Die Wochendämmerung

13094417_1545183812454625_7469677018147025017_nJetzt isses offiziell: Der Holgi und ich podcasten schon eine Weile für Audible. Am Ende jeder Woche besenfen wir die Ereignisse der letzten sieben Tage auf unsere Art und das in jeweils einer guten halben Stunde.

Die Wochendämmerung ist ein Audio-Magazin von Audible, das man auch nur dort hören kann. Dazu genügt ein einfacher Amazon-Account, mit dem man sich bei Audible anmeldet. Dann geht man auf unsere Show und „kauft“ sie (für 0,00 €) und wenn man dann noch die Audible-App auf seinem Smartphone hat, sollte ab jetzt alles automatisch gehen, die jeweils neueste Folge wird in die Bibliothek gespeist und sollte man das mal vergessen, erinnert bei Bedarf eine freundliche Mail.

Unsere Themen sind bunt und breit, von Obama, über den Papst bis hin zu „diese Woche gestorben“ – Holgi nervt mich mit seinem Wirtschaftskram, ich ihn mit meinem Flüchtlingskram, und irgendwie ist die halbe Stunde dann eh immer viel zu schnell rum!

Wir freuen uns über alle, die zusammen mit uns die Woche ausklingen lassen wollen! Und wenn ihr mit uns über unsere kruden Ansichten diskutieren wollt, könnt ihr das auf unserer frisch eingerichteten Facebook-Seite tuen.

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Feminismus, Sex und Revolution

London, Anfang September 2015. Caitlin Moran wohnt in London. Es ist für mich eine neue Stadt und so steige ich in den Bus, der in genau die andere Richtung fährt. Erst viel zu spät merke ich, was passiert ist, steige in eine Bahn, weil die App das sagt und schreibe Caitlin eine DM auf twitter, dass ich es total verpeilt habe. Sie schreibt sofort zurück, dass ich „armes Ding“ mir keine Sorgen machen solle und als ich ankomme, werde ich erst einmal fest geherzt und in das schöne Haus willkommen. Die Kinder gucken Die Simpsons im Fernsehen, auf dem Klavier steht die „Beatles Complete“-Notensammlung, ich habe die auch und sie fragt mich, ob ich einen Tee will, bevor wir auf die Terrasse gehen, um zu quatschen. Es ist alles, als würde ich zu einer alten Freundin kommen und wir würden wieder einmal über Gott und die Welt quatschen. Wir trinken Tee und sie dreht mir Zigaretten, denn obwohl ich extra noch eine Schachtel besorgt hatte, weil ich ja weiß, dass sie da eine Leidenschaft hat und weil ich auch etwas zurückgeben wollte – die habe ich im Hotel liegen lassen. „Natürlich“, sagt der Mann abends. „Natürlich hast du die liegen lassen.“

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Das Gespräch

Caitlin: Ich muss mich im Voraus entschuldigen: Ich rede sehr schnell und ich fluche eine Menge. Also wenn du das irgendwann transkribierst: ES TUT MIR SEHR LEID!

Katrin: Sie fluchen in Ihrem Buch auch sehr viel…

Ja. Das kommt, wenn man mit so vielen Geschwistern aufwächst und nie zur Schule geht und nie in einem Büro arbeitet. Außerdem sind meine Vorfahren irisch. In Irland flucht einfach jeder und niemand bemerkt, dass er flucht. Das ist einfach Teil des Rhythmus‘ und der Sprache und du versuchst, beim Fluchen so kreativ zu sein, wie es nur geht. Mir war das gar nicht bewusst, bis ich mehr in den Medien war und Leute zu mir sagten: ‚Du kannst im Tagesradio nicht so fluchen, das Wort ‚Fuck‘ geht einfach nicht und ‚cunt‘ auch nicht‘. Und ich sagte ‚Oh fuck, es tut mir leid – oh scheiße, – oh fuck, sorry! Okay‘. Das war das schwierigste, als ich bei der Times anfing: Ich musste einen neuen Weg zu schreiben finden und nun nutze ich eine Menge viktorianische Arten zu fluchen, das ist besser.

