Demokratie und Verantwortung

In einer Demokratie kann und soll man über einen Sachverhalt unterschiedlicher Meinung sein und darüber streiten und debattieren, wie die Lösung für konkrete Probleme aussehen sollte. Aber es gehört zur Auseinandersetzung genauso dazu, auf dem Boden der Rechtsstaatlichkeit zu bleiben. Wer das nicht tut, wer außerdem ständig nach Lösungen ruft, die Grundrechte, Menschenrechte oder das Genfer Flüchtlingsabkommen missachten, kommt seiner Verantwortung nicht nach.

In Europa erleben wir gerade, dass außer Deutschland, insbesondere durch die Haltung der Kanzlerin repräsentiert, diese Rechte und Grundwerte aufgeweicht oder ganz abgelegt werden. Da treten Leute mit großer Reichweite in großen Medien mit der Forderung auf, wer andere Kulturen mit offenen Armen willkommen heiße, habe auch hinzunehmen, wie die Polen, besser gesagt die polnische Regierung, ihre ganz eigene und neue Definition von Rechtsstaat umsetze und zwar unter massivem Eingriff in die Medien-Freiheit und die Verfassungsgerichtbarkeit, Checks and Balances ade! – Wer solche Relativierungen in die Welt setzt, wer außerdem hinnimmt, dass die Besitzstandswahrungsattitüde eines Seehofer und die Fremdenfeindlichkeit eines Orban sich als „politische Werte“ zu etablieren beginnen, der verlässt den Boden europäischer und deutscher Rechte und Grundwerte, in vollem Bewusstsein, und der sät damit außerdem die Saat innerhalb der Bevölkerung, die Leuten das Gefühl gibt, ebenso im Sinne eines „höheren Ziels“, namentlich der Verteidigung des eigenen Bodens oder der „Heimat“ gegen fremde Kulturen und Menschen und allen damit assoziierten „Bedrohungen“, Recht und Gesetz außer Acht lassen zu dürfen, was sich in Selbstjustiz entlädt. Wütende Mobs in Köln und Sachsen setzen um, was als Botschaft von diesen Medien, diesen Meinungsmachern und diesen Politikern wieder und wieder transportiert wird: es ist ein Ausnahmezustand und die Gesetze und Verträge schützen uns nicht, weswegen wir sie aufgeben, und wenn auch nur in Teilen (nur in Bezug auf die Neuen und Fremden).

Diese beiden Mechanismen hängen direkt miteinander zusammen: Ein Politiker, ein Meinungsmacher oder ein Medium, das trotz der faktischen Unbegrenzbarkeit des Rechts auf Asyl nach Obergrenzen ruft, bei gleichzeitiger Suggerierung, Frauenbild und Rechtsauffassung bei Flüchtlingen seien gefährlich UND von den deutschen Gesetzen und der Polizei nicht mehr zu kontrollieren, heizt den Mob an.

Straftätige Flüchtlinge und straftätige Migranten sind – wie alle anderen Straftätigen auch – ein Fall für Polizei und Gerichte. Ich wiederhole: Wie alle anderen Straftätigen auch! Es gibt Gesetze und Regeln und diese müssen für ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft durchgesetzt werden. Die Gesellschaft aber baut ihre eigene Durchsetzbarkeit ab, indem sie die Polizei personell unterbemittelt und politisch ausdörrt – seit Jahren. Wer angesichts dessen neue Gesetze fordert, anstatt die Durchsetzung der bestehenden durchzusetzen, wer außerdem Gesetze fordert, die den Boden von Grundgesetz, Menschenrechtscharta und Genfer Flüchtlingsabkommen verlassen, erkennt nicht nur die Unterbemittelung der Exekutive an und untermauert sie als unveränderbar – er schafft eine Zweiklassengesellschaft: Die Unterbemittelung der Exekutive bleibt – ein Versagenseingeständnis in Richtung Recht und Gesetz bleibt nicht nur bestehen, es wird als Versagen nicht benannt und unter den Tisch gekehrt. Schuld wird gleichzeitig nur noch bei Migranten und Flüchtlingen verortet, Gesetze, die sie betreffen sollen verschärft werden. Womit den Strafhandlungen der weißen Einheimischen leise Legitimität verliehen wird. Siehe Kölner und sachsener Mobs gegen Migranten und Flüchtlinge! 
Das alles hängt zusammen. Aber das sehen rechtskonservativpopulistische Politiker und Meinungsmacher natürlich ganz anders. Anstatt auf bestehende Gesetze und Grundrechte zu beharren und die staatlichen Strukturen zu deren Einhaltung zu verstärken und auch die rechten Verstöße gegen Gesetze hart zu verfolgen, nehmen sie die eigene Schwäche nicht nur hin, sondern treiben den Abbau der Grundrechte als politisches Ziel voran, mit der einzigen Absicht, sich nach außen abzuschotten. Nach Jahrzehnten des Profits durch die wirtschaftliche Globalisierung will man nun mit der politischen Globalisierung nichts mehr zu tun haben. 

