A Workshop is waiting for you

First things first:

SHIFT. SHAPE. MOBILIZE.
a tools & skills workshop for bloggers

> 16-22 November in Berlin, Germany

We are looking for bloggers from all over Europe, to be part of a workshop that will train them and connect them to other bloggers, especially from Eastern Europe. But we are also looking for bloggers from western European Countries and maybe it is you, we are looking for – or you know someone who might be the one. So:

About the project

The Federal Agency for Civic Education/Bundeszentrale für Politische Bildung, in cooperation with Sourcefabric and n-ost, welcomes 20 bloggers to take part in a 5-days workshop in Berlin, Germany on 16-22 November 2015.

Shift. Shape. Mobilize. is aiming to get a better understanding about the socio-political relevance of blogs in countries in transition. The project has the goal of raising awareness, empowering and supporting the role of bloggers in Eastern Europe, as an alternative source of information in society.

During the workshop, you will gain skills & awareness in online security / verification of sources / social media / open data, etc. Furthermore, you will get to know different open source blogging and publishing tools to support their work, such as Sourcefabric’s Live Blog and Booktype. During your stay in Berlin, you will have the opportunity to get to know local communities of journalists, bloggers, activists and hackers.

You will attend a series of practical workshops with the purpose of improving concrete skills; you will partake in debates and panel discussions on hot-topics and receive training on new tools. Additionally, you will be able to live blog and report from the n-ost media conference “Translating Worlds”.

What about the costs?

All costs will be covered by the organisers of the event, including travel to/from Berlin, visa, accommodation, meals and all materials to be used during the workshop.

If all that sounds interesting to you – please note that application is only open until 27. September, 23:59h CET.

And please spread the word!

 

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Wir machen den Job der Journalisten

Das Griechenland-Bild, das die Deutschen malen, hängt schief. Um es etwas gerade zu rücken geben sich viele hier lebende Griechen Mühe, ihre Freunde und Bekannten oder ihre Blogleser mit Hintergrundinformationen zu versorgen.

„Die Deutschen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind immer sehr fair. Was mich aber wundert ist die Art und Weise, wie die Medien drüber berichten. Man merkt, dass gerade online versucht wird, den Stammtisch zu bedienen. Klar geht es da auch viel um Klicks und Werbeeinnahmen, aber ich finde, dass kann doch nicht sein: Eigentlich sollte doch die Qualität des Journalismus‘ im Vordergrund stehen.“

(c) privat
(c) privat

Konstantinos Tzouvaras ist von Beruf Vertriebsmanager, er hat Journalismus nicht studiert und auch nicht vor, den Platz eines Redakteurs in einer großen Zeitung zu besetzen. Aber er fragt sich, wie die dort arbeiten. Wie es möglich ist, dass kurz nach einer neuen Agentur-Meldung schon feste Meinungen und fertige Urteile gebildet sein können. Etwa wenn Griechenlands Finanzminister Varoufakis wieder etwas gesagt hat. Wie kann es sein, fragt sich Konstantinos, dass es dann nur noch darum geht, wer als erstes kommentiert, dass es aber kaum mehr darum geht zu prüfen und zu recherchieren, was der Hintergrund der Aussage war. Niemals würde er deswegen das Wort „Lügenpresse“ benutzen, „es sind auch keine Lügen“, sagt er, „es wird nur nicht zu Ende erzählt“. Ihm fällt auf, dass ausländische Medien in der Vergangenheit deutlich dezenter, differenzierter und auch besser recherchiert über die Lage in Griechenland berichteten, als es die deutschen Berichterstatter taten.

