„Sisterhood is Powerful. It kills. Mostly sisters.“

Dieser Satz ist der feministischen Aktivistin Ti-Grace Atkinson zuzuschreiben. Er betrifft die Frauenbewegung der 70er und 80er Jahre. Heute allerdings könnte sich die Geschichte wiederholen.

Das Thema ist in diesem Blog hier schon öfters angesprochen worden: Feministinnen gegen Feministinnen. Ausschlüsse. Das Versagen von Respekt. Das Austragen von Konflikten auf einer persönlichen Ebene – statt auf einer politischen.

Jill Filipovic hat im Guardian letzten Mai eine Auseinandersetzung mit dem Thema verfasst:

„Trashing each other and exclusion have been hallmarks since the movement began, and each generation of feminist activists seems to suffer the same in-fighting.“

und die aktuelle Ausgabe des Magazins „The Nation“ hat den internen Kampf im Feminismus als Titelthema. In einem fünf Seiten langem Text analysiert die Autorin, wie derzeit eine Gruppe von Menschen und dem Argument der Intersektionalität versucht, andere zum Schweigen zu bringen und/oder in eine Ecke zu stellen: weiß, rassistisch, privilegiert, cis-hetero oder sonst etwas. Jedenfalls: Schlechte Menschen. Diese Aktionen nennen sich „Trashing“.

„Though Mukhopadhyay continues to believe in the empowering potential of online feminism, she sees that much of it is becoming dysfunctional, even unhealthy. “Everyone is so scared to speak right now,” she says.“

Im aktuellen Lila Podcast haben Susanne und ich versucht, das schwierige Thema aufzugreifen. Unser Eindruck: Wir müssen darüber reden, wir müssen Wege suchen, die da raus führen. Denn sonst „überleben“ im Feminismus immer nur die ganz hartgesottenen Haudegen. Alle anderen werden im feminist burnout demoralisiert.

Darüber hinaus sprechen wir über sexistische Werbung, über den Steuerfall Alice Schwarzer, über Chick Lit, die feministischer werden sollte, über Vorbilder wie die Philosophin Agnes Heller und vieles mehr. Also hört doch mal rein. Und gerne: Diskutiert mit. Aber bitte dort.

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Broadcast – Kadda auf allen Kanälen

Es ist ja kein Geheimnis, dass ich App.net gut finde. Nun haben sie sich Ende 2013 ein neues Feature einfallen lassen, dass ich für sehr praktisch halte: Broadcast. Mit Broadcast können Sender_innen aller Art Kanäle erstellen, die über App.net laufen und diese Kanäle können abonniert werden. Wer einen Kanal abonniert hat, erhält Pushnachrichten bei neuen Sendungen.

Für Podcaster_innen und Blogger_innen ist das eine prima Sache. Ihr könnt nun daher folgende Kanäle abonnieren, auf denen ich sende:

dieses Blog
– die Wostkinder
– der Lila Podcast
– der Erscheinungsraum
– der Wostkinder-Podcast

Um diese Kanäle zu abonnieren, braucht man eine App – für iOS oder für Android. Und dann kann man loslegen und verpasst nichts mehr von den Sender_innen, die einem am Herzen liegen.

Für alle, die selbst so etwas für ihre Sendekanäle einrichten wollen, haben die Macher von ADN (auf Englisch) aufgeschrieben, wie das geht: Im App.net Blog.

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#Shelfies? Im Sozialismus eine Selbstverständlichkeit

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Der aktuelle Wostkinder-Podcast mit der wunderbaren Autorin Alexandra Tobor (AKA @silenttiffy) wurde vor über einer Woche aufgenommen. Also bevor das Wort „Selfie“ in die Mediendebatte einging und bevor es auf twitter eine Debatte darüber gab, ob der intellektuelle Gegenentwurf, das „Shelfie“, eigentlich klassistisch sei.

Wenn ihr den vorangegangenen Absatz nicht verstanden habt, weil all das an euch vorbeigegangen ist – seid einfach froh! Zu Beginn des Gesprächs unterhalten wir uns jedenfalls über die Bedeutung von Büchern in Polen. Denn mein Eindruck war und ist, dass sowohl in Russland vor dem Ende der Sovjetunion, als auch in der DDR, die Literatur eine sehr wichtige Rolle hatte und auch sehr viel zugänglicher und verbreiteter war, als das vielleicht heute, im Westen, im Kapitalismus der Fall ist. Alexandra bestätigt diesen Eindruck durchaus – man kann also sagen: im Sozialismus war man immerhin sehr belesen. Und das unabhängiger von Klasse und Herkunft.

