Kinderbetreuung: Paradigmenwechsel bitte!

In dieser Woche war wieder einmal ich mit dem bloggen für unser FAZ-Blog „Wostkinder“ dran. Das war nicht einfach. Seit ein paar Wochen, oder Monaten dreht sich bei mir vieles um die Betreuung meiner Kinder. Die leider etwas … naja. Schlechter geworden ist. Ich möchte da jetzt gar nicht ins Detail gehen. Meine private Situation wird in Krisensitzungen und Elternabenden derzeit genügend besprochen. Aber ich bekomme das Thema seither nicht mehr aus dem Kopf.

Passender Weise sollte ich vor einigen Wochen einen Beitrag zum Thema Vorschulpolitik abliefern. Ein Thema, das mich ja selbst betrifft und bei dem ich wirklich stark meine Meinung geändert habe. Ja: Auch ich habe gejubelt, als Ursula von der Leyen den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz durchgesetzt hat. Aber ich frage mich mittlerweile, wie das eigentlich gehen soll, wenn eh schon Erzieher_innen-Mangel an der Tagesordnung ist. Dass wir nicht mehr meinen, „das Beste für das Kind ist die Mutter“ war ein wichtiger notwendiger Paradigmenwechsel. Aber der darf jetzt nicht alles sein, was uns zum Thema Kinderbetreuung einfällt.

Jesper Juul fragt in seinem aktuellen Essay, der beim BELTZ Verlag erschienen ist: „Wem gehören unsere Kinder?“ – dem Staat, den Eltern oder sich?

Sich natürlich! Aber das ist in vielen Kindertagesstätten und Krippen, in Schulen übrigens ebenso, nicht wirklich möglich. Sie sollen möglichst ganztags betreut sein und da spricht zunächst einmal gar nichts dagegen. Es muss aber ein weiterer Paradigmenwechsel hinzukommen und der lautet: „Krippenplätze für alle wären ja schön – aber bitte nur, wenn sie kindgerecht sind!“ Und darunter mag ja jede_r was anderes verstehen. Schon klar. Darüber sollten wir dann halt streiten. Ich denke, dass jetzt unbedingt und dringend über die Qualität gesprochen werden muss – der Aktionismus in Sachen Quantität ist bereits in voller Fahrt. Die Auswirkung des ersten Paradigmenwechsels ist, dass ich eigentlich nur noch Eltern kenne, die sagen „klar will ich einen Platz für mein Kind“ und wir alle in wahnsinniger und geradezu irrer Konkurrenz miteinander stehen. Aber wenn man mal schaut, was einem an Einrichtungen tatsächlich qualitativ und pädagogisch zusagt, dann muss man feststellen, dass man leider keine wirkliche Chance hat, da reinzukommen. Und das ist bitter.

Warum aber sind nicht längst alle Kitas so, wie es die tollen Kinderläden vormachen? Weil der Paradigmenwechsel in der Pädagogik ausgeblieben ist. In der Familienpolitik hat einer stattgefunden – aber der hat nicht die Kinder im Zentrum. Dem geht es um die Erwerbstätigkeit der Mütter.

Ach ja: Was das alles mit meiner Ost-West-Sozialisation zu tun hat, das kann gerne nebenan im FAZ-Blog nachgelesen werden. Und glaubt es mir: Ich finde es selbst frappierend, dass ich davon Abstand nehme, auf Kristina Schröder rumzuhacken ;)

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Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich!

Die Idee kommt in Gesprächen am Rande von verschiedenen Veranstaltungen rund um die übliche „Vereinbarkeitsfrage“ in letzter Zeit immer häufiger auf: Müsste nicht eigentlich die Arbeitszeit radikal verkürzt werden um wirklich zu erreichen, dass Männer und Frauen – und Kinder! – und überhaupt…?

Wir sprechen häufig über die 23 Prozent Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen – gerade auch an einem Tag wie dem 8. März. Wenn wir diese Lohnschere ansprechen, dann sind zwei Reaktionen mittlerweile absolut klassisch: 1. Ihr trefft halt die „falschen Entscheidungen“, ihr Frauen. Lernt die falschen Berufe, studiert die falschen Fächer. Selbst schuld!

und 2. ihr seid halt einfach zu faul, wer macht denn die ganzen Überstunden in diesem Land? Hmm? Wer reißt sich denn den Arsch auf? Genau – wir Männer!

