ein kleiner Tanz voller Dank

Nachdem ich mir ein bisschen Sorgen ob meines letzten Beitrags machte (ohje, ich hätte noch einmal drüber schlafen sollen; ob man das öffentlich so schreiben darf?; klingt das zu gejammert?) gab es nicht nur ein sehr liebevolles Feedback, sondern auch eine riesige Spende an die Featurette.

Lieber Spender: Ich danke und tanze vor Freude!

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=AMn2TuvW_M8]

<3

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Was ich auf twitter mache

Ich werde in letzter Zeit häufig darauf angesprochen, dass ich ja twitter gar nicht wirklich verlassen hätte.

Vermutlich denken Menschen, das sei so`ne Art PR-Gag gewesen, als ich ankündigte, ich würde twitter verlassen. In meinen eigenen Augen habe ich da schon erklärt, wie ich es mache. Aber ich sage es noch einmal:

Mein Twitter-Passwort habe ich abgegeben, ich kann mich nicht mehr einloggen.Ich habe keine Timeline – ich sehe euch also nicht. Vielen ist das schwer vorstellbar: Sie sehen mich doch! Da sind doch tweets von mir! Ja: Wenn ich unterwegs mit meinem Mobilen einen Link versenden will, dann kann ich das aus irgendwelchen Gründen auch ins twitter senden. Aber mehr als senden kann – und will -ich nicht mehr. Eure Mentions gehen ins Leere. Ich kann weder antworten, noch kann ich eure DMs beantworten (die werden mir aber immerhin noch zugemailt. Wenn mir bekannt und angegeben, melde ich mich dann auch per Mail zurück).

Dass ich immer wieder drauf angesprochen werde ist ein witziger Effekt. So ein bisschen wie kleine Kinder, die sich die Augen zuhalten und denken, dann würde man sie nicht sehen und dann seien sie für andere nicht da. Nur dass manche mich auf twitter sehen und daraus schließen, ich sei ja da. Bin ich aber nicht.

Na gut: Ich gebe zu, dass ich manchmal von draußen gucke, was ihr so macht. Meistens gehe ich von einem bestimmten Twitterprofil (oft ist es der @mh120480 ) dann in die Suche und gucke, was twitter zu bestimmten Themen so zu sagen hat. Das passiert aber immer seltener.

Insgesamt hat sich meine Aktivität im Alltag total verlagert. Wie der @happybuddha (auf ADN) habe ich angefangen, mein Leben digital zu entschlacken – ich könnte auch sagen: zu entrümpeln. Dazu gehört etwa, nur ganz gezielt und ca. drei, nicht mehr als vier Mal am Tag meine E-mails zu lesen (toller Nebeneffekt: ich antworte nun zuverlässiger auf Mails, denn ich nehme mir ja Zeit fürs checken und antworten. mal zwischendurch in der S-Bahn passiert eigentlich überhaupt nicht mehr…)

Und völlig entgegen dem Hype habe ich eine Tageszeitung abonniert! die lese ich sogar mehr oder weniger. ja – auf totem Holz! Mit so haptischem Erlebnis inklusive. Desweiteren hatte ich schon mein erstes Erfolgserlebnis in der Wikipedia (ich werde das nicht weiter konkretisieren. ich arbeite dort anonym und konstruktiv vor mich hin und meide auch dort jeden Hype…). Außerdem bin ich zu einem Podcast-Junkie geworden :) was sich super gut mit meinem neuen Abendausklang, dem Nähen, verbinden lässt. Seit ich mir selbst vorsorglich von Geld, das ich nicht habe, eine Nähmaschine zu Weihnachten geschenkt habe (die einfach toll ist! <3) ist meine digitale Entschlackung endlich abgerundet - dank dem oben genannten mh120480 wird zudem noch das Sticken bei mir Einzug halten (in stillem Gedenken an meine Großtante). Das alles ist neu und seine Wirkung entfaltet sich erst langsam - wo es hinführen wird und wie es sich noch wandeln wird, bleibt offen. Aber es fühlt sich gut an. Der selbst gemachte Baileys übrigens auch - also gut. und lecker. und wirklich leicht gemacht. Spart auch Geld. Was also mache ich auf twitter? Nichts. ich schaue von oben herab, immer seltener auf das Geschehen und hin und wieder offne ich die Tür einen Minispalt und schmeiß einen Papierflieger rein - die Tür schließt sich auch sofort wieder und was der Flieger darin so treibt, das bleibt mir eher verborgen (na gut - ich gebs zu: hin und wieder schaue ich auf favstar ;p ). Es ist für mich besser so. Und für einige von euch vermutlich auch.

