Ich habe da mal eine Frage

In meinem Beitrag über den Handy-Klau auf dem RAW-Gelände schreibe ich über Männer, die dort auf irgendeine Art in kriminelle Machenschaften verstrickt waren:

  1. der Mann, der mein Handy klaute
  2. der Mann, der mir helfen wollte, es zurück zu bekommen
  3. die Männer, die herumstehen und ihre Tascheninhalte (jede Menge geklaute Handys) zeigten

meine Frage: Wie stellt ihr euch diese Männer vor? Größe, Kleidung, Hautfarbe, Akzent, Haarfarbe usw… beschreibt mal, was für Bilder ihr im Kopf habt, wenn ihr den Text lest.
das ist nur der Anfang einer grundsätzlichen Überlegung. und ich bin dankbar, wenn ihr ein bisschen helft.

ihr könnt es in die Kommentare schreiben oder per Mail an mail(ät)katrin-roenicke(punkt)de

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Are you man enough to be a feminist?

Der Vortrag von Michael Kimmel, den er bei der Heinrich-Böll-Stiftung am 12.09. hielt, ist nun online zu sehen. Kimmel ist Co-Autor des Buches „Guy’s Guide to Feminism“, welches ich schon in meiner Kolumne besprach. Was er einfach sehr gut kann – das kommt auch bei dem Buch rüber – ist Menschen Feminismus auf eine Art näher zu bringen, die anknüpfbar ist. Nicht selten wird während seines Vortrags gelacht.

Danke für den Link an den Podcast #wmr49 von mspro und 343max – den ich zwar noch nicht in Gänze gehört habe, wohl aber den Teil über Feminimus, wo über das Video gesprochen wurde.

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Der Latte-Macchiato-Vater

„Wenn es um die Kindererziehung geht, ist die ewige Frage nach der Verteilung von Klugheit und Dummheit auf die Geschlechter deutlich entschieden – zu Ungunsten der Männer selbstverständlich.“ Tillmann Bendikowski hat es trotzdem gewagt und vom Tupperabend bis zur Beckenbodengymnastik nichts ausgelassen.

Das ist Opa, nicht Papa – aber ich fand das Bild so ansprechend. Quelle: CC BY-ND 2.0 von vionaleews via Flickr

Tillmann Bendikowski hat ein Buch geschrieben, das vermutlich vielen nicht gefallen wird. Es rüttelt an allzufesten Überzeugungen, die in diesem Land vielleicht so manifest sind, wie nirgendwo sonst: am Bild der Mutter. Der Mutter an und für sich. Denn Tilmann Bendikowski wurde genau das: eine Mutter.

Seine Mutterwerdung schildert er gleich zu Beginn von Allein unter Müttern, einem Buch, das bisweilen bitterböse ist, aber stets mit einem zwinkerndem Auge und nie ohne den nötigen Respekt für das Allzumenschliche. Zum Beispiel im Massagekurs für Babys, der Ort, an dem Mütterlichkeit regiert. Unhinterfragt.  Konkurrenzlos. Bendikowski drang ein in diese durch und durch weibliche Sphäre und als sein Kind aus nachvollziehbaren Gründen anfing zu brüllen, passierte es: Die Kursleiterin wollte das Kommando übernehmen. Mit den gebieterischen Worten „DAS KIND BRAUCHT EINE MUTTER!“ (sich selbst meinend) schubste sie den jungen Vater dahin, wo er von nun an und für den Rest des Buches sein würde: Seine Antwort lautete „Ich bin die Mutter!“ Er rettete sich und seinen Sohn aus dem Kurs nach Hause. Dort kuschelten Mutter und Kind für den Rest des Tages und mieden fortan solche Kurse, die es für Babys en Masse gibt.

Frauen führen hier das Regiment

Dass Bendikowski sich fortan als „Mutter“ bezeichnet ist vermutlich ein Affront – gegenüber Müttern wie Konservativen gleichermaßen. Wer sich hieran stört, wird das Buch insgesamt als eine Frechheit betrachten. Es spart nicht mit Hohn und Spott. Es ist ein Einblick in eine Welt, die bislang nur der einen Hälfte der Bevölkerung theoretisch offensteht: Die Welt der Alltagsorganisation rund um Kinder und Familie. Eine Welt, in der Frauen das Regiment führen, in der man Männer für das dumme Geschlecht hält. Eine Welt, die bislang fast ausnahmslos von Müttern selbst betrachtet wurde. In der Literatur, im Fernsehen, im Film – immer sahen wir durch die Augen einer Frau.

Mit Bendikowski aber sehen wir mit den Augen einer „männlichen Mutter“. Wir erleben Kinderschuh-Käufe, bei denen sich die Verkäuferin qua Geschlecht über die Kompetenz der männlichen Mutter erhebt. Nur eine von vielen übergriffigen Aktionen gegen sie. Wir erkunden, warum und wie Frauen über Frauen und Mütter über Mütter herziehen. Wie sich mittels Impfdebatte und Bio-Laden gegeneinander abgegrenzt wird. Und wie „normal“ das Ritual des Sich-Abgrenzens mittlerweile ist – so beliebt sogar, dass Buzzwords wie „Latte Macchiato-Mutter“ und „Feigheit der Frauen“ Bücher und Talkshows füllen. Bendikowski verschont niemanden, dennoch solidarisiert er sich mit Müttern. Er ist ja eine von ihnen.

