Ein Rückblick mit Anti-Flausch-Komponente

Noch schnell vor Ostern und vor dem Umzugsstress eine kleine Linkschleuder, damit das einfach mal erwähnt ist, was in meinem Instapaper geduldig wartend herumliegt:

Giving Women the Access Code
>> Sehr guter Artikel über die verschiedenen Probleme im Bereich Frauen und Informatik. Mit dem tollen Schlusssatz einer, die es durchgezogen hat:

“If you’re constantly pushing yourself, and putting yourself in new environments, you’ll feel it over and over again,” she said. “So the only really important thing is not to let it stop you.”

es östert sehr. Bild (CC BY-NC-SA 2.0) von 30003019 via Flickr: http://www.flickr.com/photos/30003019/425477231/

Changing our culture of consumption
>> Oh ja – spannend, spannend! Wie färben sich Klasse und Kultur eigentlich auf unsere Einstellung zur Umwelt ab? In Salon spricht die Autorin von „True Wealth“ darüber, wie sich Konsum und Umweltschutz gegenseitig bedingen. Wie man am Konsum ansetzen muss, wenn man die Umwelt schützen will. Lang aber lesenswert.

Überlegungen zur repräsentativen Demokratie
>> Auch Antje Schrupp denkt über die repräsentative Demokratie nach und ist zuerst kurz überrascht, dass es doch auch ganz passabel damit läuft – auch wenn diese positive Überraschung nicht länger als einen Blogpost halten mag.

Presse und Freiheit
>> Julia Schramm ist Piratin. Und manchmal auch schnell auf 180. So wie viele PiratInnen. Impulskontrolle ist nicht immer deren beste Disziplin – aber das macht nichts. Das ist unterhaltsam. Nun schlägt Julia oftmals auch sehr nachdenkliche und politisch sinnierende Töne an. Besonders gut gefallen hat mir ihre Reflexion über die Presse, die bösen Schlagzeilen und wie damit umzugehen sei.

„Nur weil ich schwarz bin“
>> Kübra Gümüsay denkt in ihrem fremdwörterbuch ein wenig über die problematischen Implikationen nach, die eine häufige und manchmal unpassende Verwendung dieses Satzes haben kann. Sie denkt sich dabei zurück in ihre eigene Kindheit und holt die damals gemachten Erfahrungen hervor, um aktuelle Diskussionen zu reflektieren. Besonders schön fand ich die Aussage: „Doch wir sagten diesen Satz so oft, gebrauchten ihn so inflationär, dass er seine Wirkung verlor.“

Friedensnobelpreisträgerin verteidigt Homo-Verbot
>> die liberianische Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf hat in einem Interview das Verbot von Homosexualität in ihrem Land verteidigt. 2011 hatte sie für ihren Einsatz gegen die Vergewaltigung von Frauen den Friedensnobelpreis erhalten. queer.de berichtet.

Der erfundene Horror der chinesischen iPad-Fabriken
>> lest es bitte als eine Gegendarstellung einer früheren Meldung einer meiner Linkschleudern – und dankt der FAZ für eine Klärung. Und ich denke mal über das nach, was man einfach so glaubt, glauben muss, schlucken muss und wieviel davon vermutlich einfach nicht stimmt.
(via mh120480)

Chaos der Kulturen
>> So heißt das neue Buch von Necla Kelek, auf das ich mich sehr freue. Ich mag Necla Kelek eigentlich ziemlich gerne, teile ihre Art, an die Dinge heranzugehen bislang beinahe eins zu eins. Der Freitag hat sich hier sehr viel Mühe gemacht und liefert flankierende Artikel und Videos.

„Es gibt eine Menge afrikanischer Blogger, wir hören ihnen nur nicht zu“
>> sagt Ethan Zuckerman und als derjenige, der bereits umsetzt, was ich neulich als „neue“ Idee hatte liefert er einen sehr interessanten Einblick und neuen Standpunkt zu Fragen wie: Was ist eigentlich „Qualitätsjournalismus“? Warum verpasse ich so viel in meiner Filterbubble – und ist das schlimm? Wie überbrücken wir in der Zukunft die Sprachbarrieren, damit das Internet sein Kommunikations- und Informationspotential besser entfaltet. Großes *hach* – und lesen – husch!

