Kindheit in Ost und West in Bildern

Oben zu sehen ist das rostige Karussell auf dem kleinen Spielplatz in unserer Straße. Wir sind 1984 dort hin gezogen, ich war nicht ganz zwei Jahre alt.

Unten zu sehen bin ich 1988 auf meinem ersten Fahrrad, das ich vom Kindergarten geerbt habe. Ich bin sehr glücklich und fahre viel damit die Straßen rauf und runter.

Oben zu sehen bin ich am Tag meiner Einschulung. Nur wenige Monate nachdem ich im lieblichen Taubertal angekommen war. 1989.

Unten bin ich bei meiner ersten Fastnachtsveranstalung in Igersheim zu sehen. Eine von sehr vielen Prinzessinnen. 1990.

Für das Wostkinder-Blog habe ich diese Geschichte versucht aufzuschreiben.

Flattr this!

Die innere Kritikerin zum Schweigen bringen

Vielleicht habt ihr schon mitbekommen, dass ich ein kleines Fangirl von Laura Lejeune bin. Laura hat einen Youtube-Kanal zum Thema Selbsthilfe bei Depressionen und Selbstverletzung.
Eines der ersten Videos, das ich von ihr fand, war „Silencing your inner critic“, das sie letzten Oktober aufgenommen hat. Ich war durch die Recherche zum Fall von Amanda Todd auf sie gestoßen.
Hier also das Video:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=HSI6YiJ0Rb0]

Sie sagt, sie wollte ein leichtes Video zur Verfügung stellen. Ich finde es nicht so wirklich leicht. Denn mir stellen sich bis heute einige Fragen – dennoch komme ich nicht umhin einzusehen, dass etwas anderes an vielen Stellen nicht hilft. Oder?

Wer ist die innere Kritikerin?

„Die innere Kritikerin ist die Stimme, die deine Zuversicht sabotiert. […] Es ist diese Stimme, die dir erzählt, was du falsch gemacht hast, was du hättest tun sollen, was du sein solltest. […] Schritt Nummer eins ist akzeptieren, dass die Stimme von dir kommt“

Es ist ein bisschen schwierig, diese Stimme so nach innen zu verlagern. Was mich zum Beispiel umtreibt, ist die Frage nach der Grenze. Wo beginnt dieses Innen und wo endet das Außen. In der Kürze des Videos wird diese Frage überhaupt nicht geklärt. Diese Stimme kommt schließlich oft genug von außen. Ziemlich viele, sehr konkrete äußere Stimmen wissen ziemlich oft, was man so alles falsch gemacht hat. Stimmen, die nach innen wandern können. Und bin ich dann wirklich selbst verantwortlich? Im Grunde ist das eine Sicht, die alle Verantwortung zu denjenigen schiebt, die leiden. „Nicht deine Eltern, nicht deine Bullies, nicht deine Freunde – du bist es!“ sagt Laura. Immer wieder blieb ich beim Betrachten des Videos daran hängen. Für mich eine der deprimierendsten Stellen. Denn wer die Stimmen nach innen wandern lässt, hätte ja gerne, dass sie von außen verstummen, etwas anderes sagen. Die Eltern, die Bullies, die Freunde.

In der Welt in der wir leben, die eine schlechte ist, führt leider kein Weg daran vorbei, diese Stimmen nicht mit nach innen zu nehmen. Das ist die bittere Erkenntnis. Welche Stimmen innen drin sind, das bestimmen wir selbst. Die da draußen, die liegen außerhalb unseres Einflussbereichs und die müssen wir im Zweifelsfall loslassen. Das schwierige daran ist der Balanceakt zwischen „ich lasse es los und höre nicht mehr hin“ und „ich nehme ernst, was andere sagen, denn das haben sie verdient“. Oder besser: Es ist wahnsinnig schwierig, zu entscheiden, wann man welche Reaktion wählen soll. Muss ich das ernstnehmen oder kann das weg? Über dieses Problem könnte ich mir ewig den Kopf zerbrechen (und werde ich vermutlich auch). Tendentiell jedoch, das weiß ich und deswegen finde ich dieses Video hilfreich, muss ich mit meiner konkreten Disposition, lernen, Dinge abzuschütteln und nicht so nah an mich ranzulassen. Abgrenzung.

