#Shelfies? Im Sozialismus eine Selbstverständlichkeit

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Der aktuelle Wostkinder-Podcast mit der wunderbaren Autorin Alexandra Tobor (AKA @silenttiffy) wurde vor über einer Woche aufgenommen. Also bevor das Wort „Selfie“ in die Mediendebatte einging und bevor es auf twitter eine Debatte darüber gab, ob der intellektuelle Gegenentwurf, das „Shelfie“, eigentlich klassistisch sei.

Wenn ihr den vorangegangenen Absatz nicht verstanden habt, weil all das an euch vorbeigegangen ist – seid einfach froh! Zu Beginn des Gesprächs unterhalten wir uns jedenfalls über die Bedeutung von Büchern in Polen. Denn mein Eindruck war und ist, dass sowohl in Russland vor dem Ende der Sovjetunion, als auch in der DDR, die Literatur eine sehr wichtige Rolle hatte und auch sehr viel zugänglicher und verbreiteter war, als das vielleicht heute, im Westen, im Kapitalismus der Fall ist. Alexandra bestätigt diesen Eindruck durchaus – man kann also sagen: im Sozialismus war man immerhin sehr belesen. Und das unabhängiger von Klasse und Herkunft.

Alexandra berichtet uns, wie sie ihre Kindheit in Polen erlebte, wie sie den Westen entdeckte und wie die Ausreise 1989 ihr Leben veränderte. Das Ankommen im Westen war auch für sie an einige Unwegbarkeiten geknüpft. Und auch wenn Sprache und Religion sehr unterschiedliche Grundfaktoren bei uns sind – wir Wostkinder haben ähnliches erlebt. Es geht um Habitus, um das Ankommen in einer Gesellschaft, in der sich das Individuum durch den Konsum definiert und wo Teilhabe und Besitz aneinandergekoppelt sind.

Genug gelabert – gehet hin und höret zu. Und gerne – sehr gerne – würden wir mit euch darüber sprechen: was habt ihr vielleicht erlebt? Habt ihr Einspruch zu erheben? Fragen? All das drüben im FAZ-Blog, wo ihr auch sämtliche Shownotes findet und die Links zu den Podcast-Feeds.

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Wostkinder meets Eisenkinder

In der vergangenen Woche war es zwar hier still – dafür aber andernorts nicht.

Wostkinder-Podcast mit Sabine Rennefanz
Bei der FAZ haben wir, Marco und ich, den ersten richtigen, auch in iTunes und Podcatchern abonnierbaren (mp3 oder mp4), Podcast gestartet. Dieser läuft im Rahmen unseres Projektes „Wostkinder“ und wird etwa einmal im Monat erscheinen.

Unser erstes Gespräch ist am Mittwoch veröffentlicht worden. Wir sprachen mit Sabine Rennefanz, Autorin des Buches „Eisenkinder“ über ihre Kindheit und Jugend in der DDR, ihre Erfahrungen auf einer DDR-Elite-Schule in Eisenhüttenstadt, wie es dort war und sich anfühlte, als die Wende kam. Sabine Rennefanz hat ein sehr bewegtes Leben, hat viele verschiedene Stationen gemacht und beschäftigt sich in ihrem Buch – ähnlich wie wir in unserem Blog – mit der Frage: Was hat all das mit uns gemacht? Und was können wir daraus lernen?

Ihr Buch kann vielleicht als eine Vertiefung der Gedanken angesehen werden, die sie in ihrem Essay „Uwe Mundlos und ich“ (erschienen in der Berliner Zeitung) anriss: „wir hatten die Sehnsucht nach Radikalität gemeinsam, nach einem klaren Weltbild. Wer sich als Jugendlicher in der Nachwendezeit abgrenzen wollte, hatte es nicht so leicht, eine Protestkultur zu finden.“

Es war ein sehr intensives und – finde ich – gutes Gespräch!

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