Treffen und hören: die Kadda auf der re:publica 12

Auch dieses Jahr werde ich mich wieder aktiv auf der re:publica einmischen. Und es ist mir eine besondere Freude, denn dieses Jahr darf ich das tolle Projekt Featurette von Frau Lila vorstellen. Vielleicht erinnern sich einige von euch noch an meinen letzten Vortrag auf der re:publica: Ich sprach über Stereotype, über Sichtbarkeit und Wettkampf – und wie das alles sich auf ein unausgeglichenes Macht- und Einflussverhältnis zwischen den Geschlechtern in der digitalen Gesellschaft auswirkt. Bei Blogger_innen im Gespräch (Link führt zum Video) mit Philipp Banse erklärte ich das alles auch noch einmal in Kurzform.

Das wirklich tolle ist, dass aus all den dort angestoßenen Ideen und Diskussionen wirklich weiterführende Projekte und Lösungsansätze erwachsen sind. So kann ich euch dieses Jahr das von Susanne Klingner, Barbara Streidl und mir (AKA Frau Lila) entworfene Webmagazin Featurette vorstellen, das genau am Problem der mangelnden Sichtbarkeit ansetzt und eine Lösung versucht. Die Featurette wird ein Portal, das gute Webinhalte stärker herausstreicht, indem es sie in einem Webmagazin präsentiert. Im Falle der Featurette sind das Inhalte von Bloggerinnen zu einer großen Themenbreite.

nullEin zweiter wichtiger Schritt ist unser Kontakt und Austausch mit Wikimedia e.V. zur Frage der Gender Gap in der Wikipedia. Auch hierzu wird es auf der re:publica eine Diskussionsrunde geben. Denn Wikimedia e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, den Frauenanteil in der Wikipedia zu verdoppeln (er liegt jetzt bei ca. 9 Prozent). International gibt es viele tolle Ansätze und die Vernetzung nimmt richtig Fahrt an. Diesen Vibe wollen wir auch für Deutschland nutzen und gemeinsam diskutieren, wo genau die Probleme liegen, welche Ideen innerhalb der Community existieren und welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen die Gender Gap hat. Es diskutieren:
Susanne Patzelt (Journalistin)
Andreas Kemper (Autor)
Anja Ebersbach (Präsidium Wikimedia Deutschland)
Dirk Franke (Präsidium Wikimedia Deutschland, Wikipedianer)
Stefanie Senger (Wikipedianerin)

ich habe die Ehre der Moderation.

Beide Veranstaltungen finden am Mittwoch, 02. Mai, statt.

Ich freue mich!

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Post aus dem BMFSFJ

Bin ja im Presseverteiler des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Heute kamen drei Pressemeldungen, die ich irgendwie merkwürdig fand – aber doch wiederum sehr cool. Seht selbst:

 

Bundeskonferenz zur Kindertagespflege in Berlin

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat für heute (Montag) rund 360 Vertreterinnen und Vertreter aus Praxis und Wissenschaft zur Bundeskonferenz “Kindertagespflege: Familiennah und gut betreut” eingeladen. Diskutiert werden aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven der Kindertagespflege.

“Kindertagespflege ist eine besonders familiennahe Betreuungsform, die optimale Rahmenbedingungen für eine individuelle Förderung der Kinder bietet”, sagte der Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Josef Hecken, anlässlich der Eröffnung der Konferenz in Berlin. “Tagesmütter und -väter können flexibel auf die Wünsche und Bedürfnisse von Eltern eingehen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Deshalb ist die Kindertagespflege ein wesentlicher Bestandteil des qualitativen und quantitativen Ausbaus der Kindertagesbetreuung.”

Heißt es da in der Mail. Sie geht noch weiter und klingt alles ganz vernünftig. Der Name Kristina Schröder fällt nicht.

Die zweite Mail beginnt so:

Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten in Düsseldorf

400 kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte aus der ganzen Bundesrepublik werden heute (Montag) auf der Bundeskonferenz im Congress Centrum Düsseldorf über das Thema “Frauen und Männer: Gleiche Chancen!?” diskutieren. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend, Dr. Hermann Kues, wird die Konferenz eröffnen.

“Die zeitweise Übernahme von familiären Aufgaben darf nicht zwangsläufig zulasten der beruflichen Karriere gehen”, sagte Dr. Hermann Kues. “Der Schlüssel zu fairen Chancen im Beruf für Frauen und Männer liegt in einer neuen Unternehmenskultur, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit kreativen Lösungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zur Seite steht. Hier setzen wir mit unserer Politik an: Wir fördern familienfreundliche und flexible Arbeitszeiten und regionale Bündnisse für Chancengleichheit, wir unterstützen Eltern mit Elterngeld und berufstätige Angehörige von pflegebedürftigen Menschen mit der
Familienpflegezeit, wir setzen auf eine Flexi-Quote für mehr Frauen in Führungspositionen und helfen Frauen beim Wiedereinstieg in den Beruf.”