Rituale des Verzeihens und des Loslassens

„Du kannst die Zeit nicht zurückdrehen. […]Du kannst nichts dagegen machen, du kannst es nicht mehr ändern.“

Hier denke ich: Nein. Zeit zurückdrehen natürlich nicht. Aber wenn ich an etwas zu knabbern habe, das in der Vergangenheit liegt – ist es dann wirklich sinnvoll, es einfach so ab zu tun?
Ich las vor einigen Wochen einen ähnlichen Tipp in meinem Entrümpelkalender. Der Kalender war nicht nur für meine Wohnung gedacht, sondern immer wieder gab er mir Tipps um Gedanken- und Gefühlsballast zu entrümpeln. Diese Idee scheint mir interessant. Zum Beispiel sollte ich, dem Kalender zufolge, Leuten verzeihen. Aufschreiben, wie sie mich verletzt oder wie sie mich wütend gemacht haben und in einem echten Ritual verzeihen. Mir kam das komisch vor. Aber ich habe es getan – ich habe aktiv verziehen. (Dummerweise hat das insofern nichts gebracht, als dass die Verletzung einfach wiederholt wurde… Aber warum nicht das Ritual zu gegebener Zeit auch wiederholen?). Aktives Verzeihen ist keine Hexenkunst, scheint es. Dennoch können die meisten Menschen das heute nicht mehr. Bringen wir es unseren Kindern eigentlich noch bei?
Der zweite Kalendertipp war, sich in einem ähnlichen Ritual seiner Stärken und seiner Schwächen bewusst zu werden und im Zusammenhang mit den Schwächen auszuloten, ob sie änderbar sind, ob man sie ändern will und wenn es nicht zu ändern ist: Sie loszulassen. Sich so sein lassen. Das eigene So-sein akzeptieren. Auch Laura empfiehlt, die negativen Gedanken über sich selbst aufzuschreiben und mit etwas Abstand, eine Woche oder mehr, darauf zurückzukommen, es zu lesen und zu schauen, ob es wirklich immer noch so dramatisch scheint. In der Hoffnung, dass es das dann nicht mehr tut.
Das heißt nicht, und kann nicht heißen, dass eine Geschichte aus der Vergangenheit einfach ausradiert wird. Gelöscht. Sie ist das. Sie ist ein Teil von uns. Vielleicht denken wir manchmal an sie und mit Sicherheit haben wir durch sie etwas gelernt.

Die innere Kritikerin – nicht nur die Böse

Im Großen und Ganzen hat Laura einen Punkt. Es liegt bei uns, wie wir mit unserer inneren Kritikerin umgehen. Aber sie zum schweigen bringen – in aller Radikalität – wird selten gelingen. Zudem scheint es mir nicht erstrebenswert. Ich mag meine innere Kritikerin auch ein bisschen. Sie erlaubt es mir, mich selbst in Frage zu stellen. Sie macht, dass meine Skepsis nicht vor mir selbst halt macht. Dass ich auch mich selbst skeptisch betrachten kann und mich frage, ob ich einen Fehler gemacht habe. Dass ich mich nicht nur an anderen abarbeite.
Sie hat für mich eine gute und eine schlechte Seite. Die schlechte Seite zeigt sich meistens abends, wenn sie wie in einer Willi Wiberg Geschichte als ein Ungeheuer abends unter meinem Bett liegt und zu Gedankenkreisen führt. Und verhindert, dass ich zu angemessener Zeit die Augen zumache. Sie zeigt sich aber auch von ihrer guten Seite, wenn ich durch das lange nächstliche Nachdenken am nächsten morgen vielleicht müde bin, aber dennoch ein bisschen mehr einschätzen kann und ein bisschen eine bessere Ahnung habe, wo meine Fehler wirklich liegen. Das Ungeheuer liegt ja nicht immer völlig grundlos unterm Bett. Manchmal bin ich ungezogen und manchmal bin ich nett. So wie alle Menschen.

