Geschlecht und die Responsibility to Protect: Analysen und Ansätze zur Berücksichtigung der Strukturkategie Gender in der internationalen Friedenssicherung.

Hausarbeit: Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Sozialwissenschaften, Lehrstuhl Theorie der Politik
Seminar: Humanitäre Militärische Intervention; Dozentin: Dr. Maja Bächler

Inhaltsverzeichnis

I.       Einleitung.
II.      Die Responsibility to Protect als neues Paradigma.
1.      Die Geschichte der Responsibility to Protect.
2.      Kritik an der R2P.
III.         Geschlechterperspektiven auf und für die R2P.
1.      Geschlecht als Strukturkategorie.
2.      Rollen und Stereotype in der R2P.
3.      Friedenssicherung als Care.
Zwischenfazit.
5.      Frieden durch Prävention.
IV.         Fazit.
Literatur.
Anhang.

I.                   Einleitung

Ende November im Jahr 2012 berichtete die BILD-Zeitung von Massenvergewaltigungen im Kongo[1]. Das ist insofern überraschend, als es nicht gerade zum Markenzeichen Deutschlands meistgelesener Zeitung gehören dürfte, sich zu Konflikten in Afrika zu Wort zu melden und dann auch noch ein spezifisches Problem der dortigen Frauen in den Fokus zu nehmen. Massenvergewaltigungen in bewaffneten Konflikten sind immer häufiger Gegenstand von Berichten in den Medien, es wird auf unzähligen Konferenzen über die Zunahme der Gewalt gegen Frauen debattiert und auch der Politphilosoph Herfried Münkler schrieb  in seinem Buch Die neuen Kriege: „Die gegen die Zivilbevölkerung ausgeübte Gewalt der neuen Kriege ist vor allem eine Gewalt gegen Frauen.“[2] Es ist eines der Kennzeichen der neuen Kriege, dass die Trennung von Kombattanten und Nonkombattanten aufgehoben ist[3]. Diese Aufhebung beschäftigte auch die internationalen Organisationen, namentlich die UN. So werden die Internally Displaced People, also die in ihren eigenen Staaten nicht mehr sicheren Menschen, der Auslöser für einen Report und der Auslöser für einen Paradigmenwechsel in der internationalen Friedens- und Sicherheitspolitik: Responsibility to Protect, Schutzverantwortung. Autor_innen verschiedener Publikationen und Artikel (von Münkler, über Bellamy, Butler, Tronto uvam.), sind sich einig, dass Interventionen zum Schutz von Menschenrechten und zur Beendigung von Bürgerkriegen der Ausdruck eines verantwortlichen Handelns seien. Verantwortlichen Handelns in einer Welt, in der die Art der Kriegsführung sich ebenso geändert hat, wie die Beziehung der Staaten untereinander.

Spätestens seit dem Ende des Kalten Krieges, so erklärt Joan Tronto, habe sich die Lage in der Welt entscheidend gewandelt: Die Staaten wüssten übereinander ziemlich gut Bescheid und bekämen davon mit, wenn einer von ihnen durch einen Konflikt oder einen Bürgerkrieg destabilisiert würde. Das führt zu einer neuen Konstellation: Wir haben uns durch unser Wissen nicht selten auch die Frage zu stellen, ob wir handeln, ob wir helfen können. Die Antwort auf diese Frage ist zudem in den meisten Fällen positiv zu beantworten: Es gibt durch die internationalen Organisationen Vereinte Nationen (UN) und NATO eine Infrastruktur, die bei der gegenseitigen Hilfe im Konfliktfall eingesetzt werden kann und es gibt in vielen Ländern der Welt Menschen, die dazu ausgebildet werden in solchen Konflikten zu helfen. Dies, so Tronto sind die beiden Bedingungen für Verantwortung: Man müsse wissen und man müsse eine Antwort geben können – handeln können. Im Falle der Schutzverantwortung, die häufig mit der Erfahrung des Genozids in Ruanda als Beispiel für Verantwortungslosigkeit der westlichen Mächte in Verbindung gebracht wird, ist es eine Pflicht geworden, für die Menschen auf der Welt, über deren Schicksal Bescheid gewusst wird, Verantwortung zu übernehmen. Tronto spricht hier von den Kapazitäten zu sehen und den Kapazitäten einzugreifen.

In der Welt, wie sie vor dem Ende des Kalten Krieges war, wussten die Staaten und Völker schon vieles übereinander, aber vieles war auch nicht bekannt, wurde verschleiert oder man musste den Informationen, die man bekam, misstrauen. Daran hat sich einiges geändert – wenngleich Medien und Bilder immer noch manipulative Wirkungen und Intentionen haben können. Doch die Manipulationen sind unterwanderbar. Reale Bilder strömen mit dem Handy aufgenommen durch das Internet in die ganze Welt. Blogger_innen setzen staatlich kontrollierter Berichterstattung eine andere Sicht auf die Dinge entgegen. Wir sehen mehr von unserer Welt, denn je. Wir sehen und wir bekommen mit diesem Sehen auch eine neue Art der Beziehung zueinander. Mit dieser neuen Beziehung, so die These, geht auch eine neue Forn der Verantwortung einher. Denn wir müssten nun aktiv wegsehen, wenn wir das gefährdete Leben an anderen Orten auf dieser Erde nicht sehen wöllten.

