Social Freezing? Yay or Nay? – sowohl als auch!

Die Debatte um Social Freezing ebbt nicht so recht ab. Irgendwie ist es ein vertracktes Thema, bei dem verschiedene Vorstellungen und Ideale aufeinandertreffen. Ich hatte bei den Wostkindern am Wochenende dazu einen kleinen Text, der meine Meinung zu der Debatte anschneidet. Aber natürlich nicht abschließend beantwortet. Nein: Mir ging es in meinem Text auch weniger um ein moralisches Urteil, als um einen Vergleich von Ost-West-Disparitäten. Was ich aber sagen kann, ist dass ich die Nachricht, Apple und Facebook würden ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren der Eizellen und sogar Leihmutterschaft zahlen, für einen schlechten Witz hielt. Aber dazu gleich mehr.

Vorgestern lief mir auf twitter Judith Lieres Beitrag über den Weg, in dem sie sich ärgert, wie die Debatte geführt werde. Sie tritt klar für die Möglichkeit des Social Freezing als Möglichkeit der Selbstbestimmung der Frau ein. Ihr zentraler Satz ist vielleicht:

Ich verstehe nicht, was daran so verwerflich sein soll, wenn man sich mit eingefrorenen Eizellen eine kleine zusätzliche Chance sichern möchte, einmal Mutter werden zu können, auch wenn das Leben nicht ganz so schnell und gradlinig verläuft, wie man sich das vielleicht einmal vorgestellt hat.

Wer hat recht? Ist Social Freezing, wie es von den Silicon-Valley-Unternehmen in den USA nun finanziell gefördert werden soll, ein Problem? Oder ist es die Lösung eines Problems?

Es ist wie so oft: Sowohl als auch. Und zwar je nach Kontext. Wenn mein Arbeitgeber Social Freezing der Mitarbeiterinnen unterstützt, damit sie erst später in Babypause gehen müssen, dann hat das andere Implikationen, als wenn ich als Frau mich entscheide, meine Eizellen einfrieren zu lassen, weil ich – wie 90 Prozent der anderen Frauen, die gerade keine Kinder bekommen wollen – gerade keinen passenden Mann habe oder aus sonstigen Gründen. Es sind zwei verschiedene Debatten und der Kontext ist entscheidend. Es ist eine Geschichte, die in das Private hineingehört. Eine Entscheidung, die dort stattfinden sollte. Was hat denn mein Arbeitgeber mit meiner Kinderplanung zu tun? Es ist doch die Debatte um die Arbeitswelt, die hier neben der Debatte um die Selbstbestimmung der Frau steht und ich würde davor warnen, das zu vermischen.

Holgi merkte auf twitter an:

Ich finde die Idee, auf Firmenkosten Eizellen einzufrieren, sehr problematisch – für diejenigen Frauen, die das nicht machen wollen.

und genau *das* ist der Punkt.


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Kiew und die Hilflosigkeit der Ukraine

Maidan

Ja, ich war in Kiew. Damit ging ein Wunsch in Erfüllung, der mich seit Anfang des Jahres ein bisschen wahnsinnig macht. Die Ukraine treibt mich um, weil mich zuerst nämlich Russland umtrieb und das hängt nun einmal miteinander zusammen. Dank des Korrespondenten-Netzwerkes n-ost hatte ich nun also die Chance. Schon im Juli hatten sie mich zu ihrem ersten Kongress in Berlin als externe Beobachterin eingeladen und auch dieses Mal durfte ich dabei sein und am Ende Feedback geben, was mir ein große Ehre war.

Am Freitagvormittag luden sie zu einem Ausflug auf das Anwesen des ehemaligen Präsidenten Janukowitsch, der aufgrund der Unruhen auf dem Maidan und im Land überstürzt hatte flüchten müssen. Davon folgen demnächst noch ein paar beeindruckende Bilder.

Zunächst aber eine Verarbeitung der Debatten, die auf “Stereoscope Ukraine” geführt wurden und der Probleme, die hier gewälzt wurden bei den Wostkindern. Ich verarbeite immer noch. Sowohl die Konferenz, als auch die Stadt und die Menschen dort, hinterlassen so viele Fragen und so viele Impulse von “man muss doch etwas tun können…!?!” Es ist noch lange nicht vorbei.

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Russlands Mauern

vergib uns, Ukraine

“Vergib uns, Ukraine” von @PaulSonne via twitter

Als der Friedensmarsch durch Moskau zog, lief der Youtube-Livestream bei mir fast den ganzen Tag nebenher. Es lag so viel Hoffnung und so viel Mut darin. Aber schon am nächsten Tag zerschlugen sich die Erwartungen und es wurde deutlich: die russische Politik mauert. Im Netz, gegen “ausländische Agenten”, gegen kritische Medien. Ein Mauern, das mich 25 Jahre nach der bewegenden Rede Genschers in der deutschen Botschaft in Prag nachdenklich macht, denn sehr viel weiter sind wir in der Entwicklung der Ost-West-Beziehung offenbar nicht gekommen. Waren damals vielleicht sogar schon weiter, als wir es heute sind. Warum das so ist, darüber denke ich bei den FAZ-Wostkindern nach.

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Schoßgebete

Vor gut drei Jahren las die Freitag-Community das Buch “Schoßgebete” von Charlotte Roche. Und ich las mit. Jetzt wurde nach “Feuchtgebiete” auch der zweite Roman Charlotte Roches verfilmt und ich durfte ihn mir ansehen.

