Endlich kommt die Featurette!

Frau Lila wird Herausgeberin. Wir planen ein Magazin, genauer ein Web-Magazin, die Featurette. Darin sollen die besten Texte der besten Bloggerinnen erscheinen, immer aktuell, zu allen Themen, die Frauen interessieren: Politik, Do-it-yourself, Technik, Liebe, Wirtschaft, Mode, Recht, Philosophie, Kinder, Internet, Alltag – und viele mehr.

Die Featurette will Webinhalte von Frauen stärker sichtbar machen. Noch immer ist das Internet vor allem männlich dominiert, sind die bekanntesten Blogger Männer. Das wollen wir ändern und all die klugen, interessanten Texte von Frauen im Netz gemeinsam als Magazin präsentieren.

Die Idee für die Seite ist da, das Design steht, fehlt nur noch die Programmierung. Die kostet etwas Geld – das uns leider fehlt. Deswegen bitten wir um Spenden, auch allerkleinste, die hier getätigt werden können:http://www.betterplace.org/de/projects/8948-featurette

Alternativ können wir auch geflattrt werden. Wir freuen uns über jede Unterstützung (der Flattr-Button führt euch direkt zu Frau Lilas Flattr-Account):

Flattr this

Und wer gerne einfach überweisen möchte:

Unsere Bankverbindung lautet:
GLS Gemeinschaftsbank
Kontoinhaberin: Katrin Rönicke
BLZ 430 609 67
KTO 1122 318 900

IBAN: DE35430609671132318900
Swift/BIC: GENODEM1GLS

Leselinks der letzten Woche

This entry is part 2 of 2 in the series Linkschleuder

Im Instapaper rumgekramt, habe ich dieses Mal folgende Links zum Schleudern parat:

Amerikanische Serien als anspruchsvoller Stresstest?
>> Serien seien die neue Herausforderung in Sachen Geduld, Konzentration und Glaube an das Gesamtwerkt – meint die FAZ. Nach zwei Staffeln Dead like me kann ich nur zustimmen. (Link via mh)

Dossier “Copyright” auf Freitag.de
>> Es ist wohl nicht erst seit des aufsehenerregenden Artikels eines gewissen Hevelings bekannt, dass die Sache mit dem Urheberrecht einer der zentralen Kämpfe zwischen den BeschützerInnen des Freien Wissens und den BewahrerInnen des Wohlstands der Wenigen sein wird… der Freitag trägt dieser Brisanz mit einem eigenen, ständig fortgeführten Dossier Rechnung (kleine Bitte am Rande: Es wäre hilfreich, wenn man Dossiers abonnieren könnte)

In China, Human Costs Are Built Into an iPad
>> oder anders ausgedrückt: An unseren mobilen Devices klebt Blut. Natürlich nicht nur daran: Die meisten unserer Alltagsprodukte werden unter unmenschlichen Bedingungen produziert. Trotzdem: ““You can either manufacture in comfortable, worker-friendly factories, or you can reinvent the product every year, and make it better and faster and cheaper, which requires factories that seem harsh by American standards,” said a current Apple executive.” – klingt hart. Ist aber Realität. Lesen – und vielleicht das näxte Mal nachdenken, ob es wirklich jedes Jahr der neueste Scheiß sein muss…

Read Between The Lines! – Media Education, Freedom of Expression and Youth Participation. CDN Seminar 2012
>> Das ist der Titel eines Seminars, dessen Ziel bereits im Titel zusammengefasst ist: Es geht um freie Meinungsäußerung, Medien-Bildung und Jugend-Partizipation. Das Seminar ist für junge Leute unter 35 Jahre und findet in der Türkei statt. Interesse – dann hinne.

Warum geht der Mensch aufs Eis?
>> Fragt Jörg Friedrich auf freitag.de und vermutet: Dahinter steckt die Sehnsucht nach einem Quäntchen Unvernunft. Könnte gut sein: Mutproben, so denke ich ja, stärken unser Selbstbewusstsein.