Die vorliegende Arbeit wird sich dem Phänomen dieser neuen Verantwortung widmen, die als Schutzverantwortung, im englischen Responsibility to Protect Einzug in die internationale Politik und die Ausrichtung der Friedens- und Sicherheitspolitik der Vereinten Nationen gehalten hat. Der besondere Fokus der Arbeit wird dabei auf der Rolle der Geschlechter-Perspektive liegen. In Rückgriff auf sowohl Autor_innen, die einerseits Expert_innen für die Internationale Politik, und die R2P im Besonderen sind, ergänzt durch die Perspektive feministischer Wissenschaftlerinnen und Autorinnen, soll der Frage nachgegangen werden, in wie weit die Schutzverantwortung in ihrer bisherigen Konzeptualisierung und Operationalisierung die weithin bekannte und mittlerweile auch über die Gender Studies hinaus anerkannte Strukturkategorie Geschlecht berücksichtigt. Ausgehend von der Analyse dieser Frage sollen Konzepte diskutiert werden, die Vorschläge zum Ausbau und zur eventuellen Verbesserung der Berücksichtigung der Strukturkategorie Geschlecht in der R2P und in den internationalen Friedensmissionen machen. Auf diesen Aspekten wird ein größeres Augenmerk liegen, dennoch soll zu Beginn zunächst eine kurze Einführung in die Entstehungsgeschichte der Schutzverantwortung, und auch eine Diskussion möglicher Kritik oder Legitimationsprobleme vorgenommen werden. Diese ist deswegen für die vorliegende Arbeit zentral, weil gerade aus feministischer Sicht der legitime Einsatz der humanitären Militärischen Intervention als Mittel der internationalen Politik stark angezweifelt wird und der Vorwurf, die Schutzverantwortung sei nichts anderes als ein „Wolf im Schafspelz“ schnell bei der Hand ist. Die vorliegende Arbeit macht es sich nicht zur Aufgabe, diesen Vorwurf zu bestärken oder zu entkräften. Nach einer kurzen und werturteilsfreien Betrachtung dieser Bedenken wird im weiteren Verlauf der Arbeit aus Gründen der Konzeptionalisierbarkeit von der Nullhypothese der prinzipiellen Möglichkeit einer legitimen humanitären Intervention ausgegangen. Welche Faktoren aus einer feministischen Perspektive und unter der Berücksichtigung der Strukturkategorie Geschlecht zu einer größeren Legitimation beitragen können – das ist die eigentliche und zentrale Frage dieser Arbeit. Weiterlesen

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And the Winner is… Buuu.ch!

Nach eingehender Prüfung aller eingegangenen Bewerbungen für meinen twitter-Account, habe ich eine Entscheidung treffen müssen. Sie war einerseits schwer und andererseits leicht.
Schwer, da eine solche Entscheidung immer eine Entscheidung gegen die anderen Möglichkeiten ist. Und ich möchte mich natürlich ausdrücklich bedanken, denn die anderen Projekte und Ideen waren allesamt sehr sympathisch und ich wünsche allen viel Erfolg! Aber es kann nur einen geben, denn es gibt ja nur einen twitter-Account!
Leicht ist es mir gefallen, denn die Gewinner_innen haben ein tolles Projekt, das ich unbedingt unterstützenswert finde:

Buuu.ch!

 

Buuu.ch! ist ein Gemeinschaftsblog von manubloggt, plastikstuhl und postpony und die drei besprechen Kinderbücher. Dabei ist ihnen eine explizit feministische Perspektive wichtig. So ganz nebenbei ist Buuu.ch! auch Erfinderin des berühmten Bechdel- Tests für Kinderbücher. Was ihr kennt den Bechdel-Test nicht?

Es ist ein Test, mit dem man herausfinden kann, ob Geschichten (z.B. in Filmen) einigermaßen starke und präsente Frauenrollen wiederspiegeln. Bei Buuu.ch!
und das erklären die drei so:

Wir stellen drei einfache Fragen:

1. Im Film [Buch] kommen mindestens zwei Frauen*/Mädchen* vor (, 2. die einen Namen haben)
3. die mit einander reden
4. über etwas anderes als einen Mann*/Jungen*

Bei meiner Erkundung des Projekts sind mir sofort drei Bücher aufgefallen, die ich nun unbedingt haben möchte. Und ich wünsche mir, dass das Projekt wächst :) und schreibt und schreibt und Verbreitung findet – also bitteschön: Hier sind sie, meine knapp 2.160 Qualitätsfollower.

Bild via Buuu.ch!

Liebe Follower

Ich wünsche euch mit Buuu.ch! eine gute Unterhaltung und hoffe, ihr bleibt ihnen treu.

Ich hatte vier schöne Jahre mit euch und bin sehr dankbar, dass ihr verfolgt habt, was ich so mache und schreibe. Viele von euch habe ich im echten Leben kennengelernt (und lasse ich nicht mehr weg!). Es ist nicht leicht, aber für mich persönlich aus verschiedenen Gründen notwendig, twitter zu verlassen. Wenn ich euch fehle, dann schaut doch mal App.net vorbei, dort heiße ich „dieKadda“, wie immer.

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#om12: Die Hype-Gesellschaft

Am vergangenen Sonntag besuchte ich die Open Mind um zusammen mit Marco Herack einen Vortrag über das Thema „Hypes“ zu halten. Die Folien zum Vortrag könnt ihr als PDF dowloaden.