Alexandra berichtet uns, wie sie ihre Kindheit in Polen erlebte, wie sie den Westen entdeckte und wie die Ausreise 1989 ihr Leben veränderte. Das Ankommen im Westen war auch für sie an einige Unwegbarkeiten geknüpft. Und auch wenn Sprache und Religion sehr unterschiedliche Grundfaktoren bei uns sind – wir Wostkinder haben ähnliches erlebt. Es geht um Habitus, um das Ankommen in einer Gesellschaft, in der sich das Individuum durch den Konsum definiert und wo Teilhabe und Besitz aneinandergekoppelt sind.

Genug gelabert – gehet hin und höret zu. Und gerne – sehr gerne – würden wir mit euch darüber sprechen: was habt ihr vielleicht erlebt? Habt ihr Einspruch zu erheben? Fragen? All das drüben im FAZ-Blog, wo ihr auch sämtliche Shownotes findet und die Links zu den Podcast-Feeds.

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3. Generation Ost, Daniela Dahn und viel Feminismus – Podcastaktivitäten auf einen Blick

Liebe Blogaudienz,

viele von euch bekommen es auf anderen Kanälen mit, aber bestimmt nicht alle: Während hier ein bisschen die Milch sauer wird vor lauter rumstehen und nicht angerührt werden, tobe ich mich nicht nur in den Stützen der Gesellschaft aus, sondern auch in diversen Podcasts, von denen ich hier noch nicht erzählt habe. Also möchte ich euch einen kleinen Überblick über die Episoden der vergangenen drei Monate geben und bitte um höfliche Zurkenntnisnahme. Debattieren könnt ihr die Folgen in den entsprechendenen Blogs.

  • In LILA004 – Haben Männer Humor? sprechen Susanne Klingner und ich über lustige Frauen. “Feminism has never been so funny” – schreibt der Guardian über junge feministische Frauen, die Comedy-Preise abstauben. Aber stimmt das? War Feminismus vorher nie lustig? Quatsch!
  • LILA005 – I’m too sexy for your ear handelt von der Allgegenwärtigkeit von Sexyness. Frauen sollen sexy sein, aber bloß keine Schlampen. Und das ist ein Problem. In dieser Folge nähern wir uns der zweischneidigen Angelegenheit “Sexyness”.
  • Auch die Wostkinder haben im Oktober gepodcastet: Im Gespräch mit Adriana Lettrari lernen wir die Dritte Generation Ost kennen und sinnieren über Transformationskompetenz und die Zukunft Europas. Welche Kompetenzen hat diese Generation gebildet? Welcher politische und gesellschaftliche Anspruch ergibt sich daraus und mit welchem Selbstverständnis werden diese Dinge betrachtet?
  • Eine besondere Ehre war das Gespräch mit der Schriftstellerin Daniela Dahn “Ich wollte immer in der Demokratie leben, aber nie im Kapitalismus”. “Wer nicht versucht hat, sich einzumischen, soll nicht behaupten, es ginge nicht. Sich schreibend einzumischen, heißt stören. Wer zufrieden ist, schreibt nicht. Schreiben heißt abweichen und rebellieren, attackieren und ironisieren. Schriftsteller sind nicht dazu da, Harmoniebedürfnisse zu erfüllen.
  • Und ganz frisch von heute (na gut, aufgenommen haben wir schon am Montag, aber er wurde gerade publiziert): LILA006 – Wenn die Frau mit dem Klemmbrett ins Bordell kommt Die täglich neuen Nachrichten aus den Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU sind ein guter Anlass für uns, die politische Lage und die politischen Debatten zu beleuchten. Ein großes Thema ist außerdem die Debatte zur Prostitution.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Hören.