Gibt es ein Wörterbuch für viktorianisches Fluchen?

Ich habe viele Romane aus dem 19. Jahrhundert gelesen, das ist eine große Quelle.

Wie ist die Familie dann in Wolverhampton gelandet?

Meine Großeltern sind von Irland nach Liverpool gekommen, mein Großvater wollte Minenarbeiter sein. Sie hatten acht Kinder. Mein Vater ging irgendwann nach Wolverhampton, er war ein Kind der Arbeiterklasse und wurde geboren, als „Wohlfahrt“ in England gerade erfunden wurde. Meine Eltern sind eigentlich Hippies, mein Vater macht Musik und meine Mutter wollte nur den ganzen Tag zuhause sein, Bücher lesen und ihre Kinder unterrichten. Aber Wolverhampton ist kein guter Ort, um ein Hippie zu sein. Sie waren die einzigen Hippies dort.

Leben sie dort immernoch?

Nein, sie sind verdammt nochmal weggezogen! Als ich 18 wurde, zog ich weg, nach London. Es war das Geburtstagsgeschenk meines Vaters, mich nach London zu fahren. Und dann zog die ganze Familie zwei Jahre später nach Brighton, eine wundervolle Hippie-Stadt am Meer, wo ich eine großartige Kindheit hätte haben können. Also danke! Danke, dass ihr gewartet habt bis ich gegangen bin, bevor ihr weggeht!

Aber Ihre Kindheit hat Sie zu dem gemacht, was Sie sind…

Ja, total! Es hat mir total viel Stoff zum Schreiben gebracht! Und ich habe eine Verbindung zu den Leuten. Es war etwas seltsam, als ich Standup-Touren zu ‚How tob e a Woman‘ gemacht habe und die ganzen jungen Mädchen hatten das gelesen und beschlossen, aus meinen Fehlern zu lernen. Deswegen standen sie alle auf und schrien und kreischten, wenn sie mich sahen. Das war so komisch, weil ich ja ganz viel über Marxismus und Feminismus geschrieben hatte und dann kommen die ganzen kreischenden Teenage-Mädchen und rufen ‚Yeah – die Revolution ist da! ‘. Ich erzähle dann immer: Das Leben teilt sich in zwei verschiedene Kategorien: Die einen Dinge sind großartig, wenn sie passieren. Die zweiten Dinge sind schlimm, wenn sie passieren, aber sie verwandeln sich in unglaubliche Anekdoten. Ich kenne durch meinen Job viele Musiker und Schriftsteller und fast alle Leute, die eine schlimme Kindheit hatten, sind heute am Schreiben. Denn das sind deine besten Anekdoten später. You need to live a terrible life bevor you’ve got anything to write. Also: Ich bin heute froh, dass alles so passierte, aber ich würde für keine verfickte Million dahin zurückgehen, Jesus fucking Christ!

Kam aus diesen Erfahrungen mit dem ersten Buch die Idee, ein weiteres Buch für ein Teenage-Publikum zu schreiben? Continue reading

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Kiew und die Hilflosigkeit der Ukraine

Maidan

Ja, ich war in Kiew. Damit ging ein Wunsch in Erfüllung, der mich seit Anfang des Jahres ein bisschen wahnsinnig macht. Die Ukraine treibt mich um, weil mich zuerst nämlich Russland umtrieb und das hängt nun einmal miteinander zusammen. Dank des Korrespondenten-Netzwerkes n-ost hatte ich nun also die Chance. Schon im Juli hatten sie mich zu ihrem ersten Kongress in Berlin als externe Beobachterin eingeladen und auch dieses Mal durfte ich dabei sein und am Ende Feedback geben, was mir ein große Ehre war.

