Rechtfertigungspolitiken (war: Das Bundesforum Männer)

Die Vorgeschichte: Tweet – Reaktion – Zurückrudern – Zurückrudern des Zurückruderns usw…

Am Freitag den 19.10.2012 habe ich mit Matthias Lindner telefoniert. Er hatte sich auf meinen Blogpost hin angeboten, mir bezüglich meiner Skepsis in Hinblick auf die Ausrichtung des Bundesforum Männer, Rede und Antwort zu stehen. Das hat er getan. Es war insgesamt für mich schon nach diesem Gespräch deutlich, dass meine Vermutungen stimmten: Die Formulierungen waren irreführend, aber absolut nicht so gemeint, wie zum Beispiel Acid es verstanden hat. Klar: „Das Ziel ist wohl größtmögliche Anschlussfähigkeit für unterschiedliche Männergruppen.“ und „Nein, alles im Text und in der Ausrichtung des Forums spricht gegen“ die Behauptung, das Bundesforum Männer finde „dass die Brüder von Agends und Manndat bedauerlicherweise nicht mitspielen“.

Das war die eine Meinung. Am vergangenen Wochenende tagte dann der Frauenrat der Heinrich-Böll-Stiftung und ich traf neben all den tollen Frauen auch Henning von Bargen, Leiter des Gunda-Werner-Instituts. Auch er bestätigte mir noch einmal, was ich vorher auch angenommen hatte (wir reden hier vom 26.10.2012):

„von wegen, “Bundesforum Männer geht mit Maskulisten ins Bett” – quark! die machen dort emanzipatorische Männerpolitik!“

Rechtfertigungspolitiken

Warum aber eigentlich all der Radau? Ist es nicht komisch, dass man sich für einen Tweet so ellenlang und ausführlich rechtfertigen muss? Dass er derart auf die Goldwaage gelegt wird – während die Tweets à la „Bundeforum Männer geht mit Maskulisten ins Bett“ einfach unkommentiert bleiben oder gar Applaus generieren? Ja – es ist doch wirklich seltsam und ich wurde wieder einmal daran erinnert, worum es auf twitter geht („Your Clique vs. Their Clique“) und worum eben auch nicht. Ich wurde wieder daran erinnert, warum ich dort nicht mehr sein will und welch einfaches Instrument es auch ist, Stimmungen jenseits von realen Problemen zu organisieren. Befindlichkeits- und Identitätspolitiken statt Diskurs. Auf sowas werde ich in Zukunft übrigens nicht mehr eingehen. Es ist in den Augen vieler Menschen offenbar okay, mittels Verleumdungen und Interpretationen um meine Person herum eine Bedrohungskulisse zu kontruieren, die ihnen dabei hilft, sich ihrer Gruppe zu vergewissern. Macht das.

Aber am Ende des Tages wird es mir zukünftig egal sein. Es ist mir wirklich egal, was ihr da so alles über mich schreibt und mir unterstellt. Die Kresse könnt ihr gerne auch behalten und wenn ihr euch das nächste Mal wieder über mich echauffiert und aufregt, dann werde ich mir ein Glas Wein einschenken, Loriot schauen und lachen. Denn eure kleine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe – äh, pardon: nach Aufmerksamkeit.

CC BY-ND 2.0 by break.things via flickr.com

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Du sollst deine Leser nicht beschämen

Bildungskolumne Ich schreibe nicht nur über Bildung, ich bilde mich auch ab und zu selbst. Diesmal las ich ein Buch über alltäglichen Rassismus in Deutschland.

Bildung funktioniert in meinen Augen immer sehr gut, wenn die Inhalte durch Geschichten transportiert werden können. Das findet auch Lena Gorelik, die mit ihrem Buch Sie können aber gut Deutsch! gegen Diskriminierungen und das Zuschreiben des Andersseins anschreibt. Goreliks Buch werde ich in meiner nächsten Kolumne besprechen, sozusagen als Kontrastfolie oder Ergänzung zu jenem Buch, das ich mir für diese Woche durchgelesen habe: Noah Sow hat es geschrieben. Deutschland Schwarz Weiß heißt es.

Mit ihrem bereits 2007 erschienen Buch, das den Untertitel „Der alltägliche Rassismus“ trägt, will Noah Sow aufklären. Denn, so die Autorin im Vorwort, sie halte Aufklärung „für eine notwendige Voraussetzung, um eine wirkliche gesellschaftliche Veränderung erreichen zu können“. Meine Neugierde trifft eine, die bilden will. Sow will die Geschichte der Beziehung zwischen Schwarzen und Deutschland erzählen.

Unterrichtsstunde im „Weißsein“

Gleich zu Beginn schafft sie es, am Beispiel ihrer eigenen Herkunft die Lesenden mitzunehmen (ich werde diesen AHA-Effekt nicht schmälern, indem ich es ausführlicher schildere – lesen Sie es ruhig selbst!). Das Buch gliedert sich daraufhin in sieben Kapitel, beginnend mit einer Unterrichtsstunde im „Weißsein“, international bekannt unter dem Namen „Critical Whiteness“. Fünf Jahre nach dem Buch gerät die Theorie, die 2007 wohl nahezu unbekannt war (zumindest außerhalb akademischer Diskurse), langsam in Kritik. Sows Ausführungen zeigen, warum diese Theorie so schwierig ist.

