Männliche Seilschaften als Vorbild für Frauen | von ideefix

In der Diskussion um meine letzte Kolumne beim Freitag entspannen sich wieder sehr interessante und beachtenswerte Dialoge und Einwürfe. ideefix sei herausgegriffen, da ich seine Einschätzung klassischer männlicher Seilschaften so bemerkenswert wie gruselig fand. Dennoch vermute oder besser: befürchte ich, dass er absolut Recht hat. Und dass hier eine der härtesten Stützpfeiler der Gläsernen Decke im Fokus steht:

@Donna

beachte bitte, daß die Seilschaften von Männern auch ein paar kleine Nebenwirkungen in Gestalt von Gruppenzwängen haben.

Für Führungskräfte, nur die sind Teil davon – die anderen haben die A-Karte, bedeutet das a die Priorisierung des Beruflichen zuungunsten des Familiären.
Es bedeutet b Mitmachen in Connections deren wesentliches Merkmal Homophobie und kultivierte Verachtung von Frauen und „Schwächlingen“ (d.h. Männer die nicht mitmachen oder mithalten können) ist.

Es bedeutet c, daß in männl. Seilschaften nicht nur verbale sondern auch sehr reale Nötigungen zu ritualisierten Sexismen bestehen, wozu die leader auf informeller Ebene einladen.
Konkret: nach dem Geschäftsessen folgt die saunatische Entspannung in Vorbereitung auf den Night-Club/Bordellbesuch zur Feier des xyz-Abschlusses…

Witzig ist das nicht.

Witzig auch nicht, daß soviel weibl. Personal für die Pflege männl. Seilschaften wie oben beschrieben bereitwillig verfügbar ist.

Ich fürchte du ahnst gar nicht, wie viele Männer einen von Pornographie und Prostitution gelenkten Blick auf Frauen internalisiert und habitualisiert haben. Sexismus ist nur der Ausfluss dessen.

Hast du immer noch Bock auf den männl. analoge weibl. „Seilschaften“?

Wieviel auf weibl. Kundschaft abonnierte männl. Prostituierte gibt es zur Unterlegung dieser Phantasie?

Was schätzt du?

LG
I.

Natürlich sollte man vorsichtig sein, Männer hier unter einen Generalverdacht zu stellen. Darum geht es hier mit Sicherheit nicht. Es geht vielmehr um ein besonders festes Bindeglied, eine Art Vertrauenskitt und Selbstbestärkungselement, das sich innerhalb einer rein männlichen Besetzung von Unternehmen mit großem Einfluss und großzügigem Budget breit machen konnte – siehe VW, ERGO (und hinter vorgehaltener Hand auch weitere Großkonzerne).

Solche Praxen stabilisieren die Geschlechterhierarchie extrem zuverlässig. Wer noch glaubt, man komme dagegen rein mit kompetenten Frauen an, die sich durch ihre Qualifikation beweisen, muss in Wolkenkuckucksheim leben. Es ist vielleicht eines der schmierigsten, aber auch eines der eindeutigsten Argumente für die Quote: Es liegt in der Natur der Sache, dass wir nicht wissen können, ob und wo solchen Praktiken überall Anwendung finden. Vielleicht sind VW und ERGO Einzelfälle gewesen – vielleicht die Spitze des Eisbergs. Reine Männerbünde jedenfalls können offenbar sehr eigene, sehr tiefe Dynamiken entwickeln – mit Tendenzen, aus Gründen!, unter sich bleiben zu wollen.

