Ich diskriminiere Eltern, weil die Gesellschaft mich diskriminiert

Dieser Artikel enthält neue Ergänzungen

Disclaimer
Sorry. Aber es muss raus. Alle, die es nicht mehr ertragen können, wie ich mich angeblich an Nadine Lantzsch abarbeite (ein Vorwurf, der mir gemacht wurde, den ich nachvollziehen kann, aber den ich nachher nochmal kurz zurückweisen möchte) lesen bitte einfach nicht weiter.

Alle anderen seien willkommen. Ich möchte auch – wenngleich ich mich sehr ärgere, weil ich bei dem Thema eine Betroffenheit verspüre – versuchen mich strikt an die Inhalte zu halten (was ich IMHO auch in der Vergangenheit getan habe, aber für Gegenbeweise bin ich sehr offen, denn auch ich möchte an mir weiter arbeiten. Und mir ist einfach der Diskurs wichtig! deswegen schreibe ich ja auch wieder. Achso – das war eigentlich auch schon das Zuückweisen der Kritik. Ich schreibe solche Texte hier nicht, weil ich was gegen die Person Nadine Lantzsch habe, sondern weil ich das Gefühl habe, dass man ihren Inhalten etwas entgegen setzen muss. Ich schreibe oft dann nicht, wenn andere das eh tun. Aber oftmals sagt halt niemand was – also kann ich nicht anders).

Berichte vom Gendercamp

Ich las in verschiedenen Blogs Berichte vom Gendercamp. Weil ich selbst nicht dort war, aber aus netzfeministischen Gründen durchaus Interesse daran habe, nahm ich mir dafür sogar verhältnismäßig viel Zeit, um ein einigermaßen rundes Bild von den Eindrücken zu bekommen. Angefangen habe ich bei Suzanna, die den Dominanz-Vorwurf problematisiert hat (sehr empfehlenswert! ein für mich ziemlich wichtiger Beitrag zu einer Debatte, die mich auch zerknirscht macht. aber off topic hier). Mehrere Leute verlinkten in ihren Posts auf Medienelite. Also sortierte ich das als „wichtig“ ein und landete dann doch dort (denn ja: ich versuche, dem Vorwurf aus dem Weg zu gehen, ich würde mit „Allianzen“ und „Methoden“ böses gegen sie tun… das kann ich aber nur, indem ich es nicht lese… was gut funktioniert – vermutlich für beide Seiten netter so).

Der Text war zuerst auch für mich recht unproblematisch. Die Autorin fühlte sich auf dem Gendercamp weitestgehend wohl. Das ist doch gut. Denn die meisten anderen auch. Wie ich aber auch anderswo schon las, scheinen die Kinder dort eine wahnsinnige Irritation gewesen zu sein. Aus der Ferne scheint es, als seien ganz schön viele völlig menschliche Verhaltensweisen dramatisiert und dann stigmatisiert worden. Nicht jedeR mag Kinder, nicht jedeR kann mit Kindern. Und wenn ein Mann sich etwas zurückhaltend verhält, wenn es an die Aufteilung der Betreuung geht, weil er keinerlei Erfahrung und in dem Bereich wenig Selbstvertrauen hat (zumindest weniger, als in anderen Bereichen), dann ist es IMHO recht unwirsch, diesem dann Kackscheiße-Verhalten an den Kopf zu knallen. Wie war das mit der Dominanz? Vielleicht gibt es irgendwo auch einen Punkt, an dem die Problematisierung von allem und jedem Verhalten so dominant wird, dass es ausgrenzend wird. (Eine These, die ich an die These knüpfen möchte, dass eine inhaltliche Debatte in der Kategorie der Moral zwangsläufig dazu führt, dass mindestens ein Teil der Debatte beendet wird).

Bei Medienelite aber stand mir dann doch der Mund offen. Es beginnt damit, dass konstatiert wird es solle

für alle(!) nachvollziehbar sein, wenn Menschen sich mit Kindern unwohl fühlen, und zwar, weil ihnen der Elternstatus, das Recht auf Familie abgesprochen wird oder schlicht körperlich nicht in der Lage sind/sein dürfen, Kinder zu bekommen oder zu erziehen/zu betreuen.

So weit, so nachvollziehbar. Es folgt eine kurze Erklärung, warum die Autorin selbst Betroffene ist und wie das System es ihr als Lesbe – und vielen anderen – erschwert, Kinder zu haben. Dann wird es aggressiver:

Mich nervt es, wenn Menschen mit Kindern sich als HeteroKleinfamilie inszenieren müssen vor anderen. Die eigene Performance darf im Zusammenhang mit Privilegien als (körperlich) unversehrter CisMensch und in einer heterosexuellen, monogamen Beziehung lebend ruhig überdacht werden.

Das ist eine Darstellung, die sowohl gegenüber den Adressierten, als gegenüber den Lesenden zutiefst unfair ist. Denn hier wird ein Urteil gefällt, ohne dass Beweise geliefert werden. Was genau ist eigentlich diese „Inszenierung“? Ich kann mir darunter absolut gar nichts vorstellen? Wie machen Menschen das – und noch viel wichtiger: Was genau stellt sich die Autorin vor, wie sich zwei sich liebende Menschen mit einem Kind zu verhalten haben, wenn sie mit diesem unterwegs sind? Wohin soll diese Kritik genau laufen?

Dann von jenen noch unterstellt zu bekommen, eine selbst sei kinderfeindlich, das Thema Kinder sei tabuisiert oder die Anwesenheit von Kindern werde von denen ohne Kinder als heterosexistisch interpretiert, da war für mich echt Ende im Gelände. Hier zeigte sich ganz offensichtlich die wenig queer-sensible bzw. heteronormative Struktur des Camps und ja, diese Vorwürfe und Umkehrungen sind nichts anderes als heterosexistische und transphobe Kackscheiße und ja, sie sind diskriminierend. Dieses Camp ist kein Ort, der außerhalb von Gesellschaft steht, insofern spiegeln sich in diesem Ort die gleichen Mechanismen, die auch außerhalb dessen Gesellschaft gewaltvoll strukturieren. Ergänzung 1: Dass gerade unter diesem Aspekt, Kinder als “problematisch für andere” von einigen Erziehenden konstruiert wurden, empfand ich als Unverschämtheit. Die eigentlichen Konflikte wurden auf die Kinder übertragen, Kinder wurden instrumentalisiert zur Konfliktumkehrung und Verschiebung von eigener Verantwortlichkeit.

Von Verantwortung und Respekt

Ich werde als heterosexuelle Mutter hiermit direkt aufgefordert, dass ich immer, wenn ich mit Kind unterwegs sei, verantwortlich dafür sei, dass ich „dahingehend Sensibilität zu entwickeln“ soll – also umsichtig damit umgehen soll, wenn sich andere unwohl fühlen, wegen meiner Kinder. Ähm – wie genau jetzt nochmal: Ach ja, ich weiß: Ich darf nicht „Heterokleinfamilie inszenieren“ o_O
Ja: Es macht mich wirklich sprachlos. Denn anknüpfend an so vielen wahren Problemen der gesellschaftlichen Diskriminierung wird hier in meiner Lesart nichts anderes betrieben als umgekehrt genau das. Denn wäre ich mit meinen Kindern auf dem Gendercamp gewesen, hätte ich dort diese Konflikte erlebt, dann hätte ich mit sicherheit genauso einen Text, der so ähnlich wie das folgende sein könnte, geschriebenschreiben können:

Es sollte für alle(!) nachvollziehbar sein, wenn Menschen mit Kindern sich unwohl fühlen, da man ihnen permanent, überall – egal ob in der S-Bahn, im Supermarkt oder im Gehaltsgespräch mit dem Chef („Sie haben ja ziemlich oft gefehlt, weil Ihr Kind so oft krank war“) – das Gefühl gibt: Ihr stört und du hast dein Kind und dein Leben nicht im Griff. Ich selbst bin Betroffene eines Systems, das mir ein selbstbestimmtes Muttersein zumindest sehr erschwert, mich aus allen gesellschaftlichen Bereichen ausschließt, in denen es Voraussetzung ist, zeitlich absolut flexibel zu sein und komplett selbstbestimmt; das mir kaum Möglichkeiten gewährt, zu einem ausreichenden Lohn zu arbeiten UND genügend Zeit für die Kinder – und am Ende auch mal für MICH zu haben. Ich bin sehr oft traurig deswegen und mache mir schon seit Jahren Gedanken darüber, und kämpfe politisch dafür, diese Arbeitsstrukturen, aber auch das schwierige Miteinander von Eltern und Nicht-Eltern zu verbessern. Viele Kinderlose blicken überhaupt nicht kritisch auf den eigenen sozialen Status. Viele entscheiden sich beispielsweise gegen “eigene” Kinder oder Erziehungsarbeit, weil sie die Verantwortung scheuen – zurecht: Die ist nämlich Riesengroß! Ich sehe eigentlich alle Menschen in der Pflicht dahingehend Sensibilität zu entwickeln: Wie fühlen sich Eltern? Welche Probleme haben sie und wie kann ich vielleicht mal ein Schärflein dazu beitragen, dass sie nicht permanent überfordert sind und sich ein Bein nach dem anderen rausreißen? Mich nervt es, wenn Menschen ohne Kindern so tun, als seien eigene Kinder auch „eigene Schuld“. Wenn die eigene Performance und Selbstdarstellung wichtiger ist, als auch einmal Rücksicht auf die Gefühle anderer zu nehmen, wenn der Respekt einfach mal wieder komplett verloren geht, aus lauter Selbstreferentialität.

Dieses Camp ist kein Ort, der außerhalb von Gesellschaft steht, insofern spiegeln sich in diesem Ort die gleichen Mechanismen, die auch außerhalb dessen Gesellschaft gewaltvoll strukturieren. Ergänzung: Die eigentlichen Konflikte wurden auf die Kinder übertragen, Kinder wurden instrumentalisiert zur Konfliktumkehrung und Verschiebung von eigener Verantwortlichkeit.

Dieser Text auf Medienelite ist leider komplett blind für die gesellschaftlichen Probleme von Eltern und spielt eine Diskriminierung gegen die andere aus. Das ist für mich zutiefst erschütternd. Als Mutter geht es mir so, dass ich ein tiefes Bedürfnis nach Solidarität empfinde, wenn ich andere Menschen mit Ausgrenzungserfahrungen treffe. In den vergangenen Jahren habe ich gelernt, dass diese sich mitnichten nur auf Race, Class oder Gender beziehen, sondern dass wir einen tiefsitzenden Sozialdarwinismus, gepaart mit einer turbokapitalistischen Arbeitskultur haben, die ganz bestimmte Menschen einfach abhängt. Einfach abhängt – oder zumindest dafür sorgt, dass diese weit weit hinter ihren Möglichkeiten leben. Ich habe so viele komplett resignierte Menschen kennen gelernt.

Dass das Thema Kinder so prominent auf dem Camp verhandelt wurde, lag auch daran, wer für sich in Anspruch nehmen kann, Dinge zu thematisieren und wer die eigenen Probleme als permanent verhandelbar betrachten kann und wer nicht.

*schnipp*
Es macht mich einfach ratlos. Und das nicht erst seit diesem Artikel.

Die Eltern-vs-Nicht-Eltern-Kiste – please do not reload

Vor fünf Jahren echauffierte ich mich schon über diese schwierige Eltern-nicht-Eltern-Kiste. Sie ist nun wirklich nicht neu, wobei auch ich zugeben muss: Was da vom Gendercamp an Erfahrungen überschwappt hat selbst mich nochmal überrascht! Das hat echt nochmal eine neue Qualität. Als ich aber damals bei Neon.de darüber schrieb, kam ein ziemlich kluger Kommentar, den ich euch zu lesen empfehle, indem ich hier seine Conclusio zitiere:


Jede Form eines Dogmatismus, der Andersartigkeit verurteilt, unterdrückt und bekämpft, ist stets Ursache von Unzufriedenheit und Leid. Wahre Freiheit erlangt man erst durch Toleranz des eigentlich Unerträglichen. Dann gäbe es auch keinen Grund mehr, zwischen Rauchern/Nichtrauchern, Eltern/Kinderlosen, Jungen/Alten, Linken/Rechten, Schwarz/Weiß, Schwarz/Rot, Gold/Gelb, zwischen Gut und Böse unterscheiden zu müssen: Alles wäre Eins.

das klingt vielleicht naiv und nicht machbar. Aber als Vision und Maxime meines Handelns ist es sinnvoll: Wer mir unterstellt ich inszenierte HeteroKleinfamilie ist nicht auf Dialog und Respekt bedacht, der erzeugt nur neue Unzufriedenheit und neues Leid – zuallererst in sich selbst, über das Aufschreiben dann auch bei anderen.

Ergänzungen 21:47 Uhr, 23.05.2012: Die Blogs, die ich außerdem las waren Antje Schrupp, Glücklich Scheitern, Simon Kowalewski, Adrian Lang. Das darf hier gerne als Leseempfehlung interpretiert werden.