Dass Geschlecht schon von den ersten Tagen an „gemacht“ wird, regt ihn ebenso auf, wie die moderne Erziehungshysterie und die Inszenierung von glücklicher Kindheit beim Kindergeburtstag (den man, was ich gar nicht wusste, von Menschen schon so organisieren lassen kann, wie eine Hochzeit von einem Wedding Planner). Bendikowski hat mich während des Lesens oft zum Lachen gebracht. Nahezu auf jeder Seite. Der Humor ist seine Waffe gegen alle festgefahrenen Gesetze der Mutterschaft. Und davon gibt es viele: Angefangen bei der Reinlichkeit im Haushalt, über die Frage „Kekse oder Kuchen“, bis hin zur gesunden Ernährung – Mütter haben strenge Verhaltenskodizes entworfen. Sich ihnen zu widersetzen, kommt einer moralischen Bankrotterklärung gleich.

Das kommt nicht von ungefähr: Der Druck der Gesellschaft lastet schwer auf ihren Schultern. Sie tragen nahezu allein die Verantwortung über das Wohl und Wehe der lieben Kleinen. Sie sind im Zweifel schuld. Schuldgefühle – der Autor hat ein feines Gespür für diese subtile aber wirkungsvolle Waffe, die wie ein Damoklesschwert ständiger Begleiter einer Mutter ist.

Was der Autor schafft, ist, durch die Beschreibung dieser Kodizes, durch ihre Überspitzung und das zwinkernde Auge einen Raum zu eröffnen, in dem man darüber lachen darf. Indem man es in Frage stellen darf. Und damit: Es selbstbewusst auch einmal anders machen. In Bendikowski fand ich einen Verbündeten. Einen der es genauso fragwürdig findet, Söhne ausnahmslos zum Fußballtraining schicken zu müssen. Der als einer von ganz wenigen den Instrumente-Zwang und die Unhinterfragbarkeit musikalischer Früherziehung skeptisch beäugt.

Eine kleine Hoffnung

Man muss nicht fragen, ob es einen Mann brauchte, diese Dinge in Frage zu stellen. Das brauchte es sicherlich nicht – viele Mütter vor ihm haben diese Fragen schon gestellt. Konnten darüber lachen. Doch genau wie er, waren auch sie oft ein bisschen die Außenseiterinnen – auf Spielplätzen, bei Elternabenden, im Kiez. Wer gewisse „Trends“ und „Sitten“ nicht mitmacht, ist oftmals ein kleiner Alien. Ob Mutter oder Vater. Was aber nach der Lektüre des Buches als Hoffnungsschimmer für uns Außenseiter-Mütter bleibt: Die Chance, dass ein Mehr an männlichen Müttern ein Weniger an Verhaltenskodizes mit sich bringen könnte. Eine schwache kleine Hoffnung.

Am Ende hat Bendikowski ein echtes Mutmachbuch geschrieben. Ein Lustmachbuch auf das „Abenteuer Familie“, das allen Überspitzungen zum Trotz, eingebettet in die ganz alltägliche Absurdität des Menschlichen, als ein lohnenswertes Unterfangen geschildert wird. Ein Unterfangen, dass vielleicht noch ein bisschen spaßiger werden könnte, wenn mehr männlich-mütterliche Gelassenheit Einzug hielte in das Reich der heiligen Brüste.

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All Sexism sucks!

Ich habe ziemlich lange an einer für mich passenden Definition gearbeitet, die wiedergibt, was Sexismus für mich ist. Angefangen hat alles einmal damit, dass ich im Jahr 2010 für die Grüne Bundestagsfraktion zum Netzpolitischen Kongress den Leuten etwas über Sexismus im Netz erzählen sollte.

Die meiste Arbeit machte bei der Vorbereitung der Erklär-Teil: Was ist eigentlich Sexismus? Recht schnell merkte ich, dass es dazu überhaupt keine eindeutige Definition gab und ich sah, dass sich der Begriff über die Jahrzehnte hinweg steter Wandlung unterworfen hatte. Die Definition von Sexismus, das kann als erstes festgestellt werden, ist damit nie an einem Ende.

Das Männliche als Norm

Doch die Geschichte des Feminismus, der den Sexismus als solchen überhaupt erst thematisiert hat, ist dabei nicht unwichtig. Käthe Schirmacher sagte etwa: „Mit der dem Menschen eigenen Subjektivität hat der Mann sich, seine Vorzüge, Fehler und Leistungen als die Norm, das Normale, das „Seinsollende“, das Ideal gesetzt: das Männliche war, in der Sprache wie anderswo, das Massgebende. […]“ und trifft damit einen Kern dessen, woher der Begriff ursprünglich kommt, warum er notwendig geworden ist und warum es bis heute viele Menschen, gerade auch FeminstInnen, gibt, die meinen: Es gibt Sexismus nur gegen Frauen. Damit hadere haderte ich, da wollte ich nicht stehen bleiben. So kam es schlussendlich dazu, dass ich die Sexismus-Definition, die in der Studie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ der Universität Bielefeld verwendet wurde nahm, und einfach umschrieb in: „Sexismus betont die Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Sinne einer Demonstration der Überlegenheit des einen Geschlechts über das andere und fixierter Rollenzuweisungen an beide.”