Wir hatten einen fulminanten Einstieg geplant – natürlich mit einem Video, das alle mitreißt und die Herzen öffnet. Der Sound allerdings war nicht darauf ausgerichtet. Das Internet bietet uns nun jedoch die Chance, diesen fulminanten Einstieg nachzuholen und ich möchte euch bitten, eine möglichst gute Soundumgebung zu schaffen, euch von Ablenkungen aller Art zu befreien und das folgende Video zu genießen:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=SsV2O4fCgjk]

Und nun viel Spaß mit unserem Vortrag. Er dauert 52:43 min inkusive einer sehr guten und produktiven Diskussion.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=-F9AKkXJrZs]

Stichworte in der Reihenfolge ihrer Erwähnung:

– Zerrbild: Lemminge stürzen sich gar nicht in den Tod. Egal.
– Marco Heracks Blog: goowell.de
– Obama; Yes we Can
– Konrad Lorenz: Verhaltensbiologie der Aggression und der Begeisterung
– #sbsm: Was bezeichnet der Begriff „Echokammer“?
– Wikipedia: Konformitätsexperiment von Asch.
– Wikipedia: Theorie der Schweigespirale von Elisabeth Noelle-Neumann
– Wikipedia: Das Aktionspotential einer Nervenzelle
– der Aktienkurs von VW um die geplante Porsche-Übernahme herum hat eine ähnliche Kurve wie das Aktionspotential
– die Piraten und ihre Gates… von Hype zu Hype und inhaltlich im schneckentempo hinterher
– Twitter: Grace Dent – How to leave twitter.

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Bildungsgutscheine und freie Schul-Wahl am Beispiel Chiles:

 

Oder: Wie wirkungsvoll ist das Instrument der ‚Vouchers’?

Hausarbeit vom 15.03.2011 zum Projektseminar: Theorien und Konzepte in der Vergleichenden Bildungsforschung (Wintersemester 2010/2011) bei Dr. Barbara Schulte

Einleitung

In der Vergleichenden Erziehungswissenschaft findet eine ausführliche kritische Betrachtung von Ideen und Instrumenten statt, die weltweit als Mittel gesehen werden, zum Ziel „Fortschritt“ und „Entwicklung“ zu kommen. Wobei allein schon über diese beiden Begriffe eine rege Debatte stattfindet. Da gibt es auf der einen Seite die VertreterInnen einer Idee von „Weltkultur“[1], für die Fortschritt und Gerechtigkeit klar definierte und universelle Werte auf der ganzen Welt sind. Andere theoretische Richtungen, etwa relativistische Theorien[2] oder Ansätze über multiple Modernisierung[3], gehen von kulturspezifischen Rezeptionen und Konzeptionen im Bildungsbereich aus.

In der wissenschaftlichen und politischen Diskussion um die Entwicklung von Bildungssystemen gelten die Instrumente und Ideen der Privatisierung, Dezentralisierung, Schulautonomie, Bildungsstandards und Bildungsgutscheine als beispielhaft für eine universalistische Herangehensweise. Auch ist es gerade in diesem Feld schwer, die politische Dimension von der wissenschaftlichen Arbeit sauber zu trennen: Internationale Organisationen wie OECD, Weltbank und McKinsey haben eigene wissenschaftliche Apparate und geben Studien und Einschätzungen heraus, die stets mit dem Anspruch der Verwirklichung einer bestimmten Politik Hand in Hand gehen. Auch die internationalen Vergleichsstudien wie PISA, IGLU und TIMSS haben die Idee, es gäbe eine universelle Lösung zur Verbesserung von Bildungsangeboten auf der ganzen Welt, weiter verbreitet.  Diese rein Output-orientierte Betrachtung der Bildungssysteme in anderen Ländern und Kulturen basiert gerade auf der Annahme von Standards, die für alle Gültigkeit haben müssten. Kulturelle Disparitäten kommen in dieser Betrachtungsweise nur am Rande vor.

In der vorliegenden Arbeit wird zunächst die Ideengeschichte des Instruments Bildungsgutschein (engl. Voucher) betrachtet, wie sie vom Ökonom Milton Friedman entworfen wurde, unterschiedliche Rezeptionen erfuhr und in der heutigen nationalen und internationalen Debatte stattfindet. Daraufhin wird am sogenannten Muster-Beispiel Chile untersucht, wie Bildungsgutscheine in ihrer konkreten Ausgestaltung konzipiert, umgesetzt und rezipiert werden können. In der abschließenden Diskussion dieser Ergebnisse soll ein möglicher Ausblick auf die weitere Entwicklung dieses bildungspolitischen Instruments gegeben werden. Weiterlesen

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Unter Verdacht

Manchmal beobachte ich einfach die Welt um mich herum. Sie hat sich in viele unterschiedliche Pole aufgeladen. Wir haben reiche Menschen, arme Menschen, gut gebildete und solche, die wir in den Medien als „bildungsfern“ bezeichnen. Wir haben Menschen, die hier geboren wurden, Menschen, die hier her kamen, Menschen die weiß sind, schwarze, Menschen, die asiatisch aussehen.

Doch eine Kategorie, die all die Pole noch ein letztes Mal, dafür aber auch am gründlichsten dividiert ist: das Geschlecht. Meist schon auf den ersten Blick unterscheiden wir in Männer und Frauen. Was dazwischen liegt, das beginnen wir gerade jetzt erst zu benennen und sichtbar zu machen. Intersexuelle, Transmenschen, queere Menschen. Wir erkennen so jeden Tag aufs Neue und ziemlich schnell, dass um uns herum viele anders sind. Und seien wir ehrlich: Wir haben auch den Überblick verloren. Wir interessieren uns oft für „das Andere“ nicht und wir verstehen es auch nicht.