Im Moment ist Deutschland in Europa beinahe das einzige Land, das sich gegen eine solche Politik des Grund- und Menschenrechte-Relativierens stellt. Was dringend nötig wäre, um deren Relativieren – und wie es in Nachbarländern schon passiert: deren Abbau – zu verhindern, wäre eine starke und ernstzunehmende Exekutive, die brennende Flüchtlingsheime genauso verhindert, wie solche Überfälle wie in Köln in der Silvesternacht. Staatliche Strukturen, die dem sozialen Frieden statt der wirtschaftlichen Privatisierung dienen, Infrastruktur zur Bildung und Integration der deutschen Idioten, die Nationalismus geil finden, zur Integration und Bildung der Neuankömmlinge, Jobprogramme, die zu echten Perspektiven führen, sozialer Wohnungsbau etc… – stärkung des Staates, gesellschaftlicher Infrastruktur und auch der Polizei – das sind die Schritte, die wir brauchen. Um das zu finanzieren vermutlich auch eine größere Umverteilung als derzeit.

Wer hingegen aus Besitzstandswahrungsantrieb heraus an die Rechte von Menschen will, wie die polnische Regierung, Orban und Seehofer, der – und nur der – treibt den gesellschaftlichen und demokratischen Verfall dessen voran, das als „Projekt Europa“ derzeit so beunruhigend auf der Kippe steht. Von dieser Kippe wieder weg zu kommen und im gesamten Europa die Werte und Rechte zu reetablieren muss das entschiedene Ziel aller demokratischen Menschen sein.

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Feminismus, Sex und Revolution

London, Anfang September 2015. Caitlin Moran wohnt in London. Es ist für mich eine neue Stadt und so steige ich in den Bus, der in genau die andere Richtung fährt. Erst viel zu spät merke ich, was passiert ist, steige in eine Bahn, weil die App das sagt und schreibe Caitlin eine DM auf twitter, dass ich es total verpeilt habe. Sie schreibt sofort zurück, dass ich „armes Ding“ mir keine Sorgen machen solle und als ich ankomme, werde ich erst einmal fest geherzt und in das schöne Haus willkommen. Die Kinder gucken Die Simpsons im Fernsehen, auf dem Klavier steht die „Beatles Complete“-Notensammlung, ich habe die auch und sie fragt mich, ob ich einen Tee will, bevor wir auf die Terrasse gehen, um zu quatschen. Es ist alles, als würde ich zu einer alten Freundin kommen und wir würden wieder einmal über Gott und die Welt quatschen. Wir trinken Tee und sie dreht mir Zigaretten, denn obwohl ich extra noch eine Schachtel besorgt hatte, weil ich ja weiß, dass sie da eine Leidenschaft hat und weil ich auch etwas zurückgeben wollte – die habe ich im Hotel liegen lassen. „Natürlich“, sagt der Mann abends. „Natürlich hast du die liegen lassen.“

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Das Gespräch

Caitlin: Ich muss mich im Voraus entschuldigen: Ich rede sehr schnell und ich fluche eine Menge. Also wenn du das irgendwann transkribierst: ES TUT MIR SEHR LEID! Weiterlesen

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A Workshop is waiting for you

First things first:

SHIFT. SHAPE. MOBILIZE.
a tools & skills workshop for bloggers

> 16-22 November in Berlin, Germany

We are looking for bloggers from all over Europe, to be part of a workshop that will train them and connect them to other bloggers, especially from Eastern Europe. But we are also looking for bloggers from western European Countries and maybe it is you, we are looking for – or you know someone who might be the one. So:

About the project

The Federal Agency for Civic Education/Bundeszentrale für Politische Bildung, in cooperation with Sourcefabric and n-ost, welcomes 20 bloggers to take part in a 5-days workshop in Berlin, Germany on 16-22 November 2015.