So definierte ich nach einem kurzen geschichtlichen Rückblick in meinem Vortrag also Sexismus. Das war 2010 und das war einigermaßen naiv von mir. Denn ich habe es nicht für notwendig gehalten, zu rechtfertigen, wie ich dazu kam, es so abzuändern.

Bereits im Jahr 2007 schrieb ich eine Hausarbeit über Männerbildung und stellte mir die Frage, in wieweit sie dazu geeignet sein könnte, einen Beitrag zur Geschlechterdemokratie zu leisten. Männerbildung ist deswegen interessant, weil sie zu einem übergroßen Teil darauf ausgelegt ist, Männer (noch) professioneller zu machen und ihre (berufliche) Macht zu erweitern. An Familienbildung nahmen Männer zumindest damals in einem verschwindend geringen Umfang teil.

Zentrales Ergebnis meiner Arbeit war es, dass die Männerbildung genau deswegen ein Schattendasein in der Erwachsenenbildung führte, weil stereotypes Handeln und sehr stereotype Angebote (Kurse zu „weichen“ Themen richteten sich auch bildlich vor allem an Frauen etc…) dem im Weg standen. Die Geschlechter konnten in dieser Aufteilung in einer Art zwei-Säulen-Modell beschrieben werden: Menschen sind Wesen, die einerseits ein „Erwerbs- und Berufs-Ich“ haben und andererseits ein „Soziales Ich“. Die traditionelle Geschlechterrollen-Aufteilung hat aber dazu geführt und sich teilweise in absurder Weise darin „perfektioniert“, diese beiden „Ichs“ auf die beiden Geschlechter zu verteilen. Der „Erwerbs (Arbeits-)Mann“ und der „Macht-Mann“ stemmen dabei die eine Säule. Das wird von Peter Döge als „hegemoniale Männlichkeit“ bezeichnet. Die andere Säule ist die „Hausfrau und Mutter“, die aber darüber hinaus auch alle sozialen Kontakte der Ehe, Partnerschaft oder Familie „managed“. Diese lange tradierte Verteilung von Aufgaben wirkt, so die These von Feminismus, Pädagogik und Soziologie, bis heute nach. Auch wenn sich vieles bereits gelockert hat: Heterosexualität als Norm gerät ins Wanken, Frauen gehen arbeiten und Männer nehmen Elternzeit (die einen mehr, die anderen weniger). Und so weiter.

Jahrtausendealte Tradition

Doch aus der Vogelperspektive betrachtet bleiben Unterschiede bestehen, die stereotypen Rollenzuweisungen nehmen nur langsam ab. Die Soziologen nennen dies die Makro-Ebene. Änderungen auf der Marko-Ebene brauchen nicht selten mehrere Generationen, vor allem, wenn die Tradition, die sich ändern soll, Jahrtausende zum Wachsen hatte. Auf der einen Seite stehen die wirtschaftlichen Realitäten, die offenkundig auch im Jahr 2012 Frauen noch benachteiligen. Der Gender Pay Gap ist bekannt. Die geringe Frauenquote in Führungspositionen ist bekannt. Der große Frauenanteil in den Niedriglohnjobs ist bekannt. Seltener thematisiert: Die andere Seite. Das Göttinger Institut für Männerbildung und Persönlichkeitsentwicklung, ein Pionier auf diesem Gebiet, hat die Dokumentation einer Tagung zu Männerbildung veröffentlicht, die beschreibt, dass ein häufiges Problem von Männern sei, „nicht mit ihrem Innern verbunden“ zu sein.

Und auch die Neurobiologie und die Bildungsforschung weisen darauf hin, dass kleine Jungen von Anfang an anderen Herausforderungen unterliegen, als Mädchen. Jungen haben weniger Kinderbücher und Hörkassetten (CDs) und Eltern lesen Jungen weniger vor. Gerald Hüther wies darauf hin, dass Jungen aufgrund ihrer neurologischen Disposition bei der Geburt mehr Liebe und Halt-bietende Orientierungsangebote benötigten, als Mädchen. Genau das aber wird Jungen eher verwehrt als Mädchen. Er stellt gleichzeitig als einer der wenigen Neurobiologen die biologische Determiniertheit von Geschlecht geschickt und überaus klug in Frage, wenn er nachbohrt: „Wie wird aus dem, was ein Mann werden könnte, schließlich das, wofür sich der Betreffende aufgrund seines Geschlechts hält?“ Hüther hebt damit das soziale Umfeld der Kinder als starken Einflussfaktor hervor und dass dieses ausschlaggebend für die spätere Entwicklung des Gehirnes sei. Doch stereotypes Denken und Handeln stehen dem diametral entgegen – wer es nicht glaubt, werfe einen Blick in einen typischen Spielwarenladen.