Je homogener hingegen eine Gruppe ist, desto besser verstehen wir die anderen. Und werden selbst verstanden. Diese größeren Chancen, zu verstehen und verstanden zu werden, geben uns ein Gefühl der Sicherheit, der Geborgenheit. Wir können uns eher fallen lassen, können einfach besser die sein, die wir sind. Auch und vor allem entlang unseres Geschlechts. Es gibt Frauenräume und Männergruppen, es gibt in Toronto eigene Bathhouses für Frauen und Transmenschen; Queere und Intersexuelle Menschen haben sich Räume geschaffen, wo sie unter sich sind, wo sie verstanden werden, auch im Netz. Dabei wollen wir, ich unterstelle das zumindest, eine Gesellschaft, in der das biologische Geschlecht keine Auswirkungen mehr auf unsere politischen Einflussmöglichkeiten, unser ökonomisches Fortkommen und unsere soziale Teilhabe mehr hat.

Zum Mann erst gemacht

Dass wir auf dem Weg zur Vision getrennte Räume schaffen, ist dabei kein Widerspruch. Die Realität ist nämlich eine knallhart andere. Nach wie vor haben Frauen signifikant weniger Einfluss in der Politik; signifikant weniger Teil am Vermögen der Welt, signifikant höhere Verantwortung für die sozialen Aufgaben der Gesellschaft. Lesben, Schwule, Transmenschen und Intersexuelle stehen viel zu oft noch am Rand der Gesellschaft, werden einfach nicht mitgedacht. Gelten immer noch nicht als „normal“.

Eine Frau stellt tagtäglich fest: Männer sind anders. Das ist aber keine Gegebenheit qua Biologie. Nein. Das „Anderssein“ der Männer ist gemacht – so wie es Simone de Beauvoir einmal über die Frauen schrieb, werden sie nicht als solche geboren. Es ist mein Sohn, der mir diese Tatsache immer wieder vor Augen führt. Er ist zwar ein Junge, aber ich verstehe ihn, sehe ihn, empfinde ihn überhaupt nicht als so signifikant anders, als ich selbst es mit fünf Jahren war.

Mehr und mehr Frauen meiner Generation finden dieses gegenseitige Verständnis auch in Männern. Doch es bleibt immer so ein kleines Quäntchen Unsicherheit und Misstrauen. Denn die Dinge liegen, wie sie liegen und ich erspare es mir, alle Statistik zum Stand der Emanzipation 2012 herauszuholen. Der Gleichstellungsbericht, der 2011 von der Bundesregierung herausgegeben wurde, hält bis ins Detail fest, wie lang der Weg noch ist, der vor uns liegt. Wenngleich wir also im Privaten vielleicht Männer gefunden haben, denen wir zutrauen, gemeinsam mit uns diese Emanzipation zu machen – gesamtgesellschaftlich sehen wir nach wie vor die „verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre“, wie sie Ulrich Beck schon vor über 20 Jahren deutschen Vätern bescheinigte.

Vertrauen? Wozu?

Männern als der Hälfte der Gesellschaft zu vertrauen, fällt angesichts der Lage gerade vielen bewegten Frauen irre schwer. Feministinnen haben einen Begriff für ihr Misstrauen geprägt: Das Patriarchat. Eine Herrschafts-Diagnose. Unterdrückung von Frauen und auch Gewalt – das seien die allgegenwärtigen Symptome. Sexuelle Gewalt und auch häusliche Gewalt gehen zu einem großen Teil von Männern aus. Ein weiterer Begriff: „Rape Culture“, der aussagt, unsere Gesellschaft sei tendenziell dabei, Vergewaltigungen als Problem zu verharmlosen, oder gar den Opfern die Schuld zuzuschreiben. Drittens:Hegemoniale Männlichkeit – sie ist für Frauen eine permanente potenzielle Bedrohung.

Wer einmal die Geschlechterbrille aufgesetzt hat und mit offenen Augen die Welt betrachtet – ein bisschen wie im Film Matrix: Wer einmal die rote Pille geschluckt hat – kann die Welt nicht mehr mit anderen Augen sehen. Wie soll man da „einfach vertrauen“?? Das ist häufig schlichtweg nicht möglich. Vorauseilender Ungehorsam – damit fahren viele Frauen gefühlt sicherer. Das Problem ist: Die eben genannten Begriffe haben mit Sicherheit ihre Legitimation, sie beschreiben reale Probleme. Aber sie beinhalten einen Generalverdacht gegen Männer.

Bild: CC BY-ND 2.0 von red.dahlia via Flickr.com http://www.flickr.com/photos/reddahliaphotos/4211136119/

Warum vertrauen? Wozu? Weil wir nur, wenn wir wenigstens ein bisschen vertrauen, auch die Verantwortung aus der Hand geben können. Natürlich müssen die Parameter dafür stimmen. Wir können nur denjenigen Menschen vertrauen, die auch Verantwortungübernehmen. Auf der Mikroebene bedeutet das, dass wir die stereotype Rollenaufteilung qua Geschlecht absichtlich thematisieren und gemeinsam anders handeln müssen.

Dazu müssen wir es schaffen, uns davon zu lösen, einander weiterhin als „die anderen“ zu sehen. Wir müssen beginnen, einander zu vertrauen. Nur wenn auch Männer anfangen, die Verantwortung für die Entwicklung der Geschlechterdemokratie zu übernehmen, wird sie wirklich gelingen. JedeR muss sie selbst leben. Wir Frauen können es den Männern nicht abnehmen, es selbst zu tun. Und wir müssen sie es selbst tun lassen. Das Gemeine daran: Sie müssen es auf ihre Weise tun. Und wir müssen irgendwoher das Vertrauen nehmen, dass ihre Weise auch okay ist. Dass es irgendwo einen gemeinsamen Weg gibt. Dass wir am Ende an einem Strang ziehen.

