The Leftist Elite

Oder: Warum ich das Blog umgenannt habe


(Linke Elite – Problem der Welt. Bild: Simone de Beauvoir, Sartre und Che Guevara 1960 in Kuba, via wikimedia commons)

Der Name „Wildwuchs“ (wie dieses Blog ursprünglich hieß), war nett, aber nur eine Art Verlegenheitslösung. Oder sagen wir: Ein „Arbeitstitel“. Irgend ein Name musste eben her. Und ein bisschen passen sollte er ja schon auch. Und er passte ja auch zu mir. Ich sehe mich schon als einen Wildwuchs.
Aber so richtig geil war er eigentlich nicht.

Als mir der Satz „Part of the Problem in this world are because of the LEFTIST ELITE!“, der wahrscheinlich von google ins Englische übersetzt worden war, über den Weg lief, sprang mir dieses „the LEFTIST ELITE“ förmlich in die Augen und auch ins Herz. Großartig.

Ich handelte schnell und reflexhaft, die Domain war sofort gesichert. Es ging einfach so mit mir durch. Ein schöner Header musste noch her. Jetzt habt ihr statt der schönen Wiese des elterlichen Gartens der Autorin die sehr adrett ausschauende Familie Marx plus Engels als ständige Begleiter für mein Blog. Denn wer, wenn nicht Marx, könnte sonst der Inbegriff von „the leftist elite“ sein? Wer Marx einmal gelesen hat, weiß, wie elitär der Kerl war und auch dachte. Er trug stets teure Kleidung und trank nur sehr guten Wein. Mit Proletariat war bei Marx nix. Ist ja auch nicht schlimm. Warum sollte einer der wichtigsten Denker der politischen und der soziologischen Theorie auch nicht ein lasterhaftes, ausschweifendes und elitäres Leben haben?

Lasst uns hier ebenso elitär, ausschweifend und lasterhaft dem Elitendasein frönen.
Prost!

(Edit: dieser Text stand in meinem alten Worpress-gehosteten Blog mit anderem Header)

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Respekt ist eine Zweibahnstraße

Kulturrealitvismus ist eine Zweibahnstraße.


(Bild: Alain Bachellier via Flickr)

Es ist gut, dass ein wenig Zeit seit den sehr hitzigen und polemischen Debatten um Integration und Verschleierung vergangen ist. Vielleicht immer noch nicht genug. Doch das Buch „Die große Verschleierung“ von Alice Schwarzer ist einer ernsten und differenzierten Diskussion würdig. Zuerst aber muss eine Unterscheidung getroffen werden, da sonst die Diskussionen zu sehr durcheinander gehen: Es gibt einerseits die Debatte um das Kopftuch, andererseits die Debatte über die vermeintliche „Gefahr“ des Islamismus, des politisierten Islam, ein Thema, das Alice Schwarzer seit ihrer Reise nach Teheran bewegt. Die Frage nach der Legitimität des Tragens eines Kopftuches ist schnell beantwortet: Jeder Mensch darf sich kleiden, wie er beliebt. Diese Freiheit darf nur in Fällen, in denen dieses Recht mit anderen (Grund-)Rechten kollidiert, in Frage gestellt werden – bei dem Tragen einer Burka zum Beispiel sehe ich die Würde des Menschen angetastet, sie ist gewissermaßen auch Nötigung und keineR kann mir erzählen, dass Frauen sich freiwillig derart sozial von ihrer Umwelt abschneiden. So habe ich das immer vertreten. Und dennoch steht dem die Meinung gegenüber, das Tragen eines Kopftuches sei gleichzusetzen mit der Unterdrückung der Frauen. Ich habe unzählige Debattenbeiträge und Kommentare über die Frage nach dem Ursprung und der Aussage des Tragens eines Kopftuches gelesen. Wie so oft, sind nicht sie es, die einem die Antwort auf ein Dilemma geben können, sondern es ist der persönliche Kontakt und Austausch. Deswegen habe ich eine Kopftuch tragende Muslima gefragt „Sag mal, warum…?“ und sie antwortete:

„Es ist mein Glaube und meine Kultur. Stell es dir so vor: Du ziehst in ein Land mit einer völlig anderen Kultur, wo Frauen mit freien Brüsten herumlaufen. Aber freie Brüste sind für dich kulturell anders besetzt, als für diese Frauen. Du würdest dir also wünschen, man akzeptiere es, wenn du trotz der dortigen Kultur deine Brüste bedecken darfst, oder?“

„Respekt ist eine Zweibahnstraße“ weiterlesen

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Böse Mädchen

Das Buch „Das böse Mädchen“ von Maria Vargas Llosa – es ist ein seltsames Ding.


Bild: Dyanna via Flickr)

Seit einiger Zeit nun zelebriere ich des abends das Lesen, denn der Fernseher wurde bei uns abgeschafft, die notwendige Fernbedienung in notarielle Verwahrung übergeben. Nun habe ich schon wirklich viel gelesen. Vor allem die wunderbaren Krimis von Fred Vargas haben es mir in dieser Zeit angetan. Mit viel Freude hat mich das Simone de Beauvoir-Lesebuch von Alice Schwarzer erfüllt. Im Moment bewundere ich sehr die Erzählkunst von Jan Weiler in „Drachensaat“, das ich als mein aktuelles Buch erfürchtig verschlinge.

Mit Vargas Llosa ist es deswegen umso seltsamer, als ich gerne eine schöne Geschichte über ein „böses Mädchen“ gelesen hätte. Böse Mädchen sind meistens eine Geschichte wert. Zum Beispiel, wenn sie aus den gesellschaftlichen Erwartungen ausbrechen und fiese, kaltblütige Politikerinnen werden. Oder wenn sie einen Mann nach dem anderen „verschlingen“ vor Wollust und Gier nach Bestätigung. Böse Mädchen könnten überall eine Geschichte erleben: In Afghanistan, in China – sogar in Gelsenkirchen! Sie könnten morden ohne Skrupel oder einfach nur zu sich selbst böse sein – die vielleicht häufigste Form bei Mädchen (?). Langweilig wäre wohl keine dieser Geschichten und nach meiner Lektüre von Fred Vargas „Schöne Diva von Saint-Jaques“ hatte ich große Erwartungen. „Böse Mädchen“ weiterlesen

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