Manchmal muss man loslassen

Es war einmal eine gute Idee. Die wurde geboren, als eine kluge und erfahrene Frau fand, dass es nicht nur ein netzpolitisches Bier geben sollte, sondern auch ein Biertrinken und regelmäßiges Treffen all jener, die sich im Netz feministisch engagierten. Und diese Idee war wirklich gut und das netzfeministische Bier lief – ich glaube anderthalb Jahre oder so – wirklich entspannt und schön in Berlin und auch andernorts über die Bühne. Man traf sich, lernte sich kennen, tauschte sich aus, debattierte. Da war dieses Treffen in Berlin, bei dem plötzlich irre viele Piraten aufschlugen und das zu Diskussionen führte, ob man überhaupt Männer dabei haben wollte. Und da war dieses Treffen in der Turnhalle, wo alle an einer langen Tafel saßen, was schrecklich unkommunikativ war, aber aus der zeitlichen Ferne ist es lustig.

Dann kamen diese ganzen Verwerfungen. Leute stiegen aus der Mädchenmannschaft aus, Leute stritten sich um Diskursmacht und andere Mächte, Leute redeten hinter den Rücken von anderen schlecht übereinander oder benahmen sich ganz öffentlich auf twitter daneben und Leute hatten verschiedene Ansichten über so manche Streitpunkte. Egal. Es ist eben alles anders verlaufen, als gedacht. Eigentlich no big deal: Eine loser Zusammenhang mehrheitlich linker Menschen hat sich zerstritten, sowas gab es ja noch nie, oder?!?

Wie dem auch sei. Manche von uns mögen manch andere von uns nun ein bisschen weniger, als früher mal. Wer wen genau noch mag und wer wen genau grade doof findet im deutschsprachigen Netzfeminismus? – Keine Ahnung. Das ist für mich auch nicht mehr interessant und ich glaube auch nicht mehr an die Idee, die eigentlich vielleicht doch keine gute war, Leute einfach nur aufgrund eines gemeinsamen Labels zueinander zu bringen. Jede_r definiert Feminismus komplett anders und jede_r verfolgt andere Ziele. Susanne, Barbara und ich machen unseren Podcast und sind so, zu dritt, sehr glücklich damit. Es funktioniert, weil wir uns seit sieben Jahren kennen, seit sieben Jahren zusammen arbeiten und dadurch Vertrauen und Verbindlichkeit geschaffen haben, die bei einem lose zusammengewürfelten Haufen von sich ansonsten unbekannten Twitterern eben einfach fehlt. Es gab keine gemeinsame Basis, außer vielleicht das Wort “Feminismus”. Und selbst dieses Wort ist für manche vielleicht heute vergleichsweise belastet, damals war es eben hip.

Vielleicht liegt es auch an mir und ich bin zu störrisch und zu Meme-unfähig, um an einem Netzfeminismus teilzunehmen und twittter-Kampagnen zu fahren. Mich nervt ja schon, dass momentan alle alles mit Käse überbacken wollen. Die ersten drei Tweets fand ich noch lustig, aber nach dem zwanzigsten fing ich an genervt “deine Mutter überbackt alles mit Käse, du Genie” zu denken. Ich bin halt eine doofe Spalterin. ¯\_(ツ)_/¯

Na jedenfalls, lange Rede, heißer Brei: Ich habe das netzfeminismus-Blog gerade gelöscht und werde auch die Domain kündigen. Manchmal muss man eben auch loslassen. Klar, wenn ich unausgeglichen bin, dann schaue ich auch immer mal wieder auf die Twitterstreams von Feministinnen, die ich nicht mehr leiden kann, ich beichtete es ja letztes Mal schon. Das mache ich wie andere Frustfressen. Und weil ich schon auch traurig bin, dass alles so gekommen ist, dass Leute sich heute so verachten, die früher einmal Verbündete waren. Ist doch traurig. Und wenn ich eh schon traurig bin, dann zieh ich mir diese Tatsache eben in Form von Twitterstreams rein, dann sinke ich noch ein bisschen tiefer in die Melancholie und suhle mich ein bisschen. Kommt aber immer seltener vor, Ehrenwort!

Ich hatte diese Woche ja wieder meine zwei Podcasts und alles ist gut. :)

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Es ist nicht schön, so ohne Podcast

Am vergangenen Wochenende war ich in Hamburg und ich war auf dem ersten Hörerinnentreffen meines Lebens, das Holgi einberufen hatte und das wirklich schön war. Am Montag allerdings war ich schon beim Mittagessen ziemlich hinüber und kam dann ernsthaft krank zurück nach Berlin.