Weniger Arbeit für alle!
>> und mit dieser Forderung sprechen die fuckermothers wohl nicht nur mir aus der Seele.

Amerikas unmoralischer Dronen-Krieg in Pakistan
>> ist Thema dieses Salon-Artikels. Eine Debatte, die uns ab jetzt wohl häufiger über den Weg laufen wird. Dronen sind die logische Konsequenz einer „postheroischen Gesellschaft“, sagt Herfried Münkler. Was aber bedeutet das für die Kriege, in denen sie eingesetzt werden? Für die Menschen, die angegriffen werden? Für die Bilder, die um die Welt gehen… 1.000 Fragen.

Feminismus für Fortgeschrittene
>> titelt die Zeit und betrachtet unter diesem Titel die britische Autorin Caitlin Moran und ihr Buch „How to be a woman“. Es ist unter sehr vielen verschiedenen Aspekten gesehen ein sehr interessanter Mensch, der hier schreibt. Aber lest selbst.

Die Entzauberung des Kuschelhormons Oxytocin
>> Solche Artikel mag ich aus Prinzip: Etwas, das Jahrzehntelang als völlig klar galt und fast schon jedem Schulkind bekannt war wird einfach dekonstruiert, weil man quasi das Gegenteil herausgefunden hat. Ja: Oxytocin macht uns irgendwie „flauschiger“ – hach FLAUSCH – aber je flauschiger wir sind, so die Ergebnisse, desto ausgrenzender werden wir. Desto intoleranter gegen das den Flausch störende. Das ist auf so vielen Ebenen spannend! Danke, du Forschung du – du bist eben doch besser, als dein Ruf!

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Mich stört er nicht

Wie er da liegt:

Alle Viere von sich gestreckt. Schlafend.
Die leere Mensa-Schale neben sich. So etwas ähnliches wie satt.
Seine Hose hat Risse und viele Flecken.
Seine Haare sind lang gewachsen und an manchen Stellen verfilzt.
Seine Hände sind frisch gewaschen. Doch die Enden seiner Jackenärmel erinnern an den Schmutz.
Er sieht friedlich aus. Niemand stört ihn jetzt.
Üppig war seine Mahlzeit nicht. Ein kleiner Salat bloß. 90 Cent.

Wie sie umher schwirren:

Mit Laptops, Smartphones und durchsichtigen Plastikbeuteln. Voll gepackt mit Literatur.
Schön frisiert. Neueste Mode tragend.
Affektiert, betont alternativ, gleichgültig. – Eine große Bandbreite von Attitüden.

Kaum jemand nimmt ihn war.
Wird gleich die Frau kommen? Die mit der schwarzen Uniform? Security?

Hier ist es doch warm.
Hier gibt es doch Essen.
Lasst ihn doch schlafen.
Mich stört er nicht.

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Von Schubladen und Schubladisierern

Dieser Beitrag erschien in abgeänderter Form als Kolumne auf freitag.de – diese hier ist aber die ursprüngliche (schnoddrigere) Version

Menschen in Schubladen

Es klang wie ein Witz:: Junge Unions-Fraktionäre wollten, dass Menschen ohne Kinder die Sozialsysteme und Bildung in diesem Land stärker finanzieren. Weil sie sonst ja quasi parasitär von jenen Menschen lebten, die sich in Familien und mit kleinen Kindern abrackerten. Dafür soll eine Kinderlosen-Steuer erhoben werden. Während Mitglieder der anti-Intelligentia aka FDP diese Idee als „sozialistisch“ anprangerten, hat inzwischen Kanzlerin Merkel ein Machtwort gesprochen und erklärt, dass es keinen Sinn mache, die Bevölkerung in Kinderlose und Menschen mit Kindern einzuteilen.