 Diabolisierung des Anderen

Vor bereits vier Jahren, es war 2008, brachte Walter Hollstein eine lange und ausführliche rein männliche Sicht auf die Probleme mit den Geschlechterrollen-Stereotypen in einem Buch heraus, das ich damals auch rezensierte: Rückblickend betrachtet ist klar, warum es für mich in der Vorbereitung meines Vortrags über Sexismus im Netz keine Frage mehr sein konnte, die Definition auch auf Männer auszuweiten: Es ist auch hier genauso, wie mit dem *sehen* der Stereotype und der Abwertung gegenüber Frauen. Wenn man einmal diese „Brille“ aufgesetzt hat, kann man sie nicht mehr nicht sehen. Vor allem habe ich merklich folgenden Satz gefressen und werde ihn auch nie mehr los: „Die Idealisierung des eigenen Geschlechts und die Diabolisierung des je fremden […] verhindert den wahren Blick auf das Andere. Das gilt für Männer wie für Frauen.[…]“. Der Feminismus, wie ich ihn vertrete, setzt hier an.

Ein starker Schub für diesen Ansatz kommt jüngst aus den USA, wo im The Guys Guide to Feminism von Michael Kaufman und Michael Kimmel unter Sexismus frei übersetzt steht: „Wie alle anderen „Ismen“ ist Sexismus eine Sammlung von Einstellungen – es ist ein Set von Vermutungen die beinhalten, dass ein Geschlecht besser und übergeordnet über das andere ist.“

Die beiden fokussieren auf die starke Institutionalisierung von Sexismus, die sich in Rechten und unterschiedlichen Möglichkeiten manifestieren, welche aufgebrochen werden müssen und sagen dazu: „Diesen Teil können Frauen nicht tun (ebenso wie es Schwarze nicht in einer Weißen-dominierten Gesellschaft tun können).“ Aber an diesem Punkt bleiben die Autoren nicht stehen, sie gehen noch einen Schritt weiter: „Es gibt einen weiteren Teil von Sexismus, er besteht in Vorurteilen über das (andere) Geschlecht, die auf Stereotypen basieren – selbst wenn man nicht glaubt, dass das eine Geschlecht dem anderen überlegen ist. Und auch wenn geschichtlich diese Stereotype vor allem Frauen betroffen haben, sollten wir betonen: Wir sind keine Fans von Stereotypen gegen Männer – dass wir natürlicher Weise gewalttätig(er) seien, nur Sex wöllten und dass wir inkompetent sind, wenn wir auf Babies aufpassen sollen. (…) All sexism sucks.“

Dieser Text erschien zuerst als Kolumne auf freitag.de.

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Unter Verdacht

Manchmal beobachte ich einfach die Welt um mich herum. Sie hat sich in viele unterschiedliche Pole aufgeladen. Wir haben reiche Menschen, arme Menschen, gut gebildete und solche, die wir in den Medien als „bildungsfern“ bezeichnen. Wir haben Menschen, die hier geboren wurden, Menschen, die hier her kamen, Menschen die weiß sind, schwarze, Menschen, die asiatisch aussehen.

Doch eine Kategorie, die all die Pole noch ein letztes Mal, dafür aber auch am gründlichsten dividiert ist: das Geschlecht. Meist schon auf den ersten Blick unterscheiden wir in Männer und Frauen. Was dazwischen liegt, das beginnen wir gerade jetzt erst zu benennen und sichtbar zu machen. Intersexuelle, Transmenschen, queere Menschen. Wir erkennen so jeden Tag aufs Neue und ziemlich schnell, dass um uns herum viele anders sind. Und seien wir ehrlich: Wir haben auch den Überblick verloren. Wir interessieren uns oft für „das Andere“ nicht und wir verstehen es auch nicht.

Je homogener hingegen eine Gruppe ist, desto besser verstehen wir die anderen. Und werden selbst verstanden. Diese größeren Chancen, zu verstehen und verstanden zu werden, geben uns ein Gefühl der Sicherheit, der Geborgenheit. Wir können uns eher fallen lassen, können einfach besser die sein, die wir sind. Auch und vor allem entlang unseres Geschlechts. Es gibt Frauenräume und Männergruppen, es gibt in Toronto eigene Bathhouses für Frauen und Transmenschen; Queere und Intersexuelle Menschen haben sich Räume geschaffen, wo sie unter sich sind, wo sie verstanden werden, auch im Netz. Dabei wollen wir, ich unterstelle das zumindest, eine Gesellschaft, in der das biologische Geschlecht keine Auswirkungen mehr auf unsere politischen Einflussmöglichkeiten, unser ökonomisches Fortkommen und unsere soziale Teilhabe mehr hat.