Anstatt also am Dienstag einen Lila Podcast aufzunehmen, lag ich den ganzen Tag im Bett. Die meiste Zeit schlief ich, zum Glück, denn mit Dienstag hatte ich den vermutlich schlimmsten Tag zum Kranksein und rumliegen erwischt, den es im ganzen Jahr geben wird. twitter war etwa eine halbe Stunde lang benutzbar. Die ersten Nachrichten vom Absturz der germanwings-Maschine schockierten natürlich und auch ich erfuhr dort zum ersten Mal davon.

Ab da lief im Fernsehen alles in einer bedauerlichen Dauerschleife. Ich nenne sie die Dauerschleife des unwissenden Aufbauschens. In schöner Regelmäßigkeit wurde erst nach Paris, dann nach Berlin, dann nach Düsseldorf und dann noch nach Madrid geschaltet. Eine Korrespondentin nach der anderen wurden Informationspopel aus der Nase gezogen, obwohl sie keine Informationen hatten. So ging das den ganzen Tag. Man zeigte die Anzeige auf dem Düsseldorfer Flughafen, die zufällig jemand gefilmt hatte und die nun als Nachricht herhalten musste “schauen Sie! da steht bei allen anderen Flügen die Landezeit oder ob sie zu spät kommen, beim Flug aus Barcelona steht einfach nichts!” Ist ja irre! da stand wirklich nichts! wahnsinn.

In meinen Augen haben sich die Medien in dieser Woche nicht mit Ruhm bekleckert. Und ich wünschte, ich hätte einen Podcast aufgenommen am dienstag, anstatt im Bett zu liegen und zu schlafen. Denn in Wochen, in denen ich keinen Podcast aufnehme, werde ich unleidlich. Ich glaube, ich bin süchtig danach, Podcasts aufzunehmen. So viel gibt mir das mittlerweile. Aber ich war krank und die restlichen drei Tage der Woche habe ich meinem stinknormalen Job gefrönt. Das geht dann so, dass ich frühmorgens das Haus verlasse und abends erst so spät wiederkomme, dass ich nicht mehr so gut denken kann.

Nun bin ich also unterpodcastet und das war ich schon einmal, vor ein paar Wochen. Ich werde dann unleidlich und lese die twitterstreams von Feministinnen, die ich nicht leiden kann. Weil ich so unausgeglichen bin. Und immer wieder fällt mir dann ein, dass ich so unleidlich bin, weil ich zu wenig gepodcastet habe.

Ginge es mir gesundheitlich besser, hätte ich gesten wenigstens noch einen ER Ost geschnitten. Aber ich war einfach nur fertig und fiel auf mein Sofa und dann in mein Bett. Nächste Woche wird das hoffentlich besser. Eigentlich habe ich Urlaub, aber ich komme nicht mehr klar ohne das Podcasten. Hoffentlich wird nicht wieder jemand krank :(

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Die Sache mit dem Buch

Es war eine Arbeit, die ich bereits im Januar 2014 begann und die bis exakt zum heutigen Abend dauerte: Buch schreiben, Buch zum ersten Mal abgeben, Buch zum zweiten Mal abgeben, nochmal neu strukturiert, klarer mit einem roten Faden. Dann wieder hier und da gemeinsam mit meiner Lektorin an Stellen feilen. Zum Schluss noch einmal ordentlich mit Quellen versehen und gerade eben habe ich all das abgeschickt und gerade eben habe ich mir ein Bier aufgemacht.

Es ist schon ein bisschen so, wie wenn man sehr lange über ein Wort nachdenkt und zwar so lange, bis es irgendwie völlig lächerlich dasteht. Das kann einem im Übrigen auch mit Menschen passieren, aber das ist eine andere, eine dramatischere Geschichte. Nun hoffe ich, dass auch wieder Zeiten kommen, in denen ich mich nicht so seltsam entfremdet von meiner Arbeit fühle.

Jedenfalls: Von meiner Seite ist das Ei nun gelegt, also kann ich ja auch mal anfangen, darüber zu sprechen.

Auch mit dem Cover war es so eine Sache. Ein Hin und Her, ein ja, nee, vielleicht besser nicht so, lieber anders, Rumprobieren. Am Ende ist es so, wie ich es mir irgendwie immer gewünscht habe, ohne aber zu wissen, dass ich genau so etwas will. Wie ein guter Freund, den man erst seit kurzem kennt und erst seitdem weiß man, dass man immer so einen Freund haben wollte.

Also:

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Das ist das Cover, so wird es aussehen und es erscheint beim Metrolit Verlag. Voraussichtlich am 18. Mai. Nicht wundern – noch ist bei Amazon ein anderer Titel und ein anderes Cover zu sehen (das mit Barbie und einem unfeinen Ausdruck). Das hier ist noch sehr frisch.

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Mutti, ich war im Fernsehen!