Dabei macht es aus Sicht einer politischen Klasse, die immer alle in verschiedene Schubladen sortiert, eigentlich sehr viel Sinn. Es entspricht sozusagen der Denke von Konservativen. Das geht mit dem Elterngeld los. Da unterscheiden wir doch jetzt auch zwischen Menschen mit Arbeit und Menschen, die von Hartz IV leben müssen. Diejenigen, die sowieso schon kaum Geld zum Leben haben, die bekommen nach dieser Logik jetzt noch weniger Geld. Weiter geht das Unterscheiden zwischen Haupt-, Real- und Gymnasial-SchülerInnen – die Guten ins Kröpfchen – oder wie war das? Wir unterscheiden zwischen Verheiratet und Unverheirateten; zwischen Menschen mit und Menschen ohne Staatsangehörigkeit; es gibt die Rechten – die wurden traditionell nicht groß problematisiert; es gibt die Linken – die stehen für Extremismus; – die Liste ist sehr lang. Fehlen darf bei allem natürlich nicht, dass wir sehr regide zwischen Männern und Frauen unterscheiden. Das, liebe Konservative, das lassen wir uns niemals nehmen!

Angela Merkel allerdings war wohl einfach so weise zu erkennen, dass die konservative Praxis der Einteilung der Gesellschaft in verschiedene Klassen, Stände und Schichten schon sehr weit ausgeufert ist. Ihr war klar, dass man dieses Spielchen nicht auf die Spitze treiben darf, weil sonst die Klassifizierung, die Segregation, die Schubladisierung als Ganze am Ende in Frage stehen könnte. Man muss ja maßvoll bleiben, nicht wahr?

(CC BY 2.0; http://www.twitter.com/rvoegtli; http://www.flickr.com/photos/rvoegtli/)

 

Die finanzielle Realität des Sozialen und der Bildung Weiterlesen

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Leselinks der letzten Woche

Im Instapaper rumgekramt, habe ich dieses Mal folgende Links zum Schleudern parat:

Amerikanische Serien als anspruchsvoller Stresstest?
>> Serien seien die neue Herausforderung in Sachen Geduld, Konzentration und Glaube an das Gesamtwerkt – meint die FAZ. Nach zwei Staffeln Dead like me kann ich nur zustimmen. (Link via mh)

Dossier „Copyright“ auf Freitag.de
>> Es ist wohl nicht erst seit des aufsehenerregenden Artikels eines gewissen Hevelings bekannt, dass die Sache mit dem Urheberrecht einer der zentralen Kämpfe zwischen den BeschützerInnen des Freien Wissens und den BewahrerInnen des Wohlstands der Wenigen sein wird… der Freitag trägt dieser Brisanz mit einem eigenen, ständig fortgeführten Dossier Rechnung (kleine Bitte am Rande: Es wäre hilfreich, wenn man Dossiers abonnieren könnte)

In China, Human Costs Are Built Into an iPad
>> oder anders ausgedrückt: An unseren mobilen Devices klebt Blut. Natürlich nicht nur daran: Die meisten unserer Alltagsprodukte werden unter unmenschlichen Bedingungen produziert. Trotzdem: „“You can either manufacture in comfortable, worker-friendly factories, or you can reinvent the product every year, and make it better and faster and cheaper, which requires factories that seem harsh by American standards,” said a current Apple executive.“ – klingt hart. Ist aber Realität. Lesen – und vielleicht das näxte Mal nachdenken, ob es wirklich jedes Jahr der neueste Scheiß sein muss…

Read Between The Lines! – Media Education, Freedom of Expression and Youth Participation. CDN Seminar 2012
>> Das ist der Titel eines Seminars, dessen Ziel bereits im Titel zusammengefasst ist: Es geht um freie Meinungsäußerung, Medien-Bildung und Jugend-Partizipation. Das Seminar ist für junge Leute unter 35 Jahre und findet in der Türkei statt. Interesse – dann hinne.

Warum geht der Mensch aufs Eis?
>> Fragt Jörg Friedrich auf freitag.de und vermutet: Dahinter steckt die Sehnsucht nach einem Quäntchen Unvernunft. Könnte gut sein: Mutproben, so denke ich ja, stärken unser Selbstbewusstsein.

She called me a „manwhore“!
>> Kennt ihr Tracy Clark-Flory? nein? Großartige Autorin bei Salon.com. Hier ihre Antwort auf die eines Mannes, wie damit umzugehen sein, nunja, „manwhore“ genannt worden zu sein.

