Schirrmachers „Ego“

Bild: CC-BY-NC-SA 2.0 „Velvet“ von Jan Behre via Flickr.com

Nein, ich habe das Buch nicht gelesen, aber ich vertraue jemandem, der es gelesen hat und der vielleicht ein paar Dinge verstanden hat, die in der Diskussion darum dank medialer Verkürzung nicht zur Sprache kommen. Deshalb empfehle ich euch die Gedanken von mh120480, die er in seinem Blog veröffentlicht hat, kleiner Appetizer:

Schon Hannah Arendt wusste, dass Mathematik die absolute Verkürzung der Kommunikation ist und dem Menschen daher nicht gerecht werden kann. Die Verkürzung ist das zentrale Thema. Es geschieht etwas mit uns, wenn wir nur noch auf verkürzte Informationen reagieren. Wie krass „Ego“ das wird, kann jeder auf Twitter beobachten. Es kann auch jeder an der Diskussion über dieses Buch sehen. Da werden Dinge diskutiert die zwar drinnen stehen. Aber es sind nur die verkürzten Formen der Darstellung die Aufregung erzeugen. Die dem Buch nicht gerecht werden. Der „rechts-links-Konflikt“ u. Ä. Unsinnigkeiten. Es geht um Reflexe und Gewohnheiten, die beginnen unser Handeln zu bestimmen. Die uns zum „Ego“ machen.

Das Politische, die Egos, die absolute Transparenz (wer wissen will, was einem daran Angst machen kann, lese bitte Nabokovs „Einladung zur Enthauptung“), der Finanzmarkt und die Unkontrollierbarkeit der Hypes… es scheint sehr viel drinzustecken in „Ego“ und wie gut, dass ich einen habe, der mir dieses Buch auf den nicht enden wollenden Bücherstapel legen kann :)

Flattr this!

Geschlecht und die Responsibility to Protect: Analysen und Ansätze zur Berücksichtigung der Strukturkategie Gender in der internationalen Friedenssicherung.

Hausarbeit: Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Sozialwissenschaften, Lehrstuhl Theorie der Politik
Seminar: Humanitäre Militärische Intervention; Dozentin: Dr. Maja Bächler

Inhaltsverzeichnis

I.       Einleitung.
II.      Die Responsibility to Protect als neues Paradigma.
1.      Die Geschichte der Responsibility to Protect.
2.      Kritik an der R2P.
III.         Geschlechterperspektiven auf und für die R2P.
1.      Geschlecht als Strukturkategorie.
2.      Rollen und Stereotype in der R2P.
3.      Friedenssicherung als Care.
Zwischenfazit.
5.      Frieden durch Prävention.
IV.         Fazit.
Literatur.
Anhang.

I.                   Einleitung

Ende November im Jahr 2012 berichtete die BILD-Zeitung von Massenvergewaltigungen im Kongo[1]. Das ist insofern überraschend, als es nicht gerade zum Markenzeichen Deutschlands meistgelesener Zeitung gehören dürfte, sich zu Konflikten in Afrika zu Wort zu melden und dann auch noch ein spezifisches Problem der dortigen Frauen in den Fokus zu nehmen. Massenvergewaltigungen in bewaffneten Konflikten sind immer häufiger Gegenstand von Berichten in den Medien, es wird auf unzähligen Konferenzen über die Zunahme der Gewalt gegen Frauen debattiert und auch der Politphilosoph Herfried Münkler schrieb  in seinem Buch Die neuen Kriege: „Die gegen die Zivilbevölkerung ausgeübte Gewalt der neuen Kriege ist vor allem eine Gewalt gegen Frauen.“[2] Es ist eines der Kennzeichen der neuen Kriege, dass die Trennung von Kombattanten und Nonkombattanten aufgehoben ist[3]. Diese Aufhebung beschäftigte auch die internationalen Organisationen, namentlich die UN. So werden die Internally Displaced People, also die in ihren eigenen Staaten nicht mehr sicheren Menschen, der Auslöser für einen Report und der Auslöser für einen Paradigmenwechsel in der internationalen Friedens- und Sicherheitspolitik: Responsibility to Protect, Schutzverantwortung. Autor_innen verschiedener Publikationen und Artikel (von Münkler, über Bellamy, Butler, Tronto uvam.), sind sich einig, dass Interventionen zum Schutz von Menschenrechten und zur Beendigung von Bürgerkriegen der Ausdruck eines verantwortlichen Handelns seien. Verantwortlichen Handelns in einer Welt, in der die Art der Kriegsführung sich ebenso geändert hat, wie die Beziehung der Staaten untereinander.