Das Problem ist deutlich: Je „mächtiger“ eine Gruppe ist oder wird, desto schwerer ist es, ihr zu vertrauen. Weil es so schwer ist, in einer durch und durch gegenderten Gesellschaft noch Vertrauen zu haben, ist es ratsam, klein anzufangen: Legt die Verantwortung auf den Tisch. Da, lieber Mann, liebe Frau, da liegt sie. Nimm sie, ich lass sie dir auch. Ich hol sie mir nicht mehr zurück. Denn ich weiß: Du wirst jetzt mitmachen und wir teilen uns diese Welt jetzt friedlicher, auf Augenhöhe, respektvoll. Dass alle Menschen, unabhängig vom Geschlecht, diese Verantwortung tragen, das ist die Mindestvoraussetzung, das muss default sein. Das impliziert natürlich auch, dass wir all jene, die sie nicht wahrnehmen, zur Rechenschaft ziehen.

Offen und wachsam

Persönlich fahre ich seit langem in allen möglichen Bereichen diese „Politik“: Größtmögliche Offenheit gegenüber anderen, trotzdemwachsam bleibend.

Momentan liegt die Verantwortung für die Emanzipation vor allem bei den Frauen – und daran sind nicht nur die Männer schuld. Wir Frauen wollen gerne die Kontrolle darüber haben, dass es auch wirklich „richtig“ läuft. Mit dem Argument, dass Männer privilegiert sind, grenzen wir sie tendenziell davon aus, aktiv mitzugestalten, wie die Sache laufen könnte. Wir leben nun einmal in einer Gesellschaft, in der man Frauen und Männer nicht nur biologisch, sondern auch an ihrem Handeln unterscheiden kann. Sie alle tun ihr Geschlecht. Permanent. Sie unterscheiden sich in diesem tun massiv. Das Paradoxe ist, dass wir diese Differenz erst thematisieren, dann auch „aushalten“ können müssen, um in der Inklusion des „Anders-Tuns“ in die Reihe legitimer Handlungen einander mehr und mehr auf Augenhöhe begegnen zu können.

Dies ist ein Drahtseilakt, angesichts der Tatsache, dass diese Gesellschaft entlang von Geschlechtergrenzen hierarchisiert ist.

 

Nachtrag: Unter dem Titel „Geschlechterdemokratie als Männlichkeitskritik“ hat Peter Döge in der bpb kurz erläutert, was Hegemoniale Männlichkeit ist, was etwas besser passt, als die Definition des GWI.

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Ist eine starke Rolle der „Neuen Sozialen Bewegungen“ in Ostdeutschland ohne das „Feindbild DDR“ noch denkbar?

Eine Auseinandersetzung mit dem Text: „Die Bedeutung der Neuen Sozialen Bewegungen in Ostdeutschland“ von Joachim Badelt (1999) – Essay vom 11.05.2009

Fragestellung der vorliegenden Arbeit

In seinem Text „Die Bedeutung der Neuen Sozialen Bewegungen in Ostdeutschland“, erschienen 1999 in „Politik in Ostdeutschland – Lehrbuch zur Transformation und Innovation“ (Hrsg. Waschkuhn/Thumfart), geht Joachim Badelt der Bedeutung der Neuen Sozialen Bewegungen in Ostdeutschland nach. Diese Analyse betrachtet vor allem drei wesentliche Aspekte: a) Wie die Neuen Sozialen Bewegungen in der DDR entstanden sind, b) welche Rolle sie bei der friedlichen Revolution in der DDR hatten und c) welche mögliche Zukunft und Chancen sie nun nach der Wende haben. Angelehnt an diesen Text möchte ich in meinem Essay der Frage nachgehen, inwieweit die Neuen Sozialen Bewegungen Ostdeutschlands heute noch relevant sein können, wenn doch das frühere „Feindbild“ DDR nicht mehr existiert.

Die Entwicklung der NSB in der DDR

Der Text beginnt mit einer Auseinandersetzung über die Frage, in wie weit man in Ostdeutschland überhaupt von der Existenz sogenannter Neuer Sozialer Bewegungen (NSB) sprechen könne. Um diese Frage zu beantworten, versucht Badelt, zu betrachten, was in der wissenschaftlichen Literatur alles unter NSB verstanden wird (und was nicht). Denn von der jeweiligen Definition hänge schließlich ab, ob auch in Ostdeutschland davon gesprochen werden könne, oder nicht. Einige Autoren lehnten die Anwendung des Begriffs für ostdeutsche oppositionelle Gruppen in all ihrer Heterogenität ab, da das dortige System so eklatant verschieden sei, von dem der Bundesrepublik Deutschland, dass ein Vergleich mit den dortigen NSB, wie der Friedens- und Umweltbewegung, die seit 1968 eine große Relevanz hatten, nicht möglich sei. Eine weitere kritische Frage betrifft die Rolle rechter Strömungen in Ostdeutschland und inwiefern diese auch den NSB zuzurechnen seien. Viele Autoren sträubten sich dagegen, so Badelt, da in den Bewegungen stets Toleranz und Vielfalt zu den obersten Prinzipien gehörten und keine von ihnen nach einer wie auch immer gearteten Führerschaft strebe, wie dies bei den rechten Gruppen der Fall sei. Hier finden wir eine sehr stark normative Aufladung des Begriffs der NSB, die sich auch darin manifestiert, dass in der wissenschaftlichen Literatur die Inhalte