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Orthodoxie und Skepsis

„Meine Skepsis bewahrt mich davor, Fanatiker zu werden. Wovor noch kein Glaube je geschützt hat.“

Helke Sander ist empört. Empört über die Laudatio-Rednerin beim Anne-Klein-Preis der Heinrich-Böll-Stiftung: Birgit Rommelspacher. Was Sander stört, ist ein von Rommelspacher konstruiertes Feindbild, das diese recht definitionslos „Orthodoxer Feminismus“ nennt. Dieser besteht offenbar in erster Linie aus Menschen wie Alice Schwarzer und all jenen Feministinnen, die in ihrer Religionskritik politisierte IslamauslegerInnen genauso wenig aussparen, wie die Katholische Kirche. Zur Erinnerung: Es ist bei manchen von uns Tradition, 1.000 Kreuze in die Spree zu werfen. Religionskritik ist uns wichtig!

„Wer zu den orthodoxen Feministen gehört, ist nicht nur altmodisch, sondern, wie im späteren Text suggeriert wird, vor allem rechtslastig, dogmatisch, konservativ, auf die eigene Herkunft fixiert und unfähig, fremde Kulturen in ihrer Eigenart zu akzeptieren.“

Sprich: Solche Menschen sind im Grunde völlig unmöglich. Also schnell davon abgegrenzt! Geschickt ist an diesem Zug, dass durch die Konstruktion des sogenannten „Orthodoxen“ die eigene Position in einem sehr hellen Licht erstrahlt. Wie praktisch. Dass dann eine gestandene Professorin in – wie Sander bemerkt – „guttenbergscher“ Manier unvollständige Quellenangaben macht und ihre Definition von Orthodoxie einfach einmal weglässt, das sehen in der Tat viele Rezipientinnen wohl eher nicht.

Orthodoxie, so hätte Rommelspacher dann nämlich erkennen müssen, bezeichnet eine sehr strenge und meist an eine ursprüngliche Form des Glaubens angelegte Auslebung eines religiösen Glaubens. Die Wikipedia hätte geholfen – oder eben ein Blick in den Brockhaus. Jeder wissenschaftlichen Arbeit sollte eine Klärung ihrer zugrunde gelegten Begriffe doch vorangestellt sein, oder? Wie dem auch sei, der zentrale Punkt, den auch Sanders anreißt, aber IMHO zu wenig in den Mittelpunkt zu rücken versteht, sollte sein:

Es wird sich gegen eine Orthodoxie innerhalb des Feminismus‘ gewendet; wohingegen tatsächliche religiöse Orthodoxien keiner legitimen Kritik mehr zur Verfügung stehen sollen.

Was ich damit meine: Rommelspacher sieht den eigenen Standpunkt als einzig ismen-freien und damit einzig legitimen, während sie jegliche Kritik an den politisierten Formen von Religionen (sie betrachtet wohlgemerkt nur die Islamismus-Kritik – nicht die Kritik an der katholischen oder jüdischen Religion, die es aber sehr wohl im Feminismus ebenso gibt) de-legitimiert.

Das ist hoch problematisch. Denn plötzlich werden in die feministische Debatte um Machtungleichheiten, politische Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen Tabus eingeführt: Die genannten Problemfelder sind nur noch in der eigenen Kultur kritisierbar (die Rommelspacher sodenn „Dominanzkultur“ nennt – welche die Entwertung dieser Ideale gleich mit beinhaltet). Wendet man die gleichen Ideale, die gleichen Maßstäbe auch anderswo an, wird dieses Handeln als „rassistisch“ entwertet.

„BR soll den Begriff Dominanzkultur entwickelt haben. Angehörige dieser Dominanzkultur, die orthodoxen Feministinnen, würden diese eigene Kultur nun den anderen aufzwingen. Die von BR geschmähte Halina Bendkowski hat vor vielen Jahren den Begriff der Geschlechterdemokratie eingeführt, die durchzusetzen sich die Heinrich-Böll-Stiftung in ihrer Eigenaussage bemüht. Ich hoffe, dass diese Institution fähig ist, die wirklichen Widersprüche zu analysieren, sonst unterstützt sie nichts weiter als Denunziation.“ Quelle: Helke Sander: Othodoxer Feminismus – eine Chimäre

(Bild via http://www.flickr.com/photos/goliveira/ flickr/goliveira - CC BY-NC-ND 2.0)