She called me a “manwhore”!
>> Kennt ihr Tracy Clark-Flory? nein? Großartige Autorin bei Salon.com. Hier ihre Antwort auf die eines Mannes, wie damit umzugehen sein, nunja, “manwhore” genannt worden zu sein.

Das hier ist für die Philines unter euch: Unsere Romanhelden – Philine
>> die FAZ hat eine Serie, die heißt “unsere Romanhelden”. hier geht es um Philine aus “Wilhelm Meisters Lehrjahren”. Dazu ein Zitat: “Und dann gibt es die Figuren, die man liebt, weil es sie nie und nimmer geben kann, weil sie im Roman aber so erscheinen, als seien solche gelungenen, vollständigen, schönen, klugen, liebevollen Menschen ohne Arg und Falsch eben doch möglich, als könne man ihnen eben doch eines Tages begegnen, weil man ihnen im Roman gerade so glaubwürdig begegnet ist.” – und genau das sei Philine.

Buch: Political Responsibility for a Globalised World – von Ernst Wolff
>> Falls ihr mir mal ein Buch schenken wollt. Denn diese Frage wälze ich ehrlich gesagt auch ständig: Wie soll das gehen mit der politischen Verantwortung? In so einer komplexen Welt? “The aim of this book is to reflect on the complex practice of responsibility within the context of a globalised world and contemporary means of action.”

ADHD Affects over 15 Million Chinese Children
>> wir haben in der vergangenen Woche viel über ADHS gelesen und diskutiert, und über Burnout. Dabei erzählte ich eine Anekdote meines EWi-Professors, der viel in China lebte, der einmal erklärte, so etwas wie Burnout gäbe es China einfach gar nicht. ADHS aber wohl schon.

Erster Teil der Reihe Erzählte Alltagsdramen: Meine Facebookfamilie und ich
>> Den ideefix vom Freitag habe ich euch schon vorgestellt. Seine Beschreibungen, wie das als Facebook-Abstinenzler mit einer Facebookfamilie und einem dort zur Legende gewordenen Hund so ist, dürft ihr euch nicht entgehen lassen ^^

Hartz IV-Möbel – ein interaktives DIY-Buchprojekt braucht eure Unterstützung
>> “Ein Do It Yourself-Handbuch von Le Van Bo und seiner Community. Mit dabei alle Bauanleitungen der Hartz IV Möbel. Perfekt für Laien! Außerdem: Mit Einrichtungstipps für kleine Wohnungen, Portraits von Menschen aus der DIY-Community. Besonderheit: Via Facebook kann jeder (d.h. die Crowd) den Inhalt des Buches mitbestimmen.”

Darf man “Fotze” sagen?

This entry is part 20 of 20 in the series Freitagsgedanken

In der feministischen und antirassistischen Debatte spielen Worte eine wichtige Rolle. Doch wann werden sie beleidigend? Und wie viel Zensur verträgt ein freier Diskurs?

Dieser Artikel erschien zuerst als Kolumne auf freitag.de – dort gab es eine sehr ausführliche Debatte

In Hass sprich – zur Politik des Performativen setzt sich Judith Butler intensiv mit dem Verletzungspotential von Sprache auseinander. Sie dreht und wendet die Frage, wie Herrschaftsverhältnisse durch Sprechakte immer wieder hergestellt und somit verstetigt werden. Butler ist vielen vor allem als Vertreterin der Queer Theory bekannt – mit ihrem Werk Das Unbehagen der Geschlechter wendete sich die Philosophin gegen eine binäre Codierung der Geschlechter und damit gegen das Bollwerk der sogenannten „Modernen Wissenschaften“: Die Naturalisierung von (Macht-)Unterschieden qua Geschlecht.