Änderung 24.05.2012, 19:15 Uhr: den letzten Absatz würde ich so vermutlich nicht nochmal schreiben. der ist eigentlich überflüssig, zu pathetisch und wirr…

Ergänzung 25.05.2012, 12:51 Uhr: Einen sehr ausführlichen und lesenswerten Beitrag aus Sicht eines Menschen der sowohl dem AwarenessOrga-team angehörte als auch ein Kind dabei hatte möchte ich noch empfehlen: „Das GenderCamp war kein Ponyhof“. Spannend finde ich vor allem die zwischen den Zeilen hervorkommende Feststellung dass man sich nicht einerseits über „Unsichtbarkeit“ beklagen und andererseits einfach nichts sagen kann. Und die Bitte, Kritik doch am besten in einem Gespräch miteinander anzubringen, weil das ein Weg sei, der anderen Möglichkeiten eröffnet, zu Handeln. Problematisch finde ich, wenn der Eindruck entsteht, ein Elternpaar, das Händchen hält, würde HeteroKleinfamilie inszenieren – was mir am Ende des Blogposts ein bisschen so ging. Hier würde ich immer noch gerne mehr diskutieren, was das sein soll, dieses „Inszenieren“ (Henning Wötzel-Herber, dem Autor, war es letztendlich auch nicht klar, was konkret das heißen soll). Problematisch finde ich daran weiterhin, dass die Verantwortung (in meinen Augen unzulässiger Weise) auf die Eltern verschoben wird (siehe dazu auch den Schluss des Kommentars von A.S. weiter unten).

Flattr this!

97 thoughts on “Ich diskriminiere Eltern, weil die Gesellschaft mich diskriminiert

  1. Christian

    Höre bitte sofort auf, Lantzschi die Definitionsmacht über diese heteronormative Diskriminierung abzusprechen, sie ist schließlich die benachteiligte Minderheit!!1

     
    Reply
  2. Antje Schrupp

    Alles wäre eins? Das erinnert mich an jenen meinen Lieblingsspruch „Es ist den Bürgern von Paris, den Armen wie den Reichen gleichermaßen, verboten, unter Brücken zu schlafen.“ Alles wäre eins ist eine gefährliche Illusion, denn es ist immer gelogen (und es sind die Privilegierten, die immer Interesse an dieser Lüge haben).
    Nein, hier geht es schon um reale Konflikte, die sich entlang von realen Ungleichheiten entzünden, und die Frage ist, wie man sie bearbeitet. Wobei ich dir recht gebe, dass Moral dabei nicht nutzt. Ich habe aus Nadines Text aber auch keine Moral rausgelesen. (obwohl man es vllt so verstehen kann).

     
    Reply
    1. Katrin

      liebe Antje,

      wie ich es las, steht oben. deutlicher kann ich es kaum noch sagen.

      Das mit alles wäre eins meinte ich wirklich mehr als eine Art Handlungsmaxime: Menschen alle erstmal gleich zu behandeln – unabhängig von Geschlecht, Rasse, sexueller Orientierung, Klasse, Familienstand, Suchtverhalten und vielem Mehr. Alles *wie* eins behandeln – zumindest grundsätzlich. Und da stimme ich dir zu: Man behandelt dann doch alle Unterschiedlich, aber eben entlang von Konfliktlinien, die sich durch eine Kommunikation auftun. *dann*. das ist im grunde genau die Haltung, die ich schon mit „Respect by Default“ versucht habe zu beschreiben (und in den Kommentaren noch sehr sehr weit ausgeholt habe…).

       
      Reply
  3. mh

    wer hätte das gedacht: frau L. schafft es immer wieder sich selbst zu toppen. langsam kippt es allerdings dermaßen ins absurde ab, dass die meisten menschen hoffentlich von selber merken, wie sehr hier der menschenhass die analyse bestimmt und nicht der ernsthafte und inhaltsvolle diskurs frau L. zur erkenntnis treibt.

    bei all meiner fähigkeit hass und intoleranz zu ignorieren, was per internet ja besonders leicht ist… bei diesem thema wird es dann doch recht schwer, denn hier sind klare anzeichen von hass gegen heterosexuelle zu vermerken. würde frau L. einen schritt weitergehen, wäre die logische forderung das einstellen der reproduktion durch körperliches beisammensein, aus rücksicht darauf, dass sie dort ja auch alternativ agieren müsste, wenn sie denn dahingehend wirkt und ihren lebensstil konsequent ausübt.

    die konstellation: frau, mann, kind(er) ist übrigens auch allein schon ob ihrer konstellation heteronormativ. man wird ihr dies nie absprechen können. entsprechend kann man ihr das immer vorwerfen und frau, mann, kind sind heteronormative schweine. wenn man es denn so sehen will und das braucht.

    selbst die variante patchwort-familie ist im regelfall heteronormativ, nur eben mit wechselnden familienbereichen, die im besten aller fälle familie als gesamtes sind.

    aber was soll man denn bitte daraus lernen? ja da ist etwas, das es in unserem leben gibt.

    nachdem frau L. sich letztens allerdings dahingehend geoutet hat, dass sie es als triggernd empfindet, dass menschen einander zuneigung bekunden, weil sie sich selbst dabei ausgeschlossen fühlt .. und daraus folgert.. man solle dies nicht mehr tun .. empfehle ich dringend dringe.

    mfg
    mh

     
    Reply
  4. Miriam

    Du sprichst mir aus der Seele, vielen dank für diesen Beitrag! Ich las den Beitrag von nadine lantsch und dachte nur: das haut dem fass den Boden aus. Nach der Lektüre ungefähr der gleichen blogposts, die du auch gelesen hast, fühlte ich mich spästestens an der stelle an monty python’s life of Brian erinnert (männer sollen das gleiche recht auf das gebären von Kindern haben wie frauen, sinnlos aufeinander rumhacken, anstatt gemeinsam gegen den wirklichen Feind (christina Schröder bzw. die Römer) zu kämpfen, …).

    Das mutet schon sehr sektenhaft an, was da so zu lesen ist. Gehirnwäsche, Dogmatismus und Intoleranz deluxe…

     
    Reply
  5. Pingback: Sammelmappe » Blog Archive » Eltern und Kinderlose

  6. Heiliger Bimbam

    Ich darf nicht “Heterokleinfamilie inszenieren”

    Öhm, wie sollst du das machen? Gabs da Tipps? Sollst du dir eine Lesbe leihen? *scnr

    Dass das Thema Kinder so prominent auf dem Camp verhandelt wurde, lag auch daran, wer für sich in Anspruch nehmen kann, Dinge zu thematisieren und wer die eigenen Probleme als permanent verhandelbar betrachten kann und wer nicht.

    In gewisser Weise stimmt das: Mit der Heteronornativitäts- und und Homophobiekeule kann L. für sich dieses Thema verhandelbar in Anspruch nehmen, wie geschehen.

    Mich nervt es, wenn Menschen mit Kindern sich als HeteroKleinfamilie inszenieren müssen vor anderen. Die eigene Performance darf im Zusammenhang mit Privilegien als (körperlich) unversehrter CisMensch und in einer heterosexuellen, monogamen Beziehung lebend ruhig überdacht werden.

    Dieser Satz siedelt auf dem Level „eklig, wenn sie XYZ öffentlich küssen“ und verdeutlicht, dass die vermeitliche Diskriminierung nicht von Anderen ausgeht, sondern von der Befindlichkeit der Verfasserin. Sie wird sich immer diskriminiert und narzisstisch gekränkt fühlen, wenn die Umstände ihr verdeutlichen, dass sie anders ist.

     
    Reply
    1. Blacky

      Lantschi läßt nach: sie hat diesmal „weiß“ in ihrer Privilegienaufzählung vergessen.
      Ich fühle mich erased. :(

       
      Reply
  7. Helga

    Inszenierung von (Hetero)Kleinfamilien geschieht genauso, wie auch Weiblichkeit, Männlichkeit, „Klasse“ etc inszeniert werden. Es ist ein Unterschied, ob ich in Rock, mit Schminke und Hish Heels rumlaufe, oder in weiten Hosen, Hoodie und zerzaust. Ob ein heterosexuelles Paar öffentlich Händchen hält und gegenüber seinen Bekannten von Doppeldates mit anderen heterosexuellen Pärchen redet. Alles „normale“ und „selbstverständliche“ Dinge, die aber jedem und jeder, die nicht „so“ sind oder nicht mal die Möglichkeiten haben, irgendetwas davon zu erreichen, dann quasi unter die Nase gerieben werden. Und genauso kann man deutlich machen, dass frau Teil einer Kleinfamilie/Großfamilie/Heterofamilie ist.

    Weils so schön beschrieben ist, hier ein Zitat von glücklich scheitern:

    denn einerseits ist der aufruf da, (mehr) kinder zu bekommen, aber gleichzeitig richtet sich dieser aufruf nur an bestimmte menschen – menschen wie z.b. mich. gut situierte, gesunde, deutsche heterofrau (ich könnte alles in anführungszeichen setzen, auch im folgenden, aber ihr wisst schon) in fester partnerschaft. wieso?
    – das mit dem kinder kriegen war relativ unkompliziert. selbst wenn nicht, hätten mir reproduktionsmedizin und adoptionsverfahren offen gestanden.
    – die politik spricht manchen menschen das recht auf elternschaft, reproduktionsmedizin, adoptionsverfahren und co. ab. wer als krank/behindert, homosexuell oder sonst nicht ‘der norm entsprechend’ definiert wird, hat kein ‘recht’ auf familie.
    – auch wer es sich schlichtweg nicht leisten kann, wird – wie bei hartz IV – bestraft. kinder sind ein luxus, den man sich leisten können muss.

    – es besteht wenig akzeptanz, nicht-’biologische’ familienverbände zu gestalten und mit ‘biologische’ familien gleichzustellen (wobei es der gesellschaft eigentlich egal ist, wer z.b. der biologische vater ist, jedenfalls wenn man a) verheiratet ist, dann ist der mann automatisch als vater anerkannt, ob er das kind nun gezeugt hat oder nicht, oder b) ein mann die vaterschaft anerkennt. ich hätt also auch den pförtner des jugendamtes mitnehmen können. aber nicht: meine lebensgefährtin. so viel zur ‘natürlichen’ verwandtschaft)

    Wie Lantzschi schrieb, bedeutet sich mit Kindern unwohl zu fühlen nicht unbedingt, diese abzulehnen. Sondern vielleicht gar keine kriegen zu können. Mit Kindheit Gewalt zu verbinden. Das heißt nicht, Eltern zu diskriminieren!

    Die Diskriminierung erfolgt an ganz anderer Stelle. Durch gesellschaftliche Strukturen in Politik und Wirtschaft, durch Geringschätzung von Reproduktionsarbeit, durch diese Vermischung von Natürlichkeit, Weiblichkeit, Fortpflanzung (mir fällt da gerade keine treffendere Bezeichnung ein). Sich damit kritisch auseinander zu setzen, seine eigene Diskriminierung zu bedenken, heißt nicht Eltern zu diskriminieren!

     
    Reply
    1. Katrin

      Helga, wie du es jetzt schreibst, kann ich es sogar auch nachvollziehen. und das liegt vor allem daran, dass ich den Ton auch gleich ganz anders empfinde und eben nicht degradierend.

      vielleicht liegt daher nur ein Missverständnis vor. ja. vielleicht. allein: das Wort inszenieren in dem Zusammenhang mit dieser Aggression (die ist ja in Nadine Lantzschs Blogpost nicht zu überlesen), spricht einfach für eine sehr andere Herangehensweise. oder anders ausgedrückt: ginge es lediglich um die von dir interpretierte Variante, hätte es nicht so einen eeeewigen Absatz bekommen und sich VOR ALLEM nicht an nicht namentlich genannten Einzelpersonen auf dem Gendercamp aufgehangen.

      was ich aber dankbar annehme ist, dass du mir aufgezeigt hast, wie diese andere Brille aussieht. danke dafür. und für die Zeit, die du dir dafür genommen hast.

      (auch wenn ich sagn muss, dass ich Suchweiblichkleiden und Schminken nicht für tadelnswert halte. aber das ist eine andere Geschichte.)

       
      Reply
      1. Helga

        Wie auch Antje Schrupp habe ich den Ton in Nadines Text nicht als moralisch empfunden oder herablassend. Eher als frustriert und traurig, dass jeder Versuch einer Familie etwas 100x komplizierter sein wird, als bei einer „Normfamilie“ (da steht explizit traurig drin).

        Den Text von glücklich scheitern, der die Reflektion eigener Privilegien so schön durchgeht, hat sie am Anfang des Absatzes verlinkt, der all die Probleme von „Nicht-HeteroKleinfamilienmenschen“ noch einmal aufführt – und danach Unmut geäußert, der in diesem Zusammenhang verständlich ist.

        PS: Ich weiß nicht, wer etwas gegen „weibliche“ Kleidung und Schminke gesagt hat. Ich war’s nicht.