Sie geht noch weiter. Man mag nicht allem zustimmen. Der Name Kristina Schröder fällt jedenfalls nicht.

Dritte Mail geht so:

Acht Leitsätze für familienbewusste Arbeitszeiten

Staatssekretär Josef Hecken und DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann eröffnen Unternehmenstag “Erfolgsfaktor Familie 2012″

Das Bundesfamilienministerium und die Wirtschaft haben gemeinsam Leitsätze für eine flexible und familienbewusste Arbeitszeitkultur in deutschen Unternehmen erarbeitet. Dafür werben auf dem Unternehmenstag “Erfolgsfaktor Familie 2012″ im Haus der deutschen Wirtschaft in Berlin der Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Josef Hecken gemeinsam mit dem Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Hans Heinrich Driftmann. Die Veranstaltung knüpft an die im vergangenen Jahr verabschiedete “Charta für familienbewusste Arbeitszeiten” an, in der sich Politik und Wirtschaft auf ein gemeinsames Engagement für innovative und moderne Arbeitszeitmodelle verpflichtet haben.

“Wir brauchen in Deutschland ein neues Verständnis von flexibler Arbeitszeitgestaltung, damit Mütter und Väter Leistung im Beruf und Verantwortung in der Familie besser vereinbaren können”, fordert Staatssekretär Josef Hecken. “Flexibilität heißt auch: flexibel auf die familiären Bedürfnisse der
Beschäftigten einzugehen. Produktivität bedeutet heute mehr als Präsenz - wir wollen eine Kultur, die Ergebnisse in den Mittelpunkt stellt. Politik und Wirtschaft müssen gemeinsam Lösungen für eine familienbewusstere Arbeitszeitgestaltung finden. Daran arbeiten wir mit unseren Partnern.”

Die Mail geht noch weiter. Alles klingt ganz vernünftig. Der Name Kristina Schröder fällt nicht.

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Konflikt: FoxyProxy, Stealthy und Google-Suche

Kurzer Bericht:

Seit heute nutze ich das Firefox-Addon “Stealthy”. Es ermöglicht recht viele Freiheiten, die man sonst nicht hat – informiert euch auf der Addon-Seite einfach selbst, falls ihr es noch nicht kennt. Interessant fand ich folgende Probleme, das eine weniger verwunderlich, das andere schon eher creepy.

“Stealthy” funktionierte bei mir scheinbar erst einmal nicht, trotz Aktivierung und Neustarts von Firefox. Zum Glück kam ich Recht schnell auf die Idee, dass es mit der gleichzeitigen Installation und Nutzung von “FoxyProxy” zusammenhing. Das Deaktivieren von “FoxyProxy” ermöglichste sodann auch die Nutzung von “Stealthy”.

Google nicht mehr benutzbar

Was mich mehr überraschte war folgende Fehlermeldung von Google, als ich seine Suchmaschine nutzen wollte:

Da es meine erste Nutzung des Addons war, hatte ich ein bisschen an den Einstellungen herumgespielt (man schaut ja, was so geht) und probierte auch “Einen US-Proxy verwenden, um exklusive amerikanische Inhalte freizuschalten.” Daran lag wohl auch die Verweigerung googles, mich suchen zu lassen.

Natürlich ist die Sache genauso schnell gelöst gewesen, wie auch die Inkompatibilität von “FoxyProxy” und “Stealthy”: Das eine wieder aktiviert, das andere wieder deaktiviert. Aber merke: Das alleinige Deaktivieren von “Stealthy” genügt nicht. Google “weiß” trotzdem, dass du böse warst und verweigert dir den Zugang zu seiner Suchmaschine. “FoxyProxy” braucht es nach so einem Benehmen dann schon.

Hallo, schöne neue Web-Welt.

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Ein Rückblick mit Anti-Flausch-Komponente

Noch schnell vor Ostern und vor dem Umzugsstress eine kleine Linkschleuder, damit das einfach mal erwähnt ist, was in meinem Instapaper geduldig wartend herumliegt:

Giving Women the Access Code
>> Sehr guter Artikel über die verschiedenen Probleme im Bereich Frauen und Informatik. Mit dem tollen Schlusssatz einer, die es durchgezogen hat:

“If you’re constantly pushing yourself, and putting yourself in new environments, you’ll feel it over and over again,” she said. “So the only really important thing is not to let it stop you.”

es östert sehr. Bild (CC BY-NC-SA 2.0) von 30003019 via Flickr: http://www.flickr.com/photos/30003019/425477231/

Changing our culture of consumption
>> Oh ja – spannend, spannend! Wie färben sich Klasse und Kultur eigentlich auf unsere Einstellung zur Umwelt ab? In Salon spricht die Autorin von “True Wealth” darüber, wie sich Konsum und Umweltschutz gegenseitig bedingen. Wie man am Konsum ansetzen muss, wenn man die Umwelt schützen will. Lang aber lesenswert.

