Und jetzt?! -Deutschland vor der Wahl

So war das 2005, kurz bevor Rot-Grün vor die Hunde ging.

Die Ankündigung vorgezogener Wahlen war ein politischer Paukenschlag, der ordentlich in die sonntagabendliche, deutsche Gemütlichkeit rummste.

Joschka Fischer Wahlplakat
(Foto: Till Westermeyer)

Es war die wohl größte Wahlschlappe in der Geschichte der SPD – ausgerechnet das Stammwählerland der Sozialdemokraten ging an diesem Wochenende an die Union verloren. ‚Wir haben die Schnauze voll von euch!‘ lautete die unmissverständliche Botschaft der Wähler, die schon zuvor angemeldet hatten, dass sie sich über einen frischen Wind im Landtag freuen würden. Doch es war sicherlich nicht die nordrheinwestfälische Landespolitik alleine, die den Wähler in die Arme der CDU trieb, sondern eine deutschlandweite Unzufriedenheit. Der Kanzler selbst war es, der – wie durch ein Wunder – erkannt hatte, wer hier eigentlich in Frage gestellt wurde.

Der Kanzler
Die Parteien bekamen, wie immer als erste, die ersten Hochrechnungen der großen Meinungforschungsinstitute am Sonntag Nachmittag, 15 Uhr, mitgeteilt. Ab da wurden aufgeregte Telefonkonferenzen, die eine Strategie entwickeln und verbreiten helfen sollten, aber auch ein ganz besonderes Vieraugengespräch geführt. Letzteres wird vielleicht einmal als DAS Vieraugengespräch in die Geschichte eingehen, in dem der Kanzler und sein Parteivorsitzender eine Erkenntnis hatten: Alea iacta sunt – die Würfel sind gefallen.

Man habe nach der Entscheidung für Neuwahlen den Vizekanzler informiert. Weder die eigene, noch die Partei des Koalitionspartners, wurde eingeweiht. Vielleicht besser so, sonst wäre noch irgendein Plappermaul auf die Idee gekommen, der Presse einen Tipp zu geben, die grandiose Überraschung wäre missglückt und uns wären die entsetzten Blicke Angela Merkels, Claudia Roths und Klaus Uwe Benneters nicht vergönnt gewesen.
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Darum sind wir so … arrogant

Oder: Kaddinsky als Vergleichende Verhaltensforscherin ;)

Arroganz ist das uns kühl entgegenschlagende Überlegenheitsgehabe anderer Menschen. Welchen Zweck erfüllt sie?


(Foto: Sergio Montijano via Flickr)

Arroganz ist wie der Säureschutzmantel der Haut. Sie wird aufgetragen um eventuelle Angriffe von vornherein zu vereiteln. Wie Salzsäure verätzt sie jede Kritik im Nu, fährt sie dir übers Maul und klatscht dir eine gehörige Portion Verachtung ins Bewusstsein.

Was nützt es?
Arroganz spielt in der Natur eine wichtige arterhaltende Rolle. Sie ist eine abgemilderte oder vorgeschaltete Form der offenen innerartlichen (oder auch zwischenartlichen – wenn man sich das Verhalten des Menschen gegenüber der anderen Tiere anschaut) Aggression. Um ihre Funktion zu verstehen, ist es sinnvoll, sie mit den sogenannten Kommentkämpfen, die uns von vielen Tierarten bekannt sind, zu analogisieren. Kommentkämpfe sind Kämpfe nach bestimmten Regeln, die um Nahrung oder Weibchen/Männchen ausgetragen werden. Die Regeln sind vermutlich genetisch „einprogrammiert“ und dienen der Arterhaltung, denn bei diesen Kämpfen wird nicht getötet. Denken wir zum Beispiel an zwei Hirsche, die sich mit den Geweihen ineinander verhaken und gegenseitig nach vorne schieben. Oder an den Pfau, hier genügt die bloße Demonstration des Rades und wer das größere hat, „gewinnt“. Nicht selten entscheidet, wer am lautesten Brüllen kann, oder wer größer wirkt. Was zählt ist einzig der Eindruck, der hinterlassen wird. Dahinter steckt meistens nicht mehr, als eine rein körperliche „Überlegenheit“.

Die Arroganz ist gleichermaßen mit einem „Mächtigwirken“ assoziiert, wie das Gebrüll, die Geweihe und das Rad des Pfauen. Wer sich von vornherein selber zum Überlegenen erklärt, hat keine schlechten Chancen, den Gegner/die Gegnerin allein mit seinem Gehabe auszustechen und somit eine ernsthaftere Auseinandersetzung zu vermeiden, bzw. ohne deren Stattfinden zu „gewinnen“.

Die Moral von der Geschicht
Zweifelsohne dürfte die „Ur-Arroganz“ unseren steinzeitlichen Vorfahren einen enormen evolutiven Vorteil im Kampf und Nahrung und im Streit um einen Fortpflanzungserfolg geholfen haben! Allein die Energie-Einsparung, die durch das Vermeiden der „richtig harten“ Kämpfe erreicht werden kann! Arroganz hat also eine durchaus positive Funktion und kann als legitimes Mittel für die einfache und schnelle Lösung eines Streites angesehen werden. Wer jedoch die Arroganz zur Lebensmaxime erhebt läuft Gefahr, Freund und Feind nicht mehr auseinanderhalten zu können und irgendwann alleine dazustehen. Wer die Arroganz als Mittel zum „Gewinnen“ anwendet sollte zudem immer die gespielte von der echten Überlegenheit zu unterscheiden wissen, sonst kann es schnell peinlich werden!

Fußnote
[die Evolution hat Tiere auch schon in Sackgassen geführt: So wurden die Geweihe einer Elch-Art in Skandinavien von Generation zu Generation immer größer und größer. Als aber die Eiszeit vorbei war und Bäume zu wachsen begannen, blieben die Elche mit ihren „Supergeweihen“ plötzlich immer häufiger an den Stämmen hängen und verhungerten]

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