         
        Reply
        1. Katrin

          Helga,

          Inszenierung wird bei Ihr IMHO aggressiv abgewertet, und du erklärtest Inszenierung dann u.a. mit high heels und schminke – entschuldige meinen Zusammenschluss der beiden Quellen im Geiste (der daher kam, dass wir uns ja hier alle auf den Medienelitetext beziehen).

          den Text von glücklich scheitern habe ich übrigens vor dem Medienelite-Text gelesen und fand ihn (offensichtlich) kaum empörenswert. IMHO liegen dazwischen WELTEN.

          mir ist außerdem schon klar, dass es für mich, diekadda, kaum möglich ist, das zu tun, was ich hier mache: inhaltliche Kritik führen. es ist zwar einerseits so, dass ich wirklich nicht anders kann – ich kann das nicht einfach so wegignorieren, es ist zu hart, und zu akzeptiert (scheinbar), ich habe da einen regelrechten zwang, es zu posten. (frag den mh120480 – ich wollte es eigentlich erst morgen posten, wenn überhaupt, nein: rational gesehen besser gar nicht). ich schaffe es nicht, mich da selbst zu … zensieren klingt zu hart. aber zu schweigen eben. und nach dem veröffentlichen rast mein Puls zwei Stunden, weil die Angst mich packt mich vielleicht gerade so wieder „rehabilitiert“ zu haben in gemeinsamen Kreisen von Nadine Lantzsch und mir – und mich damit sofort wieder als Persona non Grata, die einfach so ein „persönliches Ding“ mit einer anderen am laufen hat, dazustehen… wie mir ja auf twitter durchaus vermittelt wird.

          letztendlich endet dieser Tag mit ein bisschen gutem Gefühl, dass ich meinen Standpunkt auch mal gesagt habe, viel Zerknirschtheit ob so krass verhärteter Fronten und einer guten Portion Alkohol – sowie auf jeden Fall Freude über jedeN einzelneN, der irgendwie verstehen kann…

          :/

          aber ganz ehrlich: meine obigen Kritikpunkte sehe ich bislang keinesfalls entschärft. es ist aber schön, von melanie zu hören, dass es kinderfeindlchkeit dort nicht gab. das mit Simon Kowalewski kann ich nicht beurteilen.. für mich klang es unwirsch – aber ich war nicht dabei.

          viele Grüße
          Kadda

           
          Reply
          1. mh

            @kadda: bestätigt.

            @helga: ich will mich mal eines ganz anderen punktes annehmen, wegen dem ich mich hiermit überhaupt beschäftige:

            wenn du diesen eingangsbeitrag liest, dann müsste dir auffallen, dass er einen disclaimer hat. jemand sieht sich also genötigt, sich abzusichern…

            gleichzeitig habe ich nun mehrfach zustimmung zu diesem beitrag vernommen… allerdings immer unter dem siegel der selbstbenannten „feigheit“ sich der diskussion zu stellen, angst vor diskreditierung, angst vor den reaktionen, angst vor sanktionen…

            oder auch so scherze wie der kommentar von „Heutemalnamenlos“.. bei dem offensichtlich ist, dass die verfasserin sich ebenfalls lieber bedeckt hält, aus angst vor… sanktionen? gebashe? ausschluss? hass?

            unabhängig aller meinungsverschiedenheiten die allseitig existieren mögen, würde ich an dieser stelle doch mal ganz klar festhalten wollen:

            hier herrscht ein klima der angst und das liegt sicher nicht daran, dass menschen absurde oder gestörte meinungen haben und deswegen gebasht werden.

            das würde ich an deiner stelle mal hinterfragen. unabhängig von personen und rein sachbezogen.

            mfg
            mh

             
    2. nutellaberliner

      Aaaaalso ich weiss ja nicht, wo ich anfangen soll. Aber ein paar mehr Bemerkungen verdient der Kommentar ja doch.
      1. Wir sind eine freie Gesellschaft. Immer noch. Hier kann, darf und soll jeder das tun, was andere nicht angreift. Das Rumlaufen mit Kindern, heterosexuelle Händchenhalten und was weiss ich noch tut dies nicht. Es hat keinerlei, aber wirklich überhaupt keine Auswirkungen auf andere. Wenn der Maßstab für Auswirkungen auf andere jetzt aber sein soll, dass sich andere durch etwas eingeschränkt, belästigt oder sonst wie diskriminiert fühlen, sollten diese Personen sich mal überlegen, wie sie antworten, wenn ich behaupten würde, ich fühlte mich durch homosexuell inszeniertes Pärchendasein oder öffentlich zur Schau gestellte Homosexualität beeinträchtigt. Der (völlig berechtigte) Shitstorm wäre mir sicher.
      2. Dass jemand keine Kinder kriegen kann, warum auch immer, ist sicher ein Problem, insbesondere wenn er/sie Kinder will. Aber es ist sicher kein Problem zwischen denjenigen, die Kinder haben und denen, die keine haben. Die können nämlich nichts dafür.
      3. Dass jemand glücklich ist, ist toll. Wirklich. Wir brauchen mehr glückliche Menschen. Dass jemand anders unglücklich ist, ist Mist, das brauchen wir nicht. Die Gesellschaft wird aber sicher keine bessere und die Unglücklichen um nichts glücklicher, wenn man Glück verbietet. Das hilft niemandem.
      4. Die Anwesenheit von Kindern in bestimmten Zusammenhängen abzulehnen bedeutet automatisch eine Diskriminierung von Menschen, die nur die Wahl haben, auf gesellschaftliche Teilhabe zu verzichten oder ihre Kinder mitzunehmen. Es dürfte kaum akzeptabel sein, die Gefühle einzelner zum Maßstab für Teilhabe Anderer zu machen. (Mal drüber nachdenken, wenn man Kinder durch Behinderte ersetzt…unschönes Ergebnis, oder?).

      Lantzschi zeichnet sich in ihren Blogposts ja selten durch differenzierte Betrachtungen aus, aber hier bin ich nicht sicher, ob überhaupt ein Nachdenken stattgefunden hat.

       
      Reply
  8. profin

    Danke.
    Ich erschrecke allerdings, denn angesichts solcher Angriffe sinkt meine Motivation jemals am Gendercamp teilzunehmen ins Bodenlose. Und denke dann an queere Familienfreunde, denen es auch so gehen dürfte.

     
    Reply
    1. R.

      Stop! Bitte lass dich nicht von den ganzen Debatten entmutigen. Als eine Person, die das erste Mal auf dem Gendercamp war und mit feministischen Diskursen noch etwas holprig dabei ist, kann ich dir versichern, dass es eine erkenntnisreiche und tolle Zeit war. Ich habe intelligente offene Menschen kennengelernt und zu keiner Zeit das Gefühl gehabt, nicht willkommen zu sein. Ohne die Inhalte zu kennen, spürte ich ab und zu, dass irgendwo Differenzen existierten. Leider oder sagen wir zum Glück waren sie für mich nicht greifbar und somit kann ich als Außenstehende das Gendercamp „unvorbelastet“ auf mich wirken lassen.

      Und dennoch, jeder einzelne Mensch, mit dem ich gesprochen habe, hat mir etwas Schönes auf dem Rückweg mitgeben können. Jede_r von ihnen hat mir das Gefühl gegeben: Ja, hier bin ich richtig! Hier möchte ich diskutieren, reflektieren, lernen (andere Meinungen wahrzunehmen) – das ist mein Privileg und meine Chance!

      Ich habe das Orga- und Awarenessteam am ersten Tag als unnahbar empfunden, aber am nächsten Tag waren sie mittendrin zwischen uns und wir zwischen ihnen, mit soviel Herzblut und Achtsamkeit. Und ich finde, sie verdienen es, dass es mal gesagt wird. Es ist so undankbar, was hier mit dem Begriff „Gendercamp” gerade passiert.

      Gendercamp ist nicht nur Barcamp, hier geht es um ein Aufeinanderprallen von Identitäten, Meinungen, Positionierungen, aber vor allem auch die Bereitschaft, Lernprozesse zu zu lassen. Das gehört zum Gendercamp dazu.

      Ich sehe daraus eher den Nutzen als, dass es mich abschreckt. Bitte lass dich von deinem Vorhaben nicht abschrecken aufgrund dieser Meinungsverschiedenheiten. Jedes Gendercamp ist einzigartig und wird von denen gestaltet und verändert, die jährlich teilnehmen.

       
      Reply
      1. Katrin

        ich habe extra noch alle anderen berichte vom Gendercamp unten verlinkt. Die darf mensch gerne lesen – die sind wirklich auch interessant und vielleicht ist es wirklich besser, sich dann für oder gegen so etwas zu entscheiden, als durch die Wahrnehmung von nur *einer* Person, die dort war. Ich würde mich auch nicht davon verschrecken lassen und da ich ja jetzt weiß, dass es dort Kinderbetreuung gibt, kommt es das nächste Jahr sogar wirklich in Frage, sich das mal anzuschauen :) (irgendwie hatte ich davon im Vorfeld nichts mitbekommen… )

         
        Reply
  9. Lowkey

    Es kommt mir vor als sei es schon eine Woche her, dass ich Frau Lantzschs Blogpost gelesen habe. Zuvor hatte ich mit großer Freude einen Tweet einer, wie ich vermute, jungen Frau gelesen der etwa wie folgt lautete: Die Kinder bespaßt oder von den Kindern bespaßt worden :-). Es macht mich immer sehr glücklich wenn andere Menschen sich ungezwungen mit meinen Sohn beschäftigen, denn ich denke dann immer dass er etwas von deren Perspektive lernen wird und sich dadurch zu einen mutigen und menschenfreundlichen Mann entwickelt. Ich kenne Frau Lantzsch nicht und möchte mir kein Urteil erlauben. Ihre Worte klingen verletzend könnten aber auch nur missverständlich sein. Nicht jeder muss die Anwesenheit einer Familie mögen, aber aufgrund der Zeit und Ressourcen die wie in Liebe für unsere Kinder investieren ist es bereits jetzt schwer genug sich am politischen Prozess aktiv zu beteiligen. Ich hoffe das wir nicht an einem weiteren Ort ausgeschlossen werden.

     
    Reply
  10. Melanie

    ist schon toll, wenn man nicht weiß, um welche ereignisse und erlebnisse es geht, aufgrund eines blogeintrags darauf zu schließen, man selbst als heteromutter werde diskriminiert. ich war mit kind, als heteromutti auf dem gendercamp und habe es in keinster weise als kinderfeindlich erlebt.
    „Und wenn ein Mann sich etwas zurückhaltend verhält, wenn es an die Aufteilung der Betreuung geht, weil er keinerlei Erfahrung und in dem Bereich wenig Selbstvertrauen hat (zumindest weniger, als in anderen Bereichen), dann ist es IMHO recht unwirsch, diesem dann Kackscheiße-Verhalten an den Kopf zu knallen.“ – hä? die anwesenden ‚weiblichen‘ personen hatten größtenteils genausowenig erfahrung im umgang mit kindern, das ein ‚mann‘ allerdings den anspruch an diese stellt, von ihnen was über kinderbetreuung beigebracht zu bekommen (was das ereignis war, auf das sich nadine bezieht, von ‚zurückhaltung‘ kann keine rede sein) ist – heteronormative, biologistische kackscheiße, auch wenns nicht ‚böse‘ gemeint war.
    und zum guten schluss: die eigenen abwehrreaktionen öfter mal überdenken. habe ich auch getan und tut gar nicht weh!

     
    Reply
  11. aufZehenspitzen

    Danke für diesen Artikel!! Ich bin auf medienelite.de zuerst (nachsichtig) bei dem Begriff „Reproduktionsarbeit“ und dann auch bei dem Satz rund um die Inszenierung der Hetero-Kleinfamilie hängen geblieben … Wie bitte soll ich mich denn sonst verhalten, wenn ich eben eine solche Hetero-Kleinfamilie bin? Und was genau heißt inszenieren? Ich verstecke mein Kind als künftig vor all denen, die keine Kinder haben? Und meinen Freund auch? Was passierte da am Gendercamp? Ich finde es furchtbar, dass dort (?) offenbar anstatt Grenzen zu überwinden oder hybrid „begehbar“ zu machen, nur neue gezogen wurden (Eltern vs. nicht-Eltern) bzw. neue Dichotomien geschaffen wurden …

     
    Reply
  12. Helga

    (Ich antworte jetzt mal neu, sonst wird das oben unlesbar.)

    Auch in Lantzschis Text steht nicht „Inszenierungen sind scheiße“ – sondern es wird darauf hingewiesen, dass es Inszenierungen gibt, dass Identitäten konstruiert werden. Und dass mensch sich dessen bewußt sein sollte. Das Perfide an Privilegien ist ja qua Definition, dass die Priviligierten sie nicht sehen.

    Um das noch mal etwas anders aufzuziehen. „Darf ich jetzt nicht mehr über meinen Freund/meine Freundin reden?“ habe ich jetzt schon öfter gehört, wenn Heteroprivilegien angesprochen werden. Klar ist blöd, wenn einer/einem gesagt wird, das Zurschaustellen von Heterosexualität sei verletzend. Das heißt ja nicht, dass mensch ein schlechter Mensch ist, sondern ein Baustein des Systems ist, dass Homosexualität diskriminiert. Im Fernsehen sind (Bi- und) Homosexuelle unterrepräsentiert, sie dürfen ihre Partner_innen nicht heiraten, in vielen Gegenden immer noch nicht offen Händchen halten und knutschen ohne Sprüche oder Schläge zu riskieren. Und jedes Heteropärchen das genau das tut, erinnert an die eigene Diskriminierung.

    Auf die eigenen Privilegien hingewiesen werden tut weh. Aber nur dann. Und morgen kann mensch wieder priviligiert weiterleben.

     
    Reply
    1. Katrin

      jetzt klingt es so, als seien Privilegien und Inszenierungen eins. ist sicher nicht so gemeint…

      also: Auf Privilegien hinweisen, für Awareness streiten, Diskriminierungen bekämpfen – hey: we’re on one side!