Hate Speech in den USA

Butler thematisiert die Verletzung qua Sprechakt; untersucht, wann ein Sprechakt eine Handlung ist; geht der Frage nach, wohin es führt, wenn staatliche Eingriffe Sprache verbieten ... ein sehr interessantes Werk: Hass Spricht Foto: Bob With aka D.C. Atty via Flickr.com

Bis heute werden WissenschaftlerInnen weltweit nicht müde, die „Beweise“ für die Differenzen zwischen Männern und Frauen zu liefern – zentraler Angelpunkt sind dabei meistens die Hormone. (In einer recht anschaulichen amerikanischen Studie fanden ForscherInnen derweil heraus, dass je nach Grad des Glaubens an Stereotype sich auch die tatsächliche Ausprägung und Wirkung von Sexualhormonen verändere ; an anderer Stellebesprach ich derweil schon die Differenzen der hierzulande breit rezipierten Vertreterinnen einer Hormon-gesteuerten Theorie der großen Unterschiede zwischen den Geschlechtern und wie sich die ganze Sache aus der Perspektive der Neurowissenschaften darstellt).
Weiterlesen

“Erstmal das Einander-Respektieren und Zuhören”

This entry is part 10 of 10 in the series Der kluge Kommentar

Zu meiner vorletzten Kolumne mit dem Titel “Zusammenerziehend!” gab es eine sehr schöne, lange und auch produktive Debatte – wie ich finde. Besonders engagiert diskutierte Ideefix, der sogar eine längere Antwort in Form eines Blogtextes formulierte (leider nicht mehr verfügbar). Ideefix hat entlang der geschlechterstereotypen Rollenaufteilung bei der Kinderziehung die Erfahrung gemacht, wie diese sich mindestens ebenso negativ auf seine Ausgestaltung einer aktiven Vater-Rolle auswirkte, wie ich sie allzu oft bei den Müttern erlebe. Er berichtet somit von der zweiten – nur seltener thematisierten – Seite der selben Medaille. Ich finde diese Sichtweise in der momentanen Debatte um Väterkultur – wie sie in einem klassischen Negativbeispiel derzeit bei der SZ nachzulesen ist – so wichtig, dass ich euch hier Auszüge aus seinen Kommentaren anbieten möchte. Mehr davon gibt es dann wie gesagt unterhalb meiner Kolumne. Und hoffentlich irgendwann auch andernorts wieder.

[...]

Meine Konsequenz daraus war übrigens, die Hauptverantwortung in der Erziehung zu übernehmen, aber nicht nur als häuslich präsenterer Elternteil, sondern als Realvater – auch für unseren Jüngsten (andere Mutter).
Glauben Sie meine Ex hat sich ab dem Moment auch nur eine Sekunde auf Zusammenerziehung eingelassen? Nene. Sie wollte weiter die Leitlinien machen, in Vorgaben gehen und die Ziele bestimmen – da sie als Frau meinte sie habe Anrecht auf die Anerkennung eines ihr durch die Mutterschaft zukommenden Definitions – und Deutungshoheitsanspruchs, der einem Führungsanspruch in Fragen der Erziehung gleichkommt.

Damit hängt zusammen, dass es auch eine nicht unbeträchtliche Beschämung darstellen kann, wenn eine Mutter in Fragen der Aufzucht und Erziehung nicht die gewohnte Hauptrolle spielt und sich die Aberkennung des o.g. mütterlichen Anspruchs dann z.B. in Denunziationen des Vaters auslebt.

Zusammenerziehung wäre eine schöne Vision, leider bricht sie sich zu oft an inkorporierten und internalisierten Übermütterlichkeiten, welche mir synonym zu weiblichen Hamsterrädern erscheinen.

und: Weiterlesen

Schule macht dumm

Gut: Diese Überschrift ist vielleicht ein kleines bisschen übertrieben. Aber wie in folgendem schönen Video gezeigt wird, kann Schule vieles kaputt machen.

Schauen wir nun also in diesem RSA Animate Video (how f**king great is this method?!), wie Sir Ken Robinson innerhalb von gut zehn Minuten alle Bedenken in Bezug auf Bildungsstandardisierung, die ich teile, auf den Tisch bringt.