Sander spricht mir aus der Seele und aus, was seit gut zwei Jahren in mir gärt, was ich mich aber als „Angehörige der Dominanzkultur“ und als weiße Feministin nicht mehr auszusprechen traute, bevor ich eben nicht wirklich wissenschaftlich ein paar Wochen über der Thematik gebrütet hätte. Doch schon im Oktober 2010 las ich einen um die 30 Seiten langen Text von eben dieser Rommelspacher, der von lantzschi auf twitter als „das muss man gelesen haben, um mitreden zu können“ verbreitet wurde (er ist leider nicht mehr online, aber lantzschi hat ihn in einem ihrer Blogposts auch erwähnt und bezieht hier ebenfalls Stellung zu der Thematik). Dieser Text war für mich auf jeder einzelnen Seite problematisch und ich murmelte ständig „aber…“ in mich hinein. Es waren so viele ungeklärte und strittige Voraussetzungen darin – genau wie es Sanders auch beschreibt. Ich bin deswegen hier einfach mal froh, dass ich mit dem Magengrummeln (hey, zwei Jahre Magengrummeln ist auch wirklich quasi schon Reizdarmsyndrom, oder? ;P) nicht ganz alleine dastehe.

Weil das Interesse an der Thematik mich natürlich trotz Schweigens nicht losgelassen hat, sitze ich übrigens gerade an einer Hausarbeit zum Thema „Intersektionale Diskursverschränkungen und Ethnisierung von Sexismus in Alice Schwarzer Islamismus-Kritik“ – wo ich wirklich noch einmal genauer hinschauen will, wie „schlimm“ diese Alice nun wirklich sein soll. Ihre „Große Verschleierung“ habe ich ja auch schon völlig anders rezipiert, als die meisten anderen Feministinnen um mich herum (damals) und dafür auch schon einiges auf meinen Deckel bekommen (die Mädchenmannschaftskolleginnen haben den Text damals nicht im Blog haben wollen. Was für mich der Anfang vom Ende war und die innere Trennung für mich persönlich einläutete [was ich aber auch erst in der Nachbetrachtung realisiert habe]).

Update (05.03.2012): Zu der Frage, ob das mit der Denunziation nun völlig übertrieben sei, oder eben gerechtfertigt, habe ich eine eigene Meinung: Ich finde den Begriff in diesem Zusammenhang – gerade auch in Betracht der Debatte um Alice Schwarzer – überhaupt nicht daneben oder übertrieben. Vor allem im Zusammenhang mit der willkürlichen Benutzung einer Pseudo-Definition wie „Othodoxer Feminismus“. In der Wikipedia steht dazu (auch wenn der Artikel nicht mit ausreichenden Belegen versehen ist – vielleicht kann da eineR helfen…):

„Klatsch und Denunziation sind eng miteinander verwobene Kommunikationsprozesse, die häufig der Ausgrenzung Einzelner dienen. Die Denunziation zeichnet dabei die Besonderheit aus, dass sie an eine übergeordnete Instanz (Vorgesetzte, Partei, staatliche Stellen) ergeht, von der – in aller Regel unausgesprochen – Sanktionen gegen die Betroffenen erwartet werden. Insofern ist sie ein Mittel der sozialen Kontrolle, das die „höhere Instanz“ gern zu instrumentalisieren versucht. Nicht selten treten Neid und Rachegefühle als Motive für Denunziation zu Tage, die dann als gesellschaftspolitisches oder gar staatserhaltendes Anliegen verbrämt wird.“

In meinen Augen trifft das hier sehr wohl zu. Auch wenn man über den Punkt mit der übergeordneten Instanz dann recht weit fassen müsste, insofern es sich eben um eine gesamtgesellschaftliche Debatte handelt.