Zum Mann erst gemacht

Dass wir auf dem Weg zur Vision getrennte Räume schaffen, ist dabei kein Widerspruch. Die Realität ist nämlich eine knallhart andere. Nach wie vor haben Frauen signifikant weniger Einfluss in der Politik; signifikant weniger Teil am Vermögen der Welt, signifikant höhere Verantwortung für die sozialen Aufgaben der Gesellschaft. Lesben, Schwule, Transmenschen und Intersexuelle stehen viel zu oft noch am Rand der Gesellschaft, werden einfach nicht mitgedacht. Gelten immer noch nicht als „normal“.

Eine Frau stellt tagtäglich fest: Männer sind anders. Das ist aber keine Gegebenheit qua Biologie. Nein. Das „Anderssein“ der Männer ist gemacht – so wie es Simone de Beauvoir einmal über die Frauen schrieb, werden sie nicht als solche geboren. Es ist mein Sohn, der mir diese Tatsache immer wieder vor Augen führt. Er ist zwar ein Junge, aber ich verstehe ihn, sehe ihn, empfinde ihn überhaupt nicht als so signifikant anders, als ich selbst es mit fünf Jahren war.

Mehr und mehr Frauen meiner Generation finden dieses gegenseitige Verständnis auch in Männern. Doch es bleibt immer so ein kleines Quäntchen Unsicherheit und Misstrauen. Denn die Dinge liegen, wie sie liegen und ich erspare es mir, alle Statistik zum Stand der Emanzipation 2012 herauszuholen. Der Gleichstellungsbericht, der 2011 von der Bundesregierung herausgegeben wurde, hält bis ins Detail fest, wie lang der Weg noch ist, der vor uns liegt. Wenngleich wir also im Privaten vielleicht Männer gefunden haben, denen wir zutrauen, gemeinsam mit uns diese Emanzipation zu machen – gesamtgesellschaftlich sehen wir nach wie vor die „verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre“, wie sie Ulrich Beck schon vor über 20 Jahren deutschen Vätern bescheinigte.

Vertrauen? Wozu?

Männern als der Hälfte der Gesellschaft zu vertrauen, fällt angesichts der Lage gerade vielen bewegten Frauen irre schwer. Feministinnen haben einen Begriff für ihr Misstrauen geprägt: Das Patriarchat. Eine Herrschafts-Diagnose. Unterdrückung von Frauen und auch Gewalt – das seien die allgegenwärtigen Symptome. Sexuelle Gewalt und auch häusliche Gewalt gehen zu einem großen Teil von Männern aus. Ein weiterer Begriff: „Rape Culture“, der aussagt, unsere Gesellschaft sei tendenziell dabei, Vergewaltigungen als Problem zu verharmlosen, oder gar den Opfern die Schuld zuzuschreiben. Drittens:Hegemoniale Männlichkeit – sie ist für Frauen eine permanente potenzielle Bedrohung.

Wer einmal die Geschlechterbrille aufgesetzt hat und mit offenen Augen die Welt betrachtet – ein bisschen wie im Film Matrix: Wer einmal die rote Pille geschluckt hat – kann die Welt nicht mehr mit anderen Augen sehen. Wie soll man da „einfach vertrauen“?? Das ist häufig schlichtweg nicht möglich. Vorauseilender Ungehorsam – damit fahren viele Frauen gefühlt sicherer. Das Problem ist: Die eben genannten Begriffe haben mit Sicherheit ihre Legitimation, sie beschreiben reale Probleme. Aber sie beinhalten einen Generalverdacht gegen Männer.

Bild: CC BY-ND 2.0 von red.dahlia via Flickr.com http://www.flickr.com/photos/reddahliaphotos/4211136119/

Warum vertrauen? Wozu? Weil wir nur, wenn wir wenigstens ein bisschen vertrauen, auch die Verantwortung aus der Hand geben können. Natürlich müssen die Parameter dafür stimmen. Wir können nur denjenigen Menschen vertrauen, die auch Verantwortungübernehmen. Auf der Mikroebene bedeutet das, dass wir die stereotype Rollenaufteilung qua Geschlecht absichtlich thematisieren und gemeinsam anders handeln müssen.

Dazu müssen wir es schaffen, uns davon zu lösen, einander weiterhin als „die anderen“ zu sehen. Wir müssen beginnen, einander zu vertrauen. Nur wenn auch Männer anfangen, die Verantwortung für die Entwicklung der Geschlechterdemokratie zu übernehmen, wird sie wirklich gelingen. JedeR muss sie selbst leben. Wir Frauen können es den Männern nicht abnehmen, es selbst zu tun. Und wir müssen sie es selbst tun lassen. Das Gemeine daran: Sie müssen es auf ihre Weise tun. Und wir müssen irgendwoher das Vertrauen nehmen, dass ihre Weise auch okay ist. Dass es irgendwo einen gemeinsamen Weg gibt. Dass wir am Ende an einem Strang ziehen.

