Patreon, Erscheinungsraum, Wostkinder – this and that

Liebe Bloglesende,

es gibt ein paar Dinge, die ich einfach einmal loswerden möchte. Da wäre ein dickes, fettes

DANKE

an alle, die meinem Patreon-Spenden-Aufruf gefolgt sind. Es sind tatsächlich schon 100$ pro Monat zusammengekommen. Geil! Das freut mich sehr und das trägt stark dazu bei, dass ich mit dem Erscheinungsraum Ost, dem Erscheinungsraum und dem Lila Podcast so weitermachen kann, wie Ende November begonnen: Alles schön regelmäßig und oft und mit Rückenwind. Das tut gut. Leben kann ich davon freilich noch nicht, aber das muss ich auch gar nicht.

Der Erscheinungsraum Ost macht mir sehr viel Spaß und ich bin nach jeder Aufzeichnung richtig euphorisch, weil ich das Gefühl habe, immer mehr zu verstehen. Mit jeder einzelnen Folge kommt ein Mosaiksteinchen hinzu und das Bild von Osteuropa wächst und wächst.

Natürlich gucken gerade alle nach Ukraine und Russland. Mir aber ist es wichtig, den Blick auf den Rest Osteuropas zu erweitern, weil ich überzeugt bin, dass in den kommenden Jahrzehnten hier die Zukunft Europas als Kontinent, als Projekt, als Gemeinschaft und Institution zu einem wesentlichen Teil mitentschieden wird. Weil ich zu verstehen beginne, dass die dort lauernden Probleme und Konflikte, die oft noch viel mit der Post-Sovjet-Zeit zu tun haben, uns alle angehen, weil sie die gesamte internationale Politik betreffen. Sehr schön hat dies Silviu Mihai in der Folge über die Richtungswahl in Moldau auf den Punkt gebracht.

Die Wostkinder werden auslaufen. Marco hat seinen Abschiedsbeitrag schon geschrieben. Ich selbst werde noch diesen Monat weiterbloggen und dann kommt, wenn alles gut geht (Daumen drücken!) ein neues Projekt. Aber ihr kennt ja meinen kleinen Aberglauben mit ungelgten Eiern.

Ab Ende Januar habe ich außerdem einen Brötchenjob, der meine finanziell angespannte Lage etwas entspannen wird. Ich versuche ja immer, nicht zu viel zu jammern. Aber in den letzten Monaten, seit mein Stipendium bei der Heinrich-Böll-Stiftung ausgelaufen war, ging ich schon so manches Mal auf dem Zahnfleisch. Dabei hatte ich gar nicht zu wenig zu tun. Ich saß hier teilweise 15 bis 20 Stunden in der Woche und nahm auf, schnitt, vershownotete etc… Mit dem Brötchenjob wird das dann etwas entspannter. Es ist nix Großes, nix Spektakuläres und ich werde nicht reich damit. Aber es ist beruhigend zu wissen, dass ich meine Miete und meine Versicherungen zahlen können werde.

Und dann kommt irgendwann auch noch dieses Buch. Aber dazu dann bei Gelegenheit mehr – das muss ich nun erst einmal beherzt fertig überarbeiten. Jedenfalls freue ich mich auf dieses Jahr! Es gibt viel zu tun, vieles ist neu – auch privat :) und alles fühlt sich bislang sehr sehr gut an. <3

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Social Freezing? Yay or Nay? – sowohl als auch!

Die Debatte um Social Freezing ebbt nicht so recht ab. Irgendwie ist es ein vertracktes Thema, bei dem verschiedene Vorstellungen und Ideale aufeinandertreffen. Ich hatte bei den Wostkindern am Wochenende dazu einen kleinen Text, der meine Meinung zu der Debatte anschneidet. Aber natürlich nicht abschließend beantwortet. Nein: Mir ging es in meinem Text auch weniger um ein moralisches Urteil, als um einen Vergleich von Ost-West-Disparitäten. Was ich aber sagen kann, ist dass ich die Nachricht, Apple und Facebook würden ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren der Eizellen und sogar Leihmutterschaft zahlen, für einen schlechten Witz hielt. Aber dazu gleich mehr.

