2014 ist das Jahr der Bloggerin

Das Webmagazin Die Featurette ernennt 2014 zum Jahr der Bloggerin. Vom 6. Januar bis zum 31. Dezember werden auf www.featurette.de tolle deutschsprachige Netzautorinnen vorgestellt. Bisher schreiben in der Featurette gut 40 Autorinnen, im Laufe von 2014 sollen es über 50 werden. Im Jahr der Bloggerin bekommen unsere Bloggerinnen eine weitere Bühne: Jede Woche wird eine von ihnen, ihre Texte und ihr Blog kurz vorgestellt.

Die Autorinnen der Featurette schreiben über Politik, Wirtschaft, Alltag, Stilfragen, Umweltthemen, Alltagsbeobachtungen oder übers Selbermachen. Zusammen entsteht aus ihren Texten jeden Tag ein neues Webmagazin. Dieses Magazin soll Frauen im Netz sichtbarer machen, es will gute Webinhalte stärker herausstreichen, damit jede und jeder mehr als nur die Alphablogs des Internets kennen lernen kann – vor allem auch tolle Seiten von Bloggerinnen zu einer großen Themenbreite. Das Webmagazin Featurette will Überraschendes bieten, Denkanstöße geben, vorsortieren, gewichten. Jede Woche stellen wir eine Bloggerin und ihr Blog ausführlicher vor. Den Anfang macht Ninia LaGrande, eine Bloggerin aus der Großstadt, die über Großstadtgeschichten, Feminismus, Kunst, Musik und vieles mehr bloggt – hier stellt sich Ninia selbst vor:
http://www.youtube.com/watch?v=XNwLYpdIvs8

Klar ist: Im Netz wird unendlich viel geredet und geschrieben, so dass viele gute Texte schnell mal untergehen. Wer viele Leserinnen oder Follower hat, gewinnt auch stetig neue hinzu, doch wer in einer „Nische“ schreibt, bleibt oft unentdeckt. Die Idee der Featurette ist es, immer wieder neue Perlen zu finden.

Die Featurette wird von Frau Lila herausgegeben, das sind Susanne Klingner,  Barbara Streidl (Co-Autorinnen des feministischen Manifests „Wir Alphamädchen“ und Mitgründerinnen des Weblogs maedchenmannschaft.net) und ich. Frau Lila ist eine feministische Initiative, unter deren Dach wir feministisch publizieren, Aktionen initiieren, Bündnisse schmieden, Veranstaltungen planen. Wir wollen Frauen ermutigen, sich zu Wort zu melden, politisch zu handeln, sich zu vernetzen, für ihre Rechte und Stimmen zu kämpfen. Und wir halten Emanzipation auch heute noch für aktuell und für notwendig.

Die Bloggerin der Woche findet ihr im Featurette Blog. Und nun: Entdecken, lesen, diskutieren – und bei Fragen stehen die drei Frau Lilas gern Rede und Antwort.

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Kinderpornografie auf twitter

Eigentlich bin ich gerade gar nicht auf twitter, @dieKadda macht eine Pause, weil ich für die Uni viel machen muss. Es ist mal wieder Hausarbeiten-Saison. Doch weil am Freitag ein netzfeminisisches Bier anstand, war ich am Donnerstag von der Uni aus mit dem Account @Netzfeminismus online. Leider.

In meiner Timeline tauchte der Tweet einer Frau auf, die dazu aufrief einen Twitter-User, den sie gementionet hat, bei twitter zu melden und ihn und seine Follower zu „zerlegen“, weil er auf twitter Kinderpornografie verbreite. Dieser tweet war mir von einer anderen Frau in die Timeline retweetet worden.

Natürlich klickte ich den Namen des Users an, landete auf seinem Profil. Da waren sofort die Bilder. Er hatte sie mit twitpic hochgeladen und mein Client zeigte sie alle sofort an. Ich hatte so etwas bis dahin noch nie gesehen. Ich erspare euch weitere Beschreibungen. Ab da war ich für mehrere Stunden mit der Sache befasst.

Zuerst kam es mir komisch vor, dass man dazu aufrief, twitter zu benachrichtigen. Richtig ist es, die internetbeschwerdestelle.de zu kontaktieren. (weitere Möglichkeiten, Kinderpornografie zu melden: jugendschutz.net und inhope.org (international, wenn bekannt ist, aus welchem Land) – danke an Lucie!) Umgehend und ohne zögern. Das habe ich getan. Ich wusste auch noch, dass der Download solcher Bilder illegal ist, auch ein Screenshot etc… ich kopierte aber die Follower desjenigen in ein Word-Dokument. Es enthielt keine Bilder. Ich speicherte es ab. Der internetbeschwerdestelle.de gegenüber erwähnte ich diese Liste.

