Fukushima: Pietät und Verarbeitung.

Die Emotio
Ich schätze campact wirklich. Sie organisieren politische Kampagnen zu Themen, die mir am Herzen liegen.
Doch wie sie angesichts der Katastrophe in Japan Parolen ausgraben und verbreiten, das missfällt mir, wie ich auch auf Twitter ausdrückte:

„ja: es ist verlockend, #fukushima für campaigning gegen akws zu nutzen. aber nein: es fühlt sich nicht „korrekt“ an. @campact

Dabei ist für völlig klar: Natürlich will ich den Ausstieg. Natürlich reagierten Merkel und Röttgen daneben. Natürlich hatten alle in der Anti-AKW-Bewegung recht, warnten zurecht vor den Gefahren. Aber ist es wirklich die Stunde, Rechthabereien und Parolen auszupacken?

Spontan trafen sich am Samstag Abend einige Menschen zu einer Demo. Berichten von Freunden zufolge war diese „Demo“ eher ein Schweigemarsch. Andere nannten das angemessen. Das Schweigen. Finde ich auch. Mein Gefühl wehrt sich dagegen, zur Tagesordnung überzugehen, die da heißt: Klare Fronten bilden, Parolen entwerfen, Kampagnen fahren etc… beide Seiten gehen zu dieser Tagesordnung über. Merkel genauso wie campact. Und diese zwei stehen ja nur für jeweils eine ganze Horde von Menschen, die sich eben entweder hier oder dort einordnen.

Andere bleiben still. Ekin Deligöz twitterte:

„Rede auf Veranstaltung Alevitischer Verein Berlin. Fällt schwer nach den Nachrichten aus Japan zum polit. Alltag zu finden“

Es sind genau solche Aussagen von PolitikerInnen, die mir fehlen. Leute die einfach mal sagen, dass sie fassungslos sind. Sprachlos. Geschockt.

Die Ratio
Natürlich regen sich Stimmen, die erklären, man lasse sich nicht den Mund verbieten – die Katastrophe sei der beste Grund, gegen AKWs zu mobilisieren. Ich kann das rational nachvollziehen. Natürlich liegt es nahe. Zudem liegt es mir wirklich fern, anderen den Mund zu verbieten. Erst recht FreundInnen. MitstreiterInnen. Es soll auch nicht als Angriff angesehen werden, wenn ich wie oben twittere, was ich fühle. Vielleicht hat einfach auch jedeR seine/ihre eigene Art, mit solchen wirklich markerschütternden Ereignissen umzugehen. Wahrscheinlich. Also lasst es gut sein. Und macht vor allen Dingen das, was ihr für richtig haltet. Aber lasst mir auch meine widerstrebenden Gefühle.

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