Als ich gestern im Flieger nach Köln saß, da war ich noch mittendrin im ersten Band von “Fifty Shades of Grey”, einem der Gesprächsthemen von “west.art Talk” am gestrigen Sonntag. Und ausgerechnet wenn ich so ein Buch lese, sitze ich neben einem meiner größten Vorbilder: Die Frau, wegen der ich überhaupt auf die Idee kam, Erziehungswissenschaften zu studieren! Die Frau, die ich schon immer so sehr respektiere und bewundere, dass ich damals, als es darum ging, ein Studienfach zu finden, das mir *wirklich* liegt, nachschaute “was hat die eigentlichs studiert?”. Ich klappte das Buch so weit es ging auf, damit diese kluge und weise Frau den Einband nicht sehen sollte.

In der Sendung waren ziemlich tolle Gäste: Feridun Zaimoglu, dessen Roman “Isabel” ich gerade lese und sehr mag, weil er sowohl sprachlich als auch was das aufgreifen sozialer Konflikte zwischen Frauen und Männern angeht, sehr bohrend wirkt, was ich mag. Er geht dahin, wo es weh tut. Sandra Henke, eine der erfolgreichsten Erotik-Autorinnen des Landes. Silke Niggemeier, Paartherapeutin UND Mitglied im Vorstand von SMart Rain-Ruhr e.V.. Und Tobias Ruhland, der als Paar- und Sexualtherapeut von der “Front” berichten konnte. Am Ende hätten wir alle gern nochmal genauso lang weiter miteinander gesprochen, so konstruktiv, respektvoll und gewinnbringend war das.

Und weil es so schön war, teile ich das nur zu gerne mit euch, denn man kann es in der WDR-Mediathek noch eine Weile ansehen.

Zu Fifty Shades selbst habe ich ein sehr ambivalentes Verhältnis. Ich schäme mich nach der Lektüre einerseits ein bisschen dafür, wie arrogant ich bislang, ohne es zu kennen, all jene abgeurteilt habe, die den Hype mitmachten. Andererseits hätte ich große Probleme damit, wenn eine Generation Mädchen oder junger Frauen nun die doch sehr klischeehaften Rollen und Verhaltensweisen zu irgend einem Ideal erheben würden. Schön wäre, wenn diese Geschichte neben vielen anderen Geschichten (lest Katherine Angel: “Ungebändigt”, lest Caitlin Moran “How to build a girl”!) Frauen auf Gedanken bringt…

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Sich zeigen, posieren, inszenieren

Ein sehr netter Kurzfilm lief mir da über den Weg, der überspitzt zeigt, wie Narzissmus im Netz blüht

ASPIRATIONAL from Matthew Frost on Vimeo.

Und dann ein schöner Text mit Gedanken zu Brüsten und Montagslächeln. Nein: Es geht nicht darum, dass man seinen Ausschnitt nicht zeigen sollte. Manchmal ist der vielleicht einfach drauf und niemand soll sich verstecken. Es geht vielmehr um die Häufung der Zufälligkeit und die Frage, ob ein Lächeln ohne Brüste eigentlich auch noch was Wert ist. Lieblingszitat:

Die Leute interessieren sich vielleicht einfach nicht dafür, auf eine Krankheit aufmerksam zu machen, wenn sie nichts dafür bekommen. Wenn sie aber eine Möglichkeit darin sehen, sich in Szene zu setzen, damit 800 Follower ihnen unter ihr Selfie schreiben, wie phantastisch sie aussehen – dann denken sie vielleicht darüber nach.

Das Blog der Dame heißt übrigens Brücken_Schlag_Worte und sei hiermit empfohlen.

Sehr schön auch der Text von Melanie Mühl:

Jede Zeit sucht sich die Krankheit, die zu ihr passt: Nach dem Ausgebrannten betritt nun der Narzisst die Bühne. Seine Hemmungslosigkeit ist nicht sein einziges Problem.

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Jugendarbeit und Jugendhilfe in privater Hand

Kicker

Der entscheidende Satz ist:

„Et jibt Bereiche, da sollte sich die öffentliche Hand nich rausziehen.“

Gesagt hat ihn die Leiterin des Edi, einem Jugendclub in Rehberge, den ich für BerlinABC besucht habe. Dieser Jugendclub soll im Frühsommer auch privatisiert werden, wie überall die Jugendarbeit privatisiert worden ist. Die Leute im Edi sind sich einig, dass diese Politik dazu führt, dass die Einrichtungen für Jugendliche unattraktiver werden. Dass sie im Endeffekt eingehen.

„Es gab früher mal viele Einrichtungen vom Bezirk, richtich coole Einrichtungen. Die wurden alle übertragen und die sind nun alle den Bach runter. Wahnsinn!“

sagt Stefan dazu, der auch im Edi arbeitet.