Am Freitagvormittag luden sie zu einem Ausflug auf das Anwesen des ehemaligen Präsidenten Janukowitsch, der aufgrund der Unruhen auf dem Maidan und im Land überstürzt hatte flüchten müssen. Davon folgen demnächst noch ein paar beeindruckende Bilder.

Zunächst aber eine Verarbeitung der Debatten, die auf „Stereoscope Ukraine“ geführt wurden und der Probleme, die hier gewälzt wurden bei den Wostkindern. Ich verarbeite immer noch. Sowohl die Konferenz, als auch die Stadt und die Menschen dort, hinterlassen so viele Fragen und so viele Impulse von „man muss doch etwas tun können…!?!“ Es ist noch lange nicht vorbei.

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N#mmer braucht noch Kohle

Wenn ich eure geneigte Aufmerksamkeit einmal auf das Crowdfunding von Denise Linke lenken dürfte:

ich habe gespendet und finde, das kann man mal machen, das ist eine wirklich spannende Idee. Ich hätte dieses Magazin gerne in meinen Händen, es wäre eine Bereicherung für unsere neuronormative Gesellschaft. Und außerdem hat der holgi einen schönen Podcast mit Denise aufgenommen – von der Dame möchte man schlichtweg gern mehr lesen.

Update: Die 10.000-Euro-Marke ist geknackt und da Startnext netter Weise die Hürde gesenkt hatte, wird es das Magazin nun wohl geben. Wäre jedoch schön, wenn es nicht bei einer einzigen Ausgabe bliebe und deswegen bleibt die Bitte: Werft was in den Topf.

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auf twitter will ich nur reinen Stoff

gut. ich bin geladen. vielleicht liegts an Weihnachten. oder an anderen Dingen, jedenfalls: Ja, ich bin unausgeglichen und aufgekratzt und leicht reizbar. Aber:

Geht’s noch sektuöser?!?
Als ich twitter den Rücken kehrte, war einer der Hauptgründe die Denunziationskultur dort und die Art, wie manche mit Leuten umgingen, die eine um 2 Prozent abweichende Meinung von der eigenen haben. Ich ging, weil ich das Gefühl hatte, dass nicht nur alles, was man sagt uminterpretiert wird, sondern dass dort in solch einem Maß social-medialer Druck erzeugt werden kann, dass sensiblere Gemüter die Schnauze halten. twitter aktiv zu nutzen hat meinen Gedanken Ketten angelegt…

aber das ist hier eigentlich egal. Die Emanzipation ist mir ja geglückt, um mich geht es nicht mehr. Ich hätte nur wahrlich nicht gedacht, dass mein etwas überempfindliches Sensorium über twitter derart deutlich untermauert und bewiesen werden könnte, wie es gestern geschehen ist.

Maike von Wegen ist eine taffe Frau. im Podcast Erscheinungsraum habe ich lange mit ihr über ihre Erfahrungen, ihre Lebenseinstellung und ihre politischen Ansichten debattiert und wenn man eines über sie sagen kann, dann dass sie mutig, unbequem und gerechtigkeitsorientiert denkt und handelt. Ja – handelt! denn im Gegensatz zu so manch anderen Gestalten schafft es Maike, ihren „Aktivismus“ über eine ständige Empörorgie auf twitter hinaus zu gestalten. Das ist ja heutzutage nicht mehr selbstverständlich.

gut. nun gibt es also aber eben diese Empöria und die sucht sich immer neue Betätigungsfelder und Methoden, um maximaler Beschämung und Denunziation zum Zwecke des eigenen besserwohl-Fühlens ausüben zu können. Legendär wurden vor exakt einem Jahr die sogenannten Creeper Cards auf dem 29C3. Und dieses Jahr sollen wir nicht ohne ein Weihnachtsgeschenk aus dieser Ecke ausgehen: Man richtete nun einen Account auf twitter ein, der einander „empfiehlt“, bestimmte Leute auf twitter „präventiv“ zu blocken, bevor diese mit schlimmen, pöhsen und – worst case! – der eigenen Ansicht widersprechenden tweets in Timeline oder gar Mention-Spalte auftauchen.