      Aber ich sprach doch oben von etwas ganz anderem: Es geht mir so, dass ich diese Art des Urteilens, den Ton und das weglassen der – äh, wie nennt man das – Unprivilegierung (??) von Eltern mit so Sätzen wie „Mich nervt es, wenn Menschen mit Kindern sich als HeteroKleinfamilie inszenieren müssen vor anderen.“ – für ein Problem halte. ich schrieb ja ganz bewusst auch diesen kursiven Text oben, um mal zu zeigen dass die Wahrnehmung „ich bin komplett diskriminiert und deswegen zurecht genervt von euch NUR Privilegierten (überspitze das mal, sorry, so ist aber die Botschaft) die nie nachdenken“ einseitig ist und – siehe Schluss – echt verletzend. da kann ich noch so sehr DIR zustimmen, Helga. Aber das ändert nichts am ursprünglichen Text und ich habe eigentlich nicht das Gefühl, dass ich da so viel hineininterpretiere, was da nicht ist. Das ist da nämlich einfach alles.

       
      Reply
  13. Melanie

    also, ich will es nochmal so formulieren: als diese ganze ‚kinder auf dem gendercamp, wen sie stören und wen nicht und warum“ aufkam, war meine erste reaktion auch: „die ganze zeit bin ich damit beschäftigt, niemanden mit meinem kind zu stören, meinen arbeitgeber nicht, meinen – kinderlosen – freund_innen nicht, meine karriere muss hinten anstehen und die partnerschaft übersteht diese blöde situation auch nur mit viel liebe und nachsicht. und jetzt soll ich auch noch dafür verantwortlich sein, dass manchen menschen DAS untersagt wird?!?“ – und hätte das wlan dort besser funktioniert, hätte ich das vielleicht sogar gebloggt. ABER das ist äpfel mit birnen vergleichen! es ist eine sache, dass die politik keine kinderbetreuung regelt, oder dass die arbeitswelt kinderfeindlich ist. EINVERSTANDEN, d’accord – erlebe ich ja jeden tag: eltern – solidarisiert euch und tut was dagegen. was anderes ist es, dass politik und gesellschaft sich einmischen/entscheiden wer überhaupt ‚eltern‘ sein darf! und dann heisst es: solidarisiert euch auch mit menschen, die gerne eltern wären, die es aber nicht sein dürfen! SO habe ich nadine und die diskussion beim gendercamp verstanden. nachdem ich meinen eigenen frust mal hinten angestellt habe.

     
    Reply
    1. Katrin

      ich kann dir nur wie helga antworten: Was du sagst und wie du es sagst ist für mich konsensfähig. total! und das schreibst du ja auch alles in deinem artikel. Aber bei Nadine Lantzsch herrscht ein komplett anderer Duktus. Und ich habe das jetzt wieder und wieder und wieder gelesen – es ändert sich für mich absolut nicht. großes *seufz*

       
      Reply
      1. m.

        sei mir nicht bös, aber wenn dir zwei menschen erklären, wie der blogpost gemeint ist und du dem allem zustimmen kannst, dann ist es vielleicht doch was persönliches.

        um ehrlich zu sein, ich habe deinen kommentar gelesen und mich die ganze zeit gefragt, wo jetzt der widerspruch zwischen dem, was du schreibst und dem, was auf medienelite steht, sein soll. ich seh ihn nicht.

        ich seh nur, dass du die hälfte zu überlesen scheinst und auf die ungünstigst mögliche weise interpretierst.

         
        Reply
  14. Heutemalnamenlos

    Konsequenz dieser ganzen Debatte für mich: Ich habe noch einen Raum weniger, in dem ich offen darüber sprechen kann, als wie belastend ich meine Mutterschaft häufig empfinde, um wie viel mehr mich alle Zuschreibungen rund um mein Kind/meine Mutterschaft verletzen als das jemals in Bezug auf meine Hautfarbe, mein Geschlecht, meine Herkunft etc. möglich wäre. Wie unglaublich ambivalent meine Gefühle für dieses Kind sind, das meinen Körper, meine Sexualität, meine Beziehung, meine Karriere mehr beeinflusst und oft genug schwer beschädigt hat, als jede andere Entscheidung in meinem Leben.
    Mein Kind ist ein Privileg, erfahre ich, und fühle mich dabei wie damals, als mir eine, die nie im Krankenhaus war, sagte, eine lebensbedrohende Krankheit überstanden zu haben, sei doch ein Wahnsinnsgeschenk, für das ich dankbar sein sollte. Nicht, dass das Privileg „Mutter sein“ in irgendeiner Statistik tatsächlich als Privileg auftaucht. Es ist ein Privileg in den Augen derer, die nicht Mutter sind, aber es gerne wären. Das verstehe ich. Aber ich beneide im Gegenzug, die, die keine Kinder haben und nie welche wollten. Weil ich gerne mein Leben als Kinderlose wieder hätte. Und nein, es ist keine Möglichkeit, meine Mutterschaft wieder rückabzuwickeln. Aus der Sicht des Kindes nicht, aus meiner nicht. Denn natürlich gibt es auch gute Momente – in welchem Leben gibt es die nicht.

    Mutterschaft ist eben nicht eine heterosexuelle Liebesbeziehung, die man zur Schau stellen kann oder auch nicht. Kein Kleiderstil oder eine Frage des Make-ups.
    Für Mütter gibt es zwei Möglichkeiten: Man nimmt den Nachwuchs mit und dann entscheidet das Kind, wie viel Aufmerksamkeit es benötigt, wie „muttihaft“ man rüberkommt, wer sich noch darum kümmern darf.
    Oder man lässt es bleiben, um sich und andere nicht mit dem Kind zu triggern.

    Mein Eindruck ist, dass es viel mehr Frauen gibt, die sich für Weg zwei entscheiden (v.a. Berufstätige). Und in der Konsequenz auf Grund der Zeitkonflikte nur alle Jubeljahre zu solchen Treffen gehen.
    In Folge dessen landen dann vielleicht wirklich nur die privilegiertesten Mütter überhaupt auf dem Gender Camp. Ob sich daran was ändern lässt?

     
    Reply
    1. Helga

      Mutterschaft und Heterofamilie sind doch zwei Punkte, die sich zwar überschneiden, aber nicht deckungsgleich sind. In dieser Debatte ging es um letzteres.

      Feministische Räume sind bisher die einzigen, in denen ich Beiträge gelesen habe, die sich kritisch mit Mutterschaft auseinandersetzen. Und das idealisierte Bild von Mutterschaft auseinandernehmen.

      Die Debatte, dass Heterofamilien gegenüber anderen Familienformen priviligiert werden, schließt eine Debatte um Mutterschaft doch nicht aus. Im Gegenteil, es wird hier deutlich, dass bestimmte Ideale nur eine Möglichkeit und vor allem Ideale sind.

       
      Reply
      1. Heutemalnamenlos

        Aber es wird doch ganz klar gesagt: Kinder triggern. Es wird sogar erklärt, warum (eigene Kindheitserfahrungen, ungewollte Kinderlosigkeit).

        Und dann werden „Kinder“ gleichgesetzt mit „gesellschaftlich privilegierten Heterofamilien“. Da beginnt dann ja erst der Privilegierungsdiskurs.

        Natürlich sind Heterofamilien privilegiert. Und ich kann verstehen, dass eine durch Heteropaare (mit Kindern) getriggert wird. Aber dann schreibt man doch keine Rant gegen Kinder und ihre betreuenden Personen, die nicht genug darauf achten, dass diese Kinder Erwachsene triggern?!

        Und welche Frau kriegt denn Kinder wegen der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen? Verantwortung für Kinder zu übernehmen ist genausowenig per se heteronormativ wie eine Beziehung zu haben. Dass es für eine Frau, die ungeschützten Sex mit Männern hat, leichter ist, schwanger zu werden, ist doch keine Folge von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern biologisch.

        Und, nein, als heterosexuelle Mutter bin ich nicht bereit, meine Beziehung zu meinem Kind immer gleich im „Hetenprivilegien“-Rahmen zu diskutieren und auch bewerten zu lassen.
        Mich verbindet im Zweifel mit einer lesbischen oder bisexuellen Mutter nämlich mehr als mit bestimmten kinderlosen privilegierten Frauen, egal ob sie schon vom Wort „Kind“ getriggert werden, weil sie selbst eins wollen und ich deshalb nicht mit ihnen über meine Ambivalenzen reden will/kann. Oder weil sie nie Kinder wollten und wie Kadda richtig schreibt, „selbst schuld“ denken/aussprechen.

        Ich finde, es werden Privilegierungsdiskurse vermischt und denen, die das so empfinden wird dann auch noch vorgehalten, wenn sie bloß mehr auf ihre Privilegierungen reflektieren würden, dann könnten sie damit auch ganz entspannt leben. Ich kann damit aber nicht entspannt leben, weil mein physisches Zusammensein mit Kindern nun nach dem Rabenmutterscheiß in meinem Alltagsleben auch noch ein „Privilegierten-Mimimi“ im feministischen Kontext bekommt.

        Dann bleib ich lieber zuhause.

         
        Reply
  15. Helga

    Es geht die ganze Zeit um die Inszenierung eines Privilegs. Um das Zurschaustellen des Privilegs, eine Heterofamilie gründen zu können. Darum, dass „unter die Nase reiben“ denen ohne diese Möglichkeit weh tut.

    Nirgendwo stand „gründet keine Heterofamilien mehr“, nirgendwo stand „Familien haben keine Probleme“. Über die Probleme von (Hetero-)Familien reden wir immerhin in Deutschland (auch wenn das nicht unbedingt Verbesserungen nach sich zieht). Aber erst gestern hat die Familienministerin(!) wieder einmal deutlich gemacht, dass die Diskriminierung anderer Familienformen halt so ist.

    Und damit sind wir wieder bei Privilegiendiskursen (und ein solcher liegt hier vor). Jemand zeigt ein Privileg auf und zieht damit die Abwehrhaltung der Priviligierten auf sich, weil diese ja auch Probleme haben.

     
    Reply
    1. nutellaberliner

      Warum zum Geier sollen Homosexuelle ihre Beziehungen inszenieren dürfen (finde ich gut!), Heterosexuelle aber nicht?
      Natürlich, mich als Single macht es auch nicht glücklich knutschende Menschen zu sehen – aber das ist MEIN Problem und nicht das der Pärchen welchen Genders auch immer. Mein „Unglück“ wird um nichts geringer, wenn ich keine sich inszenierenden Pärchen mehr sehe.
      Es mindert auch die Probleme der Homosexuellen um überhaupt nichts, wenn man Heterosexuellen genau das antut, was die Homosexuellen anprangern. Die Welt wird dadurch nicht besser, sondern schlechter.
      Kämpfen wir zusammen gegen Diskriminierung und nicht für die Diskriminierung bisher Privilegierter.

       
      Reply
    2. Christian

      @Helga

      „Nirgendwo stand „gründet keine Heterofamilien mehr“, nirgendwo stand „Familien haben keine Probleme““

      Was sind denn nun die konkreten Maßnahmen, die eine heterosexuelle Familie ergreifen muss, damit sie kein „Privileg aufzeigt“?

      Nicht glücklich sein? 3 Meter Abstand voneinander?

      Was soll denn der konstruktive Ansatz sein?

      Muss man nicht irgendwann einfach mal dazu kommen, dass normal glückliches Verhalten kein Zuschaustellen eines Privilegs ist, sondern schlicht das Funktionieren einer Beziehung und das nicht als Angriff zu sehen, sondern als etwas, mit dem sich dann die nichtprivilegierte Minderheit abfinden muss?

       
      Reply
    3. Heiliger Bimbam

      „Darum, dass „unter die Nase reiben“ denen ohne diese Möglichkeit weh tut.“

      Unter die Nase reiben ist eine rein subjektive Wahrnehmung. Wie soll man darauf eingehen?
      Wenn die Einen es vll. begrüßen würden, dass die Kinder nicht mitgebracht werden, empfinden Andere das möglicherweise als Sonderbehandlung und möchten gerade nicht, dass Menschen explizit „Schonhaltungen“ einnehmen, weil sie sich damit in eine Betroffenenecke geschoben sehen. Wenn ich mir vorstelle, meine Anwesenheit würde Leute dazu veranlassen, bestimmte Themen und Verhaltenweisen zu vermeiden, wäre für mich sehr diskriminierend. Man würde mich nicht „normal“ behandeln und mir mein Anderssein unter die Nase reiben. Der Tatbestand, dass in der Situation jemand sich als anders empfindet, bleibt in jedem Falle bestehen.

      „Jemand zeigt ein Privileg auf und zieht damit die Abwehrhaltung der Priviligierten auf sich, weil diese ja auch Probleme haben.“

      Das ist natürlich ein Totschlagargument. Damit wird es unmöglich, sich überhaupt gegen die Unterstellung eines Privilegs zu verteidigen und das Bestehen dieses Privilegs zu widerlegen.

       
      Reply
  16. Melanie

    ok, ich weiss nicht ob ich das so sagen kann, aber vielleicht hast du eine andere/vorbelastete beziehung/vorgeschichte mit nadine, denn ich konnte weder beim gendercamp, noch in ihrem blogeintrag eine kinder/elternfeindliche einstellung heraushören…

     
    Reply
    1. Katrin

      ja, habe ich. aber ich glaube, das habe ich im Griff. nein: ich bin mir da mittlerweile sehr sicher. das war mal anders. aber dass du wirklich denkst, dein und ihr text seien inhaltsgleich ist für mich eher ein weiteres symptom für das problem, das mir so sehr unter den nägeln brennt.

