Nicht zum Studieren geboren

This entry is part 22 of 22 in the series Freitagsgedanken

Uni-Seminare und Kind? Ideal ist diese Kombination nur, solange man finanziell abgesichert ist.

Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne auf freitag.de

In der aktuellen Ausgabe des Frauenmagazins Fräulein prangt es plakativ vom Titel: “Gleichzeitig Kinder zu bekommen und zu studieren kann ich nur empfehlen”. Ohne den dazu gehörigen Artikel gelesen zu haben muss ich sagen: Ganz schön naiv. Ich weiß das, denn ich mache das. Aber leisten kann ich es mir nur aufgrund eines Privilegs. Denn ich erfülle einen von drei entscheidenden Faktoren, dieses Projekt auch wirklich finanziell zu meistern. Ich bin Stipendiatin.

Diese Häkelbabies stammen von baghi - einer DYI-Bloggerin aus Savona: http://baghisblog.blogspot.com/ und wurden unter CC BY-ND 2.0 auf flickr.com veröffentlicht: http://www.flickr.com/photos/rainbowproject/3488893875/

Als ich mein erstes Kind bekam war das noch nicht so. Da stieg ich für ein Urlaubssemester aus Studium und Nebenjob aus. Leisten konnte ich mir das nur, weil ich dadurch Hartz-IV-berechtigt war und weil ich, die ja auch vorher gearbeitet hatte, Elterngeld bekam. Mit beiden Transferleistungen ausgestattet konnte das Baby samt Erstausstattung finanziert werden. Doch mit dem Wiedereinstieg fiel Hartz IV weg – denn wer studiert, der ist generell nicht berechtigt, die Sozialhilfe zu bekommen. Zwar wurde das Elterngeld weiter gezahlt, aber wer kann von 300 Euro im Monat wirklich leben? Da sind wir auch schon – bei der ersten Unabdingbarkeit für studierende Eltern: Sie müssen ständig rechnen, unglaubliches Wissen im Zusammenhang mit den Fördermöglichkeiten aufsaugen und anwenden, und vor allem: extrem sparsam leben.

Bald aus dem Gröbsten raus

Natürlich sieht das Studieren mit Kind auf den ersten naiven Blick toll und praktisch aus. Man ist flexibler. Wenn das Kind krank ist, gibt es Mittel und Wege, Dinge zu verschieben, auch mal ausfallen zu lassen und andere Prüfungsleistungen anzubieten. Die meisten Universitäten haben sich auf die Studierenden mit Kindern und deren Bedürfnisse einzustellen versucht. Manchmal hapert es noch an der tatsächlichen Umsetzung, denn diese wird nicht von den jeweiligen Referaten oder von der Leitung erbracht, sondern von den DozentInnen und ProfessorInnen. Von denen sind manche sehr verständnisvoll und andere nicht. Aber grundsätzlich ist der Druck auf Eltern während des Studiums auf eine angenehme Art und Weise geringer, als wenn sie im Erwerbsleben stehen und womöglich gerade darauf bedacht sind, eine Karriere zu starten. Ein krankes Baby kann jedes Projekt von einem Tag auf den anderen kollabieren lassen – eine Hausarbeit aber, die kann man in so einem Fall auch mal später abgeben.
Ich weiß von einigen Betrieben in denen, hinter vorgehaltener Hand, manche Mitarbeiter genervt über die plötzlich aus dem Meeting entschwindenden Eltern lästern. Befördert werden diese meistens nicht. Während meine Kinder am Ende meines Studiums „aus dem Gröbsten raus“ sind, wie man so schön sagt (mein Sohn geht dann in die Schule), fangen andere gerade nach dem Studium erst an mit der Familienplanung – und sehen dann die Nachteile, die es mit sich bringt.

Insofern kann ich der Aussage aus dem Fräulein-Magazin nur zustimmen. Es hat ganz eindeutige Vorteile, Studium und Baby zu verbinden und im Berufsleben später ein wenig mehr die Hände frei zu haben. Doch in meinen Augen muss dafür zumindest eines der folgenden drei Kriterien erfüllt sein:

1. Man hat eineN gut verdienenden PartnerIn
2. Man hat finanzielle Unterstützung durch die eigenen Eltern
3. Man hat ein Stipendium

Wer nur BAFöG, einen Studi-Job oder sonst eine quasi-prekäre Einnahmequelle hat, sollte sich besser warm anziehen. Denn Hartz IV gibt es wie gesagt für Studierende nicht. Und das BAFöG ist im Grunde ein Witz – zumindest mit Kind – für dieses gibt es 113 Euro mehr. Manche „HartzerInnen“ haben mehr Einkommen als Studierende, die ein Kind und ein Dach überm Kopf nur durch BAFöG finanzieren müssen. Ein Nebenverdienst ist im Grunde unausweichlich. Mit der alten Sozialhilfe war das einmal anders. Die war auch für Studierende verfügbar. Und das alte Erziehungsgeld von 300 Euro gab es für alle, die 30 Stunden oder weniger arbeiteten. Zwei Jahre lang. Die Zeiten haben sich geändert – im negativen Sinne für studierende Eltern.