Im Buch gibt es gleich zu Beginn eine lange Szene, die ausführlichst schilderte, wie die Protagonistin Elisabeth Kiel ihrem Mann einen blies. Bis ins letzte Detail beschrieb Roche diesen Vorgang, all die Finessen und Tricks, die Elisabeth anwendete, um es ihrem Mann so gut es nur geht zu besorgen. All das wird im Film jedoch weggelassen. Sönke Wortmann, Regisseur und Drehbuchautor, hatte sich aus Gründen dagegen entschieden. Stattdessen startet der Film mit einer Sequenz, in der Elisabeth als Profikillerin in die Redaktion der “DRUCK”-Zeitung eindringt und alle Redakteure abknallt. Ein Traum. Einer, der sie aber tief befriedigen dürfte.

In Schoßgebete hat Charlotte Roche den tödlichen Unfall ihrer Brüder verarbeitet. Damals hatte die BILD-Zeitung Roche und ihre Familie bedrängt und Bilder des Unfallortes veröffentlicht. Schoßgebete darf ruhig als Abrechnung der Autorin mit der Zeitung angesehen werden.

Wie ich schon damals in der Besprechung beim Freitag herausstrich, ist das Thema Tod neben der Therapie ein zentrales Thema im Buch. Und ich Trottel hatte das vergessen. Ich konnte mich eigentlich schon vom Buch nicht abgrenzen, es hat mich mitgenommen, es hat weh getan und einige Passagen habe ich überblättern müssen, weil sie mir zu sehr unter die Haut gegangen waren. Nun saß ich in diesem Film, mit Weiterblättern is da nix und die Bilder dringen unbarmherzig über den Sehnerv ins Gehirn, man könnte höchstens die Augen schließen, wenn man denn daran denkt. Auch das habe ich vergessen. Die Darstellung des Unfalls und die Krankenhausszenen sind wirklich nichts für Zartbesaitete.

Irgendwo hat neulich jemand diesen Film als langatmig und langweilig bezeichnet. Das kann ich nicht verstehen! gut: Da ist weniger schmutziger Sex drin, als manche vielleicht erwartet haben. Wie auch im Buch sind Tod und Therapie die Leitmotive, Sex ist der einzige Bereich, in dem sich Elisabeth freimachen kann, vergessen kann, entspannen kann. Sie, die sonst besessen davon ist, alles unter Kontrolle zu haben. als Elisabeth mit ihrem Mann in den Puff geht, wird der Film nicht gleich zum Hardcore-Porno. Dafür bin ich durchaus dankbar, er hat mich schon genug gefordert und ich ging mit stark klopfendem Herzen aus dem Kino.

Die Besetzung mit Lavinia Wilson und Jürgen Vogel finde ich im Großen und Ganzen gelungen. Wenngleich es eine Fehlentscheidung gewesen sein könnte, dass Wilson wortwörtlich Passagen aus dem Buch aufsagt, denn so klingt es manchmal: wie aufgesagt, unnatürlich und etwas gestelzt.

tl;dr: Schoßgebete ist nichts für Sensible und das Gegenteil von langweilig. Wie das Buch geht auch der Film dahin, wo’s wehtut. Nur der Sex kommt etwas kürzer, als in der Romanvorlage.

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Überwachung und Datenklau als Alltag

2013-05-02 18.06

H., hat jetzt ein Smartphone und irgendwie wurde mir in einem Gespräch mit ihr erst so richtig klar, dass und wie “Normalsterbliche” mit diesen Geräten eigentlich übers Ohr gehauen werden. Wenn man nicht wie viele meiner netzaktiven Bekannten und Freunde ständig im Diskurs aktiv mitmischt, nicht die Feuilleton- und Netzdebatten rezipiert und nachvollzieht, nicht an der re:publica teilnimmt und auch nicht zwischen den Jahren in Hamburg beim CCC eine Paranoia-Auffrischung vornimmt, dann steht man ziemlich alleine da. Erst Recht, wenn man wie H. ein Leben hat, das mehr als ausfüllend ist: Zwischen Job, Kita, Schule und das kleine bisschen Freizeit nicht noch mehr pressen kann – und sei es ein Aufholen einer Debatte, die seit Jahren auf nicht gerade niedrigem Niveau geführt wird.

Wenn H. Geburtstag hat, schenke ich ihr vielleicht “Ego”, denn sie liest gern und es wäre ganz vielleicht ein kleiner Wachrüttler. Bis dahin helfe ich ihr, threema auf ihrem Smartphone zu installieren. Und hoffe, dass die Politik sich endlich ihrer verdammten Verantwortung bewusst wird – wie ich es auch bei den Wostkindern im FAZ-Blog fordere.

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Kommt, wir setzen uns in einen Baum und machen Musik

Einfach nur Musik.
Manchmal wünschte ich, das Leben wäre so.
Deswegen bin ich tatsächlich neidisch auf Lisa Hannigan.
Natürlich bin ich auch neidisch wegen Irland.
Aber es ist doch beruhigend, das Gefühl zu haben, dass es geht: Man kann sich in einen Baum setzen und zusammen Musik machen.
Vielleicht machen wir das einmal – einfach so.
Irgendwann.

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“How to build a girl”


Niemand hat Johanna Morrigan je gesagt, wie man sich in besseren Kreisen benimmt. Sie ist wie Pippi Langstrumpf, die man zum Kaffeekränzchen von Annikas Mutter und Tante Prusselliese eingeladen hat.
Caitlin Moran hat ein Buch über die Jugend im Arbeitermilljöh der Neunziger geschrieben. “How to build a girl” heißt es. Ein Herzensbrecher ist es. Einer, über den ich auf Faz.net bloggte.

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