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Viva la Vagina!

Das mag komisch klingen, was da als die Intention des neuen Buches „Frauenkörper neu gesehen“ geschildert wird: „den Schatz sexuell bestärkender, bewusstseinserweiternder Erfahrungen zu orten – und zu bergen.“ Worum geht es da?

In einem Satz zusammengefasst geht es der Herausgeberin Laura Méritt, die den frauenbewegten Klassiker der 70er neu gestaltet hat, um Aufklärung. Das Werk ist ein Selbsthilfebuch zur Erkundung der eigenen Weiblichkeit, realistische Zeichnungen von Beatriz Higòn untermalen die verschiedenen Themen. Es ist in einer feministischen Sprache geschrieben und es enthält neue Bezeichnungen für Teile des weiblichen Körpers, die bislang mit einer Sprache und damit auch Symbolik leben müssen, die manchmal erniedrigend oder entmündigend ist.

ABC der Vielfalt

Das Jungfernhäutchen heißt hier „Vaginalkrone“, der G-Punkt „Genussfläche“. Zudem schreiben die Autor_innen mit dem Gender Gap, einem Unterstrich zwischen Männlicher Form und dem weiblichen „innen“, der ausdrückt, dass es neben den zwei Geschlechtern noch vieles anderes gibt. Ansonsten aber wurde sich (meistens auch recht pragmatisch) einer einfachen Sprache bedient, einer liebevollen und einer, die nicht krawallig, sondern einfühlsam ist. Frau kann sich sorgenlos fallenlassen.

Angefangen wird mit einem „ABC der sexuellen Orientierungen“, dem eine schnelle und verständliche Unterscheidung zwischen Sex und Gender vorangestellt ist. Es ist positiv hervorzuheben, dass neben bi-, cis-, homo-, pansexuell und queer auch über Asexualität gesprochen wird.

Weiter geht es mit der guten alten feministischen Tradition der Selbstuntersuchung. In den 70ern stellten die bewegten Frauen irgendwann fest, dass sie es satt haben, dass ihr Gynäkologe zwar regelmäßig in das Innere ihrer Vagina blickte und so auch wusste, dass es dort von Frau zu Frau extreme Unterschiede geben konnte – sie selbst aber keinen blassen Schimmer darüber hatten, wie es aussah und ob sie eigentlich „normal“ waren. Denn eine Frau hat schnell den Eindruck, dass es bei ihr untenrum vielleicht etwas „seltsam“ aussieht, sich komisch anfühlt oder auch einfach eine starke Scheu, sich dort zu berühren.

Dieser Eindruck und diese Scheu können (und wurden damals von sehr vielen Frauen) abgebaut werden: In einer Art vergleichenden Selbsterkundung. Damals waren das die Spekulum-Sessions, Treffen, bei denen Frauen sich gegenseitig mit dem Instrument, das einen Blick in die Vagina gewährt, ansehen konnten. Hier wurden die Vielseitigkeit und die Anatomie der Frauen „untenrum“ erkundet. Und dadurch auch besser verstanden. Wie das genau geht? Auch das kann in „Frauenkörper neu gesehen“ nachgelesen werden. In Zeiten des Internets ist es dann auch möglich, dass Aussehen des Gebärmuttermundes aufzuzeichnen und mit anderen zu teilen.

Die meisten jungen Frauen, die ich kenne, werden das eklig oder abartig finden. Leider. Genau hier liegt ein sehr großes Problem. Frauen wissen auch im Jahr 2012 noch nicht viel mehr über ihr Untenrum-Innenleben, als vor vierzig Jahren. Dass ein Frauenarzt bei der Vaginaluntersuchung mit Kamera auch der Frau einen Blick auf den Bildschirm werfen lässt und ihr zeigt, wie das dort aussieht, dürfte noch nicht zum Standard gehören (Danke an die Praxis Dr. Pett in der Adalbertstr. Berlin Kreuzberg!).

Was ist normal?

