„This film grabbed my heart!“: Women Without Men

Worum geht es:
Der Film der Regisseurin Shirin Neshat spielt in Iran, 50er Jahre. Er ist ein düsterer Film, der vier Frauen betrachtet: Eine lebt mit ihrem Bruder zusammen, der sie gegen ihren Willen endlich verheiraten will. Die andere ist in ebendiesen Bruder verliebt – aber ohne Chance. Die Dritte ist eine Prostituierte – ein Beruf, der gerade in Teheran besonders am Rande der Gesellschaft steht. Die Vierte ist eine gutgestellte angesehene Gattin. Alle vier haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind auf unterschiedliche Arten und Weisen gefangen. Unter dem Hintergrundgeschehen des Putsches von 1953 in Teheran, finden drei von ihnen zueinander.

Worum geht es wirklich:
Es geht um ein wichtiges und zentrales humanistisches Thema: das Thema Freiheit. Der Film macht fühlbar, was es bedeutet, systematisch der Freiheit beraubt zu sein – aufgrund von Geschlecht, Herkunft und gesellschaftlicher Stellung.

Der Trailer:
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=0CGxQlcrlYw]

Der Film wühlt auf. Packt. Macht wütend.
Auch wenn er sehr beklemmend ist; auch wenn es wirklich weh tut, ihn zu sehen – dieser Film ist sehenswert und sei euch hiermit ans Herz gelegt.

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Fukushima: Pietät und Verarbeitung.

Die Emotio
Ich schätze campact wirklich. Sie organisieren politische Kampagnen zu Themen, die mir am Herzen liegen.
Doch wie sie angesichts der Katastrophe in Japan Parolen ausgraben und verbreiten, das missfällt mir, wie ich auch auf Twitter ausdrückte:

„ja: es ist verlockend, #fukushima für campaigning gegen akws zu nutzen. aber nein: es fühlt sich nicht „korrekt“ an. @campact

Dabei ist für völlig klar: Natürlich will ich den Ausstieg. Natürlich reagierten Merkel und Röttgen daneben. Natürlich hatten alle in der Anti-AKW-Bewegung recht, warnten zurecht vor den Gefahren. Aber ist es wirklich die Stunde, Rechthabereien und Parolen auszupacken?

Spontan trafen sich am Samstag Abend einige Menschen zu einer Demo. Berichten von Freunden zufolge war diese „Demo“ eher ein Schweigemarsch. Andere nannten das angemessen. Das Schweigen. Finde ich auch. Mein Gefühl wehrt sich dagegen, zur Tagesordnung überzugehen, die da heißt: Klare Fronten bilden, Parolen entwerfen, Kampagnen fahren etc… beide Seiten gehen zu dieser Tagesordnung über. Merkel genauso wie campact. Und diese zwei stehen ja nur für jeweils eine ganze Horde von Menschen, die sich eben entweder hier oder dort einordnen.

Andere bleiben still. Ekin Deligöz twitterte:

„Rede auf Veranstaltung Alevitischer Verein Berlin. Fällt schwer nach den Nachrichten aus Japan zum polit. Alltag zu finden“

Es sind genau solche Aussagen von PolitikerInnen, die mir fehlen. Leute die einfach mal sagen, dass sie fassungslos sind. Sprachlos. Geschockt.

Die Ratio
Natürlich regen sich Stimmen, die erklären, man lasse sich nicht den Mund verbieten – die Katastrophe sei der beste Grund, gegen AKWs zu mobilisieren. Ich kann das rational nachvollziehen. Natürlich liegt es nahe. Zudem liegt es mir wirklich fern, anderen den Mund zu verbieten. Erst recht FreundInnen. MitstreiterInnen. Es soll auch nicht als Angriff angesehen werden, wenn ich wie oben twittere, was ich fühle. Vielleicht hat einfach auch jedeR seine/ihre eigene Art, mit solchen wirklich markerschütternden Ereignissen umzugehen. Wahrscheinlich. Also lasst es gut sein. Und macht vor allen Dingen das, was ihr für richtig haltet. Aber lasst mir auch meine widerstrebenden Gefühle.