Noch gravierender sind die Privatisierungen im ganzen Bereich Jugendhilfe. Sehr bedrückend und wirklich nichts für zarte Gemüter ist dazu die ADR-Doku Die Story im Ersten: Mit Kindern Kasse machen, die ihr noch etwa ein Jahr in der Mediathek anschauen könnt. Sie zeigt, wie Kinder und Jugendliche von ihren Familien getrennt werden, aus Angst vor dem nächsten Todesfall. Aber die Jugendämter sind überfordert und haben das Krisenmanagement “outgesourced”. Die freien Träger, die nun einspringen, wollen schwarze Zahlen schreiben und brauchen deswegen Kinder und Jugendliche. Denen geht es oft richtig scheiße. Kontrollen gibt es keine. Ein paar Verfahren laufen.

Wie gesagt: Es gibt Bereiche, da sollte sich die öffentliche Hand nicht rausziehen.

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Kritik und Leid

Wenn mich jemand kritisiert, dann ist mir das vor allem dann sehr unangenehm, wenn es ein Freund oder eine Freundin ist. Jemand, dessen Meinung mir wichtig ist. Eine Person, der ich vertraue. Wenn diese Menschen etwas sagen, wenn sie etwas anprangern und bemängeln, das ich getan habe und das sie nicht gut finden, dann passiert erst einmal folgendes:

Mir wird ganz warm. Diese Wärme kriecht den Hals zum Gesicht hoch. Ich spüre, wie meine Wangen zu glühen anfangen und meine Mundwinkel verziehen sich. Meistens versuche ich es in Richtung “Lächeln” zu lenken, ein eher gequältes Lächeln, nehme ich an. Eine Art Lächeln.
Mir ist mein eigenes Glühen dann sehr unangenehm, deswegen würde ich mich gerne verstecken. Vielleicht nehme ich eine Hand vor meinen Mund um das seltsame Lächeln zu verstecken, vielleicht nicht. Vielleicht verstecke ich mich wirklich irgendwo (hinter einer Schulter, hinter einem Kissen, hinter einer Speisekarte), vielleicht nicht.
Richtig denken kann ich dann sekundenlang nicht. Könnten auch Minuten sein.
Es ist jedenfalls sehr unangenehm.

Und dennoch: Wenn ich zurückblicke, was ich schon alles gelernt habe, was ich schon alles ändern konnte, verbessern konnte und wiedergutmachen, weil Freunde mich auf Fehler und auf Blödes hingewiesen haben, dann bin ich doch sehr froh, dass ich irgendwann gelernt habe, Kritik auszuhalten und auch nicht so zu tun, als hätte es sie nicht gegeben. Wenn meine Freunde mich kritisieren, dann ist das in meinen Augen ein großer Vertrauensbeweis: Sie trauen mir zu, es auszuhalten. Sie vertrauen mir, dass ich mich nicht gegen sie wende. Und das größte Kompliment ist eigentlich, dass sie darin vertrauen, dass ich mit der Kritik etwas anfangen werde. Dass ich etwas ändere oder etwas zu lernen versuche. Kurz: Sie haben mich noch nicht aufgegeben.

Warum ich all das so aufschreibe?
Gerade heute dachte ich, dass frühere Freunde von mir, deren Verhalten ich kritisierte, vermutlich wesentlich weiter wären als sie es sind, wenn sie statt die Freundschaft zu kündigen diese Kritik irgendwie für so etwas wie “legitim” oder wenigstens “überdenkenswert” gehalten hätten und das, was ich meinte, überdacht hätten.
Haben sie aber nicht. Die Freundschaft ist nun hinüber. Was aber nie aufgehört hat, ist dass Leute genau auf diesen Fehlern rumreiten. Andere Leute. Natürlich mache ich das nicht. Das haben längst andere übernommen, andere, denen ebenso aufstößt, was mir aufstieß. Trotz Kündigung der Freundschaft also ist es nicht ruhiger für die Kritisierten geworden. Manchmal denke ich: Im Gegenteil. Es hat sich sogar verschärft. Und heute ist der Tag, an dem ich anfange, das lustig zu finden.

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Wir fahren durch die Hauptstadt

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Guten Tag, wir sind Katrin Rönicke und Holger Klein. Wir fahren mit dem ÖPNV durch Berlin und schauen uns an, was an den Bahnhöfen der Hauptstadt los ist.

Und da ist es, das neue Blog: Holger Klein und ich fahren durch Berlin und steigen an den verschiedenen S- und U-Bahnstationen im Bereich ABC aus. Was wir dort entdecken, das berichten wir auf FAZ.net. Unsere erste Station war der S-Bahnhof Bellevue, den Holgi gar nicht so langweilig fand, wie ich.

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