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Freiheit in 60 Minuten und ein Gespräch über #OccupyGezi

Der aktuelle Erscheinungsraum, mein kleiner emanzipatorischer Podcast, beschäftigt sich mit den Protesten in und um den Gezi-Park in Istanbul. Zu Gast hatte ich Neşe Altıparmak, die derzeit in Berlin Europäische Literatur an der Humboldt-Universität studiert, davor in Istanbul gelebt und studiert hat. Sie hat von Anfang an über twitter und Facebook mitbekommen, welche Gewalt die Istanbuler Polizei anwedet; wie die türkischen Medien versuchten, den Protest unter den Teppich zu kehren und sie reflektiert über daraus resultierende politische Forderungen und Visionen über die Zukunft.

Viel Spaß beim Hören: ER004 Gezi-Park und die Proteste in der Türkei

Ein weiterer Hinweis gilt dem morgigen Fernsehabend: „60 Minuten Freiheit“ ist der Titel eines Dokumentarfilms, der morgen Abend im Bayerischen Fernsehen laufen wird (22:00 Uhr bis 23:00 Uhr; Wiederholung ist 01:05 Uhr bis 02:05 Uhr in der Nacht zum Sonntag). Ich weiß noch nicht, ob und wie genau, aber das Fernsehteam traf sich letzten Sommer mit Julia Schramm und mir und hat ein paar Sachen mit uns aufgenommen – also vielleicht gibt es uns da zu sehen. Worum es geht:

„60 Minuten Freiheit“, von den Machern des preisgekrönten Films „Der Taktstock“, ist ein unvergleichlicher Film über ein eigentlich unverfilmbares Thema. Es geht darum, was Freiheit ist, und was sie für jeden von uns bedeutet. Mithilfe eines kleinen animierten Mannes, der von Herbert Feuerstein synchronisiert wurde, nähert sich der Film diesem schwierigem Thema auf anschauliche Weise. In rund einer Stunde sucht die Animationsfigur nach Antworten und findet sie draußen in der Welt und in uns selbst.

Ich bin jedenfalls überaus gespannt darauf.

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Feminismus auf und um die Ohren

Wer es noch nicht über einen der üblichen verdächtigen Kanäle mitbekommen haben sollte: Susanne Klingner und ich haben den Lila Podcast gestartet. Wann immer wir die Zeit finden, werden wir uns ab jetzt gemeinsam über aktuelle Debatten aus feministischer Perspektive unterhalten. Die erste Folge unter dem Titel „Feministischer Frühling“ bespricht ausgehend von verschiedenen Debatten in den Medien und im Netz die Kritk an Femen, die Kritik an „Neofeministinnen“ – und wir fragen uns, warum hier derart Welten aufeinander prallen. Wir sprechen über Nacktheit. Wie steht es gerade um den Feminismus im Netz – war früher alles besser oder hat sich doch einiges getan?
Hört doch einfach mal rein.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch der Blogpost bei Che, der den Spiegel-Artikel aufgreift und sich darüber ärgert, dass hier in der medialen Verkürzung und Klischee-Huberei:

Plattheiten wie der Frage, wer sich die Achselhaare rasiert oder auch nicht haben nun wirklich nichts mit einer Debatte über Inhalte zu tun; das ist Bild-Niveau.

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Learning from Podcast-Mistakes Part 2

Gestern schrieb ich auf, wie ich versucht hatte, meinen Podcast Erscheinungsraum zu retten. Daraufhin bekam ich auf App.net ne Menge Feedback, aber auch hier im Blog. Vielen Dank schon einmal dafür!

Georg von Auphonic hatte sich hier im Blog gemeldet und ich habe ihm die unbearbeitete Audio-Datei daraufhin auch verlinkt. Großartiger Weise hat er sich tatsächlich die Mühe gemacht, dieses Katastrophe zu bearbeiten und sie klingt nun schon tausend Mal besser!

Das Intro dazu gepackt und heraus gekommen ist eine sehr viel hörbare und angenehmere Version des Podcasts.

Georgs Punkt war, dass er meinte bei der Noise Reduction in Audacity seien Artefakte in den Stimmen entstanden. Deswegen hätte er nicht so viel Rausch entfernt, denn der Rausch – äh, das Rauschen ;) – das sei zum Hören wesentlich angenehmer, als die Artefakte in den Stimmen. Und ja, er hat Recht (klar, er ist ja auch der Profi!). Deswegen ist auch vieles aus meinem gestrigen Post Quatsch gewesen – denn in der Tat hat Georg das Audio nur durch Auphonic laufen lassen und mehr nicht!

Ich nehme also alles zurück und behaupte das Gegenteil: Auphonic rules!