In meiner Bachelorarbeit untersuchte ich den Sinn und Unsinn von zunehmender Standardisierung der Bildung und ich blieb bis zum Schluss skeptisch: Auch wenn die Ziele hinter Bildungsstandards nobel sein mögen – entsprechen sie doch vielmehr der Ökonomisierung aller Lebensbereiche, als der Entwicklung eines Menschen, als dem Potential eines jeden Kindes. So schrieb ich abschließend:

Bildung umfasst die Wechselwirkung zwischen einem Individuum mit seiner (Um-)Welt und den sich daraus ergebenden Veränderungen im kognitiven, aber auch emotionalen geistigen Zustand der Menschen. In diesem Sinne ist sie nicht standardisierbar.

Es ist schon ein kleines bisschen frustrierend, dass die Arbeit von einem kompletten Monat, eingesperrt in eine Bibliothek, so anschaulich in zehn Minuten zusammengefasst werden kann. Ach quark: Es ist total toll! Dieser Mann hat absolut recht – und dank dieser wunderbaren Animation spricht er alle Sinne an. Chapeau.

Lesens- und Bedenkenswertes – 5./6. KW

This entry is part 1 of 2 in the series Linkschleuder

Eine neue Rubrik? – Eine neue Rubrik!

Im Grunde nur eine kleine Linkschleuder. Leute, die wie ich kein twitter nutzen (oder Facebook), denen bleibt ja nur ihr Blog, um anderen mitzuteilen, was sie lesen. Dank Instapaper keine schwierige Aufgabe. Los geht’s:

The Female Orgasm Explained
>> Dieser Link wird euch zu einem Film führen, dessen Inhalt ihr sicher erraten könnt.

Kleben Sie sich diese Kolumne auf den Arsch!
>> Endlich ein Mittel gegen Cellulite! Wirklich!

Was heißt es überhaupt, Akteure ernst zu nehmen?
>> Ein Artikel in der FR beschäftigt sich mit Luc Boltanski. Ich mich auch. Boltanski ist ziemlich mein Ding :)

1,3 Milliarden können nicht irren – Zeitungen in China
>> Philipp Mattheis, ein alter Bekannter von mir, hat ein Blog. Und wohnt jetzt in China. Wie ich las. Wirklich interessant – vor allem dieser Text über die Chinesische (Selbst-)Zensur.

Streetart Utopia
Street Art Utopia
>> Wirklich: Das ist Utopia. Wunderschöne Bilder. Hach.

Kobold und Elfe – Wie der kleine Unterschied groß geredet wird
>> so lautet der Titel eines Artikels über Gender-Stereotype von Luzieh.Fair – eine Zeitgenossin in der Freitags-Community, die ich sehr schätze.

Liebe FDP und andere Kirchengründer!
>> Hach – Mely Kiyak, eine Anhängerin des FSM, sucht nach den Unterschieden zwischen Parteien und Religionen. Köstlich.

Ist Chinas Aufstieg zur global dominanten Macht unaufhaltsam?
>> Der Chef (Herfried Münkler) hat ein Buch gelesen und bespricht es in der FAZ. Klingt nicht unspannend.

My Ex went to prison for sex crimes
>> Harter Tobak: Bericht einer Frau, deren Ex-Mann pädophil ist und wegen Sex mit einem Teenager ins Gefängnis ging.

Stereotype, Hormone und die sogenannten “Beweise” – alles Evolution?

Ganz schön geschickt, von diesem Christian. In seiner Anrufung an “die” Piratenpartei, einem strangen Artikel, hat er so viele Ping-Back-Verlinkungen platziert, dass alle Verlinkten sich über seinen Artikel hermachen und auch noch kommentieren. Seine Botschaft hat er damit gekonnt unter die Leute gebracht: Hütet euch vor dem Feminismus – ihr Piraten!

Nein: Man muss sich diesen Artikel nicht wirklich durchlesen. Ich fasse einfach kurz zusammen:
Piraten sind eine junge Partei, die noch ihren Weg sucht – und einen Kegelclub hat. Also fühlt er sich genötigt, zu intervenieren und gebetsartig Sätze wie “Ihr seid sachlich denke (sic!) Personen” oder ” Ihr denkt in Fakten, nicht in Beliebigkeiten” – er appelliert an die Ratio der “Nerds” um zu schließen mit: “Wer gegen die Auswirkungen verschiedener Spielarten des Feminismus ist, insbesondere den Genderfeminismus, der ist nicht frauenfeindlich.”