Shift. Shape. Mobilize. is aiming to get a better understanding about the socio-political relevance of blogs in countries in transition. The project has the goal of raising awareness, empowering and supporting the role of bloggers in Eastern Europe, as an alternative source of information in society.

During the workshop, you will gain skills & awareness in online security / verification of sources / social media / open data, etc. Furthermore, you will get to know different open source blogging and publishing tools to support their work, such as Sourcefabric’s Live Blog and Booktype. During your stay in Berlin, you will have the opportunity to get to know local communities of journalists, bloggers, activists and hackers.

You will attend a series of practical workshops with the purpose of improving concrete skills; you will partake in debates and panel discussions on hot-topics and receive training on new tools. Additionally, you will be able to live blog and report from the n-ost media conference “Translating Worlds”.

What about the costs?

All costs will be covered by the organisers of the event, including travel to/from Berlin, visa, accommodation, meals and all materials to be used during the workshop.

If all that sounds interesting to you – please note that application is only open until 27. September, 23:59h CET.

And please spread the word!

 

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Social Freezing? Yay or Nay? – sowohl als auch!

Die Debatte um Social Freezing ebbt nicht so recht ab. Irgendwie ist es ein vertracktes Thema, bei dem verschiedene Vorstellungen und Ideale aufeinandertreffen. Ich hatte bei den Wostkindern am Wochenende dazu einen kleinen Text, der meine Meinung zu der Debatte anschneidet. Aber natürlich nicht abschließend beantwortet. Nein: Mir ging es in meinem Text auch weniger um ein moralisches Urteil, als um einen Vergleich von Ost-West-Disparitäten. Was ich aber sagen kann, ist dass ich die Nachricht, Apple und Facebook würden ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren der Eizellen und sogar Leihmutterschaft zahlen, für einen schlechten Witz hielt. Aber dazu gleich mehr.

Vorgestern lief mir auf twitter Judith Lieres Beitrag über den Weg, in dem sie sich ärgert, wie die Debatte geführt werde. Sie tritt klar für die Möglichkeit des Social Freezing als Möglichkeit der Selbstbestimmung der Frau ein. Ihr zentraler Satz ist vielleicht:

Ich verstehe nicht, was daran so verwerflich sein soll, wenn man sich mit eingefrorenen Eizellen eine kleine zusätzliche Chance sichern möchte, einmal Mutter werden zu können, auch wenn das Leben nicht ganz so schnell und gradlinig verläuft, wie man sich das vielleicht einmal vorgestellt hat.

Wer hat recht? Ist Social Freezing, wie es von den Silicon-Valley-Unternehmen in den USA nun finanziell gefördert werden soll, ein Problem? Oder ist es die Lösung eines Problems?

Es ist wie so oft: Sowohl als auch. Und zwar je nach Kontext. Wenn mein Arbeitgeber Social Freezing der Mitarbeiterinnen unterstützt, damit sie erst später in Babypause gehen müssen, dann hat das andere Implikationen, als wenn ich als Frau mich entscheide, meine Eizellen einfrieren zu lassen, weil ich – wie 90 Prozent der anderen Frauen, die gerade keine Kinder bekommen wollen – gerade keinen passenden Mann habe oder aus sonstigen Gründen. Es sind zwei verschiedene Debatten und der Kontext ist entscheidend. Es ist eine Geschichte, die in das Private hineingehört. Eine Entscheidung, die dort stattfinden sollte. Was hat denn mein Arbeitgeber mit meiner Kinderplanung zu tun? Es ist doch die Debatte um die Arbeitswelt, die hier neben der Debatte um die Selbstbestimmung der Frau steht und ich würde davor warnen, das zu vermischen.

Holgi merkte auf twitter an:

Ich finde die Idee, auf Firmenkosten Eizellen einzufrieren, sehr problematisch – für diejenigen Frauen, die das nicht machen wollen.

und genau *das* ist der Punkt.