We perfectionized our denunziation tools! Yay!

und dieser sympathische Account empfiehlt nun also, Maike von Wegen zu blocken. Weil diese sich dafùr einsetzte, dass man für eine politisch zweifelhafte Petition NICHT zuallererst auf den Betreibern des Petitionsdienstes herumhackt. Das ganze kann in der Debatte um folgenden tweet nachvollzogen werden:

https://mobile.twitter.com/blockempfehlung/status/416213620536520704

es geht also um saubere Timelines für Leute, deren Leben sich derart auf twitter eingeschossen und zentriert hat, dass man es scheinbar nicht mehr aushält, in diesem öffentlichen Kommunikationsmedium mit Andersdenkenden konfrontiert zu werden.

Mein Punkt ist: ja, dieser Account namens Blockempfehlung ist grotesk lächerlich. Was müssen das für traurige Gestalten sein, die ihre eigene Bedeutungslosigkeit mit solchen Maßnahmen aufpimpen müssen. Mich erinnert das an meinen Nachbarn, der nie Gesellschaft – also Freunde zu Besuch hat – und der mir für die vor meiner Wohnungstüre stehenden Stiefel droht. Das sollte man in der Regel alles – wie sagt man so schön: Nicht mal ignorieren.

Nein – das Problem sind nicht die einzelnen Nachbarn, im Treppenhaus oder im Stream der Belanglosigkeiten. Das Problem ist diese Weltlosigkeit, die ich als um sich greifendes Phänomen jenseits von Einzelfällen wahrnehme. Weltlosigkeit – ein Begriff von Hannah Arendt und ich habe einen Draft in diesem Blog begonnen, in dem ich diesen Begriff ausführlicher beleuchten will. Das kommt noch, wird nachgeliefert. Aber ich will es trotzdem kurz erklären: bei Hannah Arendts Weltbegriff geht es um die gemeinsam von Menschen geteilte öffentliche Welt. Da geht es um Austausch und Pluralismus. Um das Miteinander im Denken und im Handeln. Es ist eine Art große Agora, wie die Griechen sie kannten. Und wozu ist sie gut? Sie ist ein politischer Raum, der dazu da sein sollte, ein Miteinander von Menschen zu ermöglichen. Dafür braucht es Kommunikation und Diskurs. Weltlosigkeit ist eine Verweigerung. Sie ist ein Statement gegen die gemeinsame Welt und für Arendt die Wurzel des Totalitären. Ein Abschotten. Und ich reagiere mittlerweile extrem empfindlich darauf, denn sie scheint angesichts der – verständlicherweise – überfordernden Komplexität sehr verlockend. Ansteckend.

Sie zeigt sich immer dann, wenn eine Person daherkommt und ganze zusammenhänge implodieren. Es ist nie nur die Schuld dieser einzelnen Person. Es ist das Phänomen der Ansteckung anderer, die plötzlich überall den Feind sehen. Es ist der Spirit des gegenseitigen Misstrauens, der Denunziation. Man beäugt die anderen nicht mehr als Teil der eigenen Welt, in der man sich wie die anderen als Menschen unter Menschen sieht, sondern nur noch auf mögliche Verfehlungen hin. die sofort angeprangert gehören. Man will in seinem Feminismus dann keine Leute mehr, die Critical Whiteness hinterfragen. Man will die „reine Lehre“. Man will seinen Stoff gefälligst ohne die störenden Sandpartikel im Getriebe. Auch wenn man ansonsten Sand im Getriebe total geil findet – aber nur, wenn man es selbst sein darf. und nur, wenn das widerspruchsfrei bleibt.