Baut Netzwerke

Auch das Studium selbst war einmal wesentlich kinderfreundlicher organisiert. Mit dem Bachelor- und Master-Studium hat eine sehr rigide Effizienz-Logik Einzug in deutsche Hörsäle gehalten. Ein Druck, dem sich viele studierende Mütter kaum gewachsen fühlen. Wen das nicht zermürbt und wer keine der oben genannten Bedingungen erfüllt, braucht mindestens ein überdurchschnittlich gutes Improvisationstalent. Aber man kann es sich manchmal auch nicht aussuchen: Viele junge Frauen werden auch heute noch ungeplant schwanger, denn kein Verhütungsmittel bietet 100%igen Schutz. Und auch wenn ich aus feministischer Sicht pro Abtreibung bin, ich kann auch jede Frau verstehen, die eine Abtreibung nicht durchziehen kann und will – auch wenn es mehr Probleme mit sich bringt, als Lösungen angeboten werden.

Als junge studierende Mutter kann ich kaum optimistische Ratschläge geben – und das ist extrem frustrierend. Das einzige, was mir einfällt ist: Baut privat organisierte Netzwerke auf, unterstützt euch gegenseitig. Ich würde mir wünschen, dass Studierende mit Kind als Gruppe mit besonderem Unterstützungsbedarf von den Politikern wahrgenommen würden. Doch in der bürgerlichen Regierung dieses Landes scheint man sich keines Handlungsbedarfes bewusst. Dass es einer ganzen Reihe von Privilegien bedarf, um diese Doppelbelastung zu bewältigen, scheint völlig in Ordnung.

Ein Kind während des Studiums ist wirklich praktisch, ja. Wenn man es sich leisten kann.

Die Featurette ist beta – immerhin

dieser Tweet bringt es auf den Punkt. Wir werden die Farben noch einmal gründlich überdenken. Wir werden noch ein bisschen an den Widgets schrauben. Wir werden weitere Bloggerinnen hinzufügen und außerdem werden wir noch viel viel viel mehr LeserInnen anlocken.

Bis dahin könnt ihr das Projekt weiterhin unterstützen. Einfach mal da unten rumklicken und Gutes tun. Dankeschön :)

Emanzipation ist wie Kaviar

Kristina Schröder ist eine bemerkenswerte Frau. Häufig als dumm und naiv dargestellt, steckt hinter der Fassade eine knallharte und berechnende Politikerin. Es ist daher an der Zeit, sie endlich ernst zu nehmen und von ihr zu lernen.

Es war meine eigene Mutter, die mich vor längerer Zeit einmal völlig aus der Fassung brachte, indem sie mich allen ernstes fragte,was ich denn von dieser Kristina Schröder hielte. Ob ich die denn nicht toll fände, weil sie doch so jung, dynamisch und so emanzipiert sei. Meine eigene Mutter dachte, ich sei ein Fan Kristina Schröders! Sie schien zu glauben, die Familienministerin und ich stünden für ein und dasselbe Bild einer jungen Frau „unserer“ Generation. Ich war dermaßen irritiert, dass ich nichts anderes wusste, als darüber hinwegzugehen. Diese Ignoranz steht beispielhaft für einen Fehler meiner linksliberalen Filterblase: Wir nehmen Kristina Schröder schon lange nicht mehr ernst.

Was aber meine Mutter wohl zu ihrer Überlegung antrieb, waren diese nicht wegdiskutierbaren Fakten: Als erste Ministerin mit Kind setzt Kristina Schröder komplett neue Maßstäbe in der politischen Repräsentation junger Mütter. Sie zeigte sich völlig unbekümmert über die massiven Angriffe aus der eigenen Klientel, dass sie schon nach kurzer Zeit wieder den Ministerinnen-Sitz bezog. Meiner Mutter fiel im Gegensatz zu mir auf, dass dies eine bahnbrechende Tat darstellte. Für viele ist es im Gegensatz dazu einfacher, sie als dumm und dilettantisch abzustempeln, als sie ernst zu nehmen. Es tut vielen jungen Menschen, Männern wie Frauen, nahezu körperlich weh, auszusprechen, dass Kristina Schröder, die Ende der Siebziger geboren wurde, „Eine von uns“ sei. Ähnlich sozialisiert, ähnlich im Werdegang, mit ziemlich modernen Ansichten. Nein – uns rollen sich die Zehnägel auf! Mit der wollen wir nicht in einen Topf geworfen werden! Dieses wir, damit meine ich diese “irgendwie linke” gesellschaftliche Gruppierung im Alter von Anfang 20 bis vielleicht Ende 30, die teilweise parteilos in sozialen Netzwerken organisiert ist, teilweise vielleicht den Piraten oder den Grünen, den Linken oder der SPD nahesteht. Ja wir würden doch alles ganz anders machen, wären wir Ministerin in diesem Kabinett! Wir würden antirassistische Initiativen stärken. Wir würden das Elterngeld reformieren. Anstatt die ganze Care-Arbeit zu privatisieren und damit wieder vor allem auf die Frauen abzuwälzen, würden wir massiv in den Ausbau von Qualität und Quantität staatlicher Angebote investieren. Wir hätten da so einige Ideen! Stattdessen dürfen wir in Kürze das Betreuungsgeld begrüßen. Und können es nicht fassen.