Das sind Aussagen, die sich angeblich auf Fakten begründen. Und ja: Stimmt schon, dass klassische Frauenberufe schlechter bezahlt sind.

Aber warum eigentlich?

Und ja: Stimmt schon, dass man in Deutschland vor allem und manchmal nur dann Karriere machen kann, wenn man Überstunden macht und ständige Präsenz zeigt.

Aber warum eigentlich?

In einem offenen Brief fordern eine ganze Reihe von Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen nun erstmals laut, klar und deutlich eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden. Bei vollem Lohnausgleich. Und ihre Argumente lesen sich gar nicht schlecht:

Die Massenarbeitslosigkeit ist die Ursache des ruinösen Wettbewerbs unter den Beschäftigten und fördert die Entstehung des Niedriglohnsektors und solcher diskriminierenden Arbeitsformen wie Leiharbeit und Werkverträge ohne gewerkschaftliche Interessenvertretung. Daher ist dringend eine Verknappung von Arbeit auf die 30-Stunden-Woche notwendig. Die durchschnittliche Arbeitszeit in Deutschland beträgt gegenwärtig ohnehin schon ca. 30-Stunden je Woche, aber die Arbeit ist ungleich verteilt.

Ich finde dieses Anliegen unbedingt unterstützenswert. Allein schon rein egoistisch gedacht: Wie viele andere Menschen lebe ich allein und erziehe dabei Kinder. Im Gegensatz zu typischen Kleinfamilien werden meine Wohn- und Nebenkosten, Strom und Heizung, Internet und so weiter nicht durch zwei Menschen geteilt. Wir teilen uns zwar die Sorge um die Kinder – immerhin! – wir sind zusammenerziehend. Aber der Kostenfaktor ist enorm. Eine 40-Stunden-Woche ist in unserer Lage kaum denkbar. Und in dieser Konstellation ist es auch, dass ein größeres Armutsrisiko für all die Alleinerziehenden entsteht. Und wir werden ja nicht weniger, sondern mehr! Jede zweite deutsche Ehe wird heutzutage geschieden. Jedes vierte Kind wächst in einer Konstellation auf, die nicht der klassischen Kleinfamilie entspricht.

Es gibt also nicht nur gleichstellungspolitische Gründe, sich hinter eine solche Forderung zu stellen. Wie der Brief herausstreicht, sind es drängende soziale und ökonomische Probleme, die diese Forderung sinnvoll erscheinen lassen. Bislang sagen die meisten Menschen das noch leise, hinter vorgehaltener Hand mit diesem müsste eigentlich. Mit dieser klassischen Scheu vor revolutionären Forderungen. Denn genau das ist sie:

Eine revolutionäre Forderung.

Die Arbeitswelt trennt Menschen in Klassen und das entlang sozialer Herkunft, Geschlecht und Alter. Inklusion ist kaum möglich, denn die Anforderungen scheinen unaufhörlich zu steigen, Überarbeitung und Burnout werden „Normalität“ und die Konkurrenz schläft nicht! Ich hab darauf so keinen Bock mehr!

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Freundschaft und Internet

Heute morgen schrieb ich an dieser Stelle einen Text, der drei verschiedene Menschen, die mir in diesem Netz begegneten, kurz beschrieb. Dabei habe ich meine eigene Regel gebrochen: Ich habe vor der Veröffentlichung nicht noch einmal eine Nacht geschlafen. Eine Regel, die ich aus guten Gründen befolge. Mit dem Text habe ich einer der Personen vor den Kopf gestoßen. Deswegen habe ich den Text wieder offline genommen. Es war dumm von mir und falsch.

Worüber ich eigentlich schreiben wollte, als ich das „Phämomen Gertrud“ beschrieb, war die Schwierigkeit von Freundschaften in und neben dem Netz. Ich wollte einfach ein bisschen erzählen und nachgrübeln.

Von Freundschaften, die durch bestimmte Verhaltensweisen im Netz korrumpiert werden… Oder die deswegen enden. Weil mich das beschäftigt und mir auch ein bisschen Angst macht.

Aber im Moment bin ich vermutlich die Falsche, über dieses Thema zu schreiben. Ich hoffe einfach mal auf euch! und ich empfehle den Text von Kübra: EIN PLÄDOYER FÜR UNWISSENHEIT

 

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