Weltlosigkeit ist keine Lappalie, sie ist der Anfang von Extremen und hat zerstörerische Kräfte. und deswegen weiß ich einfach nicht, ob ignorieren als Umgang damit wirklich noch reicht. Vielleicht könnten wir das mal debattieren.

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Adorno sei widersprochen!

Eine schwimmende Utopie: die Lovis

Eine schwimmende Utopie: die Lovis

Ich habe mich immer schon gegen den Satz „es gibt kein richtiges Leben im Falschen“ gesträubt, weil ich das nicht glauben will. Für die Wostkinder habe ich aufgeschrieben, warum ich denke, dass gerade im Osten sehr viel Raum ist für ein „richtiges Leben im Falschen“ und Beispiele gefunden, die es bereits praktizieren. Ein Artikel, der von Herzen kommt ♥

Lesen: Das richtige Leben im Falschen

kurz: Utopien brauchen einen Raum, um gelebt werden zu können. Alle Räume der Welt scheinen schon erobert, wohin also? Im Osten können verlassene Orte neu erobert und mit „richtigem“ Leben gefüllt werden.

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Solidarität und Entpolitisierung: Amina und die Empörten

Bei den Ausrufern schreibt der Ed2Murrow einen sehr lesenswerten Beitrag über die Debatte des Falls Amina Sboui, die im Netz Bilder ihres nackten Oberkörpers gepostet hatte und nun in Tunesien im Gefängnis sitzt. Ein Urteil von vier Monaten Haft für drei Femen-Frauen hängt derzeit wie ein schlechtes Omen über Aminas Schicksal.

Nacktheit ist interessanter Weise etwas, das derzeit die Gesellschaft spaltet – und zwar auch und gerade hier in Europa, wenn über die Ereignisse in Tunesien oder die Haltung von Femen debattiert wird. Der Umgang mit Femen ist erstaunlich. Das findet auch Ed2Murrow. In Deutschland sei eine Meinung zu all dem sehr häufig und in verschiedenen Zeitungen zu lesen gewesen: „Die radikalen und einseitigen Ansichten von Femen unterscheiden sich nicht besonders von der Einstellung jener, die Aminas Bestrafung forderten.“ Es ist so einfach, sich zu empören und Femen als rassistische Krawalltruppe darzustellen. Das ist eine Einstellung die auch und gerade in feministischen Kreisen sehr populär geworden ist. Hinterfragt man diese Einstellung gilt man schnell selbst als rassistisch oder sonstwie „istisch“

Ed2Murrow machte sich hingegen die Mühe, einen Aufsatz ins Deutsche zu übersetzen, der in der französischen Le Monde abgedruckt war, geschrieben von Hélé Béji. Als eine der wenigen schreibt sie mit großer Sorge über die Allianzen, die sich über die Lager hinweg durch „die stille Macht der Wohlanständigkeit“ bildeten.

Die Mehrheit verurteilt ihre Taten, um die eigene instinktive Grenze von Normalität zu schützen, die die alten Bräuche gezogen haben; andere erleben sie als Gewissenskonflikt einer Philosophie, die zwar die Pflicht zum Gehorsam eingerissen hat, nicht aber die traditionellen Tabus, die zu überschreiten nun eine unerschrockene junge Frau die Kühnheit besitzt, indem sie alleine den schrecklichen Weg geht, all die Folgen auf sich zu nehmen, die sich aus dem Verstoß gegen gute Sitten und moralische Ordnung ergeben.

Béji ist in Frankreich schon durch eine sehr eigenwillige Einmischung in die Burka-Debatte aufgefallen. Sie vertrat hier eine Position, die ich nur unterstützen kann, die sich aber zwischen alle Stühle setzt:

„Gesetze gegen die Burka? Sie und sie alleine zu verbieten in einer umfänglich gewährenden Gesellschaft, die mit Blasiertheit jede Ausuferung beäugt? Mit welcher Berechtigung will man da die eine Übertretung ahnden und nicht auch die andere?“

Bitte lest selbst drüben bei den Ausrufern: Ed2Murrow sei überschwänglich gedankt, sich die Mühe gemacht zu haben, einen Text zu übersetzen, den man sonst so in der deutschen Debatte sicherlich nicht zu lesen bekommen würde. Denn „die auch in Deutschland um sich greifende Bigotterie“ (Ed2Murrow) in Zusammenhang mit dem Nacktprotest scheint eine Debatte derzeit erfolgreich zu blockieren, die über den Horizont einer knienden Ameise hinaus nach den Interessen und Konsequenzen fragt, die hinter all diesen Debatten stecken.