Leider ist mir so nun entgangen, was der Ralf Stockmann von den Wikigeeks mit der Datei gemacht hätte. Er sagt, es hätte eine sehr viel schnellere Möglichkeit gegeben, sie zu retten, und zwar mit einem Programm namens Levelator. Wie Levelator arbeitet, wird in diesem Youtube-Video erklärt:

 

Außerdem hat Ralf einen eigenen Screencast namens Ultraschall angefangen, den ihr unbedingt verfolgen solltet, er war schon super fleißig, es finden sich schon ganze vier Folgen und ich habe bereits sehr viel neues dabei gelernt:

Ihr seht, dass hier gerade eine sehr tolle gegenseitige Hilfe am Start ist – ich selbst bin immer noch ein kleines bisschen überwältigt und mich macht das glücklich!

Ach ja – kommt alle auf App.net, dort sind sie nämlich alle, diese hilfsbereiten Menschen und wenn ihr noch nicht wisst, warum ihr da hinwollt: Das habe ich letzte Woche für die FAZ aufgeschrieben. Und dort findet ihr auch einen Invite-Link, App.net ist nämlich Bezahlinternet und der Invite-Link führt zu einem kostenlosen Account (der auch ein paar Einschränkungen hat, aber die tun erst einmal so wenig weh, dass es sich lohnt, vorbeizuschauen).

 

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Hej Podcasters: I made some mistakes and learned from them!

Bei der Aufnahme der aktuellen Folge von Erscheinungsraum habe ich ziemlichen Fou gebaut, meine Aufnahme ist richtig Mist (gewesen; jetzt nur noch semi-Mist). Ich habe für die Sendung mit Che über Skype telefoniert und am Ende hatte die Aufnahme folgende Macken:

  • ich war total laut und dröhnte richtig
  • wohingegen Che total leise, manchmal fast unhörbar war
  • unter der gesamten Sendung lag ein furchtbares Grundrauschen
  • angereichert wurde das ganze durch Knack- und Knick-Laute in unregelmäßigen Abständen

kurz: Es war die absolute Katastrophe. Was ich falsch gemacht habe, das schildere ich zum Schluss. Aber ich glaube, dass für viele interessant sein dürfte, wie ich die Aufnahme bearbeitet habe. Insgesamt habe ich 2 Wochen lang immer wieder und etwa drei bis vier schlaflose Nächte an dem Kram gesessen. Nun denke ich, dass ich die Feuerprobe im Podcasting hinter mir habe – und möchte gerne weitergeben, was ich dabei gelernt habe.
„Hej Podcasters: I made some mistakes and learned from them!“ weiterlesen

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Wostkinder meets Eisenkinder

In der vergangenen Woche war es zwar hier still – dafür aber andernorts nicht.

Wostkinder-Podcast mit Sabine Rennefanz
Bei der FAZ haben wir, Marco und ich, den ersten richtigen, auch in iTunes und Podcatchern abonnierbaren (mp3 oder mp4), Podcast gestartet. Dieser läuft im Rahmen unseres Projektes „Wostkinder“ und wird etwa einmal im Monat erscheinen.

Unser erstes Gespräch ist am Mittwoch veröffentlicht worden. Wir sprachen mit Sabine Rennefanz, Autorin des Buches „Eisenkinder“ über ihre Kindheit und Jugend in der DDR, ihre Erfahrungen auf einer DDR-Elite-Schule in Eisenhüttenstadt, wie es dort war und sich anfühlte, als die Wende kam. Sabine Rennefanz hat ein sehr bewegtes Leben, hat viele verschiedene Stationen gemacht und beschäftigt sich in ihrem Buch – ähnlich wie wir in unserem Blog – mit der Frage: Was hat all das mit uns gemacht? Und was können wir daraus lernen?

Ihr Buch kann vielleicht als eine Vertiefung der Gedanken angesehen werden, die sie in ihrem Essay „Uwe Mundlos und ich“ (erschienen in der Berliner Zeitung) anriss: „wir hatten die Sehnsucht nach Radikalität gemeinsam, nach einem klaren Weltbild. Wer sich als Jugendlicher in der Nachwendezeit abgrenzen wollte, hatte es nicht so leicht, eine Protestkultur zu finden.“

Es war ein sehr intensives und – finde ich – gutes Gespräch!

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