Sie ist schwierig, weil sie davon ausgeht, dass eigentlich alle Weißen nicht anders können, als Rassisten zu sein. Der Feind ist überall und dabei wird es schnell undifferenziert und einseitig. Um diese Haltung zu sichern, wird sich des Konzepts der „Definitionsmacht“ bedient, das vermeintlichen Opfern zuspricht, alleine darüber zu bestimmen, wann Handlungen als Gewalt und Diskriminierung zu benennen sind. Das nutzt Noah Sow, versagt damit aber den Lesenden den Respekt, wenn sie schreibt: „Das haben Sie jetzt alles gelesen und finden das wahrscheinlich ebenso schlimm wie ich. Sie wissen aber immer noch ganz genau, dass Sie kein Rassist sind. Woher? Weil Sie keiner sein wollen. Da habe ich leider eine schlechte Nachricht für Si e…“ und nun folgt eine Auflistung an Fakten des Alltagsrassismus in Deutschland (in dem wir ja zugegebenermaßen alle aufgewachsen sind), die unweigerlich dazu führten, dass weiße Deutsche per se privilegiert seien.

Das ist die betreffende Stelle, indem dem/der LeserIn erklärt wird, warum sie nicht kein RassistIn sein könne.

Und nun sei es eben so, dass Rassismus genau da anfange, wo sie ihre Privilegien nicht reflektierten und eingestünden. Sie sagt damit also (sinngemäß): Sie sind deutsch und sagen „ich bin kein Rassist“? – ha! – das ist der Beweis, dass Sie einer sind und sein müssen, denn hätten Sie ihre Privilegien reflektiert, dann wüssten Sie es ja besser.

Generalverdacht statt Respekt

Nein, Noah Sow kennt mich nicht. Ich bin weiß, aber Diskriminierungserfahrungen aufgrund meiner Herkunft habe ich auch gemacht, in meiner Kindheit. Ja, sorry: Ich denke immer noch, dass ich keine Rassistin bin. Da muss ich an das Vorwort denken, wo Sow mir schon ankündigte „auf den folgenden Seiten aber hin und wieder auch ganz schön hart angefasst“ zu werden. „Nehmen Sie’s als Erfahrung“, heißt es dazu nur. Alles klar. Erfahrung gemacht, auf Seite 63.

Ich fühlte mich dennoch nicht wohl. Ich wollte lernen und wurde wegen meiner Hautfarbe unter einen Generalverdacht gestellt. Dabei habe ich als Pädagogin eigentlich das Gegenteil verinnerlicht: Die wirklich guten LehrerInnen respektieren ihre SchülerInnen – das ist doch die Grundvoraussetzung für Lernen und eine gelungene Bildungsbeziehung!

Ich habe dennoch weitergelesen und es fast nicht bereut. Denn ich habe viel Neues gelernt oder vertieft, das bislang eher „gefühltes Wissen“ war. Zum Beispiel, dass es wissenschaftlich gesehen nicht korrekt ist, bei Menschen von „Rassen“ zu sprechen. Darauf folgt ein knapper, aber gehaltvoller Abriss der Kolonialgeschichte Deutschlands. Hier wird gezeigt, wie unglaublich demütigend und arrogant sich deutsche Wissenschaftler, Medien und Politiker gegenüber Schwarzen zwischen 1890 und 1945 verhalten haben. Viele Zitate, Bilder, Skulpturen aus der Zeit und „Forschungsarbeiten“ lassen einen erschauern. Darauf folgt eine Betrachtung zeitgenössischen Alltagsrassismus, sowie eine Stichprobenahme des Rassismus in den deutschen Massenmedien. Am besten gefallen hat mir neben dem anschaulichen Einstieg, der konkrete Zwölf-Punkte-Plan am Ende des Buches. Hier geht um konkrete Taten, die dazu beitragen können, den Rassismus abzubauen.

Dieser Definition von Rassismus (ein paar Seiten weiter) schließe ich mich vollumfänglich an.

Ein Bärendienst

Das Buch hat das Aufklärungs-Versprechen also wirklich eingelöst. Es könnte sehr stark sein, sollte mehr rezipiert werden. Noah Sow allerdings erweist ihrem Anliegen mit dem Kapitel zum „Weißsein“ einen Bärendienst. Ein Kapitel, das in ihrer aktuellen antirassistischen Arbeit offenbar noch mehr Platz einzunehmen begonnen hat, als im Buch. Ein Kapitel, das derzeit viele Diskussionen auslöst und die antirassistische Szene auf eine Art spaltet, wie es zuletzt der Israel-Palästina-Konflikt vermochte.