  • Politische Partizipation
  • Soziale Emanzipation
  • Transformation der Gesellschaft

als nahezu unabdingbar gelten. Damit könne der Begriff nicht auf rechtsextreme Strömungen ausgedehnt werden. Im Gegenteil: die NSB seien vielmehr ein politisch-ethischer Gegenpol, eine „Streitkraft“ gegen ebendiese. Zusammenfassend kommt Badelt zu dem Schluss, dass der Begriff Neue Soziale Bewegungen sehr wohl als Erklärungsmodell für DDR-Oppositionsgruppen, Protestgruppen, Widerstandsgruppen, sozialethisch orientierten Gruppen und Initiativen, sowie deren heterogenen Konfliktlagen dienen könne. Auch die rechten Strömungen will er aus diesem Begriff nicht endgültig ausschließen. Die Analyse seines Textes befasst sich daraufhin ausführlich mit der Betrachtung der Entstehung der NSB und wie sie zunächst „im Stillen“ und im „Kleinen“ arbeiteten, in einer Art Nischengesellschaft. In der nächsten Etappe wächst plötzlich ihre Relevanz und sie sollen eine zentrale Rolle im Kristallisationspunkt 1989 spielen, wenn es schließlich darum geht, die Massenproteste zu mobilisieren. Danach kommt es zum Umbruch der äußeren gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, was natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die NSB bleiben kann. Irritationen und Unsicherheiten, eine Art „Überrollt-werden“ durch teilweise externe (bundesrepublikanische) Akteure und Strategien, ohne eine eigene gefestigt zu haben und dadurch letztendlich eine Marginalisierung, die bis heute das Schicksal der NSB im Osten Deutschlands sind, trüben die einst so aussichtsreiche Zukunft der einstigen Protest- und Oppositionsgruppen der DDR. Badelt behandelt diese Entwicklungen ausführlich, um seine Analyse optimistisch zu beenden. Ich jedoch möchte behaupten, dass das Bild, das er entwirft, ein wenig zu romantisch und zu wenig realistisch ist: Er betont ausdrücklich die guten Chancen der NSB Ostdeutschlands, die Menschen in einem Identitätsfindungsprozess zu einen und sie wieder gegen ungerechte Politik und mangelnde demokratische Mitbestimmung auf die Straße bringen zu können. Anhand von vier Themenfeldern möchte ich beleuchten, ob und inwiefern diese Einschätzung Badelts realistisch sein kann.

Spielten die NSB jemals eine große Rolle?

Als erste Frage sollte gestellt werden, ob die NSB in Ostdeutschland tatsächlich und jemals eine wirklich große Rolle innehatten. Waren sie ein kleines Rinnsal, das selbst zum reißenden Strom wurde? Ja, würde Badelt sagen. Doch er zitiert auch Pollack, der der Meinung war, das Rinnsal sei einfach von einem Dammbruch bei Partei, Staatssicherheit und Polizei, mitgerissen worden und gar nicht selbst zum Strom geworden. Vielmehr habe im gesamten System längst ein Überdruck geherrscht, welcher sich irgendwo Raum schaffen musste. Dieser Überdruck habe in den Fälschungen bei den Kommunalwahlen 1989, in der allgemeinen Erosion der Legitimität der Staatsführung, den Ausreisewellen und last but not least in einem „Hunger“ nach Wohlstand, wirtschaftlicher Teilhabe und „ökonomischen Wohltaten“, wie sie in der BRD winkten, bestanden. All das hätte wahrscheinlich alleine auch genug Aktionspotential in der Bevölkerung bewirken können, wenn überhaupt, dann waren die NSB vielleicht höchstens eine Art Katalysator. Dafür spricht auch, dass die Ziele der NSB nie die der Masse waren. Die Bewegungen wollten zum Beispiel eine Reform der DDR. Die Masse wollte die Vereinigung mit der BRD. So wurde auch bald aus dem Slogan „Wir sind das Volk“, den man auf den Montagsdemos hören konnte, ein „Wir sind ein Volk!“ Selbstkritisch äußerte Erhard Neubert bei unserem gemeinsamen Gespräch am 05.05. zudem, dass in den NSB nie eine besonders große ökonomische Kompetenz vertreten gewesen sei. Eigentlich wollte man dort auch am Sozialismus festhalten. Irgendwie. Das Volk aber, so könnte man rückwirkend behaupten, war sehr an den Gütern und am Konsum interessiert, beides Verlockungen, mit denen ihnen der Kapitalismus winkte.
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„We’re gonna stand up and fight!“

Was zu tun bleibt – Kleine Nachlese zum Frauentag
>> Um den Frauentag herum sind vielleicht die Denkfrequenzen mancher Frauen gleich geschaltet oder so?? Denn Antje Schrupp schrieb auf, was ich selbst auch vor einigen Tagen zerdachte (ich habe Zeugen, denn ich sprach es auch aus): Warum ich es nicht mag, von „männlich sozialisierten“ und „weiblich sozialisierten Menschen“ zu sprechen, anstatt Männer und Frauen zu sagen. Thanx!