Das Betreuungsgeld als Prüfstein der Parteitreue

Die Debatte um das Betreuungsgeld nahm in den vergangenen Tagen noch einmal richtig an Fahrt auf und ist ein Paradebeispiel machtorientierter Politik. In der Volkspartei CDU hat sich der Einzelne der Gesamtideologie zu unterwerfen – auch Schröder sieht jeden Abgeordneten in dieser Verantwortung, wie sie schon in ihrer Doktorarbeit betont. So ist es völlig unerheblich, ob die OECD, wie jüngst geschehen, den wirtschaftlichen Gesamtschaden des Betreuungsgeldes mahnend antizipiert. Ein Volker Kauder, sonst ein ganz patenter wenn es um die Ausrichtung der Politik auf ökonomische Interessen geht, stellt das Konzept keinesfalls infrage. Angela Merkel verliert kein böses Wort darüber. Es ist die große „Partei-Responsivität“, wie das Gefühl der Verantwortung für den Willen der Basis in Kristina Schröders Doktorarbeit genannt und empirisch nachgewiesen wird, die alle aneinander kettet – in guten wie in schlechten Zeiten. Genau wie die ebenfalls in jener Arbeit nachgewiesene christdemokratische „ideologische Kernhaltung“, die darin besteht, sich für ein leistungsorientiertes Ungleichgewicht zwischen den Menschen und gegen eine gesellschaftliche Umverteilung stark zu machen. Dieser Kitt erlebt durch die Personalie Schröder im Merkelschen Kabinett eine Verjüngungskur. Während sie auf der einen Seite massiv die klassischen konservativen Rollen sprengt und die moderne Vorbildministerin mit Kind ist, aktualisiert sie elitistische und rechte Ideen innerhalb ihrer Partei. Gibt ihnen ein junges und unverbrauchtes Antlitz. Es ist notwendig, genau diese werturteilsfreie Vogelperspektive auf Schröder und ihre innerparteiliche Rolle einzunehmen – ganz in Weberscher Manier. Dann wird man auch ihren eigenen, ebenfalls Weber verehrenden Ansprüchen gerecht. Und dann macht plötzlich alles einen großen Sinn.

Schröder polarisiert wie Koch

Offensichtlich gibt es aus linker Perspektive vieles an der Politik der Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu kritisieren. Sie schaffte das Elterngeld für Hartz-IV-Empfänger ab; sie führt einen offenen Twist mit Ursula von der Leyen über die Frage der Frauen-Quote; sie setzt sich für das Betreuungsgeld ein; sie führte in Dortmund einen Dialog mit Rechtsextemen unter dem Titel „Dortmund den Dortmundern“ und ließ dafür eine unsägliche Menge an Staatsgeldern springen. Es gab einen kleinen Aufschrei, als sie das Thema „Deutschenfeindlichkeit“ auf die politische Agenda setzte und sich ernsthaft darüber besorgte, dass unter den Menschen mit Migrationshintergrund ebendiese weit verbreitet sei. Gräbt man weiter in ihrer politischen Vergangenheit, die in der Hessischen CDU geprägt wurde, findet man Erklärungen: Schröder steht für den Flügel in der CDU, der einmal durch den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch repräsentiert wurde. Sie setzte sich für einen Einbürgerungstest für MigrantInnen ein, wie sie auch die Kampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft verteidigte, die 1999 Roland Koch zu seinem Wahlsieg in Hessen verhalf.

Weil sie mit dieser polarisierenden Politik viele Beißreflexe auslöst, versuchen nicht wenige Menschen, sie so gut sie können zu demontieren. Eine der erfolgreichsten Methoden der politischen Demontage der vergangenen Jahre ist die Analyse wissenschaftlicher Arbeiten der dynamischen Jung-Helden. Natürlich untersuchten ihre Kritiker auch die Doktorarbeit von Kristina Schröder. Hinweise auf Betrug aber gab es keine, deshalb ließ man die Sache auf sich beruhen. Das ist vielleicht der zweite kapitale Fehler, den wir begingen. Nicht nur lässt sich in der Arbeit ganz eindeutig die Handschrift und somit Denkweise Kristina Schröders erkennen, sie ist darüber hinaus stärkster Ausdruck und Gradmesser eines vielfach unbekannten oder zumindest unbeachteten CDU-Duktus’. Wes Geistes Kind ist diese Partei, die in diesem Land in absoluten Zahlen auch nach der letzten Sonntagsfrage die meisten Stimmen auf sich vereint? Welchen Politikstil verfolgen ihre Eliten, mit so großem Erfolg, dass sie uns regieren? Während in den Medien scheinbar nur noch der sogenannte „neue Politikstil“ der Piratenpartei gehyped wird, finden sich die Antworten auf diese Fragen bei Kristina Schröder. Diese Frau ist einer der eindrücklichsten Seismografen für die Frage: Was will die CDU? Was will ihre Basis und wofür stehen die Amts- und Funktionsträger der Partei? Vielleicht ist sie sogar der Schlüssel zum Verständnis der oftmals rätselhaft-verschleierten Politik Angela Merkels. Der Schlüssel zum Verständnis eines scheinbar unerklärlichen politischen Erfolges.