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Erscheinungsraum – mein eigener Podcast


Nachdem ich im letzten Sommer Blut geleckt hatte und in Sachen Podcasting ein paar Gast-Auftritte hinter mir, die allesamt toll waren, fand ich es an der Zeit, einen eigenen Podcast zu machen. Und so soll es auch sein.

Der Titel lautet Erscheinungsraum. Und wer ein bisschen mit Hannah Arendt vertraut ist, erkennt vielleicht: Der Begriff stammt von ihr.

Die Idee dahinter ist, Menschen und Geschichten, Perspektiven und Unsichtbares hörbar zu machen. Im Gespräch. Die ersten beiden Folgen sind aufgenommen und weitere werden folgen. In Folge eins sprach ich mit Marco Herack über die Wahrnehmung von Menschen im Netz und die Schwierigkeit von Freundschaften in diesem Raum. In Folge zwei lassen Maike Weißpflug und ich Hannah Arendt erscheinen – die auch nicht immer nur beliebt war, eigensinnig und nach Freunden verlangte, mit denen man streiten kann.

Die Seite zum Podcast ist hier: Erscheinungsraum.de.

Den Podcast kann man  als mp4 abbonnieren oder als mp3 abonnieren. (Oder als Ogg Vorbis). Den Podcast gibt es außerdem bei iTunes.

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Feminismus und der Abgrund der Freiheit

Hannah Arendt und das „wer“ in der Welt

Es ist die amerikanische Professorin für Gender Studies an der University of Chicago, Linda Zerilli, die als eine der ersten und eine der Wenigen die politische Theorie Hannah Arendts für den Feminismus nutzbar gemacht hat. Sie argumentiert ihr ihrem Werk „Feminismus und der Abgrund der Freiheit“, dass sich der Feminismus umorientieren müsse: Weg von einer Fokussierung auf die Subjektfrage, die unweigerlich mit einem Hyperfokus auf dem „Defizit“ der Kategorie „Frau“ im Raster der binären Geschlechterordnung einherginge. Hin zu einer Orientierung an der Welt, die bei Arendt immer ein politischer Ort ist – ein Ort der Freiheit, des Neuanfangens und des Urteilens.[1] Continue reading

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Staatsbürgerkunde #SBK016 über Geschlechterrollen


Martin Fischer vom Podcast Staatsbürgerkunde hat mich eingeladen, mit ihm über Geschlechterrollen und Kindheiten in DDR und BRD zu sprechen. Es sind fast zwei Stunden daraus geworden. Auf geht’s zum anhören.

Bitte gerne in Martins Podcast-Blog mitdiskutieren und Erfahrungen teilen, das geht auch per Audio-Kommentar.

Der Staatsbürgerkunde Podcast ist auch jenseits dieser Folge mehr als empfehlenswert und ich höre ihn schon eine ganze Weile. Martin ist ebenfalls ein Wostkind und spricht (in der Regel mit seinen Eltern) über viele kleine und große Phänomene aus DDR-Alltag, DDR-Kultur und wie damals die Gesellschaft aufgebaut und strukturiert war. Im Sendungsarchiv könnt ihr alle bisherigen Themen auf einen Blick sehen und anhören.

Vielen Dank noch einmal an Martin für die Einladung und das offene und angenehme Gespräch. Wieder einmal hat das Podcasten sehr viel Spaß gemacht! <3

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