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Russlands Mauern

vergib uns, Ukraine

„Vergib uns, Ukraine“ von @PaulSonne via twitter

Als der Friedensmarsch durch Moskau zog, lief der Youtube-Livestream bei mir fast den ganzen Tag nebenher. Es lag so viel Hoffnung und so viel Mut darin. Aber schon am nächsten Tag zerschlugen sich die Erwartungen und es wurde deutlich: die russische Politik mauert. Im Netz, gegen „ausländische Agenten“, gegen kritische Medien. Ein Mauern, das mich 25 Jahre nach der bewegenden Rede Genschers in der deutschen Botschaft in Prag nachdenklich macht, denn sehr viel weiter sind wir in der Entwicklung der Ost-West-Beziehung offenbar nicht gekommen. Waren damals vielleicht sogar schon weiter, als wir es heute sind. Warum das so ist, darüber denke ich bei den FAZ-Wostkindern nach.

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Plädoyer für einen verrückten Blick

Russland startet wohl gerade ein Luftmanöver im Nordwesten – so die aktuellen Nachrichten. Was treiben die da eigentlich? Gestern meldete das Land Transnistrien an, es wolle der russischen Föderation beitreten, Putin hielt eine wilde Rede und Hunderttausende bejubeln ihn in seinem Reich Land. Was passiert da eigentlich? Wie ticken eigentlich diese Russen, diese Menschen, was für eine Seele hat dieses Land?

Russisches Grafiti angelehnt an den Pelewin-Roman “Buddhas Kleiner Finger”. V. Vizu, CC-BY-SA 3.0

Russisches Grafiti angelehnt an den Pelewin-Roman “Buddhas Kleiner Finger”. V. Vizu, CC-BY-SA 3.0

Für viele Menschen ist es weit weit weg, nach der Wende und dem Ende der Sowjet-Union, als man ja selbst nun endlich als Sieger aus dem Kalten Krieg hervorging, war es vor allem: egal. Es war ja „besiegt“ und was interessierte einen schon so ein Land, das offenbar von einem Wodkaschluckspecht namens Jelzin regiert wurde (nicht meine Worte – aber ein Bekannter äußerte sich in den Neunzigern einmal in dieser Art über den damaligen russischen Präsidenten)?

In Russland, teilweise Teil des europäischen Kontinents, und um Russland herum passierten Dinge, die wir höchstens einmal kurz in Zusammenhang mit dem Tschetschenien-Krieg wahrnahmen – dann aber ganz schnell wieder verdrängten. Russland erscheint bizarr, fremd, anders.

Schröder hatte als Kanzler immerhin eine enge Freundschaft zu den Russen – wenngleich ich dieses Buddy-System wirklich bis heute sehr sehr strange finde. Aber da konnte man reden, man hat einander respektiert und sich ein bisschen von der Korruption inspirieren lassen… Männerfreundschaft eben. Ich will nicht behaupten, dass ich dieser Buddy-Show hinterhertrauere – herrje, wahrlich nicht! – aber ich finde es mehr als ungenügend, was Merkel für die Integration von und die Kommunikation mit Russland getan hat. Putin triggert sie total – und selbst, wenn ich das rein vom Gefühl her verstehen kann, muss eine Kanzlerin in meinen Augen trotzdem professioneller agieren.

Nun ist das Kind eben im Brunnen und ich will jetzt auch nicht alles besser gewusst haben oder besser wissen. Von der Sorte Schreiberlingen haben wir genügend. Darum bewerbe ich mich nicht. Aber ich möchte dafür werben, sich mit Russland zu befassen, es kennen zu lernen, sich ihm offen und unbefangen zu nähern. Das ist wichtig – verdammt wichtig. Im Juni werde ich erneut nach Breslau fahren und eine Konferenz von Wissenschaftler_innen aus ganz Osteuropa und Russland besuchen – ich bin sehr gespannt darauf und freue mich wirklich sehr. Bei meinem letzten Breslau-Besuch erfuhr ich, dass ein wissenschaftlicher Austausch mit Russland erst seit etwa fünf Jahren überhaupt möglich ist! Und das ist eine dieser mir Mut machenden Nachrichten. Es gibt Anknüpfungspunkte. Russland ist kein anderer Planet!