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Von Schubladen und Schubladisierern

Dieser Beitrag erschien in abgeänderter Form als Kolumne auf freitag.de – diese hier ist aber die ursprüngliche (schnoddrigere) Version

Menschen in Schubladen

Es klang wie ein Witz:: Junge Unions-Fraktionäre wollten, dass Menschen ohne Kinder die Sozialsysteme und Bildung in diesem Land stärker finanzieren. Weil sie sonst ja quasi parasitär von jenen Menschen lebten, die sich in Familien und mit kleinen Kindern abrackerten. Dafür soll eine Kinderlosen-Steuer erhoben werden. Während Mitglieder der anti-Intelligentia aka FDP diese Idee als „sozialistisch“ anprangerten, hat inzwischen Kanzlerin Merkel ein Machtwort gesprochen und erklärt, dass es keinen Sinn mache, die Bevölkerung in Kinderlose und Menschen mit Kindern einzuteilen.

Dabei macht es aus Sicht einer politischen Klasse, die immer alle in verschiedene Schubladen sortiert, eigentlich sehr viel Sinn. Es entspricht sozusagen der Denke von Konservativen. Das geht mit dem Elterngeld los. Da unterscheiden wir doch jetzt auch zwischen Menschen mit Arbeit und Menschen, die von Hartz IV leben müssen. Diejenigen, die sowieso schon kaum Geld zum Leben haben, die bekommen nach dieser Logik jetzt noch weniger Geld. Weiter geht das Unterscheiden zwischen Haupt-, Real- und Gymnasial-SchülerInnen – die Guten ins Kröpfchen – oder wie war das? Wir unterscheiden zwischen Verheiratet und Unverheirateten; zwischen Menschen mit und Menschen ohne Staatsangehörigkeit; es gibt die Rechten – die wurden traditionell nicht groß problematisiert; es gibt die Linken – die stehen für Extremismus; – die Liste ist sehr lang. Fehlen darf bei allem natürlich nicht, dass wir sehr regide zwischen Männern und Frauen unterscheiden. Das, liebe Konservative, das lassen wir uns niemals nehmen!

Angela Merkel allerdings war wohl einfach so weise zu erkennen, dass die konservative Praxis der Einteilung der Gesellschaft in verschiedene Klassen, Stände und Schichten schon sehr weit ausgeufert ist. Ihr war klar, dass man dieses Spielchen nicht auf die Spitze treiben darf, weil sonst die Klassifizierung, die Segregation, die Schubladisierung als Ganze am Ende in Frage stehen könnte. Man muss ja maßvoll bleiben, nicht wahr?

(CC BY 2.0; http://www.twitter.com/rvoegtli; http://www.flickr.com/photos/rvoegtli/)

 

Die finanzielle Realität des Sozialen und der Bildung „Von Schubladen und Schubladisierern“ weiterlesen

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„Erstmal das Einander-Respektieren und Zuhören“

Zu meiner vorletzten Kolumne mit dem Titel „Zusammenerziehend!“ gab es eine sehr schöne, lange und auch produktive Debatte – wie ich finde. Besonders engagiert diskutierte Ideefix, der sogar eine längere Antwort in Form eines Blogtextes formulierte (leider nicht mehr verfügbar). Ideefix hat entlang der geschlechterstereotypen Rollenaufteilung bei der Kinderziehung die Erfahrung gemacht, wie diese sich mindestens ebenso negativ auf seine Ausgestaltung einer aktiven Vater-Rolle auswirkte, wie ich sie allzu oft bei den Müttern erlebe. Er berichtet somit von der zweiten – nur seltener thematisierten – Seite der selben Medaille. Ich finde diese Sichtweise in der momentanen Debatte um Väterkultur – wie sie in einem klassischen Negativbeispiel derzeit bei der SZ nachzulesen ist – so wichtig, dass ich euch hier Auszüge aus seinen Kommentaren anbieten möchte. Mehr davon gibt es dann wie gesagt unterhalb meiner Kolumne. Und hoffentlich irgendwann auch andernorts wieder.

