So war das 2005, kurz bevor Rot-Grün vor die Hunde ging.
Die Ankündigung vorgezogener Wahlen war ein politischer Paukenschlag, der ordentlich in die sonntagabendliche, deutsche Gemütlichkeit rummste.

(Foto: Till Westermeyer)
Es war die wohl größte Wahlschlappe in der Geschichte der SPD – ausgerechnet das Stammwählerland der Sozialdemokraten ging an diesem Wochenende an die Union verloren. ‘Wir haben die Schnauze voll von euch!’ lautete die unmissverständliche Botschaft der Wähler, die schon zuvor angemeldet hatten, dass sie sich über einen frischen Wind im Landtag freuen würden. Doch es war sicherlich nicht die nordrheinwestfälische Landespolitik alleine, die den Wähler in die Arme der CDU trieb, sondern eine deutschlandweite Unzufriedenheit. Der Kanzler selbst war es, der – wie durch ein Wunder – erkannt hatte, wer hier eigentlich in Frage gestellt wurde.
Der Kanzler
Die Parteien bekamen, wie immer als erste, die ersten Hochrechnungen der großen Meinungforschungsinstitute am Sonntag Nachmittag, 15 Uhr, mitgeteilt. Ab da wurden aufgeregte Telefonkonferenzen, die eine Strategie entwickeln und verbreiten helfen sollten, aber auch ein ganz besonderes Vieraugengespräch geführt. Letzteres wird vielleicht einmal als DAS Vieraugengespräch in die Geschichte eingehen, in dem der Kanzler und sein Parteivorsitzender eine Erkenntnis hatten: Alea iacta sunt – die Würfel sind gefallen.
Man habe nach der Entscheidung für Neuwahlen den Vizekanzler informiert. Weder die eigene, noch die Partei des Koalitionspartners, wurde eingeweiht. Vielleicht besser so, sonst wäre noch irgendein Plappermaul auf die Idee gekommen, der Presse einen Tipp zu geben, die grandiose Überraschung wäre missglückt und uns wären die entsetzten Blicke Angela Merkels, Claudia Roths und Klaus Uwe Benneters nicht vergönnt gewesen.
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