Das lässt viele ratlos zurück. Doch in dieser Ratlosigkeit wollen wir nicht verharren! In der kommenden Kolumne werde ich Lena Goreliks Ansichten auf das pluralistische Deutschland besprechen und damit einen Ansatz, dem es darum geht, eine Vision zu entwerfen. Wir leben längst in einer multi-ethnischen Gesellschaft, ist ihre Analyse. „Wir müssen nur dahin kommen, es als Stärke zu begreifen und davon zu profitieren.“

(Der Spruch „du sollst deine Schüler nicht beschämen“ gilt als die Grundregel der LehrerInnen in Finnland)

(Dieser Text erschien zuerst als Kolumne auf freitag.de)

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Amanda Todd: Bullying bis in den Tod

Amanda Todd war 15 Jahre alt, als sie sich umbrachte. Sie wurde im Internet gemobbt und daraufhin auch im richtigen Leben. Ein Foto ihrer Brüste wurde auf Facebook gepostet und an alle ihre Freunde geschickt. Das ist der Beginn ihrer Geschichte, die sie selbst in einem Youtube-Video aufgeschrieben auf Karteikarten erzählt. Mehrmals wechselte sie die Schule, doch ihre Peiniger verfolgten sie gnadenlos und schüchterten sie immer weiter ein.

Nun spricht die ganze Welt über Amanda Todd und die Debatte über den Umgang mit Bullying bekommt neues Feuer. Es ist gut, dass es eine Debatte darüber gibt, was man tun kann. Das Video von Downtownpatrol ist ein gute Beispiel für Empowernment. Ihr Youtube-Channel gehört zu einem der coolsten Cheering-up-and-empower Channels, die ich kenne:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=u8etV1VaTZU]

Für die Angestellten des Bundes-Familienministeriums und Angehörige der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag möchte ich noch einmal festhalten: Bullying ist keine Angelegenheit, die im Internet erfunden oder durch dieses entstanden ist. Bullying ist eine uralte und lange gekannte Methode, andere einzuschüchtern. Auch als es das Internet noch nicht in dieser Form gab, wurden Mädchen in ihren Klassen gehänselt und systematisch ausgegrenzt. Auch als weder Facebook, noch E-Mail oder youtube dazu genutzt werden konnten, Bilder oder Verleumdungen über Menschen in die Welt zu setzen, wurde Kinder und Jugendliche durch Bilder und Verleumdungen in den (versuchten) Suizid getrieben. So etwas fand auch in meiner Schulklasse statt – und da hatten längst nicht alle Zugang zum Internet. Zwei Mädchen versuchten, sich umzubringen.

Es gibt kein schrecklicheres Gefühl, als das, alleine zu sein. Alleine gegen eine Front an Hatern, die alle in einen Sturm der Verleumdung und des Hasses ganz groß und ganz stark sind.

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Klarstellung zum Bundesforum Männer-Tweet

Liebe LeserInnen,

ich fühle mich ein bisschen unwohl, denn ich muss einen Fehler eingestehen, diesen will ich aber auch sogleich wieder relativieren – was grundsätzlich schwierig ist.

Am 15.10.2012 twitterte ich folgendes im Zusammenhang mit dem Bundesforum Männer:

von wegen, „Bundesforum Männer geht mit Maskulisten ins Bett“ – quark! die machen dort emanzipatorische Männerpolitik! http://t.co/j2bmUKOy

@dieKadda

Katrin Roenicke

Gestern sah ich durch Zufall (bzw. ich wurde darauf hingewiesen), dass sich auf twitter eine Debatte über meine Kolumne im freitag entsponn, darunter folgender tweet von acid23:

@ @ @ ich fand diesen Tweet von @ wirklich nicht toll http://t.co/JQBkMMqc

@acid23

Acid, Sprawl Scholar

ich glaube, ich habe etwa eine halbe Stunde gebraucht, um zu verstehen, was er meinte. Er hatte mueslikind, die nachgefragt hatte wegen des Statements geantwortet:

@ Den Text muss ich jetzt doch nicht lesen? Worum gehts?

@mueslikind

mueslikind

@ Nich wirklich. Darum, dass die Brüder von Agens & Manndat ja bedauerlicherweise nicht mitspielen weil sie Basics nich anerkennen

@acid23

Acid, Sprawl Scholar

Ich las das Statement daraufhin noch einmal in aller Ruhe durch, um acid23 zu widerlegen. Dann fand ich folgende Stelle:

Es ist bedauerlich, dass Organisationen wie Agens oder MannDat, sich bis heute nicht zu einer Mitgliedschaft entschließen konnten, weil sie nicht bereit waren, der Plattform unserer Zusammenarbeit zuzustimmen.

Das wird mir jetzt wieder niemand glauben: Aber die hatte ich bei meinem ersten Lesen überlesen. -.- Diese Stelle war mir als solche nicht aufgefallen und schon gar nicht aufgestoßen – ich muss sie wirklich total überlesen haben (am Schluss habe ich einfach auch gar nicht mehr so aufmerksam gelesen… mea culpa). Mich hat das gestern dann wirklich sehr erschüttert und es ist mir wichtig, an dieser Stelle klarzustellen: mein Fehler!