Nein nein! Nehmt euch jetzt nicht die Zeit, das zu lesen. Das ist es auch wiederum nicht wert (ich lese den Christian eigentlich recht oft, ich geb euch dann einfach Bescheid, wenn mal was Wichtiges, oder gar Gewinnbringendes drin steht). Lest doch lieber einmal diese Zusammenfassung einer sehr spannenden Studie, die so ein bisschen einmal alles auseinander nimmt und ad absurdum führt, was Leute wie Christian als einzig “wahre” Erklärung für alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern akzeptieren. Oder sagen wir: Als zentrale Erklärung für alles Mögliche – was wiederum eine Erklärung dafür ist, dass Testosteron (ich liebe btw Testosteron! ich glaube, ich habe davon auch sehr viel – harr harr) und die Lust eine sehr große Rolle in den Artikeln in seinem Blog spielen.

Biological and social factors have been shown to affect cognitive sex differences. For example, several studies have found that sex hormones have activating effects on sex-sensitive tasks. On the other hand, it has been shown that gender stereotypes can influence the cognitive performance of (gender-) stereotyped individuals. However, few studies have investigated the combined effects of both factors. The present study investigated the interaction between sex hormones and gender stereotypes within a psychobiosocial approach. One hundred and fourteen participants (59 women) performed a battery of sex-sensitive cognitive tasks, including mental rotation, verbal fluency, and perceptual speed. Saliva samples were taken immediately after cognitive testing. Levels of testosterone (T) were analysed using chemiluminescence immunoassay (LIA). To activate gender stereotypes, a questionnaire was applied to the experimental group that referred to the cognitive tasks used. The control group received an identical questionnaire but with a gender-neutral content. As expected, significant sex differences favouring males and females appeared for mental rotation and verbal fluency tasks, respectively. The results revealed no sex difference in perceptual speed. The male superiority in the Revised Vandenberg and Kuse Mental Rotations Tests (MRT-3D) was mainly driven by the stereotype-active group. No significant sex difference in MRT-3D appeared in the control group. The MRT-3D was also the task in which a strong gender-stereotype favouring males was present for both males and females. Interestingly, T levels of the stereotype-activated group were 60% higher than that of male controls. The results suggest that sex hormones mediate the effects of gender stereotypes on specific cognitive abilities.

Das ist die Zusammenfassung einer Studie mit dem Titel “Interactive effects of sex hormones and gender stereotypes on cognitive sex differences—A psychobiosocial approach”, die zu dem Ergebnis kommt, dass die tatsächliche Auswirkung sogenannter “Hormone” auf unser Verhalten, die tatsächlich messbaren Unterschiede, davon abhängen, wie stark wir selbst Gender-Stereotype gefressen haben – oder eben nicht. Ich habe die Studie vor einem Jahr komplett gefressen, da sie ein Bestandteil meiner Vorbereitungen zum Vortrag “Stereotype, Sichtbarkeit und Wettkampf – Diversity in der Digitalen Gesellschaft” war. Deswegen habe ich sie auch schon vor vielen Monaten auf Nachfrage an Christian getwittert – eine Antwort bekam ich allerdings nie. Naja – das Blöde ist wohl einfach auch, dass die Basis seines gesamten Blogs, das recht ausführlich und regelmäßig geschrieben wird, mit einem Ernstnehmen solcher Ergebnisse wegfallen würde. Kartenhaus und so. Aber vielleicht ist bei dieser jungen Partei, die doch so wissenschaftlich sein und denken soll, die sich kein X für ein U vormachen lässt, jemand ambitioniert, das Ding zu lesen. Ich lasse der-/demjenigen dann gerne eine Privatkopie davon zukommen.

Gute Nacht!

PS: Ja – es sieht anders aus hier. Ich brauchte einen Tapetenwechsel. Ich hoffe sehr, dass es gefällt.