Das Problem ist deutlich: Je „mächtiger“ eine Gruppe ist oder wird, desto schwerer ist es, ihr zu vertrauen. Weil es so schwer ist, in einer durch und durch gegenderten Gesellschaft noch Vertrauen zu haben, ist es ratsam, klein anzufangen: Legt die Verantwortung auf den Tisch. Da, lieber Mann, liebe Frau, da liegt sie. Nimm sie, ich lass sie dir auch. Ich hol sie mir nicht mehr zurück. Denn ich weiß: Du wirst jetzt mitmachen und wir teilen uns diese Welt jetzt friedlicher, auf Augenhöhe, respektvoll. Dass alle Menschen, unabhängig vom Geschlecht, diese Verantwortung tragen, das ist die Mindestvoraussetzung, das muss default sein. Das impliziert natürlich auch, dass wir all jene, die sie nicht wahrnehmen, zur Rechenschaft ziehen.

Offen und wachsam

Persönlich fahre ich seit langem in allen möglichen Bereichen diese „Politik“: Größtmögliche Offenheit gegenüber anderen, trotzdemwachsam bleibend.

Momentan liegt die Verantwortung für die Emanzipation vor allem bei den Frauen – und daran sind nicht nur die Männer schuld. Wir Frauen wollen gerne die Kontrolle darüber haben, dass es auch wirklich „richtig“ läuft. Mit dem Argument, dass Männer privilegiert sind, grenzen wir sie tendenziell davon aus, aktiv mitzugestalten, wie die Sache laufen könnte. Wir leben nun einmal in einer Gesellschaft, in der man Frauen und Männer nicht nur biologisch, sondern auch an ihrem Handeln unterscheiden kann. Sie alle tun ihr Geschlecht. Permanent. Sie unterscheiden sich in diesem tun massiv. Das Paradoxe ist, dass wir diese Differenz erst thematisieren, dann auch „aushalten“ können müssen, um in der Inklusion des „Anders-Tuns“ in die Reihe legitimer Handlungen einander mehr und mehr auf Augenhöhe begegnen zu können.

Dies ist ein Drahtseilakt, angesichts der Tatsache, dass diese Gesellschaft entlang von Geschlechtergrenzen hierarchisiert ist.

 

Nachtrag: Unter dem Titel „Geschlechterdemokratie als Männlichkeitskritik“ hat Peter Döge in der bpb kurz erläutert, was Hegemoniale Männlichkeit ist, was etwas besser passt, als die Definition des GWI.

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Männliche Seilschaften als Vorbild für Frauen | von ideefix

In der Diskussion um meine letzte Kolumne beim Freitag entspannen sich wieder sehr interessante und beachtenswerte Dialoge und Einwürfe. ideefix sei herausgegriffen, da ich seine Einschätzung klassischer männlicher Seilschaften so bemerkenswert wie gruselig fand. Dennoch vermute oder besser: befürchte ich, dass er absolut Recht hat. Und dass hier eine der härtesten Stützpfeiler der Gläsernen Decke im Fokus steht:

@Donna

beachte bitte, daß die Seilschaften von Männern auch ein paar kleine Nebenwirkungen in Gestalt von Gruppenzwängen haben.

Für Führungskräfte, nur die sind Teil davon – die anderen haben die A-Karte, bedeutet das a die Priorisierung des Beruflichen zuungunsten des Familiären.
Es bedeutet b Mitmachen in Connections deren wesentliches Merkmal Homophobie und kultivierte Verachtung von Frauen und „Schwächlingen“ (d.h. Männer die nicht mitmachen oder mithalten können) ist.

Es bedeutet c, daß in männl. Seilschaften nicht nur verbale sondern auch sehr reale Nötigungen zu ritualisierten Sexismen bestehen, wozu die leader auf informeller Ebene einladen.
Konkret: nach dem Geschäftsessen folgt die saunatische Entspannung in Vorbereitung auf den Night-Club/Bordellbesuch zur Feier des xyz-Abschlusses…

Witzig ist das nicht.

Witzig auch nicht, daß soviel weibl. Personal für die Pflege männl. Seilschaften wie oben beschrieben bereitwillig verfügbar ist.

Ich fürchte du ahnst gar nicht, wie viele Männer einen von Pornographie und Prostitution gelenkten Blick auf Frauen internalisiert und habitualisiert haben. Sexismus ist nur der Ausfluss dessen.

Hast du immer noch Bock auf den männl. analoge weibl. „Seilschaften“?

Wieviel auf weibl. Kundschaft abonnierte männl. Prostituierte gibt es zur Unterlegung dieser Phantasie?

Was schätzt du?

LG
I.

Natürlich sollte man vorsichtig sein, Männer hier unter einen Generalverdacht zu stellen. Darum geht es hier mit Sicherheit nicht. Es geht vielmehr um ein besonders festes Bindeglied, eine Art Vertrauenskitt und Selbstbestärkungselement, das sich innerhalb einer rein männlichen Besetzung von Unternehmen mit großem Einfluss und großzügigem Budget breit machen konnte – siehe VW, ERGO (und hinter vorgehaltener Hand auch weitere Großkonzerne).