Die internetbeschwerdestelle.de ist nach eigenen Angaben international vernetzt – falls ein Täter einmal nicht in Deutschland ist. Was hier eindeutig der Fall war. (Ergänzung: wenn das Land bekannt ist, dann auch inhope.org – dort kann man die zuständigen Behörden direkt informieren).

Ich ermahnte darüber hinaus meine Follower auf twitter (besser gesagt, die Follower von Netzfeminismus), dass man die Behörden informieren müsse, nicht twitter. Das revidierte ich später, da auf den Seiten der internetbeschwerdestelle.de stand, man müsse auch die Anbieter (etwa Youtube, Facebook oder wo auch immer das kinderpornografische Material erschien) informieren. Dabei geht es vor allem darum, dass die Inhalte offline genommen werden. wie Tom in den Kommentaren ergänzte, gibt es dafür eigens eine Mailadresse bei twitter: cp@twitter.zendesk.com

Ich erhielt recht schnell eine Antwort von der internetbeschwerdestelle.de (IBS). Dankeschön, bla bla. und keinen Screenshot machen solle ich und außerdem aufpassen, dass ich nichts davon runterlade, wegen strafbar machen und so weiter. Vor allem aber: Das Userprofil sei entfernt worden, man könne da jetzt nichts weiter nachverfolgen. Das wars.

Bevor das Profil offline war, hatte ich ja die Follower in mein Dokument kopiert. Einen davon klickte ich stichprobenartig an. Ich schaute mir die Leute an, denen er folgte. Alle sehr eindeutig. Offenbar waren hier hunderte Menschen via twitter vernetzt, die Kinderpornografie konsumierten und austauschten. Ich schickte die URL zu der Liste derer, denen dieser Typ folgte, auch an die IBS. Ich bekam seither bis heute keine weitere Antwort. Was das heißt kann ich nicht sagen. Ich kann nur hoffen, dass die zuständigen Behörden leise und still an der Sache arbeiten und versuchen, wenigstens einen Teil dieser Leute international zu kriegen.

Mehr konnte und kann ich also nicht machen. Der Tag war aber gelaufen. Die Bilder bekam ich nicht mehr aus meinem Kopf. Mir ging es so schlecht, wie lange nicht, ich fühlte mich seelisch richtig kaputt und ich hasste die Menschheit und die Welt. Erst am nächsten morgen war es ein bisschen besser. Und auch wenn die Bilder sich in meinem Kopf festgebrannt haben und ich sie immer noch nicht los bin, geht es jetzt. Aber:

Wenn euch Kinderpornografie im Internet über den Weg läuft, dann bitte – bitte! – gebt keine Links oder Accounts an andere weiter! Diesen User zu twittern war äußerst unklug. Erstens wurde er gewarnt. Zweitens wurden potentiell viele Menschen echt seelisch angegriffen.

Wendet euch auch immer ZUERST an die Behörden! ich weiß es nicht mit Sicherheit, was twitter da macht, ob das weiter verfolgt wird. Ich kenne mich wirklich nicht damit aus. Aber die Antwort der IBS war, dass sie es nicht weiter verfolgen können, weil das Profil offline ist. Und auch das offline-Nehmen warnt allerspätestens die Täter.

Und wenn jemand euch Links etc… gibt, dann bitte -bitte! – retweetet es nicht. Es gibt dafür keine guten Gründe. Es besteht keine Notwendigkeit, dass so viele Menschen wie möglich Kinderpornografie sehen sollen. IM GEGENTEIL.

Ich vermute, das war alles gut gemeint. Aber es war alles nicht gut durchdacht. Deswegen schreibe ich das hier, damit in Zukunft anders reagiert wird. Ich schreibe das jetzt am Beispiel von twitter. Aber analog kann man das sicherlich auf andere Plattformen anwenden.

Zweierlei noch: Das Argument, auf Kinderpornografie im Internet stoße man nicht einfach so – das ist hiermit nun wohl endgültig widerlegt.