       
      Reply
  17. susanna

    Ich habe den Originaltext jetzt auch gelesen, und mich hat vor allem ein Satz stutzig gemacht, der bis jetzt noch nicht zitiert wurde:

    Sich mit Kindern unwohl fühlen, heißt daher nicht, Kinder abzulehnen, sondern kritisch auf den eigenen sozialen Status zu blicken. Viele entscheiden sich beispielsweise gegen “eigene” Kinder oder Erziehungsarbeit, weil sie die permanente Anrufung als Mutter satt haben, bei anderen löst die Anwesenheit von Kindern Wut, Trauer und Verletztheit aus. Auch die Reaktualisierung eigener Gewalterfahrungen in der Kindheit/Jugend ist durch die Anwesenheit von Kindern denkbar. Da Kinder all diese Erfahrungen, Erlebnisse und Gedanken von Erwachsenen zu Kindern weder komplett erfassen oder mitbedenken, geschweige denn darauf reagieren können, sehe ich hier vor allem Eltern/Erziehende/Bezugspersonen in der Pflicht dahingehend Sensibilität zu entwickeln.

    Eltern sollen dafür sensibel sein, dass die Anwesenheit ihrer Kinder für andere Menschen verletzend oder gar triggernd sein könnte. Und zwar geht es nicht um irgendeine Inszenierung , sondern um die schlichte Anwesenheit ihrer Kinder.

    Es ist eine Denkweise, die mir fremd ist. Ich kenne auch das Gefühl, dass mich der Anblick von Kindern verletzt, da er mich an meine Trauer über meine eigene Kinderlosigkeit erinnert. (Nicht weil ich lesbisch oder trans wäre, sondern weil es sich einfach nicht ergeben hat.) Dann bin ich eben eine Weile lang traurig, aber ich mache nicht die Eltern und ihre Kinder dafür verantwortlich und verlange nicht von ihnen, sensibel dafür zu sein, dass der Anblick ihrer Kinder mich traurig machen könnte.

    (Okay, es gibt natürlich Menschen, die ihre Elternschaft inszenieren. Zur Zeit bin ich besonders genervt von Müttern mit Kinderwagen, die zu viert nebeneinander gehen und nicht merken, wie sie den Weg versperren. Da könnten sie wirklich etwas sensibler sein.)

     
    Reply
    1. Heutemalnamenlos

      Für mich ist das (s.o.) genau der Punkt. Kinder triggern, so steht’s im Text von Lantzschi.
      Und wenn hier mehrere Mütter darauf hinweisen, dass Mutterschaft für sie etwas sehr Ambivalentes ist, z.B. weil Kinder keine konsensualen Absprachen kennen, weil eine Schwangerschaft und Geburt auch kein konsensualer Akt ist und deshalb in Müttern auch genau die gleichen körperlichen und psychischen Verletzungen und Traumata auslösen kann wie nicht-konsensueller Sex und dass es dann einfach unglaublich verletzend ist, wenn die schiere Existenz dieser Kinder, mit denen man selber schon genug hadert, als Problem für andere und Privileg der Mutter dargestellt wird – dann könnten da ja vielleicht ein paar derjenigen, die behaupten, so sei der Text aber nun auf gar keinen Fall gemeint, da ja auch mal drüber nachdenken.

       
      Reply
  18. Ja, ich

    Ja, wie soll man auch mit solch Inszenierung der Diskriminierungsempfindung umgehen. Wenn es sich dabei mal nicht um ein zutiefst perfides Dominanzgehabe handelt …

     
    Reply
    1. susanna

      Ich bin am Überlegen, ob „passiv-aggressiv“ der richtige Ausdruck für dieses Verhalten ist, aber ich kenne mich mit diesen psychologischen Begriffen nicht gut genug aus.

       
      Reply
      1. nutellaberliner

        Ich würd Lantzschis Argumentation ja einfach nur bigott nennen.
        Sie will sich gegen Diskriminierung wehren, auf sie aufmerksam machen (gut!) und gleichzeitig will sie andere diskriminieren und ihnen absolut unschädliche Verhaltensweisen verbieten. Nur weil diese ihr ihre eigene Diskriminierung *durch andere* vor Augen führen.
        Wenn das der Maßstab für unser gesellschaftliches Zusammenleben wird, dann haben wir aber eine lustige Gesellschaft.

         
        Reply
  19. aufZehenspitzen

    …. ich finde es sehr schwierig, alle Gedanken, die ich zu der Diskussion hier habe, auf einen Punkt zu bringen. In den Posts von @Heutemalnamenlos und @Nutellaberliner ist Vieles meiner Gefühle zusammengefasst. Ich finde es aber schade, dass es nur mehr darum gehen soll, wer das größere Opfer ist (Wenn schon, dann sind es in dem Zusammenhang vermutlich die – sprachlosen – Kinder, die nur durch ihre bloße Anwesenheit zumindest ein ungutes Gefühl vermitteln). Ich habe bislang tatsächlich noch nicht darüber nachgedacht, dass sich Menschen durch mich und „meine“ „Heterofamilie“ verletzt fühlen können. Einfach deshalb, weil ich mich weder als Heterofamilie fühle, noch dies mein angestrebter Lebensentwurf ist/war. Allerdings kommt’s unterm Strich wohl darauf raus: eine Frau, ein Mann, ein Kind. So sein zu können ist ein Privileg. Ja. Sollte es aber nicht darum gehen, dass alle dieses Privileg (im selbstdefinierten Sinn) genießen können und nicht darum, es anderen abzusprechen? Der „Feind“ (ich kann’s nicht anders ausdrücken) sind doch die, die diese Strukturen und Machtverhältnisse schaffen und nicht die, die darin leben (oder zurechtkommen)!

     
    Reply
    1. susanna

      Mein Eindruck ist nicht, dass es @heutemalnamenlosoder @nutellaberliner darum geht, sich als die größeren Opfer darzustellen (trotz ihrer Behauptung, N.L, würde versuchen, sie zu diskriminieren.) Ich glaube, es geht viel mehr darum, die Verantwortung dafür zurückzuweisen, dass sich jemand beim Anblick der eigenen Kinder schlecht fühlt.

      Ich glaube, wenn sich jemand allein schon durch den Anblick oder die Anwesenheit einer Person schlecht fühlt, ist das für die Person, die dieses schlechte Gefühl auslöst, sehr schrecklich (jetzt mal abgesehen von Fällen, in denen es eine Vorgeschichte gibt, wo die Person, die das schlechte Gefühl auslöst, die andere Person sehr verletzt hat.) Ich finde es wichtig, dass man in einem solchen Fall nicht „sensibel“ für das schlechte Gefühl der anderen ist, sondern im Gegenteil die Verantwortung für dieses Gefühl zurückweist und es an die Person, die sich schlecht fühlt, zurückgibt. Sie soll sich an die wenden, die für ihre Diskriminierung verantwortlich sind, und nicht dritte verantwortlich machen.

      Besonders schrecklich ist es natürlich für Kinder, wenn sie zu spüren bekommen, dass ihre Anwesenheit für andere Menschen schrecklich ist. N.L. anerkennt ebenfalls, dass die Kinder dies nicht mitbekommen sollen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob dies möglich ist.

       
      Reply
  20. Name (notwendig)

    Katrin: Die Tatsache, dass Evo-Christian, das Nadine-Stalk-Blog und Mela sich mit Dir solidarisieren (fehlt eigentlich nur noch Malte Welding, aber das kommt bestimmt noch), zeigt m.E., dass Du das Problem von der falschen Seite her betrachtest.
    Ein häufiger Denkfehler in Bezug auf Privilegien ist m.M.n., dass Privilegierte oft glauben, ihr Privileg würde ihnen abgesprochen, während es in Wirklichkeit nur sichtbar gemacht wird – und das i.d.R. ohne jegliche Konsequenz für die privilegierten Personen. Gerade bei so sensiblen Themen wie Mutterschaft wirkt das natürlich triggernd. Trotzdem müssen wir über diese Dinge doch halbwegs vorurteilsfrei sprechen können. Auch wenn es schmerzhaft ist.

     
    Reply
    1. Heiliger Bimbam

      Vielleicht ist aber auch nur diese „Privilegientheorie“ Unfug. Wie man hier sieht, führt sie dazu, dass nur noch das eigene Befinden ausschlagebend ist für die vermeintlichen Privilegien Anderer. Die Privilegien kann man denen, die einen an die eigenen Unzulänglichkeiten (wichtig hier: Unzulänglichkeiten haben alle!) erinnern, andichten und sich damit in eine moralisch überlegene Position begeben. Jemand mit dünnem Haar kann die „Privilegien“ der mit üppigem Schopf ausgestatteten „sichtbar machen“ und von denen verlangen, ihre Behaarung nicht zu inszenieren, um nicht getriggert zu werden durch volles Haar!?! „critical hairyness“?

      Das ist absurd. Es wird Zeit, diese „Privilegientheorie“ als das zu erkennen, was sie ist.

       
      Reply
      1. name (notwendig)

        Die reductio ad absurdum ist eine unlautere rhetorische Strategie. Merkwürdigerweise behaupten in der Mehrzahl der Fälle nur die Privilegierten, dass das Sichtbarmachen ihrer Privilegien durch andere aus einer moralisch überlegenen Position heraus geschehe. Ich halte das für eine Abwehrstrategie.

         
        Reply
        1. Christian

          Eine Reductio ad absurdum ist eigentlich nicht mehr erforderlich, wenn Kinder triggern.
          Es ist bereitst absurd.
          Wie kommt man eigentlich durch die Welt, wenn einen Kinder triggern?

           
          Reply
          1. m.

            ja. es gibt menschen, die werden an unschöne erlebnisse erinnert, wenn sie kinder sehen. denn dann sehen sie da sich als kind und erinnern sich an ihren missbrauch. das gibt es. das steht auch so auf der medienelite. und das ist nur ein beispiel von mehreren.
            absurd ist es in der tat, so etwas zu ignorieren und ins lächerliche zu ziehen.

             
        2. Katja

          Wo werden Mütter privilegiert? Wo? Im Job? Beim Einkommen? Im Gesundheitswesen? Sind sie häufiger in Machtpositionen zu finden? Genießen sie ein besonderes Recht der Selbstdarstellung und/oder Selbstzuschreibung von Attributen? Wird ihnen eine besondere kinderunabhängige Infrastruktur zur Verfügung gestellt? Gibt es automatische Kompetenzzuschreibungen, die in der Allokation von Ressourcen münden? Gibt es eine besondere Solidarität unter Müttern? Von Vätern mit Müttern?

          Statistiken, Studien, belastbare Hinweise anyone?

           
          Reply
          1. m.

            ah, da haben wir es ja schon! du redest die ganze zeit von „mutter“! es geht aber um „heterokleinfamilien und deren inszenierung“.
            :) kein problem, kann jedem mal passieren.

             
          2. Katja

            Ach, das ist ja praktisch. Jetzt machen wir Mütter in Heterokleinfamilien unsichtbar und dann müssen wir uns auch nicht mehr mit den unterschiedlichen Privilegien innerhalb dieser angeblich monolithischen Einheit beschäftigen.

            Es mag Dir neu sein, aber es gibt Dinge rund um Elternschaft, die sind geschlechtsspezifisch und wundersamer Weise beeinflussen sie auch die Identität der Elternteile.

            Und keine gesellschaftliche Entwicklung dieser Welt (außer außerkörperlicher Schwangerschaft) wird an diesen biologischen Fakten etwas ändern.
            Aber kein Problem, kann jeder mal passieren ;-)

             
          3. m.

            ja genau, immer schön weiter unterstellen und aufpassen, dass du aus versehen nicht mal was unterstellst, was in dem text tatsächlich steht!

             
          4. Katrin

            ich finde, dass im Grunde die verschiedenen Standpunkte mittlerweile breit genug ausgeleuchtet sind.

            natürlich ist die Debatte auch emotional aufgeladen – denn die Integrität von beiden genannten Betroffenen Seiten wird potentiell angegriffen. aber in Wahrheit sitzen wir alle nur zu Hause und lesen Texte. und sind ziemlich sicher. es ist hier eine Debatte – die in meiner Intention! – verhindern soll, dass Menschen an gemeinsamen Orten neue Ausgrenzungen für andere schaffen (was offenbar unbewusst geschieht), weil sie in der Gesellschaft ausgrenzungen erfahren (was ihnen hier so weit ich sehen kann wirklich NIEMAND abgestritten hat. ALLE nehmen dies wahr und nahezu alle sind sich docheinig, dass es dazu eine Debatte geben muss [und ich habe bis hierhin auch jeden einzelnen Kommentar gelesen]).

            vom daher fände ich es einfach jetzt sinnvoll, entweder zu sagen: ok – das was etwa der A.S. ja nochmal sehr sehr sachlich ausgeführt hat, kann ich als Ergebnis der Diskussion annehmen und verstehen. oder man bleibt anderer Meinung. das ist ja auch ok.

            lest auch bitte nochmal meine netiquette.

             
        3. Heiliger Bimbam

          Das ist keine reductio ad absurdum. Es ist absurd. Und zwar nicht, dass L. sich unwohl fühlte, oder dass sie als Homosexuelle diskriminiert wird, sondern ihre Schlussfolgerung daraus ist absurd.

          „Merkwürdigerweise behaupten in der Mehrzahl der Fälle nur die Privilegierten, dass das Sichtbarmachen ihrer Privilegien durch andere aus einer moralisch überlegenen Position heraus geschehe.“

          Dieses ist ein Zirkelschluss.

          „Ich halte das für eine Abwehrstrategie.“

          Und das ist ein Totschlagargument.

          Vermutlich würdest du jedes Gegenargument als Abwehrstrategie diffamieren.