Da wäre zum Beispiel die Sache mit der neuen Regierung: Hat sie in der Presse eine Chance bekommen? Für Konstantinos steht fest, dass es notwendig war, dass neue Leute in seiner Heimat das Ruder übernahmen. Er hadert zwar auch mit dieser Koalition aus Linken und Rechten, aber hier fordert er: „Das muss man auch erklären. Es war die einzige Chance, schnell eine Regierung zu bilden und schnell handeln zu können.“

Mehr erklären, das wünscht er sich. Und mehr faire Vergleiche: Was haben die USA in der Krise gemacht? – „Sie haben investiert“, stellt Konstantinos fest und das müsste in Griechenland eigentlich auch geschehen, stattdessen würde aber harte Sparpolitik verlangt. Und Griechenland bliebe mit seiner kaputten Wirtschaft ein Fass ohne Boden. „Ich möchte gar nicht sagen, dass Griechenland nichts falsch macht. Die haben richtig Bockmist gebaut die letzten Jahre“, aber: „das Thema ist so komplex und schwierig. Man schreibt aber nur: Griechenland dreht Privatisierung zurück. Und dann denkt man als normaler Bürger: Sag mal – wie doof sind eigentlich die Griechen?“ Konstantinos erklärt hingegen, dass es eine gute Begründung für diesen Schritt gibt: „Die wollen das Tafelsilber nicht verschenken. Die verkaufen eben nicht ihre Infrastruktur, wenn es ihnen richtig dreckig geht, denn die sagen sich: Das ist mehr wert, als wir jetzt dafür kriegen würden.“ Klingt logisch – aber wo kann man das lesen? Konstantinos klärt in seinem Umfeld auf. Wenn er mit einem Freund essen geht und bei dem auf dem Display eine Meldung aufploppt, dass Griechenland nun ein Abkommen mit Russland habe, dann weist er darauf hin, dass auch Deutschland ein solches Abkommen mit Russland habe. Und schon klingt die Sache ganz anders.

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„Das nicht funktionierende Programm ist verschärft und verschärft worden.“

Michalis Pantelouris, Halbgrieche, ist Blogger und Journalist. In einem ausführlichen Gespräch für meinen Podcast Erscheinungsraum Ost hat auch er einige Dinge zurecht gerückt. Dafür wurde er fünf Mal geflattert, ansonsten hat er keinen Lohn erhalten. Das Gespräch ging über eine Stunde. Es handelt von der Geschichte Griechenlands, angefangen bei der Diktatur von 1964 bis 1974. Es betrachtet Griechenland nicht isoliert, sondern schaut auch auf Irland, Portugal, Spanien und Zypern, die von der Finanzkrise ähnlich schlimm erwischt wurden. Von diesen Ländern heißt es aus Politikermündern gerne, sie seien „auf einem guten Weg“. Michalis findet aber „auf einem guten Weg heißt nicht, dass es den Menschen gut geht“. „Auf einem guten Weg“ ist vielleicht einfach der Zustand, in dem es dem Land wirtschaftlich gerade so gut geht, dass man es in Deutschland wieder bestens ignorieren kann und dass es uns eben keine Scherereien mehr macht. So wie die meisten osteuropäischen Länder ja auch. „Die Zahlen sprechen eine andere Sprache als „auf einem guten Weg“, sagt Michalis.

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Anna Goudinoudis ist Halbgriechin wie Michalis. Ihre Großeltern sind in den Sechzigern als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen, leben aber seit etwa zehn Jahren wieder in Griechenland. 2010 hat sie ihr Erasmus-Semester in Politikwissenschaften in Athen verbracht. „Ich will eigentlich kein negatives Bild der griechischen Regierung zeichnen – aber in Griechenland ist schon das Problem, dass die Griechen sehr lange über ihre Verhältnisse gelebt haben“, sagt sie. „Es wurden viele Staatsgeschenke gegeben. Man zahlt keine Studiengebühren und man bekommt Bücher für das Studium kostenlos. Aber wenn das bei uns so üblich wäre, würde auch keiner fragen: Woher kommt denn das Geld.“

(c) privat
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Auch für sie ist der Regierungswechsel die einzig logische Konsequenz nach all den Problemen und der jahrelangen Korruption in der politischen Elite gewesen. „Wirtschaft und Politik sind extrem miteinander verwoben gewesen. Die Mechaniken der Demokratie konnten wegen der Korruption gar nicht wirklich wirken.“ Das habe den Staat geschwächt und im Volk auch eine Mentalität begünstigt, sich zu nehmen, was geht: Steuern hinterziehen, Renten für Tote, Schmiergelder allerorten.