Ich hab’s getan!

20120206-193122.jpg

Hier ist das Beweisfoto. (danke an mh – und zwar nicht nur dafür, aber dazu gleich mehr).

Im vergangenen April überkam mich die Lust, das Pfeiferauchen zu probieren (ich kündigte es großspurig an). Die liebe engl war mir sofort eine sehr gute Ratgeberin, und beim #nfbb im Dezember schenkte sie mir als Ansporn, das Vorhaben nach acht Monaten nicht einfach aus den Augen zu verlieren, eine Dose lecker riechenden Vanille-Tabak. Ein Anfang.

Doch angesichts knappper Kassenlage hätte ich sicherlich das Pfeifekaufen noch sehr lange vor mir her prokrastiniert, wäre da nicht der liebe mh (da isser wieder). Er sah in Hamburg in einem Schaufenster sogenannte “B-Ware”-Pfeifen und da er beim #nfbb dabei gewesen war, nahm er sich ein Herz und kaufte eine davon. Außer ein paar äußerlichen Schrammen ist an ihr gar nichts “B” – die inneren Werte sind topp!

Am Samstag dann, auf acids B-Cause-Party, stand die Premiere an. Noch vor Ort googlete mh eine Anleitung zum Pfeifestopfen mit seinem Smartphone und er war es auch, der diese Aufgabe folglich übernahm. Dann ging es los.

Natürlich hatte ich längst alle guten Ratschläge von engl wieder vergessen, doch das wichtiste wusste ich noch: aufpassen, dass sie nicht ständig ausgeht und bloß nicht inhalieren. Aus ging sie trotzdem ein bisschen häufiger, als mir lieb war. Aber grün wurde ich nicht. Es machte mir Spaß – und es roch wie früher bei meinem Vater.

Das war nicht das letzte Mal. Und als nun seit vier Wochen Nichtraucherin ein Ritual für solche alkoholgetränkten und andere schöne Anlässe zu haben, ist ganz schön toll.

Kolumne: Zusammenerziehend!

This entry is part 19 of 20 in the series Freitagsgedanken

Warum denken bei dem Wort “alleinerziehend” alle nur an Frauen? Ich plädiere für ein weitergefasstes Verständnis von Erziehung – gerade bei Trennungen.

Wenn eine Frau, die zusammen mit einem Mann ein oder mehrere Kinder hat, sich von diesem Mann trennt oder gar nie fest mit ihm zusammen war, dann nennt man sie “alleinerziehend” – egal, wer die Kinder erzieht. Zwar ist es in der deutschen Muttermythos-Gesellschaft nach wie vor typisch, dass eine Mutter in dieser Situation mehr oder weniger (mutterseelen-)allein erzieht. Trotzdem ist es gleichzeitig symptomatisch, wenn es für andere Konzepte gar kein Wort gibt. Wenn also zwei oder mehrere Menschen an der Erziehung von Kindern teilhaben, ohne eine Paarbeziehung zwischen sich, wie nennt man das dann eigentlich? Da reden viele von “Patchwork” – aber niemand bezeichnet sich selbst als “patchworkend”. Oder wenn Kinder zwischen zwei Orten “pendeln”, zwei Zuhause haben – von denen keines mehr oder weniger wichtig für sie ist? All diese Lebenskonzepte werden unter “alleinerziehend” subsummiert. Das Wort “zusammenerziehend” ergibt keine relevanten Suchmaschinen-Treffer. Geschweige denn, dass es für dieses Wort eine statistische Kategorie gäbe!

Unheilvolle Assoziationskette

Das Interessante ist, was nun passiert, wenn eine Frau sich “alleinerziehend” nennt oder von anderen so genannt wird – was sich dann für eine Assoziationskette in den Köpfen abgespielt! Da ist das vaterlose Kind, das größere Armutsrisiko, die Vielfachbelastung und das alles generiert Mitleid, Bedauern und letztendlich: Schwäche. Diese Frau hat es schwer. Alleinerziehende Väter sind rar, werden aber mehr. Nur: Sie stellt man sich bei der statistischen Zusammenfassung “Alleinerziehende in Deutschland” gar nicht erst vor. Sie fallen einfach raus. Wenn sie an der Erziehung der Kinder genauso teil haben, wie deren Mütter, dann steht man ihnen zwar bewundernd, aber ohne Begriffe für das, was sie da leisten, gegenüber.