          Wer oder was legitimiert dich eigentlich, Menschen ihr Recht abzusprechen, sich gegen unlautere Vorwürfe zu verwahren?

           
          Reply
        4. Itsme

          Also: eine reductio ad absurdum ist ein indirekter Beweis für die Falschheit einer bestimmten Aussage, in welchem man nachweist, dass aus einer Behauptung andere Behauptungen folgen, von denen man weiß, dass sie falsch sind. Und es sollte klar sein, dass diejenigen, die von falschen Aussagen betroffen sind, sich am meisten für eine solche reductio interessieren werden. Es handelt sich also mitnichten um eine rhetorische Strategie, sondern um ein logisches Argument. Ich solidarisiere mich daher mit denen, die von der absurden „Privilegientheorie“ betroffen sind. Soldarität mit den Betroffenen!

          Wesentlich ist nämlich folgendes: Wenn eine bestimmte Aussage tatsächlich in einen Widerspruch führt, so folgt aus der Menge der Aussagen, die diese Aussage und alle ihre Folgerungen enthält, jede beliebige Aussage sowie auch deren Negation. Das nennt man: Ex contradictione sequitur quodlibet oder auch logische Explosion. Politisch gewendet bedeutet das: Wer nicht gegen die logische Absurdität kämpft, der macht sich zum Vordenker einer absoluten Willkürherrschaft. Denn wenn jemand, der absurde Thesen aufrecht erhält gerade auf Grund dieser absurden Thesen zu politischer Macht kommt und man gerade auf Grund der Absurdität diese Macht auch noch für legitim hält, dann ist dieser Person alles erlaubt und sie wird für jeden Befehl als auch dessen Gegenteil immer Gehorsam finden. Klingt aus meiner Sicht sehr problematisch.

           
          Reply
      2. Heiliger Bimbam

        „absurd ist es in der tat, so etwas zu ignorieren und ins lächerliche zu ziehen.“

        m., es gibt probleme, die sind in einem sinne privatangelegenheit, als dass man nicht von der gesamten umwelt besondere rücksicht verlangen kann. oder anders gesagt, wenn jemand die anwesenheit von kindern (oder kleinfamilien) nicht aushält, dann haben nicht die kinder oder kleinfamilien den kontakt zu meiden, sondern der oder die betroffene muss selbst meiden, was ihn oder sie triggert.

         
        Reply
  21. Kirsten

    Ich lese aus N. Lantzschs Text auch Aggressivität und verstehe deshalb deine Betroffenheit. Als Kinderlose möchte ich hiermit meine Solidarität mit dir ausdrücken. Der Text von Glücklich Scheitern zeigt dagegen gut, wie die gesellschaftliche Problematik konstruktiv angesprochen werden kann, wenn Menschen „der Elternstatus, das Recht auf Familie“ abgesprochen wird. Die Suggestion, Eltern würden Kinder & Paarbeziehung durch ihre schiere Existenz zur Inszenierung und Performance benutzen und damit irgendwie absichtlich diskriminieren, geht gar nicht.

     
    Reply
  22. Katrin

    gestern, beim Schreiben des Textes, war ich zum einen davon getrieben, dass ich nicht anders konnte, weil ich wirklich zutiefst das Gefühl hatte, diese Kritik sei einfach wichtig und nötig und zum anderen hatte ich Angst vor bestimmten Reaktionen und auch davor, dass ich selbst vielleicht einfach „mit der falschen Brille“, wie ich auch auf Twitter schrieb, darauf blickte. Ich war ehrlich zutiefst verunsichert und wirklich auch offen dafür, im Zweifel das Gegenteil aufgezeigt zu bekommen von dem, was da oben steht. Ich kann Helgas und Melanies Argumentation nachvollziehen – aber sie sind nicht die Argumentation von Nadine Lantzsch, sie lassen dort gesagte Dinge in meinen Augen einfach großzügig weg.

    Ich schreibe jetzt hier den 39. Kommentar, ich habe Mails erhalten und DMs auf twitter und ich sage ganz klar: Kein Wort aus meinem Text da oben, kein Stück von meiner Haltung werde ich ab jetzt noch irgendwie relativieren! Es ist weder „meine Brille!, noch irgendein persönliches Problem mit meiner ehemaligen Mädchenmannschafts-Kollegin, das mich dazu antrieb, das zu schreiben, sondern einfach nur die Notwendigkeit, dass hier Diskurskritik geübt wird.

    @m. und @Name (notwendig): eure Argumentation ist angesichts der anderen Kommentare hier blanker Hohn. Geht’s vielleicht auch inhaltlich – oder könnt ihr nur in Schubladen denken?

     
    Reply
    1. name (notwendig)

      Entschuldigung, ich möchte keine_n verhöhnen. Ich finde es einfach krass, dass Du duldest, wie Nadine hier von einigen übel beleidigt, verspottet und verleumdet wird. Und dass es Dich nicht stört, welche_r so Deine Argumente aufgreift. Das hat mit Inhalten ja gar nichts mehr zu tun. Die Diskussion ist doch längst bei den (Wert-)Urteilen angekommen.

       
      Reply
      1. Katrin

        „change it or change your attitude towards it“

        ich habe keinen Einfluss darauf, wer meine Argumente wie benutzt – ich kann es nicht ändern.

        ich arbeite schon sehr lange politisch (zehn Jahre) und habe gelernt, meine Zeit nicht mehr damit zu vergeuden, mich von Dingen zu distanzieren, die ich weder gesagt, noch unterstützt habe. DU hast mich in eine Reihe mit den genannten gestellt – ich mache mich nicht mit ihnen gemein.

        wenn das außerdem eine Anspielung auf meine Moderationspolitik sein sollte: Die diskutiere ich genausowenig, wie das in anderen Blogs der Fall ist. Punkt.

         
        Reply
        1. name (notwendig)

          Nein, ich möchte nicht Deine Moderationspolitik diskutieren. Ich möchte daran erinnern, dass bereits einige Blogs auf Nadine losgegangen sind, und ich hätte von einem feministischen Blog zumindest erwartet, dass ad hominem Argumentationen wenn nicht unterbunden, dann doch wenigstens kritisiert werden.
          Gutes politisch Arbeiten heißt für mich auch immer, mich klar zu positionieren. Wenn ich nach allen Seiten offen bin, dann muss ich dafür auch Verantwortung übernehmen.

           
          Reply
          1. Sebastian

            Wenn jemand Bullshit schreibt, dann muss er/sie auch Kritik einstecken können.

            Das werden insbesondere Frauen noch lernen müssen, wenn sie weiterhin ernstgenommen werden wollen.

            Bisher hatten Frauen eine Art Schonzeit, konnten Blödsinn schreiben ohne Widerspruch, aber die läuft langsam ab.

             
          2. Itsme

            @Sebastian

            Der Begriff „Schonzeit“ entstammt der Jägersprache. Und wie wir beide wissen kritisiert der Jäger nicht das Wild, sondern erschießt es. Ich denke, es ist außerordentlich wichtig Unsinn scharf und direkt zu kritisieren, besonders wo er politisch ist. Und feministische Diskurse sind leider oftmals geradezu eine Brutstätte für Unsinn. Aber deswegen sollte man doch eine etwas sensiblere Sprache wählen und seine Opponenten nicht mit Wild vergleichen. Es kann nicht darum gehen, dass die anderen sich nicht mehr äußern, sondern man muss klar darlegen, warum der Inhalt einer Äußerung falsch ist. Und zwar so, dass es denen, die nüchtern denken können, einsichtig wird.

             
    2. m.

      nein. ich kann lesen. und ich sehe eigentlich nicht, warum ich dir den text von der medienelite erklären soll, wozu denn, du hast ja grad wieder deutlich gemacht, dass du deine meinung nicht ändern willst, das bedeutet, es würde mich viel arbeit kosten das ganze aufzudröseln und am ende steht nur, dass du wieder einen patzigen kommentar schreiben wirst, dass du bei deiner meinung bleiben wirst. das ist einfach deutlich erkennbar. du möchtest nicht diskutieren, du möchtest, dass alle deine meinung übernehmen.

      du warst nicht dabei. allein, dass du den text auf der medienelite meinst aus dem gendercampkontext lösen zu können finde ich schon fragwürdig, aber du beurteilst die situation, um die es da geht auch und kommst dir dabei nicht mal komisch vor. erstaunlich.

      dann stehen in dem text noch viele andere gesichtspunkte, z.b. der, dass dort kinder ganz klar als gesellschaftliche aufgabe betrachtet werden, aber das scheint an dir vorbei zu gehen. du reißt das, was dir nicht passt, aus dem zusammenhang und bastelst hier einen „duktus“, der für eine anti-hetero-mutter-haltung stehen soll, alles selbstverständlich nur rein netzfeministisches interesse und überhaupt nichts persönliches. dein duktus-kommentar beweist das gegenteil.

      da es sich anscheinend um eine lesbe handelt: vielleicht tröstet dich das, wenn sie mal mutter ist, dann hat sie alle probleme, die heterosex. mütter haben, auch! plus noch viele andere zusätzliche, weil sie lesbisch ist. und jetzt hat sie das problem, dass sie gegenüber heterosexuellen frauen benachteiligt ist. strukturell. und so etwas vorgelebt zu bekommen kann weh tun. und das darf dann auch geäußert werden.

      auf der medienelite steht niemand namentlich. das weiß nur ein ganz kleiner kreis, wer da konkret gemeint sein könnte. den beteiligten bleibt die möglichkeit, sich selbst zu wort zu melden, anonym oder unter klarnamen oder auch nicht, so ist es dann zwar für alle mit zugang zum netz lesbar, aber die personen stehen nicht am pranger, ungewollt. das nenne ich einen respektvollen umgang und dichte da nicht eine bodenlose frechheit gegenüber den „adressierten“ hinein, wie du das tust. wieder maßt du dir ein urteil über etwas an, was du nicht beurteilen kannst. du warst nicht dabei.

      und für deine selektive wahnehmung spricht auch, dass du nur wieder die hälfte der kommentare hier liest, die andere hälfte, die lustigerweise auch grad diejenigen sind, die auf dem gendercamp waren und deshalb nicht irgendwas interpretieren und deuten müssen, sonder aus erster hand sagen können, wie es war, die ignorierst du.

       
      Reply
  23. Hila

    Schade, ich finde, da vertut sich was. Habe erst gedacht: Oweia, auch als ich Sammelmappes Verlinkung angeguckt habe, aber der Text von medienelite startet ja mit „Reproduktionsarbeit“ und von daher muss dann das ganze Topic auch mal anders gedacht werden. Insofern auch zu allem rund um Inszenierung und Co.: Da bin ich bei Helga. Wenn ich z.B. sage, etwas ist sozial konstruiert, dann ist das per se auch erstmal keine Abwertung.
    Und Katrin, „alle erstmal gleich behandeln“, ja, natürlich, aber das ist doch nur auf der Mikroebene reflektierter Menschen möglich, gerade auch wenn die Strukturen anders sind. Und da muss man ganz klar sagen, und das meine ich nicht abwertend: Da liegt strukturell auch eine Bevorzugung der heterosexuellen Kleinfamilie die sich der Reproduktionsarbeit im klassischen Sinne verschrieben hat (muss?) vor. Und das eben auch nicht immer zugunsten dieser! (Siehe Kinderbetreuung und Co.). Ich meine, dass sind doch auch soziologisch verhandelte Topics (Foucault), ich frage mich, warum das als diskriminierender Diskurs ausgelegt wird.

     
    Reply
    1. nutellaberliner

      Weil aus der zunächst richtigen Analyse der Schluss gezogen wird, die Kinder und Heteropärchen mögen der lieben Lantzschi doch von den Augen wegbleiben.
      Sie fordert in der Konsequenz heterosexuelle Eltern zu diskriminieren, weil sie sich von Dritten diskriminiert fühlt. Wofür am wenigsten die Eltern was können.
      Ich frage mich, wieso DAS KEINEN Aufschrei herovrruft.

       
      Reply
      1. Hila

        „Sie fordert in der Konsequenz heterosexuelle Eltern zu diskriminieren, weil sie sich von Dritten diskriminiert fühlt.“

        Nö.

         
        Reply
        1. nutellaberliner

          Doch. Die Konsequenz von „ich fühle mich durch den Anblick von Kindern immer an meine Diskriminierung erinnert etc“ kann doch nur sein: kein Anblick von Kindern für Lantzschi.
          Wenn sie aber keine Kinder sehen will, sich dabei aber nicht einschränken will (auch das wäre wieder: Diskriminierung), ist die logisch zwingende Konsequenz: die Kinder müssen wegbleiben. Und damit auch die Eltern, die aus mannigfaltigen Gründen nur mit Kind kommen können. Diese Eltern werden dann diskriminiert. Und warum? Weil Lantzschi der Anblick von Leuten, die anders sind als sie, nicht passt.
          Darauf läuft es im Kern hinaus.