Stattdessen werden Frauen mit getrimmten inneren Labien (im Buch heißen sie „Venuslippen“ bzw. einfach nur „Lippen“ – das furchtbare Wort „Scham“ hat man ihnen entfernt) in der Pornografie konfrontiert. Selbst in der Wikipedia haben Bilder Einzug gehalten, in denen solche Lippen zu sehen sind. Dass sie bis zu 11 cm lang werden können empfinden die meisten Frauen vermutlich als puren Horror. Was „rausguckt“ wird als unschön empfunden – das Schönheitsideal für „Untenrum“ gebietet innere Lippen, die sich in den äußeren Venuslippen verborgen halten. Genital-Schönheits-OPs sind entsprechend im Aufwind.

Die meisten Frauen, die sich nach einer plastischen Umgestaltung ihres Intimbereichs sehnen und diese dann auch durchführen, geben als Hauptsehnsucht an, „normal“ sein zu wollen. Und das ist absurd. Dass die inneren Lippen herausspicken ist häufiger, als dass sie drinnen sind. Eine Tatsache, die man im ungezwungenen Vergleich zwischen Frau und Frau einfach feststellen – und damit sehr viele Ängste beseitigen kann. Könnte.

In Zeiten, in denen die Medien vom Stichwort „Generation Porno“ nur so wimmeln, kommt einem Selbsterkundungsbuch wie diesem gewiss auch noch eine weitere sehr wichtige Bedeutung zu: In der Flut der Bilder, in denen es (zumindest was den kostenlosen Content im Netz angeht) zu 90 Prozent bloß darum geht, wie ER möglichst viel von der Sache hat und seine Dominanz ausdrücken kann, fehlen oft die Ideen und Anleitungen für eine Suche nach dem eigenen, dem weiblichen Vergnügen. Junge Männer wissen oft gar nichts über die Art und Weise, eine Frau zu beglücken, wie auch Cindy Gallop in ihrem legendären Vortrag auf der re:publica 2012 beschrieb. „Make Love not Porn“ und auch das hierzulande erschienene Aufklärungsbuch „Make Love“ von Ann-Marlene Henning setzen diesen Bildern reales Wissen entgegen.

[youtube http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=uACi1QbbNjM]

Sie sind für Jungen und Mädchen, für Frauen und Männer gleichermaßen gedacht. Doch sie sind weder in einem Ansinnen geschrieben, beziehungsweise aufgezogen, dass eine queere Perspektive jenseits von Mann und Frau als „Normpaar“ mitdenkt. Noch gehen sie derart in die Tiefe (im wahrsten Sinne des Wortes!) und sprechen mit Frauen so Unverblümt über Klitoris, das Harnröhrenschwellgewebe und obschöne Worte, wie es „Frauenkörper neu gesehen“ tut.

Aufklärung ganz konkret

Ein drittes und absolut wichtiges Plus an diesem Buch ist seine detaillierte medizinische Hilfestellung. So wird ein Index von sexuell übertragbaren Krankheiten angeboten, es gibt eine sehr ausführliche, ehrliche und dennoch niedrigschwellige Einführung in die Möglichkeiten der Verhütung und auch über Schwangerschaftsabbrüche wird nicht geschwiegen, sondern einfühlsam und hilfestellend gesprochen.

Ich bin ganz froh über dieses Buch. Zum einen konnte ich selbst noch einiges lernen – auch wenn ich nicht gleich ein Spekulum kaufte. Zum anderen ist es ein Buch, das ich neben „Sex – so machen’s die Frauen“ und „Make Love“ für meine Tochter bereit halte.

Das Buch erscheint im Dezember 2012 im Orlanda Verlag. Das Missy Magazine lädt ein zu einer Präsentation des Buches.

(Dieser Text erschien zuerst als Kolumne auf freitag.de

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Träume: Das innere Holodeck

Träume sind unser mobiles Holodeck, in dem wir uns auf Dinge vorbereiten können, die wir auf keine andere Art lernen können – zum Beispiel unser Leben zu retten.

Angeregt durch #CRE195 zum Thema Gehirn, durch das ich mich mal wieder auf den neuesten Stand in Sachen Gehirn gebracht habe, dann weiter besprochen in der Märchenstunde „Sechse kommen durch die ganze Welt“ mit Björn und Max, eine kleine persönliche Idee zur alten Frage: Wozu träumen wir eigentlich?

