Böse Mädchen

Das Buch „Das böse Mädchen“ von Maria Vargas Llosa – es ist ein seltsames Ding.


Bild: Dyanna via Flickr)

Seit einiger Zeit nun zelebriere ich des abends das Lesen, denn der Fernseher wurde bei uns abgeschafft, die notwendige Fernbedienung in notarielle Verwahrung übergeben. Nun habe ich schon wirklich viel gelesen. Vor allem die wunderbaren Krimis von Fred Vargas haben es mir in dieser Zeit angetan. Mit viel Freude hat mich das Simone de Beauvoir-Lesebuch von Alice Schwarzer erfüllt. Im Moment bewundere ich sehr die Erzählkunst von Jan Weiler in „Drachensaat“, das ich als mein aktuelles Buch erfürchtig verschlinge.

Mit Vargas Llosa ist es deswegen umso seltsamer, als ich gerne eine schöne Geschichte über ein „böses Mädchen“ gelesen hätte. Böse Mädchen sind meistens eine Geschichte wert. Zum Beispiel, wenn sie aus den gesellschaftlichen Erwartungen ausbrechen und fiese, kaltblütige Politikerinnen werden. Oder wenn sie einen Mann nach dem anderen „verschlingen“ vor Wollust und Gier nach Bestätigung. Böse Mädchen könnten überall eine Geschichte erleben: In Afghanistan, in China – sogar in Gelsenkirchen! Sie könnten morden ohne Skrupel oder einfach nur zu sich selbst böse sein – die vielleicht häufigste Form bei Mädchen (?). Langweilig wäre wohl keine dieser Geschichten und nach meiner Lektüre von Fred Vargas „Schöne Diva von Saint-Jaques“ hatte ich große Erwartungen. Weiterlesen

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Frauen mit Bart – Selbstinszenierung und Ironisierung im Web 2.0

Eine Betrachtung der Jugendlichen im Web 2.0 von mir erschien auch im Freitag. Ursprünglich habe ich diesen Artikel in der Mädchenmannschaft veröffentlicht.


Foto: Jesse Draper (via Flickr, creative commons licence)

„Flickernde Jugend“: Was Jungen und Mädchen mit ihren durchschnittlich 13 Stunden pro Woche im Internet für eine Bilderwelt erzeugen, wurde nun erstmals wissenschaftlich untersucht.

Heutige Jugendliche sind mit dem Internet aufgewachsen. Sie gehen anders damit um, als die heute 30-Jährigen oder ältere Generationen. Manchmal ist ihr Umgang damit für uns schwer verständlich, manchmal fast verstörend: Wenn Jugendliche in der U-Bahn auf einen Menschen einschlagen und davon triumphierend ein Handy-Video machen, das sie bei Youtube einstellen, erschüttert uns das. Vielleicht kommt es uns auch so vor, als würden die jungen Frauen heute nur noch sexuell aufgeladene Profilbilder von sich ins Internet stellen? Prügelnde Jungen, sexy Playboy-Häschen – Welche Rolle spielen Geschlechterrollen in den Bildern der Jugendlichen? Was machen die da eigentlich die ganze Zeit, wenn sie – wie Studien ergeben – im Durchschnitt 13 Stunden pro Woche im Internet sind? „Flickernde Jugend – rauschende Bilder. Netzkulturen im Web 2.0“ heißt eine frisch herausgegebene Untersuchung über das Verhalten von Jugendlichen in den typischen Online-Bild-Plattformen wie Flickr und Youtube. Birgit Richard, Professorin für Neue Medien am Institut für Kunstpädagogik der Universität Frankfurt, hat mit ihrem Team die Plattformen besucht und akribisch durchstöbert. Sie legen erstmals eine Studie vor, die nachzeichnet, was Jugendliche im Netz mit Selbst- und Fremdbildern inszenieren.
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Urheberrechthaberei

Es ist ein ewiger Kampf um das Urheberrecht. Die Kriegsparteien nennen sich Musikindustrie und Zivilgesellschaft. Wer gewinnt, wer verliert?