Vorgestern lief mir auf twitter Judith Lieres Beitrag über den Weg, in dem sie sich ärgert, wie die Debatte geführt werde. Sie tritt klar für die Möglichkeit des Social Freezing als Möglichkeit der Selbstbestimmung der Frau ein. Ihr zentraler Satz ist vielleicht:

Ich verstehe nicht, was daran so verwerflich sein soll, wenn man sich mit eingefrorenen Eizellen eine kleine zusätzliche Chance sichern möchte, einmal Mutter werden zu können, auch wenn das Leben nicht ganz so schnell und gradlinig verläuft, wie man sich das vielleicht einmal vorgestellt hat.

Wer hat recht? Ist Social Freezing, wie es von den Silicon-Valley-Unternehmen in den USA nun finanziell gefördert werden soll, ein Problem? Oder ist es die Lösung eines Problems?

Es ist wie so oft: Sowohl als auch. Und zwar je nach Kontext. Wenn mein Arbeitgeber Social Freezing der Mitarbeiterinnen unterstützt, damit sie erst später in Babypause gehen müssen, dann hat das andere Implikationen, als wenn ich als Frau mich entscheide, meine Eizellen einfrieren zu lassen, weil ich – wie 90 Prozent der anderen Frauen, die gerade keine Kinder bekommen wollen – gerade keinen passenden Mann habe oder aus sonstigen Gründen. Es sind zwei verschiedene Debatten und der Kontext ist entscheidend. Es ist eine Geschichte, die in das Private hineingehört. Eine Entscheidung, die dort stattfinden sollte. Was hat denn mein Arbeitgeber mit meiner Kinderplanung zu tun? Es ist doch die Debatte um die Arbeitswelt, die hier neben der Debatte um die Selbstbestimmung der Frau steht und ich würde davor warnen, das zu vermischen.

Holgi merkte auf twitter an:

Ich finde die Idee, auf Firmenkosten Eizellen einzufrieren, sehr problematisch – für diejenigen Frauen, die das nicht machen wollen.

und genau *das* ist der Punkt.


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Russlands Mauern

vergib uns, Ukraine

„Vergib uns, Ukraine“ von @PaulSonne via twitter

Als der Friedensmarsch durch Moskau zog, lief der Youtube-Livestream bei mir fast den ganzen Tag nebenher. Es lag so viel Hoffnung und so viel Mut darin. Aber schon am nächsten Tag zerschlugen sich die Erwartungen und es wurde deutlich: die russische Politik mauert. Im Netz, gegen „ausländische Agenten“, gegen kritische Medien. Ein Mauern, das mich 25 Jahre nach der bewegenden Rede Genschers in der deutschen Botschaft in Prag nachdenklich macht, denn sehr viel weiter sind wir in der Entwicklung der Ost-West-Beziehung offenbar nicht gekommen. Waren damals vielleicht sogar schon weiter, als wir es heute sind. Warum das so ist, darüber denke ich bei den FAZ-Wostkindern nach.

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„How to build a girl“


Niemand hat Johanna Morrigan je gesagt, wie man sich in besseren Kreisen benimmt. Sie ist wie Pippi Langstrumpf, die man zum Kaffeekränzchen von Annikas Mutter und Tante Prusselliese eingeladen hat.
Caitlin Moran hat ein Buch über die Jugend im Arbeitermilljöh der Neunziger geschrieben. „How to build a girl“ heißt es. Ein Herzensbrecher ist es. Einer, über den ich auf Faz.net bloggte.

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Die Krimkrise setzt das Völkerrecht unter Druck

800px-Ivan_Constantinovich_Aivazovsky_-_The_Russian_Squadron_on_the_Sebastopol_Roads

Die westlichen Medien sprechen in Bezug auf die Krim unisono von einer „Annexion“. Bei anderen Fällen, die nicht unähnlich ablaufen, nimmt man lieber andere Begriffe – denn sie passen ins eigene Weltbild, in die eigenen politischen strategischen Pläne (oder in die eigene Geopolitik – whatever). Das nennt man einen medialen Bias und ich habe versucht, mich diesem Phänomen zu nähern, indem ich die Begriffe und Normen einmal unter die Lupe genommen habe. Das Feld ist kompliziert und ich habe gerade in der darauf folgenden Diskussion noch sehr vieles gelernt – deswegen lege ich euch nicht nur meinen aktuellen Beitrag bei den Wostkindern, sondern auch die Debatte darunter ans Herz (eigentlich gilt das immer – die Kommentare lohnen sich häufig wirklich, was mich sehr erfreut). Klar wird vor allem, wie diese Geschichte das Völkerrecht in Bedrängnis bringt – denn mal wird es ganz streng genommen und so ausgelegt, mal eher lax und anders ausgelegt. Das beschreibt auch sehr schön Jeffrey D. Sachs im Capital.