Ich lese es dennoch anders

Dann las ich aber weiter. Und ich kann nach ungefähr fünfmaligem Lesen nur feststellen, dass die Zusammenfassung, es ginge im Statement des Bundesforum Männer

Darum, dass die Brüder von Agends und Manndat bedauerlicherweise nicht mitspielen

echt falsch ist. Reißt man die von mir überlesene Stelle (und ja, es ist mir wirklich wirklich peinlich!) aus dem restlichen Zusammenhang, dann bleibt kein anderer Schluss als: Oh, das Bundesforum Männer ist traurig, dass MANNdat und Agens nicht mitspielen. Das halte ich aber für unzulässig und den Text auf diese Aussage zu reduzieren halte ich beinahe für eine böswillige Absicht. Eine Absicht, die sich bereits vor zwei Jahren in Buh-Rufen ergoss, als das Bundesforum Männer sich auf dem Forum Männer herausgrüdete.

In meiner Lesart – die nicht richtig sein *muss*, aber die für mich die einzige logische Erklärung für den Binnenwiderspruch im Text ist – handelt es sich hier um Sarkasmus. Natürlich weiß ich nicht, ob ich damit richtig liege – die Nullhypothese scheint ja momentan zu sein, das Bundesforum Männer will diese Leute ins Boot holen. Aber meine Antithese lautet: Nein, alles im Text und in der Ausrichtung des Forums spricht gegen diese Hypothese. Vielleicht grenzen sie sich für manche Geschmäcker ein bisschen zu sehr vom Feminismus ab – kann man ja finden. (ich finde, sie machen es ganz geschickt und lassen viele Optionen offen. Das Ziel ist wohl größtmögliche Anschlussfähigkeit für unterschiedliche Männergruppen. Und ich muss euch nicht erzählen, das Feminismus auch für viele Menschen, denen grundsätzlich an Geschlechterdemokratie liegt, ein rotes Tuch ist, oder?)

Gleichzeitig machen sie mehr als klar, worum es ihnen im Kern geht: Um Geschlechtergerechtigkeit. Und sie machen sich in meiner Lesart über jene eher lustig, die jetzt gerade rumplärren, die aber ansonsten auch gerne mal in den Medien sofort zur Stelle sind, wenn man zum Beispiel MANNdat als frauenfeindlich bezeichnet (was ich bereits tat): Dann erscheint irgendein Herr Maus, der ganz entschieden gegen so eine Verleumdung eintreten will. Das gefährliche an MANNdat und Agens ist, dass viele nicht erkennen, was deren Pudelskern ist. Den aber macht das Bundesforum Männer in seinem Statement durch die Hintertür klar, in dem sie nach den Gründen fragen, warum eigentlich die beiden genannten Männerclubs nicht beigetreten sind:

Warum nicht? Was ist männerpolitisch nicht konsensfähig daran, dass wir uns

gegen jegliche geschlechtliche Diskriminierung …
auf umfassende gesellschaftliche Gleichstellung der Geschlechter in ihren jeweiligen Entwicklungen, Identitäten und der Vielfalt ihrer Lebensentwürfe …
auf konstruktiven Dialog zwischen den Geschlechtern …
auf die Ermutigung und Unterstützung von Männern, ihre Rolle als aktive Väter wahrzunehmen und als positive Vorbilder und verlässliche Bezugspersonen für Jungen und Mädchen zur Verfügung zu stehen …
auf eine Arbeit mit Jungen, die Jungen Handlungsoptionen und Zukunftsperspektiven jenseits patriarchaler und einengender Rollenvorstellungen ermöglichen …
auf den Respekt vor der Vielfalt sexueller Identitäten und vor dem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung …
auf die Überwindung von Gewalt und die Überwindung des Tabus des Mannes als Opfer von Gewalt …

verpflichten?

Wer diesen Grundsätzen nicht folgen kann, sollte dies auch in aller Öffentlichkeit deutlich machen, damit die Frauen und Männer in Deutschland wissen, woran sie sind. Wir haben die Prämisse unseres politischen Selbstverständnisses offengelegt: Geschlechtergerechtigkeit.

Zugegeben: Vorschusslorbeeren

Das Forum Männer hat von mir von der ersten Stunde an Vorschuss-Vertrauen erhalten. Denn es gründete sich unter anderem aus einer Gruppe, die dem Gunda-Werner-Institut bzw. der Heinrich-Böll-Stiftung nahestand. Und ich kannte einige der Männer aus der Gründungszeit durch gemeinsame Debatten und durch das lesen ihrer Texte. Und noch einmal: Die Ziele waren von Anfang an total klar: Geschlechterdemokratie.

Was für mich durch meinen kleinen Schock hängen geblieben ist: Ich muss das Vorschuss-Vertrauen auf jeden Fall überdenken und ich werde mich kundig machen, ob meine Vermutung, dass es Sarkasmus ist, stimmt. Erst wenn ich mir genügend Überblick über das Bundesforum Männer verschafft habe, um gewisse Dinge, die jetzt durch tweets wie oben von acid23 im Raum stehen, ausgeschlossen werden können, werde ich mich wieder positiv über den Verein äußern.