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Stereotype, Sichtbarkeit und Wettkampf. Diversity in der digitalen Gesellschaft

Das wird der Titel meines Vortrags, den ich auf der kommenden re:publica halten werde.
Ich freue mich sehr, dass mein Angebot vom Orgateam der re:publica angenommen wurde – so wie auch alle anderen Angebote, die von der Mädchenmannschaft kamen.

Yay! It’s SHE:publica, Baby.


(Bild von Jason Bran-Cinaed via Flickr)

Auch die ersten vorsichtigen Schätzungen belegen einen deutlich höheren Frauenanteil, als noch vor zwei Jahren. Vermutlich wird der Frauenanteil größer, als beim großen Medien-Kongress von taz und der Freitag.

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Abgesang auf den Mut

Inspiriert von Sibylle Bergs wöchentlicher Kolumne, in der sie schreibt:

„Wir anderen wissen, dass unser Leben sehr kurz ist, und wir wollen die Zeit angenehm und ohne Zwischenfälle verbringen. Wir haben Angst, nicht geliebt zu werden, natürlich, verständlich, denn wir werden nicht geliebt.“

möchte ich zum Samstagabend ein wunderschönes Lied – nein: mein Lieblibgslied! – von Gustav mit auf den Weg geben:


Ein ♥ für alle beide.

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Fisch mal indisch-scharf gewürzt

Und hier ist es: Das erste Kochrezept in diesem Blog. Ich habs heute Abend selbst erfunden und gekocht – also erkocht. Das solltet ihr dafür bereit stellen:

  • 250-500 g Fischfilet (je nach Laune. Wieviel Fisch ihr nehmt, ändert nichts an den anderen Mengen) – ich nahm Bio-Pangasius, was ich empfehlen kann
  • 1 EL Olivenöl, 1 EL Sesamöl
  • 4 kleine Zwiebeln, gehackt oder in Ringen (auch nach Laune)
  • 4 kleine Knoblauchzehen
  • Kurkuma, Chili, Kreuzkümmel, Bockshornklee, Fenchelsamen (alles fein gemahlen) und je nach Geschmack auch Ingwer. Je 1/2 TL
  • 2 große Möhren, sehr feine Scheiben
  • 200 g grüne Bohnen (tiefgekühlt ist prima)
  • 2 Schuss Soja-Sauce
  • 150 ml Wasser
  • Minzblättchen zum garnieren

Und los geht es: Eine Pfanne, in der nichts anbrennt (immer wichtig bei Fisch!) wird auf höchster Stufe erhitzt, das Öl von Anfang an rein und warten, bis es heiß genug ist (das schont die Pfanne). Die Zwiebeln im Öl andünsten, auf mittlere Hitze stellen. Wenn die Zwiebeln glasig und leicht angebräunt sind, kommen die Möhren dazu und brutzeln 2 Minuten mit. Dann die Gewürze dazu schmeißen und ebenfalls kurz mitbraten. So entfalten sie am besten ihr Aroma. Jetzt die Bohnen dazu und noch einmal 1-2 Minuten brutzeln.
(Update, 02.03.:)und nun kommt der Fisch
Mit zwei Schuss Soja-Sauce wird alles abgelöscht. Kurz zischeln lassen… … und das Wasser drüber kippen. Deckel drauf, Uhr auf 5 Minuten stellen.
Warten… warten… warten…
Juchuuu! Fertig. Minzblatt obendrauf und gut ist’s.
Guten Appetit!

PS: man kann es pur essen (low carb) oder mit Reis/Nudeln/Couscous.