Nina Turner ist großartig. Warum? Seht selbst

Visit msnbc.com for breaking news, world news, and news about the economy

>> „We’re gonna stand up and fight!“
(via Jessica Valenti)

Maike von Wegen ist auch großartig
>> und war bei einem spannenden Feature des Deutschlandfunks zum Alleinerziehen mit dabei. Fast jede zweite Ehe scheitert. Immer mehr Frauen ziehen ihre Kinder allein groß. Wie Maike von Wegen. Und Marie von Kuck (Namensähnlichkeit vermutlich zufällig). Dass die Männer in diesem Feature keine aktive Elternrolle einnehmen, kann man kritisieren. Sollte man sicher auch. Man kann sich auch ein Feature über das männliche Zusammen-Erziehend-Role-Model wünschen. Das macht dieses Feature aber nicht schlechter. Kein bisschen.
(via @mh120480)

Linux als Schulfach?
>> Als studierte Pädagogin bin ich tendentiell dagegen, aus allem, aus jedem Fitzelchen, von dem jemand meint, „die Jugend von heute“ sei auf diesem speziellen Gebiet unterbelichtet, ein Schulfach zu machen. Wenn ich diesen Heise-Artikel aber etwas entschärft lese, dann bleibt: Hey – es gibt jetzt ein Lernprogramm für Linux, das ziemlich cool für Schulkinder und Jugendliche geeignet ist. Thumbs up! (Egal ob Schulfach oder nicht. Right?)

Sei doch mal alleine – und cope with it!
>> Christiane Rösinger legt sich ja gerne an. Mit Verschiedenen. Meistens mit so Herzenskonventionen. Das ist oftmals völlig undifferenziert und gemein. Aber auch sehr wohltuend. Ich selbst war seit ich 15 bin ja nie wirklich solo. Das ist sicherlich eine Schwäche von mir :(
(via @ruhepuls)

Habt ihr gedacht, die Debatte um die Kinderlosenmaut sei vom Tisch?
>> Jens Spahn von der Dingens-Gruppe der Union (na ihr wisst schon: Diese gut situierten, vornehmlich Männer, die dank des Konservativseins noch ungestört mehr Kinder verlangen und haben können, die sie dann von einer Frau mit Herdprämie betreuen lassen) macht einen auf ‚tiefgründig‘, holt mächtig weit aus und behaupet stolz, dass er trotz allem kein Pessimist sei… – ich allerdings könnte glatt eine werden!
(via @zeitrafferin)

Feminism is still important in 2012!
>> Sagt die Federation of Young European Greens (FYEG) – und man kann da einfach nur zustimmend nicken. Ist es.

Is it finally time to leave Afghanistan?
>> Gute Frage. Zwischen einer riesigen Verantwortung und einer riesigen Machtlosigkeit in einem riesigen Trümmerhaufen stehend lässt sich diese Frage sicherlich nicht leicht beantworten. Aber es nützt auch niemandem, das alte Konzept nicht als komplett gescheitert anzusehen. Neue Überlegungen und vor allem politische Strategien sind notwendig.

Disclaimer: Die Hier verlinkten Texte und Videos spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung oder Denkrichtung der Autorin dieses Blogs wieder. Sie sind einfach nur „interessant“. Wenn sie explizit für „toll“, „großartig“ und „wow“ befunden werden, steht dies dabei. Auch laufen, wie erkenntlich sein dürfte, nicht alle Links unter der Gesamtüberschrift. Denkende Individuen fühlen sich durch diesen Disclaimer eventuell gestört. Dafür möchte sich die Autorin des hiesigen Blogs vorauseilend entschuldigen. Ja: Man kann sich das alles auch selber denken. Wenn man will.

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Männliche Seilschaften als Vorbild für Frauen | von ideefix

In der Diskussion um meine letzte Kolumne beim Freitag entspannen sich wieder sehr interessante und beachtenswerte Dialoge und Einwürfe. ideefix sei herausgegriffen, da ich seine Einschätzung klassischer männlicher Seilschaften so bemerkenswert wie gruselig fand. Dennoch vermute oder besser: befürchte ich, dass er absolut Recht hat. Und dass hier eine der härtesten Stützpfeiler der Gläsernen Decke im Fokus steht:

@Donna

beachte bitte, daß die Seilschaften von Männern auch ein paar kleine Nebenwirkungen in Gestalt von Gruppenzwängen haben.

Für Führungskräfte, nur die sind Teil davon – die anderen haben die A-Karte, bedeutet das a die Priorisierung des Beruflichen zuungunsten des Familiären.
Es bedeutet b Mitmachen in Connections deren wesentliches Merkmal Homophobie und kultivierte Verachtung von Frauen und „Schwächlingen“ (d.h. Männer die nicht mitmachen oder mithalten können) ist.

Es bedeutet c, daß in männl. Seilschaften nicht nur verbale sondern auch sehr reale Nötigungen zu ritualisierten Sexismen bestehen, wozu die leader auf informeller Ebene einladen.
Konkret: nach dem Geschäftsessen folgt die saunatische Entspannung in Vorbereitung auf den Night-Club/Bordellbesuch zur Feier des xyz-Abschlusses…

Witzig ist das nicht.

Witzig auch nicht, daß soviel weibl. Personal für die Pflege männl. Seilschaften wie oben beschrieben bereitwillig verfügbar ist.

Ich fürchte du ahnst gar nicht, wie viele Männer einen von Pornographie und Prostitution gelenkten Blick auf Frauen internalisiert und habitualisiert haben. Sexismus ist nur der Ausfluss dessen.

Hast du immer noch Bock auf den männl. analoge weibl. „Seilschaften“?

Wieviel auf weibl. Kundschaft abonnierte männl. Prostituierte gibt es zur Unterlegung dieser Phantasie?