Spätestens seit dem Ende des Kalten Krieges, so erklärt Joan Tronto, habe sich die Lage in der Welt entscheidend gewandelt: Die Staaten wüssten übereinander ziemlich gut Bescheid und bekämen davon mit, wenn einer von ihnen durch einen Konflikt oder einen Bürgerkrieg destabilisiert würde. Das führt zu einer neuen Konstellation: Wir haben uns durch unser Wissen nicht selten auch die Frage zu stellen, ob wir handeln, ob wir helfen können. Die Antwort auf diese Frage ist zudem in den meisten Fällen positiv zu beantworten: Es gibt durch die internationalen Organisationen Vereinte Nationen (UN) und NATO eine Infrastruktur, die bei der gegenseitigen Hilfe im Konfliktfall eingesetzt werden kann und es gibt in vielen Ländern der Welt Menschen, die dazu ausgebildet werden in solchen Konflikten zu helfen. Dies, so Tronto sind die beiden Bedingungen für Verantwortung: Man müsse wissen und man müsse eine Antwort geben können – handeln können. Im Falle der Schutzverantwortung, die häufig mit der Erfahrung des Genozids in Ruanda als Beispiel für Verantwortungslosigkeit der westlichen Mächte in Verbindung gebracht wird, ist es eine Pflicht geworden, für die Menschen auf der Welt, über deren Schicksal Bescheid gewusst wird, Verantwortung zu übernehmen. Tronto spricht hier von den Kapazitäten zu sehen und den Kapazitäten einzugreifen.

In der Welt, wie sie vor dem Ende des Kalten Krieges war, wussten die Staaten und Völker schon vieles übereinander, aber vieles war auch nicht bekannt, wurde verschleiert oder man musste den Informationen, die man bekam, misstrauen. Daran hat sich einiges geändert – wenngleich Medien und Bilder immer noch manipulative Wirkungen und Intentionen haben können. Doch die Manipulationen sind unterwanderbar. Reale Bilder strömen mit dem Handy aufgenommen durch das Internet in die ganze Welt. Blogger_innen setzen staatlich kontrollierter Berichterstattung eine andere Sicht auf die Dinge entgegen. Wir sehen mehr von unserer Welt, denn je. Wir sehen und wir bekommen mit diesem Sehen auch eine neue Art der Beziehung zueinander. Mit dieser neuen Beziehung, so die These, geht auch eine neue Forn der Verantwortung einher. Denn wir müssten nun aktiv wegsehen, wenn wir das gefährdete Leben an anderen Orten auf dieser Erde nicht sehen wöllten.