Gerechtigkeit als Gleichheit“?

Die Doktorarbeit wurde 2009 abgegeben – gerade rechtzeitig vor der Ernennung zur Ministerin. Sie erörterte darin ein umstrittenes Dilemma der Politischen Philosophie: Wie viel Gleichheit braucht und verträgt die Gerechtigkeit? Bemerkenswert ist der Einstieg: Sie zitiert den ehemaligen Ministerpräsidenten Mecklenburg-Vorpommerns, Harald Ringsdorf, mit den Worten: „Die Ostdeutschen haben eine große Sehnsucht nach Gleichheit.“ Weiter zitiert sie, dass ebendiese Ostdeutschen nach Ringsdorf deswegen lieber allesamt trocken Brot äßen, anstatt hinzunehmen, dass alle Brot mit Margarine bekämen und einige wenige sich zusätzlich Kaviar drauf schmieren könnten. Ein interessanter Aufhänger, prägend für die Stoßrichtung der Arbeit. Ebenso vielsagend wie die Tatsache, dass die Autorin an keiner Stelle ihrer Arbeit eine Distanzierung zu dieser recht gewagten Unterstellung Ringsdorfs vornimmt.

Was ihr zudem in beachtenswerter Weise gelingt ist eine Profilabgrenzung der CDU gegen alle anderen Parteien (außer der FDP): Die CDU sei eben diejenige Partei, die immer für den Kaviar eintrete und die durch die Bank und auf allen Ebenen nonegalitaristisch geprägt sei. Mit wenigen Worten tut sie die umfangreiche Gerechtigkeitstheorie eines John Rawls ab – nein, so denke man in ihrer Partei einfach nicht, und das sei auch gut so.

Doch es kommt noch besser: Schröder entdeckt ein paar Ungereimtheiten in den Antworten der CDU-Mitglieder: Da kreuzten nahezu alle jene Antworten an, die als Hinweis auf eine nonegalitäre Einstellung gewertet wurden. Manche aber kreuzten zusätzlich noch Antworten an, die ein egalitäres Denken offenbarten. Natürlich findet Schröder umgehend eine Erklärung für diese Ausreißer ihrer schönen, ansonsten beinahe uniformen Statistik: „Die Zustimmung zu egalitären Einstellungen steigt mit einer ostdeutschen Herkunft, einem höheren Alter, einem niedrigeren Einkommen, einer niedrigeren Bildung“ erklärt Schröder lapidar. Und um keinen Zweifel an dieser Tatsache zu lassen, dass linke Flausen wohl mit niederer Klasse und schlechter Bildung zusammenhängen müssen, konstatiert sie: „Hierzu passt, dass die ostdeutschen Abgeordneten, die vermutlich noch oft durch die Auseinandersetzung mit einem sozialistischen System geprägt sind, den nonegalitären Einstellungen stärker zustimmen als ihre westdeutschen Kollegen.“ Denn, so Schröder weiter, nachdem sie erfolgreich das Reizwort „sozialistisch“ in ihrer Arbeit platziert hat: „Die Abgeordneten sind jeweils im Schnitt jünger als die Mitglieder, formal höher gebildet und verfügen über ein höheres Einkommen.

Emanzipation ist der Kaviar

Schröder blickt sicherlich, wenn sie von den jungen, den höher gebildeten und besser verdienenden Abgeordneten spricht, vor allem auf sich selbst. Als sie diese Worte schrieb, war sie bereits sieben Jahre lang Bundestagsabgeordnete. Mit 25 hatte sie den Einzug in das Parlament geschafft. Davor war sie fünf Jahre lang Mitarbeiterin bei einem CDU-Abgeordneten gewesen. Ihre politische Karriere begann sehr früh: Mit 14 Jahren entschied sie sich zum Eintritt in die Junge Union. Auch kommt sie selbst aus einer gut situierten, akademischen Familie. Für Schröder alles Selbstverständlichkeiten. In Kürze erscheint ihr erstes geschlechterpolitisches Buch. Es wird den Titel „Danke, emanzipiert sind wird selber!“ tragen. Schröder ist keine Feministin und überzeugt, dass keine Frau eine sein sollte, das zeigte sie bereits in ihrem ausführlichen Interview mit dem Spiegel 2010. Mit ihrem Buch unterstreicht sie diese Einstellung. Eine Einstellung, die übrigens in der Gesellschaft große Popularität erfährt – gerade auch bei den Piraten. Schröder setzt auf die Eigenleistung der Frauen und denkt offenbar, dass der modernen Frau, so sie denn will, keine Türen mehr verschlossen blieben. Die sogenannte „gläserne Decke“ gibt es bei ihr schlichtweg nicht. Der beste Beweis ist sie schließlich selbst: Sie hat es geschafft – in einer Männerpartei!