Solche Praxen stabilisieren die Geschlechterhierarchie extrem zuverlässig. Wer noch glaubt, man komme dagegen rein mit kompetenten Frauen an, die sich durch ihre Qualifikation beweisen, muss in Wolkenkuckucksheim leben. Es ist vielleicht eines der schmierigsten, aber auch eines der eindeutigsten Argumente für die Quote: Es liegt in der Natur der Sache, dass wir nicht wissen können, ob und wo solchen Praktiken überall Anwendung finden. Vielleicht sind VW und ERGO Einzelfälle gewesen – vielleicht die Spitze des Eisbergs. Reine Männerbünde jedenfalls können offenbar sehr eigene, sehr tiefe Dynamiken entwickeln – mit Tendenzen, aus Gründen!, unter sich bleiben zu wollen.

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„Erstmal das Einander-Respektieren und Zuhören“

Zu meiner vorletzten Kolumne mit dem Titel „Zusammenerziehend!“ gab es eine sehr schöne, lange und auch produktive Debatte – wie ich finde. Besonders engagiert diskutierte Ideefix, der sogar eine längere Antwort in Form eines Blogtextes formulierte (leider nicht mehr verfügbar). Ideefix hat entlang der geschlechterstereotypen Rollenaufteilung bei der Kinderziehung die Erfahrung gemacht, wie diese sich mindestens ebenso negativ auf seine Ausgestaltung einer aktiven Vater-Rolle auswirkte, wie ich sie allzu oft bei den Müttern erlebe. Er berichtet somit von der zweiten – nur seltener thematisierten – Seite der selben Medaille. Ich finde diese Sichtweise in der momentanen Debatte um Väterkultur – wie sie in einem klassischen Negativbeispiel derzeit bei der SZ nachzulesen ist – so wichtig, dass ich euch hier Auszüge aus seinen Kommentaren anbieten möchte. Mehr davon gibt es dann wie gesagt unterhalb meiner Kolumne. Und hoffentlich irgendwann auch andernorts wieder.

[…]

Meine Konsequenz daraus war übrigens, die Hauptverantwortung in der Erziehung zu übernehmen, aber nicht nur als häuslich präsenterer Elternteil, sondern als Realvater – auch für unseren Jüngsten (andere Mutter).
Glauben Sie meine Ex hat sich ab dem Moment auch nur eine Sekunde auf Zusammenerziehung eingelassen? Nene. Sie wollte weiter die Leitlinien machen, in Vorgaben gehen und die Ziele bestimmen – da sie als Frau meinte sie habe Anrecht auf die Anerkennung eines ihr durch die Mutterschaft zukommenden Definitions – und Deutungshoheitsanspruchs, der einem Führungsanspruch in Fragen der Erziehung gleichkommt.

Damit hängt zusammen, dass es auch eine nicht unbeträchtliche Beschämung darstellen kann, wenn eine Mutter in Fragen der Aufzucht und Erziehung nicht die gewohnte Hauptrolle spielt und sich die Aberkennung des o.g. mütterlichen Anspruchs dann z.B. in Denunziationen des Vaters auslebt.

Zusammenerziehung wäre eine schöne Vision, leider bricht sie sich zu oft an inkorporierten und internalisierten Übermütterlichkeiten, welche mir synonym zu weiblichen Hamsterrädern erscheinen.

und: „„Erstmal das Einander-Respektieren und Zuhören““ weiterlesen

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Stereotype, Hormone und die sogenannten „Beweise“ – alles Evolution?

Ganz schön geschickt, von diesem Christian. In seiner Anrufung an „die“ Piratenpartei, einem strangen Artikel, hat er so viele Ping-Back-Verlinkungen platziert, dass alle Verlinkten sich über seinen Artikel hermachen und auch noch kommentieren. Seine Botschaft hat er damit gekonnt unter die Leute gebracht: Hütet euch vor dem Feminismus – ihr Piraten!

Nein: Man muss sich diesen Artikel nicht wirklich durchlesen. Ich fasse einfach kurz zusammen:
Piraten sind eine junge Partei, die noch ihren Weg sucht – und einen Kegelclub hat. Also fühlt er sich genötigt, zu intervenieren und gebetsartig Sätze wie „Ihr seid sachlich denke (sic!) Personen“ oder “ Ihr denkt in Fakten, nicht in Beliebigkeiten“ – er appelliert an die Ratio der „Nerds“ um zu schließen mit: „Wer gegen die Auswirkungen verschiedener Spielarten des Feminismus ist, insbesondere den Genderfeminismus, der ist nicht frauenfeindlich.“

Nein nein! Nehmt euch jetzt nicht die Zeit, das zu lesen. Das ist es auch wiederum nicht wert (ich lese den Christian eigentlich recht oft, ich geb euch dann einfach Bescheid, wenn mal was Wichtiges, oder gar Gewinnbringendes drin steht). Lest doch lieber einmal diese Zusammenfassung einer sehr spannenden Studie, die so ein bisschen einmal alles auseinander nimmt und ad absurdum führt, was Leute wie Christian als einzig „wahre“ Erklärung für alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern akzeptieren. Oder sagen wir: Als zentrale Erklärung für alles Mögliche – was wiederum eine Erklärung dafür ist, dass Testosteron (ich liebe btw Testosteron! ich glaube, ich habe davon auch sehr viel – harr harr) und die Lust eine sehr große Rolle in den Artikeln in seinem Blog spielen.