Die vorliegende Arbeit wird sich dem Phänomen dieser neuen Verantwortung widmen, die als Schutzverantwortung, im englischen Responsibility to Protect Einzug in die internationale Politik und die Ausrichtung der Friedens- und Sicherheitspolitik der Vereinten Nationen gehalten hat. Der besondere Fokus der Arbeit wird dabei auf der Rolle der Geschlechter-Perspektive liegen. In Rückgriff auf sowohl Autor_innen, die einerseits Expert_innen für die Internationale Politik, und die R2P im Besonderen sind, ergänzt durch die Perspektive feministischer Wissenschaftlerinnen und Autorinnen, soll der Frage nachgegangen werden, in wie weit die Schutzverantwortung in ihrer bisherigen Konzeptualisierung und Operationalisierung die weithin bekannte und mittlerweile auch über die Gender Studies hinaus anerkannte Strukturkategorie Geschlecht berücksichtigt. Ausgehend von der Analyse dieser Frage sollen Konzepte diskutiert werden, die Vorschläge zum Ausbau und zur eventuellen Verbesserung der Berücksichtigung der Strukturkategorie Geschlecht in der R2P und in den internationalen Friedensmissionen machen. Auf diesen Aspekten wird ein größeres Augenmerk liegen, dennoch soll zu Beginn zunächst eine kurze Einführung in die Entstehungsgeschichte der Schutzverantwortung, und auch eine Diskussion möglicher Kritik oder Legitimationsprobleme vorgenommen werden. Diese ist deswegen für die vorliegende Arbeit zentral, weil gerade aus feministischer Sicht der legitime Einsatz der humanitären Militärischen Intervention als Mittel der internationalen Politik stark angezweifelt wird und der Vorwurf, die Schutzverantwortung sei nichts anderes als ein „Wolf im Schafspelz“ schnell bei der Hand ist. Die vorliegende Arbeit macht es sich nicht zur Aufgabe, diesen Vorwurf zu bestärken oder zu entkräften. Nach einer kurzen und werturteilsfreien Betrachtung dieser Bedenken wird im weiteren Verlauf der Arbeit aus Gründen der Konzeptionalisierbarkeit von der Nullhypothese der prinzipiellen Möglichkeit einer legitimen humanitären Intervention ausgegangen. Welche Faktoren aus einer feministischen Perspektive und unter der Berücksichtigung der Strukturkategorie Geschlecht zu einer größeren Legitimation beitragen können – das ist die eigentliche und zentrale Frage dieser Arbeit. „Geschlecht und die Responsibility to Protect: Analysen und Ansätze zur Berücksichtigung der Strukturkategie Gender in der internationalen Friedenssicherung.“ weiterlesen

Flattr this!

Sexismus im Sozialismus?

Joachim Rieß: Internationales Jahr der Frauen 1975; Briefmarke in der DDR; via Wikimedia Commons.

In meinem aktuellen Beitrag im Wostkinder-Blog gehe ich der Frage nach, ob es in der DDR auch Alltagssexismus gab, welche Frauenbilder öffentlich waren und welche unter der Oberfläche lagen. Die Frage konnte ich nicht endgültig klären, aber es ist ein Aufschlag. Zitat:

Die Frau im Sozialismus
Die gesellschaftliche Stellung von Frauen war in der DDR wesentlich weniger von Unterordnung und Ausgeliefertsein geprägt, als in Westdeutschland. Ihre Gleichstellung war Teil eines nationalen Narrativs. Dabei wussten „Vater Staat“ und „Mutter Partei“ am besten, was Frauen brauchten, was für sie gut war und was sie wollen sollten. So waren Frauengruppen, die sich auch in der DDR in den 80ern zuerst und vor allem in den größeren Städten bildeten, etwas Unerwünschtes. Denn erstens war, so die einhellige Meinung in Politik und Medien, die Frau doch emanzipiert. Und zweitens ließ man sich ungern durch emanzipatorische Bewegungen aller Art aufzeigen, dass es Risse im sozialistischen Lack gab.“

Den ganzen Artikel gibt es auf FAZ.net/wostkinder. Ich freue mich, wenn ihr dort eure eigenen Geschichten und Erinnerungen teilt.

Flattr this!

Bitte gehen Sie jetzt, Frau Schavan.

Bild: CC-BY-NC-SA 2.0 Jan Behre via flickr

 

Liebe Annette Schavan,

ich bitte Sie, nach dem Entzug Ihres Doktortitels durch die Duesseldorfer Heinrich-Heine-Universitaet nun Ihren Ministerinnenposten zu raeumen. Seit Sie dieses Amt besetzen gibt es in Deutschland vor allem eines: Spitzenforschung, Wettbewerbe um Elite-Universitaets-Status, und fuer alles andere: freiwillige „Bildungsbuendnisse“, die bitteschoen durch Ehrenamtliche organisiert werden sollen.

Das Geld, das Ihr Ministerium verwaltete, wurde vor allem in die „Exzellenz“, wie zum Beispiel in die Stipenden gesteckt – namentlich in eine Erhoehung des Buechergeldes. Dieser Teil der Stipendien ist unabhaengig vom Einkommen der Eltern oder der Beziehenden. Es wird im Giesskannenprinzip an die Exzellenz ausgezahlt – eine weitere Erhoehung soll noch in diesem Jahr kommen. Auf der anderen Seite stehen darbende BAFoeG-Empfaengerinnen.

weiterlesen auf meinem Zweitblog diekadda.de

Flattr this!