Wie ich bereits in der Märchenstunde ansprach, habe ich die Theorie, dass wir träumen, um zu lernen. Diese Theorie habe ich im Spätwinter/Frühjahr 2007 entwickelt, auf der Basis von nichts anderem, als einem Traum. Der ging so: Ich ging durch die Straßen meines Kiezes, es war im Zwielicht, da begegnete mit ein Mann, der sich als „Schlitzer von Friedrichshain“ herausstellte. Als ich das registrierte war ich natürlich geschockt und ich erstarrte, woraufhin ich im Traum mein Leben ließ. Tja.

Killertraum Klappe die Zweite!

Das seltsame an diesem Traum war, dass er einfach von vorne losging. Neustart. Killertraum Klappe die Zweite! Gleiche Szene, gleiche „Überraschung“ (die nun natürlich nicht mehr so überraschend war) und ich probierte so nach und nach, in der dritten, vierten und fünften Neuaufnahme der „Quest“ verschiedene Strategien aus, von Flucht, über Angriff und verbales Einlullen, diesen Typen davon abzubringen, mich nicht einfach umzubringen. Irgendwann wachte ich einfach auf. Und erinnerte mich an den Traum. Oder besser die Träume? Die Idee kam mir noch am gleichen Tag: Mein Gehirn hat etwas geübt, das es sonst nicht hätte üben oder lernen können, denn es passiert ja nun zum Glück eher nicht so häufig, dass gefährliche, nach meinem Leben trachtende Männer mir in meinem Kiez begegnen. Wenn mir aber nur einer begegnet, ist mein Leben schlimmstenfalls vorbei. Vielleicht ist es deswegen nicht schlecht, dass es eine Möglichkeit gibt, sich durch „üben“ auf Dinge vorzubereiten, die man normalerweise nicht übt oder lernt. Wir träumen also, um zu lernen. Um Dinge zu üben – zumindest ist das wohl einer der Gründe für Träume. Gerade die schlechten Träume, in denen es uns an den Kragen geht, können so eine neue Bedeutung erhalten.

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Diese Idee, diese Theorie und die Entdeckung fand ich selbst ganz schön bahnbrechend! Ich hatte nie zuvor davon gehört, dass irgendwer das Träumen so erklärt hatte und ich sah mich schon einen wissenschaftlichen Artikel für das Magazin Science verfassen und als Entdeckerin berühmt werden! Dennoch kam ich irgendwann in meinem Wahn auf die Idee, zu googlen, ob jemand anderes vielleicht schon diese Idee gehabt hatte. Die Idee, im Traum zu lernen, ist eigentlich alt, wurde nur bislang eher plump angegangen: Man spielte Menschen im Schlaf irgendwelche schlauen Kassetten vor und dachte, am nächsten Tag könnten sie den darin vermittelten Wissenskanon. Etwas naiv. Interessanter waren dann schon Experimente mit Leuten, die Tetris spielten – und die nach mehreren Stunden Tetris am Tag dann auch anfingen, davon zu träumen. Das kommt mir ja SEHR bekannt vor :D

Lernen nur als Wiederholung?

Experimente mit Ratten haben gezeigt, dass sie in einem Labyrinth besser zurecht kamen, wenn sie zwischendrin mal schlafen konnten – im Schlaf rekapitulierten sie das Gelernte. Doch das sind alles noch immer etwas andere Versuche und Theorien, als das, was ich entdeckt hatte: In den Rattenversuchen und in allen Theorien, die es zum lernenden Träumen schon länger gab, ging es immer darum, bereits versuchtes oder schon gelerntes zu verstärken. Ganz selten soll auch schon manche_r eine Matheaufgabe am nächsten Morgen gelöst haben, an der er_sie noch am Abend davor verzweifelt war. Und dass zwischen dem Lernen für eine Klausur und der Klausur selbst immer eine Nacht liegen sollte, in der man das Gelernte festigt und verstetigt – das ist irgendwie auch so eine sehr weit bekannte Tatsache. Nur: Dass wir in unsere Träumen Dinge lernen, die wir nicht erleben (können), also in völlig neue Situationen gestellt werden, mit teilweise krassen und natürlich überfordernden Entscheidungen konfrontiert werden, in denen wir üben können, angemessen mit ihnen umzugehen – das war neu! Oder?