Nur dann bleibe ich mir wirklich treu. Ihr wisst ja: Offen, aber wachsam.

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Beschwerde an Fernsehrat: Sexuelle Belästigung bei neoParadise

Ich habe folgenden Brief an den Fernsehrat mitunterzeichnet:

An das
ZDF
Sekretariat Fernsehrat
55100 Mainz
Berlin, Frankfurt a.M., Fürstenberg, Hamburg
und München, den 16. Oktober 2012

Verharmlosung sexueller Belästigung in der Sendung neoParadise vom 4.10.2012
Verstoß gegen Paragraf 3, Abs. 3 der Satzung des Zweiten Deutschen Fernsehens

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Sendung „neoParadise – Wenn ich Sie wäre auf der IFA -Teil 2“ des Kanals zdf_neo vom 4. Oktober 20121 wird im Rahmen eines Wettbewerbs zwischen den Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf eine sexuelle Belästigung an einer vorher allem Anschein nach nicht eingeweihten Mitarbeiterin eines Messeausstellers inszeniert.
Zunächst fordert Herr Heufer-Umlauf Herrn Winterscheidt zu dieser sexuellen Belästigung mit den folgenden Worten auf: „Verwickle sie in ein Gespräch, fass ihr einmal an die Moppelklampen und zweimal an den Arsch.“ Als Herr Winterscheidt sich ziert, sagt er: „Kannst ja auch sagen Nein, dann hast Du halt verloren.“

Herr Winterscheidt spricht dann mit der Mitarbeiterin und berührt sie im Laufe des Gesprächs an der Brust und am Gesäß (zumindest stellt es sich für das Fernsehpublikum so dar, als habe eine Berührung stattgefunden, und die mimische Reaktion der Messemitarbeiterin deutet darauf hin, dass sie sich in ihrer Intimsphäre verletzt fühlt).
Im Anschluss findet ein Gespräch zwischen den Moderatoren statt, in dem Herr
Winterscheidt seine Handlung hinterfragt. Herr Heufer-Umlauf zeigt durch seine Mimik, dass er dieses Hinterfragen nicht ernst nimmt und macht sich dann mit den folgenden Worten über das Opfer der Belästigung lustig: „Gott, aber der war das auch so unangenehm, die stand da wirklich und hat sich so richtig entwürdigt gefühlt. Die fährt jetzt gleich nach Hause, und dann wird die schön heulen, unter der Dusche. Die steht jetzt sechs Stunden lang unter der
Dusche.“

Abgesehen von der Kaltblütigkeit, mit der Herr Heufer-Umlauf die Entwürdigung der Messemitarbeiterin und deren potenzielle Reaktion („heulen“) hier zu einem Anlass für Belustigung macht, ist die Erwähnung einer mehrere Stunden langen Benutzung der Dusche eine klare Anspielung auf ein Verhalten, das Opfer von Vergewaltigungen häufig zeigen.
Damit findet die Belustigung der beiden Moderatoren nicht nur auf Kosten der belästigten Messemitarbeiterin, sondern auch auf Kosten von Vergewaltigungsopfern insgesamt statt.
In der gesamten Filmsequenz werden die sexuelle Belästigung und Vergewaltigung von Frauen und die damit verbundene Entwürdigung verharmlost und als belustigend dargestellt. Sie stellt Frauen als Objekte dar, die man beliebig anfassen kann, und lädt zur Nachahmung ein. Damit leistet die Sendung eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders einer frauenfeindlichen Kultur der Übergriffigkeit Vorschub, wo der Bildungsauftrag es im Gegenteil gebieten würde, Aufklärungsarbeit zu leisten.

Mit der sexuellen Belästigung einer unbeteiligten Person wird das Prinzip der Menschenwürde verletzt, das nicht nur im Grundgesetz steht, sondern dem sich auch das ZDF in §3, Abs. 3 seiner Satzung noch einmal explizit verpflichtet, wo es heißt: „Die Anstalt hat in ihren Angeboten die Würde des Menschen zu achten und zu schützen. Sie soll dazu beitragen, die Achtung vor Leben, Freiheit und körperlicher Unversehrtheit, vor Glauben und Meinung anderer und auch vor Natur und Umwelt zu stärken. Die sittlichen und religiösen Überzeugungen der Bevölkerung sind zu achten. […]“

Gegen diese Verpflichtung hat das ZDF mit der Produktion und der Ausstrahlung der betreffenden Sequenz eklatant verstoßen. Daran ändert auch die Stellungnahme des Senders auf verschiedene im Internet veröffentlichte Beschwerdeschreiben nichts, die Berührungen seinen „lediglich angedeutet“ gewesen, das „Filmteam inklusive unserer beiden Moderatoren“ habe „nach dem Dreh noch einmal mit der Messehostess gesprochen“ und die
Ausstrahlung sei „mit ihrem Einverständnis“ erfolgt.