Das nächste Mal folgt Teil zwei, in dem ich den Fall der Treuhand genauer untersuchen will, den ich – mal offen gesprochen – für einen Fall von wirtschaftlicher Annexion halte. Auch das wird wieder kompliziert, aber was nützt es? Die Themen gehören einfach einmal auf den Tisch und ich vermute, dass unsere Generation – also jene, die zur Wende noch Kinder waren – wenig bis gar nichts über die Geschehnisse damals mitbekommen haben (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel). Aber das kommt dann in zwei Wochen. Bis dahin geht die Diskussion sicher noch fröhlich weiter…

Bild: Russische Flotte in Sewastopol. Iwan Aiwasowski, 1846. Public Domain

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Plädoyer für einen verrückten Blick

Russland startet wohl gerade ein Luftmanöver im Nordwesten – so die aktuellen Nachrichten. Was treiben die da eigentlich? Gestern meldete das Land Transnistrien an, es wolle der russischen Föderation beitreten, Putin hielt eine wilde Rede und Hunderttausende bejubeln ihn in seinem Reich Land. Was passiert da eigentlich? Wie ticken eigentlich diese Russen, diese Menschen, was für eine Seele hat dieses Land?

Russisches Grafiti angelehnt an den Pelewin-Roman “Buddhas Kleiner Finger”. V. Vizu, CC-BY-SA 3.0

Russisches Grafiti angelehnt an den Pelewin-Roman “Buddhas Kleiner Finger”. V. Vizu, CC-BY-SA 3.0

Für viele Menschen ist es weit weit weg, nach der Wende und dem Ende der Sowjet-Union, als man ja selbst nun endlich als Sieger aus dem Kalten Krieg hervorging, war es vor allem: egal. Es war ja „besiegt“ und was interessierte einen schon so ein Land, das offenbar von einem Wodkaschluckspecht namens Jelzin regiert wurde (nicht meine Worte – aber ein Bekannter äußerte sich in den Neunzigern einmal in dieser Art über den damaligen russischen Präsidenten)?

In Russland, teilweise Teil des europäischen Kontinents, und um Russland herum passierten Dinge, die wir höchstens einmal kurz in Zusammenhang mit dem Tschetschenien-Krieg wahrnahmen – dann aber ganz schnell wieder verdrängten. Russland erscheint bizarr, fremd, anders.

Schröder hatte als Kanzler immerhin eine enge Freundschaft zu den Russen – wenngleich ich dieses Buddy-System wirklich bis heute sehr sehr strange finde. Aber da konnte man reden, man hat einander respektiert und sich ein bisschen von der Korruption inspirieren lassen… Männerfreundschaft eben. Ich will nicht behaupten, dass ich dieser Buddy-Show hinterhertrauere – herrje, wahrlich nicht! – aber ich finde es mehr als ungenügend, was Merkel für die Integration von und die Kommunikation mit Russland getan hat. Putin triggert sie total – und selbst, wenn ich das rein vom Gefühl her verstehen kann, muss eine Kanzlerin in meinen Augen trotzdem professioneller agieren.

Nun ist das Kind eben im Brunnen und ich will jetzt auch nicht alles besser gewusst haben oder besser wissen. Von der Sorte Schreiberlingen haben wir genügend. Darum bewerbe ich mich nicht. Aber ich möchte dafür werben, sich mit Russland zu befassen, es kennen zu lernen, sich ihm offen und unbefangen zu nähern. Das ist wichtig – verdammt wichtig. Im Juni werde ich erneut nach Breslau fahren und eine Konferenz von Wissenschaftler_innen aus ganz Osteuropa und Russland besuchen – ich bin sehr gespannt darauf und freue mich wirklich sehr. Bei meinem letzten Breslau-Besuch erfuhr ich, dass ein wissenschaftlicher Austausch mit Russland erst seit etwa fünf Jahren überhaupt möglich ist! Und das ist eine dieser mir Mut machenden Nachrichten. Es gibt Anknüpfungspunkte. Russland ist kein anderer Planet!