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Kluge Menschen vorgestellt: Stephan Lessenich

Die Neuerfindung des Sozialen

Stephan Lessenich, den Namen habe ich mir notiert. Rot und dick eingekringelt. Weil er wirklich kluge Sachen gesagt hat. Auf so einer Veranstalung linker Grüner, bei der er geredet hat. Letzten Herbst war das. Ich habe mir sein Buch gekauft und auch angefangen zu lesen. Ach, aber eigentlich ist er am besten, wenn man ihm zuhören kann (wie das mit klugen Menschen immer ist). Deswegen hier ein kurzes Interview mit ihm, zu sehen bei Youtube.
[youtube http://www.youtube.com/watch?v=xjMS3C2z7as&w=560&h=349]

Bewusstmachung von Underclass-Bashing

Zum ersten Mal fiel mir Lessenich auf, als er im Freitag einen Artikel über sein Thema „Underclass-Bashing“ schrieb und auf den Punkt brachte:

Es ist wieder chic, gegen Gleichheit zu sein – und darüber zu reden.

Treffer versenkt!
Also: lest, hört und seht Stephan Lessenich. Es lohnt sich. Weil er entlarvend ist, wie hier:

Es geht den handelnden Personen um die Freiheit der gesellschaftlichen Eliten, ihre materielle Position kulturell zur Geltung zu bringen. Es geht um die Freiheit, nach den eigenen Maßstäben – jenen des ökonomisch gesicherten Bürgertums – zu leben und diesen Maßstäben allgemeine Anerkennung zu bewahren beziehungsweise wieder zu verschaffen. Um die Freiheit, die Lebensformen und Lebensführungsmuster der gehobenen Stände zur Norm der Verhaltenssteuerung und Umerziehung nicht-bürgerlicher Milieus zu machen. Es geht um eine groß angelegte gesellschaftliche Programmatik der Normierung und Normalisierung.

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The Leftist Elite

Oder: Warum ich das Blog umgenannt habe


(Linke Elite – Problem der Welt. Bild: Simone de Beauvoir, Sartre und Che Guevara 1960 in Kuba, via wikimedia commons)

Der Name „Wildwuchs“ (wie dieses Blog ursprünglich hieß), war nett, aber nur eine Art Verlegenheitslösung. Oder sagen wir: Ein „Arbeitstitel“. Irgend ein Name musste eben her. Und ein bisschen passen sollte er ja schon auch. Und er passte ja auch zu mir. Ich sehe mich schon als einen Wildwuchs.
Aber so richtig geil war er eigentlich nicht.

Als mir der Satz „Part of the Problem in this world are because of the LEFTIST ELITE!“, der wahrscheinlich von google ins Englische übersetzt worden war, über den Weg lief, sprang mir dieses „the LEFTIST ELITE“ förmlich in die Augen und auch ins Herz. Großartig.

Ich handelte schnell und reflexhaft, die Domain war sofort gesichert. Es ging einfach so mit mir durch. Ein schöner Header musste noch her. Jetzt habt ihr statt der schönen Wiese des elterlichen Gartens der Autorin die sehr adrett ausschauende Familie Marx plus Engels als ständige Begleiter für mein Blog. Denn wer, wenn nicht Marx, könnte sonst der Inbegriff von „the leftist elite“ sein? Wer Marx einmal gelesen hat, weiß, wie elitär der Kerl war und auch dachte. Er trug stets teure Kleidung und trank nur sehr guten Wein. Mit Proletariat war bei Marx nix. Ist ja auch nicht schlimm. Warum sollte einer der wichtigsten Denker der politischen und der soziologischen Theorie auch nicht ein lasterhaftes, ausschweifendes und elitäres Leben haben?

Lasst uns hier ebenso elitär, ausschweifend und lasterhaft dem Elitendasein frönen.
Prost!

(Edit: dieser Text stand in meinem alten Worpress-gehosteten Blog mit anderem Header)

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Respekt ist eine Zweibahnstraße

Kulturrealitvismus ist eine Zweibahnstraße.