(Bild: „Ferrari + caballos + fuerza = cerebro Humano“ via Flickr)

Es ist ein ewiger Kampf um das Urheberrecht. Die Kriegsparteien nennen sich Musikindustrie auf der einen und Zivilgesellschaft auf der anderen Seite. Lange – sehr lange – hatten erstere geschlafen und die schleichende Verlagerung ihrer Filme und Musik von analogen auf digitale Medien und die Folgen davon nicht recht zur Kenntnis genommen. Erst vor wenigen Jahren, nachdem MP3 und MPEG längst nicht mehr nur von wenigen Insidern, sondern von der heranwachsenden „Internetgeneration“ als Selbstverständlichkeit genutzt wurden, kapierten die Bosse der Musikindustrie, was vor sich ging: Ihre Ware wurde digital kopiert und verbreitet – ohne ihre Kontrolle! Über Tauschbörsen wie dem berühmtberüchtigten Napster, Kazaa und Emule begannen Menschen die von ihnen erworbenen CDs und später auch DVDs in der ganzen Welt miteinander zu teilen. Das Internet wurde somit zu einem Ort, an dem es für jede und jeden Kulturgüter in Hülle und Fülle gab. Träumerische Medienfreaks verglichen es gar mit der großen Bibliothek von Alexandria. Völlig eigendynamisch wuchs und wuchs dort eine Kulturdatenbank, die absolut dezentral und chaotisch aufgebaut war. Ein Traum für die Menschheit – ein Alptraum für jene, welche fürchteten, nun nicht mehr abkassieren zu können.
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Ich, Arbeiterkind

„In Deutschland kriegen die Falschen Kinder“, sagt Daniel Bahr. Ich bin so ein Kind. Und ich bin verdammt wütend.

Was soll mensch da noch sagen? Ein junger Politiker, der im Vorstand der FDP sitzt und ehemals Vorsitzender ihrer Jugendorganisation war, erklärt mir, warum es besser wäre, wenn statt mir ein Akademikerkind auf die Welt gekommen wäre. „Laut PISA-Studie hängt nämlich in Deutschland der Lernerfolg eines Kindes stark vom Bildungsniveau der Eltern ab.“ Ich, ‚Folgefall’ von ungebildeten Eltern, eine dieser PISA-Versauer! Ich überlege, ob ich mich jetzt dafür schämen muss. Ich lasse mir seine weiteren Äußerungen auf der Zunge zergehen:
„Wir brauchen mehr Kinder von Frauen mit Hochschulabschluß als von jenen mit Hauptschulabschluß. Dann stehen wir künftig auch in der PISA-Studie wieder besser da.“ Glück gehabt, Alte, deine Eltern haben ja den Abschluss der Sekundarstufe II, also Realschule. Dann muss ich mich also nicht schämen und kann meine ganze Kraft in die Wut stecken, die angesichts solcher Behauptungen in mir aufsteigt.

Ist es übertrieben im Fall Bahr von einer versteckten Eugenik zu sprechen?? ‚Wir brauchen nicht die Kinder von den dummen Eltern sondern wollen nur die schlauen’??? Klingt so ein gebildetes Akademikerkind, das in Geschichte immer brav aufgepasst hat? Das gelernt hat, oder einfach weiß, warum die Würde ALLER Menschen unantastbar sein muss?

Die Arbeiterkinder und Kinder aus sozialen Unterschichten, sollten nicht ausgegrenzt werden, sondern stärker als bisher die Chance bekommen, eben auch einen akademischen Abschluss zu machen. Ich habe es in der Schule tatsächlich erleben dürfen, wie man sich fühlt, wenn ein Lehrer einem nur deswegen weniger zutraut, weil ich das Kind von ganz ‚normalen’ Arbeitern bin. Während manche Ärzte-Kinder erst mal beweisen mussten, dass sie nicht von Natur aus schlauer sind, dufte ich gegen Klischees ankämpfen, die mit der Realität nichts zu tun haben. Nur mit Elitendenken. Weiterlesen

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