Doch auch sie findet, dass die Koalition aus Rechten und Linken der einzige Weg war – eben weil die politischen Eliten einmal ausgetauscht werden mussten.

„In Deutschland meinen sehr viele Leute, ihren Senf dazu geben zu können – sehr oft sehr unreflektiert. Das ist sehr schwierig. Es wird schnell sehr aufgeheizt und populistisch.“

„Dieser negative Unterton, der in der Berichterstattung mitschwingt, der hat oft nicht mehr viel mit neutralem Journalismus zu tun.“ Und das betreffe durch die Bank fast alle großen Medien. Sicher lasse sich im Journalismus eine Meinung nie ganz ausblenden, Objektivität nie voll erreichen. Deshalb ist es ihr ein Anliegen, zumindest in persönlichen Gesprächen ihrem Umfeld auch ‚andere’ Argumente zu liefern. Oder die fragte: „Wer ist an den Fehlern beteiligt, wenn man fünf Jahre lang zuschaut und nichts macht? Wenn man nur eine Troika in das Land schickt, die vom Volk als Schmach empfunden wird und deren Arbeit keinerlei positive Effekte nach sich zieht?“ Anna denkt, dass man nach fünf Jahren eigentlich positive Effekte sehen können müsste. Das Land ist aber immer noch am Boden, das ganze Geld, das hineingepumpt wurde, ist offenbar nutzlos gewesen. Als wenig zuträglich empfindet Anna auch, dass die ganze Debatte ständig personalisiert wird: Varoufakis wird in Deutschland zur Projektionsfläche für allerlei gefühltes Halbwissen, Merkel wird in Griechenland zum Feindbild.

Dennoch bleibt Anna auch hier differenziert: Sie sieht gar nicht so sehr die Fehler bei den deutschen Politikern. Die versuchen ihrer Meinung nach eine legitime Strategie zu verfolgen. Aber genau das, so ergänzt sie, versuchen ja auch die Griechen: Sie sind am Ende und sie wollen ihren Arsch retten. Sie denkt: Keiner weiß eine echte Lösung. Nicht die Griechen. Aber eigentlich würden auch die EU und der IWF ein unrealistisches Ziel verfolgen: So schnell wie möglich das Geld zurück zu bekommen. Ob das realistisch sein kann – die Frage stehe nicht im Raum. Die Schuldenrückzahlung stehe im Vordergrund – eine politische Lösung des Problems sei nicht in Sicht.

„Ich sehe mich ein bisschen als Stimme von Griechenland, weil ich finde, dass die von den deutschen Medien sehr klein gehalten wird. So weit ich kann, versuche ich da Aufklärungsarbeit zu leisten.“

* * *

Alle drei, Konstantinos, Michalis und Anna haben ihre Freizeit dafür geopfert, sich mit dem Thema Griechenland zu befassen. Sie haben eine andere Perspektive als Halbbetroffene, sie kennen beide Seiten gut. Und sie kommen zu erstaunlich ähnlichen Ergebnissen. So stellen sie unisono infrage, ob die geforderten Reformen wirklich dazu taugen, Griechenland aus dem Tief zu ziehen. In den Medien wird meistens nur kolportiert, dass die Griechen „ihre Hausaufgaben nicht machen“. Anna findet: „Es ist aber keine nachhaltige Lösung, wenn Griechenland beispielsweise die Flughäfen veräußert und in privatwirtschaftliche Hände gibt – nicht in eigene Privatwirtschaft in Griechenland, sondern an ausländische Investoren. Ich bin wirklich keine Expertin für Wirtschaft“, fügt sie hinzu, „aber das kann doch keine nachhaltige Lösung sein.“

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Erscheinungsraum Ost

blog-head-ost
Der Podcast „Erscheinungsraum Ost“ holt die Geschichten aus Osteuropa ans Licht und braucht dafür eure Unterstützung.