Der Logik ihrer Doktorarbeit folgend, ist es auch gar nicht nötig, dass Schröder sich tiefergehende Gedanken um all jene machen müsste, die weniger privilegiert sind, als sie. Die dort skizzierte Gerechtigkeitstheorie impliziert Ungleichheit in allen gesellschaftlichen Sphären. So lange es allen Menschen auf einem Existenzminimum gut geht, sei das okay – die Margarine eben. Sprich: Die Privilegien, die nur wenige genießen können, sind völlig in Ordnung, an denen muss man nicht rütteln. Deswegen muss sich die Ministerin in ihren eigenen Augen wirklich nicht darum kümmern, dass andere Frauen (vor allem je nach sozialer Lage und Bildung) “selber” so emanzipiert sein können, wie sie und ihre Co-Autorin Caroline Waldeck, eine leitende Mitarbeiterin des Familienministeriums. Vielleicht ist den beiden Frauen sogar vollkommen klar, dass es von Einkommen und sozialem Stand abhängt, ob eine Frau – vor allem mit Kind – emanzipiert leben kann. Wie alles, was man sich leisten können muss, gibt es sie halt nur für Wenige – und das ist im Schröderschen Denken vollkommen okay. Emanzipation ist eben der Kaviar.

(Dieser Artikel erschien zuerst im Freitag. Diese Version ist die ungekürzte und ursprüngliche Fassung.)

Zum Nachlesen: Köhler, Kristina: Gerechtigkeit als Gleichheit? : eine empirische Analyse der objektiven und subjektiven Responsivität von Bundestagsabgeordneten, Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss., 2010.

und ab 16.04.: Schröder, Kristina und Waldeck, Caroline: Danke, emanzipiert sind wir selber : Abschied vom Diktat der Rollenbilder, München: Piper, 2012

Treffen und hören: die Kadda auf der re:publica 12

Auch dieses Jahr werde ich mich wieder aktiv auf der re:publica einmischen. Und es ist mir eine besondere Freude, denn dieses Jahr darf ich das tolle Projekt Featurette von Frau Lila vorstellen. Vielleicht erinnern sich einige von euch noch an meinen letzten Vortrag auf der re:publica: Ich sprach über Stereotype, über Sichtbarkeit und Wettkampf – und wie das alles sich auf ein unausgeglichenes Macht- und Einflussverhältnis zwischen den Geschlechtern in der digitalen Gesellschaft auswirkt. Bei Blogger_innen im Gespräch (Link führt zum Video) mit Philipp Banse erklärte ich das alles auch noch einmal in Kurzform.

Das wirklich tolle ist, dass aus all den dort angestoßenen Ideen und Diskussionen wirklich weiterführende Projekte und Lösungsansätze erwachsen sind. So kann ich euch dieses Jahr das von Susanne Klingner, Barbara Streidl und mir (AKA Frau Lila) entworfene Webmagazin Featurette vorstellen, das genau am Problem der mangelnden Sichtbarkeit ansetzt und eine Lösung versucht. Die Featurette wird ein Portal, das gute Webinhalte stärker herausstreicht, indem es sie in einem Webmagazin präsentiert. Im Falle der Featurette sind das Inhalte von Bloggerinnen zu einer großen Themenbreite.

nullEin zweiter wichtiger Schritt ist unser Kontakt und Austausch mit Wikimedia e.V. zur Frage der Gender Gap in der Wikipedia. Auch hierzu wird es auf der re:publica eine Diskussionsrunde geben. Denn Wikimedia e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, den Frauenanteil in der Wikipedia zu verdoppeln (er liegt jetzt bei ca. 9 Prozent). International gibt es viele tolle Ansätze und die Vernetzung nimmt richtig Fahrt an. Diesen Vibe wollen wir auch für Deutschland nutzen und gemeinsam diskutieren, wo genau die Probleme liegen, welche Ideen innerhalb der Community existieren und welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen die Gender Gap hat. Es diskutieren:
Susanne Patzelt (Journalistin)
Andreas Kemper (Autor)
Anja Ebersbach (Präsidium Wikimedia Deutschland)
Dirk Franke (Präsidium Wikimedia Deutschland, Wikipedianer)
Stefanie Senger (Wikipedianerin)

ich habe die Ehre der Moderation.

Beide Veranstaltungen finden am Mittwoch, 02. Mai, statt.

Ich freue mich!

Post aus dem BMFSFJ

Bin ja im Presseverteiler des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Heute kamen drei Pressemeldungen, die ich irgendwie merkwürdig fand – aber doch wiederum sehr cool. Seht selbst:

 

Bundeskonferenz zur Kindertagespflege in Berlin

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat für heute (Montag) rund 360 Vertreterinnen und Vertreter aus Praxis und Wissenschaft zur Bundeskonferenz “Kindertagespflege: Familiennah und gut betreut” eingeladen. Diskutiert werden aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven der Kindertagespflege.