Das hier ist für die Philines unter euch: Unsere Romanhelden – Philine
>> die FAZ hat eine Serie, die heißt „unsere Romanhelden“. hier geht es um Philine aus „Wilhelm Meisters Lehrjahren“. Dazu ein Zitat: „Und dann gibt es die Figuren, die man liebt, weil es sie nie und nimmer geben kann, weil sie im Roman aber so erscheinen, als seien solche gelungenen, vollständigen, schönen, klugen, liebevollen Menschen ohne Arg und Falsch eben doch möglich, als könne man ihnen eben doch eines Tages begegnen, weil man ihnen im Roman gerade so glaubwürdig begegnet ist.“ – und genau das sei Philine.

Buch: Political Responsibility for a Globalised World – von Ernst Wolff
>> Falls ihr mir mal ein Buch schenken wollt. Denn diese Frage wälze ich ehrlich gesagt auch ständig: Wie soll das gehen mit der politischen Verantwortung? In so einer komplexen Welt? „The aim of this book is to reflect on the complex practice of responsibility within the context of a globalised world and contemporary means of action.“

ADHD Affects over 15 Million Chinese Children
>> wir haben in der vergangenen Woche viel über ADHS gelesen und diskutiert, und über Burnout. Dabei erzählte ich eine Anekdote meines EWi-Professors, der viel in China lebte, der einmal erklärte, so etwas wie Burnout gäbe es China einfach gar nicht. ADHS aber wohl schon.

Erster Teil der Reihe Erzählte Alltagsdramen: Meine Facebookfamilie und ich
>> Den ideefix vom Freitag habe ich euch schon vorgestellt. Seine Beschreibungen, wie das als Facebook-Abstinenzler mit einer Facebookfamilie und einem dort zur Legende gewordenen Hund so ist, dürft ihr euch nicht entgehen lassen ^^

Hartz IV-Möbel – ein interaktives DIY-Buchprojekt braucht eure Unterstützung
>> „Ein Do It Yourself-Handbuch von Le Van Bo und seiner Community. Mit dabei alle Bauanleitungen der Hartz IV Möbel. Perfekt für Laien! Außerdem: Mit Einrichtungstipps für kleine Wohnungen, Portraits von Menschen aus der DIY-Community. Besonderheit: Via Facebook kann jeder (d.h. die Crowd) den Inhalt des Buches mitbestimmen.“

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Das ganze Lieben ist ein Spiel

Mein Freund Paul hatte ein Erlebnis: Eine hübsche junge Frau kam mit zu ihm nach Hause; sie hatten Spaß zusammen und als der Sex zu Ende war, da sagte sie grinsend: „So, nun kann ich dich auch von meiner Liste streichen.“ Schnappte ihre Klamotten, zog sich an und verschwand. „Ich kam mir so benutzt vor“, erzählte mir Paul zerknirscht. Dann faselte er noch etwas von „eigentlich ist das ja umgekehrt“ – womit er meinte, dass dies eigentlich ein typisch männliches Verhalten sei. Um eventuellen Vorurteilen vorzubeugen: Nein – ich empfinde dieses Verhalten nicht als Fortschritt in der weiblichen Emanzipation. Es ist einfach respektlos. Egal ob von Männern oder Frauen ausgeübt.
 
Sexlisten sind auf den ersten Blick völlig daneben. Aber vielleicht sind sie nur die ungeschminkte Variante eines weit verbreiteten, im Normalfall aber besser kaschierten Verhaltens: Der Partner – ob fest oder nur fürs Bett – als persönliche Trophäe. Ein bisschen geht das ja immer so los – das ist wie bei den Makaken, die ihren Lieblingssaft entweder für Bilder von Makakendamenpopos hergeben oder: für Bilder von ranghöheren Männchen. Für Pornos zu zahlen – na gut, das kennen wir. Aber dass auch wir darauf stehen, uns an jenen zu ergötzen, die gefühlt „über“ uns stehen – naja. Das mögen wir nicht gerne einsehen. Aber gäbe es diesen Effekt nicht, gäbe es Super Illu, Gala und wie sie alle heißen auch nicht. Also Klappe zu. So ist das eben.
 
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Phänomenal oder asozial?