Überlegungen zur repräsentativen Demokratie
>> Auch Antje Schrupp denkt über die repräsentative Demokratie nach und ist zuerst kurz überrascht, dass es doch auch ganz passabel damit läuft – auch wenn diese positive Überraschung nicht länger als einen Blogpost halten mag.

Presse und Freiheit
>> Julia Schramm ist Piratin. Und manchmal auch schnell auf 180. So wie viele PiratInnen. Impulskontrolle ist nicht immer deren beste Disziplin – aber das macht nichts. Das ist unterhaltsam. Nun schlägt Julia oftmals auch sehr nachdenkliche und politisch sinnierende Töne an. Besonders gut gefallen hat mir ihre Reflexion über die Presse, die bösen Schlagzeilen und wie damit umzugehen sei.

“Nur weil ich schwarz bin”
>> Kübra Gümüsay denkt in ihrem fremdwörterbuch ein wenig über die problematischen Implikationen nach, die eine häufige und manchmal unpassende Verwendung dieses Satzes haben kann. Sie denkt sich dabei zurück in ihre eigene Kindheit und holt die damals gemachten Erfahrungen hervor, um aktuelle Diskussionen zu reflektieren. Besonders schön fand ich die Aussage: “Doch wir sagten diesen Satz so oft, gebrauchten ihn so inflationär, dass er seine Wirkung verlor.”

Friedensnobelpreisträgerin verteidigt Homo-Verbot
>> die liberianische Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf hat in einem Interview das Verbot von Homosexualität in ihrem Land verteidigt. 2011 hatte sie für ihren Einsatz gegen die Vergewaltigung von Frauen den Friedensnobelpreis erhalten. queer.de berichtet.

Der erfundene Horror der chinesischen iPad-Fabriken
>> lest es bitte als eine Gegendarstellung einer früheren Meldung einer meiner Linkschleudern – und dankt der FAZ für eine Klärung. Und ich denke mal über das nach, was man einfach so glaubt, glauben muss, schlucken muss und wieviel davon vermutlich einfach nicht stimmt.
(via mh120480)

Chaos der Kulturen
>> So heißt das neue Buch von Necla Kelek, auf das ich mich sehr freue. Ich mag Necla Kelek eigentlich ziemlich gerne, teile ihre Art, an die Dinge heranzugehen bislang beinahe eins zu eins. Der Freitag hat sich hier sehr viel Mühe gemacht und liefert flankierende Artikel und Videos.

„Es gibt eine Menge afrikanischer Blogger, wir hören ihnen nur nicht zu“
>> sagt Ethan Zuckerman und als derjenige, der bereits umsetzt, was ich neulich als “neue” Idee hatte liefert er einen sehr interessanten Einblick und neuen Standpunkt zu Fragen wie: Was ist eigentlich “Qualitätsjournalismus”? Warum verpasse ich so viel in meiner Filterbubble – und ist das schlimm? Wie überbrücken wir in der Zukunft die Sprachbarrieren, damit das Internet sein Kommunikations- und Informationspotential besser entfaltet. Großes *hach* – und lesen – husch!

Weniger Arbeit für alle!
>> und mit dieser Forderung sprechen die fuckermothers wohl nicht nur mir aus der Seele.

Amerikas unmoralischer Dronen-Krieg in Pakistan
>> ist Thema dieses Salon-Artikels. Eine Debatte, die uns ab jetzt wohl häufiger über den Weg laufen wird. Dronen sind die logische Konsequenz einer “postheroischen Gesellschaft”, sagt Herfried Münkler. Was aber bedeutet das für die Kriege, in denen sie eingesetzt werden? Für die Menschen, die angegriffen werden? Für die Bilder, die um die Welt gehen… 1.000 Fragen.

Feminismus für Fortgeschrittene
>> titelt die Zeit und betrachtet unter diesem Titel die britische Autorin Caitlin Moran und ihr Buch “How to be a woman”. Es ist unter sehr vielen verschiedenen Aspekten gesehen ein sehr interessanter Mensch, der hier schreibt. Aber lest selbst.

Die Entzauberung des Kuschelhormons Oxytocin
>> Solche Artikel mag ich aus Prinzip: Etwas, das Jahrzehntelang als völlig klar galt und fast schon jedem Schulkind bekannt war wird einfach dekonstruiert, weil man quasi das Gegenteil herausgefunden hat. Ja: Oxytocin macht uns irgendwie “flauschiger” – hach FLAUSCH – aber je flauschiger wir sind, so die Ergebnisse, desto ausgrenzender werden wir. Desto intoleranter gegen das den Flausch störende. Das ist auf so vielen Ebenen spannend! Danke, du Forschung du – du bist eben doch besser, als dein Ruf!

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