Die Produktion und die Ausstrahlung der betreffenden Sequenz sind inakzeptabel. Wir fordern deshalb den Fernsehrat auf, die Verantwortlichen zu ermitteln und eine klare und unmissverständliche öffentliche Rüge gegen diese auszusprechen. Zu den Verantwortlichen gehören neben den Moderatoren alle an der Produktion dieser Sequenz oder an ihrer Ausstrahlung beteiligten Redakteur/innen und sonstigen Mitarbeiter/innen des ZDF und der Produktionsfirmen „Endemol“ und „strandgutmedia“.

Des Weiteren fordern wir die Verantwortlichen beim ZDF und den beteiligten Produktionsfirmen auf, sich unmissverständlich öffentlich zu entschuldigen und sich zu verpflichten, die Intimsphäre von unbeteiligten (oder als unbeteiligt inszenierten) Personen zukünftig zu respektieren und sich allgemein an den §3, Abs. 3 der Satzung des ZDF zu halten.
Darüber hinaus fordern wir die Schaffung einer angemessen finanzierten Anti-
Diskriminierungs-Stelle im Fernsehrat, deren Aufgabe es u.a. sein soll, bei Redakteur/innen und Moderator/innen des ZDF und beauftragten Produktionsfirmen durch geeignete Informations- und Schulungsmaßnahmen ein Bewusstsein für den Respekt vor der Intimsphäre anderer Menschen zu schaffen und derartige Sendungen in Zukunft schon vor ihrer Ausstrahlung zu stoppen.

Mit freundlichen Grüßen

Anke Domscheit-Berg, M.A., Unternehmerin, Mitgl. EU High Level Advisory Women and Technology
Dr. Juliana Goschler, Sprachwissenschaftlerin (U. Hamburg) und Autorin (Dr. Mutti)
Susanne Klingner, Journalistin und Publizistin (Frau Lila)
Katrin Rönicke, Erziehungswissenschaftlerin und Publizistin (Frau Lila)
Dr. Antje Schrupp, Journalistin und Politikwissenschaftlerin
Dr. Joachim Schulz, Physiker (European XFEL) und Wissenschaftsautor (Quantenwelt, SciLogs.de)
Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch, Sprachwissenschaftler (FU Berlin) und Autor (Sprachlog, SciLogs.de)

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Normschön? Rassistisch?

Ich hadere in meiner letzten Kolumne mit neuer „innerfeministischer“ Kritik und frage mich, ab wann eine Frau als „weiß und normschön“ gilt. Und ob das ein Nachteil sein kann.

mein #609060 von heute morgen. und? normschön?

Es ist legitim, zu fragen, welche Menschen in einem Diskurs zu Wort kommen, und welche nicht. Doch wenn man Menschen aus Aussehen, Herkunft oder Alter einen Strick dreht, schwächt man unter Umständen ein Anliegen.

Wer feministisch agieren will und diese Haltung in seine Arbeit hinein trägt, begibt sich häufig allein deswegen auf glattes Eis, weil andere sich nicht widergespiegelt sehen. Aussehen, Alter, Herkunft und Bildung – das sind nur einige Kategorien, entlang derer sich ja auch wirklich einige Ausgrenzungen in der Gesellschaft abspielen. Es wird aber zu einem Dilemma, wenn man überall nur noch absichtliche Ausgrenzungen sieht. Ein Beispiel: In einem feministischen Popkulturmagazin, das sich immer wieder auch mit Mode befasst, werden Kleidungsstücke vorgestellt. Die Frauen, die man hierfür ablichtet sind keine Models, sondern vielleicht Freundinnen oder Bekannte der Blattmacherinnen, die man eben dazu überreden konnte. Es wird dann eventuell vorkommen, dass kritische LeserInnen des Magazins sich darüber beschweren, dass nur „normschöne“, weiße Frauen eines bestimmten Alters dargestellt würden. Das ist eine Art und Form der innerfeministischen Kritik, die momentan sehr in Mode ist.

Einfach „sein“

So zu lesen etwa in einem Vortrag über Intersektionale Perspektiven auf den Slutwalk: „Von weißen normschönen Heteras, die für ihr Recht sexy sein zu dürfen auf die Straße gingen“. Aber ab wann ist eine Frau eigentlich „normschön“? Muss ich mich selbst auch so einordnen und darf ich deswegen nicht mehr so präsent sein?  In den Augen mancher bin ich vielleicht eine „normschöne“ Feministin. So wie die jungen Frauen, die in meinem eingangs geschilderten Beispiel, in der Modestrecke im feministischen Magazin, auch „normschön“ waren. Aber magersüchtig bin weder ich, noch sie. Wir haben uns nicht operieren lassen, oder liften. Darf man noch „einfach sein“, also wie man ist?

Ob als Feministin, als Amateur-Model, als Politikerin, als Wissenschaftlerin, als Vegetarierin oder Veganerin in einem Online-Forum: Ist das in Ordnung? Oder muss man wirklich allein deswegen jetzt irgendwo fern bleiben, weil man jung, weiß und angeblich „normschön“ ist und damit wieder einmal dazu beigetragen hat, dass alle, die diesem Bild nicht entsprechen, unsichtbar gemacht werden?