Aber wenn die Stimmen von außen meinen Schlaf bestimmen, wenn sie so laut werden, dann führt genauso oft kein Weg daran vorbei, sie zum Schweigen zu bringen – zumindest was die eigene innere Resonanz darauf betrifft. I am the Master of my Mind.

„Du musst mit dem arbeiten, was du hast. […] Du musst diese Gedanken herausfordern. Sie sagen dir vielleicht, dass du hässlich bist, aber du bist niemals gut genug! Du bist never ever gut genug. Sie sagen dir, du seist minderwertig im Vergleich zu anderen Leuten. Dass du nicht gut genug bist. – DU BIST GUT GENUG!

Flattr this!

Habemus FAZ-Blog

Neues Jahr, neues Projekt. Dieses Projekt ist ein FAZ-Blog. Es heißt „Wir Wostkinder“ und ich schreibe es zusammen mit Marco Herack.

 


Grenzgänger zwischen Pittiplatsch und Klassenfeind. (Bild: FAZ)

 

In unserem Blog gehen wir von unserer eigenen Geschichte aus: Wir sind beide, ich noch vor, er nach der Wende, vom Osten in den Westen gegangen. Wir haben beide einen nicht unwichtigen Teil unserer Kindheit, der uns sehr geprägt hat, in der DDR verbracht, in einem System, das wir als Kinder nur schemenhaft und auf einer Gefühlsebene wahrgenommen haben. Es hat uns sehr unterschiedlich stark beeinflusst. Während in meinem Kindergarten kaum Indoktrination passierte, hat Marco die ganze Härte des DDR-Schulsystems zu spüren bekommen. Bei mir war es eher die Trennung von meinem Vater, der 1987 in den Westen gegangen war, die schmerzlich fühlen ließ, dass Freiheit fehlte.

Dann die Krise, in ein gänzlich anderes System, eine gänzlich andere Kultur geworfen zu sein: Baden-Württemberg. Neue Werte und Normen, völlig fremde Ideale und all das erfoderte eine hohe Anpassungsfähigkeit – die wir mal mehr, mal weniger gut bieten konnten. Und irgendwie, so stellten wir beide fest, standen wir bald zwischen den Stühlen. Wir begannen uns für den Osten und die Menschen dort – unsere Familien! – zu schämen und gleichzeitig wurden wir mit der neuen Umgebung nicht gerade leicht warm. Bei mir hat es sieben Jahre gedauert, bis ich mich selbst in all dem Chaos gefunden hatte. Dass in diesen sieben Jahren auch noch eine nicht gerade einfache Pubertät lag, das hat es nicht viel besser gemacht.

In unserem Blog wollen wir verschiedenen Fragen auf den Grund gehen, die uns in der Beschäftigung mit unserer eigenen Geschichte kommen. Wir holen nach, was wir als Kinder noch nicht verstehen konnten: Wie funktionierte das System DDR? Was hat diese Reise aus uns gemacht? Wie erlebten andere Menschen diese Welten? Dabei wollen wir verschiedene Menschen kennen lernen und mit ihnen zusammen ein Mosaik aus Geschichten und Gesprächen, Bildern und Literatur schaffen, bei dem wir an dem jetzigen Punkt selbst noch nicht wissen, was am Ende als Ganzes herauskommen wird.