Zweitens: Eines der Argumente gegen Netzsperren war: wenn eine Seite mittels Stoppschild gesperrt würde, würden die Täter gewarnt und könnten schnell ausweichen etc.. deswegen frage ich mich: ist es nicht besser, mit dem melden an die Plattformbetreiber etc… zu warten? Eventuell, bis eine Antwort von den Behörden (also auch der ibs) da ist?

Abschließend: was ich hier schreibe ist wenig detailiert recherchiert. Wenn ihr zum Umgang mit solchen Situationen und Problemen weitere Empfehlungen und rechtliche Hinweise habt, immer her damit, ich möchte es gerne ergänzen. Ich glaube, dass es wichtig für alle ist, wenn wir uns untereinander darüber informieren und austauschen. Damit einerseits die Behörden die besten Chancen haben, die Täter zu erwischen. Und andererseits andere InternetnutzerInnen möglichst von verstörenden Inhalten verschont bleiben.

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So, you didn’t know that Wikipedia has a porn problem?

Ich crossposte hier einen Input in eine Debatte, in die ich mich einmal kurz selbst eingeschaltet hatte (und schnell wieder raus geschaltet) und die ich für hoffnungslos hielt. Aber vielleicht gibt es ja doch eine Möglichkeit, einzuwirken und an vermeintlich nichtdiskutierbaren Punkten zu diskutieren… From Larry Sanger’s blog:

—o0o—

I want to start a conversation.

I. Problem? What problem?

So, you didn’t know that Wikipedia has a porn problem?

Let me say what I do not mean by “Wikipedia’s porn problem.” I do not mean simply that Wikipedia has a lot of porn. That’s part of the problem, but it’s not even the main problem. I’m 100% OK with porn sites. I defend the right of people to host and view porn online. I don’t even especially mind that Wikipedia has porn. There could be legitimate reasons why an encyclopedia might want to have some “adult content.”

No, the real problem begins when Wikipedia features some of the most disgusting sorts of porn you can imagine, while being heavily used by children. But it’s even more complicated than that, as I’ll explain.

(Note, the following was co-written by me and several other people. I particularly needed their help finding the links.)

Here is the short version:

Wikipedia and other websites of the Wikimedia Foundation (WMF) host a great deal of pornographic content, as well as other content not appropriate for children. Yet, the Wikimedia Foundation encourages children to use these resources. Google, Facebook, YouTube, Flickr, and many other high-profile sites have installed optional filters to block adult content from view. I believe the WMF sites should at a minimum install an optional, opt-in filter, as the WMF Board agreed to do in 2011. I understand that the WMF has recently stopped work on the filter and, after a period of community reaction, some Board members have made it clear that they do not expect this filter to be finished and installed. Wikipedians, both managers and rank-and-file, apparently do not have enough internal motivation to do the responsible thing for their broad readership.

But even that is too brief. If you really want to appreciate Wikipedia’s porn problem, I’m afraid you’re going to have to read the following.

larrysanger.org/2012/05/what-should-we-do-about-wikipedias-porn-problem/

Feel free to repost!

—o0o—

Diesen Input bekam ich über die Gendergap-Mailingliste. Bitte lest den ganzen Text, er hat viele Beispiele aufgelistet, wo Probleme bestehen. Und es gibt viele viele Probleme. Zum Beispiel, wenn problematische Bilder in Artikeln auftauchen und nicht entfernt werden, obwohl es klar passieren müsste. Wie im „Upskirt“-Artikel der englischsprachigen Wikipedia (ich sprach es dort auch in der Diskussionsseite an).

Es muss irgendwo zwischen dem Zensur-Vorwurf und dem hysterischen Sperren-Rufen einen Weg geben, der mit Verantwortung zusammenhängt. Wie er genau geht weiß ich selbst auch überhaupt nicht. Nur wird man ihn nicht finden, indem man Verantwortung einfach mit dem Zensur-Argument von sich weist. Niemand will Zensur. Aber Porno-Seiten gibt es im Netz zuhauf. Muss eine Enzyklopädie Pornografische Bilder republizieren? Wäre es vielleicht eine erste gangbare Lösung, im gesamten Pornografie-Projekt auf Bilder zu Verzichten und es bei den Texten und Links zu belassen? Ist das nicht auch im Sinne der Wikipedia-Idee selbst, bei der es um freies Wissen geht – nicht um freies Pornobildchen-Sharing. Wo war noch einmal die Idee des Anspruchs auf Qualität? Warum gibt es keine Relevanz-Diskussionen darüber?