Biological and social factors have been shown to affect cognitive sex differences. For example, several studies have found that sex hormones have activating effects on sex-sensitive tasks. On the other hand, it has been shown that gender stereotypes can influence the cognitive performance of (gender-) stereotyped individuals. However, few studies have investigated the combined effects of both factors. The present study investigated the interaction between sex hormones and gender stereotypes within a psychobiosocial approach. One hundred and fourteen participants (59 women) performed a battery of sex-sensitive cognitive tasks, including mental rotation, verbal fluency, and perceptual speed. Saliva samples were taken immediately after cognitive testing. Levels of testosterone (T) were analysed using chemiluminescence immunoassay (LIA). To activate gender stereotypes, a questionnaire was applied to the experimental group that referred to the cognitive tasks used. The control group received an identical questionnaire but with a gender-neutral content. As expected, significant sex differences favouring males and females appeared for mental rotation and verbal fluency tasks, respectively. The results revealed no sex difference in perceptual speed. The male superiority in the Revised Vandenberg and Kuse Mental Rotations Tests (MRT-3D) was mainly driven by the stereotype-active group. No significant sex difference in MRT-3D appeared in the control group. The MRT-3D was also the task in which a strong gender-stereotype favouring males was present for both males and females. Interestingly, T levels of the stereotype-activated group were 60% higher than that of male controls. The results suggest that sex hormones mediate the effects of gender stereotypes on specific cognitive abilities.

Das ist die Zusammenfassung einer Studie mit dem Titel „Interactive effects of sex hormones and gender stereotypes on cognitive sex differences—A psychobiosocial approach“, die zu dem Ergebnis kommt, dass die tatsächliche Auswirkung sogenannter „Hormone“ auf unser Verhalten, die tatsächlich messbaren Unterschiede, davon abhängen, wie stark wir selbst Gender-Stereotype gefressen haben – oder eben nicht. Ich habe die Studie vor einem Jahr komplett gefressen, da sie ein Bestandteil meiner Vorbereitungen zum Vortrag „Stereotype, Sichtbarkeit und Wettkampf – Diversity in der Digitalen Gesellschaft“ war. Deswegen habe ich sie auch schon vor vielen Monaten auf Nachfrage an Christian getwittert – eine Antwort bekam ich allerdings nie. Naja – das Blöde ist wohl einfach auch, dass die Basis seines gesamten Blogs, das recht ausführlich und regelmäßig geschrieben wird, mit einem Ernstnehmen solcher Ergebnisse wegfallen würde. Kartenhaus und so. Aber vielleicht ist bei dieser jungen Partei, die doch so wissenschaftlich sein und denken soll, die sich kein X für ein U vormachen lässt, jemand ambitioniert, das Ding zu lesen. Ich lasse der-/demjenigen dann gerne eine Privatkopie davon zukommen.

Gute Nacht!

PS: Ja – es sieht anders aus hier. Ich brauchte einen Tapetenwechsel. Ich hoffe sehr, dass es gefällt.

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Frauen mit Bart – Selbstinszenierung und Ironisierung im Web 2.0

Eine Betrachtung der Jugendlichen im Web 2.0 von mir erschien auch im Freitag. Ursprünglich habe ich diesen Artikel in der Mädchenmannschaft veröffentlicht.


Foto: Jesse Draper (via Flickr, creative commons licence)

„Flickernde Jugend“: Was Jungen und Mädchen mit ihren durchschnittlich 13 Stunden pro Woche im Internet für eine Bilderwelt erzeugen, wurde nun erstmals wissenschaftlich untersucht.

Heutige Jugendliche sind mit dem Internet aufgewachsen. Sie gehen anders damit um, als die heute 30-Jährigen oder ältere Generationen. Manchmal ist ihr Umgang damit für uns schwer verständlich, manchmal fast verstörend: Wenn Jugendliche in der U-Bahn auf einen Menschen einschlagen und davon triumphierend ein Handy-Video machen, das sie bei Youtube einstellen, erschüttert uns das. Vielleicht kommt es uns auch so vor, als würden die jungen Frauen heute nur noch sexuell aufgeladene Profilbilder von sich ins Internet stellen? Prügelnde Jungen, sexy Playboy-Häschen – Welche Rolle spielen Geschlechterrollen in den Bildern der Jugendlichen? Was machen die da eigentlich die ganze Zeit, wenn sie – wie Studien ergeben – im Durchschnitt 13 Stunden pro Woche im Internet sind? „Flickernde Jugend – rauschende Bilder. Netzkulturen im Web 2.0“ heißt eine frisch herausgegebene Untersuchung über das Verhalten von Jugendlichen in den typischen Online-Bild-Plattformen wie Flickr und Youtube. Birgit Richard, Professorin für Neue Medien am Institut für Kunstpädagogik der Universität Frankfurt, hat mit ihrem Team die Plattformen besucht und akribisch durchstöbert. Sie legen erstmals eine Studie vor, die nachzeichnet, was Jugendliche im Netz mit Selbst- und Fremdbildern inszenieren.
„Frauen mit Bart – Selbstinszenierung und Ironisierung im Web 2.0“ weiterlesen

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