Was schätzt du?

LG
I.

Natürlich sollte man vorsichtig sein, Männer hier unter einen Generalverdacht zu stellen. Darum geht es hier mit Sicherheit nicht. Es geht vielmehr um ein besonders festes Bindeglied, eine Art Vertrauenskitt und Selbstbestärkungselement, das sich innerhalb einer rein männlichen Besetzung von Unternehmen mit großem Einfluss und großzügigem Budget breit machen konnte – siehe VW, ERGO (und hinter vorgehaltener Hand auch weitere Großkonzerne).

Solche Praxen stabilisieren die Geschlechterhierarchie extrem zuverlässig. Wer noch glaubt, man komme dagegen rein mit kompetenten Frauen an, die sich durch ihre Qualifikation beweisen, muss in Wolkenkuckucksheim leben. Es ist vielleicht eines der schmierigsten, aber auch eines der eindeutigsten Argumente für die Quote: Es liegt in der Natur der Sache, dass wir nicht wissen können, ob und wo solchen Praktiken überall Anwendung finden. Vielleicht sind VW und ERGO Einzelfälle gewesen – vielleicht die Spitze des Eisbergs. Reine Männerbünde jedenfalls können offenbar sehr eigene, sehr tiefe Dynamiken entwickeln – mit Tendenzen, aus Gründen!, unter sich bleiben zu wollen.

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Gehirnschrittmacher der letzten 14 Tage

Es hat sich einiges angesammelt:

 
 
Too BIG to Fail – McPlanet.com 2012
>> Ich erinnere mich noch gut an meine Arbeit im Kongressbüro zum allerersten McPlanet.com-Kongress und möchte euch deswegen auch den diesjährigen Kongress von attac, Greenpeace, Heinrich-Böll-Stiftung, BUND und vielen anderen empfehlen. Wie der erste findet auch dieser wieder in den Räumen der TU Berlin statt – da werden Erinnerungen wach <3. Bis 11.03. gibt es noch einen FrühbucherInnen-Rabatt bei den Tickets.   Selbstbewusst und stolz und mit Spaß am Feminismus.
>> Auf Facebook und bei G+ beteuert Antje Schrupp, der kämpferische Teaser sei ja nicht von ihr, sondern von der Redaktion. Mir gefällt er aber super gut – er passt sehr gut zu meinen eigenen Gedanken zum 8. März (nachzulesen bei Freitag.de) und auch der Rest des Artikels trifft ganz meinen feministischen Geschmack.
 
Die Kraft der Vorverurteilung
>> Ich finde: Unabhängig von der Causa Wulff stecken in diesem Beitrag von ed2murrow, einem Autor des auch ansonsten sehr lesenswerten Blogs „Die Ausrufer“, sehr viele grundsätzliche und gute Gedanken drin.
 
Stipendien für das WikiWomenCamp in Buenos Aires
>> Der Verein Wikimedia sponsert Frauen die Reise zum WikiWomenCamp, einem internationalen Treffen von Frauen in der Wikimedia, die Reise nach Buenos Aires. „Die Kurzbewerbung sollte darauf eingehen, in welcher Form du in Projekten der Wikimedia oder Wikipedia involviert bist und wie du zum Gelingen des Camps beitragen möchtest.“ heißt es im Blog der Wikimedia. Vielleicht etwas für dich?
 
Die Antwort von Mithu Sanyal auf einen Leserinnenbrief in der Missy
>> Also man muss schon noch ein bisschen mehr gelesen haben, um zu verstehen, worum es hier geht. Ausgangspunkt (leider linklos) war der Artikel „Vergewaltigung gibt es nicht“ im Missy Magazine. Dieser versuchte, eine komplett neue Perspektive auf kulturelle Deutungsmuster im Zusammenhang mit Vergewaltigung einzunehmen. Ich zerdenke das Thema schon seit langem. Auf jeden Fall provozierte der Artikel diesen Leserinnenbrief – und oben eben die Antwort.
 
„Pretty is not something I often feel“
>> Ich kann zu diesem Text von Heather Ryan noch immer nicht viel sagen. Er macht mich traurig. Und hilflos. Vielleicht reicht das ja, fürs erste.
 
Das Offene Köln wurde abgemahnt
>> Und tut das erstmal Richtige: Es spricht sehr ausführlich und detailreich darüber. Die Abmahnenden melden sich auch zu Wort und bekräftigen noch einmal, dass es „Datensozialismus“ mit ihnen nicht geben wird. Ich möchte bitte ein Sozialismus-Bingo, ja? Die ganze Bingo-Karte ist voll nur mit dem Wort Sozialismus – es fällt in letzter Zeit einfach so geil oft.
 
Girls and Video Games: A Feminist Look
>> cooles Video :)
 
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=7iNSqvCumYk&feature=related&w=550]
 
Über den Nachteil geschützter Räume
>> ich schicke vorweg: Das Blog, das hier verlinkt ist, hat weder Impressum noch sonst irgend eine erkennbare Bezüglichkeit. Es arbeitet sich aber deutlich an der Mädchenmannschaft ab und der Name „elitemedium“ verweist auf „medienelite“ – also Nadine Lantzschs Blog – als irgend einen Stein des Anstoßes, dieses Blog am 06. März komplett neu zu eröffnen. Es wird in der „Wir“-Form geschrieben. Aber der Artikel bezieht sich auf mich und deswegen sei er hier als Mögliche Ergänzung zu „Moralisierung und Abgrenzung“ erwähnt.

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