Eine ähnliche Debatte erlebte ich jüngst im Zusammenhang mit dem fünften Geburtstag des feministischen Blogs Mädchenmannschaft. Auf der Veranstaltung, die ein Mix aus Workshops und Party war, gab es einen Workshop von einer der Autorinnen der Mädchenmannschaft, Hannah Wettig. Sie ist professionelle Journalistin und als solche regelmäßig in Nord-Afrika unterwegs. Die arabische Revolution hat sie vor Ort miterlebt und so bot sie einen Workshop zur Rolle der Frauen in den Arabischen Revolutionen an (in Analyse & Kritik hat sie dazu auch schon einen ausführlichen Artikel veröffentlicht). Im Nachhinein warf man ihr vor, dass eine Weiße hier über die (nicht anwesenden) arabischen Frauen geredet habe. Dies sei Rassismus.

Vielfalt als Wert an sich

Es sind Konflikte wie diese, die zeigen, dass man kein Umkehrargument daraus machen kann. Weder aus dem Aussehen, der Herkunft noch dem Alter oder dem Bildungsgrad sollte man denen, die sich engagieren – sei es nun feministisch, antirassistisch, für mehr soziale Gerechtigkeit und Bildungsgerechtigkeit – einen Strick drehen. Denn sie engagieren sich und wollen die Welt verändern. Darauf kommt es an. Das finden auch die Autorinnen eines weiteren Artikels aus der Analyse & Kritik, der sich kritisch mit dem Konzept der Critical Whiteness auseinandersetzt. „Ein Antirassismus, in dem nur diejenigen zu Wort kommen sollen, die als ‚Opfer‘ davon betroffen sind, reduziert den gesamten emanzipatorischen Inhalt eines solchen Projekts auf eine Art Interessenvertretung oder sogar Generalversammlung eines Mainstreams der Minderheiten.“ Finden die Autorinnen und setzen sich dagegen ein, dass Menschen nur, weil sie weiß seien, nicht an den Diskursen teilhaben dürften.

Natürlich ist und bleibt es ein Dilemma. Wenn wir Vielfalt und Diversität fördern wollen, dann müssen wir auch aktiv darauf achten, dass Menschen vertreten werden, die man gerne „übersieht“, denen man nicht aktiv eine Stimme in öffentlichen Diskursen einräumt. Dazu gehört es auch, an den entsprechenden Stellen, sei es in den Medien, auf Konferenzen oder in der Vernetzungsarbeit, aktiv daran zu arbeiten, dass nicht nur eine homogene Gruppe unter sich das Feld besetzt. Mehr Vielfalt und Diversität: Das bleibt ein Wert an sich.

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Du darfst nichts sagen!

Gestern sah ich die Talkshow „Roche und Böhmermann“ vom 16.09.2012. Manchmal mag ich diese Sendung, manchmal finde ich sie eher seltsam und nicht so gut. Die vom 16.09. ist gaaaanz großes Kino und wenn ihr irgendwie noch dazu kommt sie zu schauen – macht es! (Ihr findet sie in iTunes – einfach nach „Roche und Böhmermann“ suchen, die Sendung kann als Podcast abonniert werden. [note für Tim: Wie viele Podcasts ich schon hörte und sah, seit ich mir dieses twitter spare! <3]) Ab Minute 48:00 ungefähr entspinnt sich eine interessante Unterhaltung über die Kritikfähigkeit von Musikern (und wie ihre Fans abgehen, wenn man ihre heilige Band kritisiert). Eine Diskussion, die mit dem Abgang von Max Herre in der vorherigen Sendung einsteigt und die dann in einem starken und emotionalen Plädoyer von Olli Schulz gipfelt, das ich hier unbedingt weitergeben muss:

Ich kritisier auch andere Musiker und die machen mich dann voll fertig.

Damit musst du halt einfach leben: Wenn du dich in die Öffentlichkeit stellst und was singst, dann wird das nicht jeder geil finden. Du musst lernen, damit zu leben. Aber trotzdem darfst du auch selber als Musiker sagen, was du gut und scheiße findest. Und das machen viele nicht.

Markus Kavka erzählt dann, wie er Bushido einmal kritisierte und dann bei der Echo-Verleihung von Wandschränken eingeschüchtert wurde. Darauf kommt Olli Schulz richtig in Fahrt:

Das ist so voll schlimm, dass so asoziale Typen sich sone Asi-Lobby gebaut haben und man traut sich nicht mehr, was zu sagen! – Das ist so! *lacht* – ja, das ist das Allerschlimmste!

Es folgt ein knackiger Rant auf die Böhsen Onkelz mit der Konklusio:

Sobald du was sagst, kommen da so 150.000 Asis, weil es gibt halt mehr Arschlöcher, als gute Menschen auf diesem Planeten – das ist Fakt! Und dann musst du gegen die Arschlöcher alle kämpfen. Deswegen muss man sich auch ab und zu zurückziehen.

