und möglichst interdisziplinär. aber an diesem Punkt noch ausführlicher zu werden, das hätte definitiv meine Kolumne gesprengt, sie war auch so schon “zu lang”…

      ich bediente mich ja aber nicht ohne Grund gerade im
      obigen Text, bei der Betrachtung von Triggerwarnungen, sehr vieler Disziplinen – und das ist ja das eigentliche Thema. von daher ist das ein Anspruch, den ich generell teile. den obigen Text hätte ich gut und gerne auch zu einem Essay ausbreiten können, so viel hatte ich eigentlich dazu gesammelt. vielleicht finde ich irgendwann einmal Zeit, angerissene Blickwinkel meiner Kolumnen ausführlicher aufzubereiten. ich hätte ja Lust dazu. :)

      jedenfalls danke für die weiterbringenden und absolut korrekten Ergänzungen und Anmerkungen.

      viele Grüße
      Kadda

  6. Heiliger Bimbam sagt:

    “Und gleichzeitig werden Ausgrenzungen erzeugt, die entlang moralischer statt politischer Kategorien geschehen. Beide Effekte können nach meinem Kenntnisstand nicht das Anliegen derjenigen sein …”

    Implizit sind das duchaus ein mögliches Anliegen der Triggerwarner. Es soll eine moralische Demarkationslinie abgesteckt werden, auf deren einer Seite sich nicht die Guten, sondern die Besseren befinden. Das ist moralische Trittbrettfahrerei auf Kosten von Leuten, die tatsächlich traumatisiert sind. Überdies erfahren die Begriffe Gewalt und Trauma durch inflationäres Warnen eine Banalisierung. Mittels DefMa kann alles Mögliche als Gewalt oder Trauma gedeutet werden und scheinheilige Beschützerreflexe selbsternannter Opferanwälte auslösen. Das führt zu einer Betroffenheitsralley. Wer ist am sensibelsten, wer spürt noch im letzten Winkel auf, was irgendwie als Trigger “gelesen” werden könnte, welches hypothetische Opfer kann man für seine Argumentation ins Feld führen. Irgendwann sind all Opfer und das Leben ein Trauma.

    “Die Tugenden verlieren sich im Eigennutz, wie die Ströme sich im Meer verlieren.” La Rochefoucauld

  7. [...] netbitchs Kadda-momo-Clubmix! claire de lune (Gast) – 18. Jun, [...]

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>