Aus all diesen Gründen verschlinge ich gerade die Bücher von Viktor Pelewin. Und darüber habe ich dann gestern auch bei der FAZ gebloggt. Pelewin schreibt Bücher, in denen er Tolstoi in einem Computerspiel Zombies jagen lässt, er hat mit „Generation P“ ein mittlerweile auch verfilmtes Buch über junge russische Menschen geschrieben, sozusagen die „Wostkinder“ Russlands oder deren „Dritte Generation Ost“. Man kann aber auch in seinem Fantasy-Roman „Das heilige Buch der Werwölfe“ sehr viel über die russischen Verhältnisse, die Logiken und Schranken der Gesellschaft erfahren. Alles stets in einem rotzigen Ton, die reudigen Facetten der Realität nie aussparend, sondern gebührend beschreibend. Das Werwölfe-Buch habe ich letzte Woche trotz Veranstaltungsmarathon in vier Tagen weggeschmökert – so ein Lesevergnügen!

und danke an Alex aus Moskau, der mich überhaupt erst auf den Pelewin-Trip brachte! Thanx Alex for recommending Victor Pelevin!

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Brecht und der Frauentag

Internationaler Frauentag 1953Die Werke von Brecht mochte ich immer schon gern. Die Aufführung der Dreigroschenoper war für mich die Beste, die ich damals im Würzburger Theater sah. Und Herr K ist Inspiration für den eigenen Umgang mit den Menschlichkeiten und Unmenschlichkeiten um mich herum. Deswegen war es wirklich interessant zu lesen, wie dieser Bertolt Brecht in der Aufbauphase der DDR lebte, wirkte und Inszenierte. Wie er sich mit dem Regime auseinandersetzte und arrangierte – ein neues Buch von Werner Hecht half bei dieser Einordnung. Und darüber bloggte ich auch bei den Wostkindern.

Und dann ist da noch der Internationale Frauentag – übermorgen – am 08. März. Traditionell ist immer sehr viel los bei diesem Jubiläum, in Berlin kann man ab 13 Uhr am Gesundbrunnen demonstrieren – ich selbst aber werde in Köln sein und habe auch kommende Woche unendlich viele Termine, zu denen ich euch kurz einladen möchte: Weiterlesen

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Wostkinder: Das Rumkauen auf Komplexitäten

timthumbDas Wostkinder-Projekt gibt es nun schon eine ganze Weile und man kann auch eine gewisse Entwicklung erkennen: Es geht immer mehr um die Komplexitäten in dieser Welt, um globale politische und wirtschaftliche Debatten, um die Demokratie und ihre Zukunft. Das hat insofern mit der DDR-Vergangenheit und unserer Doppelrolle zu tun, weil der Rückblick helfen kann, für die Zukunft die richtigen Fragen zu stellen.

Wir sind nie angetreten sind, um überheblicher Weise zu behaupten, wir würden jetzt mal den anderen die Geschichte der DDR erklären, wir waren von Anfang an selbst auf einer Entdeckungsreise, ohne fertige Ergebnisse und Antworten präsentieren zu können. Bei dieser Reise haben wir Gesprächspartnerinnen über ihre Erfahrungen ausgefragt. Und der Aktuellste war auch der, der uns selbst am meisten aufrüttelte. Wenn man in einem Gespräch merkt, wie wenig man wusste und wie komplex die Welt ist – was kann es dann Wertvolleres geben?

Genau so war es mit Herrn Andreas. In der DDR gehörte er zur Elite, er war Diplomat und später auch beim Außengeheimdienst der DDR, der HVA, aktiv. Wie er diese Zeit erlebte, welchen inneren Konflikten er ausgesetzt war, was die Wende mit ihm machte und wie er heute mit dieser Vergangenheit lebt – all das erzählt er im aktuellen Wostkinder-Podcast.