[…]

Meine Konsequenz daraus war übrigens, die Hauptverantwortung in der Erziehung zu übernehmen, aber nicht nur als häuslich präsenterer Elternteil, sondern als Realvater – auch für unseren Jüngsten (andere Mutter).
Glauben Sie meine Ex hat sich ab dem Moment auch nur eine Sekunde auf Zusammenerziehung eingelassen? Nene. Sie wollte weiter die Leitlinien machen, in Vorgaben gehen und die Ziele bestimmen – da sie als Frau meinte sie habe Anrecht auf die Anerkennung eines ihr durch die Mutterschaft zukommenden Definitions – und Deutungshoheitsanspruchs, der einem Führungsanspruch in Fragen der Erziehung gleichkommt.

Damit hängt zusammen, dass es auch eine nicht unbeträchtliche Beschämung darstellen kann, wenn eine Mutter in Fragen der Aufzucht und Erziehung nicht die gewohnte Hauptrolle spielt und sich die Aberkennung des o.g. mütterlichen Anspruchs dann z.B. in Denunziationen des Vaters auslebt.

Zusammenerziehung wäre eine schöne Vision, leider bricht sie sich zu oft an inkorporierten und internalisierten Übermütterlichkeiten, welche mir synonym zu weiblichen Hamsterrädern erscheinen.

und: „„Erstmal das Einander-Respektieren und Zuhören““ weiterlesen

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Stereotype, Hormone und die sogenannten „Beweise“ – alles Evolution?

Ganz schön geschickt, von diesem Christian. In seiner Anrufung an „die“ Piratenpartei, einem strangen Artikel, hat er so viele Ping-Back-Verlinkungen platziert, dass alle Verlinkten sich über seinen Artikel hermachen und auch noch kommentieren. Seine Botschaft hat er damit gekonnt unter die Leute gebracht: Hütet euch vor dem Feminismus – ihr Piraten!

Nein: Man muss sich diesen Artikel nicht wirklich durchlesen. Ich fasse einfach kurz zusammen:
Piraten sind eine junge Partei, die noch ihren Weg sucht – und einen Kegelclub hat. Also fühlt er sich genötigt, zu intervenieren und gebetsartig Sätze wie „Ihr seid sachlich denke (sic!) Personen“ oder “ Ihr denkt in Fakten, nicht in Beliebigkeiten“ – er appelliert an die Ratio der „Nerds“ um zu schließen mit: „Wer gegen die Auswirkungen verschiedener Spielarten des Feminismus ist, insbesondere den Genderfeminismus, der ist nicht frauenfeindlich.“

Nein nein! Nehmt euch jetzt nicht die Zeit, das zu lesen. Das ist es auch wiederum nicht wert (ich lese den Christian eigentlich recht oft, ich geb euch dann einfach Bescheid, wenn mal was Wichtiges, oder gar Gewinnbringendes drin steht). Lest doch lieber einmal diese Zusammenfassung einer sehr spannenden Studie, die so ein bisschen einmal alles auseinander nimmt und ad absurdum führt, was Leute wie Christian als einzig „wahre“ Erklärung für alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern akzeptieren. Oder sagen wir: Als zentrale Erklärung für alles Mögliche – was wiederum eine Erklärung dafür ist, dass Testosteron (ich liebe btw Testosteron! ich glaube, ich habe davon auch sehr viel – harr harr) und die Lust eine sehr große Rolle in den Artikeln in seinem Blog spielen.