And the Winner is… Buuu.ch!

Nach eingehender Prüfung aller eingegangenen Bewerbungen für meinen twitter-Account, habe ich eine Entscheidung treffen müssen. Sie war einerseits schwer und andererseits leicht.
Schwer, da eine solche Entscheidung immer eine Entscheidung gegen die anderen Möglichkeiten ist. Und ich möchte mich natürlich ausdrücklich bedanken, denn die anderen Projekte und Ideen waren allesamt sehr sympathisch und ich wünsche allen viel Erfolg! Aber es kann nur einen geben, denn es gibt ja nur einen twitter-Account!
Leicht ist es mir gefallen, denn die Gewinner_innen haben ein tolles Projekt, das ich unbedingt unterstützenswert finde:

Buuu.ch!

 

Buuu.ch! ist ein Gemeinschaftsblog von manubloggt, plastikstuhl und postpony und die drei besprechen Kinderbücher. Dabei ist ihnen eine explizit feministische Perspektive wichtig. So ganz nebenbei ist Buuu.ch! auch Erfinderin des berühmten Bechdel- Tests für Kinderbücher. Was ihr kennt den Bechdel-Test nicht?

Es ist ein Test, mit dem man herausfinden kann, ob Geschichten (z.B. in Filmen) einigermaßen starke und präsente Frauenrollen wiederspiegeln. Bei Buuu.ch!
und das erklären die drei so:

Wir stellen drei einfache Fragen:

1. Im Film [Buch] kommen mindestens zwei Frauen*/Mädchen* vor (, 2. die einen Namen haben)
3. die mit einander reden
4. über etwas anderes als einen Mann*/Jungen*

Bei meiner Erkundung des Projekts sind mir sofort drei Bücher aufgefallen, die ich nun unbedingt haben möchte. Und ich wünsche mir, dass das Projekt wächst :) und schreibt und schreibt und Verbreitung findet – also bitteschön: Hier sind sie, meine knapp 2.160 Qualitätsfollower.

Bild via Buuu.ch!

Liebe Follower

Ich wünsche euch mit Buuu.ch! eine gute Unterhaltung und hoffe, ihr bleibt ihnen treu.

Ich hatte vier schöne Jahre mit euch und bin sehr dankbar, dass ihr verfolgt habt, was ich so mache und schreibe. Viele von euch habe ich im echten Leben kennengelernt (und lasse ich nicht mehr weg!). Es ist nicht leicht, aber für mich persönlich aus verschiedenen Gründen notwendig, twitter zu verlassen. Wenn ich euch fehle, dann schaut doch mal App.net vorbei, dort heiße ich „dieKadda“, wie immer.

Flattr this!

Staatsbürgerkunde #SBK016 über Geschlechterrollen


Martin Fischer vom Podcast Staatsbürgerkunde hat mich eingeladen, mit ihm über Geschlechterrollen und Kindheiten in DDR und BRD zu sprechen. Es sind fast zwei Stunden daraus geworden. Auf geht’s zum anhören.

Bitte gerne in Martins Podcast-Blog mitdiskutieren und Erfahrungen teilen, das geht auch per Audio-Kommentar.

Der Staatsbürgerkunde Podcast ist auch jenseits dieser Folge mehr als empfehlenswert und ich höre ihn schon eine ganze Weile. Martin ist ebenfalls ein Wostkind und spricht (in der Regel mit seinen Eltern) über viele kleine und große Phänomene aus DDR-Alltag, DDR-Kultur und wie damals die Gesellschaft aufgebaut und strukturiert war. Im Sendungsarchiv könnt ihr alle bisherigen Themen auf einen Blick sehen und anhören.

Vielen Dank noch einmal an Martin für die Einladung und das offene und angenehme Gespräch. Wieder einmal hat das Podcasten sehr viel Spaß gemacht! <3

Flattr this!