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Treffen und hören: die Kadda auf der re:publica 12

Auch dieses Jahr werde ich mich wieder aktiv auf der re:publica einmischen. Und es ist mir eine besondere Freude, denn dieses Jahr darf ich das tolle Projekt Featurette von Frau Lila vorstellen. Vielleicht erinnern sich einige von euch noch an meinen letzten Vortrag auf der re:publica: Ich sprach über Stereotype, über Sichtbarkeit und Wettkampf – und wie das alles sich auf ein unausgeglichenes Macht- und Einflussverhältnis zwischen den Geschlechtern in der digitalen Gesellschaft auswirkt. Bei Blogger_innen im Gespräch (Link führt zum Video) mit Philipp Banse erklärte ich das alles auch noch einmal in Kurzform.

Das wirklich tolle ist, dass aus all den dort angestoßenen Ideen und Diskussionen wirklich weiterführende Projekte und Lösungsansätze erwachsen sind. So kann ich euch dieses Jahr das von Susanne Klingner, Barbara Streidl und mir (AKA Frau Lila) entworfene Webmagazin Featurette vorstellen, das genau am Problem der mangelnden Sichtbarkeit ansetzt und eine Lösung versucht. Die Featurette wird ein Portal, das gute Webinhalte stärker herausstreicht, indem es sie in einem Webmagazin präsentiert. Im Falle der Featurette sind das Inhalte von Bloggerinnen zu einer großen Themenbreite.

nullEin zweiter wichtiger Schritt ist unser Kontakt und Austausch mit Wikimedia e.V. zur Frage der Gender Gap in der Wikipedia. Auch hierzu wird es auf der re:publica eine Diskussionsrunde geben. Denn Wikimedia e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, den Frauenanteil in der Wikipedia zu verdoppeln (er liegt jetzt bei ca. 9 Prozent). International gibt es viele tolle Ansätze und die Vernetzung nimmt richtig Fahrt an. Diesen Vibe wollen wir auch für Deutschland nutzen und gemeinsam diskutieren, wo genau die Probleme liegen, welche Ideen innerhalb der Community existieren und welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen die Gender Gap hat. Es diskutieren:
Susanne Patzelt (Journalistin)
Andreas Kemper (Autor)
Anja Ebersbach (Präsidium Wikimedia Deutschland)
Dirk Franke (Präsidium Wikimedia Deutschland, Wikipedianer)
Stefanie Senger (Wikipedianerin)

ich habe die Ehre der Moderation.

Beide Veranstaltungen finden am Mittwoch, 02. Mai, statt.

Ich freue mich!

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Konflikt: FoxyProxy, Stealthy und Google-Suche

Kurzer Bericht:

Seit heute nutze ich das Firefox-Addon „Stealthy“. Es ermöglicht recht viele Freiheiten, die man sonst nicht hat – informiert euch auf der Addon-Seite einfach selbst, falls ihr es noch nicht kennt. Interessant fand ich folgende Probleme, das eine weniger verwunderlich, das andere schon eher creepy.

„Stealthy“ funktionierte bei mir scheinbar erst einmal nicht, trotz Aktivierung und Neustarts von Firefox. Zum Glück kam ich Recht schnell auf die Idee, dass es mit der gleichzeitigen Installation und Nutzung von „FoxyProxy“ zusammenhing. Das Deaktivieren von „FoxyProxy“ ermöglichste sodann auch die Nutzung von „Stealthy“.

Google nicht mehr benutzbar

Was mich mehr überraschte war folgende Fehlermeldung von Google, als ich seine Suchmaschine nutzen wollte:

Da es meine erste Nutzung des Addons war, hatte ich ein bisschen an den Einstellungen herumgespielt (man schaut ja, was so geht) und probierte auch „Einen US-Proxy verwenden, um exklusive amerikanische Inhalte freizuschalten.“ Daran lag wohl auch die Verweigerung googles, mich suchen zu lassen.

Natürlich ist die Sache genauso schnell gelöst gewesen, wie auch die Inkompatibilität von „FoxyProxy“ und „Stealthy“: Das eine wieder aktiviert, das andere wieder deaktiviert. Aber merke: Das alleinige Deaktivieren von „Stealthy“ genügt nicht. Google „weiß“ trotzdem, dass du böse warst und verweigert dir den Zugang zu seiner Suchmaschine. „FoxyProxy“ braucht es nach so einem Benehmen dann schon.

Hallo, schöne neue Web-Welt.

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