Biological and social factors have been shown to affect cognitive sex differences. For example, several studies have found that sex hormones have activating effects on sex-sensitive tasks. On the other hand, it has been shown that gender stereotypes can influence the cognitive performance of (gender-) stereotyped individuals. However, few studies have investigated the combined effects of both factors. The present study investigated the interaction between sex hormones and gender stereotypes within a psychobiosocial approach. One hundred and fourteen participants (59 women) performed a battery of sex-sensitive cognitive tasks, including mental rotation, verbal fluency, and perceptual speed. Saliva samples were taken immediately after cognitive testing. Levels of testosterone (T) were analysed using chemiluminescence immunoassay (LIA). To activate gender stereotypes, a questionnaire was applied to the experimental group that referred to the cognitive tasks used. The control group received an identical questionnaire but with a gender-neutral content. As expected, significant sex differences favouring males and females appeared for mental rotation and verbal fluency tasks, respectively. The results revealed no sex difference in perceptual speed. The male superiority in the Revised Vandenberg and Kuse Mental Rotations Tests (MRT-3D) was mainly driven by the stereotype-active group. No significant sex difference in MRT-3D appeared in the control group. The MRT-3D was also the task in which a strong gender-stereotype favouring males was present for both males and females. Interestingly, T levels of the stereotype-activated group were 60% higher than that of male controls. The results suggest that sex hormones mediate the effects of gender stereotypes on specific cognitive abilities.

Das ist die Zusammenfassung einer Studie mit dem Titel „Interactive effects of sex hormones and gender stereotypes on cognitive sex differences—A psychobiosocial approach“, die zu dem Ergebnis kommt, dass die tatsächliche Auswirkung sogenannter „Hormone“ auf unser Verhalten, die tatsächlich messbaren Unterschiede, davon abhängen, wie stark wir selbst Gender-Stereotype gefressen haben – oder eben nicht. Ich habe die Studie vor einem Jahr komplett gefressen, da sie ein Bestandteil meiner Vorbereitungen zum Vortrag „Stereotype, Sichtbarkeit und Wettkampf – Diversity in der Digitalen Gesellschaft“ war. Deswegen habe ich sie auch schon vor vielen Monaten auf Nachfrage an Christian getwittert – eine Antwort bekam ich allerdings nie. Naja – das Blöde ist wohl einfach auch, dass die Basis seines gesamten Blogs, das recht ausführlich und regelmäßig geschrieben wird, mit einem Ernstnehmen solcher Ergebnisse wegfallen würde. Kartenhaus und so. Aber vielleicht ist bei dieser jungen Partei, die doch so wissenschaftlich sein und denken soll, die sich kein X für ein U vormachen lässt, jemand ambitioniert, das Ding zu lesen. Ich lasse der-/demjenigen dann gerne eine Privatkopie davon zukommen.

Gute Nacht!

PS: Ja – es sieht anders aus hier. Ich brauchte einen Tapetenwechsel. Ich hoffe sehr, dass es gefällt.

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Stereotype, Sichtbarkeit und Wettkampf. Diversity in der digitalen Gesellschaft

Das wird der Titel meines Vortrags, den ich auf der kommenden re:publica halten werde.
Ich freue mich sehr, dass mein Angebot vom Orgateam der re:publica angenommen wurde – so wie auch alle anderen Angebote, die von der Mädchenmannschaft kamen.

Yay! It’s SHE:publica, Baby.


(Bild von Jason Bran-Cinaed via Flickr)

Auch die ersten vorsichtigen Schätzungen belegen einen deutlich höheren Frauenanteil, als noch vor zwei Jahren. Vermutlich wird der Frauenanteil größer, als beim großen Medien-Kongress von taz und der Freitag.

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Die Burka nicht überziehen

Volker Beck begrüßt in einer Pressemitteilung das Verbot der Burka in der hessischen Verwaltung mit den Worten:

„Die Burka hat im Öffentlichen Dienst grundsätzlich nichts verloren, weshalb das Burka-Verbot in der hessischen Verwaltung nur zu begrüßen ist. Sie ist ein Symbol der Unterdrückung, das sich der Staat nicht überziehen darf.“