           
          Reply
        2. mh

          doch genau das tut sie.

          frau L. diskriminiert menschen, die einfach so sind wie sie sind.

          wenn kinder da sind, geben sie den takt vor. das kann man nicht wissen, wenn man keine praktischen erfahrungen mit kindern hat.. aber es ist so. die erwachsenen ordnen sich diesem tempo unter.. sie haben wenig spielraum, wenn sie keine gewalt anwenden wollen.

          allein da beginnt aber schon der inszenierungsvorwurf. und das ist perfide, es ist menschenhass.. weil hinter jeder ecke die diskriminierung des eigenen ichs vermutet wird.

          und dann wird die eigene publizistische macht, die es in diesem internet gibt, einfach dazu benutzt auf mütter drauf zu schlagen. väter sind in diesem fall scheinbar nicht be- und getroffen.

          und wie asozial ist es denn bitte, dass wenn ein mensch sich unsicher fühlt… und darum bittet dass ihm zeit gibt und er sich dinge aneignen kann (den umgang mit kindern)… man ihn niedermacht er würde irgendwelche rollenvorgaben erfüllen.

          das ist asozial, weil es a) die schutzbedürftigkeit des kindes komplett ignoriert, die der betreffende aber erfüllen wollte und b) weil es einen gewollten lernprozess, der zu veränderungen führt, einfach abbindet.

          in diesen punkten wird offensichtlich, dass es eben nicht darum geht, menschen mitzunehmen und einen prozess in gang zu setzen… sondern darum, vorgaben von oben zu machen, wie dinge zu laufen die dann jeder auch befolgen muss, sondern wird er erniedrigt, niedergemacht und bestenfalls noch ausgeschlossen.

          es ist sozialdarwinismus, wenn kinder daheim bleiben sollen und eltern, die sich einen babysitter ggf. nicht leisten können, dann gleich mit daheim bleiben müssen… weil sich jemand durch die reine anwesenheit von kindern getriggert fühlt.

          das ist in so vielerlei hinsicht absurd.

          aber richtig geil wird es, wenn man sich vor augen führt, dass eine schutztruppe für die einhaltung diverser verhaltensregeln zu sorgen hat. gab es da eine staffelführerin?

          was ihr betreibt, könnt ihr sehr gut in dem buch „die welle“ nachlesen.. ich selbt kenne das aus der DDR und den vorgaben an das verhalten von menschen und auch bereits kindern. wer weiter zurückgeht, wird auch da noch fündig werden.

          und da passt es doch gut ins bild, dass viele menschen einfach angst haben sich zustimmend zu äußern, um nicht isoliert zu werden oder einen shitstorm zu ernten.

          was hier abgeht, ist einfach nur kranker scheiss… ihr seid eine sekte.

          mfg
          mh

           
          Reply
  24. Hila

    „Dass gerade unter diesem Aspekt, Kinder als “problematisch für andere” von einigen Erziehenden konstruiert wurden, empfand ich als Unverschämtheit. Die eigentlichen Konflikte wurden auf die Kinder übertragen, Kinder wurden instrumentalisiert zur Konfliktumkehrung und Verschiebung von eigener Verantwortlichkeit.“
    Also, je mehr ich hier in den Kommentaren lese, umso mehr muss ich sagen: Nadine, Nagel, Kopf.

     
    Reply
    1. Katrin

      „Verschiebung von eigener Verantwortlichkeit“
      Wenn das so Nagel – Kopf ist, wie du sagst, dann möchte ich bitte noch einmal die Erläuterung, welche Verantwortlichkeit jetzt verschoben wird? Wofür sind diese Eltern verantwortlich?

       
      Reply
  25. A.S.

    Wenn öffentliche Heteronormativität (ob inszeniert oder nicht) und/oder die Anwesenheit von Kindern Unwohlsein auslöst, wenn Kinder als Trigger für das Wiedererleben von Kindheitstraumata oder für Trauer über die eigene Kinderlosigkeit wahrgenommen werden, dann ist das zunächst eine Diskussion über Safe Spaces.

    Es steckt erst einmal weder eine allgemeine Ablehnung heteronormativer Lebensweisen, noch eine Ablehnung von oder gar Feindlichkeit gegenüber Kindern hinter den hier so kontrovers diskutierten Aussagen, sondern lediglich der Wunsch nach einem sozialen Raum, in dem die eigene Lebensweise nicht marginalisiert oder sogar bedroht wird.

    Und dieser Wunsch nach solchen Räumen ist legitim, daran gibt es nichts zu diskutieren.

    Durchaus diskutieren können und müssen wir aber wohl zwei mit diesem Wunsch zusammenhängende Punkte. Erstens, die Frage, wann und wo solche sicheren Räume geschaffen werden können, ohne dass dadurch andere Menschen marginalisiert oder in ihrer Lebensweise bedroht werden; zweitens die Frage, ob wir alle Bedrohungen solcher sicheren Räume auf die gleiche Weise behandeln dürfen.

    Zum ersten Punkt: Es muss allen Menschen erlaubt sein, sich sichere Räume zu definieren und diese müssen respektiert werden. Wenn Menschen, für die heteronormatives (oder als heteronormativ wahrgenommenes) Verhalten oder die Gegenwart von Kindern eine Diskriminierung darstellt, für sich einen sicheren Raum schaffen und sich dorthin zurückziehen, dann haben sich potenziell heteronormativ handelnden Menschen dort herauszuhalten und — auch wenn es den Kindern gegenüber ungerecht erscheinen mag — ihre Kinder von dort fernzuhalten.

    Die Frage ist hier nur, ob das Gendercamp — das auch ich nur aus der Ferne wahrnehmen konnte — ein solcher sicherer Raum hätte sein sollen oder können. Meine erste Reaktion wäre, dass das nicht der Fall ist, denn es würde eben bedeutet, dass ganze Menschengruppen allein wegen ihrer Existenz ausgeschlossen worden wären. So lassen sich dann aber genau die Themen, um die es auch gehen sollte, nicht mehr auf einer breiten gesellschaftlichen Ebene diskutieren. Öffentliche Treffen sehr verschiedener Menschen können nie für alle und vollständig sichere Räume sein. Stattdessen wäre es vielleicht sinnvoll oder notwendig gewesen, stärker darauf zu achten, dass innerhalb der Veranstaltung ausreichend Möglichkeiten für das Schaffen von, und den Rückzug in, solche sicheren Räume vorhanden sind.

    Zum zweiten Punkt: Selbst dort, wo nicht für alle ein sicherer Raum geschaffen werden kann, sollten natürlich alle daran mitarbeiten, dass in der Öffentlichkeit die größtmögliche Sicherheit für alle besteht. Und hier müssen wir vielleicht unterscheiden zwischen vermeidbaren und unvermeidbaren Bedrohungen und die Verantwortlichkeiten für den Umgang mit diesen Bedrohungen unterschiedlich verteilen.

    Offen zur Schau getragene Heteronormativität (eigentlich jede offen zur Schau getragene Normativität) im *Verhalten* erwachsener Menschen ist durchaus etwas, wofür diese Menschen Verantwortung übernehmen können. Das bedeutet ja nicht, dass sie jede Art von Verhalten einstellen, sondern, dass sie sich mit einer stark erhöhten Sensibilität selbst beobachten und sich dort zurücknehmen, wo es eben geht (und wo das ist, müssen sie am Ende natürlich für sich selbst entscheiden, aber dann auch mit der Reaktion der anderen leben).

    Die Anwesenheit von Kindern und die Konsequenzen, die diese Anwesenheit hat, sind dagegen etwas, für das weder die Eltern, noch gar deren Kinder selbst verantwortlich sein dürfen. Wer Kinder hat (egal in welcher Konstellation), *verhält* sich nicht als Elternteil, sondern *ist* Elternteil. Das Elternsein ist ein integraler Bestandteil der eigenen Identität, und ein Angriff auf diese Identität stellt eine Diskriminierung dar, die ebensowenig zu rechtfertigen ist, wie jede andere Diskriminierung. Das gilt auch für die Kinder: sie *sind* einfach, und müssen sich für ihre Existenz nicht rechtfertigen. Das bedeutet nicht, dass damit die negativen Empfindungen wegdiskutiert wären, die die Anwesenheit von Eltern und Kindern auslösen kann, aber es bedeutet, dass in diesem Fall diejenigen, die diese negativen Empfindungen haben, selbst die Verantwortung (natürlich nicht die „Schuld“) tragen.

     
    Reply
    1. Katrin

      ich bin sehr dankbar für diesen sehr differenzierten Kommentar, der in meinem Empfinden noch einmal sachlich alles genau zusammenfasst.

       
      Reply
      1. Katja

        Tausend Dank für diesen Kommentar.

        Ich glaube übrigens, dass gerade Eltern oft genug ein riesiges Bedürfnis nach kinderfreien Räumen haben.
        Aus diesem Beitrag lassen sich doch recht konkrete Handlungsfelder für zukünftige Zusammenkünfte ableiten.

         
        Reply
  26. Christian Schmidt

    @A.S.
    „Offen zur Schau getragene Heteronormativität (eigentlich jede offen zur Schau getragene Normativität) im *Verhalten* erwachsener Menschen ist durchaus etwas, wofür diese Menschen Verantwortung übernehmen können. Das bedeutet ja nicht, dass sie jede Art von Verhalten einstellen, sondern, dass sie sich mit einer stark erhöhten Sensibilität selbst beobachten und sich dort zurücknehmen, wo es eben geht“

    Ich soll mich in meiner Heterosexualität zurücknehmen? Mit welchem Recht wird das denn bitte gefordert?

    Mein Ansatz wäre: Jeder soll seine sexuelle Ausrichtung leben, wie es ihn glücklich macht (in den normalen sozialen Rahmen) und der andere hat das dann bitte zu akzeptieren. Es muss vollkommen egal sein, ob es sich dabei um heterosexuelles Verhalten handelt oder um homosexuelles.

    Ein „nein schatz, wir können uns nicht küssen/nicht Händchenhalten/ nicht mit unseren Kindern spazierengehen, wir könnten zu heteronormativ wirken“ ist nicht feinfühlige Rücksichtnahme, sondern der Beginn einer Gedankenpolizei / überzogener Gesellschaftsregeln.

    Es soll ja gerade liberaler werden – dann aber nicht dadurch, dass man die Einschränkungen auf die andere Seite verlagert

    Mit einigen Sachen muss man leben können.

    ich stimme „heiliger Bimbam zu:

    „Vielleicht ist aber auch nur diese “Privilegientheorie” Unfug. Wie man hier sieht, führt sie dazu, dass nur noch das eigene Befinden ausschlagebend ist für die vermeintlichen Privilegien Anderer.“

    Normales Beziehungsverhalten einzuschränken, weil jemand nicht mit meiner sexuellen Ausrichtung zurechtkommt? Das ist doch genau das, von dem man wegkommen möchte.

    Die Privilegientheorie braucht – wenn man sie nicht besser ganz aufgibt – ein korrektiv, ein stell dich nicht so an und komm damit klar.

    Bei triggernden Kindern ist das bereits deutlich überschritten.

     
    Reply
    1. Katja

      Natürlich gibt es heteronormatives Verhalten, das total ätzend ist, auch im Zusammenhang mit Familie. Dieser Bilderorgie, die sich alle meine männlichen Chefs gut sichtbar auf dem Schreibtisch platzieren, z.B. Der Kollege, der einem ständig ungefragt Familienfotos unter die Nase hält. Diese total übergriffige Frage „Wann kriegen Sie denn mal Kinder / Wann kriegen Sie denn Ihr zweites, drittes, xtes Kind?“. Eltern, die ständig betonen müssen, dass Kinder ja total wichtig für den Erhalt der Gesellschaft sind. Eltern, die ihren Kindern völlig ungeniert sexistische Verhaltensregeln mit auf den Weg geben („Du nimmst natürlich den blauen Hut, Du bist ja hier der einzige Junge!“, „Gib den Bagger doch dem Kleinen, Du hast ja Deine Puppe dabei, Süße.“
      A.S. hat doch recht: Alle haben ein Recht auf Safe Spaces, es muss nur vorher für alle klar sein, wo der wann beginnt (und das Ziel ist natürlich, dass jeder Ort der Welt zu jedem Zeitpunkt für eine maximal große und diverse Gruppe ein Safe Space ist!) . Und so wenig wie ich vor meinem Vater rumknutsche, der mit meiner Sexualität nicht konfrontiert werden will (und das zu recht, denn ich möchte mit seiner ja auch nicht konfrontiert sein), so kann (und muss) ich mir natürlich überlegen, ob das jeweilige Setting der richtige Rahmen für (Hetero)Sex ist. Oder – wie A.S. auch völlig richtig beschreibt – die Konsequenzen tragen.

       
      Reply
      1. Christian Schmidt

        „Natürlich gibt es heteronormatives Verhalten, das total ätzend ist“

        Da würde ich schlicht unterscheiden, zwischen Verhalten, welches aus der eigenen heterosexualität kommt, wie etwa, dass man mit seiner Partnerin zusammen ist, ein Kind hat, ein Foto seiner Partnerin an die wand hängt und Verhalten, welches ein fremdes Verhalten direkt wertet oder erzwingen will.
        Ersteres ist meiner Ansicht nach vollkommen okay. Zweiteres kann störend sein und wenn es dies ist, dann sollte man sich dagegen aussprechen.
        Selbst als heterosexueller wird man im übrigen genervt, wann man denn Kinder bekommt, meine Eltern hätten zB sehr gerne Enkel.
        Bei 2-4% Homosexuellen erscheint mir das auch ein verzeihlicher Irrtum. Genauso übrigens wie es sehr weibliche heterosexuelle Männer/sehr männliche heterosexuelle Frauen gibt, denen zunächst Homosexualität unterstellt wird.

         
        Reply
  27. Lowkey

    Übrigens performen wir nicht unsere Kinder, unsere Kinder performen uns und das ist verdammt noch mal das tolle an der Sache.

     
    Reply
  28. profin

    Seit gestern spiele ich mit dem Satz. Immerhin dafür bin ich der Medienelite dankbar. Es gab nettes Denkfutter.