(Bild: Alain Bachellier via Flickr)

Es ist gut, dass ein wenig Zeit seit den sehr hitzigen und polemischen Debatten um Integration und Verschleierung vergangen ist. Vielleicht immer noch nicht genug. Doch das Buch „Die große Verschleierung“ von Alice Schwarzer ist einer ernsten und differenzierten Diskussion würdig. Zuerst aber muss eine Unterscheidung getroffen werden, da sonst die Diskussionen zu sehr durcheinander gehen: Es gibt einerseits die Debatte um das Kopftuch, andererseits die Debatte über die vermeintliche „Gefahr“ des Islamismus, des politisierten Islam, ein Thema, das Alice Schwarzer seit ihrer Reise nach Teheran bewegt. Die Frage nach der Legitimität des Tragens eines Kopftuches ist schnell beantwortet: Jeder Mensch darf sich kleiden, wie er beliebt. Diese Freiheit darf nur in Fällen, in denen dieses Recht mit anderen (Grund-)Rechten kollidiert, in Frage gestellt werden – bei dem Tragen einer Burka zum Beispiel sehe ich die Würde des Menschen angetastet, sie ist gewissermaßen auch Nötigung und keineR kann mir erzählen, dass Frauen sich freiwillig derart sozial von ihrer Umwelt abschneiden. So habe ich das immer vertreten. Und dennoch steht dem die Meinung gegenüber, das Tragen eines Kopftuches sei gleichzusetzen mit der Unterdrückung der Frauen. Ich habe unzählige Debattenbeiträge und Kommentare über die Frage nach dem Ursprung und der Aussage des Tragens eines Kopftuches gelesen. Wie so oft, sind nicht sie es, die einem die Antwort auf ein Dilemma geben können, sondern es ist der persönliche Kontakt und Austausch. Deswegen habe ich eine Kopftuch tragende Muslima gefragt „Sag mal, warum…?“ und sie antwortete:

„Es ist mein Glaube und meine Kultur. Stell es dir so vor: Du ziehst in ein Land mit einer völlig anderen Kultur, wo Frauen mit freien Brüsten herumlaufen. Aber freie Brüste sind für dich kulturell anders besetzt, als für diese Frauen. Du würdest dir also wünschen, man akzeptiere es, wenn du trotz der dortigen Kultur deine Brüste bedecken darfst, oder?“

„Respekt ist eine Zweibahnstraße“ weiterlesen

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Böse Mädchen

Das Buch „Das böse Mädchen“ von Maria Vargas Llosa – es ist ein seltsames Ding.


Bild: Dyanna via Flickr)

Seit einiger Zeit nun zelebriere ich des abends das Lesen, denn der Fernseher wurde bei uns abgeschafft, die notwendige Fernbedienung in notarielle Verwahrung übergeben. Nun habe ich schon wirklich viel gelesen. Vor allem die wunderbaren Krimis von Fred Vargas haben es mir in dieser Zeit angetan. Mit viel Freude hat mich das Simone de Beauvoir-Lesebuch von Alice Schwarzer erfüllt. Im Moment bewundere ich sehr die Erzählkunst von Jan Weiler in „Drachensaat“, das ich als mein aktuelles Buch erfürchtig verschlinge.

Mit Vargas Llosa ist es deswegen umso seltsamer, als ich gerne eine schöne Geschichte über ein „böses Mädchen“ gelesen hätte. Böse Mädchen sind meistens eine Geschichte wert. Zum Beispiel, wenn sie aus den gesellschaftlichen Erwartungen ausbrechen und fiese, kaltblütige Politikerinnen werden. Oder wenn sie einen Mann nach dem anderen „verschlingen“ vor Wollust und Gier nach Bestätigung. Böse Mädchen könnten überall eine Geschichte erleben: In Afghanistan, in China – sogar in Gelsenkirchen! Sie könnten morden ohne Skrupel oder einfach nur zu sich selbst böse sein – die vielleicht häufigste Form bei Mädchen (?). Langweilig wäre wohl keine dieser Geschichten und nach meiner Lektüre von Fred Vargas „Schöne Diva von Saint-Jaques“ hatte ich große Erwartungen. „Böse Mädchen“ weiterlesen

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