Für ein generelles Burka-Verbot ist Beck jedoch nicht. Er möchte mit einer Debatte darüber nicht unnötig Wind in die Mühlen von Islamfeinden, Springer-Verlag und Sarrazins liefern. Wohl wahr. Vor allem, weil Beck zurecht darauf hinweist, dass Frauen sich bereits bei bestehender Gesetzeslage gegen das aufgezwungene Tragen einer Burka wehren können:

„Frauen, die zum Burka-tragen gezwungen werden, können sich bereits heute gegen ihre Unterdrücker wehren. Das erfüllt den Tatbestand der Nötigung und ich rufe alle betroffenen Frauen dazu auf, von ihren Rechten auch Gebrauch zu machen. In diesem Kontext fordere ich von der Bundesregierung ein eigenes Opferschutzprogramm, damit Frauen, die sich gegen ihre Unterdrücker wehren, nicht allein gelassen werden.“

Ein kleiner Baustein in der Argumentation fehlt mir allerdings noch: Nicht alle unterdrückten Frauen schaffen es, sich gegen ihre Unterdrückung zu wehren. Denn es ist ja genau der primäre Effekt von Unterdrückung, dass man den Opfer die Möglichkeit nimmt, sich zu wehren und eine aktive Rolle einzunehmen. Dieser wunde Punkt in der Mitte eines Rechtsstaates, der die Würde jedes Menschen als oberstes Prinzip und als unantastbar benennt, ist und bleibt ein schwer auflösbares Dilemma.

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Respekt ist eine Zweibahnstraße

Kulturrealitvismus ist eine Zweibahnstraße.


(Bild: Alain Bachellier via Flickr)

Es ist gut, dass ein wenig Zeit seit den sehr hitzigen und polemischen Debatten um Integration und Verschleierung vergangen ist. Vielleicht immer noch nicht genug. Doch das Buch „Die große Verschleierung“ von Alice Schwarzer ist einer ernsten und differenzierten Diskussion würdig. Zuerst aber muss eine Unterscheidung getroffen werden, da sonst die Diskussionen zu sehr durcheinander gehen: Es gibt einerseits die Debatte um das Kopftuch, andererseits die Debatte über die vermeintliche „Gefahr“ des Islamismus, des politisierten Islam, ein Thema, das Alice Schwarzer seit ihrer Reise nach Teheran bewegt. Die Frage nach der Legitimität des Tragens eines Kopftuches ist schnell beantwortet: Jeder Mensch darf sich kleiden, wie er beliebt. Diese Freiheit darf nur in Fällen, in denen dieses Recht mit anderen (Grund-)Rechten kollidiert, in Frage gestellt werden – bei dem Tragen einer Burka zum Beispiel sehe ich die Würde des Menschen angetastet, sie ist gewissermaßen auch Nötigung und keineR kann mir erzählen, dass Frauen sich freiwillig derart sozial von ihrer Umwelt abschneiden. So habe ich das immer vertreten. Und dennoch steht dem die Meinung gegenüber, das Tragen eines Kopftuches sei gleichzusetzen mit der Unterdrückung der Frauen. Ich habe unzählige Debattenbeiträge und Kommentare über die Frage nach dem Ursprung und der Aussage des Tragens eines Kopftuches gelesen. Wie so oft, sind nicht sie es, die einem die Antwort auf ein Dilemma geben können, sondern es ist der persönliche Kontakt und Austausch. Deswegen habe ich eine Kopftuch tragende Muslima gefragt „Sag mal, warum…?“ und sie antwortete:

„Es ist mein Glaube und meine Kultur. Stell es dir so vor: Du ziehst in ein Land mit einer völlig anderen Kultur, wo Frauen mit freien Brüsten herumlaufen. Aber freie Brüste sind für dich kulturell anders besetzt, als für diese Frauen. Du würdest dir also wünschen, man akzeptiere es, wenn du trotz der dortigen Kultur deine Brüste bedecken darfst, oder?“

„Respekt ist eine Zweibahnstraße“ weiterlesen

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Böse Mädchen

Das Buch „Das böse Mädchen“ von Maria Vargas Llosa – es ist ein seltsames Ding.