    “Mich nervt es, wenn schwule Paare sich als supercool inszenieren müssen vor anderen.”

    “Mich nervt es, wenn Frauen sich als Opfer inszenieren müssen vor anderen.”

    “Mich nervt es, wenn Lesbenpärchen sich als butch-dyke inszenieren müssen vor anderen.”

    “Mich nervt es, wenn Frischverliebte sich als völlig gesext inszenieren müssen vor anderen.”

    “Mich nervt es, wenn Menschen mit Kindern sich als HeteroKleinfamilie inszenieren müssen vor anderen.”

    Die Formulierung ist es, die eine Zumutung ist. Da werde ich für eine meiner Zuschreibungen (in dem Fall „Mensch mit Kind“) in Sippenhaftung genommen für eine Inszenierung „HeteroKleinfamilie“ die ich nur begrenzt steuern kann. (Genau, miete mir eine Lesbe und lasse meinen ebenfalls themeninteressierten Partner zuhause).

    Die Formulierung empfinde ich als klassisch passiv-aggressiv. Als vereinnahmend, angreifend, und gleichzeitig fein so formuliert dass jeder Versuch, sich gegen den Satz zu verwehren, gecountert werden kann mit „du respektierst mich nicht“.

    Und ja, ich bleibe dabei. Wenn mein Verhalten solchen Unterstellungen unterworfen wird wie von N.L. – dann hab ich da nix verloren. Dann wärs verschwendete LEbenszeit für mich. Das ist allerdings etwas o/t und sagt mehr darüber aus, wofür ich mir Zeit nehme, als alles andere.

     
    Reply
    1. m.

      und es ist natürlich so, dass heterokleinfamilien wegen ihres heterosein diskriminiert werden. also in rechtlicher hinsicht sind sie ja den homosexuellen familien nicht völlig gleich gestellt. auch frischverliebte heterosexuelle werden ja dauernd aus lokalen geschmissen, wenn sie sich so gesext verhalten, passiert schwulen nie. du hast das alles durchschaut, weiter so!

       
      Reply
      1. profin

        Spar es dir bitte, mir zu unterstellen, ich sei mir der Existenz von Disktriminierungs- und Dominanzmustern nicht bewusst.

        Ich habe mich dazu im Beitrag bewusst nicht verhalten. Ich habe mich mit der Rahmen-Aussage und dem damit verbundenen Mechanismus beschäftigt.

         
        Reply
  29. Helga

    Leider hatte und habe ich keine Zeit mehr, mich mit allen Punkten auseinander zu setzen. Außerdem werden immer mehr Dinge in den Medienelite-Text hineinprojiziert, die dort einfach nicht stehen.

    Dort steht nirgendwo, alle Mütter seien priviligiert. Dort steht nirgendwo, Familien hätten keine Probleme. Dort steht nirgendwo, dass Kinder immer zu Haus bleiben müssen, weil sie Menschen triggern könnten. Oder dass Mütter zu Haus bleiben müssen oder Familien.

    Was da steht:

    Kinder sollten öfter an politischen Veranstaltungen teilnehmen. Ja ehrlich, mehr Kinder in der Öffentlichkeit, das steht da.

    Wir müssen uns alle mehr Gedanken darüber machen, wie mit Kindern umzugehen ist. Und dass Betreuungsarbeit nicht immer nur an Eltern hängen bleibt. Ja, auch das steht da.

    Dass Kinder als eigenständige Menschen wahrzunehmen sind.

    Und es ist ein Aufruf, einmal nachzudenken, wenn Menschen sich mit Kindern nicht wohl fühlen, woran das liegen kann. Eben nicht an pauschaler Kinderfeindlichkeit, sondern z.B. an der Unmöglichkeit, selbst eine Familie zu gründen. Leider illustrieren hier viele Kommentare nur, wie die schlechteste Reaktion darauf funktioniert: Abwehrverhalten.

    Nicht zuletzt aufgrund der Verlinkung auf glücklich scheitern plädiere ich dafür, die beiden Texte immer zusammen zu denken. Als die zwei Seiten einer Diskussion. Das Hinweisen auf erfahrene Diskriminierung bei Medienelite und das Erkennen und kritische Betrachten von Privilegien bei glücklich scheitern.

     
    Reply
    1. Katrin

      ich weiß, das ist jetzt dein letzter Beitrag. und ich kann auch verstehen, dass du nicht mehr diskutieren willst (ich eigentlich auch nicht). ich möchte einfach zwei dinge klarstellen: ich schreibe ja selbst „Der Text war zuerst auch für mich recht unproblematisch. “ – und das impliziert ja all die von dir genannten punkte. und dass ambivalente gefühle entstehen, weil man selber keine kinder haben kann – gott! – darüber müssen wir doch ernsthaft gar nicht diskutieren, darum geht es doch null.
      und weil wenn ich etwas sage die Sache vermeintlich klar scheint, weil ich uneinsichtig bin, oder weil ich bösartig dinge irgendwo hineininterpretiere bleibe ich wieder bei A. S. Schluss:

      „Das bedeutet nicht, dass damit die negativen Empfindungen wegdiskutiert wären, die die Anwesenheit von Eltern und Kindern auslösen kann, aber es bedeutet, dass in diesem Fall diejenigen, die diese negativen Empfindungen haben, selbst die Verantwortung (natürlich nicht die „Schuld“) tragen.“ – vielleicht gelingt es ja IHM, irgendwo mal durchzudringen. und dass diese Verantwortung in Nadine Lantzschs Text auf die Eltern geschoben wird steht dort Schwarz auf weiß und gipfelt dann in ihrem Satz der Inszenierung der „HeteroKleinfamilie“.

      Meiner Ratlosigkeit in der Kommunikation mit dir und anderen hier kann ich inzwischen nur noch begegnen, indem ich akzeptiere, dass wir hier halt nicht zusammenkommen. Aber ich habe einen Wunsch – ganz in echt, und ganz von Herzen: Lasst uns aufhören in einem Modus zu diskutieren, der aus *Lücken* Gräben macht. Ich bin Feministin und wir haben früher einmal sehr produktiv zusammengearbeitet. Ich finde diese Gräben schrecklich und ich weiß: mit Nadine Lantzsch komme ich halt nicht mehr zusammen. Das ist für mich okay. Das habe ich akzeptiert. Aber ich würde gerne wieder mit allen anderen reden können, ohne dass ich das Gefühl habe, eine „Verräterin“ zu sein. Am besten sicherlich im Real Life.
      Meine winzig kleine Hoffnung ist, dass inhaltliche Differenzieren wie hier dann nicht mehr im Modus des Absoluten laufen müssten. dass man mit ihnen leben und sie aushalten kann.

       
      Reply
  30. R.

    Wenn auf einem Gendercamp über gender aus feministischer Perspektive geprochen werden können soll, dann ist es schon wichtig, sich die eigene Sprecherposition klarzumachen und die eigenen Erfahrungen bewusst zu machen, vielleicht gerade als Hetera oder Hetero. Einige sehen die Notwendigkeit, andere spielen oppression olympics beim ersten kleinen Anzeichen von Kritik. Und ja, das nervt.

    Und Henning ist Teil des Orga-, AFAIK nicht aber des Awareness-Teams.

     
    Reply
  31. palü

    was ich nicht verstehe, ist, das keine sowas schreibt wie: huch, darüber habe ich noch nie nachgedacht, eigentlich fühle ich mich jetzt [wieauchimmer], aber ich denk mal drüber nach, wie genau läuft denn so eine inszenierung an, die lantzsch kritisiert. viele kommentare sprechen ihr die berechtigung ab, sich zu recht unwohl gefuehlt zu haben.

    ich persönlich habe schon überlegt, ob ich mit meinen kindern kinderlose freunde traurig gemacht haben könnte – das hängt ja auch stark vom jeweiligen menschen ab. wie man ein zusammensein gestalten könnte mit kindern und kinderlosen, die beim anblick von kindern gemischte gefühle haben, das ist doch eigentlich die viel interessantere frage. vielleicht, indem man das kind als gespraechspartner zulaesst? das ist dann auch wieder sehr situationsabhängig. naja, vielleicht sollte ich das auch woanders diskutieren …?

     
    Reply
    1. Katrin

      „ich persönlich habe schon überlegt, ob ich mit meinen kindern kinderlose freunde traurig gemacht haben könnte“

      soll ich dir was sagen: Das habe ich auch. seit ich Kinder habe. immer wieder. am schlimmsten ist es, wenn du jemanden kennst, dessen einziges Kind gestorben ist…

      niemand spricht ihr die Berechtigung auf Unwohlsein ab. Was Kritisiert wird ist ihre *Anspruchshaltung* (und die ist btw eine Lebensfalle; aber das führt jetzt zu weit weg). Und mit dieser Überschreitet sie die Grenzen anderer Menschen. Was nicht okay ist.

       
      Reply
      1. palü

        „anspruchshaltung“ lese ich als bitte um ruecksichtnahme, aufforderung, sachen zu ueberdenken. und das finde ich pers. absolut gerechtfertigt.

        kadda, dein text kommt mit
        – ironisierung bereits im titel
        – mit deinem sprechen _ueber_ lantzschs text statt direkter ansprache (ich weiß, dass ihr nicht mehr miteinander könnt, ja)
        – mit verallgemeinerungen statt ich-botschaften (die l nämlich sehr differenziert bringt!)
        – unverständnis, das in ablehnung per ironie umgewandelt wird („versteh ich nicht“ – „macht mich sprachlos“ – ironisiertes szenario)

        _wesentlich_ aggressiver und grenzueberschreitender rueber. wo ist das problem, einfach mal l’s aufforderung ein paar tage lang zu durchdenken, unklare punkte zu benennen und nicht zu werten und vor dem schreiben genau zu ueberlegen, was und wie man schreibt?

         
        Reply
        1. Heiliger Bimbam

          „nicht zu werten“

          das ist bigott. du wertest auch. also wenn schon „nicht werten“, dann musst zunächst du dich an deine forderung halten.

           
          Reply
        2. Katrin

          es deckt sich nicht mit meiner selbstwahrnehmung, was du sagst, aber die könnte auch trügen. klar.
          ich benutze bewusst das stilmittel der überspitzung (was du mit ironisierung meinst) um meinen punkt deutlich zu machen. ja. wäre es kein text von nadine lantzsch, sondern schriebe ich über kristina schröder, gefiele es natürlich allen.
          blöder vergleich? nein. denn genauso wir bei schroeder_k stört mich auch hier eine ganz bestimmte haltung, ein weltbild und eine zuschreibung. das spitze ich zu – aber ich erfinde es nicht. ich finde auch nicht, dass ich überinterpretiere. und dass es mich erschüttert war ehrlich – und ich habe das gefühl, dass es nicht nur mich erschüttert.
          die sache mit den ich-botschaften ist ja immer sehr ehrenhaft – aber bei einem Politikum wohl eher schwierig. das kann man dann tatsächlich nur auf persönliche Konflikte anwenden. das aber – ich sage es nochmal – ist hier kein persönliches Ding.
          ich schätze dein Bemühen um mehr Verständnis sehr. aber schade, dass dabei irgendwo etwas verloren zu gehen scheint, was meine Intention und meinen Standpunkt dann als unzulässig zurücklässt. was ich wiederum dann so natürlich nicht annehmen kann. schade.

           
          Reply
    2. profin

      palü, ich hab mir darüber Gedanken macht, in verschiedenen Settings – sei es dass ich mit einem Mann und den Kindern als „heterosexuelle Kleinfamilie“ aufgetreten bin oder alleine mit Kind unterwegs war. Ich habe auch sehr konkrete Vorstellungen und Erfahrungen zu Menschen, die sich als heterosexuelle Kleinfamilie inszenieren.
      Daher spreche ich ihr nicht die BErechtigung ab, sich unwohl zu fühlen – auch mir sind Familien-Inszenierungen schon auf die Nerven gegangen.

      Nur: Im Text wird gesprungen von Anwesenheit von Kindern und dem Effekt aufs Gendercamp zu Inszenierung von heterosexuellen Kleinfamilien.

      Wäre es ein Text gewesen darüber wie und wo im Alltag heterosexuelle Kleinfamilien sich inszenieren, dann ist das anders als der Sprung von Kinderteilnahme/Kinderbetreuung zu dem schön allgemein gefassten an alle gerichteten Vorwurf.

       
      Reply
  32. Irene

    Dann gäbe es auch keinen Grund mehr, zwischen Rauchern/Nichtrauchern (…) unterscheiden zu müssen: Alles wäre Eins.

    Das sagt die Tabakindustrie schon seit Jahrzehnten: PR wirkt.

     
    Reply
  33. Pingback: Abwehr, Ego, “Antidiskriminierungsopferparty” « Metalust & Subdiskurse Reloaded

  34. Miriam

    In diesem Artikel
    http://www.akweb.de/ak_s/ak575/23.htm
    geht es zwar um ‚Critical Whiteness‘, aber da lässt sich vieles auf die Diskussion hier übertragen.

    „Kann das Engagement von Männern feministisch sein, wenn sie doch vom Geschlechterverhältnis profitieren? Dürfen sich Heterosexuelle für queere Rechte einsetzen, wenn sie doch vom Heterosexismus profitieren?“

     
    Reply
  35. Pingback: Danisch.de » Blog Archive » Bin ich jetzt ne Frau?

  36. Pingback: Radikalfeministische Kampflesbe mit Harmoniesucht » By Nele Tabler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.