Aus all diesen Gründen verschlinge ich gerade die Bücher von Viktor Pelewin. Und darüber habe ich dann gestern auch bei der FAZ gebloggt. Pelewin schreibt Bücher, in denen er Tolstoi in einem Computerspiel Zombies jagen lässt, er hat mit „Generation P“ ein mittlerweile auch verfilmtes Buch über junge russische Menschen geschrieben, sozusagen die „Wostkinder“ Russlands oder deren „Dritte Generation Ost“. Man kann aber auch in seinem Fantasy-Roman „Das heilige Buch der Werwölfe“ sehr viel über die russischen Verhältnisse, die Logiken und Schranken der Gesellschaft erfahren. Alles stets in einem rotzigen Ton, die reudigen Facetten der Realität nie aussparend, sondern gebührend beschreibend. Das Werwölfe-Buch habe ich letzte Woche trotz Veranstaltungsmarathon in vier Tagen weggeschmökert – so ein Lesevergnügen!

und danke an Alex aus Moskau, der mich überhaupt erst auf den Pelewin-Trip brachte! Thanx Alex for recommending Victor Pelevin!

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Adorno sei widersprochen!

Eine schwimmende Utopie: die Lovis

Eine schwimmende Utopie: die Lovis

Ich habe mich immer schon gegen den Satz „es gibt kein richtiges Leben im Falschen“ gesträubt, weil ich das nicht glauben will. Für die Wostkinder habe ich aufgeschrieben, warum ich denke, dass gerade im Osten sehr viel Raum ist für ein „richtiges Leben im Falschen“ und Beispiele gefunden, die es bereits praktizieren. Ein Artikel, der von Herzen kommt ♥

Lesen: Das richtige Leben im Falschen

kurz: Utopien brauchen einen Raum, um gelebt werden zu können. Alle Räume der Welt scheinen schon erobert, wohin also? Im Osten können verlassene Orte neu erobert und mit „richtigem“ Leben gefüllt werden.

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„Ich glaube nicht an Glück als Zustand“

Juli Zeh im Gespräch mit Daniel Cohn-Bendit
Sie sprechen über Bosnien, Verantwortung, Parteien und Politikverdrossenheit, können wir uns noch in Gruppen hineindenken? Was ist mit den Millenials? Ist Ich-Zentrierung ein Problem?

Juli Zeh hat ein Faible für die Freiheit. Das ist nicht neu. Aber wie kann man auf allen Ebenen die eigene Freiheit und gleichzeitig miteinander in Verantwortung leben? Interessanter Weise ein sehr konservatives Verständnis von Beziehung, das bei ihr herauskommt. Die eigene Individualität soll hinter der Sicherheit von Beziehungen zurücktreten?

„Fühl dich zuhause sicher, dann hast du draußen nicht so viel Angst!“

Wirklich sehr spannendes Gespräch. Empfehlenswert.

Ich halte es übrigens in Parteien auch nicht so ganz aus. Die Parteien haben einen Panzer – Daniel Cohn-Bendit bringt es auf den Punkt.

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Ab heute im Handel: Das alles und noch viel mehr…!

Wie wäre es, wir Bürger würden auch ein Wahlprogramm zur Bundestagswahl im September 2013 vorlegen? Welches sind die Vorhaben, die mehr als 80 Prozent der Bevölkerung von der nächsten Regierung umgesetzt wissen wollen? In dreißig Kapiteln werden über alle Ressorts hinweg die wichtigsten und dringendsten Gesetzesvorlagen beschrieben – von der Finanztransaktionssteuer über die Lohnpolitik bis zum Naturschutz.

Peter Zudeick, bekannt für seinen wunderbaren satirischen Wochenrückblick, hat eine bunte Auswahl an Autorinnen (darunter meine Wenigkeit) zusammengetrommelt, die konkrete Änderungen für die Politik auf den Tisch legen: Es geht, sofort eine bessere Gesellschaft zu machen. Man muss nur entscheiden. Das alles und noch viel mehr würden WIR machen, wenn wir Kanzler_innen von Deutschland wär’n!