Bild: Dyanna via Flickr)

Seit einiger Zeit nun zelebriere ich des abends das Lesen, denn der Fernseher wurde bei uns abgeschafft, die notwendige Fernbedienung in notarielle Verwahrung übergeben. Nun habe ich schon wirklich viel gelesen. Vor allem die wunderbaren Krimis von Fred Vargas haben es mir in dieser Zeit angetan. Mit viel Freude hat mich das Simone de Beauvoir-Lesebuch von Alice Schwarzer erfüllt. Im Moment bewundere ich sehr die Erzählkunst von Jan Weiler in „Drachensaat“, das ich als mein aktuelles Buch erfürchtig verschlinge.

Mit Vargas Llosa ist es deswegen umso seltsamer, als ich gerne eine schöne Geschichte über ein „böses Mädchen“ gelesen hätte. Böse Mädchen sind meistens eine Geschichte wert. Zum Beispiel, wenn sie aus den gesellschaftlichen Erwartungen ausbrechen und fiese, kaltblütige Politikerinnen werden. Oder wenn sie einen Mann nach dem anderen „verschlingen“ vor Wollust und Gier nach Bestätigung. Böse Mädchen könnten überall eine Geschichte erleben: In Afghanistan, in China – sogar in Gelsenkirchen! Sie könnten morden ohne Skrupel oder einfach nur zu sich selbst böse sein – die vielleicht häufigste Form bei Mädchen (?). Langweilig wäre wohl keine dieser Geschichten und nach meiner Lektüre von Fred Vargas „Schöne Diva von Saint-Jaques“ hatte ich große Erwartungen. „Böse Mädchen“ weiterlesen

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Frauen mit Bart – Selbstinszenierung und Ironisierung im Web 2.0

Eine Betrachtung der Jugendlichen im Web 2.0 von mir erschien auch im Freitag. Ursprünglich habe ich diesen Artikel in der Mädchenmannschaft veröffentlicht.


Foto: Jesse Draper (via Flickr, creative commons licence)

„Flickernde Jugend“: Was Jungen und Mädchen mit ihren durchschnittlich 13 Stunden pro Woche im Internet für eine Bilderwelt erzeugen, wurde nun erstmals wissenschaftlich untersucht.

Heutige Jugendliche sind mit dem Internet aufgewachsen. Sie gehen anders damit um, als die heute 30-Jährigen oder ältere Generationen. Manchmal ist ihr Umgang damit für uns schwer verständlich, manchmal fast verstörend: Wenn Jugendliche in der U-Bahn auf einen Menschen einschlagen und davon triumphierend ein Handy-Video machen, das sie bei Youtube einstellen, erschüttert uns das. Vielleicht kommt es uns auch so vor, als würden die jungen Frauen heute nur noch sexuell aufgeladene Profilbilder von sich ins Internet stellen? Prügelnde Jungen, sexy Playboy-Häschen – Welche Rolle spielen Geschlechterrollen in den Bildern der Jugendlichen? Was machen die da eigentlich die ganze Zeit, wenn sie – wie Studien ergeben – im Durchschnitt 13 Stunden pro Woche im Internet sind? „Flickernde Jugend – rauschende Bilder. Netzkulturen im Web 2.0“ heißt eine frisch herausgegebene Untersuchung über das Verhalten von Jugendlichen in den typischen Online-Bild-Plattformen wie Flickr und Youtube. Birgit Richard, Professorin für Neue Medien am Institut für Kunstpädagogik der Universität Frankfurt, hat mit ihrem Team die Plattformen besucht und akribisch durchstöbert. Sie legen erstmals eine Studie vor, die nachzeichnet, was Jugendliche im Netz mit Selbst- und Fremdbildern inszenieren.
„Frauen mit Bart – Selbstinszenierung und Ironisierung im Web 2.0“ weiterlesen

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