“Kindertagespflege ist eine besonders familiennahe Betreuungsform, die optimale Rahmenbedingungen für eine individuelle Förderung der Kinder bietet”, sagte der Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Josef Hecken, anlässlich der Eröffnung der Konferenz in Berlin. “Tagesmütter und -väter können flexibel auf die Wünsche und Bedürfnisse von Eltern eingehen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Deshalb ist die Kindertagespflege ein wesentlicher Bestandteil des qualitativen und quantitativen Ausbaus der Kindertagesbetreuung.”

Heißt es da in der Mail. Sie geht noch weiter und klingt alles ganz vernünftig. Der Name Kristina Schröder fällt nicht.

Die zweite Mail beginnt so:

Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten in Düsseldorf

400 kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte aus der ganzen Bundesrepublik werden heute (Montag) auf der Bundeskonferenz im Congress Centrum Düsseldorf über das Thema “Frauen und Männer: Gleiche Chancen!?” diskutieren. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend, Dr. Hermann Kues, wird die Konferenz eröffnen.

“Die zeitweise Übernahme von familiären Aufgaben darf nicht zwangsläufig zulasten der beruflichen Karriere gehen”, sagte Dr. Hermann Kues. “Der Schlüssel zu fairen Chancen im Beruf für Frauen und Männer liegt in einer neuen Unternehmenskultur, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit kreativen Lösungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zur Seite steht. Hier setzen wir mit unserer Politik an: Wir fördern familienfreundliche und flexible Arbeitszeiten und regionale Bündnisse für Chancengleichheit, wir unterstützen Eltern mit Elterngeld und berufstätige Angehörige von pflegebedürftigen Menschen mit der
Familienpflegezeit, wir setzen auf eine Flexi-Quote für mehr Frauen in Führungspositionen und helfen Frauen beim Wiedereinstieg in den Beruf.”

Sie geht noch weiter. Man mag nicht allem zustimmen. Der Name Kristina Schröder fällt jedenfalls nicht.

Dritte Mail geht so:

Acht Leitsätze für familienbewusste Arbeitszeiten

Staatssekretär Josef Hecken und DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann eröffnen Unternehmenstag “Erfolgsfaktor Familie 2012″

Das Bundesfamilienministerium und die Wirtschaft haben gemeinsam Leitsätze für eine flexible und familienbewusste Arbeitszeitkultur in deutschen Unternehmen erarbeitet. Dafür werben auf dem Unternehmenstag “Erfolgsfaktor Familie 2012″ im Haus der deutschen Wirtschaft in Berlin der Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Josef Hecken gemeinsam mit dem Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Hans Heinrich Driftmann. Die Veranstaltung knüpft an die im vergangenen Jahr verabschiedete “Charta für familienbewusste Arbeitszeiten” an, in der sich Politik und Wirtschaft auf ein gemeinsames Engagement für innovative und moderne Arbeitszeitmodelle verpflichtet haben.

“Wir brauchen in Deutschland ein neues Verständnis von flexibler Arbeitszeitgestaltung, damit Mütter und Väter Leistung im Beruf und Verantwortung in der Familie besser vereinbaren können”, fordert Staatssekretär Josef Hecken. “Flexibilität heißt auch: flexibel auf die familiären Bedürfnisse der
Beschäftigten einzugehen. Produktivität bedeutet heute mehr als Präsenz - wir wollen eine Kultur, die Ergebnisse in den Mittelpunkt stellt. Politik und Wirtschaft müssen gemeinsam Lösungen für eine familienbewusstere Arbeitszeitgestaltung finden. Daran arbeiten wir mit unseren Partnern.”

Die Mail geht noch weiter. Alles klingt ganz vernünftig. Der Name Kristina Schröder fällt nicht.

Konflikt: FoxyProxy, Stealthy und Google-Suche

Kurzer Bericht:

Seit heute nutze ich das Firefox-Addon “Stealthy”. Es ermöglicht recht viele Freiheiten, die man sonst nicht hat – informiert euch auf der Addon-Seite einfach selbst, falls ihr es noch nicht kennt. Interessant fand ich folgende Probleme, das eine weniger verwunderlich, das andere schon eher creepy.

“Stealthy” funktionierte bei mir scheinbar erst einmal nicht, trotz Aktivierung und Neustarts von Firefox. Zum Glück kam ich Recht schnell auf die Idee, dass es mit der gleichzeitigen Installation und Nutzung von “FoxyProxy” zusammenhing. Das Deaktivieren von “FoxyProxy” ermöglichste sodann auch die Nutzung von “Stealthy”.

Google nicht mehr benutzbar

Was mich mehr überraschte war folgende Fehlermeldung von Google, als ich seine Suchmaschine nutzen wollte:

Da es meine erste Nutzung des Addons war, hatte ich ein bisschen an den Einstellungen herumgespielt (man schaut ja, was so geht) und probierte auch “Einen US-Proxy verwenden, um exklusive amerikanische Inhalte freizuschalten.” Daran lag wohl auch die Verweigerung googles, mich suchen zu lassen.