Meine ehemalige Nachbarin erwartet ihr sechstes Kind. Ihr sechstes? Ja, richtig gelesen. Ein persönlicher Blick auf Kinderreichtum

 

In meiner früheren Wohnung hatte ich eine fünfköpfige Familie als direkte Nachbarn. Sie lebte mit Hund in einer Dreizimmerwohnung direkt auf der anderen Seite der Treppe, erstes Obergeschoss, Vorderhaus. Der Mann war tendenziell unfreundlich, fand ich. Oder schlichtweg unkommunikativ. Aber das tut hier nichts zur Sache. Ebensowenig wie die Haarpracht der Frau, die ihre langen hennaroten Rastas stets zusammengebunden trug. Oder das ständige Gejaule des Hundes, wenn die Familie abwesend war. Was einen anderen Nachbarn einmal dazu veranlasste, bei uns zu klingeln und uns erst über mangelnden Tierschutz aufzuklären, um dann irgendetwas zu unternehmen. Was auch immer das war – jedenfalls hatte er wenige Wochen später wohl eine vollgekackte Windel in seinem Briefkasten. Denn die Familie hatte Zuwachs bekommen, war nun also sechsköpfig geworden, und der Zuwachs lieferte solcherlei Munition.

Die Grenze des "Normalen" sind heute häufig schon zwei Kinder. (Quelle: (cc) Eddy Van 3000 - via Flickr)

Die Grenze des "Normalen" sind heute häufig schon zwei Kinder. (Quelle: (cc) Eddy Van 3000 - via Flickr)

Davon abgesehen war das Nebeneinander dieser Familie und uns eher ignorant. Typisch Berlin, eben. Vielleicht hielten sie uns für Yuppies, und naja: wir hielten sie eben für kühl und unkommunikativ. Außerdem bekamen wir auch keine Chance, uns näher zu beschnuppern, denn aufgrund eigener Fortpflanzung brauchten wir mehr Raum und zogen weg. Doch vergangenen Sommer, als ich mit meinem eigenen zweiten Baby viel Zeit auf einem hiesigen Spielplatz verbrachte, sah ich sie oft wieder. Sie waren noch einer mehr geworden – nun also fünf Kinder. Ich muss sagen: die Fortpflanzungsaktivitäten anderer gehen mich absolut nichts an – aber beeindruckend fand ich das schon.
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Berlin 1981–2011: Hausbesetzungen, Bauspekulation, Gentrifizierung

In eigener Sache: Am Freitag darf ich die Moderation für eine sehr spannende Diskussion übernehmen. Ich freue mich, wenn ihr kommt.

 

Eine Ausstellung zu den Hausbesetzungen in Berlin 1981 ist vom 23. August bis 2. September von Montag bis Freitag in der Zeit von 10-16 Uhr im Archiv Grünes Gedächtnis zu sehen.
 

Podiumsdiskussion

Anfang der 80er Jahre wurde in Berlin mit alten, leer stehenden Häusern spekuliert. Mit dem Aufruf „instand besetzen statt kaputt besitzen“ meldeten Hausbesetzer/innen ihre Ansprüche  an. Auch viele Grüne haben damals in besetzten Häusern gewohnt. Heute werden sozial schwache Bevölkerungsgruppen aus Wohngegenden verdrängt, deren Sanierung Besserverdienende folgen. Für diesen Umbau der Quartiere wurde der Begriff Gentrifizierung geprägt, für die einen ein Kampfbegriff, für die anderen die logische Folge von Stadtentwicklungen.

Wie  positionieren sich Bündnis 90/Die Grünen in Berlin in diesem Prozess?

Mit:

* Thomas Dietrich Lehmann, Umbruch Bildarchiv Berlin
* Anette Schill, Regenbogenfabrik Kreuzberg
* Franz Schulz, Bürgermeister in  Berlin, Friedrichshain-Kreuzberg, Bündnis 90/Die Grünen

Moderation:

* Katrin Rönicke, Journalistin/Bloggerin, Frauenrat Heinrich-Böll-Stiftung, Bündnis 90/Die Grünen
 
Information:
Anne Vechtel,
vechtel@boell.de,
Telefon 030/28534-262
Veranstalter:    Archiv Grünes Gedächtnis der Heinrich-Böll-Stiftung
Veranstaltungs- ort:   Archiv Grünes Gedächtnis
10247 Berlin, Eldenaer Str. 35
Tram 21 Haltestelle Samariterstraße; S- Bahn 41, 42 (Ringbahn), 8 und 85 Haltestelle Storkower Straße; U-Bahn 5 Haltestelle Samariterstraße

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LehrerInnen können grausam sein

Oder: warum Bildung ein permanentes Glücksspiel sein kann.