Osteuropa ist seit der Revolution auf dem Maidan in der Ukraine und dem sich anschließenden Konflikt im Osten des Landes wieder mehr ins Blickfeld der westlichen Berichterstattung gerückt. Davor fristete der Osten eine unterbelichtete Rolle. Und das hält auch weiterhin an, denn weitestgehend kümmert sich die deutsche Öffentlichkeit noch wenig um osteuropäische Politik, Kultur und Menschen. Lediglich der Konflikt zwischen Russland und dem Westen hält das Feuer am Köcheln, dabei gibt es noch so viel mehr zu erfahren und zu entdecken.

Die Geschehnisse im Osten zu beleuchten ist das Anliegen meines neuen Podcast-Projektes „Erscheinungsraum Ost“. Unter dem Dach meines Podcasts „Erscheinungsraum“ will ich wöchentlich das ans Licht holen, was oft im Dunkeln bleibt und nur selten erzählt wird.

Unterstützung bekomme ich von n-ost, einem gemeinnützigem Verein, Netzwerk und irgendwie auch einer Agentur für Osteuropa-Berichterstattung, das Experxten, Journalisten und Korrespondenten aus über 40 Ländern vernetzt. n-ost hat es sich schon seit 2006 als gemeinnütziger Verein auf die Fahne geschrieben, die Berichtererstattung über den Osten zu stärken. Wer sich über die Geschehnisse in Polen, Mazedonien, Georgien, Ukraine, Russland und all den anderen osteuropäischen Ländern besser informieren will, ist hier goldrichtig.
Im „Erscheinungraum Ost“ sprechen Journalisten und Korrespondenten des Netzwerkes über ihre aktuellen Erfahrungen und Geschichten. Im Gespräch erörtern wir die Lage und Situation in einem bestimmten Land oder Gebiet. Holen Dinge ans Licht. Beleuchten Hintergründe und Geschichte. Im Gegensatz zu meinen langen und ausführlichen Gesprächen im „Erscheinungsraum“ sollen diese Gespräche kürzer und knackiger sein und nie länger, als eine Stunde dauern. Dafür bekommt ihr häufiger frisches Futter aus dem Podcaststudio in Berlin – mindestens wöchentlich!

Mit dem „Erscheinungsraum Ost“ habe ich außerdem eine persönliche Entscheidung getroffen: Ich möchte mehr podcasten. Dafür brauche ich eure Hilfe. Seit Anfang Oktober hat sich meine finanzielle Situation geändert: Ich bin nun keine Studentin mehr, die unterstützt durch ein Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung nebenher ein paar nette Dinge auf die Beine stellen und ausprobieren kann. Sondern jetzt geht es darum, dass ich etwas mache, von dem ich auch leben kann. Deswegen habe ich für meine Podcasts eine Patreon-Seite eingerichtet, auf der ihr mir helfen könnt, das Angebot „Erscheinungsraum Ost“ am Leben zu halten. Eine Anfangsphase von sagen wir bis Ende dieses Jahres ist drin, ohne, dass ich damit Millionen scheffele. Danach muss ich schauen, was eben geht. Meinen Lebensunterhalt werde ich mir hauptsächlich durch meine Arbeit als freie Journalistin und Autorin verdienen. Aber ich muss schieben: Wenn ich Podcasts inhaltlich vorbereite, aufnehme und produziere, dann verbrauche ich Zeit, die ich nicht für die Recherche und das Schreiben eines Artikels nutzen kann. Und am Ende des Monats sollte das keine allzu große Schieflage erzeugen.

Patreon ist ein Weg, meine Arbeit zu unterstützen. Natürlich gibt es auch weiterhin flattr und andere Wege – aber über Patreon kann man am besten eine kontinuierliche Sache draus machen, eine Art Abo eben. Ich fände es super, wenn wir auf diesem Wege ein Angebot schaffen könnten, das den Osten ans Licht holt. Auf Patreon gibt es auch kleine Dankeschön-Geschenke für alle, die das Projekt unterstützen.

Lasst uns also schauen, ob wir zusammen ein neues Projekt auf die Beine stellen und den Osten ans Licht holen. Ich freue mich auf die Arbeit am „Erscheinungsraum Ost“ und über euer Feedback und Anregungen!

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