Natürlich ist die Sache genauso schnell gelöst gewesen, wie auch die Inkompatibilität von “FoxyProxy” und “Stealthy”: Das eine wieder aktiviert, das andere wieder deaktiviert. Aber merke: Das alleinige Deaktivieren von “Stealthy” genügt nicht. Google “weiß” trotzdem, dass du böse warst und verweigert dir den Zugang zu seiner Suchmaschine. “FoxyProxy” braucht es nach so einem Benehmen dann schon.

Hallo, schöne neue Web-Welt.

Kaviar-Schnittchen für Kristina Schröder

Einkaufen:

Anrichten (mit Hilfe des Buches: “Die perfekte Gastgeberin” gelang es mir, dass es sogar recht ansehnlich aussah):

Anbieten:

credits für die tolle @Autofocus, die das letzte Bild schoss :)

Tiefste Besorgnis über die Zukunft…

… des althergebrachten Berufs des Hasenbrüters.

Ein Rückblick mit Anti-Flausch-Komponente

This entry is part 5 of 5 in the series Linkschleuder

Noch schnell vor Ostern und vor dem Umzugsstress eine kleine Linkschleuder, damit das einfach mal erwähnt ist, was in meinem Instapaper geduldig wartend herumliegt:

Giving Women the Access Code
>> Sehr guter Artikel über die verschiedenen Probleme im Bereich Frauen und Informatik. Mit dem tollen Schlusssatz einer, die es durchgezogen hat:

“If you’re constantly pushing yourself, and putting yourself in new environments, you’ll feel it over and over again,” she said. “So the only really important thing is not to let it stop you.”

es östert sehr. Bild (CC BY-NC-SA 2.0) von 30003019 via Flickr: http://www.flickr.com/photos/30003019/425477231/

Changing our culture of consumption
>> Oh ja – spannend, spannend! Wie färben sich Klasse und Kultur eigentlich auf unsere Einstellung zur Umwelt ab? In Salon spricht die Autorin von “True Wealth” darüber, wie sich Konsum und Umweltschutz gegenseitig bedingen. Wie man am Konsum ansetzen muss, wenn man die Umwelt schützen will. Lang aber lesenswert.

Überlegungen zur repräsentativen Demokratie
>> Auch Antje Schrupp denkt über die repräsentative Demokratie nach und ist zuerst kurz überrascht, dass es doch auch ganz passabel damit läuft – auch wenn diese positive Überraschung nicht länger als einen Blogpost halten mag.

Presse und Freiheit
>> Julia Schramm ist Piratin. Und manchmal auch schnell auf 180. So wie viele PiratInnen. Impulskontrolle ist nicht immer deren beste Disziplin – aber das macht nichts. Das ist unterhaltsam. Nun schlägt Julia oftmals auch sehr nachdenkliche und politisch sinnierende Töne an. Besonders gut gefallen hat mir ihre Reflexion über die Presse, die bösen Schlagzeilen und wie damit umzugehen sei.

“Nur weil ich schwarz bin”
>> Kübra Gümüsay denkt in ihrem fremdwörterbuch ein wenig über die problematischen Implikationen nach, die eine häufige und manchmal unpassende Verwendung dieses Satzes haben kann. Sie denkt sich dabei zurück in ihre eigene Kindheit und holt die damals gemachten Erfahrungen hervor, um aktuelle Diskussionen zu reflektieren. Besonders schön fand ich die Aussage: “Doch wir sagten diesen Satz so oft, gebrauchten ihn so inflationär, dass er seine Wirkung verlor.”

Friedensnobelpreisträgerin verteidigt Homo-Verbot
>> die liberianische Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf hat in einem Interview das Verbot von Homosexualität in ihrem Land verteidigt. 2011 hatte sie für ihren Einsatz gegen die Vergewaltigung von Frauen den Friedensnobelpreis erhalten. queer.de berichtet.

Der erfundene Horror der chinesischen iPad-Fabriken
>> lest es bitte als eine Gegendarstellung einer früheren Meldung einer meiner Linkschleudern – und dankt der FAZ für eine Klärung. Und ich denke mal über das nach, was man einfach so glaubt, glauben muss, schlucken muss und wieviel davon vermutlich einfach nicht stimmt.
(via mh120480)

Chaos der Kulturen
>> So heißt das neue Buch von Necla Kelek, auf das ich mich sehr freue. Ich mag Necla Kelek eigentlich ziemlich gerne, teile ihre Art, an die Dinge heranzugehen bislang beinahe eins zu eins. Der Freitag hat sich hier sehr viel Mühe gemacht und liefert flankierende Artikel und Videos.

„Es gibt eine Menge afrikanischer Blogger, wir hören ihnen nur nicht zu“
>> sagt Ethan Zuckerman und als derjenige, der bereits umsetzt, was ich neulich als “neue” Idee hatte liefert er einen sehr interessanten Einblick und neuen Standpunkt zu Fragen wie: Was ist eigentlich “Qualitätsjournalismus”? Warum verpasse ich so viel in meiner Filterbubble – und ist das schlimm? Wie überbrücken wir in der Zukunft die Sprachbarrieren, damit das Internet sein Kommunikations- und Informationspotential besser entfaltet. Großes *hach* – und lesen – husch!