Schule vor über 100 Jahren

Schule vor über 100 Jahren

(Bild: (cc)Robert of Fairfax, via Flickr)

1989, noch vor der Wende, zog ich mit meiner Mutter aus Sachsen-Anhalt in das beschauliche Dörfchen Igersheim in Baden-Württemberg, wo mein „fahnenflüchtiger“ Vater bereits zweieinhalb Jahre lebte. Nur wenige Wochen nach unserer Ankunft wurde ich eingeschult. Gutes Timing. Es war jedoch nicht so einfach für mich, als „die aus der DDR“.

Doch ich hatte größtes Glück: Als Klassenlehrer wurde mir Herr Neumann zugeteilt. Mit subtilen Methoden, quasi hinter meinem Rücken, war ich (auch) dank ihm binnen zwei Jahren integriert (bin vermutlich auch recht anpassungsfähig). Alles, was ich weiß ist, dass dass er ein sehr gutes pädagogisches Gespür hatte und dass er ein guter Beobachter war, der sich in kleine Kinder gut hineinversetzen konnte. Die Sache mit meinem Selbstgefühl – und damit mit meinem ganzen Leben – hätte damals auch eine komplett andere Richtung nehmen können.

Oft läuft es leider anders. Meine Erfahrung, die viele Menschen um mich teilen, ist: Lehrerinnen und Lehrer können grausam sein! Weiterlesen

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„lesbisches Kontinuum“ – Frauen vor, Männer zum Sex – oder so

Hab sehr viel um die Ohren grade. Aber dieser Kommentar ist toll! Er stammt von Antje Schrupp (mal wieder, aber so ist das eben – Gutes setzt sich durch!). Sie steuerte ihn dem heiß-kommentierten Text von Nadine in der Mädchenmannschaft mit dem Po-pieksendem Titel „Warum es manchmal okay ist, Heteros doof zu finden“ bei:

In der 70er Jahre Frauenbewegung gab es ja auch noch die so genannten “Bewegungslesben”, also Frauen, die sich bewusst bzw. aus politischen Gründen für lesbisches Leben entschieden haben. Ich fand das – als überwiegend Hetera – immer eine ganz befreiende Perspektive. Ich habe nämlich meine lesbischen Freundinnen immer etwas beneidet, weil sie, hm, die Verhältnisse immer schon durch ihr ganz normales Leben herausgefordert haben, während man mich wegen der Männerbeziehungen immer für “normal” hielt, was ich ja um Himmels Willen nicht sein wollte (was natürlich auch etwas albern war).
Und dann gibt es ja noch die Idee von einem “lesbischen Kontinuum”, ich glaube, von Adrienne Rich, und wir haben heftig darüber diskutiert, ob eine Frau, auch wenn sie mit Männern Sex hat oder sogar Liebesbeziehungen, trotzdem eine Lesbe sein kann, in dem Sinne, dass sie trotzdem den (politischen, freundschaftlichen) Beziehungen zu anderen Frauen Vorrang gibt.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die Frage nach dem Verhältnis von lesbisch/hetera ist vieldimensional, denn man hat ja nie nur Beziehungen zu einem Menschen und die Frage ist auch, welche Bedeutung “die eine” Beziehung im Verhältnis zu all den anderen Beziehungen hat.
Aber das führt jetzt vielleicht auch etwas ab vom Thema.

ich finde das so schön! Da gibt es mal wieder ein echtes Konzept für einen Traum, den ich in meiner Jugend meinte selbst erfunden zu haben. Als ich 18 war, wollte ich mit meiner damaligen besten Freundin ganz genau so leben: Wir sind uns bis an unser Lebensende treu und „halten“ uns nebenher Männer für den Sex. Bis heute träume ich manchmal davon. #hach – aber sagt das nicht meinem Mann!

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