Du darfst heute nichts mehr sagen! Weil wir leben in einer Zeit – jetzt kommen wir wieder zurück zur Religion! – ich muss mal kurz ein menschliches Plädoyer halten! – viele Menschen wissen nicht mehr, woran sie glauben sollen! Religionen verschwimmen immer mehr. Und dann glauben sie an irgend sone Kackband! Und glauben, dass die Band ihr Leben ist! Das ist noch viel schlimmer als Religion!

Das ist einfach so schlimm, dass Leute das dann so als ihren Lebensinhalt sehen. Ich finde halt: Musik ist so’n gutes Ding um dein Leben zu unterstützen und du solltest das nicht zu ernst nehmen!

Tschackaaa Olli!

Dazu Fiva:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=uedt8eUNqDI]

Warum fand ich das so geil? nun: Ich finde halt: Feminismus ist so’n gutes Ding um dein Leben zu unterstützen und du solltest das nicht zu ernst nehmen!

Edit: 17:55 Uhr: Zum letzten Satz. Der ist missverständlich – ich weiß. Ich gehe einfach mal davon aus, dass ihr alle wisst, wie ernst mir das mit dem Feminismus ist. Der Seitenhieb geht halt in Richtung Leuten, die es *zu ihrem Leben* machen und in die Luft gehen, wenn man ihre Art es zu machen, mal kritisiert.

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FSU Wien: Pragmatischer Feminismus und Critical Whiteness

Vom 19.-21.09.2012 war ich Gast bei der FrauenSommerUni in Wien, der #fsuwien, wie auf twitter der Hashtag hieß. Ich besuchte dabei sehr interessante Vorträge und Workshops, die man dank der tollen medialen Aufzeichnung und Dokumentation nun auch alle im Internet ansehen und anhören kann. Die FSU Wien war eine ganz tolle Bildungsveranstaltung. Ich habe viel gelernt, tolle Frauen kennen gelernt und ich wünsche mir, dass sich das Konzept der FrauenSommerUni ausbreitet. Warum nicht eine FrauenSommerUni Berlin? Oder Hamburg, Köln, München… Wer Lust darauf hat: Der Kontakt mit den Organisatorinnen kann gerne vermittelt werden.

Pragmatischer Feminismus

(c) Bettina Frenzel

Am Freitag Vormittag hielt ich selbst einen Vortrag. Unter dem Titel „Pragmatischer Feminismus – Zwischen Realität und Vision einen Weg bahnen“ blickte ich auf die philosophische Denkrichtung des Pragmatismus mit einem feministischen Blick und versuchte, die Ideen des Pragmatismus auch für den Feminismus nutzbar zu machen. Es entspann sich noch während des Vortrags eine kleine Diskussion über die Formulierung, der Pragmatismus würde „überflüssiges Theoretisieren“ ablehnen. Insgesamt sind nach dem Vortrag noch viele Fragen offen geblieben – ich selbst stehe noch relativ am Anfang mit der Idee, Feminismus pragmatisch aufzuziehen. So gesehen war der Vortrag eine Art Testballon – aber ich bleibe in der Sache auf jeden Fall am Ball.

Die Folien stelle ich euch pragmatischer Feminismus zur Verfügung. Die darin fehlende Charlene Haddock Seigfried sei hiermit nachgereicht – einen Überblick über ihre Werke könnt ihr nach dem Klick gewinnen. Ansonsten wurde einiges auch schon ins Deutsche übersetzt und kann im Buchhandel erworben und in Bibliotheken ausgeliehen werden. Den Vortrag könnt ihr euch nun jedenfalls auch ansehen:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=Nyg4jx3TOBo]

Feminismus und Critical Whiteness

Am Tag davor hatte ich einen Vortrag von Stefanie Mayer angehört, den ich hier gerne empfehlen möchte. Sein Titel lautete: „Politik der Differenzen. Anti-/Rassismus im weißen Feminismus in Wien“ und Stefanie Mayer schilderte darin ein Dilemma, das kurz darauf an ganz anderer Stelle sehr stark ausbrach: Manchmal stehen internationale Frauensolidarität und antirassistische Einstellungen (momentan auch stark im Rahmen der Critical Whiteness debattiert) einander diametral entgegen. Das ganze wurde am Beispiel eines Eklats auf einer österreichischen feministischen Mailingliste verdeutlicht und führte dann in eine recht angeregte Diskussion. Was mir gefallen hat war die ehrliche Antwort von Stefanie Mayer, auf das Problem einfach keine Antwort zu haben und noch daran zu knabbern. Wenn ihr mögt, schaut selbst noch einmal rein:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=rrgmrR2GpUE]

Alle weiteren Filme und Vorträge findet ihr auf den Seiten FSU in Wort und Bild. Ich selbst habe vor allem auch aus dem Vortrag von Hilde Schmölzer „Revolte der Frauen. Porträts aus 200 Jahren Emanzipation“ sehr viel neues Wissen mitgenommen.

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