Paul Tholey und die Klarträume

Dass diese Art von Träumen nur mir passiert – das hielt ich von Anfang an für unwahrscheinlich. Tatsächlich gibt es eine ganze Menge Menschen, die solche Träume haben und diese Träume haben einen Namen: Klarträume – die Wikipedia ist euere Freundin, wenn ihr euch da weiterbilden wollt. Paul Tholey hat sie sogar definiert:

  1. Der Träumer ist sich darüber im Klaren, dass er träumt.
  2. Der Träumer ist sich über seine Entscheidungsfreiheit im Klaren.
  3. Das Bewusstsein ist klar, es gibt keine traumtypische Verwirrung oder Bewusstseinstrübungen.
  4. Die Wahrnehmung der fünf Sinne ist wie im Wachzustand.
  5. Es besteht Klarheit über das Wachleben, also darüber, wer man ist oder was man sich für den Klartraum vorgenommen hat.
  6. Nach dem Traum gibt es eine klare Erinnerung.
  7. Der Träumer ist sich über den Sinn des Traums im Klaren.

Mindestens vier Punkte treffen aber auf meinen „Killertraum“ nicht zu. Und damit war er kein Klartraum.

Interessant finde ich, dass Klarträume in der Wissenschaft scheinbar selten oder kaum berücksichtigt werden. Erst recht findet sich beim Suchen nach dieser Art der Träume nicht sehr viel aus der Neurobiologie oder Psychologie. Auch der häufig synonym verwendete Begriff des „Luciden Träumens“, was bedeutet, aktiv in den Traum einzugreifen und ihn bewusst zu steuern, ist bislang wenig untersucht (2009 gab es dann wohl mal Versuche im Schlaflabor – zwei Jahre nach meiner „Entdeckung“ ). Stattdessen erfreut sich aber die esoterische Industrie einer regen Verbreitung ihrer „Traumdeutungs“-Literatur, sogar Apps für mobile Endgeräte können damit erworben werden. So sind sie, die Menschen.

Ein Finne war schneller

Im Endeffekt hatte ich glaube ich wirklich etwas Neues entdeckt (ein bisschen zumindest) und ich hatte auch große Lust, es weiter zu untersuchen und auszuarbeiten, es mit einer soliden Theorie zu unterfüttern. Ich war ja eine aus der Biologie kommende Erziehungswissenschaftlerin und ich wollte gerne eine biologisch-neurologisch fundierte Theorie des lernenden Träumens erarbeiten. Doch ich stieß im Netz auf einen Artikel (den ich leider jetzt nicht mehr auffinden kann – wenn da jemand etwas findet, immer her damit!), der mir genau diese Theorie unterbreitete. Ein Finne (war es glaube ich – kann mich da aber auch irren) hatte etwa sechs Wochen zuvor diese Entdeckung/Theorie in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht: Träume sind dazu da, Dinge zu lernen. Dass wir in Träumen Dinge verstetigen, die wir schon geübt haben, sei klar – neu aber sei, dass wir auch Dinge lernen, die wir in unserem realen Leben nicht lernen und üben könnten. Es sei dabei nicht entscheidend, ob es Klarträume seien, oder solche, die am nächsten Morgen im Nirvana verschwunden sind. Diese Theorie wurde in jenem Artikel als bahnbrechend gelabelt und als ziemlich einzigartig. Der Artikel untermalte die Theorie des Finnen mit dem Bild des Holodecks, das Star Treck Fans kennen dürften.

Natürlich war ich super baff. Sechs Wochen vorher! Das war einerseits frustrierend, es hat mich andererseits aber auch umgehauen. Manchmal ist man versucht, an ein die Welt umspannendes Kollektivbewusstsein zu glauben, oder?

Die Idee, dass unsere Träume ein Holodeck sind, die hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Sie es besonders deswegen sehr schön, weil sie meine Beziehung zu meinen Alpträumen sehr entspannt hat. Wenn mal wieder einer mich des Nachts zum Schwitzen gebracht hat, dann sage ich mir heute: Habe ich wieder was geübt, dass ich sonst nicht lernen könnte. Braves Gehirn :)

PS: ich finde vieles nicht mehr, was 2007 zu dieser Theorie im Netz war und ich bin dankbar über weitere Links und Texte zu dem Thema, falls es da mehr gibt, als ich jetzt auf dem Schirm habe und finden konnte.

Foto CC-BY 2.0 von Vinoth Chandrar via Flickr.com.

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