Das Fehlen eines Wortes, so behaupte ich, konstruiert hier eine ganz ungute Dynamik: Es macht Frauen nicht nur Angst, sich in diesen mit lauter negativen Attributen belegten “Zustand” zu begeben (und damit in ein Armutsrisiko und eine ganz allgemeine Opferrolle) – womit die Vater-Mutter-Kind-Familieals normatives Deutungsmuster wieder einmal gestärkt wäre. Es reproduziert gleichzeitig viele Rollen-Stereotype rund am den ganzen Themenkomplex “Familie”. Trotz aller progressiven Diskussion rund um den Begriff “Familie”, der sich in den vergangenen Jahrzehnten vielerorts entwickeln konnte, werden wir auf diese Weise von hinten durch die Brust ins Auge getroffen: Als “Alleinerziehende” reproduziert eine Frau den Muttermythos.

Da stellt sich doch die Frage: Warum gibt es eigentlich keine Kultur des Zusammenerziehens?

Keine Trennung auf der “Elternebene”

In erster Linie, wird man mit Blick auf die Familienstatistik sagen können, liegt das daran, dass es immer noch keine Kultur des präsenten Vaters gibt. Zumindest nicht in der breiten Masse. Projekte wie der Väterblog brechen diese Lücke auf, werden aktiv, motivieren. Und viele kleine Projekte aka Gleichberechtigte Elternschaft brechen im Kleinen mit der Tradition (wie etwa Susanne Klingner). Der zweite Knackpunkt ist, dass es in Deutschland keine “Trennungskultur” gibt – wie Mathias Voelchert beklagt. Das bedeutet, dass viele Paare sich heute noch auf die schlechtmöglichste Art und Weise trennen, egal, ob da gemeinsame Kinder sind oder nicht. Sie schlagen in ihrer Wut, Trauer und Enttäuschung alles so kaputt, dass hinter ihnen nur noch ein Scherbenhaufen bleibt, der es dann nicht mehr wirklich ermöglicht, zusammen an einem Strang zu ziehen. Erst langsam setzt sich in dieser Gesellschaft die Idee durch, dass eine Trennung auf der “Paarebene” noch lange keine Trennung auf der “Elternebene” bedeuten muss. Letztendlich zeigt es auch, dass eine Beschäftigung mit dem Thema “Trennung mit Kindern” viel stärker als bislang in die Hände der Väter gehört.

Natürlich sind viel zu viele Frauen alleinerziehend – und können es sich auch nicht wirklich anders aussuchen. Es steckt noch sehr tief in unserer Kultur, dass Frauen sich um die Kinder kümmern (dazu wird demnächst das spannende Buch Mamaland von Sabine Scholl erscheinen; eine erste Impression gibt es in Lettre International). Aber wieso fangen wir nicht endlich an und schaffen mit neuen Wörtern die Startbahn für neue Realitäten? “Zusammenerziehend” kann dabei vieles bedeuten: Dass zwei Personen, in der Regel die leiblichen Eltern, trotz Trennung auf der “Paarebene” gemeinsam Verantwortung übernehmen, gleich präsent sind. Oder dass sogar 2+x Personen daran teilhaben.

Familie ist eine Verantwortungsgemeinschaft – das geht weit über Vater, Mutter und Kind(er) hinaus. Der Soziologe Hans Bertram spricht zum Beispiel von einer “multilokalen Mehrgenerationenfamilie” – ein modernes Konzept, bei dem die Großeltern, wenngleich sie oft weit weg wohnen, sehr aktiv an der Erziehung teilhaben. “Multilokal” – das kann ja auch auf die Situation der leiblichen Eltern zutreffen. Und dann kommen noch die – wie Jesper Juul sie nennt – “Bonuseltern” ins Spiel. Schlussendlich sollten wir uns vielmehr die Frage stellen: Wer trägt in einer Gesellschaft die Verantwortung für die Kinder? Und warum ist es für uns so selbstverständlich geworden, diese Verantwortung ins Private, zur Mutter abzuschieben – anstatt dass sich wie in einem afrikanischen Sprichwort “ein ganzes Dorf” dafür mitverantwortlich fühlt?