Weniger Arbeit für alle!
>> und mit dieser Forderung sprechen die fuckermothers wohl nicht nur mir aus der Seele.

Amerikas unmoralischer Dronen-Krieg in Pakistan
>> ist Thema dieses Salon-Artikels. Eine Debatte, die uns ab jetzt wohl häufiger über den Weg laufen wird. Dronen sind die logische Konsequenz einer “postheroischen Gesellschaft”, sagt Herfried Münkler. Was aber bedeutet das für die Kriege, in denen sie eingesetzt werden? Für die Menschen, die angegriffen werden? Für die Bilder, die um die Welt gehen… 1.000 Fragen.

Feminismus für Fortgeschrittene
>> titelt die Zeit und betrachtet unter diesem Titel die britische Autorin Caitlin Moran und ihr Buch “How to be a woman”. Es ist unter sehr vielen verschiedenen Aspekten gesehen ein sehr interessanter Mensch, der hier schreibt. Aber lest selbst.

Die Entzauberung des Kuschelhormons Oxytocin
>> Solche Artikel mag ich aus Prinzip: Etwas, das Jahrzehntelang als völlig klar galt und fast schon jedem Schulkind bekannt war wird einfach dekonstruiert, weil man quasi das Gegenteil herausgefunden hat. Ja: Oxytocin macht uns irgendwie “flauschiger” – hach FLAUSCH – aber je flauschiger wir sind, so die Ergebnisse, desto ausgrenzender werden wir. Desto intoleranter gegen das den Flausch störende. Das ist auf so vielen Ebenen spannend! Danke, du Forschung du – du bist eben doch besser, als dein Ruf!

“God gave us the right to own guns”

Warum heißt dein Blog so komisch und wie spricht man das eigentlich aus?

Diese Frage stellt irgendwie keineR. Und doch merke ich, wie sie in der Luft liegt. Mein erstes, bei WordPress gehostetes Blog hieß auch schon so. Dort erklärte ich auch bereits, wie es kam. Es war die Fehlaneignung einer Anrufung an Daniel Erk.

“Part of the Problem in this world are because of the LEFTIST ELITE!”

hieß es da.

Simone de Beauvoir, Sartre und Che Guevara - Linke Elite. Oder so...

Es lief mir seitdem immer mal wieder dieser Ausdruck über den Weg. Er beschreibt ganz gut, was – ich sag mal – konservative AmerikanerInnen so für Begriffe benutzen, wenn sie mal wieder die Welt bedroht sehen. Verschwörungstheorien sind ja in allen politischen Lagern en Vogue. Die schönsten Zitate:

When will the Leftist Elite learn that God gave us the right to own guns and take them where ever we want with unfettered freedom? Surely this treasonous act will anger God and Jesus and their wrath will smite the evil Leftist elite once and for all! It’s time that we had another boycott!

(Quelle: http://www.mombu.com/culture/afghanistan/t-leftist-elite-revokes-tom-delays-god-given-right-to-bear-arms-3067950.html)

Ja und was die so alles schlimmes getan haben…! Ganz furchtbar:

A classic example of Leftist elitism was pre-Thatcher Britain in the 60s. The British Labour party had nationalized practically all the hospitals leaving only a very small and expensive private sector.

(Quelle: http://jonjayray.tripod.com/elitism.html)

außerdem haben sie aufs Übelste die Denkweise in diesen westlichen Gesellschaften infiltriert! Überall so irre Ideen wie Offene Grenzen, Multikulturalismus und Säkularismus!1!!11!!

The Leftist Elite that captured the youth culture of the 1960’s set us on a course for national oblivion: radical multiculturalism, open borders, the welfare state, affirmative action, an obsession with “diversity,” the embrace of sexual depravity, abortion, the destruction of the family, and a radical secularist ideology that has declared war on Christianity, and the Christian values that underpin the Constitution.

(Quelle: http://www.centerforintelligencestudies.org/From_the_Chairman.html)

Nun ja. Und dann sind es eben diese komischen Querköpfe, die zu Sozialforen fahren und so Sprüche wie “Another World is Possible!” auch tatsächlich glauben. :) Leute, die 2006 sogar eine eigene Studie wert waren.

Abschließend darf Charles Krauthammer (klick! – lustiger Typ, der) nicht unerwähnt bleiben, dem dieses Zitat zugeschrieben wird:

“The Well Educated, Eminently Qualified Leftist Elite Are Trying To Control Us By Confusing Us With Science And Other Things We Have No Hope Of Ever Understanding”

Es könnte aber auch von “Eminent Conservative Scholar” Limbaugh
sein, der desweiteren so kluge Dinge sagte wie:

“Being educated is part of Obama’s Communist Gay Feminazi agenda.”

(Quelle: http://www.knowledge-database.org/post/2393248511_2363__%22The%20Well%20Educated,%0A%09Eminently.html)

Ja – und wie spricht man das nun aus? Man spricht diesen englischen Begriff etwas anders aus, als viele meinen. “Elite” wird dabei eɪˈliːt gesprochen.