Ich bin sehr aufgeregt und gespannt und freue mich auf die Arbeit an diesem Projekt. Bitte überfrachtet es nicht gleich mit Erwartungen. Für uns ist das auch irgendwie Neuland und wir werden uns aus unseren Fragen heraus entwickeln – wir sind keine Expert_innen. Wir sind nur wir. Wir haben eine Geschichte. Und mit dieser fangen wir an. Wir freuen uns, wenn ihr uns auf dieser Reise begleitet. Und wir haben einen twitter-Account, der euch über aktuelle Beiträge in unserem Blog auf dem Laufenden halten wird. Heute gibt es jedenfalls unseren ersten Beitrag mit dem Titel „Nicht Fisch und nicht Fleisch“.

Flattr this!

Tausche twitter-Account gegen…?

20130102-124820.jpg

Meinen twitter-Account habe ich ein bisschen überstürzt gelöscht, deswegen ist er wieder da. Denn nach ein paar Tagen war mir klar, dass es nicht nötig ist, all das, was ich im Laufe von über vier Jahren dort aufgebaut und mir erarbeitet habe, wegzuschmeißen. Es waren immerhin über 2.000 Follower! Und damit kann man ein bisschen was machen, oder?

Aus diesen Überlegungen heraus habe ich beschlossen, meinen Account zum Tausch anzubieten. Ihr könnt euch hier darum bewerben, den Account zu übernehmen, aber obacht – es gibt ein paar Regeln:

1. tut Gutes damit!
vielleicht ist es euch schon aufgefallen: ich wünsche mir eine bessere Welt! und ich gebe den Account nur an Leute, die dabei helfen, die Welt besser zu machen, die Gutes damit tun. Es ist mir dabei recht egal, in welchem Bereich ihr Gutes tut. Hauptsache, ihr tut es, sonst gibts nichts Gutes! :) für eure Bewerbung erbitte ich daher ein kurzes Profil eurer Tätigkeit und wozu ihr den Account nutzen wollt. Vielleicht habt ihr ein Projekt, das gut die zweitausend Follower brauchen kann? Oder oder oder. ich denke, das Kriterium sollte klar sein.

2. gebt mir was dafür!
es muss nichts Großes und nichts Teures sein – absolut nicht. Aber ihr seid tolle Menschen, ihr tut Gutes (sonst würdet ihr euch nicht bewerben) und irgendwie will ich daran teilhaben. Wie genau und in welchem Umfang – das könnt ihr euch ausdenken. Vielleicht backt ihr eine besonders tolle Schwarzwälder Kirschtorte? Vielleicht habt ihr ein Talent im Malen, Fotografieren… ich weiß es ja nicht. Ich möchte tauschen und ihr seid kreativ – und alles wir gut :)

3. ändert den Namen!
wenn ich den Menschen gefunden habe, dem ich meinen twitter-Account vermache, dann werde ich das natürlich ankündigen und wir werden alles von mir bereinigen und für diesen Menschen (oder sein Projekt) einrichten. Es muss absolut klar sein, dass da nicht @dieKadda twittert, sondern jemand Neues. Ich bin nur die Tante, von der ihr erbt :)

Auf eine Art bin ich eure Bürgin. Deswegen ist es wichtig, dass ich weiß, für wen ich da den Platz räume.

Ablauf:

Bewerbt euch bis zum 31.01.2013 in den Kommentaren oder über das Kontaktformular (in der oberen Menüleiste unter „Kontakt“) oder per Mail schicken. Ich werde mir dann bis 14. Februar alle Bewerbungen anschauen und entscheiden, wer meinen twitter-Account bekommt. (Eure Bewerbungen können auf Wunsch nicht-öffentlich bleiben).

Ihr könnt die Aktion natürlich auch nutzen, um euch mir und der Welt hier vorzustellen. :) wie ihr mögt.

ach: seit ich meinen Account erst gelöscht und dann wieder aktiviert habe, sind einige Follower scheinbar hopps gegangen. Es waren eigentlich über zweitausend. Ich weiß nicht, ob die wieder kommen – wenn nicht, müsst ihr mit den knapp anderthalbtausend auskommen. Sorry – es war wie gesagt etwas überstürzt. *seufz*

Nachtrag: es sind jetzt wieder 2164 Follower :)

Flattr this!