 

(Dieser Artikel erschien zuerst als Kolumne auf freitag.de – wo sich eine sehr beachtenswerte Diskussion zum Thema entspann.)

Eva Padbergs Casting-Show – oder: seriously?

Fersehen habe ich abgeschafft. Vielleicht unter anderem unbewusst auch deshalb, weil ich zu viel Schrott sah. Das fraß Zeit. Gute Bücher lesen – das wurde selten. Abends saß man (!) eben zusammen, wie das Klischee eines alten, langweiligen Ehepaars, vor der Glotze. Und wie Harald Schmidt einmal so schön sagte, guckte “Vati” da gerne Germanys Next Top Model. Also ich auch. Gestehe ich. Das könnte ich jetzt irgendwie als subversive Handlung kontextualisieren: ich könnte sagen, es sei Feindbeobachtung gewesen. Oder gar wissenschaftlich, also aus soziologischem Interesse… Vielleicht war das der by-effect. Doch ich glotzte es, weil es unterhaltsam war, irgendwas in mir ansprach – ach, also all diese ‘unguten’ unreflektierten Gründe.

Auf jeden Fall fand ich es witzig. Und auf jeden Fall legitimiert man solche Paraden ja total – wenn man anfängt zu begründen, warum man sie schaut (was man ja in meinen Kontexten tun muss, wenn man sie schaut). Man legitimiert es, egal ob man die subversive Argumentationsschiene fährt, oder die unkritische. Irgendwann mochte ich es nicht mehr schauen. Irgendwann fand ich es falsch. Man kann ja gerne argumentieren, dass es doch nur an die Oberfläche bringt, was für eine Kultur wir haben, was für ein Geschlechterregime wirkmächtig ist, wie stark die neoliberale Leistungsrhetorik verinnerlicht wurde usw… ich sage heute: es ist Symptom und Verstärker zugleich. Es ist Manipulation und Verdummung. Aber ich richte nicht über Leute, die es gucken.

Nur: Was mich schon gerade ein bisschen geschockt hat, ist dass Eva Padberg auf VOX die gleiche Nummer durchzieht – seriously?! Vielleicht war ich unglaublich naiv: Aber Eva Padberg war bis eben (als ich eine Plakatwerbung sah, auf der sie lasziv blickend zu sehen ist, mit Hinweis auf die genaue Sendezeit) für mich die, die “es” anders macht. Die für eine andere Model-Kultur – sozusagen für alternatives Modeln – steht. Das Bild hat sie selbst auch immer wieder in Interviews etc vertreten. Ich will nicht sagen, dass ich sie deswegen irgendwie mochte. Und dass es jetzt deswegen “böser” ist, so ne Show zu machen. Es macht mich aber wohl irgendwie ratlos. “Es gibt kein richtiges Leben im Falschen!” – ist eine Parole, die mir gegen den Strich geht. Natürlich kann man – egal wo man ist – Dinge anders machen. Soll!

Eva Padberg war eine, die immer gesagt hat: ich mache das anders. Ich mache da und dort nicht mit. Es ist Ernüchterung, die mich befällt, wenn ich sehe, wie sie all diese Ansprüche mit einem Schlag einfach hinwirft. Und mitmacht. Schade, Eva. Ich wünsch dir, dass es sich wenigstens finanziell lohnt, als eine der Wenigen die es anders machen wollten, die Ideale über Bord zu werfen. Immerhin fällt es mir jetzt leichter, diesen Modelquark per se bekloppt zu finden.

Update: in der FR hatte die Dame wohl ein kurzes Gespräch über das “Warum?” (danke an mh für den Link)