„Immer nur Fragen – die machen es sich leicht“

Die zweite Anmerkung gilt einem sehr sehr langen Kommentar, den ich heute morgen als Antwort auf einen Kommentator zu meinem letzten Text über die Grenzer des Kapitalismus verfasste. Wir hören immer wieder, dass wir nur kritisieren, ab doch nie konkrete Vorschläge zur Lösung der Probleme machen würden. Das ist richtig, und ich möchte hier zweitveröffentlichen, was ich dazu denke. Weiterlesen

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Ceuta zeigt das Ausmaß der Grenz-Aggression

In Ceuta werden Gummigeschosse eingesetzt, um Flüchtlinge zu verjagen, die in der EU ihre Rettung suchen. Der Tod von 15 Flüchtlingen bei einem solchen Einsatz am 06. Februar beschäftigt nun die politische Debatte. Ein Umdenken ist dringend nötig – vielleicht hilft es, an den Umgang mit den 4 Millionen DDR-Flüchtlingen zu erinnern: Sie wurden willkommen geheißen, nicht abgeschoben. Sie waren aber auch weiß und sprachen Deutsch. Außerdem verkörperten sie, dass die eigene Ideologie der des Nachbarn überlegen war.

http://blogs.faz.net/wost/2014/02/18/die-grenzer-des-kapitalismus-836/

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Stereotype und Stigmata – die Deutschen und Osteuropa

800px-William_Holman_Hunt_-_The_ScapegoatFür die Wostkinder frage ich „Ist der Bayer reif für die Einheit“ – im Blick habe ich die CSU, allen voran Horst Seehofer und natürlich meine ich die europäische Einheit. Wenngleich ich finde, dass die Westdeutschen und ihr Umgang mit der Deutschen Einheit einen kleinen Vorgeschmack auf das bieten, was der Deutsche von den Leuten hält, die noch weiter im Osten, noch weiter bei Russland wohnen und dann nichtmal seine Sprache sprechen.

Der Begriff „Armutseinwanderung“ macht derzeit die Runde. Was für ein „praktischer“ Begriff – er transportiert so viel mit, alles in einem Wort: Da wäre die Unterstellung, dass alle in Osteuropa arm sind – ärmer als wir – und vor allem die armen Leute hier herkommen. Was auch die Frage nach dem „Warum?“ beantwortet – die wollen halt Geld – UNSER Geld!!1!!

Und das muss man denen natürlich verweigern. EU? – Freizügigkeit? Naja, wer Geld hat, der darf freizügig sein. Oder so. DAS ist mal echter Klassismus – aber davon liest man in den üblichen Blogs jetzt grade nichts. Was etwas über Horizonte aussagt. Aber das wiederum ist (dieses Mal) nicht Thema.

Da man mein Blog dieses Mal bislang nicht so recht beachtet und es unterzugehen droht, bin ich sehr froh, dass im Feuilleton der FAZ heute ein sehr deutlicher Artikel sehr sichtbar prangt, von Dirk Schümer, der alles noch einmal zuspitzt: Faul seien nicht etwa die Einwanderer

Faul und indolent sind hingegen deutsche Behörden, die ihre Arbeit nicht oder schlecht erledigen und damit die Bevölkerung auch noch pauschal gegen die übergroße Mehrheit der Zuwanderer aufbringen, die dem deutschen und dem europäischen Sozialetat durch ihre Arbeit Profite einbringen.

und – was auch mein Punkt immer wieder ist und ich finde, der Kern der Debatte, den sich viele nicht anschauen wollen:

Die saturierten Alteuropäer, die eine Öffnung für ihre Produkte und Ferienziele nach Osteuropa selbstverständlich finden und deren Konzerne oft genug mit den Billiglöhnen im Osten gutes Geld verdienen, sollten den Menschen vom Balkan nicht noch die verbliebene Würde und den Stolz auf ihre großen Leistungen seit 1989 nehmen. Es ist wenig genug übriggeblieben.

Für so einen differenzierten und deutlichen Artikel lasse ich mein Wostkinderblögchen gern zur Seite treten. Aber vielleicht mag die/der eine oder andere von euch ja doch noch lesen…

Bild: The Scapegoat – der Sündenbock. Von William Holman Hunt. Via Wikimedia Commons. Unter Public Domain.

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