Mit Beiträgen von Brigitte Baetz, Jens Berger, Mathias Bröckers, Christoph Butterwegge, Jürgen Döschner, Bettina Gaus, Klaus Gietinger, Ulrike Herrmann, Wolfgang Hetzer, Wolfgang Lieb, Claus-Peter Lieckfeld, Wolfang Neskovic, Sven Plöger, Ines Pohl, Stefan Reinecke, Katrin Rönicke, Claudia Roth, Tom Schimmeck, Ulrich Schneider, Rudolf L. Schreiber, Werner Seidel, Hanjo Seißler, Sahra Wagenknecht, Ulrike Winkelmann.

Mein Beitrag behandelt unter dem Titel „Starke Kitas – Starke Familien“ den Komplex der Vorschulpolitik. In drei konkreten Schritten würde ich als Kanzlerin von Deutschland die Kitas deutlich verbessern und stärken. Gleichzeitig aber müssen auch die Familien als „echte“ Betreuungs- und Beziehungsinstitutionen ernst genommen und gestärkt werden. Eigentlich ganz einfach – und doch verlangen diese Änderungen viel Engagement. Wie es klappen kann, wenn die Prioritäten anders gesetzt werden, das beschreibe ich in meinem Beitrag.

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#rp13: Gesehen und für gut befunden

Dieses Jahr hatte ich leider nicht die Möglichkeit, zur re:publica zu gehen. Dennoch habe ich mir einige Videos bereits angesehen und manche sogar für gut befunden – ein paar werde ich ebenfalls noch nachholen, da sie einfach sehr interessant klingen.

Das erste Video, das ich wirklich richtig gut fand, war der Vortrag von Gunter Dueck. Wer geglaubt hatte, dass er nur an seinen ersten Vortrag von 2011 anschließen würde (der damals schon sehr aufrüttelnd war), hatte sich getäuscht. In „Aufruf zum metakulturellen Diskurs“ wendet er sich gegen ethnozentrismus (Definition der Wikipedia) und plädiert für eine meta-Betrachtung der politischen Lager, die aus Traditionen gewachsen sind und schon in die Zukunft verweisen. Derweil ich mich selbst momentan viel mit der Möglichkeit von Pluralismus befasse, tut er es also auch – wenngleich er das nicht so nennt. Und auch viel Pragmatismus steckt in diesem Vortrag drin – ein Thema von mir seit dem letzten Jahr. Auch denke ich nach dem Hören, dass diese Einstellung sehr gut erklären kann, wie ich „feministisch ticke“ – falls ihr versteht, was ich meine. Ich empfehle also den Vortrag aus vollem Herzen – er ist engagiert und gewohnt visionär, aufrüttelnd und menschlich.

Der zweite Vortrag, den ich leider etwas zu schnell vorgetragen fand, aber inhaltlich sehr gewinnbringend, war der von @fraeulein_tessa – Teresa Bücker – die sich intensiv Gedanken machte, in was für einer Arbeitswelt wir leben, leben wollen und leben sollten. Ein sehr engagiertes Plädoyer, dem ich mich nahezu uneingeschränkt anschließen würde: „Der Montag liebt dich“ – zumindest sollte er das.

Einen ähnlichen Vortrag hielt Jutta Allmendinger. In „Zeit, Geld, Familie“ stellt sie aktuelle wissenschaftliche Studien vor, die zeigen, dass die Grenzen zwischen Arbeit, Freizeit, Familie und Erholung bei Frauen total verschwimmen. Sie zeigt auch deutlich, dass Männer dieses Phänomen noch nicht so sehr zu spüren bekommen, dass sie nach wie vor besser zwischen Arbeit und Familie stärker trennen können – und auch nicht derart in Konflikten zerrieben werden zwischen den beiden „Welten“. Ein Vortrag, der gerade aus feministischer Sicht absolut sehenswert ist – wer wissen will, wo die Gesellschaft steht und wo es vielleicht hingehen könnte und sollte, wird einige Einsichten bekommen.

Was haben die drei Vorträge gemeinsam? Nun, ich kann sie alle drei in meine Kategorie „Zukunftsfragen“ packen, denn genau darum geht es hier: Wo wollen wir hin, wie wollen wir miteinander arbeiten, leben, politisch agieren und eine Gesellschaft sein? Ich fand die drei Vorträge gleichermaßen bereichernd und danke den Vortragenden für ihre Mühe und Recherche.

Im Laufe der nächsten Wochen werde ich sicherlich noch weitere Vorträge ansehen und diejenigen, die ich wirklich gut finde gerne hier teilen.

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